Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

siebente, adj.

siebente, adj.,
ordnungszahl zu sieben, indogerm. bildung mit t-suffix, *septńthos, vgl. skr. saptátha, avest. haptaþa, lit. septiñtas (daneben *septomos in skr. saptamá, gr. ἕβδομος, lat. septimus, altpreusz. septmas, kirchensl. sedmyj, altir. sechtmad). Fick⁴ 1, 139. im germ. ist got. *sibunda unbelegt; altn. sjaundi, schwed. sjunde, dän. syvende; ags. seofoþa und seofunda Bosworth-Toller 864ᵃ, engl. seventh; altfries. sigunda, siugunda, sogunda, -enda, -inda, savnda Richthofen 1013ᵇ; alts. sivondo (Essener heber.), daneben sivotho in sivothohalf (s. siebentehalb; nach Gallee § 235 auch sibta — ?), mnd. sevende, sevede, sovende, sovede Schiller-Lübben 4, 201ᵇ, neund. de sevende brem. wb. 4, 780, sewend Dähnert 423ᵃ, nl. zevende; ahd. sibunto, -anto, sibendo, -indo Graff 6, 69, mhd. sibende, sebende, sobende, sibente, subent, sibt Lexer hwb. 2, 899: septimus der sibend, sebende, syeben, sobenden, nd. de, dy sevende Dief. gl. 528ᵇ; de sevede nov. gl. 336ᵃ; septenus hd. der syebende vel syebendst, der sevende, siben, sibender, sibendig, sibenige, -ig, sibentzig (?), sampt sybent, sebenich, sobennich, nd. sevenich, sebendick, -dich. gl. 528ᵇ. vgl. Grimm gr. 2, 345. 3, 637. 640—3. Fick³ 3, 323. Weigand 2, 709.
1)
das zahlwort zeigt im nhd. drei verschiedene formen: der siebende, siebente und siebte. der gegensatz der beiden ersteren tritt schon im ags. und alts. zu tage.
a)
der siebende geht zurück auf ein urgerm. *siƀunþa-, das den accent des skr. saptátha voraussetzt, und in ags. seofoþa, alts. sivotho, ahd. sibendo erhalten ist. während sich im ahd. die d- und die t-form etwa die wage halten, überwiegt in mhd. zeit entschieden die erstere (von sibent mit auslautendem t ist natürlich abzusehen); noch entschiedener im ältern nhd. die wörterbücher vor Adelung haben es ausschlieszlich: der sibend, septimus Maaler 372ᵈ; der siebende Corvinus fons lat. 590ᵃ; siebend, et siebender Stieler 2015, siebend (est quasi participium verbi inusitati sieben, numerum septenarium facere, adhibetur ut numerale) Steinbach 2, 587; der siebende, septimus Frisch 2, 274ᵃ. ebenso in der litteratur bis in die classische zeit hinein: siebender brief. Lessing 3, 289 (1753); so preiset er z. e. in dem vierten und siebenden stücke die werke des kanzlers Daguesseau an. 6, 123 (1759); die ruhe gottes war nach der offenbaren anzeige des schluszes heiligung des siebenden tages, stiftung des sabbaths. Herder 6, 62 Suphan (1769); also vollendete gott am siebenden tage seine werke, die er machte; und ruhete am siebenden tage von allen seinen werken, die er machte; und segnete den siebenden tag und heiligte ihn. 304 (1774);
das war der siebnde tag.
74.
b)
der siebente setzt eine grundform mit verschobenem accent (idg. *septnthós?) voraus; es entspricht den d-formen der andern germ. sprachen (altn. sjaundi, ags. seofunda u. s. w.). im hd. tritt die t-form immer mehr zurück, bis sie um die mitte des 18. jahrh. sich als regelmäszige form der schriftsprache festsetzt. zuerst verzeichnet sie Adelung (als ausschlieszliche form); in der litteratur gebraucht sie Lessing neben der ältern:
sechs tage kannt' ich sie,
und liebte sie sechs tage.
am siebenten erblaszte sie.
1, 62 (1753).
c)
die kürzung der siebte findet sich schon im 15. jahrh.: ich trag siben secklach und den achtenden in dem sibten verporgen. Germ. 18, 353; waʒ ist in dem sibten sack. ebenda. daneben: der achtend sack ist verporgen in dem sibenden. 354. dennoch hat sie erst spät weitere verbreitung gefunden. von wörterbüchern beachtet sie nur Campe. in der litteratur ist sie erst im 19. jahrh. zu belegen: mit unserem siebten vers kommen wir ans dritte tagewerk. Gerok ps. 3, 44;
William von Windsor war der siebt' und letzte (der söhne Edwards III.)
Shakesp. Heinrich VI., 2. theil, 2, 2;
da krönt die siebte mühle sie (die haide).
Freiligrath⁵ 3, 140 (ged. v. 1844);
die siebte hat kein fidle.
E. Meier kinderreime s. 68.
heute ist sie in der umgangssprache die vorherrschende, während in der schriftlichen darstellung noch immer die vollere form als feiner gilt und bevorzugt wird.
2)
der siebente als eigentliche ordnungszahl, das siebente glied einer reihe bezeichnend:
a)
die siebente stelle, locus septimus Steinbach 2, 587; das siebende geschlächte, genus septimum. ebenda; nu is uns kündich von der heiligen scrift, dat an Adame de irste werlt began .. in der seveden si we nu. Sachsensp. 1, 3, § 1; alse de kristenheit in der seveden werlt nene stedicheit ne weit, wo lange se stan sole, also ne weit man ok an dem seveden scilde, of he lenrecht oder herschilt hebben moge. de leien vorsten hebbet aver den sesten schilt in den seveden gebracht, sin se worden der biscope man. § 2; auch ist er (der buchstabe G) der sybent buͦchstab in der zal. Keisersberg baum der seligkeit 12ᵈ; das siebende los fiel auff den stam der kinder Dan. Jos. 19, 40; Jsai zeuget seinen ersten son Eliab, .. David den siebenden. 1 chron. 2, 15; das erst los fiel auff Joiarib, .. das siebend auff Hakoz. 25, 10; die kinder aber Meselemja waren diese, der erstgeborne Sacharja, .. der siebend Elioenai. 27, 3; es hat aber auch von solchen geweissaget Enoch der siebende von Adam. ep. Jud. 14; und da es das siebend siegel auffthet, ward eine stille in dem himel. offenb. Joh. 8, 1; und der siebend engel posaunet. 11, 15; sechs heilige patriarchen sind vor der sündfluth nach einander gestorben, der siebende aber, nemlich Henoch, ist lebendig gen himmel genommen worden. Wesenigk spiel-sieben 121;
latein die sibend sprâch.
Oswald v. Wolkenstein 57, 1, 18.
b)
so von den theilen eines werkes, besonders in der litteratur (vergl. unter 1, a): das sibende buch dieser historien. buch der liebe 207ᵇ; des persianischen rosen-thals siebendes buch bei Olearius s. 78; desz ersten tausend siebendes hundert. Logau 1, nach s. 139.
c)
so besonders mit zeitangaben: im siebenden jar aber sandte hin Joiada. 2 kön. 11, 4; und es zogen er auff etliche der kinder Israel .. im siebenden jar Arthahsastha des königes. Esra 7, 7; bei altersangaben: das kind gehet in das siebente jahr. Adelung. in diesem alter kamen im deutschen mittelalter die kinder zur erziehung in fremde oder in männliche hände. Weinhold die deutschen frauen² 1, 106:
nu si daʒ mit im hæte
getriben unz an sîn sibende jâr ...,
sîn vater der marschalc in dô nam
und bevalch in einem wîsen man.
Trist. 2055 f.;
am siebenzehenden tag des siebenden monden, lies sich der kaste nider. 1 Mose 8, 4; im monden Ethanim .., das ist der siebende mond. 1 kön. 8, 2. besonders der siebende tag, dies septimus Steinbach 2, 587; czu letczt an dem sobenden tage .. do gebaer di frowe eine tochter. Griseldis 45, 25 Schröder; am siebenden tage sprachen sie zu Simsons weibe, uberrede deinen man, das er uns sage das retzel ... und sie weinet die sieben tage fur jm ... aber am siebenden tage sagt ers jr. richter 15, 15. 17;
diu hôhgezît werte   unz an den sibenden tac.
Nibel. 41, 1;
se wart wedder sunt aldâre
des seveden dâges.
van sunte Marinen 297.
bei angaben des monatsdatums, der siebente tag des (im) mai, wofür durchweg der siebente mai. Campe; Nolot reiste am siebenten april ab. Schiller 4, 152. — die siebente stunde. Adelung; gestern umb die siebende stunde verlies jn das fieber. Joh. 4, 52. dafür ahd.: zi thero sibuntûn zîti furlieʒ inan thaʒ fiebar. Tatian 55, 7;
thô sibunta zît thes dages was.
Otfrid 3, 2, 31.
d)
im alten testament und daher auch in der christlichen kirche mit besonderer bedeutung: got ruwede den sevenden dach. die seveden weken gebot he ok to haldene, als he den joden die e gaf .. den seveden manet gebot he ok to haldene, unde dat sevede jar, dat het dat jar der losunge. Sachsensp. 3, 42, § 4; siebentes jahr: so du einen ebreischen knecht keuffest, der sol dir sechs jar dienen, im siebenden jar sol er frey ledig aus gehen. 2 Mose 21, 2; sechs jar soltu dein land beseen, .. im siebenden jar soltu es rugen und ligen lassen. 23, 11; es nahet erzu das siebende jar, das erlasiar. 5 Mos. 15, 9; denn es war das siebend jar, darin man die felder musste feiren lassen. 1 Macc. 6, 49. monat: am zehenden tage des siebenden monden solt jr ewrn leib casteien. 3 Mos. 16, 29; des zehenden tages in diesem siebenden monden, ist der versünetag, der sol bey euch heilig heissen. 23, 27. besonders aber der siebente tag: und also volendet gott am siebenden tage seine werck die er machet, und rugete am siebenden tage .. und segnete den siebenden tag und heiliget jn. 1 Mos. 2, 2. 3; sechs tage solt jr samlen, aber der siebend tag ist der sabbath .. also feirete das volck des siebenden tags. 2 Mose 16, 26. 30; aber am siebenden tage ist der sabbath des herrn deines gottes, da soltu kein werck thun. 20, 10 f.; so sol der priester den selben verschlieszen sieben tage, und am siebenden tage besehen. 3 Mos. 13, 5; wer nu jrgend einen todten menschen anrüret, der wird sieben tage unreine sein. der sol sich hie mit entsündigen, am dritten tage und am siebenden tage. 4 Mose 19, 12; do rauuet ir (gott) an demo sibindin tage ab allemo uuerche daʒ er uuorhta. Notker ps. 92, 1; also können die rechten spieler ihre spiel - begierde die wochentage über nicht stillen, sondern da musz es fürnemlich am siebenden, oder am sonn- und fest-tage bey ihnen allererst recht angehen. Wesenigk spiel - sieben 17; es ist doch eine hohe erhabene sache, dasz der siebente tag durch die religion geheiligt und aller arbeit ledig ist. Auerbach dorfgesch. 2, 98;
dô der subent tach chom,   got sich von dem werche nam.
gen. 8, 27 Diemer.
vgl. auch Walther v. d. Vogelweide 58, 20 unter 3, d.sprichwörtlich er sucht den siebenten tag von einem, der müssig umhergeht und keine lust zum arbeiten hat.in specieller anwendung der h. siebende tag zu winachten, dies circumcisionis; geben uff mittewochen nehste nach dem subenden dage; der geben wart uf dunrestag vor dem suibenden dage nach wihenachten; dasz die schoeffen an jedem handwerck deren rathsherr abgoth uff den donnerstag nach dem heil. sibenden tag des morgens fruih uff irer stuben sin sollen. s. Scherz - Oberlin 1496 f. ('septima scil. post festum nativ. domini, sive kalendae januariae, scil. septima ab eo festo non connumerato'). verallgemeinert siebente zeit:
dihto io thaʒ zi nôti   theso sehs zîti,
thaʒ thû thih sô girustês,   in theru sibuntûn girestês.
Otfrid 1, 1, 50.
e)
die siebenzahl im recht: siebenter heerschild, s. a zu anfang; siebente sippe: in dem seveden (gliede) stat ein nagel unde nicht ein let, dar umme lent (hört auf) dar de sibbe. Sachsenspiegel 1, 3, § 3; sprichwörtlich im siebenten grad endet die sippe. Simrock sprichwörter 9519 a. siebenbürgisch e äs frängd mät em aus der siwenter schässel (schüssel), er ist ein entfernter verwandter. Frommann 5, 326, 280, vgl. s. 329; mit sewender hant, s. 3, b. — der siebente mann, der überzählige unparteiische bei einem von zwei parteien gewählten schiedsgericht, 'superarbiter, obmann'. Scherz - Oberlin 1496: darzu jetweder teil under uns den drien teilen zwene (manne) angesetzet zu dieser eynungen, u. eins gemeinen suibenden mannes uiberkommen sint. urkunde von 1230 s. ebenda.
f)
kirchlich besonders siebenter himmel, siebente hölle: ach Jesus im siebenten himmel! Auerbach dorfgesch. 2, 55; guck, wenn unser herrgott einen mit der siebenten höll' strafen will, da soll er ihn nur in eine ehefrau verliebt machen. 170. sprichwörtlich im siebenten himmel sein als ausdruck für den höchsten grad von freude, s. Büchmann geflügelte worte¹² 31; sie ist aus der siebenten bitte. Simrock sprichw. 9517, vergl. sieben, f., 4, c, β.
3)
beziehungen zu andern zahlwörtern.
a)
häufig wird sieben in 6+1 zerlegt, auch ohne sachlichen grund; das eine glied wird dann als siebentes bezeichnet, vgl. sechs 4, a, th. 9, 2778 f., und sieben III: Origenis wiessagede hir bevoren, dat ses werlde solden wesen, de werlt bi dusent jaren up genomen, unde in dem seveden solde se togan. Sachsenspiegel 1, 3, § 1; aus sechs trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenden wird dich kein übel rüren. Hiob 5, 19; diese sechs stück hasset der herr, und am siebenden hat er einen grewel. spr. Sal. 6, 16.
b)
selbsiebent, s. selb II, 6, a. c, sp. 423 ff. ähnlich mit sewender hand, mit sieben zeugen. Dähnert 423ᵃ. — siebentehalb s. besonders.
c)
zuweilen die siebente zahl für siebenzahl (vgl. daselbst): siebende zahl, et gesiebende zahl, numerus septenarius Stieler 2015; so ist auch die sibent zal der junckfrauwen zal, er (sie) gebiert nit. Keisersberg baum der seligk. 12ᵈ; die gesiebente zahl auch bei Steinbach 1, 587, s. siebenen 1.
d)
nicht selten hat der siebente distributiven sinn 'von je sieben einer', so: der siebende mann, septenus, septimus. Stieler 2015; den siebenten mann ausheben. Adelung; von den regimentern, die an diesem blutigen kampfe theilnahmen, blieb der siebente mann (ein siebentel). — so auch:
sî (Minne) besuoche wâ die sehse sîn:
von mir hâts in der wochen ie den sibenden tac.
Walther v. d. Vogelweide 58, 20,
hier mit doppelter beziehung: von den sieben tagen der woche nur einen, und zwar den feiertag (s. 2, d). — siebente garbe, siebente (theil) als abgabe, s. unter 4, a, das siebente kübel s. 4, b.
e)
so auch als bruchzahl der siebente theil, wofür gewöhnlich das siebentel, s. dieses. vgl. auch 4, a.
f)
zahladverbien: siebentens, als siebenter punkt einer aufzählung, s. besonders. daneben ohne endung zu siebent oder zusiebt kommen, an siebenter stelle, als siebenter. (aber auch für selbsiebent.)
g)
zum sibendenmal, septimum Maaler 372ᵈ; zum siebenden mal. Corvinus fons lat. 590ᵃ. Stieler 2015. Steinbach 2, 587; am siebenden mal, da die priester die posaunen bliesen. Jos. 6, 16; und im siebenden mal sprach er. 1 kön. 18, 44.
4)
häufig findet sich in der ältern sprache das zahlwort in substantivischem gebrauche, besonders das masc. der siebente.
a)
der siebente (nämlich theil, vgl. 3, e) als steuer, abgabe, von feldfrüchten, landrecht, feldtheil, s. Schröder d. rechtsgesch.² 189: wanne ire gn. hern von Sponheim den frevell haben, so sollen sie den den wildgraven wie den sibenden theilen. Grimm weisth. 2, 139 (vom jahre 1510); daneben auch als fem. und neutrum (wobei garbe bez. theil, n. zu ergänzen ist): wo daʒ lant die siebende giebet. 6, 516, vi, 5; item weist der scheffen allen medum den armen leuden, und unserm herrn das siebent darausz. 2, 450. häufiger mit zugefügtem substantiv: vortme so ligent vur deme yder kurtzebusche, dar off mag ycliche gemeyne man gan roiden umbe dat siebende deile, dat da wesset. 2, 355; besonders: wass der man darauff gewinnet, gebühret dem gerichtsherren die siebendt garbe, alss dem grundtherren. 392; da die von Manderscheit moegent fruicht uff wynnen, und u. g. herrn davon geben die sebente garbe. 603; so jemands ein stück landts uff der frohnen wilt gewynnen, soll jme der erw. fr. abbatissin zu Oehren schultheiss des orts dasselbig verlossen für die siebent garbe. 3, 801, ebenso 3, 772. 795. 6, 478, 17. 766 (s. 7, 357), dafür: möcht er dann nit mit dem closter uberkommen, so mage er dannocht in dem walt roiden und dem closter das siebent seil foll davon geben. 5, 619, § 14, vgl. auch: quod abbas et conventus dicti monasterii de omnibus et singulis bonis salicis ritis in confinio et banno dictae villae ante omnem decimationem percipiant septimam partem fructuum crescentium in eisdem. 6, 437, § 8.
b)
so jetzt noch im bergwesen 'siebente, siebentel, neutr. und masc., auch stollensiebente, der nach abzug des landesherrlichen zehnten verbleibende siebente theil der in einer grube gewonnenen mineralien, welcher von einzelnen bergordnungen dem stöllner statt des neunten zugebilligt wurde'. Veith 449, vgl.neunte(l) 1, theil 7, 685. Scheuchenstuel 173. Veith 351. als abgabe an den lehnsherrn schon in einer verleihung von Hodritz (Ungarn) vom j. 1378: ob yemand queme an den vorgenannten gewerchen und weld lenschaft darynen pauen, dem woll wirs verleygen um das sybende, ob ys getragen mag, — mag es das syben nicht getragen, zo woll wirs leihen um des kuniges urbar (den zehnten). quelle bei Nagl-Zeidler deutsch-österr. lit.-gesch. s. 330. dafür auch: wir wellen auch, dasz von uns als landsfürsten ain rechter erbstoll empfangen .. werde: und welchen pauer in nutz arbaiten wurdet, .. dieselben sullen davon dasz sibennd kübel geben. Lori bergr. s. 108ᵃ, § 46.
c)
der siebente (nämlich tag), der siebente tag nach der beerdigung eines verstorbenen, der zweite seelengottesdienst für einen verstorbenen, der ursprünglich an demselben abgehalten wurde. Lexer 2, 899. Schm. 2, 209, septima a morte dies, qua solent pro anima defuncti sacra fieri. Scherz-Oberlin 1496. vgl. dreiszigste 2 (th. 2, 1394). in ältern quellen ungemein häufig: wan ein lehenman todts halber abgehen wurde, so sal der ander lehenman .. das lehen inwendig dem siebenten und zu dem lengsten zu dem drissigsten mit der herrn gnad entpfangen. Grimm weisth. 1, 635 (westerwäld. 16. jahrh.); welicher man entpfengliche guter hait, der solde die entpfangen bynnen dem siebenthen unnd das khuirmoet verenden bynnen dem dreyssigsten. 2, 497; und öfter, s. 7, 357; wann ain nachtpauer aines priesters bedarf, es sei zu grebnus, sibent, treissgist oder jahrtag. tirol. weisth. 3, 11, 44; so ein person .. abstirbt, sollt der pfarrer zu der bestattnus ein amt, zum siebenden ein amt und zum dreissigsten ein amt halten. 160, 32; zuͦ der mönschen begrebnisz, sibenden, drisgosten oder zuͦ jarziten. Stretlinger chron. 168, 22 Bächtold (vgl. d. anm.); er het dem pischof 4 gld geben, daʒ man in grub zu sant Mertein zu Pabenberg. und het im hie ain opfer und kain sibent. d. städtechron. 10, 352, 6 (Nürnb. jahrb. zu 1478); wann iemants wil ein liche begen ader ein siebenden, ein driszigen ader ein jargezit. 17, 54, 23 (Mainzer chron. bis 1452); herr Raymundus Fugger, da er sein frauen Katherina Dorsin hat laussen besingen, sind 4900 menschen an der spend gewessen, und am sibenden 6300 menschen. 23, 393, 13 (Augsb. chron. v. Sender bis 1536); als sein besingknus und sibend furgangen. 25, 144, anm. 1 (vgl. d. glossar); so iemant etwan ains seiner verwanten oder sunst zuͦ besingen laszen wil, es sei mit vigilg, besinknüs, sibent, dreiszgast oder jarzeit. Schade sat. u. pasqu. 2, 144, 8 (s. d. anm. s. 335, vgl. auch s. 262, 22);
zem sibenden, zen jârtagen
und ze der bevilde
solt man wesen milde
mit opfer und mit sêlgeræt.
Seifr. Helbling 7, 76;
uf libfäll, sibend, trissigst und jarzit
do was mir noch nie kein mil wegs zuͦ wit.
Manuel s. 55 Bächtold (v. papst 601);
ich wolt siben gülden drumb geben,
das sie im kirchoff leg darneben
so ehrlich begraben wie die dein, ...
wolt jr der worten gleich den alten
opffer und sibend lassen halten.
H. Sachs 1, 528ᶜ.
gekürzt zu sieben: wan solcher man oder fraw sturbe ohne leibserben, wess dass verlassen gut sein soll mit recht? antwort der scheffen und weiset ir gots recht zu thun, ersten, sieben, dreissig und jargezeidt. Grimm weisth. 2, 29; do man zalt 1425 jar da starb mein vater an sant Mertens tag, und sein grebnus und verschicken auf das land und in der stat kost siben und treisig. d. städtechron. 2, 14, 1 (? vgl. d. anm.). — so heute noch besonders in Baiern gebräuchlich, sibmt, sibe ̃t Schm. 2, 209, schwäb. dr sibed Baierns mundarten 1, 46, vgl.: das zweite seelenamt wird der siebent genannt, weil es vor alters sieben tage nach dem ersten amt abgehalten wurde, welche zeit aber jetzt nimmer eingehalten wird. Leoprechting aus d. Lechrain s. 251; in Gottschee de shîbmte bezeichnung des leichenschmauses, der ursprünglich am siebenten tage statt fand (mit sieben gattungen von speisen, sieben groszen broten u. s. w., sloven. sedmina). Hauffen sprachinsel Gottschee s. 87 f.
d)
item, wann eʒ were, das man ein sibenden haben solte, ... den sibenden sal eins apts schultesz gebieten, und sal auch der (den) stab an dem sibenden in der hant haben, und ich (l. ist) auch des sibenden ein freger, gebieter und verbieter. Grimm weisth. 6, 7, § 12, fast ebenso s. 10, § 5; auch hat ein apte und sin closter die frihet, wann eʒ note geschiet, das man ein sibenden halten sal uf den obgeschribnen funf guten eim oder mehe, den selben sibenden gebüte, [hegte und] helte und hegte des closters knecht von des closters wegen, und mussen auch alle lantsidel, die do siczen in dem obgenanten dorfe, solichen sibenden süchen. 11, § 4, alles aus unterfränk. weisth. vom j. 1395. die anm. zur ersten stelle erklärt 'eine kommission sachverständiger über grund und boden' (vgl. siebener 3, b), das reg. führt siebende, als synonym zu grenzgericht (7, 285) auf, Lexer handwb. 2, 899 nimmt sibender für sibener 'einer von den sieben sachverständigen', was sich mit dem wortlaut der stellen gar nicht vereinigen läszt. diese verlangen vielmehr entschieden die bedeutung 'gerichtssitzung, termin'; es wird also auch hier tag zu ergänzen sein.
5)
das fem. die siebente findet sich
a)
vereinzelt für der siebente, s. 4, a.
b)
für der siebente, 4, c, s. Lexer handwb. 2, 899.
c)
bei Campe als übersetzung von septime, musikausdruck, intervall von sechs tönen.
6)
das siebente für der siebente, s. 4, a. b.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 822, Z. 31.

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Zitationshilfe
„siebente“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siebente>, abgerufen am 18.10.2021.

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