Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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serbe, f.

serbe, f.,
nominalbildung zu serben (vgl. daselbst).
1)
krankheit u. ähnl.: der ander mangel, so sich begibt, ist ein augen serb, oder schwerung der augen, das sie fast hitzig und rot werden, stechen heftig und brennen wie feuer. Conradinus ungerisch sucht (1574) 171. so noch schwäb. serbe, f. abzehrung, lungenschwindsucht Birlinger 386ᵇ, vgl.serbet unter serben 4. — mhd. in weiterem sinne:
daʒ himelrîches erbe
volkreftic âne serbe.
Joh. von Frankenstein d. kreuziger 2148.
2)
concret, als bezeichnung verkümmerter fischformen: ein beispiel einer solchen wahrscheinlich wegen mangel an gehöriger nahrung verkümmerten form des scardinius erythrophthalmus bietet Heckel .. ähnlich abenteuerlich geformte kümmerer des squalius dobula werden im Salzburgischen 'serben' genannt. Siebold süszwasserf. s. 12, anm. 2.
3)
nordböhm. das abgeschnittene getreide, das zur fütterung dient, s. serben, einleitung zu ende. Frommann 5, 477.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 620, Z. 65.

serben, verb.

serben, verb.
welken, hinsiechen, hinschwinden, abnehmen, langsam absterben, von pflanzen und menschen. ein dem hochd. eigenthümliches wort ohne sichere anknüpfung (weder zusammenhang mit sêr, schmerz, noch mit sôr, trocken, ist sprachlich denkbar), ahd. serawên, serwên tabescere, languere, marcere, arescere Graff 6, 271. 280; mhd. sërwen, sërben (auch serwen?) Lexer handwb. 2, 892. nachtr. 364. Scherz-Oberlin 1489. im nhd. nicht allgemein üblich, am meisten bei Schweizer autoren. daher auch bei Maaler 341ᵃ: särben, erligen, lassz unnd müd werden, oblanguere. särbend languidus. daraus bei Frisch 2, 265ᵇ und Campe. sonst in den wörterbüchern nicht verzeichnet. in den oberdeutschen mundarten noch jetzt allgemein verbreitet: schweiz. serben, särben Stalder 2, 371, sërbe Hunziker 240, serba Tobler 423ᵃ, särbă Bühler Davos 1, 282, schwäb. serben Birlinger 386ᵇ, bair. serbm Schm. 2, 324, östr. serben (abserben) Höfer 3, 140, tirol. serbm Schöpf 671, serven Hintner 208, kärnt. searbn, soarbn Lexer 232, heanzisch sirben, hinserben Frommann 6, 344. vgl. auch Weigand 2, 701. auf ein altes causativ scheint zurückzugehen das nordböhm. (ab)serben 'das zu üppig aufschieszende getreide stutzen'. 5, 477. das perf. wird gewöhnlich mit haben umschrieben.
1)
von pflanzen, welk werden, verdorren: aber der im himmel wohnt, vergiszt nicht das dürsten des felds und das serben der pflanzen im brennenden boden. Pestalozzi 2, 134; das volk, das schon lange diese bäume serben sah. 195; hier fault das samenkorn schon in der mutterpflanze, dort trocknet es aus, ehe es reif ist ... und auch wenn es aufgeht, nagt der wurm an seinem herzblatt und macht es serben. 6, 3; die eiche aber meinte, es habe noch nie ein bauer eine hohe eiche darum niedergehauen, damit das gras, das unter ihrem schatten serbte, fettes, hohes und blühendes wiesengras werde. 10, 67;
kaum zeigte sich annoch von unsrer gärten ruhme
ein welker amaránt und eine ringelblume,
die unter frost und sturm halb serbend ausgedaurt,
und mit gesenktem haubt der schwestern tod betraurt.
Drollinger 66;
kaum an zu tragen fangen sie (die kirschbäume),
und schon zugleich zu serben,
hoch in den lüften prangen sie,
um unten abzusterben.
Rückert (1882) 3, 88.
2)
nicht oft von thieren: oder man hat sie (die unholden) ausz jhres feindes stal oder schäferei gehen gesehen, unnd darnach erfahren, dz gleich darauff dasz viech angefangen zu serben und zu sterben. Fischart Bodin 243ᵃ; er (der mensch) schafft einzelne thiere, die in der wildnisz serbten, zu heerden um, die sich an gestalt und abtrag unter seiner huth nicht mehr gleich sehen. Pestalozzi 6, 4.
3)
von menschen, rein körperlich, kränkeln u. ähnl., vgl.: 'bei menschen bezeichnet es ein siechthum, das zwar nicht tötlich, doch eine lange zeit währen kann'. Stalder 2, 371: etlich werdent serben und sochen in jn selber. quelle bei Schm. 2, 324; dardurch er erstlich ein grausamen durchlauff bekummen, und nach langem serben sich inn jm die leber oppilirt, ... also dasz er durch sölches in die wassersucht gefallen ist. Thurneisser erdgewächse 45ᵇ; das ... der amman (Hieron. Stocker) ... ouch heym gefaren ist: uff der straasz, aber uff dem rosz, entnuckt, an ein aast geritten, von dem rosz gefallen, und sich der maaszen gewirset hat, das er nie wider zuͦ recht kamm, sunder me dann ein halb iar ellendicklich serwet und grosse nodt erleydt, und letstlich des fals iämerlichen starb. Bullinger 1, 206; o seine kinder, sie serben (dazu die anmerk.: kränkeln, an der gesundheit abnehmen), sind gelb, krumm und schwarz. Pestalozzi 1, 102; und sahen — im ganzen hause nichts, als halbnackende kinder — serbende — hunger und mangel athmende geschöpfe. 317; dasz eine menge mütter ihre kinder fast noch im unmündigen alter mit gewalt und schlägen zu unvernünftiger anstrengung im spinnen zwingen, und sie so von der wiege auf serben machen. 2, 353; zu tausenden schleichen im mittelstand unverheurathete, blasse, serbende gesichter umher und suchen den arzt. 7, 340. so auch mit verschobener beziehung: wer echicus ist oder den serwenden siechtagen hat. quelle bei Dief.-Wülcker 853. von den einzelnen gliedern:
daʒ hôhst gelit ist daʒ houbt:
sô daʒ mit siechtum wirt betoubt,
zehant laʒʒent unde serbent
alliu gelit und verderbent.
Ottokar reimchr. 24496.
serben im gegensatz zu sterben:
daʒ ir in disen zwein tagen
vil gwisliche sterbet
und niht lange serbet.
daz bloch 114;
so wir (teufel) inan antuond mengerlai dœd,
und doch niemer mugend sterben
und an end darinne muossend serben.
des teufels netz 7658;
sondern wann der tag herruckt,
dasz er (der böse) durch den tod entzuckt
von dem unglück solte sterben,
laszt er (gott) ihn noch länger serben.
Abele 3, 53.
besonders in der ältern sprache auch von seelischen zuständen, sich in kummer verzehren u. ähnl.: in hoffnung särben oder kummerlich geläben, animam trahere in spe. Maaler 341ᵃ; geseribt hat mein sel in deim hayl, defecit anima mea in salutare tuum. quelle (ps. 118, 81) bei Schm. 2, 324; das ist der nagel zu ihrem sarge gewesen, das hat sie nicht verwinden können und ist völlig von einem tage zum andern dahingeserbt. Herm. Schmid d. bair. Hiesel, gartenlaube 1865, 210;
ich serwen in leitlîcher klag'.
ges. abent. 1, s. 323, 233;
sag an, muͦʒ ich mich richten
ûf ein lebendig sterben
und niuwen iâmer tichten
in herzen und ouch immer mêre serwen?
Hadamar v. Laber jagd 464;
hin ist all muͦt!
o schwöster guͦt,
grosz ist min pin,
das du bist hin
und ich noch hie muͦsz serben.
Blaurer bei Wackernagel kirchenl. 3, s. 579, nr. 662, 2.
geistig oder sittlich verkommen: es wäre ihm (dem menschen) .. gewisz besser, er könnte seine nichtigen tage .. im wald dahin leben, als bürger eines staats zu seyn, und aus mangel bürgerlicher bildung am fluch einer kette zu serben, die ihm das gefühl der rechte seiner natur von allen seiten verwirrt. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 117.
4)
ableitungen: serber, m., tirol. server kränklicher mensch Hintner 208. — schweiz. serbet, m., serbete, f. langwierige krankheit, besonders auszehrung, schwindsucht Stald. 2, 371, seuche, epidemische krankheit Hunziker 240, serbeta, f. langes kränkeln. Tobler 423ᵃ. — (serblied, n. Brockes 1, 208 druckfehler für sterblied.) —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 621, Z. 9.

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Zitationshilfe
„serben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/serben>, abgerufen am 22.01.2022.

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