Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sattel, m.

sattel, m.
ephippium, plur. sättel. ahd. satul, plur. unbezeugt, mhd. satel, plur. setele, mnd. sâdel, nnd. sâdel, saod'l, saël, holl. zadel, vlaml. zael, ags. sadul, sadol, mittelengl. sadel, engl. saddle, altn. isl. söđull, norw. dän. sadel. etymologie unsicher (vgl. Paul u. Braune beitr. 15, 515), wahrscheinlich lehnwort aus einer andern indogerm. sprache, lat. sedile oder slav. sedlo, und verwandt mit der wurzel sed sitzen Kluge 291ᵃ. grundbedeutung scheint 'sitz', die sich aber nur noch, wie die bedeutung 'saal, halle, wohnung', im nd. findet; hochd. ist der begriff ganz eingeschränkt auf ephippium, wovon andere bedeutungen übertragungen sind.
1)
sitzvorrichtung, die pferden, eseln u. s. w. auf den rücken gelegt wird, um das reiten bequemer zu machen, sattel, stratum, ephippium Dasypodius, clitellae, sella dorsuaria, iumentis imponi solita Henisch 940, 23. in eigentlicher bedeutung,
a)
nach form und schmuck:
manegen phelle spæhe,   guot und wol gesniten,
sach man über setele   den vrowen wol getân
allenthalben hangen.
Nibel. 741, 2;
da mite der satel was bedaht,
daʒ was ein phelle wol geslaht,
so er beste wesen solde.
Hartmann v. Aue Erec 7582;
sie half im in den sattel so tief:
'wann komst herwider, du schöns mein lieb?'
Uhland volksl.² 201 (116, 3);
üppig in den hohen sätteln lehnen schleierlose weiber.
Freiligrath 1, 204.
nach der herkunft unterschieden normannische, arabische, maurische, orientalische, ungarische, türkische sättel; sättel im hohen zeug. Böheim waffenkunde 526;
die wâren schœn und snel genuoc,
der ieslîcher ûff im truoc
ein türksen satel veste gar.
U. v. Lichtenstein frauend. 246, 31;
zum prunk mit metall beschlagen und mit edelsteinen verziert:
ir satel wol gesteinet,   ir fürbüege smal.
Nibel. 385, 1;
die setel wâren silberwîʒ,
dar an der meister grôʒen flîʒ
mit sîner meisterschefte leit.
U. v. Lichtenstein frauend. 161, 7;
elfenbeinerner sattel (vgl. Germania 23, 49):
der satel ûf dem rosse sîn,
der was helfenbeinîn.
des satelboge gap liehten schîn,
dar an lac manec rubîn.
Laurin 175;
sattel für frauen, damensattel von abweichender bauart:
dar kômen dô die recken   und hieʒen tragen dar
hêrlîche setele   von rôtem golde gar,
die die vrowen solden rîten   ze Wormʒ an den Rîn.
Nibel. 530, 2;
hei, waʒ man guoter setele   den schœnen vrouwen gewan.
1208, 4;
ûʒ der kamer wart getragen
ein satel, der was rîche, den dicke werdeclîche
vrowe Helche hete geriten.
klage 2076;
einfacher sattel für arme reiter:
ir pfärd was nit stolz,
der sattl was ein plœszes holz.
fastn. sp. 440, 24;
mit unechtem flitter:
es ist für war nit alles golt
das an dem sattel ettwan glysszt,
mancher die hend dar an beschysszt.
Brant narrensch. 73, 33;
bei der beurtheilung des mannes:
sprichstu, ich hab ein gülden sadel,
der sadel macht nit gut den adel.
Alberus fab. (1590) 44ᵇ.
b)
in beziehung zum pferde, hauptbestandtheil des pferdegeschirrs und daher unter den einzelnen theilen auch immer ziemlich an erster stelle genannt:
so ich das ross einsetzen will,
do het es verlorn den aftersil,
den satel, kumat, zaum und hacken,
der wagen stund in einer lagken.
fastn. sp. 566, 2.
besonders häufige verbindung sattel und zeug Frisch 2, 150ᶜ. Adelung: sie hielt eine saftvolle wohlgenährte rübe in bereitschaft, welche sie flugs in ein muthiges rosz mit sattel und zeug metamorphosierte. Musäus volksm. 1, 18 Hempel;
und hinten trabt noch einer daher:
ein ledig räpplein führet er,
mit sattel und zeug staffieret,
mit schwarzer decke gezieret.
Uhland ged. 323.
einem pferde den sattel auflegen, es dienstbar machen:
sobald er einen merckt, der ihm die arbeit lohnet,
wird seinem Pegasus der sattel aufgelegt,
der ein erkaufftes lob bis an den himmel trägt.
Canitz 97;
hernach wenn ich wieder dran denke, und mir die fabel vom pferde einfällt, das, seiner freiheit ungeduldig, sich sattel und zeug auflegen läszt, und zu schanden geritten wird. Göthe 16, 78; den rücken des pferdes leicht durchscheuernd: dann er hatt ein rossz, das hancke an allen fieren und war an eim aug blind und under dem sattel geschunden. Wickram rollwagenbüchl. 52, 12 Kurz; dise salb ist auch gut, so ein rosz geschwüllt under dem sattel. Seuter Hippiatria 282; darum weich gefüttert: zwey hundert (ballen) des schmalen sindals von Spinal und Kölln, zu underfutter oben am hals, wie Bombesin: gar subtil als man unter die sättel fütert. Fischart Garg. 113ᵃ; hörst du, Thomas, schlag mir Hansens sattel zurecht, steck ein bischen werg unter den knopf. Shakesp. Heinrich IV. 1. th., 2, 1.
c)
in beziehung zum reiter; besonders in festeren verbindungen: sich in den sattel schwingen, zur abreise fertig sein, abreiten; im sattel sitzen, zu pferde sitzen: als er sah, dasz der postillion im sattel recht sasz und die peitsche erhob, sagte er: 'fahr zu, schwager'. Hebel 2, 186;
er (Siegfried) habt im dâ bî zoume   daʒ zierlîche marc,
guot unde schœne,   vil michel unde starc,
unz der künic Gunther   in den satel gesaʒ.
Nibel. 383, 11;
er schwang sich in sattels mitte;
der grabstein diente zum tritte.
Uhland ged. 325;
laszt mich nur auf meinem sattel gelten!
bleibt in euren hütten, euren zelten!
und ich reite froh in alle ferne,
über meiner mütze nur die sterne.
Göthe 5, 7.
sich vom sattel schwingen, absteigen:
und als sie sich vom sattel schwingt,
da hält er ihr den bügel.
Geibel 2, 152.
als besonders gewandt gilt derjenige, der, ohne die steigbügel zu benutzen, sich in den sattel schwingt:
âne stegereife   er in den satel spranc:
daʒ ros nam fünfzehn sprünge,   ieglîcher einer klaftern lanc.
Wolfdietrich D, VII, 159, 3;
der gewâpnet in den satel spranc:
ern gerte stegereife niht,
dem man noch snelheite giht.
Parz. 157, 28.
daher sprichwörtlich ohne stegreif in den sattel springen, als zeichen männlicher stärke und groszen mutes. Schottel 1140. ein ritt ohne sattel gilt als gefährlich: etlicher gürt sein sattel auff in vollem lauff, thuot yn herausz auff der ross hals und wider under sich gegürtet. Franck weltb. 154ᵇ; aber auszer demselben macht er einen ritt jetzo so spät und noch dazu ohne sattel und weste. J. Paul Hesp. 1, 10. jemanden vom sattel stechen, im ritterkampf besiegen:
mit grôʒen kreften stach er in
enbor ûʒ dem satele hin.
Iwein 4672;
ich kom mit hurt sô an den man,
daʒ ich im von dem satel dan
reit bûsch und ouch den stegereif.
U. v. Lichtenstein frauend. 270, 18.
umgekehrt aus dem sattel gehoben werden, mhd. den sattel rûmen, unterliegen, vom sattel sinken, zum tode verwundet sein:
man sach dâ von ir handen   vil manegen satel blôʒ,
dâ von liehten swerten   daʒ velt sô lûte erdôʒ.
Nib. 232, 1;
dâ mite wart auch er gesant
ûʒ dem satele als ein sac,
daʒ ern weste wâ er lac.
Iwein 2585;
er stach in vornân inne,   daʒʒ rückeshalp ûʒ brast.
den satel muoste er rûmen   her nider ûf daʒ gras.
Alpharts tod 152, 3;
da man die stärke prüft durch ein zersplitter speer:
hat seinen sattel noch kein einzig mensche leer
und ihn gefällt gesehn.
Postel Wittekind 30, 140;
herr Ulrich sinkt vom sattel, halbtodt, voll blut und qualm.
Uhland ged. 365.
der sattel im kampfe, bei fortführung der gefangenen und der beute: und zuckt ain schweren faustkolben ab dem sattel, schlecht dem Auberlin damit ain straich uf sein haupt, darvon er allen verstandt und vermuglichkeit verlore. Zimmer. chron. 2, 88, 9; bisz er ein reuter betrat, so der armen pilger einen gebunden hinder dem sattel führet. Fischart Garg. 255ᵃ; des morgens frühe anatomierte ich meinen sattel, welcher weit besser gespickt war als derjenige, den der cornet von mir bekommen. Simplic. 3, 16;
er bant eʒ (den bären) zuo dem satele: ûf saʒ der snelle sân.
Nib. 891, 2;
dô fuorte er bî dem satele   den bern grôʒ unde starc.
898, 4;
her Dietrîch ʒhoubt im abe sluoc,
ze sînem satel erʒ dô truoc,
der edel Bernære.
vil vaste bant er eʒ dar an.
Eckenlied 150;
auch fuorten ir knappen
des tages von den trappen
ir satel vol behangen.
Erec 2048;
um mitternacht an junkers grab
da stieg ein schwarzer reitknecht ab,
einem rappen hält er die stangen;
reithandschuh am sattel hangen.
Uhland ged. 324.
bei längerer rast wurde der sattel aufgehängt (s. sattelhenken), sonst konnte er auch als kopfkissen dienen:
statt des pfühles diente mir mein leichter sattel,
dem ich unterschob den beutel mit der dürren frucht der dattel.
Freiligrath 1, 204.
den sattel tragen müssen, alte strafe desjenigen freien, der sich gegen seinen herrn empört hat und von diesem wieder zum gehorsam gezwungen ist (vgl. Grimm rechtsalterth. 718). einen in den sattel weisen, von einer besondern art der pfändung (vgl. rechtsalterth. 867): so steet dem cläger bevor, das er den beclagten, wo er in im land, in ainer herbrig betrit, in satl mit dem geschwornen weispoten weisen, und seine pfaerdt verbieten und aufhalten mag, bisz so lang er sich umb die haubtsach, auch cost und schäden, mit im nach billichen vertregt. Kärnther landr.-ordn. von 1578, xxi bei Haltaus 1591.
d)
sprichwörtlich: es gehören nicht zwei sättel auf éin ross. wenn der sattel leer ist, kann man aufsitzen. es ist ein sattel auf alle gäule. Simrock sprichw. 411. mundartlich: wör erst einen sâdel up'n lîwe het, krigt er âk noch mër up, wer erst eine bürde hat, der bekommt deren auch noch mehr. Schambach 178ᵇ; sonst übertragen, namentlich in einer reihe von formelhaften wendungen: sich des sattels ernähren oder vom sattel leben, vom raube leben: er lebte, wie man aus der deutschen geschichte weisz, sonst vom rauben und hiesz es 'vom sattel oder stegreif leben'. J. Paul aus des teuf. papieren 1, 72; da im doctor der ganze rogen und dotter zum ritter steckt; daher er auch so gut wie dieser, wenn gerade etwas vorbeigeht, vom sattel oder stegreif lebt, wiewohl weniger in einem raubschlosse als raubzimmer. Titan 1, 63;
aller adel weiszt im land,
wann wir schon kein erbteil hant,
wir künnen uns der armuͦt weren,
allein von disem sattel neren.
Murner narrenbeschwör. 24 überschr.;
wann du des sattels nerest dich,
so kanstu warlich me dann ich.
24, 1;
von dem an, als ich was ein knab,
hab ich gwont mich im sattel zneren.
Wickram irr reit. pilger 61ᵃ.
im sattel sitzen, habere unde vivat quis aut familiam sustentet. Frisch 2, 150ᶜ; fast im sadel sitten, in guten nahrungsverhältnissen sein. brem. wb. 4, 570; allein, sobald Sylvius widerumb im sattel sasse, wurde er .. hoffärtig. Schuppius 247; und so sasz der arme marschall schwach im sattel. Klinger 10, 35; ein windiger tropf, der sich vor weibern aufrecht und im sattel durch lobgesänge auf fremde erhalten will. J. Paul Titan 1, 130;
da du nun bist im sattel gsessen,
deins gottes hastu gar vergessen.
Rebhuhn Sus. V, 4, 251.
sich in den sattel schwingen, dexteritate sua munus aliquod adipisci Frisch a. a. o.;
hei wüszt sin thema so tau dreihn,
dat hei kam rinner in den sadel,
von wo ut hei sin leiw gemein
mit spitze würd un dristen tadel
so recht tau water riden künn.
Reuter werke 2, 31 (läuschen u. rim. 2, 11).
einem in den sattel helfen, ihn in den sattel heben, succurrere alicui firmum sedem quaerenti, vel certum officium ambienti Frisch a. a. o.; hê helpt hum int sadel ten Doornkaat Koolman 3, 79ᵃ; das half im wol wider in satel. Zimm. chron. 4, 169, 23; ich merckte, dasz er durchausz nicht wolle in der opinion seyn, dasz ihn, nechst gott, ein blackschmeisser hab in den sattel gehoben. Schuppius 247; aber do der anfenger fület, das man jm schier in sattel geholffen, greifft er ferner denn zuvor im angeben und bedencken gemeint unnd beredt war. Mathesius Sar. 154ᵃ; berthramwurtzel .. beweget und reitzet die untüchtigen erkalten männer zun ehelichen wercken, und hilfft jhnen wider in den sattel. Tabernaem. 297 E; arbeiten wir rasch, setzen wir Deutschland, so zu sagen, in den sattel, reiten wird es schon können! Bismarck red. 3, 124; aus dem sattel heben, excutere, dejicere equo, er ist aus dem sattel geworfen, bonis privatus est. Stieler 2045; an das turnier angeschlossen, sieger sein über den gegner: unnd da einer auszgetobt und auszgeschnarchet, hebt er jmmer einen nach dem andern ausz dem sattel. Mathesius Sar. 94ᵇ; darumb musten jn dieselben wider ausz dem sattel heben, die sein sach zuvor angebracht und befördert hatten. 154ᵃ; und wissens die grosse spieler gar wol, dass ein trumpffel von esz oder unterbüblein einen könig aus dem sattel gesetzt. Lehmann 182; wie? wenn wir ein projekt machten, um den gnädigen herrn aus dem sattel zu projektiren? Weisze lustsp. 2, 237; in seinem ehrgeitz soll ihn (Selicour) der vater, in seiner liebe soll ihn der sohn aus dem sattel heben. Schiller parasit 1, 2; übrigens war es sehr artig ausgedacht, wie ihn die vier verschiedenen geister nach und nach beschädigen, bis ihn endlich die gnomen gar aus dem sattel heben. Göthe 25, 37;
wie schlecht die bügel seyn,
so setzen wir uns doch mit ihnen fester ein,
und lassen uns so bald nicht aus dem sattel heben.
Opitz 2, 43;
ich sterbe, falls sie mir die zweite rolle geben,
wenn wir nicht jeden dort bald aus dem sattel heben.
Hagedorn 1, 64.
sich in alle sättel einrichten, sich zu allen sätteln gebrauchen lassen, für alle lebenslagen passen: ain gueter reuter, ain kriegsman, ain hofman, ain waidman, wolberedt und anschlegig, ist zu allen sätteln, wie man sprucht, zu schimpf und zu ernst, vor andern seins gleichen zu gebrauchen gewesen. Zimm. chron. 2, 251, 7; der liesz sich zu allen seteln gebrauchen. 3, 578, 24; er kont sich fein inn satel schicken. Fischart bienenk. 131ᵇ; und ist zwischen einem bedachtsamen und unbesonnenen menschen solches nicht der geringste unterscheid, das dieser .. das jener hergegen einen gutten bereiter aller vom glück ihm angebotenen sättel giebet und seine anordnungen möglichsten fleisses nach den zufällen schickt und richtet. Butschky Patmos 403; der heutige politicus ist ein mann, der sich in alle sättel, zu allen leuten und in alle zeiten schicken kan. 449. in allen sätteln (in alle sättel) gerecht sein: ein mann in alle sättel gericht, ze brauchen oder gerüst, worzuͦ man seinen bedarff, oder jn haben wil, vir in quovis loco paratus. Maaler 343ᵃ; die ... dich machten ainen man gantz in allweg gerecht und zuͦ allen setteln (als man spricht) tügig. Nicl. v. Wyle translat. 208, 12 Keller; daran half nichs und war ime kein sattel gerecht. Zimm. chron. 4, 167, 33; gleichwol gefallt uns hie im fürgang über die masen sehr wol, das die medici jnen also fein alle sättel können gerecht gürten. Fischart podagr. trostbüchlein 8ᵇ; männlich, unerschrokken, gemischt von schimpf und ernst, in alle sättel recht. Butschky Patmos 401;
damit hat ers so weit gebracht,
dasz man jhn hat notari gemacht;
der ist hierzu ein rechter knecht,
dann alle sädel seind jhm recht.
J. Ayrer 2977, 3 Keller;
die herren haben zwar mancherley gaben,
doch sind sie nicht in alle sättel gerecht,
für manche zu gut, für manche zu schlecht.
Merck briefe (1838) 62.
2)
sattel von einem sattel ähnlichen oder verglichenen dingen.
a)
flache vertiefung zwischen zwei bergen Stalder 301. Schöpf 581. Hunziker 216. Schm. 2, 334: bald kam uns ein gegenwind vom berge selbst zu hülfe, der durch den sattel, der zwey gipfel verbindet, hereinstrich. Göthe 16, 252; er (der Rhonegletscher) nimmt den sattel eines berges in sehr groszer breite ein. 16, 286; nach viertehalb stunden marsch kamen wir auf dem sattel der Furka an. 16, 288; endlich erreichten wir einen sattel, auf dessen höhe das unausgesetzte steigen ein ende hat. Augsburger allgem. zeitung 1876 s. 5333ᵇ; kaum waren wir hundert schritte vom rande dieses sattels landeinwärts gegangen, so zeigte sich zum ersten mal St. Biaggio. ebenda.
b)
die vertiefung der stirnfläche an der nasenwurzel: wo manchem gesicht zur brille nichts fehlt, als der sattel dazu. J. Paul Hesp. 1, 179; in der that, vor mancher lustigen haut hätt' er sich ganz lächerlich gemacht, wenn sie in geheim ihn aus seinem souvenir die haarzange und mit dieser aus seinen augenbraunen da, wo der sattel des lebens wie auf einem pferde das haar weisz gedrückt hatte, letzteres hätte ausziehen sehen. Titan 3, 87.
c)
ein ackermasz von verschiedener grösze (vgl. Mone zeitschrift 5, 166), mhd. sâtel, sâtele Lexer. Dief.-Wülcker 830; sattel, längliches ackerbeet, durch zwei zu beiden seiten aufgeworfene furchen von den übrigen satteln (ackerbeeten) des ackers abgetheilt. Vilmar 338 (als alter hessischer und düringischer ausdruck). vgl. jedoch satel 2. 3.
d)
in der anatomie heiszt ein schädelknochen sattel oder sattelbein (ephippium sella equina s. turcica). Nemnich.
e)
eine art von schalthieren, die klebauster, anomia ephippium und ostrea ephippium. Nemnich. Oken 5, 372.
f)
ein feiner rötlicher wulst von hautkiemen bei regenwürmern. Oken 4, 373.
g)
dachförmige lagerung von erdschichten. Oken 1, 569.
h)
die scheidewand in der nusz, s. nuszsattel.
i)
theil der streichinstrumente auf dem griffbrett, über den die saiten gespannt sind, exponitur magas, magadium, est enim chordarum fulcrum. Stieler 2045.
k)
eine vorrichtung von leder und rosshaaren auf dem rücken einer taube, um damit raubvögel zu fangen. Döbel jägerpract. 2, 166. Jacobsson 3, 517ᵇ.
l)
ein hoch und niedrig zu stellendes holz an dem knechte der tischler. Brosenius technol. 2, 5.
m)
ein als sitz dienendes holz, worauf grubenarbeiter in das bergwerk hinabgelassen werden. Jacobsson 3, 516ᵇ. Gätschmann sammlung bergm. ausdrücke (vgl. knebel 5, c).
n)
ein auf einstrichen ruhendes lager, um darauf pumpen, röhren u. dgl. aufzusetzen. Gätschmann sammlung bergm. ausdrücke. in Österreich zwei rund ausgeschnittene hölzer, die als unterlage für fässer dienen. Campe.
o)
beim sielenbau ein kurzes querholz, wodurch die oberen enden zweier pfähle zusammengehalten werden. Jacobsson 3, 518ᵃ.
p)
das sattelförmige dach einer panstermühle. Jacobsson 3, 518ᵃ.
q)
ebenso das sattelförmige, gemauerte dach einer malzdarre. Jacobsson 3, 516ᵇ.
r)
beim bergbau ein stück holz mit einem loche in der mitte, durch welches eine spindel gesteckt wird, so dasz es sich mit dem darauf befindlichen kunstgestänge hin- und herbewege. Minerophilus bergwerkslex. (Chemnitz 1743).
s)
in den hüttenwerken ein eisernes, auf beiden seiten erhabenes werkzeug, auf welchem kupferstücke gebrochen werden. Jacobsson 3, 516ᵇ.
t)
in der ziehmaschine der glaser ein eisernes, vierkantiges, an beiden enden mit zapfen versehenes stück eisen, das auf die wände der maschine aufgelöthet ist und eine kleine eiserne platte festhält, in welcher das fensterblei geformt wird. Jacobsson 3, 516ᵇ.
u)
in den windmühlen dasjenige mit einer vertiefung versehene holz, in welchem der mehlbaum steht und sich mit dem ganzen mühlengebäude umdrehen kann. Jacobsson 3, 517ᵃ. Campe.
v)
ebenso in kähnen dasjenige ausgehöhlte holz, in welches der mast eingelassen wird. Campe.
w)
an den kupferdruckerpressen eisentheile, in denen die zapfenenden der walzen ruhen. Adelung. Campe.
x)
bei den tuchbereitern ein hölzerner galgen, der die tuchschere in ihrer lage erhält. Adelung. Campe.
y)
an den gieszinstrumenten der schriftgieszer derjenige theil, worauf die matrize ruht. Adelung.
z)
beim wagen, der schemel der Sachsen, der trager, der sattel der Österreicher ist ein queres holz, das auf der langwiede in der mitte derselben liegt. Popowitsch 599. der sattel liegt quer auf dem ende der ärben nach dem wagen zu. ebenda 594.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1820, Z. 13.

settel, n.

settel, n.,
s. setzel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 642, Z. 18.

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„settel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/settel>, abgerufen am 25.01.2022.

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