Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

serai, serail, m.

serai(l), m.
palast, besonders des sultans, auch von türkischen groszen Eggers 2, 893; miszbräuchlich auch für harem, vergl. Campe erg.-wb. das wort stammt aus dem pers. serâj 'haus, wohnung'. die gewöhnliche schreibung mit l (als serrail schon 1694 belegt) beruht auf franz. sérail; hier ist wol eine volksetymologische deutung im spiel, die in ital. serraglio, span. serrallo noch deutlicher hervortritt. wirkliche ableitung von einem mittellat. ser(r)aculum 'verschlusz' (das in prov. serralh, altspan. cerraje fortlebt) anzunehmen, gestattet die bedeutung nicht. s. Diez etym. wb.⁴ 293. Weigand 2, 701: dass Danischmend sich in der nächsten nacht vor einer hinterpforte der gärten des serai einfinden sollte. Wieland 8, 366 (Danischmend 44); hof und serail wimmelten jezt von Italiens auswurf. Schiller 3, 403 (kab. u. liebe 2, 3);
volkbeherrscher! götter unterm monde, ...
hielt die bulin (Venus) mit dem honigmunde
eingemauert im serail.
1, 188;
deken euch seraile dann und schlösser,
wann des himmels fürchterlicher presser
an des grosen pfundes zinsen mahnt?
344.
in tautologischer zusammensetzung serailhaus Göttinger musenalm. 1775, 9.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 618, Z. 9.

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Zitationshilfe
„serail“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/serail>, abgerufen am 23.01.2022.

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