Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sichel, f.

sichel, f.,
mhd. sichel mhd. wörterb. 2, 2, 234ᵃ. Lexer mhd. handwörterb. 2, 901, ahd. sihhila Graff 6, 89; ags. sicol, m., engl. sickle; nld. zikkel, dän. segel ist wol aus dem niederdeutschen entlehnt. Schottel 1414 hat sechel für sichel. nd. sekel, falcastrum Diefenbach gloss. 223ᵇ, s. unter 1 zu anfang, sekele Schiller-Lübben 4, 176ᵃ. ob sichel aus lat. secula entlehnt, oder mit ihm verwandt und ein einheimisches wort ist, darüber kann zweifel bestehen. in beiden fällen sind als verwandte zu sichel zu stellen sech, das pflugmesser (th. 9, sp. 2772), sense (oben sp. 604), nd. sichte, sicht, nld. zicht, sichel (s. unten sicht), mnd. segede, neund. seged, segd, seed, seid, ags. sigþe, síþe, engl. scythe, altn. sigđr, m., sigđ, f., norweg. sigd. ein anderes altnord. wort ist lé, m., daneben ljár, m. im got. heiszt die sichel gilþa, f.
1)
falcaria, sichel, falcare, abschnyden mit sichlen; falcastrum, sichel Dief. gloss. 223ᵇ; falx, sichel, siechel, sigchel, sechel, sygel, hant- vel zan (zahn- s. unten) vel ernsichel; nd. zekele, sekele, seckel, zokel, sikle. 224ᵃ; sekel, sichel brem. wb. 4, 745; kornsichel, messoria falx Dasypodius; krumb wie ein sichel. Maaler 373ᵃ; die sichlen brauchen, das korn abschnyden. 373ᵇ; sichel, sechel, schnitt-, räb-sichel. Hulsius dict. (1616) 297ᵇ; secula, eine sichel Corvinus fons lat. 580ᵇ; die sichel anschlagen, mettere la falce, mit der sichel abmähen. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 801ᶜ; eine stumpfe, eine scharffe sichel. Steinbach 2, 588; die sichel anschlagen, inmittere falcem in messem. Frisch 2, 271ᵇ; 'man unterscheidet gras- und getreidesicheln. jene sind kleiner als diese. die getreidesicheln haben an ihrer schneide gemeiniglich kleine scharfe zähne, welche weit subtiler als die kleinsten sägenzähne sind'. Jacobsson 4, 153ᵃ; sliumo sentit ana sihhilûn, uuanta azist arnzît (statim mittit falcem, quoniam adest messis). Tat. 76, 2; das man die stengel mus mit sicheln abschneiten. Jes. 18, 5; die sichel streichen (mit dem wetzstein); die sichel anschlagen (beginn des schnittes): schlahet die sicheln an, denn die ernd ist reiff. Joel 3, 18; mit der sichel anschlagen: schlag an mit deiner sicheln und erndte. offenb. Joh. 14, 15; unten: die sichel anlegen; do geven se islikem armen minschen ein sekelen und ein brod und heiten se gan arbeiden und sniden. d. städtechron. 7, 186, 4;
den gab die frouwe here
aber in godes ere
sicheln hemmede unde schu,
so daʒ si sich beholfen nu
mit ir selbes arbeit.
Elisabeth 3745;
und da nimm i glei mei sichel,
und da gras i mit mei Michel.
Pröhle volkslieder 97;
die sichel in der faust, der arm schier gantz entblöst,
gibt warlich zu verstehn,
dasz sie nicht ruhen kann und faulheit von sich stöst.
A. Gryphius (1698) 1, 223;
gebt seine sichel dem schnitter,
dem pflüger die rosse zurück.
E. v. Kleist 2, 12 (1760);
wenn die blanken sicheln
nicht mehr in den furchen
rauschten.
Hölty 50 Halm;
Hans und Michel
schärft die sichel.
175;
seine sichel entfällt hier dem schnitter.
Schiller 1, 312.
betritt ein fremder oder auch besitzer das feld, auf dem schnitter thätig sind, so zeigen diese in verschiedenen gegenden durch streichen der sichel an, dasz er sich nach altem brauche durch ein geschenk lösen musz; schmaus nach vollendeter ernte: so der mist eingefalgt ist, so vertrinken die diern die gabel, desgleichen die sichel, so man abgeschnitten hat. quelle bei Schmeller 2, 213. sichel auf einer münze: de pennigk myt den bymarcken kusel, seckele, kobrot, puster, dergelick. d. städtechron. 16, 409, 6. häufig in vergleichen und bildlichen wendungen; mit bezug auf die gestalt der sichel:
diu reht stant krumber, dan ein sichel.
minnes. 2, 313ᵃ Hagen;
seyn rück ist jm gepogen
recht wie ein sichel krumb.
bergreihen 106 neudr.;
gradus wi-n e sichle. Hunziker 241. Seiler 268ᵇ. man soll mit seiner sichel nicht an fremdes getreide gehen, sich nicht in fremde angelegenheiten mischen: es soll keiner seine sichel in fremden schnitt anlegen. Henisch 1210, 65; brauch deiner sichel für dein getreide und schnitt, und sorge nicht für frembde händel. 483, 41; ich verliere mich, nach dem sprichworte zu reden, nicht mit meiner sichel in eine fremde erndte. Lessing 4, 106. das scharf schneidende werkzeug: diese grübelnde vernunft ..., die wie eine schneidende sichel in meinem gehirn hin und her fährt, und mit jeder neuen forschung einen neuen zweig meiner glückseligkeit zerschneidet. Schiller 4, 286;
ros unde man Hector versneit
alsam daʒ gras diu sichel.
K. v. Würzburg troj. krieg 32477.
was reif ist, fällt der vernichtung anheim: sind dies die letzten zeiten, dasz der herr die sünde aufgeschossen stehen läszt und die sicheln zerbricht? Hebbel (1891) 1, 34;
Macbeth ist reif zum schneiden, und die mächte
dort oben setzen schon die sichel an.
Schiller Macbeth 4, 7;
mit ihrer sichel wird die jungfrau kommen,
und seines stolzes saaten niedermähn.
jungfrau von Orleans, prolog 3.
der tod führt eine sichel:
viel hunderttausend ungezählt,
was nur unter die sichel fällt:
ihr rosen, ihr liljen,
euch wird er austilgen.
wunderhorn 1, 98 Boxberger;
sterben ist ein harte pein,
wenn's zwei herzallerliebste sein,
die des todes sichel scheidt;
ach, das ist das gröszte leid.
2, 313;
sollt' etwan auch nach deinem weisen raht ...
zur sommers-zeit der tod die sichel auf mich schärffen.
Brockes 1, 392 (1739);
des todes sichel mähet dein leben ab.
Hölty 88 Halm.
die sichel wird den waffen als werkzeug des friedens gegenübergestellt: da werden sie jre schwerter zu pflugscharen, und jre spiesze zu sicheln machen. Jesaias 2, 4; macht aus ewren pflugscharen schwerter, und aus ewren sicheln spiesze. Joel 3, 15;
rasch zur sichel wandelt sich das schwert.
Geibel 8, 20.
sichel in anderer verwendung, z. b. an den sichelwagen der Perser; an einer langen stange befestigt bei einer belagerung:
dô hieʒ kunic Ruodolfs suon
wurken ein sichel,
diu was scharf und michel;
in eine guote stange,
michel unde lange.
Ottokar reimchron. 31200;
bart abscheren mit der sichel:
dein part wirt dir mit sichlen abgeschorn
und wirt dir dein antlütz mit essich gewaschen.
fastn. sp. 297, 17.
2)
sichel des mondes, vgl. oben mondsichel th. 6, sp. 2511; sichel der sonne bei einer finsternis: an dem middage verging de sunne, dat men se kume sach als ein sekelen. d. städtechron. 7, 116, 4.
3)
besonderes:
a)
hahnensichel, sichelförmige schwanzfeder eines hahnes, auf dem hute getragen, s. oben th. 4, 2, sp. 169.
b)
als name von gehirntheilen: die kleine hirnsichel, sichel des kleinen gehirns (falx cerebelli); die grosze hirnsichel (falx cerebri, processus falciformis cerebri). Meckel anatomie 3, 560 (1817); hierzu bei Campe sichelblutleiter, m., vgl. Hyrtl kunstworte d. anatomie 142; in gleicher bedeutung auch kornsichel, hippe (heppe, happe), segese (sense).
c)
als name eines fisches, bei Campe, s. sichling.
d)
als name der kornblume bei Campe; sechel bei Pritzel-Jessen (centaurea cyanus), vgl. sichelblume.
e)
die kleine sichel ist ein krummmesser der bleiarbeiter. Jacobsson 7, 344ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 713, Z. 37.

sicheln, verb.

sicheln, verb.
1)
mit der sichel schneiden, abschneiden: falcare sicheln Dief. 223ᵇ; sichelen, metere, demetere fruges, et gramina Stieler 1989; sicheln, absicheln Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 801ᶜ; vgl.ab-, durch-, herunter-, nieder-, wegsicheln. ohne object:
an einem montag frühe, als man die mädchen sahe
jetzt sicheln in dem thau.
wunderhorn 1, 378 Boxberger;
nähende, ackernde, sichelnde. Göthe 36, 142; mit object:
(ich) sichle, mit den andern,
den blühenden klee.
1, 32;
bildlich, vom tode:
ha! eher soll der tod mich von der erde sicheln.
Kotzebue dram. sp. 3, 342.
2)
gesichelt, mit einer sichel versehen, oder, wie eine sichel gestaltet: auf der stirne hatte sie einen gesichelten über und über mit diamanten schimmernden mohnden. Lohenstein Arminius und Thusnelda 2, 1147ᵇ; er fuhr auf einem gesichelten streitwagen (einem sichelwagen). 1, 1195ᵇ.
3)
sich sicheln vom monde, sichelförmig werden: der mond sichelt sich schon. Campe.
4)
intrans. sichle, die beine beim gehen nach auswärts schleudern, wie solche mit plattfüszen zu thun pflegen. Seiler 268ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 716, Z. 62.

sichelte, f.

sichelte, f.,
schweiz. das erntefest, der ernteschmaus (sichelhenke, -lege, -löse) Stalder 2, 373; dasz sie die sichelten mit den andern leuten am gleichen samstag haben konnten. Gotthelf Uli der knecht 246 Vetter.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 717, Z. 53.

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„sicheln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sicheln>, abgerufen am 18.10.2021.

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