siebzehn
Fundstelle: Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 838, Z. 54
und ableitungen s.siebenzehn.
siebzehn siebenzehn zahlw
Fundstelle: Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 829, Z. 59
sieben und zehn, septendecim.
1)
formelles.
a)
die bildung, d. h. die blosze nebeneinanderstellung im sinne der addition und die vereinigung unter einem wortaccent ist schon urgerm., ja nach ausweis von lat. septendecim, skr. saptádaçan wol schon indogerm. eingetreten: got. unbelegt, altn. sjautján, ags. seofontýne, englisch seventeen, s. Fick³ 3, 323. Weigand 2, 709; alts. sivontein (Freckenh. heber.), mnd. und ahd. unbelegt, mhd. sibenzehen. Lexer handwb. 2, 900.
b)
auch im nhd. findet sich noch die viersilbige form: sibenzähen septendecim, decemseptem numero. Maaler 372ᵈ; siebentzehen, dix sept Hulsius 298ᵃ; sieben-zehen, deci-sette, settendici. Kramer dict. 2, 805ᵇ; so noch Frisch 2, 274ᵃ. ebenso durchweg in Luthers bibelübersetzung: Joseph war siebenzehen jar alt. 1 Mose 37, 2; und Jacob lebet siebenzehen jar in Egyptenland. 47, 28; ebenso 1 kön. 14, 21. 2 kön. 13, 1. gewöhnlich mit kürzung des zweiten gliedes siebenzehn.
c)
wie neben siebente siebte, so wird neben siebenzehn mit kürzung auch des ersten gliedes siebzehn gebildet. eine vorstufe dazu ist bereits im 15. jahrh. zu belegen:
seszehen, siebezehen, achtzehen.
Alsf. passionssp. 3206.
mundartlich wird auch siebzehn schon früh aufgetreten sein, wenn auch die litteratur mit zähem conservativismus an der längern form festhält. schon bei Stieler 2605 steht dicht nacheinander: siebenzehn, septendecim, und: siebzehn an der zal, decemseptem numerô. ebenso bei Schiller (s. unten 2, d) und noch bei Hebel: (der weinschlag) stieg 1789 auf siebzehn pfund zehn schilling ... der dinkel aber galt ... 1730 ein pfund und zwölf bis siebenzehn schilling. 3, 50. Adelung kennt siebenzehn als oberdeutsch und biblisch. 'allein da die Hochdeutschen niemals so sprechen, warum sollten sie so schreiben?' auch in der heutigen umgangssprache wird ausschlieszlich die kürzere form angewandt und in den meisten zusammensetzungen kennt auch die litteratur nur sie.
d)
dagegen hat sich in den mundarten die vollere form des ersten gliedes besser gehalten: schweiz. sìbezëhe Hunziker 240, bair. sibe ̃ze ̃hhe ̃ Schm. 2, 209, kärnt. simzina Lexer 232, und besonders nd. sewenteijen Dähnert 423ᵃ, säöwntein Danneil 181ᵃ, sȫfentein ten Doornkaat Koolman 3, 254ᵃ, sêbentein Schambach 188ᵇ, siewentien Woeste 236ᵇ, um Hofgeismar sewwenteine nd. korrespondenzbl. 10, 17.
2)
bedeutung.
a)
für die gewöhnliche verwendung genügen einige beispiele: jetzt aber machte auch Pisa gröszere rüstungen und sandte siebzehn galeeren gegen die Genueser. Giesebrecht kaiserzeit 5, 525. besonders bei altersangaben: darum ging auch unser Aloys, obgleich er schon siebzehn jahre alt war, am liebsten mit uns kindern um. Auerbach dorfgesch. 1, 3; die kupferschmiedin war siebzehn jahr alt, wie sie geheiratet hat. 2, 170. als typisches alter: die alten und garstigen (frauen) .. kommen in ein jungbad, damit das (schlaraffen-) land begnadigt ist, .. darin baden die alten weiber etwa drei tage oder höchstens vier, da werden schmucke dirnen daraus von siebzehn oder achtzehn jahren. Bechstein märchenbuch 107.
b)
sprichwörtlich: siebenzehn und ein krätlein (körbchen) voll, schwäb. siebezeah un a säckle voll. Wander 4, 556; westfälisch dà siffe (sind wir) jà alle siewentien (alle zusammen). Woeste 236ᵇ. in Meklenburg zwei bis siebzehn zur bezeichnung einer unbestimmten, nicht groszen anzahl.
c)
siebzehn kreuzer drücken, ist im pfänderspiel eine bekannte art zu küssen, wenn nämlich die mannsperson, der dieser dienst aufgetragen worden, seine beiden hände mit des frauenzimmers händen kreuzweis einschlieszt, und ihr über das solchergestalt formirte kreuz, welches zehen bedeuten soll, noch sieben küsse drüber giebt. frauenzimmerlexicon² 3266.
d)
in zusammengesetzten zahlen: der kinder Harim, tausent und siebenzehen. Esra 2, 39; die waren alle kinder Jediael, .. siebenzehen tausent, zwey hundert. 1 chron. 8, 11; draussen stehn siebenzehnhundert unter mousqueten ergraut. Schiller 2, 103 (räuber 2, 3 schauspiel); daneben: wir pursche frisch heraus zu siebzehn hundert. 32 (1, 2).
Zitationshilfe
„siebzehn“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siebzehn>, abgerufen am 18.11.2019.

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