Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

siedig, adj.

siedig, adj.
1)
adjectivbildung zu sieden, vgl. siedend, siedenig, siedicht und süttig, mhd. siedig Lexer handwb. 2, 912. nhd. in den wörterbüchern nicht beachtet, besonders in mundartlicher redeweise, vgl. unten.
a)
eigentlich, attributiv: und nam das kind eines nachtes und stiesz es in ein siedigen hafen bei dem feuer. heiligenleb. (1472) 24ᵃ; ein prewjung (fiel) in einen siedigen kessel. quelle bei Schm. 2, 227; sihe ob dein salb nun auch gut seye für den brand von siedigem öl, von zerschmoltzenem bley, von ewigbrennendem schweffel und bech. Philand. 1, 320; er (der teufel) holt dich und abi geht's in' erdboden, weisz wieviel tausend meilen, wo der siedige schwefel brennt. Anzengruber³ 5, 161. so auch in lebenden mundarten, tirol. s. Schöpf 673, rhein. Kehrein 1, 372.
b)
so besonders ein siedig donnerwetter schlage mich in den boden. Auerbach dorfgesch. 1, 332; pfälz. da soll ein siedig dunnerwetter neischla'n. Autenrieth 132. — e siedige maulschelle. Schm. 2, 227.
c)
prädicativ: siedig sein fervere. Calepin (1570) 577; lasz den wein mit sampt dem honig sieden, und schütts darnach also siedig an das bluet. Seutter 303.
d)
mit heisz zusammengestellt: wie die feind mit heissem öl beschüttet, und mitt siedigen heissen kösslen geworffen. Hedio Josephus (1531) vorr. s. 10; ihr wurde siedig heisz und himmelangst. Felder reich u. arm 302; alemann. 's wird em siëdig heiss. Frommann 5, 405, 47. meist in éin wort zusammengerückt, s. siedigheisz.
e)
mundartlich oft in freierer anwendung, so pfälzisch 'wütend, schnell, auszerordentlich'. Klein 2, 154. Autenrieth 132. in der gaunersprache siadi zornig, aufbrausend. Avé-Lallemant 4, 608.
f)
schwäbisch abgeblaszt für 'sehr', siedig lang, lustig, sogar siedig kalt. Schmid 494. Schm. 2, 227. Schöpf 673. nur diese bedeutung (auszer 2, a) kennt Campe (aus Ulm).
g)
hier auch substantiviert der siedig. α) der angstschweisz: der siedig geht mir aus, mir ist angst und bange. Schmid 494. Schm. 2, 227. β) kaffee: man trinkt dann noch einen 'siedigen' (kaffee). Birlinger volksthüml. 2, s. 374, vgl. wörterb. 85.
2)
ganz vereinzelt begegnen andre wörter gleicher lautform:
a)
submissa voce, mit siediger, erlassener stimme. Apherdian (1577) 13 bei Frisch 2, 273ᵇ, der es wol mit recht zu sied, niedrig, stellt.
b)
am Westerwalde und im rhein. Hessen sidig (gespr. sihrigh) langsam, s. Pfister 275.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 883, Z. 26.

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Zitationshilfe
„siedig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siedig>, abgerufen am 23.10.2021.

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