Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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siedlich, adj.

siedlich, adj.
1)
zu sieden, was gesotten werden kann, adverbial, auf dem wege des siedens; kaum in gebrauch. dafür: opopanacum zerlasz in zwo masz essig seudlichen, und so er zergangen, seihe jhn durch ein tuch, dan lasz den essig darvon sieden. Paracelsus chir. schrift. (1618) 445 C.
2)
in anderm sinne (vgl. siedig 2) in fränkischen mundarten: mittelfränk. siedli nach und nach Reinwald 2, 160, pfälz. silich leise Autenrieth 132, luxemb. sidlech sanft, e sidleche reen (regen) Gangler 417.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 884, Z. 66.

sudlich

sudlich
s.sudelig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 974, Z. 30.

südlich, adj. und adv.

südlich, adj. und adv.,
ende des 15. und im 16. und 17. jh., zunächst als adverb, in der mnd. seemannssprache nachweisbar (sieh unten 4 a und b, sowie 1 b), etwa gleichzeitig mit mndl. zuydelik (1485), s. Verwijs-Verdam 7, 2401; sudelijc australis v. d. Schueren 385ᵇ Verdam; australis, meridionalis Kilian (1605) 541. für die hochdt. schriftsprache stehen zeugnisse erst seit dem 17. jh. zu gebote, z. b. Comenius jan. ling. res. (1638) a 5ᵇ; J. Scheffer Lappland (1675) 28; Prätorius sommervögel (1678) vortrab a 7ᵇ; Stieler (1691) 2238. — umlautlose formen im mnd. des 15. jh. (s. u. 4 a), sowie nur sehr sporadisch im hd. sudlich Scheffer a. a. o.; Dapper America (1673) reg.; Breslauer slg. 3 (1717) 168, s. u. 2 und 1 b.
1)
als reine richtungsbestimmung, relativ gesehen, süd 1 a entsprechend.
a)
gegen, im süden liegend; südlich oder mittäglich 'wird von allen gegen süden ... gelegenen gegenden und ländern gesagt' Chomel 8, 1794:
hier (auf dem Rugard) eine hütte,
wo die liebliche thalkluft
gegen den südlichen see
abschlieszt
E. M. Arndt ged. (1840) 157;
so gern von teilen von ländern, städten und sonstigen räumlichkeiten im gegensatz zu andern himmelsrichtungen insbes. zu nördlich: die südlichen länder Europas, die südliche halbkugel der erde Campe 4, 747; das sudliche und gröste theil von Lappland J. Scheffer Lappland (1675) 28; der lebhafte verkehr mit den landbewohnern, besonders nach dem südlichen theil der stadt zu H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 58; die südliche hälfte des Gran-Chaco Peschel völkerkde (1874) 229; im südlichen Deutschlande Fr. Schlegel 6, 161; im südlichen Asien A. v. Humboldt kosmos (1845) 1, 10. so auch das südliche fenster, zimmer eines hauses, das südliche haus eines dorfes u. ähnl. weiterhin: Nigerstrom, an dessen südlichem ufer ... Jinnie liegt Ritter (1822) 1, 333; die ... südliche westküste Krünitz 178, 3; südliche grenzen Heyne dt. wb. 3, 912. in erweiterter anwendung: die slavische (sprache) theilt sich in zwei hauptdialekte, den nördlichen und südlichen Göthe I 41, 2, 147 W.; das gestade der südlichen Volsker Mommsen röm. gesch. (1865) 1, 143. technisch: südliche bergseite (forstwesen) derjenige abhang eines gebirges, so gegen mittag liegt Jacobsson techn. wb. (1794) 7, 494. — geographisch-nautisch: nord- und südliche grade (der erde) Herder 13, 26 S.; nördliche u. südliche breite, s. Campe; bis zum 34. grad südlicher breite Krünitz 178, 3. — astronomisch: die südliche oder mittägliche sphära ist die, in welcher der südpol über dem horizont steht Chomel 8 (1757) 1417; die ... wilden der südsee jenseit des südlichen wendezirkels Lavater physiogn. fragm. (1775ff.) 4, 318; gestirne ... werden in nördliche und südliche unterschieden Chomel 8, 1794; vgl. auch 2 a. beim compasz ist der südliche punkt der untere punkt auf der nordsüdlinie: etliche (für die abweichung des compasses) ... jenseit der linie ... auch die abweichung des nordlichen punkts anführen, da doch jenseit der linie der südliche punkt die oberhand hat Knorr v. Rosenroth pseudodoxia (1680) 475; das südliche theil der (magnet-) nadel ..., das nordliche theil der nadel Wiegleb zauberlex. (1764) 1053. nach süden gerichtet: in die marken ... welche Langobarden und Semnonen bei ihrer südlichen wanderfahrt im stiche lieszen Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 4, 105; ähnlich, doch die vorstellung von 2 einschlieszend: so freue ich mich ungleich mehr auf die südliche reise (nach Südfrankreich, Algier, Tunis u. s. w.) fürst Pückler br. u. tageb. 3, 264.
b)
von süden kommend: südliche winde von süden herstreichend Heyne 3, 912; ein schip, dat ... wil wesen up de Elve und hefft einen südtliken windt edder westsüdwesten ... seekarte (1571) b 1ᵃ; Jüdland, ... frit mennig schip und mann, de ydt mit ein südlick wind hebben gedacht nouw up tho nehmen P. v. d. Horst beschriving van der kunst der seefahrt (1673) 81; der wind wird südlich tourne du côté du midi nouv. dict. allem.-fr. 1 (1762) 884; ein starker wind, der am folgenden morgen südlich wurde G. Forster s. schr. 2, 336; dasz die mense septembr. offt gewöhnlich ... ostliche lufft die westlichen vapores verhalten ... sich aber auch die sudlichen und zuweilen nordlichen dämpffe aus gleicher krafft complizieret Breslauer slg. von natur- u. med. gesch. 3 (1717) 168.
2)
mehr geographisch feststellend von einer mehr oder weniger bestimmten gegend im süden, vgl. südländisch und süd 2 b. durchweg in der bedeutung 'im süden liegend': der gegensatz zwischen den südlichen und nördlichen (d. i. zwischen den Süd- und Norddeutschen) G. Keller 2, 162, vgl. s. v. südländer. insbes. 'südeuropäisch', spec. auf Italien bezogen:
viele läden und häuser sind offen in südlichen ländern
Göthe I 5, 241 W.;
so war ihm von seinem arzte eine reise in die südlichen länder verordnet worden Immermann 2, 90 H.; in südländern vorkommend: phaca australis ... südliche berglinse ... diese art wächst auf alpen in der Schweiz, Österreich, Salzburg und Frankreich Dieterich lex. d. gärtnerei u. bot. 7 (1807) 110. enger von den ländern auf der südlichen erdhalbkugel: denn in den südlichen gegenden, es sey in America oder Africa Knorr v. Rosenroth pseudodoxia (1680) 475; die groszen affen und waldteufel der südlichen zonen G. Keller 1, 63. noch specieller: sudliche weltsee, die grosze sudsee d. i. der stille ozean O. Dapper America (1673) register; südlicher ausschieszer 'in und bei Südaustralien vorkommender plötzlich einspringender harter wind southerly burster' Stenzel seemannsspr. 412ᵇ. — ähnlich von bestimmten zur südlichen hemisphäre gehörigen gestirnen: im südlichen fisch Comenius jan. ling. (1638) a 6ᵃ; südliche crone Chomel 8, 1794; der polarstern ist untergegangen ... wo einem das südliche kreuz im zenith steht Chamisso s. w. 6, 34 Hitzig, vgl. süderkreuz. — gelegentlich auch im sinne 'aus südlichen ländern kommend, stammend', mit beziehung zu südlich 3:
das ist der junge mai,
der südliche geselle
Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 10;
meine mutter war eine südliche gärtnerin (d. i. aus Sicilien) Nestroy ges. w. 2, 82.
3)
südlichen ländern und völkern durchweg eigentümlich; vgl. auch s. v. südländisch 3. der rein geographische begriff geht in den artbegriff über. auf Südeuropa, spec. Italien zielend. seit dem anfang des 19. jh. sehr häufig.
a)
in bezug auf landschaft, vegetation und ähnl.: (garten mit allen spuren südlicher natur ...) M. Beer sämtl. werke (1835) 143; dann plötzlich tut sich Italien auf, und den mildesten weg überschattet die südliche vegetation A. Ruge briefw. u. tagebuchl. 2, 378; hier ist die natur schon merklich anders, der himmel südlicher Fr. Schlegel s. w. 6, 221; so verstand ich die südliche sonne G. Keller ges. werke 2, 27; weil die nacht so duftend und beinahe südlich war A. Stifter 5, 1, 163; die ganze wonne des südlichen klimas A. Schopenhauer 1, 322 Gr.; dorthin wollen wir ein schlosz bauen mit schlanken maurischen zinnen, ...! — mit südlichem dache zum lustwandeln (d. h. mit einem wie in südlichen ländern üblichen flachdach) H. Laube ges. schr. 2, 55.
b)
in bezug auf den menschen: der südliche mensch ist der gefühlte Göthe I 47, 292 W.; ... nach Spanien ... die heiszen südlichen menschen Louise v. François ges. w. 2, 149 inselverl.; alle südlichen nationen würden eine unendliche langeweile finden Göthe I 46, 62 W.; die Franzosen sind viel südlicher (südländischer geartet) als man in Deutschland glaubt H. Laube ges. schr. 4, 63; Winckelmann war stets parteiisch für südliche typen Justi Winckelmann 2, 1, 347; der artbegriff tritt bes. klar hervor in der verbindung südliches blut, d. h. das temperament im süden lebender menschen kennzeichnendes, bestimmendes blut: sein (eines Spaniers) altes, südliches blut kochte auf W. Hauff 5, 152 Hempel; während das südliche blut die grösze der leidenschaft stark motiviert Ludwig ges. schr. 5, 225. südliche hautfarbe: mit der gnädigen frau, einem fremden gewächs auf diesem boden, ... mit ihrer südlichen färbung A. v. Droste-Hülshoff 2, 327.
c)
in bezug auf sprache, dichtung und sonstige künste südlich lebender völker: sehr schön hat daher ein weiser die nordischen sprachen töchter der noth, die südlichen der freude genannt A. W. Schlegel in: Athenäum 1, 23; ... die schönsten blüthen der edelsten nordischen und der zartesten südlichen naturpoesie Fr. Schlegel 5, 80; 'noch kein licht!' sagte er in etwas südlichem accent Th. Storm 1, 3; vgl. die südlichen sylbenmasze, worin diese gedichte fast ohne ausnahme gebildet sind, kleiden ihnen wie die wundersamen trachten Fouqué gefühle, bilder (1819) 2, 150. von mythologischen gestalten in der dichtung und ähnl.: was hätte mich ... bewegen sollen, Wodan für Jupiter ... zu setzen, und statt der südlichen genau umschriebenen figuren nebelbilder, ja blosze wortklänge in meine dichtungen einzuführen Göthe 28, 143 W.; er erzählte ihr arabische wüstenmärchen, dichtete ihr südliche bilder Stifter 3, 107. weiterhin: jenen südlichen tanz E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 172; die groszen überbleibsel südlicher (d. i. griech.-röm.) bildung Raumer gesch. d. Hohenstauf. (1823) 1, 7.
d)
in bezug auf abstracta, bes. zur kennzeichnung der eigenart in der südlichen natur heimischer menschen. der artbegriff ist hier am reinsten: die südliche art des religiösen sinnes im volk W. v. Humboldt br. an Welcker 18, anm.; die südliche heiterkeit ist (auf einem bilde) überall ausgedrückt A. W. Schlegel 9, 30; die arbeit ist etwas deutsch gerathen, obschon die südliche anlage noch immer durchsieht Göthe IV 19, 147 W.; mit südlicher ungeduld I 30, 224; es liegt ein ernst und eine südliche ruhe über dem ganzen bilde (einer italienischen landschaft) A. Stifter 14, 81; der geschmack des andern ebenso einseitig südlich, idealisch, italienisch Justi Winckelmann 1, 287; ihre schönheit war durchaus verschwenderisch reich, südlich und blendend Eichendorff 2, 154; ein nadelbaum mit palmennatur — nordische kraft, vereint mit südlicher schöne M. v. Ebner-Eschenbach 4, 71.
4)
als adverb.
a)
hauptsächl. zur angabe der himmelsrichtung wie oben 1. 'nach süden'; in den ältesten (mnd.) belegen in technischnautischer anwendung: westsudwest unde wal so sutlick seebuch 23 Koppmann; eyn sutosten mane unde wal so sutlick ebda 63, d. h. mit reichlicher abweichung nach dem südstrich des compasses hin, mangels einer genaueren gradeinteilung, sieh dazu Wehrle zs. f. dt. wortf. 7, 233; von der himmelsrichtung: hebbe gy dat ostlandt, so möge gy wat südtliker up na Stader sandt seekarte (1571) b 2ᵃ; ans heiligthum, das Moses mit ganzem fleisz mehr nordwärts, als südlich gelegt hatte, ward nicht gedacht Herder 12, 155 Suphan;
wenn die schwäne südlich ziehn
Böhme volksthüml. lieder d. Deutschen im 18. u. 19. jh. 207;
südlich ziehen, fahren, segeln, steuern Heyne dt. wb. 3, 912. mit präpos. wegangabe: nördlich über die see oder südlich über die berge Scherer lit.-gesch. 16 (nach d. altfries.). — 'im süden': so dasz es (Numidien) der ... schmale küstenstrich der ... provinz Africa westlich, südlich und östlich umschlosz Mommsen röm. gesch. 2 (1874) 138; (der niederländischen meister d. 17. jh.) grosse fähigkeiten sich bald zu hause, bald südlich, bald nördlich ausbilden Göthe I 49, 155 W.; (die ärzte) die mich nach osten wollen ... dagegen ist mein vertrauen auf Rhein, Main und Neckar so grosz ... dieser ... zwiespalt ... wird geschärft durch die einladungen unserer gnädigsten herrschaften, die sich gegenwärtig alle südlich befinden IV 28, 181. — 'aus süden': der wind bläset südlich Stieler (1691) 2237; Kramer 2 (1702) 1037ᵇ; der wind war südlich geblieben Göthe an Zelter 5, 114 Riemer; ich bin nur toll bei nordnordwest; wenn der wind südlich ist, kann ich einen kirchturm von einem leuchtpfahl unterscheiden Shakespeare 3, 216 (Hamlet 2, 2). — häufig mit angabe des standpunktes, von dem aus die richtung bestimmt ist, in der bedeutung 'im süden' oder 'nach süden'; zumeist durch die präposition von: was aber südlich vom steinbockszirkel liegt, ist eigentlich das grosze südmeer G. Forster s. schr. 1, 15; 63 meilen südlich vom aequator Immermann 49 Hempel; in den ländern südlich von der Donau Raumer gesch. d. Hohenst. 1, 4; innerhalb der waldregion, von der linie der waldgrenzen nur wenig südlich gelegen, zweigt sich ... ein welliger rücken ... ab Nehring tundren (1890) 12. auch durch den genetiv: das 1866 durch unsre militärischen erfolge gesteigerte deutsche nationalgefühl südlich des Mains, ..., muszte wieder erkalten Bismarck ged. u. erinn. 2, 110 volksausg.; südlich der Alpen Heyne dt. wb. 3, 912; selten durch den dativ südlich dem flusse ebda.
b)
modal, auf südländische art und weise, wie 3: die Tibernymphe erscheint, südlich geschmückt Körner 4, 285 H.;
doch mir schwillt im herzen südlich
unerschöpfter schöpfungshort
Fr. Rückert 2, 327;
öfter vor adjectivischem regens: (der dom von Orleans) hat zum schlanken gothischen wuchse etwas südlich sattes durch seine thürme H. Laube 4, 93;
mit deinen kirchenhallen
und südlich schöner pracht
den Deutschen zu gefallen
nimm Augsburg wohl in acht
Schenkendorf ged. (1815) 176;
das böse draut
durch jene südlich fremde wilden
(Napoleon und seine scharen)
ebda 68;
ein finsteres, feindliches antlitz mit einem südlich blasgrauen kolorit Bonaventura nachtwachen 29 Michel. nicht selten in enger zusammenrückung mit dem adjectiv: südlichgebräunte, schwarzlockige gesichter Gaudy 22, 124; das tiefe blau ... des südlichschwülen himmels Freiligrath 5, 23; so auch mit der bedeutung a: die südlich-gemäszigte etc. zone Stenzel seemannsspr. 412ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 974, Z. 31.

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seufzung siegeswonne
Zitationshilfe
„siedlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siedlich>, abgerufen am 26.10.2021.

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