Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sieben, verb.

sieben, verb.
durch ein sieb laufen lassen, im siebe rütteln, durch das sieb reinigen, vgl. sichten und räden, rädeln, rädern (theil 8, 46. 47. 49), reitern (theil 8, 784). so schon mhd. siben, sieben, s. Lexer handwb. 2, 898, mnd. seven Schiller-Lübben 4, 201ᵃ: cribrare hd. reden .. siebin, syfften .. hd. sichten .. nd. zeven Dief. gloss. 157ᵇ; siben nov. gloss. 119ᵇ; taratantarisare siben das mel. 358ᵇ. nhd. siben, durch ein sib schlahen, incernere, cribro incernere. Maaler 372ᵈ; siben, reuttern, mit dem sib fägen, sasser, cribler, passer par un saz. Hulsius 297ᵃ; beutelen, reuteren, sieben, räden, sichten, pollinem purgare, excutere, cribro farinam excutere, cribrare, incernere, a pulvere et rebus immundis secernere. Henisch 356, 7; cernere .. sieben, reitern .. arctiori cribro cernere durch ein enges sieb reitern, sieben. Corvinus fons latinit. 142ᵃ; sieben, cribrare, cribler sichten saxonice. Schottel 1416; sieben, it. aus-sieben, durchsieben, (sichten, siften) crivellare, stacciare, it. vagliare, passare per un crivello, scuotere per un vaglio. Kramer dict. 2, 804ᵇ; schweiz. sïbe Hunziker 240; nd. séfen, säfen, séven, säven ten Doornkaat Koolman 3, 168ᵃ. — im eigentlichen sinne: korn sieben, mehl sieben. Kramer a. a. o.; raitern .. cribrare fruges, semina, et alias res vannare, purgare, alias sieben, et rollen. Stieler 1519; das mähl sieben, farinam cribrare; klein stoszen und sieben, in pulverem resolvere et cribrare; den samen sieben, semina cribro cernere; den kalck sieben, calcem cribro subcernere; gestoszene muscheln sieben, testas tusas subcernere; durch ein dichtes sieb sieben, cribro spisso cribellare. Steinbach 2, 586, vgl. Karmarsch-Heeren³ 8, 305 ff. (sortieren); wenn man siebet, so bleibet das unflettige drinnen. Syrach 27, 5: der schlaftrunkene kutscher aber ... siebte im mondschein den hafer für seine pferde. Eichendorff² 3, 399; als sie rüstig ein masz hafer siebte und dem pferde aufschüttete. Keller 7, 24; von flüssigkeiten, für 'seihen': nachdem der senn die milch in die melckteren ... gemolcken, und aus vielen melckteren in das milchtäuszlein ausgegossen, siebet er sie durch die follen, oder milch-sienen. Scheuchzer 1, 59 (so jetzt kaum noch). — oft übertragen, im ausgeführten bilde: er siebte und filtrierte fürchterlich an seinen abc-gedichten, aber ohne viel glück; denn im haarsieb und filtrum .. sasz immer die wildmeisterin und verstopfte die kritischen löcher. J. Paul leben Fibels s. 101. ferner: dieses buch müszte von manchen gemeinheiten gesiebt und gereinigt werden, die sich unter seinen schönheiten befinden. Tieck don Quix.⁵ 1, 34 (1, cap. 6);
seit er ein schwerdt mocht' heben, lernt er feingesiebte
sprache nicht; wirft mehl und kleie
nun im gemengsel aus.
Shakesp. Coriol. 3, 1;
vermaledeiter streich! — die klugheit selber siebt
nicht auseinander, was hier dumm ist oder weise.
Müllner 7, 239 (onkelei 16);
worfeln soll man, beuteln, sieben,
was der krankheit spuren trägt.
Uhland ged. (1864) 94.
in bezug auf menschen (vgl. sichten 3):
du lebst durch die gedult, die du in deinen schmertzen
als wie ein christ bezeugt, den gott durch trübsal siebt.
Chr. Gryphius poet. wälder 2, 218;
ähnlich noch jetzt: ein sonderbarer mann, unser wirt! ich bin doch schon durch alle examina gesiebt worden, aber der hört gart nicht auf mit fragen. Auerbach dorfgesch. 3, 10.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 779, Z. 29.

sieben

sieben,
zahlwort, septem.
I.
form und verwandtschaft.
1)
das wort ist über das ganze indogerm. gebiet verbreitet: skr. saptá, avest. hapta, pers. häft, armen. evthn, lit. septynì, altsl. sedmĭ, gr. ἑπτά, lat. septem; altir. secht n-, gäl. seachd, corn. seyth, bret. seiz, s. Fick⁴ 1, 139. 561. 2, 298. ³3, 323. der ursprung des wortes, dessen grundform demnach als *septm anzusetzen wäre, ist unbekannt. im germanischen ist das t zwischen zwei consonanten ausgedrängt, sodasz nach der lautverschiebung und der wirkung des Vernerschen gesetzes als gemeingerm. grundform etwa seƀun anzusetzen ist. nur in der Malbergischen glosse findet sich die auffällige und unerklärte schreibung septun, die in dieser form kaum echt germ. sein kann, vgl. J. Grimm kl. schr. 8, 239. Pauls grundr. 1, 404, sowie zum ganzen Grimm gramm. 3, 641 f. Noreen urgerm. lautl. s. 151. 174. Kluge⁴ 327ᵇ. Weigand 2, 707 f. Uhlenbeck 124. Franck 1204. Skeat 542ᵇ.
2)
die formen der einzelnen germ. sprachen sind: got. sibun, krimgot. sevene; altn. sjau (über *seƀu — *sjo̜ƀu — *sjo̜-u), schwed. sju, dän. syv; ags. seofon, mittelengl. seven(e), engl. seven; altfries. sigun, siugun und soven, sogen, heute westfries. sâwen, saͦn, saterländ. sôgn, wangeroog. šiûgn (Wurster mundart tsiăgùn), nordfries. sæ̂wn, sâwn, sôwn, s. Siebs engl.-fries. s. 149 f. und in Pauls grundr. 1, 737. 742. 777 f.; alts. siƀun, sivun, sivon, siven, mnd. seven und soven, mnl. sēven, holl. zeven; ahd. sibun (siban Otfrid 4, 6, 47), sipun, siben, sibin Graff 6, 68, mhd. siben, sieben, bair. suben, mitteld. sivene, seven, seivene, seben, -in, thür. söben, s. Lexer hwb. 2, 898. Weinhold mhd. gr.² s. 337.
3)
die zahlen 4—12 haben im germ. sowol unflectierte wie flectierte formen (nach der i-declination).
a)
letztere sind bei sibun im got. (zufällig) nicht belegt und fehlen ganz im nord.; im westgerm. stehen sie im allgemeinen bei selbstständigerem gebrauche, während in der stellung vor dem subst. die unveränderliche form feste regel ist. jene lauten im ags. siofune, -unæ, seofona, -ono, -ana, gen. siofuna, dat. seofanum, -onum, -um, s. Sievers ags. gr.³ § 325; alts. siƀuni, dat. siƀuni(u)n; ahd. sibuni (Tat.), sibini (Otfrid), sibene (Notker), neutr. sibuniu (Isidor), sibinu (Tat.), sibiniu, -eniu (Notker), gen. sibino, sibeno (Notker), dat. sibinin (Otfrid), sibinen, -enin, -enen (Notker).
b)
ihre verwendung mögen einige ahd. beispiele veranschaulichen. absolut und substantivisch bez. prädicativ: uuârun mit uns sibun bruoder ... inti ther thritto ginam sia inti alle sibuni. Tat. 127, 1;
fon anagenge worolti   unz anan iro zîti
zeli dû thaʒ kunni,   so ist einlif stuntôn sibini.
Otfrid 1, 3, 36;
ih bin ein thero sibino,   thero gotes drûtbotôno.
1, 4, 59;
ther rîm thero fisgo meinit
thero jungorôno menigî,   thaʒ thero wârun sibini.
5, 14, 20.
mit zu ergänzendem substantiv: zeli thir sibun iaaro uuehhon. dhaʒs meinit sibun stundôm sibuniu. Isidor 26, 18 Hench; wuo manigu brôt habêt ir? sie quâdun thô: sibinu. Tat. 89, 2; daʒ decem chorde decem verba legis bezêichenent. diû sint sô gescêiden, daʒ triû sêhent ad amorem dei, sibeniû ad amorem proximi. Notker 2, 107, 1 Piper (ps. 32, 2). sogar in attributivem gebrauche bei nachstellung:
thaʒ Krist zi jungist hiar gisaʒ   mit knehton sibinin inti aʒ.
Otfrid 5, 14, 24.
so ganz ausnahmsweise vor dem substantiv: danne gengit enti gaholôt sibini andrê geistâ mit imo. Mons. fragm. 7, 16 Hench. ganz entsprechend noch mhd. sibene, neutr. sibeniu, gen. sibener, dat. sibenen, s. die belege unter II, 2. den unterschied des gebrauchs veranschaulicht folgende stelle:
mir was sam ich sâhe   dâ ûsʒe an der sâte
... wahsen an einem halme
siben eher scôniu   unde volliu.
dânâh sach ich sibiniu   slachin iouch durriu.
fundgr. 2, 60, 12 (gen.).
c)
schon im mhd. werden die flexionsendungen zerrüttet, indem besonders im oberd. das e nach unbetontem -en lautgesetzlich schwindet. daher fallen sowol sibene (nom. und gen.) wie sibenen (dat.) mit dem unflectiertem siben zusammen. doch fehlt es auch nicht an belegen für sibene, besonders in mitteld. quellen. sibene und siben neben einander z. b. bei Heinr. v. Freiberg unter II, 2, d. dagegen hat das mhd. noch eine besondere form für das neutr., die dem nhd. abgeht: sich, diu sibeniu diu ich dir hiute sage, diu sint alle besloʒʒen in dem êrsten gebote. Berthold v. Regensburg 1, 294, 19.
d)
im nhd. ist sieben die gewöhnliche form; doch kommt auch siebene, siebne noch zuweilen vor, s. die belege (Lindener unter II, 1, a, H. Sachs unter II, 2, c, Simplic. unter II, 1, b, Grimm unter II, 2, d). — besser hält sich siebenen als dativ: den sobenen, die bey yn im rathe sitzen. Spittendorff s. 96; wie werden die siben brüder die fraw miteinander teylen? oder wie würt die fraw die siben mann teylen werden? welhes würt die fraw sein von den sibnen? Keisersberg post. 3, 89ᵃ. doch steht bei Luther auch hier das unveränderte sieben: es möcht jm vieleicht auch gangen sein wie den andern sieben, welche mit jr vertrawet gewesen sind. Tob. 8, 12; nu in der aufferstehung, welches weib wird sie sein, unter den sieben? Matth. 22, 28; und giengen in das haus Philippi des evangelisten, der einer von den sieben war. ap.-gesch. 21, 8. am festesten ist die flexion, wenn weder der artikel noch sonst ein wort mit casusendung daneben steht: dasz ich lieber Mercur sein wollte, der letzte, der kleinste vielmehr unter siebnen, der sich mit ihnen um eine sonne drehte, als der erste unter fünfen, die um den Saturn ziehn. Göthe briefe 1, 264. nach Adelung wäre siebenen nicht üblich, weil es zu gedehnt klingen würde: er kam mit sieben. ebenso bleibt nach Campe sieben in allen fällen des gebrauches unverändert.
4)
formen der lebenden mundarten: schweiz. sìbe, subst. sibni. Hunziker 240; bair. sibm, simm Schm. 2, 208, regensb. simmi Baierns mundarten 1, 223; tirol. siben Zingerle 51ᵃ, kärnt. sibma Lexer 232, cimbr. sibben cimbr. wb. 230ᵇ; pfälz. siwwe Autenrieth 133, ebenso nassauisch, s. Kehrein 1, 376; thür. sewwene, siwwene Jecht 103ᵇ; nd. seven brem. wb. 4, 780, sêben (selten seben), sêwen(e) Schambach 188ᵇ, söven Schütze 4, 160, sȫfen, sȫven ten Doornkaat Koolman 3, 254ᵃ, säwen Mi 74ᵃ, säöwn Danneil 181ᵃ, sewen, söwen (säwen) Dähnert 423ᵃ, westf. sēwen Woeste 235ᵇ und siewen 236ᵇ.
II.
gebrauchsweisen.
1,
a)
sieben als bloszer zahlbegriff: wenn man die zahl sieben von einem an, auff alle zahlen, nehmlich: 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. addiret, kömmet heraus 28. Wesenigk spiel-sieben 7. beim zählen:
sich, das sint die pennige, einer, zwen, dri.
Judas, sich zu und mach dich her bi!
vier, vunffe, sex, sieben, eichte:
nu sich und schauwe sie mit rechte!
Alsfeld. passionssp. 3200
daher zur bezeichnung eines einfältigen menschen (wie gewöhnlich er kann nicht fünf zählen, s. th. 4, 1, 549): zu Anhawsen imm Schwaben-landt sasz ein reicher bawr, der het ein läppischen son: kundt uber sibne nit zölen. Lindener Katzip. 29 (nr. 4).
b)
sieben ist eine ungerade zahl. daher sprichwörtlich sieben (auch hier gewöhnlicher fünf, s. th. 4, 1, 556) gerade sein lassen, es nicht so genau nehmen: (ich) schwiege dem nach also mauszstille, und liesse immer so hin, in allen, was sie nur anfiengen, siebene grad seyn. Simpl. 1, 42 Keller (1, 1, 3). s. auch gerad 1, und a, th. 4, 1, 3542.
c)
man rechnet mit sieben: sieben und (plus) drei sind zehn; sieben weniger drei (drei von sieben) ist oder bleibt vier; dreimal sieben ist einundzwanzig u. s. w. vgl. auch siebenmal. sprichwörtlich sagt man: er riecht nach zweimal sieben. Simrock sprichw. 9518:
immer rochen seine hosen
nach violen und nach rosen;
nach zweimal siben aber nie.
H. Sachs (?) bei Eiselein 567.
ferner nd.: 't is drêmâl söven, 't is buten sien verstand. Wander 4, 552, 14. 30.
d)
man bildet zu sieben zusammensetzungen und ableitungen: sieb(en)zehn, sieb(en)zig; siebenhundert, siebentausend; siebenundzwanzig, siebenunddreiszig u. s. w. alle diese zahlausdrücke sind besonders behandelt. natürlich kann sieben auch als theil complicierterer zahlen verwendet werden, z. b.: und lebet darnach acht hundert und sieben jar. 1 Mose 5, 7; der kinder Pashur (zahl ist) tausent zwey hundert und sieben und vierzig. Esra 2, 38.
e)
zu sieben bildet man ferner die ordnungszahl der siebente, die bruchzahl siebentel, die vervielfältigungszahlen und zahladverbien siebenfach, -fältig, siebenmal, siebentens u. s. w., s. das. als distributivzahl dient die umschreibung: je siben, septeni. Dasypodius; ye siben Maaler 372ᵃ; je sieben neben einander etc. à sette (in fila). Kramer dict. 2, 804ᶜ; dafür auch, besonders in älterer sprache, sieben und sieben, bez. mit doppeltem ausdruck je sieben und sieben: septenus ... mit seven tzomayl vel seven und seven tzo gaeder. Dief. gl. 528ᵇ; aus allerley reinem vieh nim zu dir, ja (je) sieben und sieben, das menlin und sein frewlin ... des selben gleichen von den vogeln unter dem himel, ja sieben und sieben. 1 Mos. 7, 2 f.;
er hieʒ in dar în gewinnen
aller lebentiger dinge
ie sibeniu unt sibeniu.
anegenge 23, 47.
so auch alle sieben jahre, d. h. in je sieben jahren einmal: alle sieben jahre, am tage des untergangs der burg (Wettenburg), zeigt sich dieselbe auf dem grunde des meeres. Mones anz. 7, 54; alle sieben tage verwandelt der mond sein viertel und qualitäten. Wesenigk spiel-sieben 128.
2)
sieben in selbstständigem sinne. in diesem falle wird sieben oft mit flexionsendungen versehen, s. I, 3.
a)
der gezählte gegenstand wird im gen. hinzugefügt, so besonders und notwendig, wenn er ein pronomen bei sich hat oder durch ein pronomen vertreten wird (jetzt nur noch in diesem falle), vgl. sechs 2, a, β, th. 9, 2775: sieben meiner freunde, sieben dieser unglücklichen waren bereits tot, sieben derselben oder von ihnen u. ähnl.;
mit im gewâpent und bereit
wurden sibene sîner man.
Heinrich v. Freiberg Tristan 6151;
um gelt wil ik dem duvel geven
lyf unde sele, heddik er seven!
Theoph. 479.
auffälliger mit gen. sing.:
er hieʒ in niht belîben,
er (Noah) ennæme dar în subeniu gemeines
und subiniu unreines
ûʒʒir allem tiere.
genes. 28, 13 Diemer.
beim pron. pers. auch ohne partitiven sinn an stelle einer apposition: do er anders kain speis hette denn ain halbs prot, das vor ir siben hetten und er das nuo genosz. herz. Ernst s. 268, 33 (es waren im ganzen nur 7, also = sie siben).
b)
auch, wenn das zahlwort als prädicat steht, wird das (logische) subject gern im gen. davon abhängig gemacht, also unser sind sieben anstatt wir sind sieben u. ähnl.:
'nû saget mir, wie manec tac
ist von Adâm unz her?'
'der sint siben', sprach er'.
Stricker Amis 126;
ir wâren nû siben man.
Ottokar reimchron. 36275.
so ferner:
da iszt das männlein gewaltig drauf los,
als wären's seiner sieben.
Rückert (1882) 3, 13.
doch auch: wenn's der allein mit einem ochsen aufnimmt, so kann's uns gar nicht fehlen, da wir unserer sieben sind. Aurbacher volksbüchl.² 1, 235; der jud muszte sich's wohl gefallen lassen, denn es waren ihrer sieben gegen einen. 242.
c)
oder das zugehörige substantiv ist aus dem zusammenhange zu ergänzen: und da segnete gott diesen tag der ruhe zum ewigen gedächtnisz — welch ein würdiger feierlicher ursprung des sabbaths, eines ruhetags unter sieben! Herder 6, 29 Suphan;
er koufte den hengst um zehen pfunt;
er het in an der selben stunt
kûme gegeben umbe driu:
ouwê verlorniu sibeniu!
meier Helmbr. 402 (vgl. indessen Germ. 25, 408);
e ich ein wort antworten det,
het sie die weil wol siebne ghret.
H. Sachs fab. u. schwänke 1, s. 166, 46 neudr.
so besonders, wenn sieben als antwort auf eine frage steht: und er fragte sie, wie viel habt jr brots? sie sprachen, sieben. Marc. 8, 5.
d)
wo sieben absolut steht, ohne dasz ein derartig naheliegendes substantiv zu ergänzen ist, bezeichnet es in der regel personen. so mit bestimmtem artikel oder hinweisendem fürwort:
mit zuht die sibene giengen dan
zuo den ahzehen êrsten.
Parz. 236, 16;
die sibene sluogen vaste ûf in ...
Tristan dô strîtes werte
die siben, unz daʒ sie quâmen in nôt.
Heinr. v. Freiberg Tristan 6267—75;
dese sevene enwolden
der steide helpen zo irme rechte.
Hagen boich van Colne 6029;
also fielen diese sieben auff ein mal. 2 Sam. 21, 9; die kinder aber Elioenai waren, Hodaja, Eliasib, Plaja, Akub, Johanan, Delaja, Anani, die sieben. 1 chron. 3, 24; so auch alle sieben: denn sie sahe jre söne alle sieben auff einen tag nach einander martern. 2 Macc. 7, 20; desselbigen gleichen (nahmen sie) alle sieben, und liessen keine kinder .... alle sieben haben sie zum weibe gehabt. Luc. 20, 31. 33; wie alle sieben für einen, so für alle sieben nur einen. Aurbacher volksb.² 1, 196; einmal waren sieben Schwaben beisammen .... die hatten alle siebene sich vorgenommen die welt zu durchziehen .... diesen spiesz faszten sie alle siebene zusammen an. Grimm märchen s. 461 f. (nr. 119). — aber mit sieben fahren, nämlich pferden. Campe. im rätsel wortspielend mit dem dat. plur. von sieb, n.:
mit zweien fährt der bürgersmann,
der edelmann spannt viere an,
die potentaten lieben
das reichgeschmückte sechsgespann;
nun sagt: wer fährt mit sieben?
Hebel 1, 295 (auflösung: siebmacher. s. 307).
s. ferner 4.
e)
unbestimmt: teil aus unter sieben und unter achte. pred. Sal. 11, 2; denn sieben haben sie zum weibe gehabt. Marc. 12, 23. so in manchen sprichwörtlichen redensarten: wo sieben essen, da iszt auch noch einer. Simrock sprichw. 9520; sieben auff einen schlag. Wander 4, 554, 28; sieben auf einen streich, sagte der schneider, da hatte er sieben fliegen zu tod geschlagen. 552, 7; in einem stätlein Romandia ein schneider gesessen, welcher auff ein zeit, als er gearbeit, einen apffel bei im ligen gehabt, darauff vil fliegen ... gesessen. das dem schneider zorn thon hat, ein fleck vom tuͦch genommen, auff den apffel geschlagen und der fleügen siben erschlagen. als solchs der einfeltig schneider gesehen, bey im selbs gedacht, sein sach solte guͦt werden. bald ihme ein sehr schönen harnisch machen und darauff mit guldin buͦchstaben schreiben liesz: 'syben auff ein streich zuͦ todt geschlagen', und auff der gassen mit seim harnisch umbgezogen. wer in besahe, der meinete, er hette siben menschen auff ein streich zu tod geschlagen. Montanus wegkürzer cap. 5, s. 19 Bolte, vgl. anm. s. 561. Bechstein märchenb. 1. J. Grimm märchen 3, s. 30 ff. (anm. zu 20). Köhler kl. schr. 1, 563—5. weitere belege und anspielungen auf dieses märchen: deszgleichen dasz die sich groszer thatten und weiter reisen auszgethan, etwan drey meyl hinder weyhenachten gewesen und gleich wie jener schneider siben mucken — ey ich versprich mich — siben Türken auff ainen straich erschlagen. pred. v. 1614 s. Germ. 17, 92; ihr kennet mich noch nicht halb recht, ich habe wol eher sieben auff einen schlag geschlagen. ad spectat: fliegen meine ich. Rist friedejauchz. Teutschl. 155; dann diese (kaiserliche soldaten) scheueten meine mannheit gar nicht, vermittelst deren ich kurtz zuvor viel tausend erlegt, und den titul eines schneiders (sieben auf einen streich) überstiegen hatte. Simpl. 1, 222, 10 Kurz (2, 28); indesz stieg der geruch von dem süszen mus hinauf an die wand, wo die fliegen in groszer menge saszen, so dasz sie herangelockt wurden und sich scharenweisz darauf nieder lieszen ... da lief dem schneiderlein endlich ... die laus über die leber, es langte aus seiner hölle nach einem tuchlappen, und 'wart, ich will es euch geben!' schlug es unbarmherzig drauf. als es abzog und zählte, so lagen nicht weniger als sieben vor ihm todt ... 'bist du so ein kerl?' sprach er, und muszte selbst seine tapferkeit bewundern, 'das soll die ganze stadt erfahren'. und in der hast schnitt sich das schneiderlein einen gürtel, nähte ihn und stickte mit groszen buchstaben darauf 'siebene auf einen streich!' Grimm märchen s. 85 f. (nr. 20); einen zwerg, der sich am wege niedergesetzt hatte, belästigten die fliegen sehr. sieben saszen auf einmal auf seinem einen knie, da schlug er zu und schlug sie alle sieben todt. voll freude darüber schrieb er an seine mütze: 'ich bin ein herr von groszer macht, ich habe sieben geschlagen mit einem schlag'. Schambach-Müller nieders. sagen s. 299.
3)
sieben in adjectivischem gebrauche.
a)
es steht in der regel, jetzt immer, in unveränderlicher form vor dem substantiv: sieben steine, septem lapides. Steinbach 2, 587; ein knabe sol fleiszig und oft diese sieben ursachen betrachten. Mathesius Syrach 1, 11ᵇ.
b)
mhd. kann das adjectiv auch in flectierter form nachstehen:
Rômære dô worhten ...
abgot sibeniu.
kaiserchron. 65 Schröder;
er enbôt dem recken,   daʒ er in sehen solte
inner tagen sibenen.
Kudrun 216, 4.
häufiger wird indessen bei dieser stellung das subst. im gen. vom zahlwort abhängig gemacht (vgl. 2, a):
si hete heiʒen würken   bî des meres vluot
starker kiele sibene.
1072, 2;
ic hadde jongher sonen achte
ende schoner dochtren sevene.
Reinaert 329;
jetzt findet sich nachstellung nur noch in fällen wie etwa:
wann deine bulschafft alle siben
habn dich am narren sail umb triben.
H. Sachs 1, 305ᶜ.
c)
eine sonderstellung nehmen die verbindungen des zahlworts mit maszangaben ein, insofern bei ihnen am subst. in vielen fällen der plural ohne äuszere bezeichnung bleibt, so sieben fusz, zoll, pfund, lot, mark, pfennig u. a.: sieben schuh lang, septempedalis Stieler 2014; men bereittet gemeynlich eyn werg mit soben schog holtzes. Spittendorff 103; also tranken sie mit einander sieben maas wasser Durlacher eich über der mahlzeit. Hebel 2, 227;
hi soude ons gherne ghiften gheven,
die hi selve niet ne woude
hebben om seven maerc van goude.
Reinaert 3150.
bei andern wörtern stehen dagegen auch in diesem falle die gewöhnlichen pluralformen, besonders bei den fem. sieben ellen, meilen u. a.: so solle gy setten in dat myddel van der haven uppe 6 offte soven vademe. seebuch 5, 20 (seven vadem 11, 18); meister, nehmt für mich nur gleich einen wiesbaum von sieben mannslängen. Aurbacher ein volksbüchl.² 1, s. 195; als die sieben Schwaben in Ravensburg angekommen, kehrten sie sogleich im nächsten besten wirthshaus ein, und verlangten sieben ellen Ravensburger würste. 242. — auffällig ist der mangel der flexion in sieben zeit bei Luther: bis das sieben zeit uber jn umb sind. Dan. 4, 13. 20. 22. 29.
4)
sieben in zeitangaben und spielausdrücken:
a)
die verbindung sieben uhr schlieszt sich ganz den zuletzt behandelten an; ihr ist halb sieben uhr (für sechs ein halb) nachgebildet. gewöhnlicher wird indessen uhr ausgelassen und sieben absolut gebraucht: sieben [uhr] sette hore. es ist sieben, es hat sieben [uhr] geschlagen, die sieben seynd geschlagen (dies ist ganz undeutsch) egli è ò sono sette hore, le sette sono suonate. wanns sieben schlägt, al suono di sette hore. Kramer dict. 2, 804ᶜ; sieben, die siebende stund nach der uhr, hora septima. es hat sieben geschlagen. der zeiger steht auf sieben. es ist halb sieben. Frisch 2, 274ᵃ; ich kann vor sieben nicht kommen. Adelung; er kam mit schlag sieben. Campe; so war es halb sieben geworden, als sie Werthern die treppe herauf kommen hörte. Göthe 16, 164; es kann noch nicht sieben sein, professor Kant ist noch nicht vorbeigegangen. Wander 4, 553, 22; schon sieben und Georg nicht hier. 554, 26; wenn's um sieben noch nicht tag ist, steht er im finstern auf. 32.
b)
ebenso als ausdruck des spiels (karten- oder würfelspiels) sieben für sieben augen, points u. ähnl.:
siben das ist ein Schwyzerschanz!
Manuel 345, 334 Bächtold;
er würfft wider und sagt:
so mercks! siben: die schantz ist mein.
so hast du acht zu deiner schantz.
Ayrer 2955, 17 Keller.
Agricola sprichw. nr. 417 erwähnt unter den deutschen spielen mit karten und würfeln: buff unden und oben, buff, und siben zurucke. — s. ferner sieben, f., 3. 4, c, ε.
c)
von hier aus scheinen zwei bildliche redeweisen ausgegangen zu sein.
α)
halb sieben betrunken, besonders nd. half säöwn (halbangetrunken) Danneil 181ᵃ, half sȫfen wesen ten Doornkaat Koolman 3, 254ᵃ; he es half siewen er ist toll und voll Woeste 236ᵇ, s. auch Wander 4, 553 f., 24. 31. der ursprung der redensart ist unklar. Woeste a. a. o. und bei Frommann 5, 68, 14 (halwer siewen, vgl. dazu half elwen 12). 7, 445 erklärt es als 'halb jenseits' (nämlich im totenreiche) und vergleicht engl. he is half seas over (woraus die redensart nach Andresen volksetym.⁴ 109 im munde von Hamburger matrosen entstellt wäre); aber eine präpos. ähnlicher lautform mit der bedeutung 'jenseits' ist rein imaginär, denn Siebenbürgen ist jedenfalls anders zu erklären, s. das. und Ign. Peters im nd. korrespondenzbl. 10, 93 f. die von diesem selbst vorgeschlagene ableitung aus *half bi seven 'halb bei sinnen' (zu alts. seƀo) ist mindestens sehr fraglich. brem. dafür halver söe wesen. brem. wb. 4, 731 (vgl. siede 4).
β)
über sieben werfen sich erbrechen Schm. 2, 208: dz solche töchter und jungfräwlin sich dermassen anfüllen, dz sie uber siben werffen (das heist aber ein jungfrawtrüncklein) und sambt jrer mutter auff offner gassen unnd plätzen, blitz blatz voll herumb störcklen. Albertinus Gusman von Alfarche 475; es hatten die Scithier im brauch, dasz einer, wann er nur ausspeihete, er alsdann gestraft ward mit worten, wann er aber vor lauter völle umbdähete (undäute) und uber siben warf, ward er wirklich gestraft. dann sie hielten darfür, dasz das umbdähen oder uber die zähn schweiszen .... nirgends anders herkäme als vom ubrigen essen und trinken. de conviviis (1598) 12;
wenn dir der abtrit hat vor dieszmal wolln belieben
und hast, was dich gedruckt, geworffen uber sieben.
Scherffer Grob. 158,
s. Drechsler s. 243, der dazu die heutige bezeichnung starken durchfalls es geht über sieben haferbeete vergleicht (wol mit unrecht).
III.
die zahl sieben hat vielfach eine besondere bedeutung: sie gilt als heilige oder vollkommene zahl, ihr werden allerlei mystische beziehungen und magische kräfte beigelegt, so z. b.: de seven taͤl bewiset uns den vullenkomen taͤl, wente he is to hope bracht van dren unde veren, dar we ane weten schullen, dat wy hebben moiten de bekantenisse der hilghen drevaldicheyd unde schullen to os nemen de lere des hilghen ewangelium, dat in vere boike is ghedelet, ichte we schullen sin vullenkomen in dem loven, in der hoipene unde in der leve unde ok in den veren sedeghen doigeden. quelle bei Schiller-Lübben 4, 201ᵃ; siebe(n) ist a heilige zahl. Wander 4, 552, 5; die zahl sieben ist heilig! Hippel 8, 65; die zahl sieben wiederholt sich auf eine geheimnisvolle weise in der ganzen natur und darf nicht verrückt werden. Auerbach dorfgesch. 2, 99;
eine zale diu ist vil hêre,
die man siben nennet.
Diemer ged. 341, 7.
nicht selten wird dabei 7 in 6+1 zerlegt, vgl. sechs 4, a, th. 9, 2778 f. wenn dagegen 7 aus 4+3 hergeleitet wird (s. oben), so liegt wol eine art compromisz und anpassung an indogermanische anschauung vor.
1)
Wölfflin hat im archiv für lat. lexicogr. 9, 335—51 nachgewiesen, dasz bei den Römern ursprünglich neben der drei als deren steigerung die neun als heilige und typische zahl galt, und die sieben erst spät unter griechischem und besonders christlichem einflusse sich festgesetzt hat. dasselbe gilt vom altgerm. volksglauben, s. K. Weinhold die mystische neunzahl bei den Deutschen (abh. der Berliner acad. der wissensch. 1897, II). man darf es wol auf alle Indogermanen ausdehnen und diesen 3 und 9 (auch 4 und 12?) in der erwähnten geltung zuschreiben, während 7 gar keine besondere rolle spielte. dagegen nimmt diese eine beherrschende stellung ein in glauben, anschauungen und sitten der Semiten (neben 10 und 5), und hat sich von da aus weiter verbreitet.vielleicht geht diese bedeutung der siebenzahl aus von Babylon, wo man schon früh 7 planeten zählte (sonne, mond, Mercur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn) und danach 7 planetengötter annahm. jene haben sich bis in die neuzeit hinein erhalten: der planeten ... sind sieben. Comenius sprachenth. 32; und siehe da! ursprünglich sieben götter, die urkräfte der welt! Herder 6, 347 Suphan (irrig als ägypt. angenommen). auch unsre woche von 7 tagen stammt ebendaher, während bei den Indogermanen ursprünglich eine neuntägige periode (nundinae) gegolten zu haben scheint (vgl. indessen Jensen und Nöldeke zeitschr. f. deutsche wortforschung 1, 150—163).
2)
eine ziemlich bedeutende rolle spielte die sieben im griechischen alterthum, s. Wölfflin a. a. o. 344—6, doch darf man hier in einigen fällen sicher, in den andern mit wahrscheinlichkeit orientalischen einflusz annehmen.
a)
schon der alten sage gehören an die sieben thore Thebens, der zug der sieben gegen Theben, die sieben söhne und töchter der Niobe, die sieben jünglinge und jungfrauen, die alljährlich dem Minotauros geopfert wurden u. a.:
die sieben dort vor Theben trugen bildnerey'n
ein jeder auf seinem schilde, reich bedeutungsvoll.
Göthe 41, 203 (Faust II, 3);
dort miszt er (Kapaneus) die höh'
und tiefe unsrer mauren und erspäht
sich einen zugang zu den sieben thürmen.
Schiller 6, 129 (Phöniz. 1, 2, v. 211, vgl. siebenthürmend).
b)
im mittelalter sind besonders berühmt geworden die sieben weisen Griechenlands: septem sapientes in Graecia, die sieben weise meister: Pittaceus Mitylenaeus, Solon Atheniensis, Thales Milesius, Bias Prienaeus, Periander Corinthius, Chilo Lacedaemonius, et Cleobulus Zindius. Corvinus fons lat. 566ᵇ;
so stand Aesopus auf, uns fabeln zu erzählen,
Aesopus, Samos schmuck, und Phrygiens Sokrat,
der mehr, als eine schaar von sieben weisen that.
Lichtwer 41;
nach regeln denkt der mensch, und seiner seele licht
nimmt mit den jahren zu, dies brachte jenen greisen,
die Griechenland verehrt, den ruhm der sieben weisen.
287;
ein knie — die sieben aus Griechenland
zu narren zu machen!
Wieland 21, 40 (liebe um l. 3, 49).
doch hat die mittelalterliche sage von den sieben weisen meistern, die als dichtung und volksbuch in allen morgen- und abendländischen sprachen verbreitet war, mit jenen nichts zu thun, sondern stammt aus orientalischer (im letzten grunde indischer) quelle, s. Goedeke grundr.² 1, 348—351. 466. Pauls grundr. 2, 1, 360. 402. W. Grimm kl. schr. 4, 432 f. anz. f. d. alterth. 17, 332 f.: Octavianus unnd die 7 weysen mayster. Schumann nachtbüchl. 8, 17 Bolte; auch in den syben weysen maistern lesen wir, wie das glück des kaisers son erhöhet und das unglück in vertreibet. 137, 17, vgl. d. anm. s. 391. deutsche poetische bearbeitungen: von den siben weyszen meystern, bei Keller altd. ged. s. 15—241; Hans v. Bühel Diocletianus leben, herausg. v. Adalb. Keller, Quedlinb. 1841; ein vasnnachtspil von den siben meistern. fastn. sp. 740—5.
c)
ebenso typisch sind die sieben wunderwerke der welt, s. z. b. Eggers 2, 1370 (als nachbildung davon die sieben wunder Jenas, s. Aufsesz anzeiger 1, 293).
d)
mehrfach erscheint die siebenzahl bei den sternen: neben den sieben planeten (s. 1) zählten die Griechen auch sieben Plejaden (vgl. siebengestirn) und 7 sterne des groszen bären (lat. septentriones). sie findet sich auch in der bibel: kanstu die bande der sieben sterne zusamen binden? oder das band des Orion aufflösen? Hiob 38, 31; und hatte sieben sterne in seiner rechten hand. offenb. Joh. 1, 16; das saget, der da helt die sieben sterne in seiner rechten. 2, 1; scherzhaft: narr. der grund, warum die sieben sterne nicht mehr sind, als sieben, ist ein hübscher grund. Lear. weil's nicht acht sind. Shakesp. Lear 1, 5. daher bildlich: dasz vom ganzen menschengeschlechte ... nichts als sieben namhafte sterne und kronleuchter für den oligarchischen despotismum des λόγος ἄθεος übrig bleiben! Hamann 4, 443. (die anm. zählt auf: Leucippe, Démocrite, Epicure, Straton, Hobbes, Spinoza, Bayle.)
e)
sieben saiten hatte die lyra, daher dann auch sieben töne, vgl.: es war das klingende sieben! die tönende leier des weltalls ... wo ... alles auf sieben und drei, die sieben saiten und drei weisen der erfundnen leier beruhte. Herder 6, 342 Suphan;
bald stimmst du deine sieben saiten
auf des Tyrtäus starken ton.
Kl. Schmidt poet. briefe 54.
f)
eine feste stelle hatte die sieben in der griechischen medicin (die kritischen 7 tage u. ä.) und besonders in der zahlenspeculation der Pythagoräer (zahl des νοῦς, καιρός), s. Wölfflin a. a. o.
g)
unter griechischem einflusse kam sie dann auch in Rom selbst zu gröszerer bedeutung: sieben hügel, sieben könige Roms, siebentägige feier der ursprünglich eintägigen saturnalien, septemviri epulones anstatt der tres viri u. a., s. ebenda;
kommst du von dem begeisternden
Achäerhämus? oder kommst du
von den unsterblichen sieben hügeln?
Klopstock 1, 6.
3)
eine ungleich gröszere und beherrschendere stellung nimmt die sieben im alten test. ein.
a)
gleich zu anfang stehen die sieben tage der schöpfung, vgl. siebente 2, d:
daʒ werch sîner suben tage
verendet got als ich nû sage.
gen. 8, 21 Diemer.
b)
auch sonst wird sehr oft eine frist von sieben tagen genannt: denn noch uber sieben tage wil ich regen lassen auff erden. 1 Mose 7, 3; gib uns sieben tage, das wir boten senden in alle grentze Israel. 1 Sam. 11, 3; und ich kam zu den gefangenen ... und bleib daselbs unter jnen sieben tage, gantz trawrig. und da die sieben tage umbwaren, geschach des herrn wort zu mir. Hesek. 3, 15 f. als trauerzeit: und er trug uber seinem vater leide sieben tage. 1 Mose 50, 10; sieben tage trawret man uber einen todten. Syr. 22, 13; sieben tage fasten, opfern: (sie) namen den leichnam Saul und seiner söne, ... und begruben jre gebeine unter der eiche zu Jabes; und fasteten sieben tage. 1 chron. 11, 12; also soltu sieben tage nach einander teglich einen bock zum sündopffer opffern ... und (sie) sollen also sieben tage lang den altar versünen. Hesek. 43, 25 f. als festzeit: sieben tage solt jr ungesewrt brot essen. 2 Mose 12, 15; am funffzehenden tage dieses siebenden mondes ist das fest der laubhütten sieben tage dem herrn. 3 Mose 23, 34; Simson aber sprach zu jnen, ich wil euch ein retzel auffgeben, wenn jr mir das errattet und trefft. diese sieben tage der hochzeit, so wil ich euch dreissig hembde geben. richt. 14, 12; und Salomo hielt zu derselben zeit ein fest sieben tage lang, ... denn die einweihung des altars hielten sie sieben tage, und das fest auch sieben tage. 2 chron. 7, 8 f.; also hielten die kinder Israel, die zu Jerusalem funden wurden, das fest der ungesewrten brot sieben tage mit grosser freude ... und die gantze gemeine ward rats, noch ander sieben tage zu halten, und hielten auch die sieben tage mit freuden. 30, 21. 23; am funffzehenden tag des siebenden monden, sol er sieben tage nach einander feiren, gleich wie jene sieben tage. Hesek. 45, 25; und sieben tage lang assen sie mit einander, und waren frölich. Tob. 11, 21. sonst in ritueller bedeutung: so soltu auch thun mit deinem ochsen und schafe, sieben tag las es bey seiner mutter sein, am achten tage, soltu mirs geben. 2 Mose 22, 30; wenn ein weib besamet wird, und gebirt ein kneblin, so sol sie sieben tage unrein sein. 3 Mose 12, 2; wenn ein weib jrs leibs blutflus hat, die sol sieben tag bey seit gethan werden. 15, 19; der herr sprach zu Mose, wenn jr vater jr ins angesicht gespeiet hette, solt sie nicht sieben tage sich schemen? las sie verschliessen sieben tage ausser dem lager. 4 Mose 12, 14; nach seiner reinigung sol man jm zelen sieben tage. Hesek. 44, 26.
c)
ähnlich auch sieben jahre: also dienete Jacob umb Rahel sieben jar. 1 Mose 29, 20; und du solt zelen solcher feiriar sieben, das sieben jar sieben mal gezelet werden. 3 Mose 25, 8; uber sieben jar, soltu ein erlasiar halten. 5 Mose 15, 1; und (Ebzan) richtet Israel sieben jar. richt. 12, 9; Gad kam zu David, ... und sprach zu jm, wiltu das sieben jar thewrung in dein land kome? 2 Sam. 24, 13; und im eilfften jar ... ward das haus bereitet ..., das sie sieben jar dran baweten. 1 kön. 6, 38; und die bürger in stedten Israel, werden erausgehen und fewr machen, und verbrennen, die woffen ..., und werden sieben jar lang fewrwerck da mit halten. Hesek. 39, 10. — seltner sieben wochen, monde: sieben wochen soltu dir zelen. 5 Mose 16, 9; bis auff Christum den fürsten, sind sieben wochen, und zwey und sechzig wochen. Dan. 9, 25. — also war die lade des herrn sieben monde im lande der Philister. 1 Sam. 6, 1; es wird sie (Gog) aber das haus Israel begraben, sieben monden lang. Hesek. 39, 12. — unbestimmter: bis das sieben zeit uber jn umb sind. Dan. 4, 13, vgl. 20. 22. 29.
d)
ähnlich steht sieben in raumangaben: und er nam seine brüder zu sich, und jaget jm nach sieben tagereise. 1 Mose 31, 23; und der herr wird deine feinde, die sich wider dich aufflehnen, fur dir schlahen, durch einen weg sollen sie ausziehen wider dich, und durch sieben wege fur dir fliehen. 5 Mose 28, 7; teilet das land in sieben teil. Jos. 18, 5; und der herr wird verbannen den strom des meers in Egypten ... und die sieben ströme schlahen, das man mit schuhen dadurch gehen mag. Jes. 11, 15; und die thür hatte sechs ellen, und die weite der thür sieben ellen. Hesek. 41, 3.
e)
sieben ist die zahl der opferthiere: und solt erzubringen ... sieben jerige lemmer on wandel. 3 Mose 23, 18; und solt dem herrn brandopffer thun zum süssen geruch zween junge farren, einen widder, sieben jerige lemmer. 4 Mose 28, 27; und da gott den Leviten halff, ... opfferte man sieben farren, und sieben wider. 1 chron. 16, 26; und brachten erzu sieben farren, sieben widder, sieben lemmer und sieben ziegenböcke zum sündopffer. 2 chron. 29, 21; aber die sieben tage des festes sol er dem herrn teglich ein brandopffer thun, ja (je) sieben farren und sieben widder, die on wandel sein. Hesek. 45, 23. so bei einer art menschenopfer: gebet uns sieben menner aus seinem hause, das wir sie auffhengen dem herrn. 2 Sam. 21, 6.
f)
ferner bei allerlei gerätschaften, die mit opfer und cultus zusammenhängen: bawe mir hie sieben altar, und schaff mir her sieben farren und sieben widder. 4 Mose 23, 1; (das thor) hatte sieben stuffen, da man hin auff gieng. Hesek. 40, 22; da stund ein leuchter gantz gülden, mit einer schalen oben drauff, daran sieben lampen waren. Sach. 4, 2; ähnlich auch: die weisheit bawete jr haus, und hieb sieben seulen. spr. Sal. 9, 1; und Simon lies ein hohes grab von gehawen steinen machen ... und darauff setzen sieben seulen. 1 Macc. 13, 28; am siebenden tage aber, las die priester sieben posaunen des halliars nemen ..., und gehet desselben siebenden tages, sieben mal umb die stad. Jos. 6, 4; Simson sprach zu jr, wenn man mich bünde mit sieben seilen von frisschem bast, die noch nicht verdorret sind, so würde ich schwach. richt. 16, 7; und sie lies jn entschlaffen auff jrem schos, und rieff einem, der jm die sieben locke seines heubts abschöre. 19 (und er schar ab seyne siben har. bib. v. 1483 120ᵃ).
g)
auch bei menschen ist sieben als typische zahl sehr gewöhnlich. als zahl der kinder: der priester aber in Midian hatte sieben töchter. 2 Mose 2, 16; welche dir besser ist, denn sieben söne. Ruth 4, 15; bis das die unfruchtbar sieben gebar. 1 Sam. 2, 5; da lies Isai seine sieben söne fur Samuel ubergehen. 16, 10; (Hiob) zeuget sieben söne und drey töchter. Hiob 1, 2; das die, so sieben kinder hat, sol elend sein. Jer. 15, 9; so noch: es waren jr aber sieben söne eines jüden Skeua des hohenpriesters. ap.-gesch. 19, 14. bei allerlei ämtern und würden: sieben priester lasset sieben halliars posaunen tragen. Jos. 6, 6; die nehesten aber bey jm waren, Charsena, Sethar, Admatha, Tharsis, Meres, Marsena, und Memuchan, die sieben fürsten der Perser und Meder, die das angesicht des königes sahen, und sassen oben an im königreich. Esth. 1, 14 (vgl. die sieben kemerer, v. 10); vom könige und den sieben ratherrn gesand. Esra 7, 14; denn es werden sieben hirten und acht fürsten uber jn erweckt werden. Micha 5, 4; und solcher einer, kan offt etwas bas ersehen, denn sieben wechter, die oben auff der warte sitzen. Syr. 37, 18; und die dirne gefiel jm ... und er eilet mit jrem geschmuck, das er jr jren teil gebe, und sieben feine dirnen. Esth. 2, 9. — so auch: wenn dich der herr dein gott ins land bringet ... und ausrottet viel völcker fur dir her, die Hethiter, Girgositer, Amoriter, Cananiter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter, sieben völcker, die grösser und stercker sind denn du. 5 Mose 7, 1 (vgl. ap.-gesch. 13, 19); und waren noch sieben stemme der kinder Israel, denen sie jr erbteil nicht aus geteilet hatten. Jos. 18, 2, vgl. d.
h)
auch sonst als typische zahl, z. b. bei thieren: und (Pharao) sehe aus dem wasser steigen sieben schöne fette küe. 1 Mose 40, 2; und sahe aber mal in meinem traum, sieben ehern auff einem halm wachsen, vol und dicke. 22; und es waren sieben lewen im graben. drache zu Bab. 31. — sprichwörtlich: wenn er (der feind) seine stimme holdselig macht, so gleube jm nicht, denn es sind sieben grewel (septem nequitiae, siben schalckeyt bib. v. 1483 304ᶜ) in seinem hertzen. spr. Sal. 26, 25; des narren geschenck wird dir nicht viel frumen, denn mit einem auge gibt er, und mit sieben augen sihet er, was er dafur kriege. Syr. 20, 14.
i)
spätjüdisch ist die vorstellung von sieben (erz)engeln; sie fehlt dem alttestam. kanon ganz, taucht erst in den apokryphen auf und stammt aus der persischen lehre von den ameschaspenta (den 'heiligen unsterblichen', den sechs bez. sieben höchsten geistern, die Ahuramazdâ umgeben; sie sind personificationen der tugenden und religiösen potenzen, wie Vohu Manâh 'gute gesinnung', Chschathra Vairya 'das wünschenswerthe reich' u. s. w., s. Jackson im grundr. der iran. phil. 2, 633—640): und ich bin Raphael, einer von den sieben engeln, die wir fur dem herrn stehen. Tob. 12, 15;
grosz und trefflich, wie der sieben einer,
die am throne dienen, schwebt er her.
Schiller 4, 6.
vgl. ferner 4, b.
k)
man zählt im alten testament sieben buszpsalm Davids. Ayrer proc. 378 am rande (im text: seine septem psalmi poenitentiales), nämlich 6, 50, 56, 66, 69, 85, 129 (bez. nach Luther 6, 51, 57 u. s. w.), vgl. zschr. f. d. alterth. 7, 137: die siben psalm. renner 9517, s. unter siebenundsiebenzig; septena die sieben sim. psalmen, -me ... siben, sebin, dye syeben, nd. seven salme, salme der rewe, ein septen (penitentia) Dief. gl. 528ᵃ.
4)
aus dem judenthum ist die siebenzahl von der christlichen kirche übernommen. doch tritt sie im neuen testament im allgemeinen nicht so sehr hervor:
a)
in den evangelien nur vereinzelt: und (Jesus) nam die sieben brot, und die fische, dancket, brach sie, und gab sie seinen jüngern, und die jünger gaben sie dem volck. und sie assen alle, und worden sat, und huben auff, was uber bleib von brocken, sieben körbe vol. Matth. 15, 36 f. (auszerdem in den parallelberichten und der parabel von den sieben brüdern, vgl. II, 2, d).
b)
die spätjüdischen sieben engel kehren wieder in der offenbarung Johannis: gnade sey mit euch und friede, von dem der da ist, und der da war, und der da kompt, und von den sieben geistern, die da sind vor seinem stuel. 1, 4; und sieben fackeln mit fewer brandten fur dem stuel, welchs sind die sieben geister gottes. 4, 5; und ich sahe sieben engel, die da tratten fur gott, und jnen wurden sieben posaunen gegeben. 8, 2; sieben engel, die hatten die letzten sieben plagen. 15, 1; und eines der vier thiere gab den sieben engeln sieben güldene schalen vol zorns gottes. 7. entsprechend ist in den evangelien oft von sieben geistern oder teufeln die rede: so gehet er hin, und nimpt zu sich sieben ander geister, die erger sind, denn er selbs. Matth. 12, 45; Jhesus aber, da er aufferstanden war, ... erschein er am ersten der Maria Magdalene, von welcher er sieben teufel ausgetrieben hatte. Marc. 16, 9; daher heiszt sie im Friedberger Christ u. Antichr. F, 38: dî sibundûvelhafda, s. Müllenhoff-Scherer denkm.³ 1, 107. in allegorischer verwendung: als er das bunte staatszeug um hatte, ... überkam ihn die lust, dasz er's nicht wieder abthäte. da war's ihm schon angethan, das ist der eine teufel ... einer, drei, meinethalben sieben, ... aber ich will sie alle sieben austreiben. Alexis hosen¹² 39;
geh nur! ich will im alten nest
wie sieben böse geister hausen.
Göthe 11, 174 (scherz, list u. rache 4).
c)
in mannigfacher verwendung erscheint die sieben in der offenbarung Johannis (s. auch b), die ja unter allen neutestamentlichen schriften am meisten unter jüdischem einflusse steht und jüdische traditionen verarbeitet: mitten unter den eltesten stund ein lamb, wie es erwürget were, und hatte sieben hörner und sieben augen, welchs sind die sieben geister gottes gesand in alle land. 5, 6; sihe ein grosser roter drach, der hatte sieben heubter und zehen hörner, und auff seinen heubten sieben kronen. 12, 3; die sieben heubter sind sieben berge, auff welchen das weib sitzet, und sind sieben könige. 17, 9; das geheimnis der sieben sterne, die du gesehen hast in meiner rechten hand, und die sieben gülden leuchter. die sieben sterne, sind engel der sieben gemeinen, und die sieben leuchter, die du gesehen hast, sind sieben gemeine. 1, 20; und es kam zu mir einer von den sieben engeln, welche die sieben schalen vol hatten der letzten sieben plagen. 21, 9; und da er schrey, redeten sieben donner jre stimme. 10, 3. danach auch:
die siben hoͤüpter, solt mercken mich,
bedeüten syben küngreich.
Gengenbach d. nollhart 964 f.
d)
aus ihr stammt auch die sehr gewöhnliche redensart vom buch mit sieben siegeln: und ich sahe in der rechten hand des, der auff dem stuel sass, ein buch geschrieben inwendig und auswendig versiegelt mit sieben siegel. offenb. 5, 1, vgl. Borchardt² nr. 1092; als wenn es uns nicht an urkunden fehlte, die versiegelt sind, weil man nicht lesen kann ... und die man nicht lesen kann wegen der sieben in- und auswendigen siegel oder siebenzig mal sieben widersprüche des überwindenden löwen und erwürgten lammes. Hamann 6, 10;
er (Johannes) sach ein buoch dâ gescriben,
besigilet was iʒ mit insigilen siben.
denkm. nr. 44, 1, 6 (vgl. die anmerk. 2³, s. 262. 418);
mein freund, die zeiten der vergangenheit
sind uns ein buch mit sieben siegeln.
Göthe 12, 38.
e)
auch sonst findet sich manches in einer anzahl von sieben im neuen testament, ohne ausdrückliche zahlangabe (vgl. 3, k): so sieben gleichnisse vom himmelreich Matth. 13, die sieben (vielmehr acht) seligpreisungen Matth. 5, 3—10, besonders aber die sieben bitten des vaterunser (Matth. 6, 9—13): wenn ich ihm nicht leib und seele breyweich zusammen dresche, alle zehen gebote und alle sieben bitten im vaterunser ... aufs leder schreibe. Schiller kab. u. liebe 2, 4.
f)
dagegen sind die sieben worte Jesu am kreuze erst durch contamination der evangelischen berichte zusammengekommen. übertragen: und doch will ich dem leser meine qualen oder sieben worte am kreuze sagen, wiewol er selber mich an das kreuz, unter welchem er mich bedauern will, hat schlagen helfen. J. Paul unsichtb. loge 3, 43. noch mehr sind die sieben wunden Christi apokryph, da man höchstens sechs zählen kann:
und ob der heiland selbst
sich stellen wollte zwischen dich und mich:
zu seinen sieben wunden gäb' ich ihm
die achte.
Hebbel (1891) 1, 131 (Genov. 3, 10).
5)
aber die bedeutung der sieben in der kirchlichen symbolik geht weit über das im neuen testament gegebene hinaus, vergl. z. b.: wy bydden dar ynne (im vaterunser) umme seven sake, dar dorch wy begeren de seven gave des h. geistes unde dar dorch uthgedreven werden de seven dotsunde, unde wen de van uns uthgedreven werden, so werden in uns bevestiget seven dogeden, dorch de uns werden volgen seven salicheit. quelle bei Schiller - Lübben 4, 201ᵃ. schon im 12. jh. begegnet uns ein deutsches gedicht 'von der siebenzahl', s. Müllenhoff-Scherer denkm. nr. xliv; weitere quellen verzeichnen die anm., s. 2³, 265—9, vgl. auch Arnolds gedicht bei Diemer d. ged. s. 331—357 ('loblied auf den heil. geist', um 1150), sowie 'das paternoster' (denkm. nr. xliii). Wölfflin a. a. o. s. 347. Weinhold s. 61. Kelle gesch. d. d. litteratur 2, 126—8. 327 f. beilage zur allgemeinen zeitung 1900, nr. 256 f.
a)
vor allem wichtig sind die sieben sakramente, vgl. denkmäler³ 2, s. 268: das ich gesundet hân .. wider die sieben heilchait des christentûms, wider die siben gâb des heiligen geistes, wider di sechs werk der barmherzecheit. 458, 66.
b)
ferner die sieben (gebets-)zeiten am tage, vgl. auch siebengezeit, -zeit: ûʒʒan sibun stuntôm in desamu take chuedêm lop tr[ruhtî]ne (sed septies in hac die dicamus laudes domino). Murbacher hymn. 9, 4, 1; o gott mein herr, ich ruffe dich an, das du ansehen wöllest, das ich .. meine sieben zeit, metten, prim, tertz, sext, non, vesper und complete mit grossem fleiss gebetet. Luther 16, 427, 13 Weim. ausg.; wir haben täglich mess, so helt man in all stiften die siben zeit ordenlich. sat. u. pasqu. 2, 143, 38 (vgl. die anmerk. s. 334 und s. 151, 18 f.);
der narr zum pfaffen.
losz herrli das bawren auch wüssen
was treibst mit hüpsch schönen weyben
dein siben zeyt mit jn vertreiben.
ein hüpsch new .. spil wie mann die narren .. beschweeren sol (1554) A 8.
anders: de söwen tide, die fasten. Dähnert 423ᵃ.
c)
die sieben gaben des heil. geistes, li sette doni dello spirito santo. Kramer dict. 2, 804ᶜ; vgl. Müllenhoff - Scherer denkm.³ 2, s. 250. 262. 266 (nach Jes. 11, 2 f., wo indessen nur durch die schiefe übersetzung der vulgata der schein einer siebenheit zuwege gebracht wird): nach deme gebete nach volgent die siben gebe des heil. geistes die sint sus genamet: ein geist der gotes vorhten, der ander der heil. guote, der dritte des gewiʒʒenes, der vierde der sterche, der viunfte des rates, der sehste rehtiu verstantnusse, der sibente ein geist alles wistuomes. spec. eccl. 179; on die syben gaben des heiligen geistes magstu nit selig werden. Keisersberg baum der seligkeit 12ᵇ;
dâ sint inne siben gebete.
sibene sint ouch der gebe
des hêligen gaistes.
paternoster (denkm. nr. 43), 2, 9 f.;
von deme heiligen geiste
habe wir siben liste.
Diemer ged. 346, 27;
die heiligen siben gâben unsers hêren,
die wîsten die maget hêre
hin ûf den Jordan.
Orendel 2073 Berger (vgl. die anmerk.);
vrewe dich, vrouwe, daʒ die siben
gâbe bî dir gar beliben.
zeitschr. für deutsches alterth. 8, 286, 369;
dâ wider hât der heilic geist ...
ouch siben gâbe hie gelan,
daʒ wir den sunden widerstân.
erlösung 6365;
o du kaiser aller kaiser den Zacharias der alt prophet
mit liben augen bezaichnet het,
in dir seien versloszen die siben gabe
des hailigen gaistes, als ich glabe.
herzog Ernst s. 240, 13.
d)
ihnen entsprechen sieben todsünden. (vgl. darüber C. A. Gerh. v. Zezschwitz system der katechetik 1, s. 484 ff. 2, 1, s. 208 ff. Wetzer u. Welte kirchenlex.² 11, 956. 2, 2023. 4, 1031 f. beilage zur allgem. zeitung 1900, nr. 256 f.):
hie mit sigeln wir unser bruste
wider die siben âchuste
die gotes gaist hât vertriben
mit sînen geben siben.
von d. siebenz. 2, 1—4;
die siben houptsunde iedoch, ...
die flieʒent ûʒ der schalkheit
des ungetrûwen slangen.
erlösung 6353;
int êrste moten se holden de hilgen tein godes gebode,
int ander de seven dôtliken sunde tô vormiden.
des dodes danz 1453 Bäthcke;
alrerst sint uns suntaren vurgesetzet siben laster houbthafter sunden, da wir uns vone behuoten sculen: der zorn, der nît, diu ubermuot, unrehtiu vroude, diu erge, diu gierscheit, diu huorgelust, diu untriwe. spec. eccl. 178; die siben hauptsünd die da bedeüt seind bey den siben gaistlichen schwerten, mit denen der bösz veind der teüfel, die seelen der menschen schlecht, verwundt und ertödtet .. dabey auch, wie dise siben schwert der laster bedeckt seind und sich verbergen under die siben schayden, das ist, under die gestalten der guͦten tugenden. titel einer (1499 gehaltenen) predigt von Geiler von Keisersberg, beigebunden beim granatapfel (1510). in bildlicher darstellung: wäre der rauch und das alter nicht gewesen, hätte man noch die sieben todsünden daran (an den wänden) erkennen .. mögen. Alexis hosen¹² s. 49. (an einem portal des Straszburger münsters treten die 7 werke der barmherzigkeit auf die 7 todsünden, s. Otte kunst-archäologie⁵ 1, 501; beide gruppen finden sich als wandgemälde mit inschriften aus der 1. hälfte des 15. jahrh. in der stadtpfarrkirche von Leutschau in Ungarn, s. Nagl-Zeidler deutsch-österr. litteraturgeschichte s. 318.) in scherzhafter übertragung auf menschen: diese (die regierung von Schlaraffis) bestand aus einem gemeinderath von sieben mitgliedern, .. welche im volke die sieben todsünden genannt wurden. es traf sich nämlich, dasz sich ein jeder von ihnen in einer von diesen haupt- und ursünden so erklecklich hervorthat, dasz er geradezu als vertreter und aushängeschild derselben gelten konnte. Ric. Huch d. mondreigen von Schlaraffis (1897) s. 45.
e)
seltner werden sieben tugenden erwähnt: under die siben schayden, das ist, under die gestalten der guͦten tugenden. Keisersberg s. unter d;
schrîn der siben tugende.
quelle bei Lexer handwb. 2, 898.
häufiger dagegen die sieben werke der barmherzigkeit (nach Matth. 25, 35 ff., wo aber nur fünf bis sechs werke aufgeführt werden): die sieben barmhertzigkeiten, le sette misericordie ò opere di misericordia. Kramer dict. 2, 804ᶜ, s. auch Schiller-Lübben 4, 201.
f)
die mittelalterliche lyrik stellt oft sieben freuden und betrübnisse Marias zusammen, z. b.: hir beginnet de soven langen vrouwede van unser leven vrouwen, bei Lübben mnd. gramm. s. 135 ff., s. auch Schiller-Lübben 4, 201. aber auch sonst spricht man von seven unsalde, s. ebenda, ferner:
nû hôre wir dei puoch iehen
wie eineme iegelichen mennisken scul geschehen
ze sîneme lebene
herzeleith sibene.
in deme sibenten leide
scal er von der werlte scheiden.
Diemer d. ged. 352, 16,
und besonders von sieben freuden: seven salicheit s. 5 zu anfang; von den acht gesellen die siben frewd der werlt. Keller altd. erzähl. 665; ironisch:
Isegrym lach unde swech pur stylle,
he hadde de seven vraude nicht al.
Reineke vos 2695;
ich han mich weibs dinst angenumen,
solten mein hent auf irem har nit kumen,
iedoch sol es mich nit befilen,
ich wil der siben freud mit in spilen
und in all tag der kirbei kaufen,
das in die zeher die packen ablaufen,
das in der ruck vor freuden pleck und erplabt.
fastn. sp. 267, 19;
wenn ich jr gleich eins gib an kopf,
so fellt sie mir denn in den schopf
und zeucht mich in der stuben umb;
und wenn ich denn wider auff kumb,
so wirff ich denn mit tellern zu jr,
so schmitzt sie denn mit häfn zu mir.
trifft sie mich denn, so ist sie fro;
triff ich, so ist mir auch also.
das heisz wir der siebn freud gespielt.
H. Sachs 2, 4, 78ᵈ.
g)
mehr vereinzelt begegnen andre gebrauchsweisen: sieben sündenvergebungen, sieben zeichen bei der geburt Christi in Arnolds gedicht, s. 349 ff.; die siben stapheln des gebetes. mystiker 1, 387 ff.; daʒ puch der siben grade vom mönch von Heilsbronn (ausg. von Merzdorf s. 71 ff.), vgl. Albr. Wagner über den mönch von Heilsbronn (1876) s. 43 ff.; von siben gaystlichen märckten auff denen sich ain guͦtter christen mensch erwerben mag, unnd grossen gewyn seiner seelen überkommen. Keisersberg pred. (1510) 45ᵃ; wie die seel des menschen, durch die verlurst der urspringklichen gerechtikait, gleich worden ist ainem esel, und also gefallen in den gewalt des bösen gaystes, der sy gebunden hatt mit syben halffteren, oder an syben eselhefften. 87ᵇ; nun sprichestu, wer sol mir des helffen, daszs ich mich allso müg abzerrnn von diszem hocken? ich find siben gesellen, die du solt zu hylff annemen, dass du dich diszer halffter mügest ledig machen. der erst, ist, die exempel der lieben hailigen u. s. w. 96ᵈ; von syben früchten, die da wachssen ausz aynem guldin mund. 127ᶜ; ich find nach innhaltunge der hayligen geschrifft, von sybenerlay pein der hellen. die erst ist, füer. die ander költe. die dritt fünsternusz. die vierde gestanck. die fuͦnfft wörme. die sechszt widerwil. die sybend, tod on tod, dise syben peinen überfallendt vil guͦtter menschen auff disem erdtrich. 137ᶜ; uralters her hatte Aegypten, wo alles heilige siebende zahl war, sieben heilige buchstaben ... durch die die priester ihre götter lobpriesen ... wenigstens hat sie ein neuerer berühmter philologe Deutschlands als räthsel ansehen und diese sieben heilige laute zu nichts als — den sieben vokalen machen können, über die die spätere kabbala der Juden im namen Jehovah so viel dichtet. Herder 6, 336 Suphan.
h)
eine grosze rolle spielt die sieben in der kirchlichen speculation.
α)
die sieben alter der welt und des menschen:
in dirre sibene gewage
segenote got dem sibenten tage.
in sehsen habeter vure brâht
sîniu werch sô manichslaht ...
sehs alter wert uns dirre lîb,
inme sibenten rastet man joch wîb:
daʒ sint sibene sune Jôbes.
von der siebenzahl, strophe 3;
nû wil ich iu sagen ze dûte
umbe siben alter der lûte.
Diemer ged. 346, 16;
Matheus zelt uns dâpî
sex etates mundi,
dere werlt sehs altere,
in deme sibenten werde wir beha[l]ten
ze deme êuwigen liebe.
352, 8.
die sieben alter des menschen ergeben sich leicht aus der traditionellen veranschlagung des normalen menschenlebens auf 70 jahre; die sieben weltalter sind aus der persischen lehre von den 6 weltperioden umgebildet nach dem vorbilde der schöpfungswoche, vgl.: Origenis wiessagede hir bevoren, dat ses werlde solden wesen, de werlt bi dusent jaren up genomen, unde in dem seveden solde se togan. Sachsensp. 1, 3, § 1.
β)
antik ist die lehre von sieben himmeln (nach den 7 planeten):
sibene sint der himele,
unte laufent dâr nebene
sternen sibene liehte.
Diemer ged. 341, 8.
vgl. siebente 2, f.
γ)
die vorstellung von den sieben theilen, aus denen der menschliche leib geschaffen ist:
daʒ ein iegelich menniske
pi sibenen ist gescafen.
Diemer ged. 345, 29,
ist vielleicht christliche umbildung einer altgerman. vorstellung, da sonst überall acht theile gezählt werden, vgl. J. Grimm altfries. cosmog., zeitschrift für d. alterthum 1, 1 f. mythologies. 468 ff. Müllenhoff-Sgherer denkm.³ 2, 171. Rich. M. Meyer Ymi und d. weltschöpfung, zeitschr. für d. alterth. 37, 1—8. (das citierte gedicht meint übrigens weniger sieben bestandtheile, als eine stufenweise bildung der einzelnen theile in perioden von sieben tagen.)
δ)
volksthümlich ist die vorstellung: ein jeder mensch hat sieben vornehme oder haupt - glieder an seinem leibe, nemlich: zwey hände, zwey füsse, ein haupt, eine brust und einen bauch. Wesenigk spiel-sieben 34; ähnlich: sieben offene löcher hat der mensch in seinem haupte ... nach art der sieben planeten am himmel; nehmlich 2 ohren, 2 augen, zwey nasen - löcher und einen mund. 61 (4. mahl 7. zähne. s. 134); gleich wie dieselben (die planeten) um die sonne, so stehen auch die sieben vornehmsten glieder um das herz. Leoprechting aus dem Lechrain 151.
i)
mit letzterem berührt sich die annahme von sieben sinnen:
diu wunter manicslaht,
die von den siben sinnen
der mennisk mach gewinnen.
Diemer ged. 347, 25
(hier vielleicht gleichbedeutend mit k; anders 335, 4). oft sprichwörtlich: wo denckestu hin? hastu auch dein sieben sinne alle beyeinander? oder fünffe wie ander menschen? Nigrinus 1. centur. T 4ᵃ;
was half's? Narcisz, der starrkopf, blieb
bei seinen sieben sinnen.
Hölty 6 Halm;
wie ihn alle sieben sinne jücken!
Göthe 2, 93 (Lili's park).
er hat seine sieben sinne nicht; man hat nicht sieben sinne wie ein bär, man sieht ja drein wie ein bär mit sieben sinnen (Spielhagen), s. nd. korrespondenzbl. 14, 37. vgl. auch siebensinnig.
k)
unter kirchlichem einflusse ist auch die mittelalterliche theorie von den sieben wissenschaften oder freien künsten (artes liberales: grammatik, dialektik, rhetorik, geometrie, arithmetik, astronomie, musik) entstanden und verbreitet; das alterthum zählte ursprünglich neun (auszer den genannten medizin und architektur), s. Wölfflin a. a. o. s. 349 f. belege: en mester an den seven kunsten. quelle bei Schiller-Lübben 4, 201ᵃ; dor noch lernte si di söben frien kunste. Griseldis s. 49, 31 Schröder; aber zu zeiten Thomæ von Aquin ist es auch geschehen, apprehenderunt septem mulieres virum unum, ein man hat sieben weiber gehabt. dieser mann ware der englische Thomas de Aquino, die sieben weiber waren die sieben freyen künsten, welche man pfleget in weibergestalt zu entwerffen. Abr. a S. Clara reimb dich s. 429;
von deme heiligen geiste
habe wir siben liste ...
daʒ ein ist gramatica u. s. w.
Diemer ged. 346, 29;
in den seven vrien kunsten   plach ik jo to wunderen,
unde ik hebbe geleret eine islike bisunderen.
des dodes danz 925 Bäthcke;
ich spreche das on allen hasz,
das ich euch wil leren on unterlas,
und wil euch unterrichten zuhand
die sieben freien künsten genannt.
fastn. sp. 910, 21;
dan sie (die gelehrten) dem meister ob berürt
hand all sein wort interpretiert,
beim quintlein als ausz ponderiert
mit irer kluͦgen sophistrei
und iren siben künsten frei,
gsogen usz Aristotile.
sat. u. pasqu. 2, 243, 1748.
daher:
man macht sieben neu künst,
hand itzt die besten gunst.
die erst kunst solt ir hören
die undern sieben ist:
gotts lestern und vast schweren u. s. w.
bergreihen s. 42, 22 neudruck.
daher wol die mhd. redensart:
er kan wol sîniu sibeniu.
gesamtabent. 2, s. 435 (49, 784),
d. h. er ist sehr schlau, vgl. auch i und Germ. 25, 408.
l)
dem sind andre hebdomaden nachgebildet: so braucht es keiner deduction, die genealogische priorität der sprache vor den sieben heiligen functionen logischer sätze und schlüsse, und ihre heraldik zu beweisen. Hamann 7, 9; er (der jüdische weltweise) war also nicht im stande, die in diesen urkunden offenbarten auszerordentlichen schicksale Jerusalems, oder die zeitlichen geschichtswahrheiten der heiligen stadt nach allen sieben dimensionen der vergangenheit, gegenwart, zukunft, der länge, breite, höhe und tiefe, in ihrem ganzen zusammenhange sich anschaulich zu machen. 106.
6)
sehr bedeutend ist die rolle der sieben im deutschen recht:
a)
besonders feststehend ist die zahl von sieben zeugen: etwas mit sieben zeugen darthun, provare qualche cosa con sette testimonii. v. besiebenen. Kramer dict. 2, 804ᶜ; sie begegnet schon im röm. recht, s. Wölfflin a. a. o. s. 343 unten. im alten test. werden allerdings 2 bez. 2 oder 3 zeugen gefordert, doch könnte die genaue übereinstimmung der wörter für schwören (עבַשָׁ) und für sieben (עבַשֶׁ) in den radicalen auch hier auf einen alten sachlichen zusammenhang deuten; vgl. auch: und Abraham stellet dar sieben lemmer besonders. da sprach Abimelech zu Abraham, was sollen die sieben lemmer die du besonders dar gestellet hast? er antwortet, sieben lemmer soltu von meiner hand nemen, das sie mir zum zeugnis seien, das ich diesen brun gegraben habe. da her heisst die stet BerSaba, das sie beide miteinander da geschworen haben. 1 Mose 21, 28—31. im deutschen recht, s. Grimm rechtsalterth. 858 f.: des mut de richter selve sevede sogedaner lüde de eme ordel vinden getüch sin. des vronen boden getüch stat vor tvene man, of man's bedarf, dar man mit seven mannen getügen sal. Sachsensp. landr. 1, 8, § 2. 3; mach aver he den doden mit seven manne tüge verwinnen, so ne darf he sik to kampe nicht bieden jegen ene. 64; svene man mit der hanthaften dat veit, also, alse he gevangen wirt, also sal man ine vor gerichte bringen, unde selve sevede sal ine de klegere vertügen. 66, § 1; deste sie dat getügen mogen mit seven mannen. 2, 71, § 5; auszerdem noch sehr oft, s. s. 506 f. dabei ist der kläger bald in die zahl der sieben eingerechnet (selve sevede, also mit sechs zeugen), bald nicht. (in andern fällen ist die zahl der zeugen drei, s. ebenda.) auch in den vehmgerichten beschwört der kläger die schuld selbsiebent, s. Schröder d. rechtsgesch.² s. 566. entscheidung durch gerichtlichen kampf von sieben gegen sieben, s. s. 735: schilt en sasse en ordel, unde tiüt he's an sine vorderen hant unde an die meren menie, he mut dar umme vechten selve sevede siner genoten wider andere sevene; svar die mere menie segevichtet, die behalt dat ordel. Sachsensp. landr. 2, 12, § 8, s. auch 1, 18, § 3. sieben zeugen im lehenrecht: sinen tüch sal he aver tohant benümen des herren manne alse vele als he wel; der sal im die herre sevene bringen der die man geret. 24, § 3. sieben in anderer zusammensetzung: item die schulte des hoves tho Loen, und die vier tegedere, und die twe manne, die geschworen hebbet umme des amptzrecht, waer die sevene de hande reicket, dat is ein insiegel des ampts tho Loen. Grimm weisth. 3, 146, 1, vgl. Wander 4, 553, 19.
b)
daher das sprichwort: dei (der) von syben sagt, der leugt gern. Keisersberg baum der seligk. 12ᵈ; und bleibt noch heut wie verd, wer von sieben saget, der leuget gern. Mathesius Sar. 11ᵃ; hebb ick all min lebtag solcken logen niet gehort. als men von söven secht, so liegt men gern. Heinr. Jul. v. Braunschweig s. 319 Holland (von einem wirthe 3, 5). ursprünglich wol in dem sinne: wer sich hinter zeugen versteckt, vgl. E. Martin Wimpfelings Germania (1885) s. 22. 108, anmerk. 40. Simrock sprichw. 9519. Wander 4, 553, 17. doch musz der eigentliche sinn der zahl frühe aus dem bewusztsein geschwunden sein, vgl.:
disiu zal ist sô hêre,
swie der tiufel daʒ verchêre,
der chuît daʒ der gelogen habe,
der dir von siben iuwecht sage
(sô vîent ist er dirre zale).
von der siebenzahl 2, 7;
wer sagt, gerad sieben, der leugt gern. Petri Jii 2ᵇ. (daher auch siebe is e scheeker, lüge Wander 4, 552, 4 ?).
c)
auch sonst begegnet die siebenzahl bei officiellen collegien.
α)
so besonders die sieben churfürsten, septemviri. Stieler 2014; die würde der sieben churfürsten, septemviratus. ebenda;
daʒ rîche siben vürsten hât
der hôchsten unt der besten,   an den al sîn wirde stât,
die künege im solden kiesen   unt ouch dem rîche hulde solden swern.
daʒ sint der pfaffenvürsten drî,
von Megenze unt ouch von Triere,   der von Kölne ist ouch dâ bî,
der leienvürsten viere,   die eʒ beschirmen solden unt bewern,
her künec von Bêheim, dran sult ir gedenken,
daʒ man iuch nent des rîches werden schenken!
von Brandenburc der kamerære,
truhsæʒ diu Pfalze ûfme Rîn,
sô sol der herzog marschalc sîn
von Sahsenlant:   daʒ sint dîu wâren mære!
Reinmar v. Zweter 240;
und alle die wähler, die sieben,
wie der sterne chor um die sonne sich stellt,
umstanden geschäftig den herrscher der welt,
die würde des amtes zu üben.
Schiller 11, 382.
der erste sichere beleg für die siebenzahl als feststehende (wenn auch nicht unbestrittene) theorie ist der angeführte spruch Reinmars, den Roethe wol mit recht auf die Braunschweiger nachwahl Wilhelms von Holland 1252 bezieht, s. Reinmar v. Zw. s. 134—141; ebenso O. Hintze d. königthum Wilhelms v. Holland (1885) s. 55 f. R. Schröder d. rechtsgesch.³ 471. abweichend dagegen Th. Lindner d. deutschen königswahlen (1893) s. 171 (vgl. d. litt. angaben im vorwort).
β)
sieben rathsherrn, vgl. 3, g und siebener, siebenherr:
seht ihr das rathaus dort am stutz?
dort wähl ich meine sieben herrn.
Spitteler belladen s. 75.
d)
sieben heerschilde: in der selben wîse sint ouch die siben herschilde ûf geleit. der künic hebet den êrsten herschilt; die bischove und die apte und abbtissinne, die dâ gefürstet sint, die hebent den andern herschilt; die leien fürsten den dritten; die frîen herren den vierden; die mittelfrîen den fiunften; die dienstman den sehsten. und ze glîcher wîse als man niht enweiʒ, wenne diu sibende werlt ein ende nimpt, als enweiʒ man niht, ob der sibende herschilt lêhen müge haben oder niht. Schwabensp. 5, § 2; ebenso Sachsensp. 3, § 2; vgl. ferner Ficker vom heerschilde (1862). Schröder d. rechtsgesch.² s. 387 ff.
e)
ebenso werden sieben sippen (grade der verwandtschaft) gezählt: alse de herschilt inme seveden to stat, also to geit de sibbe an deme seveden. Sachsensp. 1, 3, § 2, vgl.§ 3 und Schwabensp. cap. 6, sowie Grimm rechtsalterth. s. 468 ff. auch hier ist die festsetzung der siebenzahl nicht ohne kirchlichen einflusz erfolgt, denn auch für diese war die begrenzung der verwandtschaft von wichtigkeit in hinblick auf das verbot der verwandtenheirat:
nû erteilent uns die canones
septem generationes.
unte cellent von eineme rippe
vile rehte siben sippe.
Diemer ged. 352, 6.
f)
sieben tage als frist: denselben kouff mag ain hofman jn syben nechten nach dem der kouff offen wirtt versprechen, wurd aber sölicher kouff jn syben nechten, nach dem unnd der offen wirtt, nit versprochen, so sol der by sinem kouff beliben. Grimm weisth. 1, 219. — sieben jahre:
dô gap der pâbst Gregorius
dem herzogen eine gâbe alsus,
daʒ Stîre unde Osterlant
nimmer kein ban würde bekant ...
in siben jâren.
zeitschr. f. deutsches alterthum 5, 286, 647.
g)
auch über diese feststehenden theorieen hinaus begegnet die sieben nicht selten im rechtsleben: item so wise ick ock vor recht, so ein guit man seiner frau ihr fraulick recht nicht doen könne, dat sey dar over klagde, so sall er sey upnahmen, unde dragen sey over seven erffthuine, unde bitten dar sinen negsten nabern, dat er siner frauen helffe. Grimm weisth. 3, 42, 27 (vgl. 7, d). — dâ ein frî Swêbenne êwet ain Swâb, der ist ain frî man, dâ muoʒ er im siben hantscuohe hân, mitten gît er siben wete (gelöbnisse) nâch dem swâbeschen rehte. schwäb. trauformel (denkm. nr. 99) 1 f.weiteres s. Grimm rechtsalterth. 213 f.
h)
der grosze normale galgen hat platz für sieben, s. galgen 2, ac, th. 4, 1, 1168: siehst du, dort ist der baum, wo siebene mit des seilers tochter hochzeit gehalten haben und jetzt das fliegen lernen. Grimm märchen 14 (nr. 4). daher ein galgen voll als volksthümliche umschreibung für sieben, s. galgen a. a. o.: sieben ist ein galgen voll, prov. septem patibulum implent ... septem faciunt convivium et totidem etiam in compositionem homicidii in convivio facti condemnantur. Steinbach 2, 587; een galgen vull (nach der ähnlichkeit der ziffer) Schütze 4, 160. ebenso auch sîbe ês e galgezàl Frommann 2, 410, 85, vgl. s. 414; söwen es en volle galleg Wander 4, 552, 13; schau dorthin — dort steht der dreibein, da hängt eine schöne gesellschaft dran — gerade ihrer sieben, was man so sagt: ein galgen voll. Bechstein märchenb. 139.
i)
sieben als normalzahl für ein gelage oder gasterei, s. Steinbach unter h; bei sieben ist's gelag, bei neunen wird's zur schmach. Wander 4, 552, 2, vgl. 11.
7)
auch in volksglauben, volkssagen und volksthümlicher litteratur hat sich sieben als typische zahl festgesetzt und auszerordentliche verbreitung erlangt.
a)
von personen:
α)
so daʒ der recke lobesam
nieman het wan siben man.
herzog Ernst 4149;
nit lang darauf kamen sieben rauber. Leoprechting aus d. Lechrain 139.
β)
so besonders in einigen festgeprägten gruppen: die sieben weisen meister, s. 2, b. — die sieben Schwaben. Grimm märchen nr. 119; abenteuer der sieben Schwaben. Aurbacher volksbüchl. 193, vgl. II, 3, c. hier hat die sieben erst in jüngerer zeit eine ursprüngliche neunzahl verdrängt (vgl. Grimms anm. und Weinhold a. a. o. s. 7): neun Schwaben, liset man im buͦch der alten ungeschehenen ding, wolten auch die welt erfaren. Kirchhof wendunm. 1, 318 Österley (1, 274);
neun Schwaben gingen über land
zu einer dornenhecken.
wunderh. 2, 301 Boxberger,
hier umarbeitung eines alten meistergesanges, den Birlinger-Crecelius (2, s. 410) mittheilen:
neun Schwaben giengen über lant,
die kamen alle sant
in einen grunen walt u. s. w.
— sieben Schweizer:
's taget über's Schweizerland ini,
und 's sizet sieben Schweizer am Rhein.
Birlinger volksthüml. 2, 291, nr. 288.
γ)
die sieben schläfer, s. siebenschläfer und siebenbrüdertag. — ähnlich die sieben faulen, nd. de sêben fûlen, bez. der rathsarbeiter im Kalenbergischen, Quedlinburg u. a., s. Schambach 188. nd. korrespondenzbl. 10, 94. 12, 29 (die an ersterer stelle vorgeschlagene abenteuerliche erklärung ist natürlich ebenso undenkbar wie unnöthig).
δ)
auffällig sind folgende stellen, die vielleicht auf zusammenhang mit der bösen sieben (s. sieben, f. 4) hindeuten: mein herr fürchtet sich für keiner, und solte sie gar meister Hämmerlein gehecket haben, oder von allen Margarethen, deren sieben den teufel ausz der hölle gebannet, auszgebrütet sein. kunst über alle künste s. 39, 10 Köhler, vgl. d. anm. s. 224;
und hendt dich die siben weüber geriten,
und dich der besze feindt yber striten.
Birlinger volksthüml. 1, s. 202
('ein segen für bösze leüth zue gebrauchen', um 1700).
ε)
sehr häufig ist von sieben kindern die rede; vgl. 4, d, η. so in der sage: der drit hörtzog disz volcks (der Langobarden), Agilmundus genant, hat gefunden in einer lach oder pfütz .vij. kinder, die auff ein mal ein huͦr ausz zogen unnd geboren hett. Franck weltb. 74ᵇ;
Adem dëer haͦt sibo së ̃,
sibo së ̃ haͦt Adem.
Birlinger volksthüml. 2, 51.
als typische zahl sprichwörtlich, vgl.:
der sun ist lieber sibenstunt,
dem man spricht: mîn einec kint,
denn dâ der kinder sibeniu sint.
Heinzelin v. Konstanz 2, 260;
daʒ gwarest spruchwort daʒ ist daʒ:
einiger vatter füret bas
syben kinder durch einn gatter,
dann siben kinder einen vatter.
Heinr. Wittenweiler ring 20ᶜ, 31.
ζ)
so besonders im märchen, wo die siebenzahl auch auf thiere und fabelwesen angewandt wird: der wolf und die sieben jungen geislein. Grimm märchen nr. 5; die sieben raben. ein mann hatte sieben söhne und immer noch kein töchterchen. 25; als es ganz dunkel geworden war, kamen die herren von dem häuslein, das waren die sieben zwerge. 53 (Sneewittchen); es war einmal ein armer korbmacher, der hatte mit seiner frau sieben jungen. Bechstein märchenb. 82;
doe ghinchi sitten met ghemake
met sinen wive vrauwe Haersenden
ende met sinen seven kindren.
Reinaert 2122.
siebenzahl der weiszen jungfern, s. E. H. Meyer mythol. § 225.
η)
sieben auf einen streich, s. 2, e. auch hier scheint die neun ursprünglicher, vgl.: ich will euch töd(e)ten wie die mucken, 9. in eym streich, wie jener schneyder. Garg. 254ᵇ.
b)
bei gliedern, körpertheilen: ihr habt ein bös thier im bauch, einen lindwurm mit sieben mäulern. Hebel 2, 140; (er) liesz sich alle tage frisiren, sieben locken übereinander. 231. — bildlich: indem er nicht einmal sein weib meistern könne, die freilich sieben häute habe, wie ein Memminger zwiefel. Aurbacher volksbüchl. 1, 208.
c)
sehr häufig bei zeitangaben.
α)
sieben stunden:
wer länger schlaft als siben stund,
verbringt sein leben wie ein hund.
Eiselein 567.
β)
sieben tage, vgl. 3, a. b. 6, f: nach den langen sieben tagen sol alles gestrafft und bezalt werden, die sieben tag werden nimmermehr kommen. Mathesius Sar. 11ᵃ; mhd. auch siben naht:
owî, gesentin unse trechtîn,
under ûch sô rîchin,
hê worde etlîcheme,
daʒ hê in sivin nachtin
virsmerze nîne mochte.
Rother 3873;
dô wart ein hôchgezît gemaht
unde ein hof, der siben naht
mit hôhen êren werte.
troj. krieg 23218.
sieben tage als trauerzeit, s. Wölfflin a. a. o. s. 348 f.
γ)
ganz besonders häufig ist eine frist von sieben jahren (vgl. 3, c): sieben jahr, sieben monat etc. sette anni (settennio), sette mesi etc. Kramer dict. 2, 804ᶜ; dhea uuehhûn avur in heilegim quhidim arfullant sibun iaar. Isidor 26, 15 Hench; ich habs vor sieben jaren gewusst, das huffnegel eisen sind. Luther 5, 141ᵃ; da blieb sie in dem hause sieben jahre ... darauf zog der könig umher, an die sieben jahre lang, und suchte sie in allen steinklippen und felsenhöhlen. Grimm märchen s. 130 (nr. 31); die taube sprach zu ihr 'sieben jahr musz ich in die welt fortfliegen: alle sieben schritte aber will ich einen rothen blutstropfen und eine weisze feder fallen lassen.' 342 (nr. 88); der teufel sagte: 'willst du dich bei mir vermiethen und mein knecht sein, so sollst du für dein lebtag genug haben; sieben jahre sollst du mir dienen, hernach bist du wieder frei.' 396 (nr. 100); du darfst in den nächsten sieben jahren dich nicht waschen ... und kein vaterunser beten. 400; da gerieth der vater in zorn und liesz einen finstern thurn bauen, in den kein strahl von sonne oder mond fiel. als er fertig war, sprach er 'darin sollst du sieben jahre lang sitzen'. 682; nun musz ich wieder sieben jahre warten, bis ein anderer kommt, der mich erlösen kann. Schambach-Müller nieders. sagen s. 89 f. (nr. 107, 3; über sieben jahre als erlösungsfrist vgl. Weinhold a. a. o. s. 45, anm. 1);
dicke wir vernomen hân,
daʒ sich erscheinet, daʒ ist wâr,
manec troum über siben jâr.
Reinhart 88;
ich lebet ê mit ungemache
siben jâr ê ich iht sprâche
wider ir willen einec wort.
minnes. frühl. 67, 4;
wi moghen daer wel seven jaer,
willen wi, wandelen onder die scade.
Reinaert 3168;
hîrumme môste ik do leren denen umme zolt
seven jâr lank beide papen unde leien.
des dodes danz 1123 Bäthcke;
'feins liebchen, wir müssen von einander,
ich musz noch sieben jahre wandern'. —
'muszt du noch sieben jahre wandern,
so heirath ich mir keinen andern'.
und als nun die sieben jahr um waren,
sie meinte, ihr liebchen käme bald.
wunderhorn 1, 103 Boxberger;
sie dingt das mägdlein ein halbes jahr;
das mägdlein dient ihr sieben jahr.
123;
es war einmal ein junger knab,
der liebt sein schätzlein sieben jahr,
wohl sieben jahr und noch viel mehr.
2, 335.
vgl. auch E. H. Meyer germ. myth. reg.
δ)
so häufig bei altersangaben, besonders im mittelalter typisch (als grenze der kindesunschuld bez. anfang des verständigen alters): sieben jahr alt, et siebenjärig, septennis. Stieler 2014; ein knabe von sieben jahren, puer septem annorum. Steinbach 2, 587; schon über seine sieben jahr seyn, haver già passato, avanzato l'età di sette anni, met. non esser più putto, gonzo, ferlingotto ò sempliciotto. Kramer dict. 2, 804ᶜ; unde brechte och met ir iren libesten nesten frünt, der wasz nuͦ söben yaer alt. Griseldis 15, 30 Schröder; und endlich bitte ich auch, das e. c. f. g. solche meine schrifft ... nicht für lesterschrifft oder schmachbrieff deuten (wollten), denn ich, gott lob, uber meine sieben jar komen, schier auch ja so viel können sol, was ein lesterschrifft sey oder nicht. Luther 5, 266ᵃ;
sist kiuscher, dann ein kint von siben jâren.
minnes. 2, 31ᵇ Hagen;
mîn frouwe diu ist edler danne tûsent jâr
unde ist tumber dan bî siben jâren sî ein kindelîn.
Neidhart vön Reuental 87, 34;
'heer coninc', sprach hi, 'u is nutte,
suldi immermeer ghenesen ...,
eens wolfs lever van seven jaren'.
Reinaert 5977.
d)
ähnlich in räumlichen beziehungen (vgl. 3, d):
α)
schon die offenb. Johannis kennt sieben gemeinden (in Kleinasien): Johannes, den sieben gemeinen in Asia. 1, 4, vgl. oben 4, c. ebenso heiszt eine deutsche sprachinsel in den venetianischen alpen de siben comeün (oder de siben perge), i sette comuni. cimbr. wb. 230ᵇ. ähnlich die sieben städte der Altmark, wo auch sonst die siebenzahl eine rolle spielt (7 kreise, flecken, ämter, klöster u. s. w.), vgl. Ledebur in Aufsesz anz. 1 (1832), 293 (ebenda auch die sieben wunder Jenas, die siebenmal sieben kennzeichen der stadt Rostock u. a.). der sagenhafte könig Bavo baut in Bavais einen tempel und mitten darin eine siebenkantige säule zu ehren der sieben planeten, von der aus sieben thüren des tempels, sieben gassen durch die stadt, sieben thore derselben und sieben heerstraszen bis ans ende der welt führen. J. Grimm kl. schr. 8, 497 f.; Friesland zerfiel im 10. jahrh. in sieben landstriche (die sieben seelande, s. das., th. 9, 2847) mit sieben landstraszen. 499. Siebensteinen, eine steingruppe bei Dambeck (unweit Wismar), s. Bartsch sagen aus Meklenburg 1, nr. 500.
β)
besonders häufig die sieben berge, li sette monti, settimontio. Kramer dict. 2, 804ᶜ; die sieben berge im Hildesheimschen, s. Ledebur a. a. o. (in demselben sinne die sieben brüder bei Alfeld, die sieben köpfe), cimbr. s. α. ebenso die sieben hügel Roms (vgl. 2, g und siebenhügelstadt), Constantinopels u. a.: von den sieben hügeln, welche Constantinopel später im 5. jahrhundert bedeckte, gehörten schon fünf zu der stadt, welche der kaiser damals schuf. Hertzberg gesch. des röm. kaiserreichs s. 679.
γ)
sehr oft haben solche bezeichnungen den werth von eigennamen und werden nicht selten zu zusammensetzungen verschmolzen, vgl. siebenbürgen, -gebirge, -bergen, -brunnen u. Ledebur a. a. o. ferner Sibentischholz, -wald, ein städt. Augsburg. wald, Sibenbrunnen, Sibenbrunnenfeld eine gegend ebenda, Sibenbrunnenbach, Sibenoichmad bei Memmenhausen s. Birlinger 387ᵃ. auch folgende bezeichnungen scheinen in solcher geltung zu stehen: in sieben eck-steinen (wachsen die und die pflanzen; der vorhergehende abschnitt ist überschrieben: auf dem Riesen-gebürge). Fleming t. jäger 6ᵇ; in denen sieben gruben. 8ᵃ (ebenso).
δ)
sprichwörtlich sagt man er ist oder ich wollte, ich wäre über alle sieben berge (gewöhnlicher blosz über alle berge, s. berg 8, th. 1, 1505), weit fort, nicht mehr zu erreichen: aber der schindknecht ist wol schon über sieben berge aus. Jucundiss. 45, im eigentlichen sinne im märchen: und das mägdlein ging den ganzen tag und ging über sieben berge. Bechstein märchenb. 110 (Schneeweiszchen);
frau königin! ihr seid die schönste hier,
aber Schneeweiszchen über den sieben bergen,
bei den sieben guten zwergen,
das ist noch tausendmal schöner als ihr!
112.
ε)
ähnlich:
der eines toden hundes haut
twinget, daʒ sie pellen muʒ, ...
des haut muʒ nach sime tode pellen,
und über siben acker schellen.
renner 12415.
ebenso ist typisch sieben herren länder: e wüeschte ma, wie's keine me in sibe herre ländere git! Eiselein 567; ähnlich:
wie schen der Neithart hatt ein weib.
auf erd kein huͦpscher, und so minigclichen, so woll gestalt,
findet man nit in siben küngkreichen.
Neithart fuchs 2153.
vgl.:
ir dienten siben fürsten lant.
Biterolf 2004.
s. ferner siebenmeilenstiefel.
ζ)
mhd. als umschreibung für das grab (bez. sarg):
swer siech und arm ze Akers vert,
dem wirt vil lîhte dâ beschert
ein hûs von siben vüeʒen.
Vridanc 163, 15;
vgl.:
niwet mêr er (Alexander) behîlt,
allis des er ie beranc,
wene erden siben vôʒe lanc.
Lamprecht Alex. 7276.
e)
weitere redensarten:
α)
sieben schönen (schönheiten) der frauen, s. R. Köhler Germ. 11, 217—221:
ich sprach: zart junckfraw, mercket, wie
ich steh, zu schawen ewer schön ...
der siben schön tragt jr ein kur,
die doch all siben traget jr.
da sprach die zart junckfraw zu mir:
seind denn der schön nit mehr denn siben?
wo habt jr das funden geschrieben?
ich sprach, ich hab bey meynen tagen
von siben schönen hören sagen.
sie sprach: der schön sind wol achtzehen.
H. Sachs 1, 507ᵇ.
das typische der siebenzahl zeigt sich besonders in scherzhaften verdrehungen wie: dann sie hatte die vier schöne an statt der vier tugenden, ja der siben schöne wol vierzehen. Garg. 76ᵃ;
sie hat der siben schon wol dreizehen.
fastn. sp. 72, 6;
und wenn ich die warheit sol jehen,
hets der siebn schön wol dreyzehen.
H. Sachs 2, 4, 29ᶜ.
β)
sieben sprünge, name eines tanzes, s. nd. korrespondenzbl. 13, 39 (in Meklenb.): ich weisz auch zu sagen, wie einem zu muth ist, wenn ihm der schweisz am kopf herunter rinnet, und zuletzt das hemd ärger davon tropfet, als einem baurenknecht bey denen sieben sprüngen wiederfähret. Heppe wohlred. jäger 276ᵃ. vgl. siebensprung und siebenhüppel. in anderm sinne:
drum nimm i a' junges frisch ding,
und mach halt mit ihr die sieben sprüng;
denn jugend ist g'sund, vosteht spasz und scherz,
und rammelt wie d' katzen im merz.
quelle (des 18. jh.) bei C. Regenhardt d. deutschen mundarten oberd. s. 158.
f)
oft steht die zahl sieben ohne besondere bedeutung als typische zahl überhaupt, z. b.: natûr trekt mêr dan seven perde. Tunnicius 795; ich hab' heut schon mehr geschwätzt als sieben weiber und drei professor. Auerbach dorfgesch. 2, 152. so in vielen festgeprägten verbindungen, die zum gröszten theil schon aufgeführt sind, z. b. sieben herren länder, über alle sieben berge, s. d, δ. ε. so besonders auch in der überaus häufigen redeweise sieben sachen, habseligkeiten: seine sieben sachen packen Borchart² nr. 1093; nimm deine sieben sachen glei mit. Albrecht 212ᵇ. meist zu éinem wort zusammengerückt, s. siebensachen. dafür auch bair.-obersächs. (in niederer redeweise): siben zwe(t)schen Schm. 2, 1184; ich habe deine sieben zwetschken zusammengepackt. Albrecht 212ᵇ; ár hàt sei ̃ siebn zwetschger zsàmm gepàckt. Frommann 6, 327, 438 (fränk.); baͦck daini siebn zweschb'n zaͦma, schnüre dein bündel und nimm reiszaus. Castelli 275. hier haftet der zahl sieben deutlich der begriff des geringen, armseligen an. mit demselben nebensinne sagt man in Leipzig auch: flechten sie sich ihre sieben haare. Albrecht 212ᵇ.
g)
ebenso wol auch in folgenden im einzelnen nicht klaren redensarten: aber Belialn lobet er uber sieben schellen, unnd saget, er were als ein geschwinder jurist wol werth, dasz er eine güldene ketten unnd rohten rock trüge. Ayrer hist. proc. 297;
das muncket weib spricht:
ja, kombt mein volle saw zu nacht,
ich werd die sieben wort jm sagen.
H. Sachs 4, 3, 36ᶜ;
Aprillenkalb mit deinen sieben stanga,
's jahr will de wieder fanga.
Birlinger volksthüml. 2, s. 93.
8)
zusammenfassend läszt sich etwa folgendes feststellen:
a)
als bloszer zahlbegriff hat sieben bald den nebensinn des kleinen, armseligen, so deutlich in sieben sachen (s. 7, f und siebensachen) und den synonymen, bald dagegen den werth einer steigerung. dies ist in der regel der fall in zusammensetzungen, s. siebenschön, siebenseltsam, siebendick, siebenbös.
b)
aber auch hier hat es zumeist einen abgünstigen nebensinn und wird mit vorliebe zu schimpfwörtern gebraucht, s. (auszer siebenbös, -dick) siebenketzer, siebensortenflegel, -lump, Siebenwurst. nach einer andern richtung ist der begriff gewendet in siebengescheid, siebensinnig, siebenkünstler, s. diese.
c)
überhaupt ist sieben nicht nur die heilige, sondern auch die böse zahl. dies mag in einigen fällen seine besondern concreten gründe haben, so z. b. sieben als 'lüge', s. 6, b, als galgenzahl, s. 6, h, sieben teufel, s. 4, b, sieben todsünden, s. 5, d. aber die anrüchigkeit der sieben ist offenbar viel älter, denn schon in Babylon gelten der 7. und entsprechend der 14., 21., 28. und 19. (7×7=49-30=19) monatstag als böse tage, an denen man verschiedenes nicht thun und nicht essen darf, s. Jensen zeitschr. f. d. wortf. 1, 153. es besteht augenscheinlich zwischen dieser auffassung und der heiligkeit der siebenzahl ein uralter, ursprünglicher und wesentlicher zusammenhang, vgl. darüber sieben, f., 4 und beil. zur allgem. zeitung 1900, nr. 257.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 780, Z. 8.

sieben, n.

sieben, n.
siebenzahl, gesammtheit von sieben, seltene substantivierung (anstatt des gewöhnlichen fem., s. unten): es ist alter wahn, gedicht, weisheit, geheimnisz, religion gewesen, die kleine welt, die menschheit sei durch das vollkommene sieben! gemessen, gewogen, geformt, gebildet und wie im koncert aus der ganzen natur siebenfach harmonisch zusammengeklungen. Herder 6, 315 Suphan; betrachte allein dies unvergleichliche sieben! dies göttliche seelenvolle menschenantlitz! 321; das erste buchstabenbild also ... war — das verkürzte sinnbild der figur des heiligen sieben. 340; es war das klingende sieben! die tönende leier des weltalls. 342.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 799, Z. 44.

sieben, f.

sieben, f.,
das zahlwort sieben in substantivischer function: siben (die) septem Maaler 372ᵈ; sieben (die) numerus septenarius Steinbach 2, 587; zuweilen auch in der form siebene, s. die belege (schweiz. sìbni Hunziker 240).
1)
eine gesammtheit von sieben dingen, so nicht oft:
da senkt des himmels wagen
der sterne heil'ge sieben.
Platen 81ᵃ (ghas. 90).
so auch: jeder kennet das bild der sieben am menschen. Herder 6, 315 Suphan, vgl. sieben, n. aber auch das siebente glied einer reihe (kann auch zu 2 bezogen werden): dieser (der siebente) incidentpunkt endigte das protocoll des rechtsfreundes, so dasz mit der sieben diese punktation abgeschlossen ward. Hippel 9, 65; in scherzhaftem wortspiel mit der bedeutung 4: und so ward auch diese punktation mit der bösen sieben beschlossen. 67. s. ferner Klopstock unter 4, b.
2)
der zahlbegriff und das zahlzeichen, die ziffer sieben; eine sieben schreiben, die sieben ist undeutlich u. ähnl.; schweiz. sìbni Hunziker 240: die himmlische wolkenwelt, wo drei und sieben sich eins fühlen und mit neunen und fünfen in ungebundener seligkeit durcheinander taumeln. Ric. Huch Haduvig im kreuzg. 112;
da kam ein schuster und sagte: der kopf
der nummer drei, der sähe
wie eine kleine sieben aus,
die auf einem halbmond stehe.
die sieben sei aber die mystische zahl
der alten Pythagoräer.
H. Heine 1, 291 f. Elster.
3)
die siebene in karten, le sette di carte. die hertz-, rauten- etc. siebene. Kramer dict. 2, 805ᵇ; siebene, die, in charta lusoria dicitur hebdomas. Stieler 2015; eine siebene in dem charten-spiel, hebdomas in foliis chartae lusoriae. Frisch 2, 274ᵃ; da (auf den würfeln) machen sie drii oder sibene, da bassen (paschen), da das und das ein (wol namen von spielen). Keisersberg tractat von kaufl. 103ᵇ, s. Alw. Schultz d. leben im 14. und 15. jahrh. s. 514;
spielst du lombre und primero
und piquet, müssen die trümpfe,
und die kön'ge, und die sieben,
alle as dir werden flüchtig.
Tieck don Quixote⁵ 2, 425 (10, 5).
4)
ungemein häufig ist die redensart eine böse sieben (Simrock sprichw. 9516) zur bezeichnung eines bösen, unumgänglichen weibes: das weib ist eine böse siebene, de malâ muliere. mala merx haec mulier, et callida est. Stieler 2015.
a)
sie ist schon im 16. jahrh. nachzuweisen (nicht erst 1664 oder 1662, s. Kluge und John Meier beilage zur allgem. zeitung 1899, nr. 65. 92): wider die böse sieben ins teufels karnöffelspiel, titel einer schrift von Cyr. Spangenberg vom jahre 1561 (s. Gödeke grundr.² 2, 480, schon bei Borchart angezogen, s. unten); worümb ich aber jm den titel geben, wider die böse sieben, .. wird der guthertzige leser zuvernemen haben ... dieweil es dan der teufel, der im karnöffel spiel sieben heisset, so arg kaum machen kan, als die sieben buben, wider derer gotteslesterung, lügen, calumnien und falsche lere, ich in folgendem buch geschrieben, habe ich sie nach jhres vatern des ersten lügeners, und mörders namen, auch die böse sieben nennen wollen. vorr. 3ᵃ. 4ᵇ; ist denn deine fraw so eine böse siebene, und eine solche böse wettermacherin? Olorinus Variscus ethogr. mundi (1614) 2, 8; die böse sieben, von welcher heute zu tag die unglückseligen männer grausamlich geplaget werden (titel) von Balth. Kindermann (Zeitz 1662), s. Gödeke grundr.² 3, 90 f.; das poetische frauenzimmer, oder böse sieben. erste satyra in Rachels x. satyr. ged. Freyburg, im hopffen - sack s. 5 (zuerst erschienen 1664), vgl.: zumahlen aus demselben (dem 'poetischen frauenzimmer') vor kurtzer zeit Joachimus Rachelius, in seinem satyrischen geticht, (die böse sieben genannt,) das vornemste geborget. Brandt bericht vom leben Taubmanns (1675) s. 19; probe einer bösen sieben, woran weder schroot noch korn, (i. e. gemüthe noch geblüthe) gut. Rachel s. 136 (überschrift); ich bin mit einem weibe an beseligungsstatt gequälet gewesen, von welchem ich wohl hab glauben können, dasz sie ausz der rippen ohne zuthuung eines quentlein fleisches gemachet gewesen: weil ihr hartnäckichtes widerwilliges thun und vorsetzlich eigenhirniges lassen solches mehr als zu viel bezeuget, sie wär eine von den bösen sieben, ob die sechse noch leben, weisz ich nicht. kunst über alle künste (bearb. von Shakespeare's the taming of the shrew aus dem j. 1672) s. 6, 4 Köhler; die entlarvte böse sibene. titel einer schrift vom jahre 1723; und so ward mir allemal von ihr begegnet, so offt mich mein gutes und ehrliches hertz verleitete, dieser bösen sieben mit gröszter liebe und sanfftmuth .. einige vorstellung zu thun. ehe eines mannes (1735) 251; die höflichkeit des mannes gegen seine frau, diese böse sieben. Pierot (1742) 1, 347; und obschon eine böse sieben des besten mannes los sein mag. der aufgebrachte ehemann (1753) s. 155; und wer ist schuld, als jene böse sieben (Fortuna), die mir stärke und tapferkeit verlieh, mich aber dafür so wie eine gestutzte weide hat behauen lassen. Tieck 3, 15; ein glück war's, dasz meine böse sieben gestorben. Arnim 10, 287; aber der rathsherr hatte einen feurigen drachen im haus, und das war sein weib. eine so böse sieben, als nur immer eine einen armen ehmann geplagt. Leoprechting aus dem Lechrain 122;
da lernt' ich schon an meiner bösen sieben,
es sey das alte sprichwort wahr:
wer weibern traut, hat in den wind geschrieben.
Mich. Kongehl (gest. 1710), der unschuldigbeschuldigten Innocentin unschuld s. 7;
seht mir doch mein holdes kind!
keine bitterböse sieben
würd' ihr mütterchen so lieben.
Bürger 58ᵃ (muttertändelei);
o sie hat arge tück' in ihrem zorn.
sie war 'ne böse sieben in der schule,
und ist entsetzlich wild, obschon so klein.
Shakesp. sommernachtstraum 3, 2.
b)
so auch:
die böse sieben
hypochondrie.
Göckingk 1, 201.
mit einer art wortspiel von einer wirklichen hebdomade:
sechs der bezeichnungen haben die Aethiopier für jeden
laut; die Franzosen für's e (fabelhaft scheint's, und ist wahr)
zweymal die böse sieben!
Klopstock 7, 355.
auch name eines baches, der durch Eisleben flieszt und früher meist Willerbach oder Wildeflutgraben hiesz, in mundartlicher form bîse sewwene, s. Jecht 103ᵇ f.
c)
die erklärung dieser ausdrucksweise hat man auf verschiedenen wegen gesucht, vgl. Wander 4, 553, 21.
α)
ganz abzuweisen ist der von K. Rüdel bei Frommann 3, 357 vorgeschlagene und von Andresen volksetym.⁴ 177 f. aufgenommene versuch, sieben aus einer art volksetymologischen miszverständnisses für sima, siemann (s. daselbst) zu erklären, da weder lautlicher zusammenfall beider wörter denkbar ist noch die älteren belege irgendwie sich damit vereinigen lassen.
β)
Eiselein 567 erklärt: ein' böse siben, — eine aus der sibenten bitte ('sondern erlöse uns von dem ubel' Matth. 6, 13); das sprichwort sie ist aus der siebenten bitte hat auch Simrock 9517; doch ist schwer einzusehen, wie daraus die verwendung des einfachen zahlworts herzuleiten wäre (s. auch Paul d. wb. 418ᵃ).
γ)
Weigand 2, 708 denkt an die sieben todsünden (s. sieben III, 5, d); dasz diese scherzhaft auf menschen angewandt werden können, ist jedenfalls durch den dort beigebrachten beleg gesichert.
δ)
damit hängt ein anderes zusammen: in Rachels erster sat. bezeichnet die böse sieben eine wirkliche mehrheit, nämlich sieben classen böser weiber, denen dann als achte die durch die biene versinnbildlichten guten entgegengestellt werden, beides nach dem vorbilde des Simonides von Amorgos, vgl. Borchart² nr. 1091 und Kluge beilage zur allgemeinen zeitung 1899, nr. 65. wenn letzterer in dieser stelle überhaupt den ursprung der redensart sieht, so ist das natürlich irrig. immerhin aber könnte man mit Köhler kunst über alle künste s. 214 in dem plur. das ursprüngliche sehen, daher im sing. eine von den bösen sieben. denn auch bei Spangenberg ist mit der bösen sieben eine mehrzahl gemeint (zwar nicht von weibern, sondern von schriften und autoren. ähnlich noch bei Georg Wesenigk in seiner schrift: das spiel-süchtige, sieben-fächtige polysigma der bösen spielsieben, in sich begreiffende die spiel-schande, spiel-sünde, spiel-schertz, spiel-schäden, spiel-straffen, spiel-schläge, spielsprüche. Dresden 1702). — wenn in neuerer zeit böse sieben als mehrzahl gebraucht wird, so wird freilich der spezielle zahlbegriff dabei nicht mehr empfunden: die Musen sind keine bösen sieben, sondern eben so gefällige als keusche mädchen. Kretschmann 5, 379; werfen sie mich mit den bösen sieben nicht in eine verdammnisz, mamsell Jettchen! ich habe gewisz und wahrhaftig ein gutes gemüth. Gotter schausp. 296.
ε)
die richtige erklärung deutet vermuthlich die schrift von Spangenberg an. beim karnöffelspiel, einem im 15.—16. jahrh. sehr beliebten und sehr oft zu satirischen zwecken bildlich verwendeten kartenspiel mit 48 karten, deren jede neben der zahl ein bild trug, war die sieben der teufel, zugleich freikarte und die einzige karte, die vom karnöffel nicht gestochen wurde, s. theil 5, 220 f. Joh. Voigt in Raumers histor. taschenb. 9 (1838), 402—7. Alw. Schultz d. leben im 14. u. 15. jh. s. 175. 514—6. von hier aus konnte sich dann ohne weiteres der ausdruck die (böse) sieben als euphemistische bezeichnung des teufels ergeben, wenn sie nicht bereits vom spiel selbst vorausgesetzt wird. in diesem falle läge es am nächsten, den teufel gewissermaszen als die sieben todsünden in einer person zu fassen. doch ist diese vorstellung wahrscheinlich älter; auch scheinen sonst noch unbekannte traditionen hineinzuspielen; endlich sei daran erinnert, dasz sieben überhaupt als unglückszahl gilt ( Adelung), s. John Meier beil. zur allgem. zeit. 1899, nr. 131, sowie 1900, nr. 257.
ζ)
die übertragung auf ein böses weib lag dann sehr nahe, wie auch alter satan, teufel (s. das. 19, d, th. 11, 276), satansdrache u. a. bei dieser ableitung folgt die anwendung auf eine einzelne person ohne weiteres, wie sie bereits bei Olorinus Variscus (1609) vorliegt (hier offenbar im sinne von 'hexe'), und augenscheinlich nicht als neuerung. auch bei Rachel kommt sie neben der pluralischen bedeutung vor, allerdings erst in dem später hinzugefügten (apokryphen?) 'verkehrten weiber-lob' (vgl. oben b):
disz ist die probe nun von einer bösen sieben,
wie sie auff der capell der laster abgetrieben.
s. 139.
merkwürdig ist allerdings, dasz zuweilen auch von sieben bösen weibern die rede ist, s. sieben III, 7, a, δ.
d)
selten wird sieben allein im gleichen sinne gesagt, so schweiz. sìbnì als scheltwort für ein weib. Hunziker 240; der vater ist ein pedant, die mutter eine sieben, gegen die Hiobs geduld noch viel eher zu kurz gekommen wäre. Leisewitz in Herrigs archiv 31, s. 404 (brief vom 6. sept. 1781). — im ostfries. 't is 'n malle sȫfen, ein verrückter, verdrehter mensch ten Doornkaat Koolman 3, 254ᵃ. — eine nachbildung der bösen sieben ist die gute sieben wunderh. 2, 335 überschr.
5)
nummer sieben ist eine euphemistische umschreibung
a)
für den galgen, vgl. sieben III, 6, h: folge du nur meinem rath, ich will dir schon den weg zeigen, die taschen eines albernen schafskopfs zu leeren, ohne im geringsten in gefahr vor der groszen nummer sieben zu kommen. 'die grosze nummer sieben? rief Patridge; mein sagen sie mir doch, ich bitte sie, mein herr, was ist das für ein ding?' je nun, mein herr, sagte der fremde, das ist ein kunstwort, das den galgen bedeutet; denn so wie die spieler in ihrer sittlichkeit nicht sehr unterschieden sind, so kommen sie auch in ihrer sprache sehr miteinander überein. Tom Jones (Nürnb. 1780) 2, 358 (buch 8, cap. 12).
b)
für das gefängnis (vielleicht aus a abgeblaszt, vgl. auch nummer sicher): wenn man mit einander aus numero sieben fort will, so nimmt man's nicht so streng mit dem glauben. Kurz sonnenwirth 305.
6)
die sieben als schiffsname:
hier die fregatte, bauschig rings von weiszen,
halbvollen segeln, kämpfend mit den winden —
o gott, ihr name mahnt an alte sünden! —
'die sieben' heiszt sie! mag kein strick ihr reiszen!
Freiligrath⁵ 3, 100 (flottenträume 3).
7)
wortspielend sagt man zuweilen (bei) meiner sieben für (bei) meiner sechs, vgl. sechs, f., 2, th. 9, 2780 f.: bey meiner sieben! per le mie sette! specie di giuramento burlesco. Kramer dict. 2, 804ᶜ; schles. meiner sieben! Frommann 5, 91; nd. min sēwen Woeste 235ᵇ, vgl. Andresen volksetymol.⁴ 279, anm. 5.
8)
ganz singulär ist die wendung: dieser umstand konnte indesz ... der cousine keinen abbruch an ihrer fräulichen ehre thun; vielmehr hatte der rechtsfreund quaestionis die sache so in die sieben geleitet, dasz cousine ... vom gewissensrath als fräulein proclamirt ... wurde. Hippel 8, 88.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 799, Z. 55.

sieben

sieben
für siebente, s. das. (besonders einleitung und 4, c).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 802, Z. 39.

siebt, n.

siebt, n.
'in den nd. hohen ländern, eine art sense oder sichel, welche aus einem 12 zoll langen und 2 zoll breiten messer bestehet, welches wagerecht an einem drey fusz langen stiehle hängt, der sich im umfange des dritten fuszes seiner höhe auswärts beuget, die heide damit abzumähen, oder vielmehr abzunarben, das heidesiebt' (vgl. daselbst, theil 4, 2, 809), brem. segd, ähnlich osnabr. sift. Adelung. Jacobsson 4, 155ᵇ, vgl. sicht 10, b und die daselbst angezogenen stellen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 838, Z. 1.

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seufzung siegeswonne
Zitationshilfe
„siebt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siebt>, abgerufen am 23.10.2021.

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