Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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seraph, m.

seraph, m.
ein engel höherer ordnung, aus hebr. ףרָשָׂ (eigentlich name einer giftigen schlangenart der wüste —?, s. Siegfried-Stade hebr. wb. 764ᵃ), durch die bibel und kirchensprache verbreitet, vgl. Weigand 2, 701. schon im ahd. üblich: seraphin dhea angilâ. Isidor 20, 4; syrafin 22; cerubyn inti siraphin. Murbacher hymn. 7, 7, 1, in beiden fällen aus der lat. vorlage beibehalten. mhd. s. Lexer hdwb. 2, 889. bemerkenswert ist die pluralbildung. hier ist nhd. am üblichsten die hebräische endung seraphim: seraphim stunden uber jm. Jes. 6, 2; da flog der seraphim einer zu mir. 6; die cherubim unnd seraphim haben nunmehr länger denn fünfftausendt jahr die göttliche essentz unnd wesen betrachtet. J. M. Meyfart d. himmlische Jerus. 1, 285 (vgl. unten); diese allmacht der menschlichen sprache zu den gedanken der cherubim und seraphim. Hamann 1, 108;
himmlische jüngling, seraphim.
Klopstock 6, 237;
dir hören, wenn du das schwert im tief zerrissenen busen
der göttlichen mutter beweinst, mitweinende serafim zu.
Wieland 5, 38 (Amadis 13, 3);
sphären und der Olymp, seraphim, cherubim.
Schiller 1, 43;
seelenvolle harmonieen wimmeln ...
aus den saiten, wie aus ihren himmeln
neugebohrne serafim.
216;
es haben engel einzuläuten
dies fest die glocken selbst gerungen
und seraphim, die oberst prangen,
sind selbst als boten ausgegangen.
Arndt ged. 332.
im mhd. scheint die form einmal vorzukommen:
do geschuͦf er drî chôre ...
der dritte heiʒet seraphym.
Diemer ged. 3, 14,
allerdings im reim auf darin, und unmittelbar nach cherubin. demnach ist vielleicht auch hier seraphîn beabsichtigt, welche form, vermutlich aus dem syrischen stammend, unter einflusz der lat. kirchensprache sonst im mhd. (und ahd., s. oben) ausschlieszlich herrscht, vgl. Grimm gramm. 4, 467; z. b.:
einen (chor) hieʒ er cherubîn,   dar nâch [wâren] seraphîn.
genes. 1, 12 Diemer;
cherubin und seraphin kunnen
dich nicht zu vollen ansehen.
Brun von Schonebeck 1399;
cherubîn und seraphîn
und swaʒ der herren mohten sîn.
erlösung 391;
der newnde chor stund offen ...,
der ist gehaiʒʒen seraphin (: hin).
Suchenwirt 41, 1392
so auch noch vereinzelt im nhd.:
ein strahl, wie Miltons serafin
auf die empörten engel schiessen.
Wieland 21, 283 (Klelia 5, 266).
in auffälliger verwendung:
von der himelischen speis,
die der künig auf serafin
liesz hie der cristenheit.
H. Sachs dicht. 1, s. 8, 7 Gödeke
('eine der bei den meistersängern üblichen bezeichnungen für das metaphysische'). daneben wird der plur. auch nach deutscher weise gebildet, so unverändertes seraph schon bei Luther:
es stunden zween seraph bey jm daran.
8, 365ᵇ.
häufiger seraphe in neuerer zeit: Gottsched ist sehr ergrimmt, dasz durch Klopstock so viel seraphe und engel in die welt gekommen sind. Nicolai bei Lessing 13, 6. ebenso in der Kautzsch'-schen bibelübersetzung. (Smend alttestam. rel.-geschichte sagt sarafe.) — durch miszverständnis der hebr. pluralendung sind nicht selten die formen seraphim, -in auch als sing. verwendet: serafim, der, seraphinus, dicuntur angeli, supremae hierarchiae, quales etiam cherubini et throni. Stieler nachsch. 27ᵃ; schon mhd.:
du der wisheit ein seraphim.
Brun v. Schonebeck 340.
(ebenso mittellat. seraphinus, franz. séraphin, ital. serafino.) zu ihnen wird dann ein neuer plural mit deutscher endung gebildet, so seraphime oder gewöhnlich seraphinen (s. Wieland unter 2, vgl. auch seraphisch): von dem gesang unnd klang der cherubinen unnd seraphinen sind die uberschwellen desz hauses erbebet worden. J. M. Meyfart das himml. Jerus. 1, 228 (daneben seraphim, s. oben);
er ist ob serafinen.
H. Sachs dicht. 1, 50, 18 Gödeke;
du herr der seraphinen,
dem tausend engel dienen.
kirchenlied von Benj. Schmolck;
mich däucht, ob säh mein geist den unsichtbaren gott, ...
der seraphinen herrn, den herrscher Zebaoth.
Brockes 1, 157.
1)
im eigentlichen sinne: gott, der die stimme des thons, der erde und asche so .. wohlklingend, als das jauchzen des cherubs und seraphs macht. Hamann 1, 91; wer über den schwindlichten graben vom lezten seraph zum unendlichen sezt, wird auch diesen sprung ausmessen. Schiller Fiesko 3, 2;
weit über euerm haupt, schöpft, in den höchsten sphären,
der seraf götterlust aus dem vollkommnen quell.
Wieland suppl. 1, 228 (nat. d. dinge 4, 513);
vom mogolen bis zum griechschen seher,
der sich an den lezten seraf reyht.
Schiller 1, 287.
2)
auf menschen übertragen (wie engel): eine welt pöbelseelen wiegt so eine einzige nicht auf, geschaffen, aus myriaden ausgewählt, seraph oder teufel zu werden. Fr. Müller 2, 170. — ironisch von mönchen:
ein traumgesicht von jener art,
die oft, trotz skapulier und bart,
Sankt Franzens fette serafinen
in schwüler sommernacht bedienen.
Wieland 10, 157.
so auch:
die weiber schienen nur erpicht,
den theuern waldseraph zu sehen.
Lessing 1, 114 ('der eremit').
3)
seraphe, f., für giraffe Oken 7, 1323.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 618, Z. 34.

seraphim, seraphin

seraphim, -in,
s. seraph. seraphinisch, s. seraphisch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 619, Z. 64.

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Zitationshilfe
„seraphim“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/seraphim>, abgerufen am 24.01.2022.

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