Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sichter, m.

sichter, m.
1)
einer, der sichtet, zu sichten I: taratantarisator ... sichter Dief. gloss. 573ᶜ. nov. gloss. 358ᵇ; nd. sichter sieber, reiniger Stürenburg 245ᵇ, sifter, sichter ten Doornkaat Koolman 3, 181ᵃ. insbesondere
a)
'bei den bäckern einiger gegenden, ein bäckerbursche, welcher auf den kneter folget und das sichten oder beuteln des auf der mühle nur geschrotenen getreides verrichtet. in groszen backhäusern hat man wol einen obersichter und untersichter'. Adelung. Jacobsson 4, 154ᵃ.
b)
freier (vgl. sichten I, B, 4): o ihr edlen lichter! — dichterverdienstes richter, — des ächten und falschen sichter! Rückert (1882) 11, 233 (mak. 1); doch willst du, so komm vor den richter dieses stamms, — den sichter des lautern und des schlamms. 493 (36). vgl. sichterin.
2)
nd. zu sicbten III, mnd. sichter 'der mit der sichte korn abmäht' Schiller-Lübben 4, 203ᵇ, ostfries. s. Stürenburg 245ᵇ. ten Doornkaat Roclman 3, 179ᵃ (schnitter).
3)
sichter, pro quo insichter, der, reum, delinquentem et inquisitum notans. Stieler 2022, wol für (in)zichter, vgl. das. und inzicht theil 4, 2, 2152.
4)
bezeichnung von dingen.
a)
im wasserbau 'eine hölzerne rinne, die insgemein bedeckt durch einen deich oder damm geführt wird, das wasser abflieszen zu lassen'. Jacobsson 4, 154ᵃ. so besonders nd., mnd. sechter, sichter Schiller-Lübben 4, 203ᵇ, sichter 'ist hier in einigen gegenden eine renne oder öffnung, die quer unter die wege durchgeht, zur durchlassung des wassers, welche mit bohlen ausgelegt ist, oder auch oft aus einem ausgehöhlten baum besteht' brem. wb. 4, 782; ostfries. sichter = siffter, 'kloake, bedeckter abzugskanal für wasser, unrat, jauche' Stürenburg 245ᵇ, vgl. nd. korrespondenzbl. 15, 88. 90. 93. Schm. 2, 219, und seichter sp. 173.
b)
ähnlich im deichbau sichter oder sichterhöhle, 'offne röhren oder kanäle, die in einem deiche anstatt der sielen angelegt werden, wo der grundboden des binnenwassers höher liegt, als die tägliche flut'. Jacobsson a. a. o.
c)
sifter, sichter 'ein sieb oder eine seihe oder ein mit löchern versehenes blechgerät, wodurch das vom dach flieszende wasser läuft, um es vom schmutz zu reinigen'. ten Doornkaat Koolman 3, 181ᵃ, hier offenbar als ableitung zu sichten I, was bei a und b doch nur schwer vorzustellen ist.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 747, Z. 13.

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Zitationshilfe
„sichter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sichter>, abgerufen am 14.10.2021.

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