Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

siebengestirn, n.

siebengestirn, n.
sternbild, das aus sieben sternen besteht, gruppe von sieben sternen, mhd. siben-, sebengestirne Lexer handwb. 2, 900, ferner subengestirn, sebengesterne, entstellt sybend gestirn, -gestire, mit weiterbildung seben gestirntze, -gestirns, -gesterns, subben gestercze, mnd. sevengesterne, -gestyrne und sevent ghesternt, s. unten, vgl. (das schon ahd. belegte) siebenstern(e) und Weigand 2, 708. mit betonung des zahlbegriffs: der grund, warum das sibengestirn nicht mer als siben sterne hat, ligt darin, dasz es nicht achte sind. Eiselein 568 (nach Shakesp., s. sieben III, 2, d);
siben gestirne sîe geswigen,   dâ schein tûsentvalt gestirne gelfe.
jüng. Tit. 410, 4.
so im mhd. als bezeichnung des groszen bären oder wagens: arcturus .. sieben, dʒ siben, di siben gestirne. Dief. gl. 45ᵇ, sibingestirne gloss. Augiens. s. Mone anz. 8, 394, 42; septentrio ... seven gesterne, hd. daʒ siben gestirne, das sybend gestire, sibengestirn. Dief. 528ᵇ; so auch noch im ältern nhd.: sibengestirn, härwagen, bär, arctos, lat. ursa. Dasypod.;
und (Jupiter) zucket sie beyde (Calisto und den sohn) gericht
hinauff hoch an das firmament,
und verwandlet sie an dem endt
in das leuchtent siebengestirn,
mit jn das firmament zu ziern,
das man auch nennet den heerwagen.
H. Sachs 4, 3, 101ᵃ.
so noch preusz. groszes siebengestirn Frischbier 2, 340ᵇ; s. auch E. H. Meyer mythol. 239. — für den kleinen bären (?): septistellium (ursa minor) .. daʒ seben-, sybendgestirn, .. nd. dat sevent ghesternt Dief. gloss. 528ᵇ (vgl. siebenstern). aber auch mhd. schon für die plejaden: pleias .. dat sevengesterne, -gestyrne, .. sieben gestirn, sibingestirin, -gestirn vel -stirn, das sibengestirne, daʒ seben-, selben gestirntze, -gestirns, seben gesterns, daʒ subben gestercze. 442ᵃ; daher ist in der ältern sprache oft nicht zu entscheiden, welches sternbild im einzelnen falle gemeint ist: machst du die brinnenden sternen und daʒ subengestirn zuͦsammenbringen? historienb. s. 54 Merzdorf;
doch weiʒ ich daʒ sebengesterne
Salomones schone ouch lobet.
Brun v. Schonebeck 1466.
im nhd. seit dem 17. jh. bezeichnet siebengestirn durchweg die gruppe von sechs oder sieben nahe zusammenliegenden sternen im rücken des stiers, das im alterthum plejades oder vergiliae hiesz und als regenbringend galt; es hiesz in Deutschland früher auch die gluckhenne, gluckerin, in Meklenburg duming, s. Adelung: sibengstirn vergiliae Maaler 372ᵈ; la poulsiniere, les pleyades Hulsius 297ᵇ; worin (im stier) zu mercken das sieben gestirn (nota plejadas), von welchem gesagt wird, dasz es sieben sterne habe, da man doch nicht denn sechs sehen kan, und das regen gestirn (hyadas). Comenius sprachenth. 43; sette stelle, astro di sette stelle, gallinelle, vergilie, pleiadi. Kramer dict. 2, 805ᵃ; sieben-gestirn, ein gestirn von sechs etwas hellen sternen, die man mit dem blosen aug sehen, aber dazwischen viel kleine, die man mit dem fern-glas sieht, plejades, vergiliae. Frisch 2, 274ᵇ; siebengestirn wann es aufgehet. Coler hausb. (1680) 1, 66ᵇ; Plinius ... schreibt von den oliven, ausz welchen man das öl pressen will, das man sie umb die zeit, wann das sibengestirn, pleiades genant, morgens frü untergehet, soll abprechen. welches geschihet umb den zehenden novembris. Sebiz feldb. 61; ich .. sah wehmütig ans siebengestirn hinauf. Bräker d. arme mann im Tockenb. s. 66 Recl.; (gott,) der das schwesterliche band des siebengestirns band. Herder 11, 275 Suphan; vom hute stralte ein altes goldnes bourdalou, wie das siebengestirn durch den saum einer regenwolke. Siegfried von Lindenb.⁴ 1, 116; das siebengestirn verrathet mich nicht, sagte er. Hebel 2, 174; denn wir, die wir geldbeutel wegnehmen, gehn nach dem mond und dem siebengestirn umher, und nicht nach Phöbus. Shakesp. Heinrich IV, 1. theil 1, 2;
er ists, der den wagen, und den Orion und das siebengestirn
und die verhüllten kammern im süden gemacht hat.
Herder 6, 21 Suphan;
sahst du noch nie das siebengestirn?
das flammt gleich einer kette
wohl durch die nacht am himmel.
Fr. Müller 1, 238.
ausnahmsweise im plur.: die siebengestirn, plejades, vergiliae Stieler 2014. sprichwörtlich: vergreif dich nicht am siebengestirn, es steht dir zu hoch. doas gît îwrsch sîwagschterne, ausruf des staunens in österr. Schlesien. Wander 4, 554; von der versetzung einer frommen frau und töchter an den himmel als siebengestirn ist dagegen nur noch das sprichwort von uneinigen eheleuten übrig, die einander gerne aus dem wege gehen 'se leben as kukuk un sæbenstirn', welches gestirn nicht sichtbar ist, so lange der kukuk ruft. Bartsch sagen aus Meklenburg 2, s. 175. übertragen: wenn es wahr ist, ihr sieben verwandten, dasz ihr nur meine person geliebt, so zeigt es dadurch, dasz ihr das ebenbild derselben recht schüttelt .., und ordentlich .. chikaniert und vexirt, und sein regen- und siebengestirn seyd und seine böse sieben. J. Paul flegelj. 1, 15. — in dichterischer sprache verallgemeinert für sternbild überhaupt, s. Campe:
da der hand des allmächtigen
die gröszeren erden entquollen!
die ströme des lichts rauschten, und siebengestirne wurden!
Klopstock 1, 157;
mehr, wie die siebengestirne, die aus strahlen zusammenströmten!
ebenda.
bildlich von den sieben gröszten persischen dichtern: betrachten wir aber dieses siebengestirn genauer, wie es uns aus der ferne vergönnt seyn mag; so finden wir, dasz sie alle ein fruchtbares .. talent besaszen. Göthe 6, 69. von einer siebenzeiligen durchgereimten strophe: da war nun die reih' an mir, zu schlingen das siebengestirn. Rückert (1882) 11, 327 (14. mak.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 808, Z. 50.

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Zitationshilfe
„siebengestirn“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siebengestirn>, abgerufen am 25.10.2021.

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