Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

siefern, verb.

siefern, verb.
sickern, langsam und tropfenweise flieszen. ein wort, das nur im nhd., und auch hier nur strichweise, bezeugt ist: siberen, siefern, et aliâ dialectô sickern, sückern, et söckern, quod est à siegen, subinde exsudare, manare, scaturire, profundi, et quasi substillare. Stieler 1653. dazu ab-, aus-, durchsiefern (theil 2, 1685), einsiefern (3, 296), fort-, ver-, wieder-, zersiefern. es ist jedenfalls mit seife verwandt, s. daselbst, sp. 188 f., und steht zu dieser wurzel in ähnlichem verhältnis, wie die parallelbildung sickern (sp. 756) zu altem sîhan (s. seigen, siegen u. s. w.). mundartlich in Franken, Oberpfalz, bair. wald sifern, sife ͑ln, langsam, dünn durch- oder herausflieszen; sanft, fein regnen Schm. 2, 231, in letzterer bedeutung auch sonst verbreitet, so thüringisch (vgl. sickern 1 zu ende), erzgeb. sîfrn Göpfert 42, nordböhm. sîfern Frommann 2, 238, ungar. sîvern Schröer 2, 289ᵇ, siebenb. siwerzen Haltrich 22ᵇ. (s. auch zifern Schm. 2, 1087.)
1)
zunächst von flüssigkeiten: der schweisz siefert ihm vor angst aus dem leibe, metu permadet. das waszer siefert aus den röhren. man siehet oft auf den höchsten felsen das wasser aussiefern. Stieler 1653; das wasser siefert auf den wiesen ein. die dinte siefert in den schwamm. 1654; und sihet, das eine weisse gur, oder molckenfarb wasser ... erstlich auff den stempel gesiegen, oder gesiefert, und auffm stempel in das bühnloch gerunnen ... ist. Mathesius Sar. 62ᵃ; in Steiermarck schlegt man auch sumpff oder schrot in die auszgehawenen gebirge, drein sifert ein eisenschüssig wasser. 78ᵃ; weil nun stahel und eisen ausz einem gesiferten wasser gemacht wird, würde nun Bar lel, filius fluoris, nach hebreischer weise ein son des geflossenen heissen, darumb das es ausz geflossener oder gesiferter materia geschmeltzet und gerent würde. 78ᵇ; in Steier, wie oben gemelt, rennet man ausz dem schlicht, so in sumpffen oder schröten ausz dem gesiferten wasser gestehet, stahel und eisen. 79ᵃ; Brentius und Philippus sprechen, sieffern, tröpfeln, aber sie halten an, darum feuchten sie auch und machen auch nasz. Syrach 2, 149ᵃ. so auch:
dasz die düngung umb und an
auf die wurzeln siefern kann.
Dan. v. Czepko Coridon u. Phyllis (mscr.).
2)
auch von dem, woraus flüssigkeiten hervordringen: die wunde siefert, sive sibert, vulnus madidum est, humorem exsudat. bey der bösen raude pfleget die haut oft zu siefern. die augen siefern ihm mit tränen, oculi ejus humescunt lachrymis. inde siefernde augen. Stieler 1653.
3)
so auch die luft siefert drauszen, aër uvidus, udus, humidus est. ebenda. gewöhnlich unpersönlich, es siefert, von einem feinen regen, so zumeist in den heutigen mundarten, und wol auch in folgender stelle: man pflegt auch wol, wann der hafer fingerslang auffgegangen, denselben auffzueigen, wann der acker derb und veste worden, doch musz solches, wann es siefert, damit der hafer bald einwurzeln kan, geschehen. quelle bei Scherz-Oberlin 1498. vgl. auch: es hat nun drauszen abgesiefert, seu abgesibert, tempestas serena tandem restituta est, clementia coeli imbres et nimbos dissipavit, sudum, tersum habemus diem. Stieler 1653.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 885, Z. 15.

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Zitationshilfe
„siefern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siefern>, abgerufen am 17.10.2021.

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