Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

siedelung, siedlung, f.

siedelung, siedlung, f.
niederlassung, mhd. sidelung in sidlungreht Lexer handwb. 2, 905. das wort ist erst im 19. jahrh. recht üblich geworden. die zweisilbige und die dreisilbige form gehen auch heute noch unterschiedslos durch einander.
1)
die handlung des siedelns Campe; so selten: schon damals war Siebenbürgen und Ungarn in geistiger abhängigkeit von der cultur und bildung Deutschlands, eure siedelung hat diese abhängigkeit sehr vermehrt. Freytag ges. aufs. 1, 114.
2)
gewöhnlicher der ort einer niederlassung: so muszten die augen des frommen mannes gar ein eigenes absehen haben, und es schien für ein alleiniges, verwaistes töchterchen kaum rätlich, seine siedlung zu betreten. Anzengruber³ 4, 116; doch so a siedlung aum wasser is nit zu vergleichen einer heutigen ortschaft. 339;
aber eilt sofort
in eine sied'lung still und abgelegen.
Shakesp. liebes leid u. lust 5, 1;
wer verlaszne sidelungen je besucht' am abend,
und die trümmer dort befragte, die nicht antwort gaben.
Rückert Hamasa 1, 267.
3)
in freierer verwendung von thieren u. ähnl.: hierher gehört die ganze gemeinschaft der bienen in ihren verschiedenen siedelungen, dasz sie einen vorsteher über sich zum könig einsetzen ... ferner die weise, wie sie ihre wohnsitze, siedelungen und sechseckige an einander hängende geschützte häuschen herstellen, ohne einen zirkel zu gebrauchen. Dieterici thier u. mensch 135; wenn doch diese menschen den zustand der ameisen kennten, wie sie sich ihre siedelungen, wohnsitze und häuser bauen mit vorhallen, vorhöfen und söllern und unter einander verbundenen stockwerken. 136; moose, flechten, graugrüne gräser, ranunkeln, steinbrecharten bilden vereinzelte ärmliche siedelungen zwischen den verwitterten steinfugen. Brehm thierleben² 3, 373.
4)
in steirischen taidingen des 15.—17. jahrh. bedeutet sidlung 'gerichtssitzung': und die jezgeschriben zwo stift werden die sidlung genant. 511, 34; der soll sich zu dem probst fügen und in die stift oder sidlung komen. 39; adi 25. novembr. 1557 in der sidlung. 518, 35; s. ferner das glossar und siedlungszeit.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 866, Z. 39.

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seufzung siegeswonne
Zitationshilfe
„siedelung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siedelung>, abgerufen am 24.10.2021.

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