Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

siebenbürgen, n.

siebenbürgen, n.,
name des bekannten landes südöstlich von Ungarn, das in den jahren 1141—1211 von deutschen einwandrern, zumeist mittel-(Mosel-)fränkischer herkunft, den sogen. Siebenbürger Sachsen, besiedelt wurde, s. Bremer in Pauls grundr.² 3, 911 f., woselbst weitere litteratur angegeben ist. der name findet sich schon mhd. als Sibenbürge(n) Lexer handwb. 2, 899:
nu was ouch meister Clinsor
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von Sibenburge uʒ Ungerlant.
Elisabeth 203;
in Sibenwürgen er geruͦcht
tzu varn und durch Ungarlant.
Suchenwirt 14, 308.
nhd. Sibenbürgen (die) septem castra Maaler 372ᵈ; Siebenbürgen, n. la Transilvanie Hulsius 297ᵇ; Trans(s)ilvania Kramer dict. 2, 804ᶜ; Siebenbürgen, das land und fürstentum an Ungarn, Transylvania, von den sieben vornehmsten burgen und städten die darinnen sind, weil vor alters burg eine stadt hiesz. Frisch 2, 274ᵃ; sieben stett die man nennt zu den siben bürgen ligen in Ungern zuring umbhär. Keisersberg bei Schm. 1, 276 (daselbst auch lat. Hermansdorf in VII castris aus dem 14. jahrh. belegt); der ain sagt im was von Frankreich, der ander user dem Niderlandt, der drit user Ungern und Sibenbürgen. Zimm. chron.² 3, 410, 8 Barack; unter den gemeinen Ungarischen pferden, hält man die, welche aus den bergstädten und Siebenbürgen gebracht sind, für die nützlichsten. Hohberg 2, 121ᵇ; in Siebenbürgen ist kein zaunstecken, der nicht Friedrich I. einen thaler gekostet hat. qu. bei Wander 4, 554. dazu Siebenbürger, m. und adj. (vgl. Andresen sprachgebr.s. 103 f.): Sibenbürger, Jazyges Dasypod.; Getae, Jazyges, Septem castrenses Maaler 372ᵈ; Siebenbürger, m. un Transilvain Hulsius 297ᵇ; Trassilvano Kramer a. a. o.; Transsylvanus Frisch 2, 274ᵇ. ferner Siebenbürgisch, adj. de Transilvanie Hulsius 297ᵇ; Transsylvanus Frisch 2, 274ᵇ; Siebenbürgische weine s. Jacobsson 7, 346ᵇ. — die so naheliegende erklärung als 'sieben burgen (städte)', wie sie bereits in den alten belegen zu tage tritt, ist doch wol erst durch volksetymologie hineingekommen; denn wahrscheinlich eignet der name ursprünglich der stadt Sibinburg, dem heutigen Hermannstadt, die dadurch als 'stadt am (flusse) Cibin' bezeichnet werden sollte, und ist erst von da aus auf das land übertragen, vgl. Andresen volksetymol.⁴ 125. die irrige gleichsetzung mit der lat. benennung Transsilvania scheint den anlasz zur erfindung einer nirgends belegten präpos. siben 'jenseits' (z. b. Frommann 7, 445) gegeben zu haben, vgl. auch sieben II, 4, c, α.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 803, Z. 15.

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seufzung siegeswonne
Zitationshilfe
„siebenbürgen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siebenb%C3%BCrgen>, abgerufen am 21.10.2021.

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