Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sichtbarkeit, f.

sichtbarkeit, f.,
vgl. sichtbarlichkeit.
1)
eigenschaft oder zustand eines dinges, insofern es sichtbar ist. Adelung; visibilité Hulsius 297ᵇ, visibilità Kramer dict. 2, 740ᵃ, visibilitas, adspectus Stieler 2023. Steinbach 2, 561. Frisch 2, 272ᵃ: laster macht allezeit häszlicher, jedoch bei übrigens gleichem grad von stärke, mit sehr verschiedenem grad von sichtbarkeit. Lichtenberg 4, 66; bei dem andern kommt es gar nicht an auf das sein, sondern auf das bild, es ist die blosze sichtbarkeit des wahren seins. Fichte nachgel. werke 1, 457; der begriff des sehens wäre darum die sichtbarkeit des überwirklichen, y die sichtbarkeit der sichtbarkeit, und die empirie die sichtbarkeit der sichtbarkeit von der sichtbarkeit des überwirklichen .. besonders haben wir uns in der ersten logik mit dem zusammenhange der sichtbarkeiten .. beschäftigt. ebenda; der traum ist wahrheit geworden, das herz hat sich seinen wunsch verkörpert und in sichtbarkeit ausgeschaffen! Immermann Münchh. 1, 62; es liegt eine tiefe macht in der allverbreiteten sichtbarkeit der katholischen kirche. Auerbach dorfgesch. 2, 163; das geweissagte ereignis tritt mit der weissagung schon in die wirklichkeit ein, zunächst freilich in die unsichtbare, aber es ist von dem moment der prophetischen rede an beständig auf dem wege, auch in die sichtbarkeit einzutreten. Smend alttestamentl. rel.-gesch. s. 87. in freierm sinne (vgl. sichtbar 7), deutlichkeit, evidenz: mit aller sichtbarkeit wurde aber .. an der eingeschlagenen politik festgehalten. Schirrmacher gesch. kaiser Friedr. II. 3, 95.
2)
zuweilen in concretem sinne, alles, was sichtbar ist; so bei Herder von dieser sichtbaren welt (vgl. sichtbar 1): wie das staubkorn, auf dem wir wandeln, vom himmel umgeben ist: so schwimmt unsre enge sichtbarkeit im unermeszlichen ewigen. 11, 257 f. Suphan; bei dem schmerz der Maria, bei ihrem abschiede aus der sichtbarkeit, oder bei ihrer aufnahme in den himmel. 18, 21 (hum. br. 82);
näher als wir wähnen
hängt unsichtbares und die sichtbarkeit
zusammen, zart verschlungen, fest vereint.
s. Campe.
was im einzelnen falle sichtbar ist: wenn er .. zum glockenstuhle des thurms aufstieg .. und der ganze ausgedehnte glanz der sichtbarkeit (das von der sonne überglänzte gesichtsfeld, das ihm von dort aus sichtbar war) ihn dämmernd überfüllte. J. Paul Titan 1, 141.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 742, Z. 34.

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Zitationshilfe
„sichtbarkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sichtbarkeit>, abgerufen am 23.10.2021.

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