Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

siebengezeit, f., n.

siebengezeit, f. n.
1)
die sieben tagzeiten der katholischen kirche, horen, vgl. sieben III, 5, b: sieben-gezeit in kirchensachen, septem horae canonicae. der vicarius soll alle dienstage des abends eine vigilie mit lichtern halten, und zwischen jeglicher weich-fasten, besonders vor die stifftere eine siebengezeit. Frisch 2, 274ᵇ. meist im plural: dann wann wir unser horas oder sibengezeit nit beteten, so kemen wir umb unser pfründ. Schade sat. u. pasqu. 3, 139, 27; ein unlustig gebet, wie man etwan die horas oder siebengezeit und rosenkränze betet. Mathesius Syrach 2, 90ᵃ; ist er stumm worden und (hat) nichts als die siebengezeit oder gewöhnliche gesäng sprechen können. Philander (Leiden 1647) 7, 252.
2)
pflanzenname, vgl. siebenzeit (bei Adelung und Campe als neutr.).
a)
eine art des steinklees mit kleinen blauen blüten und starkem, süszlichem geruch, blauer, wohlriechender oder gartensteinklee, (schab)ziegerkraut; siebengezeit (blaues s. Jacobsson 7, 346ᵇ) genannt, weil er angeblich siebenmal des tages den geruch verlieren und wiederbekommen soll, auch siebengeruch, -zeit, -stundenkraut, trifolium melilotus caerulea Nemnich, melilotus coerulea Pritzel-Jessen, vgl. Adelung. öcon. lex.² 2811. Jacobsson 7, 346ᵇ. siebengezeit, trêffle, triolet. trifoglio, sorte d' herba. Hulsius 298ᵃ; sibengezeit, wohlriechender klee, cythisus, trifolium angustum, frutex arborescens, alijs lotus urbana, melilotus vulgaris, sibengezeit genannt, dasz es umb die sibende stund besser riechen soll, oder das, wann es regnet, der geruch besser ist. Henisch 1611, 21; lotus, herba sativa, trifolium odoratum est, siebengezelt (l. -gezeit), al. aurifolium. Corvinus fons lat. 373ᵇ; siebengezeit, die, lotus hortensis, trifolium odoratum, al. spanischer klee, quia septies in die odorem mutare dicitur. Stieler nachsch. 27ᵇ; sieben-gezeit, ein kraut, lotos odora, oder trifolium odorum. Frisch 2, 274ᵇ; aber diser klee, ob er wol auch eyn gast ist, ist er doch bei den weibern als eyn sunder gewächs inn hoher würden gehalten, die wissen jm nit anderst dann siben gezeit zuͦ sagen, des geruchs halben. Bock kräuterb. (1539) 2, 2ᵃ; de triphyllo. cap. CCCXV. nomina τρίφυλλον Graecis, trifolium odoratum Latinis, officinis simpliciter trifolium dicitur. Germanis sibengezeit propterea quod singulis diebus septies odorem suum habeat, et toties etiam amittat. Leonh. Fuchs de hist. stirpium (1543) 330ᵃ; sibengezeit oder wolriechender klee, heiszt trifolium odoratum, und lotus sativa. ... sibengezeit soll es heissen, dieweil es sibenmal im tag sein geruch bekommt, und verleurt, so es noch im garten wächszt. so es aber auszgeropfft und gedörrt ist, behelt es sein geruch für unnd für. Lonicerus kreuterb. 133 B (cap. 92); lotus sylvestris. Matthioli de plantis epit. ed. Camerarius (1586) 894; von dem garten steinklee oder siebengezeit, lotus hortensis. Tabernaemontanus 896 F; lotus sativa 1442 B (an beiden stellen wird die fabel aus Lonicerus wiederholt); lotus sativus, siebengezeit. erneuerte apothekertaxe (Goslar 1731) s. 31. mit auffälligem plur.: die sibengezeiten, trifolium odoratum Schm. 2, 209 aus einem schnitterliede, Innsbr. 1640.
b)
das bockshorn oder griechische heu, trigonella foenum graecum Adelung. Pritzel-Jessen (nd. siebengezîde, niederrhein. siebengeziede im 15. jahrh.); fenugrecum sibengezeite. hortus sanit. (1485) c. 177; fenum grecum syben getzeyt Dief. gl. 230ᵇ (Trochus, 1517, und Golii onomast., 1582); bockshorn (siebengezeit) foenum graecum (silicia, buceras). Comenius sprachenth. 137.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 809, Z. 73.

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Zitationshilfe
„siebengezeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siebengezeit>, abgerufen am 22.10.2021.

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