Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

serviette, f.

serviette, f.
tellertuch, tuch, das man beim essen über den schosz legt oder am halse befestigt, um die kleidung vor flecken zu schützen und mund und hände daran abzuwischen, s. Kinderling 149. Adelung. öconom. lexicon² 2720 f. Jacobsson 4, 147ᵃ. lehnwort aus dem franz., s. Weigand 2, 702, der es zuerst aus Schuppius (1657) zu belegen weisz. es findet sich aber schon im 16. jahrh., zuerst in ganz franz. form zum 21. juli 1510: item adi 21 luio schenckt dem abt von Halszprun ein stück der fein servietes von Lion, nemlich 12 faczolen. Tucher haushaltbuch s. 79 Loose (s. auch s. 74, anmerk. 1, und s. 81). das diminutiv vom jahre 1542, s. unten. ferner: serviet, hantwêl, mantile, mantelium. Chytraeus nomencl. lat. sax. (Rostock 1582) 405; höffliche leute schlecken, oder belecken die lefftzen nicht mit ausgestreckter zunge, sondern wischen sie mit der servieten (tellertüchlin, mapellâ, mapullâ) ab. Comenius sprachenth. 559; mantelium, mantellum et mantile .. ein salvet, servet, facinetlein, tellertüchlein, daran man die hände träugt. Corvinus fons lat. 389ᵃ; serviet, ein teller-tuch, vom französ. serviette, und dieses vom lat. servire. sonderlich, weil die aufwärter und diener dergleichen tücher an sich, oder in händen haben, mappula. Frisch 2, 265ᶜ; er kont nicht mit den gemodelten, labirintischen servieten unnd fatziolen umbgahn. Garg. 45ᵃ; jung geschwind ein serviet her. Schuppius 109; jucha sind dünne kuchen, fast als pergament, ... die gebrauchen sie (die Perser) erst an statt der servietten oder vortücher, wischen die fetten finger daran. Olearius persian. reisebeschr. 313ᵇ (ähnlich auch 225ᵇ); es (die coiffure) sicht eben ausz, wie gefaltene servietten, wie man sie ahn den teütschen höffen macht, wan frembde kommen. Elis. Charlotte 3, 559; es sicht eben ausz, alsz wen 3 gefaltene servietten über einander legen. 571; diese hat mich gebeten, den mittag mit ihr ganz allein auf der serviette zu speisen. Weisze lustsp. 2, 253; die germanische hausfrau lernte schon damals tischtücher und servietten in ihrer truhe zu bewahren. Freytag bilder 1, 281;
das garn ist auch schon zugericht
zu tischtuch und servietten.
wunderh. 2, 256 Boxberger.
zuweilen in entstellter form, so mit ausgeworfenem i servete. die modos, die man zu tischtüchern, serveten, handzwehlen, thresortüchern zugebrauchen pflegt, sind mancherley, als augicht, würffelicht u. s. w. Garzoni piazza univ. (1641) 568ᵃ. vgl. Weigand a. a. o. im diminutiv: vi elen geblumte leinwandt vor ii fl. zw seruetlein. Leipz. stadtrechn. 1542—3 fol. 162ᵇ; mantile, handzwehel, servetlin, handtuch. Golii onomast. (1582) 319; die ersten leuthfresser (anthropophagi) ... trincken ausz den hirnschalen der menschen, unnd brauchen die haut sampt den haren für bruͦst tücher, oder servetlein, daran sie die hend wüschen. Heyden v. Dhaun Plinius s. 7. andern ursprung hat vielleicht die form salvet(t)e, s. daselbst th. 8, 1704, vgl. auch tischsalvet th. 11, 519. — als verdeutschung ist in der ältern sprache, besonders oberdeutsch, handzwehle üblich, vgl. daselbst (th. 4, 2, 431) und oben (mhd. twehel s. Schultz höf. leben² 1, 370, 5); am allgemeinsten üblich ist tellertuch, s. theil 11, 242; vereinzelte versuche sind mundtuch und träufeltuch, s. Campe erg.-wb.mundartlich z. b. schweiz. sérwiete Seiler 268ᵃ, luxemb. servét, f., plur. -en (auch für 'arschwisch') Gangler 415. verbreiteter ist salvet(te), s. das.; so auch thür. salfêde, -fède, -faede, -salviède (med salfêde ze sàin, mit respekt zu sagen, salva venia) Hertel 44. sprachschatz 228. — dazu servietten-bänder 'sind bänder, die die frauen, welche kostgänger halten, an das ende der servietten knüpfen, um immer zu erkennen, wem sie zugehöre'. Schultz alltagsleben s. 189 (jetzt in familien zu ähnlichem zwecke serviettenringe); servietten-presse, f. zum einpressen und aufbewahren von servietten. ebenda. öconom. lexicon² 2721. Jacobsson 4, 147ᵃ; nöthigenfalls würde durch bündelschnüren und serviettenverpackung dafür gesorgt werden, dasz küsterei in ihren gerechtsamen keinen schaden erlitte. Immermann Münchh. 3, 34. — selten in andern verwendungen, so im handelswesen für ballen; in der chirurgie serviette mit dem scapulier für eine art binde, s. Jacobsson 7, 341ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 629, Z. 30.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
selbstvertagung seuge
Zitationshilfe
„serviette“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/serviette>, abgerufen am 23.01.2022.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)