Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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setbord, setgang, sethaken, setkolben

setbord, -gang, -haken, -kolben,
s. setzbord u. s. w.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 641, Z. 55.

staken, m.

staken, m.
pfahl, stange.
1)
verwandtschaft und form.
a)
eine westgerm. bildung zum verb. stechen, also etwas stechendes, hervorstechendes, -ragendes bezeichnend: ags. staca Bosworth-Toller 906ᵇf., mittelengl. neuengl. stake, vgl. Skeat 589ᵇ; altfries. stake Richthofen 1044ᵃ; mnd. stake Schiller-Lübben 4, 351ᵇf. 6, 270ᵃ, mnl. stake, m. f., jetzt holl. staak, m.: staeck, stipes, baculus, fustis, pedamen pedamentum, sudes, paxillus; statumen, palus, pila, terminus. Kilian, vgl. Franck 949 f. ob das wort auch im nordgerm. ursprünglich vorhanden war, ist unsicher. die seltnen isl. wörter stakka, f. stumpf Cleasby-Vigfusson 587ᵃ und stjaki, m. 594ᵃ sind nicht direct zugehörig; bei altschwed. staki, schwed. norw. stake, dän. stage aber ist entlehnung aus dem nd. möglich. sicher ist aus dem germ. entlehnt die roman. gruppe ital. stacca, span. prov. estaca, altfranz. staque, estache, s. Diez⁴ 305. vgl. Weigand 2, 792. Kluge⁶ 375ᵃ.
b)
im deutschen ist stake im mittelalter auf das nd. sprachgebiet beschränkt, wo indessen die belege auch erst dem 14.—15. jahrh. angehören. in nd. glossaren: falanga .. pranghe vel stake (voc. sax.-lat. v. 1425), staecke (Schueren Theutonista 1475). Dief. gl. 223ᵃ; stake, stanghe, pranghe. nov. gl. 165ᵇ; sudes eyn thuͤn-, tunstake. 354ᵃ; stake, tunstake, tuen staek, tuyn staeck off pael (gemma gemmar., Cöln 1507). gloss. 564ᵇ; palus ... nd. staeck, stake. 408ᵇ; paxillus ... eyn staeck mit yser of cleyn paelken (gemma). — vereinzelt steht stacke in der willkür der stadt Heiligenstadt v. 1335: wer do treit eyne külen, eynen stacken, eyne stangen, eyn swert u. s. w. 3, s. J. Wolf gesch. der stadt Heil. (1800), urk. s. 5. sonst findet sich in der hd. schriftsprache stake seit dem 15. jahrh. dasz es aus dem nd. entlehnt ist, beweist der mangel der lautverschiebung und bestätigt das früheste auftauchen in den denkwürdigkeiten des Hallischen ratsmeisters Spittendorff: auch solten sie kein feuerwerck, weder holtz, reis, stacken noch stro keinerley nemen. 171, 12 (jan. 1476). mit derselben schreibung bei Trochus voc. (Leipzig 1517): pertice craticie vel sudes interstitiales dy stacken. O 6ᵇ. auch später ausschlieszlich bei norddeutschen autoren bezeugt. von den allgemeinen wörterbüchern seit Schottel aufgenommen: stake, m. palus, zaunstake. 1420; dabei tritt gewöhnlich wechsel des geschlechts ein: stake, f. stecco, palo. Kramer dict. 2, 903ᶜ; stake, die, ut zaunstake, palus, fistuca, pertica, ramus fortis, columen. Stieler 2161; stake, f. im niedersächsischen am meisten gewöhnlich. Frisch 2, 315ᶜ. ebenso bei Campe, dagegen bei Adelung: der staken. (so auch bei Hebbel, s. 2.). die meisten zeugnisse lassen das geschlecht nicht erkennen. zuweilen begegnet die form stacke für stake, so in den ältesten hd. belegen, s. oben, ferner bei Petri (s. 6) und Jacobsson 4, 245ᵃ; auch mundartlich, s. c.
c)
mundartlich ist stake nd. allgemein verbreitet, s. Richey 285. Strodtmann 227. brem. wb. 4, 982 (daneben stakke 985). Schütze 4, 183. Dähnert 456ᵇ. Stürenburg 260ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 296ᵇ, staok'n Danneil 209ᵇ. das geschlecht wird nur für die südwestlichen (südhannov.-westfäl.) mundarten ausdrücklich als masc. angegeben: stâke(n) Schambach 207ᵃ, staken Woeste 252ᵇ, štākᵉ(n) Bauer-Collitz 98ᵃ. im preusz. neben einander stâke, f. und stâke(n), m. Frischbier 2, 360ᵃ, dagegen in Liv- und Estland der stake Hupel 225. (daneben sowol staake wie stacke. 224). — stake hat sich aber auch über die angrenzenden mitteld. mundarten verbreitet, als masc. stâke(n) hess. und nordthür. Vilmar 394. Hertel sprachsch. 233. Kleemann 21ᶜ. Jecht 107ᵃ, in Köln sto̜ke Hönig 152ᵃ; verschiebung zeigt nur das luxemb. stâch, f., plur. stâchen Gangler 428. im süddeutschen fehlt es ganz; in Handschuhsheim dafür stang. Lenz 67ᵇ. (tirol. stôggn, m. stengel beim kraut, ist jedenfalls fernzuhalten, s. Hintner 230.)
2)
die ursprüngliche bedeutung eines spitzen, hervorstechenden holzstückes ist noch deutlich in der zusammensetzung baumstake, s. theil 1, 1195. sonst bezeichnet stake stets ein loses holzstück, und zwar ein gröszeres, in die länge ausgedehntes, von geringer oder gröszerer dicke, sodasz es bald mit stange, stab, stock, bald mit pfahl synonym ist: 'der staken, ... ein nur im niederdeutschen übliches wort, einen langen stock, eine stange zu bezeichnen.' Adelung. diese allgemeine bezeichnung herrscht besonders im mnd., s. Schiller-Lübben 4, 352ᵃ; dazu:
van grimme de man nam enen staken
und sloch se ser an ere baken.
Gerhard v. Minden 99, 31 Leitzmann;
de dorpere van mengen dorpen
do uppe dat dêr mit stenen worpen,
mit knuppelen unde mit staken.
71, 39 Seelmann;
icke dencke se wolde woer en stacken halen un my den rügge meten. nd. bauernkomöd. s. 231. sie ist auch im nhd. noch üblich: auf einem anderen (flosz) ist ein feuer angemacht, und über dem feuer, an einem staken befestigt, hängt ein kochtopf. Hebbel 10, 26 Werner; für pfahl: der tote bösewicht jedoch wurde vors recht gebracht. ... daselbst wurde ihm der kopf abgehauen und auf den staken gesetzt. Freytag 19 (bilder 2, 2), 216. in idiotiken wird stake mit stange, stock erklärt Richey 285. brem. wb. 4, 982. Schütze 4, 183. Danneil 209ᵇ ('eine lange und verhältnismäszig dünne stange'). Gangler 428, mit pfahl Woeste 252ᵇ. Bauer-Collitz 98ᵃ. Hertel sprachsch. 233. Kleemann 21ᶜ. beides geben Dähnert 456ᵇ ('langer stecken, pfahl, stange'). Stürenburg 260ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 296ᵇ. Schambach 207ᵃ. Frischbier 2, 360ᵃ ('stecken, stab, stange, dünner pfahl, zaunpfahl, gespaltenes holzscheit, pflock'). Vilmar 394 ('knüttel, prügel, stange, pfahl'), sowie Campe. auch im osnabrückischen gilt stake sowol für stange, wie von dickerem holze, z. b. sparr-staken, sparre. Strodtmann 227. im bremischen steht stakke 'kleiner zugespitzter pfahl', brem. wb. 4, 985, neben gewöhnlichem stake 'langer stock, stange' 982.
3)
jetzt ist stake zumeist in gewissen spezielleren gebrauchsweisen üblich.
a)
stake ... in den gärten, adminiculum, äste, pfähle, stecken, stangen, die man zu den gewächsen steckt, dasz sie daran in die höhe wachsen, als erbsen-staken, rami, virgae, baculi. Frisch 2, 315ᶜ (vgl. Hupel 226). bohnen-staken oder stangen, perticae ad erigendas fabas. ebenda (vgl. luxemb. bóne' stâch Gangler 428). hopfenstaken, für hopfen-stangen, hat Christian Schulze in der Gardelegischen chron. p. 138. perticae lupuli adminicula. ebenda, vgl. Hupel 226. boonen-, hoppenstake sind auch in nd. mundarten verbreitet, s. Richey 285. brem. wb. 4, 982. Schütze 4, 183. Danneil 209ᵇ. (ostfries. bonenstake Stürenburg 260ᵇ.)
b)
stake, zaun-stake, einen ort, hof oder garten einzuzäunen, sudes, fustis, paxillus, stipes. Frisch 2, 315ᶜ, vgl.zaunstaken; so schon mnd.: man mut ok wol vestenen enen hof mit tünen oder mit staken oder müren. Sachsensp. 3, 66, § 3, vgl. Haltaus 1727; hihr-auf zohg er einen pfahl oder staken aus dem zaune ... damit er konte hin-ein kommen. Zesen Rosemund s. 124 neudr.; in norddeutschen mundarten, s. brem. wb. 4, 982. Stürenburg 260ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 296ᵇ. Schambach 207ᵃ. zeitschr. f. d. wortf. 2, 332f. (in Quedlinburg). Hupel 225. (ostfries. auch für stacket. Stürenburg 260ᵇ, vgl. stack, n., 2.)
c)
stake heist man auch ein gespaltenes gerades holz, das man zwischen die balken der wände oder decken der gemächer, oder zwischen die riegel klemmet, und deszwegen eine falze aushauet, dasz solche scheide darinnen halten, welche hernach mit leimen und stroh bewickelt und beworffen werden, schidia et ligna fissa ad parietem ludo (l. luto) regendum. Frisch 2, 315ᶜ, vgl. Campe; beim lehmbau, fachwerkbau stöcke, die zwischen die fachbalken eingeklemmt werden, um dem lehm halt zu geben, vgl. Jacobsson 4, 245ᵃ ('stacken, stackholz, das holz zu einer bleichwand oder zu einem klebwerk'). Lueger 7, 473 und lehmstaken, theil 6, 546 (auch fachstaken, nd. kleemstake Dähnert 234ᵃ), wandstaken, windelstaken; ostfries. wellerstake, -stok Stürenburg 260ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 296ᵇ. so schon bei Trochus, s. oben 1, b. (nd. stakken brem. wb. 4, 985.) — darauf beruht wol der ausdruck: so soll das capittel und der pastor zusammende jederzeit macht haben, ihn und seine erben mit einem schillinge wieder abzukündigen, und er Franz Niehuss will ... schuldig seyn, wie im fürstenthum Lüneburg gebräuchlich, seine staken abzubrechen, und dieselben an andre örter zusetzen, oder es sollen ihme und seinen erben die staken nach billigkeit auf guter ehrlicher leute erkenntniss vom capittel und pastoren bezahlet werden, auf welchen fall er und seine erben schuldig seyn sollen, wenn ihm die staken bezahlet seyn, den nächsten Walburgis tag diesen hof zu räumen. urk. von 1584 bei Haltaus 1727 ('ut conditorum quoque a colono aedificiorum, antequam cedat, pretium a domino restituatur'). — ähnlich auch: 'stacken, kleine runde pfähle zu flaaken oder schanzkörben, warum das gesträuche geflochten wird.' Jacobsson 4, 245ᵃ.
d)
eiserne stangen zum fortschieben oder fortstoszen kleiner fahrzeuge, bootshaken. Bobrik 658ᵃ, staaken, crocs. Eggers 2, 964, stacken Jacobsson 4, 245ᵃ, in Köln sto̜ke Hönig 152ᵃ. (bei Campe ruderstange.)
e)
zum schüren des feuers im ofen:
(weil) auch die zu schwank- und schwachen staken
der sonst in solchem fall so dienlich- mit nutz gebrauchten feuer-haken,
die nahen häuser abzureissen, uns keine dienste leisten wolten.
Brockes 7, 490.
so besonders nd. in der zusammensetzung avenstake brem. wb. 4, 982, (neben ovenstokk) Stürenburg 260ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 296ᵇ.
4)
im mnd. steht stake auch für das sonst gewöhnliche stock, schlieszblock mit zwei löchern zum einlegen der beine eines gefangenen, auch gefängnis überhaupt. Schiller-Lübben 4, 352. brem. wb. 6, 333f.: se ... leten dussen Hans Schaper gripen, unde wart gesat in der deve kelre .. unde leten one unbarmhertigen teyn (foltern) in dem staken. d. städtechron. 16, 378, 17; Hollant ... nam se alle gefenklick an ... unde vorde de vangen in de staken to Kalve uppe de borch. 404, 12.
5)
in mundartlicher rede wird stake gern übertragen von menschen gesagt. (im mansfeldischen nur übertragen von pferden und menschen. Jecht 107ᵃ.) besonders für ein 'langes frauenzimmer', so nordthür. šdāken Hertel sprachschatz 233. Kleemann 21ᶜ, brem. ene lange stake vam wive. brem. wb. 4, 982. auch ostfries. und preusz. Stürenburg 260ᵇ (5). Frischbier 2, 360ᵃ; ein langer steifer kerl. Danneil 209ᵇ; waldeck. ein langer mensch, im plur. lange beine. Bauer-Collitz 98ᵃ. nach ten Doornkaat Koolman 3, 296ᵇ einerseits 'eine lange, hagere od. steife, stangenähnliche person', andrerseits 'ein steifer, unbeholfener, dummer mensch'. vgl. stacks und den familiennamen Stacke.
6)
redensarten, besonders in nd. mundarten: een hemp (hemd) up'n staken (zum trocknen), een up'n knaken spottweise von jemand, der nur 2 hemden hat. brem. wb. 4, 982; en'n gauen stâken slân fest zuschlagen. Schambach 207ᵃ; sonst einfach eine gröszere quantität bezeichnend: hê fritt 'n gôden staokn von einem starken esser. Danneil 210ᵃ, wofür hamb. he kann eenen gooden staken versetten. Richey 285 f. (nicht in Osnabrück Strodtmann 380ᵃ). geistig gewendet: en'n stâken in'n koppe hem, groszen dünkel haben. Schambach 207ᵃ; en'n grâten stâken sinnen stolzen, hochfahrenden sinn haben, grosz prahlen. 207ᵇ. — unklar ist der sinn der wendung: buten dem stacken (auszerhalb der schranken des gerichts?) ist gut dingen. Petri L 6ᵃ. vgl. ostfries. afer de stake oder afer stâk raken vom rechten wege abkommen, irre, verwirrt werden, seine besinnung verlieren. ten Doornkaat Koolman 3, 296ᵇ (2). — ohne besondere bedeutung scheint Stâk als fingierter name zu stehen in einigen nd. redensarten: dat 's 'n êgen sâk! segt Stâk, vêl fideln un wênig geld dôrvör. nû noch ês un denn nich mîer! hett oll Stâk segt, dôr frîgt he de vierte frû. 't will all sîn rök' hebben! hett oll Stâk segt, kinner êr släg' un 'n oll mann sîn warm berr. (Hoefer) wie das volk spricht⁵ 1340—2.
7)
weitere mundartliche besonderheiten.
a)
ostfries. kleiner schmiedeambos mit zwei armen. Stürenburg 260ᵇ, kleiner, dünner, langer, nach beiden enden zugespitzter ambos. ten Doornkaat Koolman 3, 296ᵇ.
b)
zweig einer familie. ebenda.
c)
in Westpreuszen stâke, f. berg von getreidegarben oder von aufgeschütteten kartoffeln. Frischbier 2, 360ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1907), Bd. X,II,I (1919), Sp. 586, Z. 68.

staken, verb.

staken, verb.
stangen setzen, mit stangen versehen, mi einer stange stoszen. eine ableitung zu staken, m., die im allgemeinen auf das nd.-nl. sprachgebiet beschränkt ist, vgl. Schiller-Lübben 4, 352ᵇf. Franck 953. (darüber hinaus weist nur das altn. staka fortstoszen, straucheln. Cleasby-Vigfusson 587ᵃ, das sich kaum damit gleichsetzen läszt.) in der nhd. schriftsprache ist staken seit dem 17. jahrh. bezeugt, die wörterbücher haben es seit Schottel, in der litteratur findet es sich ganz vereinzelt bei norddeutschen autoren seit dem 18. jahrh., s. unten. neben staken kommt auch stacken vor, so bei Eggers, Zincke und Jacobsson, s. 1, c. mundartlich ist es nd. allgemein verbreitet ohne abweichungen der lautform (staokn Danneil 210ᵃ), aber auch ins nordthür. (als staake, šdâke) und mansf. eingedrungen, s. Hertel sprachsch. 233. Schultze 44ᵇ. Jecht 107ᵃ, sowie in die Leipziger volkssprache. Albrecht 215ᵇ. lautverschiebung zeigt nur das luxemb. stâchen Gangler 428. auffällig ist siebenb. s(ch)täken Haltrich 48. Kramer 126. die bedeutungen sind sehr mannigfach und nicht alle eines ursprungs.
1)
staken setzen, mit staken versehen: staken palare, paisseler. bepfälen. Schottel 1420; staken, it. ausstaken, bestaken, [da stecke, palo] steccare, cioè palificcare, palizzare, palancare. v. pfälen etc. Kramer dict. 2, 903ᶜ; staken, gestaket, palare, statuminare, figere, statuere, firmare palis, fistucare, fistucis munire. Stieler 2161; so auch mnd. mnl. staken, vgl.: staecken, palare, pedare, statuminare, statuminibus firmare, pangere, figere, stabilire, statuere, sistere, terminare. Kilian. dafür stacken 1) stacken oder kleine pfähle einstecken; 2) mit stacken versehen. Campe. niederd. stakken brem. wb. 2, 986. — insbesondere
a)
von zäunen, dämmen u. dergl.: mnd. staken, pallissaden setzen, vallare (absolut, auch dat were waken, graven, staken). Schiller-Lübben 4, 352ᵇ (1); preusz. zäune herstellen. Frischbier 2, 360ᵃ. vgl. staken, m. 3, b.
b)
einen bau staken, palificcare una fabrica cioè fare una palificcata per assodarne il fondamento. Kramer dict. 2, 903ᶜ.
c)
staken, verb. parietem (l. -um) spatia inter trabes lignis fissis implere et ludo (l. luto) vestire. ausstaken, id. palare parietem vel laquear. Frisch 2, 315ᶜ; eine wand, eine decke staken. eine gestakte wand. Campe; staken, stücken, beim fachwerkbau, die fächer oder felder im gebälk mit stakhölzern, die mit strohlehm umwickelt sind, ausfüllen. Lueger 7, 473, auch vom ausfüllen mit strohlehm.so mnd. (tho stakende und tho lemende. Wismar 1538). Schiller-Lübben 4, 352ᵇ (2), jetzt nd. staokn Danneil 210ᵃ; in Bremen (ene wand) stakken brem. wb. 4, 986 und so auch hd., s. Eggers 2, 966. Zincke öcon. lex.² 2794. Jacobsson 4, 245ᵃ. vgl. auch staken 3, c und ausstaken, theil 1, 981.
d)
gewächse mit staken (3, a) zur stütze versehen: staken, verb. mit reisig, ästen oder s[t]ecken bestecken, als erbsen, bohnen, u. d. g. baculis aut ramis infixis erigere et erecta tenere. Frisch 2, 315ᶜ, so nd. staken 'stangen beystecken'. de bohnen sünd noch nich gestaket. Richey 287 (4). Strodtmann 380ᵃ. brem. wb. 4, 983 (4: in Bremen stakken; so bonen, arften stakken 986). Schütze 4, 184 (4). Danneil 210ᵃ. Hupel 226 giebt nur diese bedeutung an. so auch siebenb. schtäken (für stecken?) die weingärten mit pfählen versehen. Kramer 126. Haltrich 48. daneben stäcken die weinpfähle festmachen und die schlechten durch bessere ersetzen. 97. (dazu luxemb. stâchen, 'stengeln, ramer'? Gangler 428, vgl. stacken 1.)
2)
mit einem staken arbeiten, hantieren, stoszen, schieben, stochern u. s. w. Campe. nd. Richey 286 (1, nicht in Osnabrück Strodtmann 380ᵃ). brem. wb. 4, 983 (1). Schütze 4, 184 (1). Frischbier 2, 360ᵃ (1). im einzelnen:
a)
garben, heu staken Campe, 'mit einer stâkforke die bündel vom wagen auf den boden oder umgekehrt reichen'. auf-, abstâken Frischbier 2, 360ᵃ; so schon mnd. korn mit der heugabel auf- oder abladen (abs.). Schiller-Lübben 4, 352ᵇ (3); mit der heugabel arbeiten. Dähnert 456ᵇ.
b)
kleinere fahrzeuge in seichtem wasser mit staken (3, d) oder stangen fortstoszen. Goedel etym. wb. der seemannsspr. 458: um sich durch rudern und staken zu retten (de se sauver à coups d'aviron). Bode Montaigne 1, 110; im bilde: wer weisz es nicht aus trauriger erfahrung, wie er in manchem buche, wo solche tonnen nicht lagen, hat rudern und staken müssen, eh er von den sandbänken abgekommen ist. Klopstock 12, 177 (= gelehrtenrep. 141).
c)
das feuer staken schüren. Campe, vgl. staken, m. 3, e; nd. dat füer staken, dazu tostaken, nastaken. Richey 287 (3). Schütze 4, 184 (3), dat vüer, den aven staken. brem. wb. 4, 983 (3). (in Osnabrück dafür stocken Strodtmann 380ᵃ.)
d)
mit der stange forschen, suchen, nach der tiefe des wassers oder nach etwas, das am grunde liegt: se staket darna. dazu upstaken aufsuchen, auffinden, auftreiben: ick weet dat book nich up to staken. Richey 286 f. Schütze 4, 184 (in Osnabrück stocken Strodtmann 380ᵃ). vgl. brem. wb. 4, 983 (2), absolut:
ich sehe männer mit haken,
zwei sind es oder drei;
sie fischen und sie staken
und schütteln den kopf dabei.
Kladderadatsch 4. aug. 1872, 1. beibl. 1ᵇ (gedicht 'Spree-reinigung').
e)
so auch für stochern, nd. stökern: he staket in den tänen. Richey 287 (6, in Osnabrück stocken Strodtmann 380ᵃ), he stakt in de täne. Schütze 4, 184 (6), sikk in de täne staken. Dähnert 456ᵃ, de täne oder in den tänen staken. brem. wb. 4, 983 (4); die zähne staken. Campe.
f)
von ähnlichen bewegungen mit der hand: he staket achter de ohren. Richey 287. Schütze 4, 184. brem. wb. 4, 983 (2). flöe staken suchen und fangen. ebenda; de hund staket de flöh. Richey 287. Schütze 4, 184 (5). dazu:
wen se der junfern schold de flö affsöken,
sede se, 'de teve verkrüpt sick twischen juwe knaken,
ick moet sehn, dat ick se dar wedder kan uth staken'.
Lauremberg schertzged. 2, 164.
vgl. auch: suep em eyn maul (mal) slocke, aver slocke nen heylen kraus (keinen ganzen krug) tau, isser doisse (!) im balge, wy schollent mit dem goen drunke daur wol uth estacken. nd. bauernkomöd. s. 23.
g)
als eine von d ausgehende freiere gebrauchsweise läszt sich fassen das nd. na ene sake staken oder agter ene sake her staken hinter etwas her sein, sich mühe um etwas geben. brem. wb. 4, 983 (2), s. auch Frischbier 2, 362ᵇ.
h)
unsicher ist die zugehörigkeit bei der nd. bedeutung 'jagen, bannen, quasi baculo aut pertica abigere'. ick will dy staken, dir beine machen. Richey 287. Schütze 4, 184 (5). (in Osnabrück stocken Strodtmann 380ᵃ.)
3)
andre bedeutungen, bei denen die beziehung zum subst. staken deutlich ist, begegnen im mnd., nämlich: a) mit einem staken schlagen; b) ins gefängnis (s. staken 4) werfen. Schiller-Lübben 4, 352ᵇf. (4. 5).
4)
staken bezeichnet in nd. und mitteld. mundarten eine art des gehens: meklenb. mit groszen schritten einhergehen, rasch vorwärtsgehen. Mi 86ᵃ, ebenso waldeck. lange schritte machen, dagegen bei Woeste einfach mit 'gehen' erklärt: op de kammer tau gestaket. 252ᵇ; mansfeld. herumstâken ohne eigentliche beschäftigung herumschlendern, Jecht 107ᵃ; in Leipzig 'einherschreiten'. Albrecht 215ᵇ. auch in der schriftsprache: dann stopfte sie den kater wieder in das bettbühr ... und stakte zur thür hinaus. Storm 7, 165; 'gute fahrt!' sagte er ... und stakte davon. Frenssen Hilligenlei 124; seitlich vor ihm stakte der alte unermüdlich hin und her. 173. dieser gebrauch ist wol auf staken, m. 5 zu beziehen und meint den steifen, weit ausschreitenden gang eines langbeinigen menschen.
5)
weitere verwendungen gehen dagegen nicht auf das subst. staken zurück, wenn sie auch wurzelverwandt sind.
a)
dem nl. eigenthümlich ist die bedeutung 'hemmen, aufhören machen, einhalt thun; aufhören, etwas einstellen'. so mnl. und holl.: staecken het werck, opus sistere, desistere ab opere, desistere operari. Kilian (s. auch oben). sie ist auch ins ostfries. eingedrungen, s. ten Doornkaat Koolman 3, 296ᵇf. dieser giebt als nl. grundbedeutung an 'mittelst eingeschlagener pfähle aufhalten' (also zunächst vom sperren eines wasserlaufs), dagegen stellt Franck 953 dieses staken zum adj. stack (s. d. 2).
b)
mnd. sik staken vom pferde, sich etwas in den fusz treten. Schiller-Lübben 4, 353ᵃ, ist direct zum verb stechen gebildet.
c)
ebenso wol das nordthür. staken (šdâke) hervorragen. Hertel sprachsch. 233. Schultze 44ᵇ.
d)
staken, stammeln. Stieler 2224, s. staggeln.
e)
preusz. getreide, kartoffeln in staken (s. d. 7, c) bringen, aufschichten. Frischbier 2, 360ᵃ.
f)
siebenbürg. schtäken bedeutet ferner 'stürzen, niedersinken'. Haltrich 48ᵇ; 'fallen; sterben, vom rindvieh.' Kramer 126.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1907), Bd. X,II,I (1919), Sp. 589, Z. 61.

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Zitationshilfe
„sethaken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sethaken>, abgerufen am 25.01.2022.

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