Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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säure, f.

säure, f.
saure beschaffenheit, acritudo Schottel 1392, acor, aciditas Frisch 2, 153ᵃ, ableitung von sauer (vgl. das.), ahd. sûrî acredo Graff 6, 272, mhd. siure, sûre, mit den nebenformen soure, sûere, bair. säure, seure, daneben md. sûrde Lexer handwb. 2, 948, nhd. neben säure häufig säuere geschrieben: die seüere Helber syllabierb. 32, 20 Röthe, die sewer Alberus dict. bb 4ᵇ, bair. säuer, saier, soier, suier Schm. 2, 321.
1)
die saure beschaffenheit.
a)
eigentlich säure des essigs, des weines, unreifer äpfel u. ä. gern in gegensatz zu süszigkeit gestellt und dabei leicht in die bedeutung 'bitterkeit' übergehend:
denn als sie (die katze) kaum darein (in eine grüne walnusz) den ersten bisz gethan,
so schnaubt und sprudelt sie, als wenn sie glas gefressen.
'dich, spricht sie, lobt der mensch: so mag er dich auch essen.
o! pfuy, was musz er nicht für eine zunge haben!
an solcher säure sich zu laben!'
Lessing 1, 129.
b)
vielfach in freierer wendung und übertragen, schärfe, bitterkeit, von schmerzen, not u. dgl., überall in gegensatz zur süszigkeit gedacht. so besonders mhd. siure mhd. wb. 2, 2, 756ᵃ. Lexer a. a. o., z. b.:
minne mit ir stiure   gehiure   vil siure   süeʒet wol
unde machet herzeliebe trûren swach.
Konrad v. Würzburg lieder 8, 19;
zwai vaʒ ligent ... an der strâʒ gotes, ainʒ vol wermuot (daʒ ist ain pitter kraut) und ainʒ vol süeʒes honiges. dâ von schüll wir leben under got, daʒ wir die süeʒen mit der säuren mischen. Megenberg 155, 14.
c)
ethisch gewendet, von einer mürrischen gemütsart oder einer betrübten stimmung:
diu süeʒe, diu guote,
diu siure an wîbes muote
noch herzegallen nie gewan.
Tristan 10242.
besonders in diesem sinne auch im nhd. noch üblich. Musäus strauszfedern 3, 67: dadurch kam eine fremde mischung, eine säure in unser geblüt. Klinger 1, 404. auch von den äuszerungen einer solchen stimmung: ich kan nicht gnugsam auszsprechen, mit was groszer sauere und bitterkeit der geberden und worten, sie mir ihren elenden stand beschrieben haben. Schuppius schriften 691.
2)
in concretem sinne, ein saurer gegenstand, ein stoff, besonders eine flüssigkeit von saurem geschmack.
a)
allgemein, säure im magen u. dergl.:
und dennoch weint das schwache kind, ..
sobald den magen säure quälet.
Withof acad. ged. 2, 76.
vgl. bair. die sur salzbrühe, salzlake, sole, sauce Schm. 2, 324, sur coinquinatio Dief.-Wülcker 830.
b)
als technischer ausdruck der chemie, eine verbindung von wasserstoff mit einem radical (s.säurerest), das entweder ein nichtmetallisches element oder die verbindung eines solchen mit sauerstoff ist (danach nach der alten bezeichnung in wasserstoffsäuren und sauerstoffsäuren geschieden). im allgemeinen erkennt man säuren an ihrem sauren geschmack, und an der fähigkeit, in wässriger lösung blaue pflanzenfarbstoffe (wie lackmus) zu röten. vgl. Karmarsch-Heeren³ 7, 502 ff.
c)
für sauerteig, mhd. Lexer handwb. 2, 949. Schm. 2, 321.
d)
für sauermolken. Schm. a. a. o. vgl. sauer, n.
3)
nicht mit säure verwandt ist ein in ältern und neuern mundarten verbreitetes wort sûre, sü̂re, das 'krätzmilbe' oder 'hitzblatter, finne im gesicht' bedeutet, und aus mittellat. siro stammt. acarus exulcerans, scabiei krätzmilbe, sire, siere, sirichen, seire, süre, seuren, sur, syre, holl. siere, sierken Nemnich, mhd. siure Lexer handwb. 2, 949, mnd. sure Schiller-Lübben 4, 478ᵃ; siro .. suͤre, seuren, seiren .. siurra, suirra, surro, siur, seyrin, sury, suͦer, zuer, zur, sir, sure, sierul Dief. gloss. 538ᵇ. nov. gloss. 341ᵃ; in neuern mundarten nd. süre brem. wb. 4, 1103, schweiz. süre Stalder 2, 420. Seiler 285ᵇ, sü̂ra, sü̂rli Tobler 428ᵇ, bair. seur, gewöhnlich seurlein, seurle Schm. 2, 322.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1923, Z. 41.

seure, f.

seure, f.
krätzmilbe, hitzblatter, s. oben säure 3, th. 8, sp. 1924: so einer warzen oder kroenaugen hat oder seuren an hend und fuszen. Vogter arzneib. (1532) 58; etzliche menschen nennen denn solch jücken krimmen und beiszen der augen, liessen und sewren. Bartisch augend. (1583) 108; dienet wider das beiszen und jucken der haut und wider die seuren des gantzen leibs. Tabernaem. kräuterb. 653 A (1664); es wachsen den pferden innwendig an den lefftzen, oben und unten seuren, welche ihnen jucken verursachen. Hohberg landleben 3, 159ᵃ. — bei Megenberg nach lat. saura für 'eidechse': saura haiʒt ain seur .. daʒ ist ainr lai egdehs. 279, 12.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 707, Z. 55.

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seufzung siegeswonne
Zitationshilfe
„seure“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/seure>, abgerufen am 22.10.2021.

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