Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

serpentin, m.

serpentin, m.
1)
serpentinstein, m. eine weiche steinart (topfstein, speckstein, seifenstein), von meist dunkelgrüner oder schwärzlicher farbe mit schwarzen, braunen, rötlichen, gelben u. s. w. flecken, die besonders in Sachsen (um Meiszen, bei Zöplitz) gebrochen und zu allerlei gefäszen verarbeitet wird, s. Adelung. Nemnich (serpentinus lapis). Oken 1, 221 ff. (vgl. das register). Jacobsson 4, 146ᵇ. 7, 340 (serpentinstein, serpentinmarmor, Zöplitzer marmor, talcum serpentinum, lapis nephriticus). öcon. lex.² 1719 f. Eggers 2, 900 unterscheidet von dem Meisznischen serpentinstein ('eine art grünlichen alabasters') den härtern, ägyptischen serpentin-marmor (ophites) der alten. serpentinstein, lapis serpentinus, marmor viride. Stieler 2140; ophites, marmor durissimus, colore viridi saturatus, dilutis ejusdem coloris maculis quasi aspersus, vulg. serpentinus. nachsch. 27ᵃ; serpentin, m. eine art weichen marmors, der sich drehen läszt, dasz man allerley geschirrlein daraus machen kan. wird in Meissen gefunden. weil er unterschiedene dunkele farben hat in seinen flecken, als grünlich und schwarz, die auch an schlangen gefunden werden, so heiszt er von serpens, serpentinus. Frisch 2, 265ᵇ. von einer felsart, die vorwiegend aus serpentin besteht, auch serpentinfels, m. ophites, serpentinus saxosus (saxatus) Nemnich, vgl. Behlen 5, 615. Oken 1, 507 f.der name stammt aus lat. serpentinus lapis (ital. serpentino), das seinerseits in griech. ὀφίτης sein vorbild hat. der stein ist so benannt nach einigen wegen seiner schlangenhautähnlichen schillernden farbe (vgl. Frisch, s. oben), nach andern, weil man im alterthum glaubte, dasz er den schlangenbisz heile. Weigand 2, 702.
2)
in der artillerie, ein altes französisches stück, das 13 fusz lang war und 24 pfund schosz, s. Jacobsson 4, 146ᵇ. Eggers 2, 899. vgl. die früher so verbreitete bezeichnung schlange, feld-, handschlange für geschütze, s. Böheim waffenk. s. 436 ff. volksetymologisch entstellt zu scharfentin und ähnl., s. scharf 10, c, theil 8, 2188 (scharpentin Freytag 20, 27). — dazu das deminutiv serpentinel(l), n. (?) ein kleineres stück, das 14 kaliber lang war und 16 (19?) lot schosz, verdeutscht schlänglein, schmirgel (scharfentindl Böheim s. 436, anmerk. 2. 441). Jacobsson 4, 147ᶜ (7, 339ᵇ mit abweichenden maszangaben). Eggers 2. 899.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 627, Z. 24.

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Zitationshilfe
„serpentin“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/serpentin>, abgerufen am 24.01.2022.

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