Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fett

fett,
pinguis, nnl. vet, schw. fet, dän. fed. wie die mangelnde lautverschiebung zeigt, ein unhochdeutsches, erst durch Luthers bibel eingedrungnes wort, statt des hochdeutschen feisz (sp. 1466), welches in der form feiszt (sp. 1467) daneben fortdauert. weidmännisch wird noch zwischen feiszt und fett unterschieden, jenes nur den thieren der höheren jagd, fett denen der niederen jagd, so wie den raubthieren beigelegt: der hirsch ist feiszt, nicht fett, der hase fett, nicht feiszt. Döbel 1, 32. Hartig lehrb. 1, 40. dem hirsch und reh wurde die alte, heimische benennung gelassen, so wie feisz oder feiszt in oberdeutschen büchern lange vorherschte. die Züricher bibel setzt feiszt an die stelle des fett der lutherischen, selbst die zu Basel 1523 gedruckte hat 1 Mos. 41, 2 feiszt, nicht fett. feisz und feiszt verhalten sich wie pinguis und adipatus, saginatus, doch ist ersteres von letzterem verdrängt worden. lautete feisz, altn. feitr auf goth. faits, so wäre die formel feitan, fait, fitun, womit sich, wie in andern fällen, fitan, fat, fêtun berühren könnte. dem heutigen sprachgefühl ist jedoch feiszt beinahe entschwunden und wird meistentheils durch fett ersetzt, dessen vocal wir wie in bett oder wett aussprechen, richtiger wie in brett (bret) oder in betteln aussprechen sollten.
1)
fett von menschen: da er aber fett und satt ward, ward er geil. er ist fett und dick und stark worden. 5 Mos. 32, 15; Eglon aber war ein seer fetter man. richt. 3, 17; er brüstet sich wie ein fetter wanst und macht sich fett und dick. Hiob 15, 27; ir person brüstet sich wie ein fetter wanst. ps. 73, 7; ein gut gerücht machet das gebeine fett. spr. Sal. 15, 30; zu der zeit wird die herlichkeit Jacob dünne sein und sein fetter leib wird mager sein. Es. 17, 4; daher werden sie gewaltig und reich, fett und glat. Jer. 5, 24; besser magerer herr als fetter knecht;
Macer hat nichts fettes, auszen nicht, nur innen,
ist von leibe mager, aber fett von sinnen.
Logau 2, 121, 8;
ein fetter mönch, ein fetter praelat; Hänsel, strecke deine finger heraus, damit ich fühle, ob du bald fett bist. kinderm. nᵒ 15; sie verderben mir die imagination, rief Aurelie, weg mit ihrem fetten Hamlet! Göthe 19, 179.
2)
fett, von thieren: und sehe aus dem wasser steigen sieben schöne fette küe und giengen an der weide im grase. 1 Mos. 40, 2; feiszte wider und böcke mit fetten nieren. 5 Mos. 32, 14; opferte man ein ochsen und ein fett schaf. 2 Sam. 6, 13; fette ochsen haben mich umbringet. ps. 22, 13; sihe, ich wil richten zwischen den fetten und magern schafen. Ez. 34, 20; höret dis wort, ir fetten küe, die ir auf dem berge Samaria seid. Amos 4, 1; ein fettes zicklein, ein fettes schwein schlachten; des herren auge macht das pferd fett; fette hüner, fette lerchen. man sagt einem drohen wie einer fetten henne, wie einer fetten gans, die geschlachtet werden sollen. Simrock spr. 1684. Sackmanns predigten s. 75 (vgl. oben sp. 1468). es galt im mittelalter für schwere beleidigung, einem als gabe einen fetten hund hinzuwerfen (RA. 717).
3)
fett, von speise: ein fetter brate, ein fetter bisse, ein fettes stück fleisch; fette milch; eine fette brühe oder suppe; fette augen auf der suppe; von Asser kompt sein fett brot. 1 Mos. 49, 20; die fetten töpfe gehen uns ab, die küche ist mager geworden. sich ein fettes maul machen, ein fettes maul haben, schwelgen.
4)
fett, von erde, land, weide, wohnung: fette oder magere erde; ein fetter grund und boden; fetter acker; du wirst eine fette wonung haben auf erden und vom taw des himels von oben her. 1 Mos. 27, 39; und was fur land sei, obs fett oder mager sei und ob bewme drinne sind oder nicht, seid getrost. 4 Mos. 13, 21; und funden fette und gute weide. 1 chron. 5, 40; und sie gewunnen feste stedte und ein fett land. Nehem. 9, 25; in dem weiten und fetten lande, das du inen dargelegt hast. 9, 35; die wonunge in der wüsten sind auch fett, das sie triefen. ps. 65, 13; daselbs werden sie in sanften hürten ligen und fette weide haben auf den bergen Israel. Ez. 34, 14;
und fettes land, wohin man tritt.
Burmanns fabeln 152;
so wird der überflusz auf deinem hause ruhn,
so wird die erde selbst dir ihren schosz aufthun,
so wird des himmels thau die fetten furchen segnen
und tausendfache frucht in deine saaten regnen.
Lichtwer recht der vernunft 118;
fette und in den besten himmelsstrichen liegende länder. Kant 9, 5. fett heiszt der thon oder mörtel, in dem sich zu wenig sand befindet.
5)
fett, von kräutern und gras; fette wiesen;
ihr bäche dieser fetten wiesen,
ja, ja, ihr flieszet ziemlich rein.
Hagedorn 1800 4, 133;
wo in den thälern, in den triften
lacht fetter klee und blumen düften.
Uz 1, 123;
Damöt ist schlau genug, jetzt zieht er an den Rhein
und nimmt die beste trift am fetten ufer ein.
da gibt das futter milch, da kann man was gewinnen.
Rost schäferged. 60;
fetter grüne du laube
am rebengeländer
hier mein fenster herauf!
Göthe 1, 92;
fettes grün. J. P. Tit. 1, 29; eine mit fetterem grün bezeichnete quelle. biogr. bel. 1, 87; eine fette blumenebene. Hesp. 1, 152.
6)
fett, von thau, regen, duft:
ein fruchtbar fetter regen fällt.
Gryphius 1, 522;
so träg, als hübe sich ein adler in die lüfte
den man vom raube scheucht,
noch schwebt er drüber her, und witternd fette düfte
entflieht er minder leicht.
Lessing 1, 96.
7)
fett, feucht, triefend:
das vom blut fette schwert.
Gryphius 2, 312.
ähnlich, doch verschieden die biblische redensart: des herrn schwert ist vol bluts und dick von fettem (= von dem fetten, von dem fett), vom blut der lämmer und böcke, von der nieren fette aus den widern. Es. 34, 6.
8)
ein fettes mäulchen, ein saftiges schmätzchen:
(weiber, die) ihrem schatz ein fettes mäulchen drehn.
Günther 385;
aber auch drei fette (derbe) maulschellen. pol. colica 320.
9)
fette lüge (wie feiszte sp. 1470): das Carlstad gute, fette, starke lügen ausleszt. Luther 3, 81ᵇ; diese lügen allein ist patzig und fett genug. Kirchhof wendunm. 357ᵃ;
und lästert was doch taug, und tauscht für fette lügen
die dürre warheit aus.
Logau 3, 215.
10)
fette beute, fetter fang:
so fette beut, als kaum ein jäger hoffen kan.
Gryphius 1, 597;
der süsze brauch zu machen fette beute
aus allem was gott selbst gehabt und alle leute.
Logau 1, 69;
unterdessen hatte Solande dem armen Stolbio wieder zu dem seinigen, sich aber zu einer fetten beute geholfen. pol. stockf. 210.
11)
fette pfarre, pfründe, fettes amt, die viel eintragen, abwerfen: wenn ich oder ein ander predige umb einer guten fetten pfarr willen. Luther 6, 37ᵇ;
man strafte nechsten tag den jungen prediger,
der vor ein fettes amt viel beutel hingeschmissen.
Günther 551;
auf dem einsamen wege der tugend zu wandeln, wo noch kein hofmann eine fette pfründe erreicht hat. Thümmel Wilhelmine (1764) 70.
12)
fetter kostgänger, der viel bezahlt: Ögneck mochte sich innerlich nicht wenig freuen, einen so fetten kostgänger und patienten angetroffen zu haben, von welchen er keine magere brocken zu genieszen verhofte. irrg. d. liebe 327. fette, reiche braut, fette aussteuer; er ist ein fetter gast, opimis rebus abundat. Stieler 474.
13)
fettes urtheil, das viel zuspricht: es ist besser einen magern vertrag belieben, als einer fetten sentenz erwarten. Scriver seelensch. 2, 350 und danach Butschky Patm. 135.
14)
fetter pinsel, der farbe stark aufträgt, fett mahlt; fetter zug, fette schraffierung; auf eine fette manier arbeiten.
15)
fette titel:
er kan die titel mästen,
trägt stets den fetsten auf, zeucht stets herfür den besten,
jedoch nur wann man da, der rücken sieht es nicht.
Logau 3, 215.
16)
die fetten sind die reichen und stolzen: behüte mich für den gottlosen, die mich verstören, fur meinen feinden, die umb und umb nach meiner selen stehen, ire fetten halten zusammen, sie reden mit irem munde stolz (vulg. inimici mei adipem suum concluserunt, os eorum locutum est superbiam). ps. 17, 10; darum wird der herr Zebaoth unter seine fetten die darre senden (mittet in pinguibus ejus tenuitatem). Es. 10, 16; aber das fleisch der fetten werden sie fressen. Zachar. 11, 16;
der, den die fetten in dem land
verächtlich von sich stieszen.
Schubart todesgesänge s. 211.
es ist noch allzu fett für dich. Harnisch 275, es steht zu hoch, unerreichbar für dich.
17)
'das wird das kraut noch nicht fett machen', nicht ausreichen: allein alles dieses würde, wie man spricht, das kraut nicht fett gemachet haben. ehe eines weibes 58; der wille ist gar gut, allein von gutem willen wird man nicht fett. Liselotte in Ranke fr. gesch. 5, 315 = der gute wille thuts noch nicht; davon wird keiner fett = das hilft keinem; es machte meine liebe zum erdkreise nicht fetter, dasz u. s. w. J. P. anhang zu Tit. 2, 71; vgl.
mainstu es wachs mir schmer darbei?
H. Sachs 1, 450ᵃ;
mhd. dâ bî wuohs mir ninder smër.
Neidhart 79, 4,
dabei steckte ich nichts auf.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1570, Z. 6.

fett

fett,
pinguiter: es fühlt sich fett an; es duftet hier fett; es hat ihm fett (reichlich) eingetragen; er hat fett gebraten, fett gedüngt;
Plute, der mit hasz und groll
ihre herzen hat so fett gedünget.
Gersdorf bei Gryphius 2, 498;
einen von haus und hof vertreiben, blosz weil Berkley fetter stund als Bushy — es ist schändlich. Klingers th. 2, 274; der schnitt, der zug ist fett gehalten.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1572, Z. 16.

fett, n.

fett, n.
adeps, schmer: das thierische fett unterscheidet sich vom öl der pflanzen; das fleisch enthält viel fett; er setzt fett an; legt fett auf; kommt zu fette; das fett nimmt ziemlich ab bei ihm, er wird mager; das fett schwimmt oben; man musz das fett abschöpfen (oft bildlich, das beste vorwegnehmen); das fett gerinnt, ist schon geronnen; sich mit fett beschmieren, besudeln. und solt alles fett nemen am eingeweide und die zwo nieren mit dem fett das drüber ligt. 2 Mos. 29, 13; und der priester sol den kopf und das fett auf das holz und fewr legen. 3 Mos. 1, 12; und sol also von dem dankopfer dem herrn opfern zum fewr, nemlich sein fett, den ganzen schwanz von dem rücken abgerissen und alles fett am eingeweide. 3, 9; aber alles sein fett sol er auf dem altar anzünden. 4, 26; ir solt kein fett essen von ochsen, lemmern, zigen. 7, 23; und das schwert Saul ist nie lere widerkomen von dem blut der erschlagenen und vom fett der helden. 2 Sam. 1, 22; du krönest das jar mit deinem gut, und deine fuszstapfen triefen von fett. ps. 65, 12; meine knie sind schwach von fasten und mein fleisch ist mager und hat kein fett. 109, 24; ein mal von reinem wein, von fett, von mark, von wein, darinne kein hefen ist. Es. 24, 6; das fett ist ranzig geworden; das stinkende fett, womit diese herren ihre kritischen wassersuppen zurichten. Lessing 8, 206; er kann vor vielem fette kaum athem holen; am fette der einbildung erstickt der schwerfällige verstand. J. P. grönl. proc. 1, 36; er ist im eignen fett erstickt; er zehrt von seinem eignen fett. man sagt 'einen mit seinem eignen fette beträufen' Lessing 8, 4, die geforderten beispiele aus seinen eignen schriften erbringen; 'er soll sein fett schon kriegen', seinen gebührenden lohn empfangen; der amtmann soll dir sein fett kriegen, hat ohnehin schon etwas bei mir im salz. Fr. Müller 1, 276; Göschen ist ein lumpenhund, da schickt er den achten band wieder in papier gebunden, wie die vier ersten theile. was ihn nur vor ein narr gestochen hat den fünften theil so prächtig einbinden zu lassen? aber er soll sein fett kriegen, ich habe eine epistel an ort und stelle geschickt und mich gegen dieses unmusterhafte betragen höchlich beschwert. Göthes mutter an Unzelmann in Dorows reminiscenzen s. 177; der hat sein fett; ich hab ihm sein fett gegeben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1572, Z. 25.

setten, verb.

setten, verb.,
sättigen, für sätten, satten, s. dieses, theil 8, 1829 f.:
des helffen in dy weyssen rotherrn
das sy an narung werden gesett.
Rosenplüt spruch von Nürnberg 343;
(du, gott,) settest von deins haus überfluͦs,
uͦnt mit deiner wollusten fluͦs
trenkest di abgematten.
Melissus ps. P 2ᵇ (36, 2).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 642, Z. 19.

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Zitationshilfe
„setten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/setten>, abgerufen am 25.01.2022.

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