Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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säumen, verb.

säumen, verb.
aufhalten, verweilen, zögern, langsam etwas thun, mhd. mnd. sûmen, niederl. zuimen, ahd. nur in zusammensetzungen arsûmen und farsûman Graff 6, 221. auszerhalb des deutschen im engern sinne begegnet das wort nur in altfries. ursûma Richthofen 1116ᵃ, da isl. forzóma Cleasby-Vigfusson 166ᵃ neu und offenbar entlehnt ist. derselbe stamm liegt vor in dem jetzt ungebräuchlichen subst. mhd. sûm, m. das säumen, zögerung Lexer handwb. 2, 1295;
si ... kâmen dô ze helfe dem
herzogen sunder allen sûm.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 201ᵈ (v. 31551).
ebenso nd. sü̂m ten Doornkaat Koolman 3, 364ᵇ. daneben mhd. sûme Lexer handwb. 2, 1296. die herkunft des wortes ist dunkel, da weder verwandte wörter anderer sprachen, noch eine wurzel, an die es angeschlossen werden könnte, bekannt sind (vgl. Kluge 292. Weigand 2, 532). die form bietet auszer dem fehlen des umlauts in der ältern sprache und den oberd. mundarten und dem verschiedenen verhalten der dialekte zu der bairischen lautwandlung keine abweichungen. mhd. und frühnhd. begegnen sûmen, soumen, saumen, sômen, sâmen, seumen Lexer a. a. o. cunctari .. sumen, saumen Dief. gloss. 162ᵇ, retardare, hd. nd. sumen .. sewmen 495ᶜ, tardare .. sumen, sewmen, syemen 573ᶜ:
sô wir solden ruowe nemen,
als dem slâfe solde gezemen,
sô werden wir gesoumet
von angste der uns troumet.
Hugo v. Langenstein Martina 136, 3;
so tuond si (die schuhe) im an dem fuos zergan
und wirt gesompt uf siner vart.
des teufels netz 10668 Barack.
in neuern mundarten schweiz. suumen Stalder 2, 304, sume Hunziker 266. Seiler 285ᵃ, schwäb. saumen Schmid 448, bair. sâmen Schm. 2, 278, nd. sümen brem. wb. 4, 1095. ten Doornkaat Koolman 3, 364ᵇ. Danneil 216ᵃ (sü̂m'). Schambach 218ᵇ. Woeste 263ᵃ. Bedeutung.
1)
transitiv: saumen, verhinderen oder seümig machen, sich selbs oder ander leüt, retardare, commorari, demorari, tardas, moras agitare, moram interponere. Maaler 343ᵇ. ebenso niederl. suymen, impedire, remorari, retardare Kilian. diese im mhd. und frühnhd. sehr gewöhnliche verwendung ist jetzt weniger üblich geworden; schon Frisch 2, 152ᶜ bezeichnet sie als veraltet; doch ist sie auch heute noch nicht ausgestorben. in nd. mundarten wenig gebräuchlich; nur ostfries. bezeugt, s. ten Doornkaat Koolman a. a. o.
a)
ohne object; so in dem verbreiteten sprichwort:
kirchen gehen seumet nicht,
allmosen geben armet nicht,
unrecht gut faselt nicht.
Melanchthon explicatio sententiarum Theognidis zu v. 145 ff., s. corpus reformatorum 19, 85. s. ferner Schuppius schriften 184. Hippel lebensl. 4, 72.
b)
einen säumen, auf-, zurückhalten, hemmen, zum verweilen oder zögern bewegen, am gehen verhindern: warumb bist du so lang da inden? was somet dich, daʒ du nit komest mit dem käs? Steinhöwel Äsop. 321 Österley; mich seümbt allain dj cantzelley. Schwartzenberg 136ᶜ; so wil ich dir verheiszen, dasz ich dich forthin nicht mehr seumen wil. buch d. liebe 296ᶜ;
auff das er werd geseumet nicht;
er wil bey uns nicht lenger bleibn.
Tirolff lsaak u. Rebecca G 7;
du aber säumest mich
mit langem stehen.
Opitz 1, 77;
nun so geh', ich wil dich auch nicht seümen!
ged. d. Königsberger dichterkr. 53 neudr.;
als Lebbäus zu einem verfallneren grabmahl
an dem ölberg kam, da ging er hinunter. es säumt' ihn
eine trümmer.
Klopstock 4, 221 (Mess. 10, 538);
lasz dann nicht säumende qual die nahen am ziele
überlasten.
6, 188 (Mess. 19, 473).
mit näherer angabe: Esopus gieng im nach und sprach: byt ain wyl. der kouffmann sprach: hör, som mich nit an dem goun. Steinhöwel Äsop. 41 Österley; und sie sattelt die eselin, und sprach zum knaben, treibe fort und seume mich nicht mit dem reiten. 2 kön. 4, 24;
denn wer träte mit euch
in die stäubende bahn, wo es am ziele grünt,
säumt' euch das nicht im lauf.
Klopstock 2, 53.
auch einen warten lassen: ich saumen selbs die gest und lassz sy zuͦ lang warten, egomet convivas moror. Maaler 343ᶜ.
c)
auch überhaupt, einen an einer thätigkeit hindern oder hemmen, so besonders mhd.:
daʒ sol ich immer dienen,   mich ensûme der tôt.
Nib. 2291, 4;
ditz gepieten wir allen weltlichen richtern, datz sie di clager nit saumen; saument si daruiber di clager .. quelle bei Scherz-Oberlin 1365. sehr häufig in der verbindung sûmen und irren: wer aber, das des gotzhusz pfleger jeman daran sumen oder iren wölte, so sol er es den vögten klagen. Grimm weisth. 1, 34; an (ohne) unser, unser erben und nachkomen, und menglichs von unsern wegen, sumen, hindernusz und irren. urk. von 1438 bei Haltaus 1594.
d)
häufig mit übergang in die bedeutung 'einen im genusz einer sache hindern oder stören, derselben berauben, schädigen, in nachtheil bringen überhaupt':
daʒ wal hie wart geroumet   von gesten und von kunden,
die lebens wâren gesoumet   und manige die zum tôde heten wunden.
jüng. Titurel 865, 2 Hahn;
der sumte si an etlichen gütern dern si ze erb kommen wär. urk. von 1374 bei Haltaus 1594; und sollent in des weder an sime libe, noch an sime gut nut sumen noch irren. urk. von 1368, s. ebenda; dardurch der stat paumeister gesaumpt wart. Tucher baumeisterb. 90, 7 Lexer.
e)
etwas säumen, das fast nur im mhd. begegnet, zunächst in demselben sinne 'etwas in seiner thätigkeit hemmen oder stören':
eʒ werdent phlüege gesûmet ...
ê mir der lîp geraste.
Helmbrecht 1125;
nah war eines felsengewölbes
öffnung, in die sich ein reiszender strom
stürzete, dann in den langen unendlichen wölbungen fortflosz,
oft von steigenden inseln gesäumt.
Klopstock 2, 201.
sodann mit veränderter beziehung, eine thätigkeit aufhalten oder verhindern: etwas saumen und verhinderen, afferre tarditatem alicui rei. Maaler 343ᵇ;
ir friunt (ihre liebhaber) verderbent si (die frauen) dâ mite (dasz sie sie lange in ungewissheit lassen)
und sûment guote minne.
Hartmann v. Aue 1. büchl. 1591.
zumeist indesz steht etwas säumen in einer andern bedeutung (s. 3, d).
2)
sehr häufig ist im mhd. und ältern nhd. sich säumen, säumig sein, zögern: sich saumen oder etwas verziehen, agitare moras, commorari, cessare Maaler 343ᶜ; saume dich nicht, noli morari Frisch 2, 152ᶜ. jetzt ist dafür einfaches säumen üblicher, das im nd. durchgehends überwiegt. doch vereinzelt auch nd. sik sümen Schiller-Lübben 4, 468ᵃ. brem. wb. 4, 1095. ten Doornkaat Koolman 3, 364ᵇ.
a)
an einem orte verweilen, verziehen: ist, das sich der bilger etwan zu lang in der herberg sompt. Keisersberg pred. (1488) 44ᵃ; und Judas treib das volck fort, das sich da hinden seumet. Macc. 5, 53; er hat sich zu Rom drey tag gesaumbt, constitit triduum Romae. Henisch 1529, 36; man hatte sich etwas lange bei dem freundlichen strome gesäumt, und kam nun zu einer einsamen bauernhütte. Hegener ges. schr. 2, 226;
wasz saum ich mich dan hie?
Rompler reimged. 95.
so auch: das fleisch der fischen ist hart, saumpt sich lang in dem menschen. Forer fischb. 135ᵃ.
b)
zögern, säumig sein, ohne weitern zusatz: kom herab zu mir, seume dich nicht. 1 Mos. 45, 9; aber der würt und sein frauw saumpten sich nit lang. rollwagenb. 42, 9 Kurz; aber Alexander saumt sich nicht, kam von stundan zue einer landschaft. Aventin. chron. 1, 341, 14 Lexer; Gabriotto sich nach seines vatters worten nicht lang saumen thet. buch d. liebe 246ᵈ; wo sich die nachhuͦt nit so lang gesaumpt, were die statt eroberet worden. Stumpf Schweizer chron. 506ᵇ; dieser macht und gewalt gebrauchte sich der satan, und saumte sich nicht lang, dann er ist ein geschwinder geist. Schuppius schr. 162;
die Ungern saumpten sich nit lange,
sie zogen wol in das feld.
bergreihen 56, 7 (s. 114 neudruck);
nach dem die red seind mancherley,
wie dasz ein berg geberen wöll,
darumb sich niemandt seumen söll.
Alberus fab. (1590) 49ᵃ;
darumb wöll wir uns saumen nicht,
sondern den angfochtnen frommen
mit besser macht zu hilff kommen.
Ayrer 655, 5 Keller;
drum hast du, als verfolgt, dich freilich nicht gesaumt,
.. du hast das land geraumt.
Rompler reimged. 92;
gottes mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein,
ob ausz langmuth er sich seumet, bringt mit schärff er alles ein.
Logau 3, 27, 24;
was säumstu, Juda, dich?
Fleming 7;
gott ruft. fort. säumt euch nicht.
A. Gryphius (1698) 1, 581.
c)
mit näherer angabe, sich in, an, mit etwas säumen:
ja geh saumb dich in keinem ding.
H. Sachs 3, 2, 5ᵃ;
eil, saumb dich nit in diessen dingen.
3, 3, 12ᶜ;
pox laus, ich mocht mich auch leicht verweilen,
das ich mich an der teilung saumpt.
fastn. sp. 1, 83, 9,
mit werffen sich auch nicht thet saumen
das weib, in die stadt ungefüg
als ob hagel und donner schlüg.
H. Sachs 2, 2, 101ᵃ.
auch sich verspäten mit dingen, deren eintreten man nicht in seiner gewalt hat: welche weiber sich an ihrer zeit säumen, die sollen dieses (ringelblumen-)wassers alle morgen ein guten starcken trunck thun. Tabernaemont. 714 A. sich säumen etwas zu thun oder mit nachfolgendem satze: erfreut, eine vollkommenheit mehr an seinem neuen liebling zu entdecken, säumte er sich keinen augenblick, eine gelegenheit zu veranstalten ... Wieland 3, 32 (Agathon 11, 4);
er säumte demnach sich nicht, sobald der mittag kam,
im vorgemach nach ihrem befinden zu fragen.
4, 121 (Amadis 6, 2);
er (Cupido) hat sich gesaumt, dasz gepaarten in orden
so langsam Chlorindis ist einverleibt worden.
Logau 2, 38, 43.
d)
zuweilen bedeutet sich mit oder bei etwas säumen auch sich mit etwas aufhalten, dabei verweilen: (dasz die lobredner) sich am mehesten in anzihung jrer (derer, die sie rühmen) natürlichen liblichait und gemainer ergezlichait saumen, und beineben jres nutzes .. entweder .. schlechtlich gedenken, oder gar inn vergesz hindan stellen. Fischart dicht. 2, 275, 27 Kurz;
die komplimente, die beide einander gemacht ...
und alle die feinen dinge, wozu die morgentracht
der schönen anlasz giebt, dem leser vorzureimen,
das hiesze, sich ohne noth bey kleinigkeiten säumen.
Wieland 4, 122 (Amadis 6, 3)
e)
mundartlich si sume, seine notdurft verrichten. Seiler 285ᵃ.
3)
für sich säumen ist jetzt einfaches intransitives säumen herrschend geworden. dieses kommt, wenngleich seltener, auch schon im mhd. vor, s. Lexer handwb. 2, 1297, ebenso im ältern nhd.: saumen contari, cessare, demorari. Dasyp. Schottel 1415. dagegen ist es im nd. die gewöhnliche bedeutung von säumen, s. Schiller-Lübben 4, 468ᵃ. brem. wb. 4, 1095. ten Doornkaat Koolman 3, 364ᵇ. Danneil 216ᵃ. Schambach 218ᵇ. Woeste 263ᵃ, woneben transitives und reflexives säumen nur ganz vereinzelt vorkommen (vergl. 1. 2). ähnlich in der schriftsprache seit dem vorigen jahrhundert.
a)
verweilen, bleiben, dauern:
doch ruft ein denkmal noch ... mit ungefeilten reimen,
dem frommen wanderer, mit thränen hier zu säumen.
Gotter 1, 140;
dasz mir heute noch die milde,
gottheitstralende Mathilde
liebend wird am busen säumen?
Platen 164ᵇ;
du willst des frühlings flüchtige gestalten
auch nachts in lieb' und sehnsucht wach erhalten,
dasz sie, so lang die holden stunden säumen,
vom glücke nichts verschlafen und verträumen.
Lenau 2, 146 Koch (Faust 1658);
ferner zögern zu gehen, zögernd und langsam sich fortbewegen:
an des furchtbaren stirn nur säumte noch dunkel
einer wetterwolke, die sich von ihm weg am meer hin
langsam zog.
Klopstock 5, 189 (Mess. 13, 457);
maszbestimmung! auch du lehrst felsen
wallen, und haine, den strom
säumen!
2, 50;
wenn heilge melodie
aus seiner (Davids) harfe bebte, ins thal hinabgegossen,
dasz seine bäche säumend und sanft vorüberflossen.
Dusch verm. werke 107.
vgl. bair. wie-r-e deher sâmt, wie er so langsam daher kommt! Schm. 2, 278 und säumeln 1.
b)
säumig sein, zögern etwas zu thun; ohne nähere bestimmung: ich wils thun, und nicht seumen. Hes. 24, 14; gedenck, das der tod nicht seumet. Sir. 14, 12;
so rath ich: saumt nicht mehr.   disz was wir ingemein
beschlossen: glaubt es fest! kan nicht verschwiegen seyn,
dafern man länger ruht.
A. Gryphius 1, 66;
schon zu lange säumten wir.
Herder z. litt. 5, 137 (Cid 34).
sehr häufig ist der substantivierte infinitiv, ohne säumen u. ä.: es ist nicht säumens zeit. Göthe 8, 147;
mein hohes auge blickt auch spott,
blickt spott auf den,
der säumens macht bey dieser wahl.
Klopstock 1, 256;
ein allgemein geschrey
des volkes fordert ohne säumen
des kästchens gegenwart.
Wieland 10, 294;
spät kommt ihr — doch ihr kommt! der weite weg,
graf Isolan, entschuldigt euer säumen.
Schiller Piccolomini 1, 1.
c)
mit folgendem infinitiv mit zu: Solande seumete nicht seine ankunft alsobald der Floramenen kund zu thun. Riemer polit. stockf 329;
denn seid gewisz, nicht säumen wird der könig,
den tod zu rächen seines vogts.
Schiller Tell 5, 1.
d)
selten ist jetzt säumen mit dem acc. in dem sinne 'säumig sein in bezug auf etwas, etwas versäumen, verzögern, aufschieben'. so westf. sümen Woeste 263ᵃ, häufiger dagegen im mhd., wo es nicht immer scharf von der bedeutung 1, e zu scheiden ist:
nune sûmden siʒ niht mêre.
Iwein 7009;
sît eʒ ab dô gesûmet wart,
so ist reht, daʒ ich mich noch erhol.
Trist. 4438;
nu griffens an daʒ nitspil,
wan si wolten eʒ niht sûmen.
Lanzelot 5281;
sô rehter sig ûf erde
von in gesûmet werde.
Konr. v. Würzb. Silv. 3394;
wes sûmestu dînen willen?
pass. 29, 8 Köpke;
mit ellipse eines verbs:
Kaspar, Baltasar, Melchyor
saumten nicht der slihte (des graden weges) spor (zu verfolgen).
Suchenwirt 41, 472.
4)
sehr auffallend ist suumen 'sich sputen' im Berner oberlande. Stalder 2, 304.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1911, Z. 8.

säumen, verb.

säumen, verb.
mit einem saume, d. i. einem umgebogenen rande versehen. säumen sejmen oram consuere, praetexere. einschlagen wie die schneider tuhn. Schottel 1392; saumen fimbriare, fimbriam facere, consuere fila extrema texturae ne separentur, replicare oram vestimenti eamque assuere. Frisch 2, 152ᵇ, ebenso holl. zoomen. dagegen liegt die ältere bedeutung 'nähen' vor in engl. seam, und, neben der deutschen, in altn. sauma, dän. sömme, schwed. sömma. im deutschen ist das wort in den ältern sprachstadien nicht nachzuweisen und kommt nach Weigand 2, 531 erst seit dem 15. jahrh. vor. auch hier fehlt der umlaut häufig, in oberd. mundarten stets. neuere mundarten zeigen folgende formen: schweiz. saume Seiler 249ᵃ, bair. tirol. sâmen Schm. 2, 279. Schöpf 579, cimbr. somen cimbr. wb. 234ᵇ, nd. sömen brem. wb. 4, 918. ten Doornkaat Koolman 3, 257ᵃ. Woeste 248ᵃ, (söm') Danneil 201ᵇ, söæmen mit der nebenform sü̂men (verwechslung mit säumen 'zögern') Schambach 202ᵃ. 218ᵇ.
1)
eigentlich, ein gewand oder stück zeug, z. b. ein taschentuch, säumen. Jacobsson 3, 526ᵃ. dafür auch besäumen: ein schnuptuch mit roter seide besaumen. Stieler 1695; was man von ihrer kleidung sehen konnte, war klares und dichtes linnen, ungestückt und unbesetzt, jedoch so nett von ihr gesäumt, dasz man in jedem stiche eine grazie versteckt zu seyn glaubte. Möser patr. phant. (1775) 1, 42; die eine säumte ihm unentgeltlich, was er zu säumen hatte, bald ein schnupftuch, bald ein halstuch. Gotthelf Käthi cap. 3.
2)
in freierer verwendung, 'irgend etwas mit einem dagegen abstechenden rande oder einer einfassung umgeben': moos und kräuter säumen die felsen. Göthe 16, 224; ein lichter berggipfel, nur von blumenkelchen bunt gesäumt, empfing ihn. J. Paul Titan 1, 147; dem jungen herrn Cramer sieht man gleichfalls an, dasz er unter der wolke hervorkeuchen möchte, die Klopstocks glorie saumt. Göthe 33, 62;
es schweigt die nacht, die erde träumt,
und bleich der mond die wolken säumt.
Körner 1, 112 Hempel;
sah ich ein frühroth säumen
den horizont der nacht.
Rückert ged. 258.
3)
besonderheiten.
a)
bretter oder dielen säumen, mit scharfen rechtwinkligen kanten versehen, marginare oder emarginare tabulas Stieler 1695; säumen hölzer .. behauen, kanten, insbesondere bretter, pfähle an ihren seitenflächen glatt behauen, damit sie dicht an einander anschlieszen. Veith 395; ein abgeschwarteter block dagegen liefert .. aus der mitte splintfreie, rechtwinklich abgekantete — gesäumte — bretter (flatted planks) .. mit allen diehlen oder bohlen, welche nicht schon in folge des abschwartens gesäumt sind, musz das säumen nachträglich durch einen besonderen sägenschnitt an jeder kante verrichtet werden. Karmarsch technol.³ 2, 643.
b)
mundartlich enem de aͦren sömen, ohrfeigen geben. Woeste 248ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1914, Z. 35.

säumen, verb.

säumen, verb.
auf saumthieren fortschaffen, eine ableitung zu saum 'last', welche auf das oberd., besonders bair. sprachgebiet beschränkt und in mundartlicher form ohne umlaut erscheint. mhd. soumen wiederholt im Nib., z. b.:
si hieʒen ir gewæfen   soumen an den Rîn.
220, 1.
in neuern mundarten, bair. sâmen Schm. 2, 280, ebenso tirol. Schöpf 579, kärntn. (im Lesachthale) Frommann mundarten 6, 198, östr. saumen Höfer 3, 63, cimbrisch in der zusammensetzung aufsomen, mhd. ûf soumen auf ein saumthier laden cimbr. wb. 234ᵇ. eine weiterbildung dazu ist sampern, sempern schwer tragen. neben der hauptbedeutung heiszt es zuweilen mit veränderter beziehung 'ein saumthier beladen' Schöpf a. a. o., auch 'ihm den sattel auflegen': die rosse säumen, imponere equis clitellas. Ven. u. Plac. 138. in gewöhnlicher bedeutung 'eine last auf saumthieren transportieren', eine art des transports, die nur noch in alpengegenden stattfindet, s. Schm. a. a. o. somen equis clitellariis apportare Frisch 2, 152ᵇ: im sommer fuhr er in die alpen, saumte das molken herab, und juzte und jolte dabei. Felder Nümmamüllers 45. vgl. auch Weigand 2, 531.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1915, Z. 5.

seumen, verb.

seumen, verb.,
s. säumen th. 8, sp. 1911.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 707, Z. 48.

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Zitationshilfe
„seumen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/seumen>, abgerufen am 18.10.2021.

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