Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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serchen, verb.

serchen, verb.,
auch sarchen(en), in der gaunersprache, stinken, (tabak) rauchen Avé-Lallemant 4, 594, aus hebr. sorach, vgl. auch selchen 4, sp. 510.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 622, Z. 71.

serge, f.

serge, f.
eine art wollenstoff, mit leinen oder mit seide gemischt; decke aus solchem stoff. ein lehnwort aus franz. serge, sarge, prov. serga, mittellat. sargia, das auf lat. serica 'baumseide' zurückgehen soll. Diez etym. wb.⁴ 281. 730. schon mhd. bezeugt, mit den nebenformen sarg(e), scharse, s. Lexer hwb. 2, 890. im nhd. vielfach sarsche geschrieben (auch scharse), s. th. 8, 1802, auch sersche; als masc.: sersch, serscher, m. sargia, serga. weisser, schwartzer sersch. sargia bianca, nera etc. englischer sersch. Kramer dict. 2, 771ᶜ. gesprochen wol immer nach frz. weise. auch für die ältere sprache scheinen die vereinzelten schreibungen mit sch auf französische lautgebung zu deuten; auffällig ist dabei die häufigkeit der schreibweise mit g. auch die bedeutungsdifferenz zwischen der ältern und neuern sprache ist nicht zu übersehen.
1)
in der ältern sprache meist für ein bestimmtes, zugeschnittenes stück, decke, teppich, bettdecke, matratze u. ä.: matta ... ein sergen Dief. gl. 351ᶜ; storea matzen vel sergen. 554ᵇ; stragula ... eyn saerts. 554ᶜ; stroma ... serg vel decke 556ᶜ; serg od. decklach, torale. voc. v. 1482 bei Lexer a. a. o. sergen als erklärung von teppich in Petris nachdruck v. Luthers neuem test. (1523) s. Frommann 6, 44ᵃ; serg oder decke auff beyden seiten gefotzet, amphimallon Dasyp.; aulaea vel aulaeum, eyn gewürcket oder heydnisch tuch, decke oder sergen. ders.; storea eyn matze, serge, bintzdeck. ders.; stroma, eyn serge, decke. ders.; serge, stroma. Serranus dict.; sergen (die) matzen, matzelonen, storea Maaler 370ᵇ; gefotzet kleid oder serg gausape. lex. trilingue (1590) bei Diefenbach-Wülcker 853; cortina, ein serg, teppich. cortina striata, serg mit fallten. dict. lat.-germ. (Frcf. 1610) 199; serge, f. couverture. Hulsius 296ᵇ; grobe deck, serg, gausape. Henisch 669, 13; gardin, serg, tecke, teppich, aulaeum, velum ad locum aliquem contegendum. 1357, 17; serg, stragulum, storea, ausz binzen. voc. v. 1618 bei Schmeller 2, 325; serge, f. tegumentum, couverture. Schottel 1415; serge (die) tegmen, tegmentum. Steinbach 2, 581; serg, decke, stragulum, stroma Dentzler 2, 262ᵇ; vgl. auch Frisch 2, 150ᵃ; noch jetzt im Elsasz für eine bettdecke von grobem selbstgemachtem zeuge von dunkelblauer oder dunkelroter farbe: und kumment denn etwenn die gest ... so fürst du sye in die kammeren, und zöigst jnen deine bett und sergen. Keisersb. post. 2, 77ᵇ ('bettüberzug von grobem selbstgemachtem zeug von dunkelroter oder dunkelblauer farbe'); die serg ist zuͦ schmal, sie mag nitt zwei gedecken. narrensch. 53ᵇ; er kam in die kammeren, da waren hübsche bedt, sergen, küsse, und desgleichen. 79ᶜ; die serg ward gemacht, der weber bracht sie im. da sie über das beth gemessen ward, da was sie vil zuͦ klein. Frey gartenges. 126, 17 Bolte (cap. 110); welche sergen, kotzen, teppich und dergleichen wahr nach und zu führen. Fronsperger kriegsb. 3, 186ᵇ; daraus machen die Spanier tappeten, sergen, matzen, schiffseyl und andere seyle. Tabernaemont. 549 H; decke das rossz mit decken und sergen warm zu. 645 H; darnach decket man den zuber mit sergen und andern dergleichen decken zu. 637 K.
2)
jetzt bezeichnung des stoffes, leichtes geköpertes wollenzeug, vgl. Jacobsson 4, 144ᵇ ff. (serge, schärge, scharge). 7, 339ᵇ. Karm.-Heeren³ 7, 537. ähnlich zuweilen schon in der ältern sprache: ich send ain grüns tuch, das man haist ain sergi. Heinr. v. Nördlingen an Marg. Ebner br. 43, 47 (vom j. 1345); wie die fraw all jr seiden cleyder verbrennet, und sich in eyn serg gleich jrem man becleydet. Aimon B 1ᵃ; da becleydt er sich mit braunen sergen. ebenda (vgl. sergen, adj.);
in der tracht der beguinen,
in dem mantel mit der kappe
von der gröbsten schwarzen serge
ist vermummt die junge nonne.
H. Heine 1, 350 Elster (der Apollogott 3).
früher sagte man in d. Rhön serges 'ein weiberrock von leinenem tuch', s. Baierns mundarten 1, 124.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 623, Z. 64.

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Zitationshilfe
„serchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/serchen>, abgerufen am 25.01.2022.

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