Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sieg, m.

sieg, m.
victoria.
I.
verwandtschaft und form.
1)
sieg geht zurück auf ein idg. *séghos, welches vorliegt in skr. sáhas, avest. hazanh, kraft, macht, sieg, ir. seg (gall. sego- in eigennamen: Segobodium, -briga, -dunum, -mâros, -vax u. s. w.). es ist eine neutrale abstractbildung zu *seghô halten, skr. √sah (sáhate), gr. ἔχω (ir. segaim?), s. Fick⁴ 1, 138. 560. 2, 297. ³3, 315 f. Delbrück zeitschr. f. d. phil. 1, 7. — bei der genauen lautlichen übereinstimmung können andre ableitungen (von sîgan, 'das niederstrecken des feindes' Grimm gr. 2, 17. Weigand 2, 711) als erledigt gelten.
2)
die entwicklung des wortes im germ. wird compliciert durch den übertritt des alten s-stammes in die i- und u-flexion.
a)
die formen der ältern sprachstufen sind: got. sigis, n. (1 Cor. 15, 54. 55. 57, auch in sigislaun), daneben sihu (? glosse zu 1 Cor. 15, 57, jedenfalls ungenau für sigu), vgl. J. Grimm kl. schr. 5, 218. altn. sigr, m. (gen. sigrs, doch sigrar-merki, -óp, poetisch und in namen sig-) Cleasby-Vigfusson 527ᵇ; ags. sige und sigor (gen. sigores), m.; altfries. contrahiertRichthofen 1010ᵃ (wol aus sige Grimm gr. 1³, 412); alts. sigi (in sigidrohtin bibelübers., sigimâri gloss. Lips.); ahd. sigu (Isidor, Otfrid), sigo (Notker) und sigi (Otfrid), siki, auch in zusammensetzungen sigu- und sigi- nebeneinander (dagegen gen. stets siges, dat. sige, einmal za sigiu) s. Graff 6, 131. vgl. Kluge⁶ 364ᵇ. Franck 1198.
b)
ungemein häufig erscheint sieg als erstes glied eines compositums. auch hier kennt die ältere sprache dieselbe mannigfaltigkeit des ausgangs (got. sigis-laun, altn. sig- und sigr-, alts. sige- und sigor-, ahd. sigi-, sige- und sigu-) s. a und Grimm 2, 475 ff. namentlich gehören hierher die eigennamen, die bereits aus sehr alter zeit in reicher menge überliefert sind und für die geschichte des wortes ein wertvolles material bilden. man übersieht sie bei Förstemann namenb. 1, 1085—1102. 2², 1330—5, s. ferner Graff a. a. o. und die reg. zu Grimm myth. u. zschr. f. d. alterth. 12. die zeigen zumeist die form Sigi-, auch Sige-, seltner Sigo- und ganz vereinzelt Siga-, später vielfach Sig-, Sic- und Sî-, doch finden sich auch noch bildungen mit Sigis- (Sigisbert, -frid, -meres, -mar, -mund, -vulthus) und mit Sigur-(hard, -mâr), s. Förstemann 1, 1101. schon bei Tacitus stehen neben einander Segimerus (dazu Segimundus) und Seges-tes. hier sucht Streitberg beitr. 15, 505 f. den wechsel aus alter assimilation des s vor m (vgl.þamma, blindamma) zu erklären. die spätern formen Sigismundus u. ähnl. müssen dann neubildungen sein. im spätern westgerm. ist auslaut. s ohnehin nicht möglich (dafür r in ags. sigor, ahd. Sigur, Sigurhard u. s. w.), daher nehmen Müllenhoff (zeitschr. f. d. alterth. 23, 173, zweifelnd) und Kögel (anz. f. d. alterth. 18, 52) für alle namen mit Sigis- (von denen sich Sigismund auf gelehrtem wege bis in die neuzeit erhalten hat) ostgerm. herkunft an. dazu stimmt gut, dasz sie besonders bei den Burgundern vorherrschen: Segis-, Sigismundus, -uuldi, -ricus, daneben Segi-, Sigi-, Sigifunsus, s. Wackernagel kl. schr. 3, 408 f. Kögel zeitschr. f. d. alterth. 37, 230. vgl. ferner ostgot. Sigismer, Sigiwulth. Wrede spr. der Ostgoten s. 85. 129; langob. Sigiberga, -pertus, -prandus, Sigebaldus, -frit u. s. w. Bruckner spr. der Langobarden, s. 302—4. (Grimms erklärung von Su- bez. Sigambri aus Sigu- ist natürlich unhaltbar, s. zeitschr. f. d. alterth. 7, 472 f. kl. schr. 7, 256.)
c)
zur erklärung dieses wechselnden stammauslauts vgl. Paul-Braune beitr. 4, 416. 5, 124 f. 6, 187 f. 15, 504—6 (Streitberg, s. auch dessen urgerm. gramm. s. 47. 173. 212). Joh. Schmidt pluralbild. 149 ff. nach letzterem und Streitberg wäre folgende ableitung denkbar: dem indogerm. *seghos würde germ. *siʒaz entsprechen; dies könnte in ahd. siga- (sigalôs Musp. 47, vereinzelt in namen) vorliegen, ist sonst aufgegeben. dafür ist eingetreten
α)
die stammform der cas. obl. idg. *seghés-, germ. *siʒis, ostgerm. sigis, altn. sigr, woraus westgerm. im auslaut (und schon urgerm. vor m?) sigi werden muszte. so ahd., alts. und ags. sige.
β)
eine form mit dehnung idg. *seghôs, germ. *siʒus (deren eintreten vielleicht mit dem auszerhalb des got. überall vollzogenen übertritt ins masc. zusammenhängt), wie sie westgerm., mit erhaltung des r (unter einflusz der cas. obl.), in ags. sigor, ahd. Sigur (vgl. Grimm gr. 3, 511), mit lautgesetzlichem abfall in sigu vorliegt. (Noreen, urgerm. lautl. 65, nimmt einen idg. ablaut e : u an; wenig wahrscheinlich, da die belege fast alle dem germ. entnommen sind und hier eine andre auffassung zulassen.)
3)
im nord. ist der r-stamm erhalten in schwed. seger (plur. segrar), dän. sejer (plur. sejre). im engl. ist sige, sy in frühmittelengl. zeit erloschen. im deutschen lebt das zu sige geschwächte sigi bez. sigu fort. daraus mnd. sege Schiller-Lübben 4, 166, neund. aufgegeben (ostfries. sîg, auch sége ten Doorkkaat Koolman 3, 181ᵃ ist augenscheinlich entlehnt); mnl. seghe, holl. zege, hier immer, wie mnd. oft, als fem. hier also überall mit erhaltener zweisilbigkeit. im hd. treten neue verschiebungen ein.
a)
der nom. lautet mhd. sige, daneben sege kölnisch (Hagen) und bei Berthold v. Holle, einmal siege geschrieben (Herbort v. Fritslar 5866, s. unten), beides vielleicht unter nd. einflusse: triumphus der sig, syge, seghe ... volkummen sig. Dief. gl. 598ᵇ; victoria ... sieghe, syg, zege. 618ᵇ. in der litteratur ist zweisilbiges sige bis ins 13. jahrh. hinein nachzuweisen. dazu der gen. des siges.
b)
der scheinbare widerspruch zwischen der schwach aussehenden form des nom. sige und den starken der andern casus wurde später beseitigt, gewöhnlich indem auch der nom. der normalen form der starken masc. angepaszt wurde: sig, oberd. sic, sik, mitteld. sich (so, nicht durch lautlichen abfall des e, zu erklären nach Braune beitr. 9, 549, anm. 1). so überwiegend im 13., vereinzelt schon im 12. jahrh.
c)
zuweilen wurde indessen der umgekehrte weg eingeschlagen und nach dem nom., wie sonst bei masc. auf -e (z. b. hirte), die ganze flexion schwach gebildet. s. die belege bei Weinhold mhd. gr.² s. 495. doch sind die quellen zumeist nicht consequent. so hat das Annolied v. 319 den sigin, 462 den sige, Hagens boich v. Colne 958 den segen, 3469 des segen, dagegen 1069. 3466 den sege. die quellen (auszer den genannten die marienlieder und Karlmeinet) gehören sämmtlich dem niederrhein. sprachgebiete an und vermitteln den übergang ins nl., wo solche vermischungen sehr verbreitet sind. im mnd. führt Schiller-Lübben aus Korner (Wiener handschr.) den zeghen und seghene an.
4)
die meisten dieser besonderheiten finden sich noch nhd., wenn auch vereinzelt.
a)
der zweisilbige nom.: wird dann der sige verloren, so seind beyde netz oder fisch verlorn. kriegb. des friedes 163ᵇ, vielleicht nur druckfehler (oder unorganische erweiterung?), da sonst sig steht.
b)
die schreibung sig ist überhaupt im ältern nhd. häufig, z. b.: sig, victoria, nice, trophaeum Dasypodius. vereinzelt auch: ein sick celebrieren. S. Franck weltb. 15.
c)
der plur. erscheint zuweilen ohne endung: du bist hoch komen, mein son, durch grosse sieg. 1 Mose 49, 9; der grosse sieg behelt. Syrach 46, 2; das diese krieg und sig am besten seind, so ohn bluͦtvergiessen abgehn. kriegb. des friedes 163ᵃ.
d)
ganz selten sind schwache formen:
wie wirt jhrer sigen schein
dise welt gantz überglänzen!
Weckherlin ged. 353.
5)
in den lebenden mundarten ist sieg ausgestorben (so ausdrücklich bezeugt für das nordwestfälische bei Frommann 4, 31; auch Schm. 2, 242 gibt keine moderne form an) oder doch selten geworden (so in Handschuhsheim siik Lenz 65ᵇ).
6)
die zusammensetzungen zeigen im mhd. stets die stammform sig(e)-, so noch jetzt in einigen festgeprägten compositionen und in der fügung mit participien, sonst ist genetivische zusammensetzung das gewöhnliche. beide reihen sind im folgenden getrennt behandelt.
II.
bedeutung.
1)
eigentlich, die überwindung eines gegners: sig (der) uberwindnusz, victoria. Maaler 373ᶜ; sieg, m. uberwindung, victoire. Hulsius 298ᵃ; victoria der sieg. Corvinus fons lat. 737ᵇ.
a)
zusammenstellung mit andern substantiven; im 16. jahrh. typisch krieg und sieg, vgl. I, 4, c: disz volck hat vil sig und krieg mit den Rhömern gehabt. Franck weltb. (1542) 29ᵃ; krieg und sieg des frummen künigs Assa. H. Sachs 1, 55ᵃ (überschr.); gegensätzlich: nach der schlacht erfolgt entweder der sieg, oder die niederlage. Fleming t. jäger 191ᵃ; weil wir unsre ehre für den ausgang verpfändet haben, und entweder siegen oder uns selbst für gecken erklären müssen, so ist sieg oder tod immer unser losungswort. Wieland 31, 241. mit synonymen: ihrer viele überheben sich allzusehr ihres sieges und glückes. Fleming t. jäger 191ᵇ; das allenthalben seine feinde fur jm erschracken .. und er hatte glück und sieg. 1 Macc. 3, 6; so lang ich regiert habe, hab ich freude und sieg gehabt. 6, 11. freier (triumph, ruhm u. ähnl.): (der herr) hat mich on sunde wider her bracht, mit grossen freuden und sieg. Judith 13, 20; dir gebürt die maiestat und gewalt, herrligkeit, sieg und danck. 1 chron. 30, 11. ruhm und sieg, vgl. Gleim 4, 1 unter 3:
was helfen ruhm und siege?
Uz s. 192 Sauer;
sie (die feindesmacht) fiel und dir
ward glück und ruhm und sieg!
Gleim 4, 97.
b)
mit subjectsgenitiv: denn mus jr sieg jres gottes sein. Habac. 1, 11; helle, wo ist dein sieg? 1 Cor. 15, 55; der herrlich sieg desz frummen hauptmanns Gideon. H. Sachs 1, 54ᵇ (überschrift); feuchtohrige buben .. greinen über die siege des Scipio, weil sie sie exponiren müssen. Schiller 2, 29 (räuber 1, 2 schauspiel); daher auch:
gott donnerte bei Lowositz
und unser war der sieg.
Gleim 4, 14.
c)
in der ältern sprache kann der genitiv auch das object bezeichnen: do saget der Pigmennen könig dem herzogen und den seinen grosz ere und danck umb den überwindlichen sige der neidischen vogel. herzog Ernst s. 279. 19; der schneyder .. hinnausz zuͦ seinen gesellen gienge, inen sein sig des einhorns anzeiget. Montanus schwankb. s. 22, 29 Bolte;
der höllen sieg, der ist auch mein,
ich habe sie zerstöret.
P. Gerhardt s. 172 Gödeke.
so noch: unterm vorwand deines siegs giebt Attalos ein groszes fest. Klinger 2, 413.
d)
dafür gewöhnlich (und jetzt stets) sieg über: der schneider .. ging hinaus zu seinen jagdgesellen und zeigte ihnen seinen sieg über das wilde einhorn an. Bechstein märchenb. 5. in ähnlichem sinne sagt die ältere sprache auch sieg wider, freier: daraus denn folget, friede, frewde im geist, trost, stercke, siege, wider alles unglück. Luther 6, 346ᵃ. s. auch 2.
e)
der sieg wird näher bezeichnet und benannt durch angabe des ortes:
er hat durch diesen fang mehr beut und lust gefunden,
als kaum der nächste sieg bey Belgrad rühmen kan.
Günther bei Steinbach 2, 590;
der sieg bei S. Quentin
war längst verwürkt.
Schiller dom Karlos 3, 7.
f)
mit adjectiven; mit allgemein lobenden epitheten: herrlicher sieg, magnifica, gloriosa vittoria. Kramer dict. 2, 810ᵃ, gloriosa, celebris, memoranda, praeclara. Stieler 2018; ein rühmlicher sieg, victoria gloriosa. ein ungewöhnlicher sieg, victoria insolita. Steinbach 2, 590;
je härter kampf, je rühmlicher der sieg.
Grillparzer⁵ 6, 47.
das gegentheil: schändlicher sieg, schand-sieg, schelmen-sieg, vittoria infame, superchievole. Kramer dict. 2, 810ᵃ; schimpflicher sieg, inhonesta, dolosa, foeda. Stieler 2018; ein kleiner oder geringer sieg, laureola. Frisch 2, 276ᵇ; ein betrübter sieg, victoria funesta. ebenda. häufig blutiger sieg, vittoria sanguinosa, comprata à costo, à prezzo di molto sangue. Kramer dict. 2, 810ᵃ; victoria cruenta blutiger sieg, wenn man den sieg zwar erhält, aber mit verlust vieler soldaten. Corvinus fons latinit. 737ᵇ; victoria cruenta, tristis, ardua Stieler 2018;
wir stampften todtenvolles feld,
zu haben blut'gen sieg!
Gleim 4, 57;
dem süszen frieden hold, flieht er (der weise) unnützen krieg,
und wählt vergleich und loos für einen blut'gen sieg.
Lichtwer 242.
sprichwörtlich: das ist der beste sieg, der am wenigsten blut kostet. Petri M 4ᵃ. vgl.:
er hat den sieg erkauft mit seinem eignen blute.
Freiligrath⁵ 1, 98.
schwerer sieg; unblutiger, leichter sieg, impulvera, incruenta, facilis. Stieler 2018. — nach den mitteln, wodurch er gewonnen ist: verrähterischer sieg, vittoria acquistata ò comprata per tradimento. Kramer dict. 2, 810ᵃ; einen ehrlichen sieg über einen erhalten, victoriam honestam ab aliquo reportare. Steinbach 2, 590; dieses wäre nur vor einen wahren sieg zu achten, der ohne verletzung der treue und reputation zu wege gebracht würde. Fleming t. jäger 191ᵃ. — nach der ausdehnung all- sive allgemeiner sieg, multiplex, universalis. Stieler 2018; theilweiser, unvollständiger sieg. — zweifelhaftiger sieg, vittoria dubia, dubbiosa, ancipite. Kramer dict. 2, 809ᶜ; zweyfelhafter sieg, dubia, ambigua Stieler 2018; entschiedener sieg. — seltnere beiwörter: der gedultige sieg helt allein den stich. Wander 4, 557, 7; innere folgen, die jenen eroberer fliehen würden, wenn er eben so leicht mit fliegenden siegen von welten zu welten gegangen wäre, als er über den Indus gegangen ist. Schiller 1, 100. — auffällig ist der mhd. pleonasmus der obere sige:
nement si nû den obern sige (handschriftliche lesung für: die obere hant),
sô ist unser spot uber daʒ lant.
Vorauer Alex. 963 (Diemer ged. 210, 5);
Wolfdieterich der küene   den oberen sic gewan.
Wolfd. D V, 26 (u. öfter);
eʒ (das schwert) gefuorte nie kein man,
er enmüeste den obersten sig hân.
Orendel 1641.
2)
sehr häufig in verbalen fügungen:
a)
mit sieg als subject: wo viel ratgeben sind, da ist der sieg. spr. Sal. 24, 6; der sieg ist bei den überwundnen. Simrock sprichw. 9528. — aller sieg kommt von gott. 9527; ross werden zum streittage bereitet, aber der sieg kompt vom herrn. spr. Sal. 21, 31; der sieg kompt vom himel. 1 Macc. 3, 19; er wuste wol, das der sieg nicht keme durch harnisch, sondern gott gebe jn, wem ers gönnet. 2 Macc. 15, 21;
mit seiner purpurfahne wehn
kam sieg auf unser heer.
Hölty 183 Halm.
der sig aller kriegen ist ungewüsz unnd unstät, unnd beyden partheyen oder seyten gleych zuͦfellig, communis belli Mars. Maaler 373ᶜ; der sieg war da zweifelhafft. Frisch 2, 276ᵇ; der sieg kan sich hier und da hin wenden, palma in medio posila est. Steinbach 2, 590; also dat de zege hangede sere an kloffwage, we den beholdende worde. quelle bei Schiller-Lübben 4, 166ᵃ; noch denn lag der sige langzite auf der wauge und zalpret des glücks. herzog Ernst 284, 34;
und der sieg wankt hin und her.
Lichtwer 106.
der sieg entwischet ausz den händen. Corvinus fons lat. 737ᵇ; der sig kostet vil dapfferer und redlicher leüten, constat victoria multorum virorum fortium morte. der sig hatt sy vil bluͦt kostet. Maaler 373ᶜ; der sieg hat viele leute gekostet. Steinbach 2, 590; grosse sieg kosten viel leut. Petri Gg 8ᵃ; dafür: der sig hat die Carthaginenser vil bluͦts gestanden, sie habend ein blutigen sig uberkommen. Henisch 1573, 7. — ob aber ein solcher sieg eines triumphs werth gewesen, wäre eine andere frage. Hamann 4, 195. sprichwörtliches:
es erstattet nimmer der sieg,
das verlorn wird durch den krieg.
Petri Sss 4ᵇ;
der sig ist zu grob,
der mit bluͦt ligt ob.
Franck sprichw. 1, 52ᵃ,
vgl. Wander 4, 557, 13. Simrock sprichw. 9531; sieg liebt sorge. 9526; amat victoria curam, sieg liebet sorg. Dentzler 1, 864ᵇ.
b)
unter den fügungen mit sieg als object stehen voran die, welche den einfachen verbalbegriff siegen umschreiben. hier sind zunächst zwei eigenthümlichkeiten der ältern sprache zu behandeln. das älteste scheint sigu neman, so ahd. ausschlieszlich, construiert mit in; s. Grimm gramm. 4, 824: endi nam sigu in dhêm Judeoliudim. Isidor 27, 21 Hench;
er nam in tôdes rîche   sigi kraftlîche.
Otfrid 5, 4, 49;
sîd themo sige ..,   then er in Satanâse nam.
16, 2.
aber auch mhd. entsprechend bis ins 13. jahrh.:
Cêsar dâ den sige nam.
Annol. 462;
des siges, des er dâr nam,
wêre er ein wol bedâht man.
Lampreht Alex. 1394;
swer under uns den sic geneme.
troj. krieg 3654;
dô im die vünf hundert
von Parmenîe quâmen
und sie den sic hie nâmen.
Heinrich v. Freiberg Tristan 1518.
dagegen wird es jetzt mit an construiert:
dane mach nieman ouf chomen,
wan der den sich hât genomen
an dem alten [wîga]nde.
Karajan sprachdenkm. 22, 19 (hochzeit 155);
bildlich:
dâ bî was ir ein liep geschehen,
daʒ eʒ den sige an leide nam.
Erec 5612;
doch nam daʒ liep an ir den sic.
troj. krieg 22872.
vergl. dazu die ahd. nominalbildungen: siginemo, -nomo (sikinômi, vgl. Noreen urg. lautl. 55), siginâmlîch Graff 2, 1073 f., siginumft, -numftlîh, -numftâri 1078 und unter siegenunft.
c)
dafür mnd. das vielfach zu einem worte zusammengewachsene segevechten Schiller-Lübben 4, 170ᵃ, das auch ins mitteld. hinüberreicht, s. Lexer handwb. 2, 918: triumphare ... hd. nd. sege-, zegevechten, -vachten, -wechten. Dief. gl. 598ᵇ.
α)
selten mit artikel:
van dem crûze des kempen gût,
de vôr uns den sege vacht.
van d. holte des hill. cruzes 733.
β)
formelhafter ohne artikel: daʒ en mach .. nieman haben der wider den tuͦvel und wider die sunde stritet herne habe siege vochten. als sente Johannes spricht .. swer so siege vichtet, dem wil ich geben zu lone mines vater riche. Leyser pred. 29, 39. 41 (14. jh.); wi begeren nicht wenn dat wi segevechten moten edder nicht leven. d. städtechron. 7, 15, 23;
wende sie siege vachten.
Herb. v. Fritslar 5866;
Thelamon der sige vacht
an deme bastharte.
11586.
γ)
während diese stellen nicht erkennen lassen, wie weit die verschmelzung schon vorgeschritten war, erhellt in andern das getrenntsein beider glieder aus der umstellung: vichtet he sege, man let ine met gewedde unde mit bute. Sachsensp. 1, 63 § 4 zu ende;
vechtet he sege he hat de cronen in der hant.
v. d. Hagen Germ. 10, 154.
δ)
andrerseits zeigt das fehlen derselben die vollzogene verschmelzung: na godes gebort sevenhundert 53 jar toch kuning Pippin mit craft wedder Haistulfe to Lombardien, und wan de cluse und segevachte. d. städtechron. 7, 23, 9, ebenso 28. weitere belege bei Scherz-Oberlin a. a. o.
ε)
der letzte schritt zu vollständigem zusammenwachsen ist der übertritt in die schwache flexion. auch hierfür bringt derselbe belege: se segevechtede do erlike; desse brodere hebben grot ghesegevechtet, s. a. a. o.
ζ)
für vechten tritt zuweilen strîden ein: se stridden sege unde makeden enen vrede. deutsche chron. 2, 88, 33;
daʒ crîchische volc sige streit.
Herbort v. Fritslar 14456.
η)
das comp. ane vehten (einem den sige) ist auch dem gewöhnlichen mhd. geläufig:
Alexander vaht ime den sige ane.
Lampreht Alex. 450;
daʒ was reht, dô sie bestunt
einen alsô starken man,
daʒ er ir sige vechte an.
Herbort v. Fritslar 14894;
Pirrus vacht in sige an.
14924.
θ)
dazu gehören die nominalbildungen mnd. mitteld. segevacht, -vecht, sevacht, m. f. sieg. Schiller-Lübben 4, 169ᵇ f. Lexer handwb. 2, 918: Karolo Augusto ... dem si levent und segevacht. d. städtechr. 7, 35, 28; dorch der segevacht willen sloch to der tid markgreve Frederik .. to riddere Hassen van Bredow. 352, 12;
to beholden den seghevacht.
16, 206 (schichtsp. 3329).
dazu wiederum segevachtich, -vechtich, adj. siegreich; segevachtelik, -vechtelik, -liken Schiller-Lübben 4, 170ᵃ; segevechter, m. sieger. ebenda. Lexer handwb. 2, 910; segevechtinge, -unge, f. s. dieselben stellen und siegfechtung.
d)
im nhd. sind beide wendungen auszer gebrauch gekommen, dafür erscheinen eine grosze anzahl anderer, die zum theil schon mhd. und mnd. vorkommen:
α)
den sieg erkämpfen u. ähnl.: wenn wir dem könig den sieg erkämpfen, so will er sich taufen lassen. Hebel 3, 44; einen sieg erfechten über die feinde gottes und seine kirche. Kramer dict. 2, 809ᶜ; mein heer, das ich euch zuführe, soll euch den sieg erfechten. Bechstein märchenb. 103;
dô der mit sîner maht
den sic dô ervaht.
Ottokar reimchron. 93212;
nicht fürtrefflicher
als der erfochtne sieg.
Gleim 4, 45;
glorreiche helden! euer muth
hat uns den sieg erfechten helfen!
Lichtwer fabeln 279;
wohl ist sein arm gelähmt, der uns den sieg erfochten!
Freiligrath⁵ 1, 98.
dafür veraltet: was vor einen unaussprechlichen sieg die englischen und alliirten waffen .. in der Hochstädter schlacht .. befochten. Fleming t. soldat 305ᵇ. sprichwörtlich: den sieg erringt, wer sich bezwingt. Wander 4, 557, 5; im bilde:
nû hât mir vreude den sige
an mînem herzenleide erstriten.
d. bloch 271.
β)
sieg gewinnen: den sig eroberen und gwünnen, adipisci victoriam, palmam ferre, potiri hostium. Maaler 373ᶜ;
Armuͦt sprach: gott wirdt mich wol rechen,
der alle mal gewint den sig.
H. Sachs fastn. sp. 1, 31, 309 neudruck.
sieg gewinnen an einem mhd., s. Scherz-Oberlin 1500;
den sigin, den Cêsar an un gewan,
mit bluote muoster in geltan.
Annolied 319.
daneben:
da de burgere den eirsten sege wunnen
weder vunf dusent zwei hundert man.
Hagen boich van Colne 9469.
oder einem abgewinnen, s. e.
γ)
noch farbloser den sieg erlangen, erhalten u. dergl.: sig erlangen, compotem fieri victoriae. Dasypod.; den sig erlangen, consequi victoriam. Maaler 373ᶜ; einen herrlichen sieg erlangen. Corvinus fons lat. 737ᵇ; erlangen wir eynmal den sieg, wir dörffen darnach nit grosse not leiden. Carbach Liv. 112ᵇ; da si sahen, das si so pald den sig .. erlangt hetten. Aventin chron. 1, 321, 2; nach erlangtem sieg kompt er wieder zu seinem vater. Olearius rosenth. 3ᵃ (1, 4); ein alter krancker könig will sich nicht über den erlangeten sieg erfreuen. 9ᵃ (11); wer will den sieg erreichen, musz klug dem gegner weichen. Wander 4, 558, 35; den sieg erhalten, behalten, erobern, darvon tragen. Kramer dict. 2, 809ᶜ; sie erhalten einen sieg nach dem andern. ps. 84, 8. veraltet ist: einen sieg überkommen, s. Henisch unter a.
δ)
ebenso das früher sehr gewöhnliche sieg behalten, emporter la victoire, gaigner la journée. Hulsius 298ᵃ; want dat Scipio mit siner manheit den sege behelt. d. chron. 2, 84, 28; die rechte des herrn behelt den sieg. ps. 118, 15 f.; und ich sahe dasselbige horn streiten wider die heiligen, und behielt den sieg wider sie. Dan. 7, 21; die den sieg behalten hatten an dem thier und seinem bilde. offenb. Joh. 15, 2; Theagenes musz mit dem starcken kämpffer ringen, er behaltet den sieg. buch d. liebe 227ᵇ; wer den sieg behält, der hat recht. Simrock sprichw. 8209.
ε)
auch den sieg haben ist nicht mehr gewöhnlich: Israel aber wird sieg haben. 4 Mose 24, 18; auff diesen tag hat Israel herrlichen sieg gehabt. 1 Macc. 4, 25; darumb that Judas viel schlachten mit jnen, und hatte sieg. 5, 7 (vgl. glück und sieg unter 1, a); diesen sieg soll der himmel nicht haben. Schiller 2, 189 (räuber 5, 1 schauspiel);
ende hi soude aller weghe,
so waer hi vochte, hebben seghe.
Reinaert 5408.
ζ)
das üblichste ist jetzt (mit einem andern, nicht mehr empfundenen bilde) den sieg darvon tragen, superiorem discedere Stieler 2018; den sieg davon tragen, palmam ferre Steinbach 2, 590; dasz ich, wofern ich den sieg davon trage, eure holde tochter als gemahlin heimführen dürfe. Bechstein märchenb. 104. — den sig darvon bringen, sigen, obligen, reportare victoriam Maaler 373ᶜ; den sig davon tragen, davon reiszen. Eiselein 568; einn blütigen sig darvon bringen. Franck sprichwörter 2, 52ᵇ;
der mus fest stehn und muͦsz es wagen,
wer endlich wöll den sieg hintragen.
froschm. Ff 3ᵇ,
ebenso (nur umgestellt) Petri Fff 4ᵇ.
η)
dieselbe vorstellung des sieges als eines concreten gegenstandes, einer greif- und tragbaren kampfesbeute liegt auch zu grunde der wendung den sieg haben wir schon in den händen, parta jam et explorata est victoria. Steinbach 2, 590; er hat den sieg in händen. Frisch 2, 276ᵇ; wöllen wir selber, so tragen wir den sieg inn unsern henden. Carbach Liv. 112ᵇ; auch hier war der sieg schon völlig in den händen der tapfern und trutzigen Alemannen. Hebel 3, 43. sich den sieg aus den händen wischen, reiszen lassen u. ähnl., vgl. g.
θ)
vereinzeltes: das sie unterliegen und unrecht dazu haben müssen und sehen, das yhre feinde den sieg uber sie füren. Luther 19, 381, 18 Weim. ausgabe. zeugmatisch: der konig von Agrippen, als er die tochter und den sige mit sein burgern hett behebt, da zogt er wider in sein schöne stat. herzog Ernst 259, 27; aber seine tapfern Schweden behaupteten das feld und den sieg. Hebel 3, 46.
e)
mit dativ, einem den sieg abgewinnen (mhd. gewöhnlich ane gewinnen, vgl. c, η): er glaubte auch jetzt noch, im vertrauen auf die deutsche tapferkeit, dasz er den Italienern den sieg werde abgewinnen können. Giesebrecht kaiserzeit 5, 788;
hei weint uns den segen avegewinnen.
Hagen boich van Colne 958.
ähnlich: einem den sieg aus den händen reissen, eripere alicui, oder extorquere victoriam. Frisch 2, 276ᵇ;
der .. hinab zur hölle stieg,
ihr als ein held entrisz den sieg.
Freiligrath⁵ 2, 70.
einem den sieg ablauffen, abrennen, aus den händen nehmen (reissen). Kramer dict. 2, 810ᵃ; dem feinde den sieg schwer machen. Steinbach 2, 590. im gegentheil, einem den sieg lassen, zugestehen, vgl. 4, e. ferner: sagt den Messenern, dasz ein niedergeschlagenes volk dem feinde den sieg erleichtert; dasz muth in dem elend den sieg erzwingen kann. Klinger 2, 96.
f)
des sieges musz man sich mit besonderer behutsamkeit bedienen. Fleming t. soldat 191ᵃ; es gehört eben so viel klugheit und tugend dazu, sich des erhaltnen sieges mit vortheil zu bedienen, als den sieg zu erlangen .... ein siegender general musz auch seinen sieg gehörig fortzusetzen wissen. 304ᵃ; eine schlacht zu gewinnen, bringt dem überwinder jederzeit viel ehre, aber es ist ein weit gröszeres werk, sich den sieg zu nutze zu machen wissen. Eggers kriegslex. 2, 906; Torstensohn verfolgte seinen sieg. Schiller 8, 400. — und das volck war frölich zu Jerusalem bey dem heiligthum, mit der Judith, drey monden lang und feireten den sieg. Judith 16, 24.
g)
den sieg verlieren, perdere la vittoria. Kramer dict. 2, 810ᵃ, perdere victoriam Stieler 2018: in der schlacht von Zülpich aber verlor das tapfere heer der Alemannen den sieg und seine herrschaft. Hebel 3, 113;
dat sin volc darneder laich
unde den sege gar verlois.
Hagen boich van Colne 1069;
so auch: den sieg fast vor verlohren achten, victoriam prope desperare. Steinbach 2, 590; den sieg fast verlohren geben. Frisch 2, 276ᵇ; sich den sieg aus den händen nehmen lassen, lasciarsi scappar la vittoria delle mani. Kramer a. a. o. mhd. auch:
daʒ er wolde besehen,
wer den sic dort verkür:
ob in kunic Ruodolf verlür u. s. w.
Ottokar reimchron. 15183;
dâr inne si durch manigen stric
niht wolden lâʒen iren sic.
pass. 5, 44 Köpke.
h)
einem den sieg geben, meist von gott: god gaf dem orden de sege, und wunnen den strid. d. städtechron. 7, 388, 5; in des hilghen daghe uns god den seghe van dem hemele gaff in dem stride vor Zelle. 16, 43ᵃ, anmerk. 2; also gab der almechtig got hertzog Eckharten .. und den cristen den sig. zeitschr. f. d. alterthum 5, 257; der du den königen sieg gibst. ps. 144, 10; denn du herr kanst wol sieg geben on alle menge. Judith 9, 13; gott gibt sieg. 2 Macc. 13, 15; und alles volck fiel nider auff das angesicht, betteten an, und lobten den herrn im himel, der jnen glück und sieg gegeben hatte. 1 Macc. 4, 55; gott aber sey danck, der uns den sieg gegeben hat. 1 Cor. 15, 57; wenn ihm gott den sieg verleihe, so wolle er ja gerne ein christ werden. Hebel 3, 43;
sît im der sic wær gegeben.
Ottokar reimchr. 51479;
doch wart der sic beschert
dem marcgrâven und den sînen.
93204;
seit we got selve segen kan
und die deme hei des segen gan!
Hagen boich van Colne 3469;
der himmel gebe solchen sieg
dem ungerechten nicht!
Gleim 4, 31.
so auch: den sieg hat ihn (lies ihm) gott aufgehoben, hanc palmam ipsi deus reservavit. Steinbach 2, 590. von menschen: einem den sieg zuerkennen, adgiudicar, attribuire la vittoria, dar la palma ad uno. Kramer dict. 2, 809ᶜ.
i)
vereinzeltes:
sein antlitz glüht vor ehrbegier,
und herrscht den sieg herbey!
Klopstock 1, 62;
manch blutig treffen wird um nichts gefochten,
weil einen sieg der junge feldherr braucht.
Schiller Piccolom. 2, 7.
k)
mit genitiv:
so freudig ist kein held,
der sich, des siegs gewisz, dem feind' entgegen stellt.
Lichtwer 178.
vgl. siegesgewisz, -bewuszt u. s. w. — und der tag dieses siegs, wird bey den Ebreern fur ein gros fest gehalten. Judith 16, 31; denn die Jüden hatten eine freidige zuversicht zum herrn (welche ein gewis zeichen des siegs ist). 2 Macc. 10, 28; auffälliger: o volck, das du durch den herrn selig wirst, der deiner hülffe schilt, und das schwert deines siegs ist. 5 Mose 33, 29; Bambergs wiedereroberung war die frucht dieses sieges. Schiller 8, 228.
l)
mit präpositionen: zum sieg helffen, contribuire alla vittoria. Kramer dict. 2, 810ᵃ, adjutorem esse victoriae Stieler 2018; hoffnung zum siege haben. ebenda; bis das er ausfüre das gericht zum sieg. Matth. 12, 20; man singt mit freuden vom sieg in den hütten der gerechten. ps. 118, 15; dafür dichterisch:
wir aber singen unsern sieg.
Gleim 4, 12.
anderes: und ward aus dem sieg des tags ein leid unter dem gantzen volck. 2 Sam. 19, 2; nach solchem sieg, zoch alles volck .. gen Jerusalem. Judith 16, 22.
m)
als ausruf sieg!:
die trommeln rollten: sieg!
Freiligrath⁵ 2, 265.
3)
bei dichtern erscheint der sieg zuweilen in einer art personification:
Friederich, der held
dacht' einsam: 'groszer sieg,
berede doch die ganze welt,
zu endigen den krieg!'
Gleim 4, 59;
die kriege Friederichs und wie mit güldnen schwingen
der sieg an seiner seite glänzt.
Uz s. 151 Sauer;
noch fliegt von heer zu heer mit blutigem gefieder
der zweifelhafte sieg.
167;
ihn (den mann) freuet der besitz; ihn krönt der sieg!
Göthe 9, 4 (Iphig. 1, 1);
umschwebt mit frohem fluge nicht der sieg
das heer? und eilt er nicht sogar voraus?
8 (1, 2);
steigt hoch auf das geheul — röcheln die sterbenden
unterm blutgang des siegs.
Schiller 1, 41;
der sieg folgt euren fahnen,
berittene Afghanen!
Freiligrath⁵ 1, 228;
das lied des kriegs soll durch die berge gellen,
bis froh der sieg einst zu uns spricht:
'durch eurer feinde wolke bricht
der freiheit strahl' ....
2, 100.
als concretes ding ist der sieg auch ursprünglich gedacht in 2, d, ζ. η, vgl. e, ferner in der verbindung:
gekrönt mit ruhm und sieg!
Gleim 4, 1.
vgl. sigk, sig der überwindung als umschreibung für palma Pritzel - Jessen. nicht auf personification, sondern auf einer syntaktischen eigenthümlichkeit beruht dagegen der ausdruck:
wir wurden alle lauter sieg.
Gleim 4, 32.
4)
besonderheiten der bedeutung.
a)
sieg bedeutet zunächst die überwindung eines feindes in der schlacht oder im einzelkampfe, ferner das gewinnen des preises im wettkampfe. zuweilen schlieszt es auch die wirkung, die feier des sieges und ähnl. ein, vergl. die glossierung mit triumphus (s. I, 3, a): to Rome ne wart nie nen sege triumphus so grot, de mit so groteme schalle untfangen worde. d. chroniken 2, 85, 20, sowie 1, a und sieg feiern (2, f).
b)
weiterhin wird sieg auch von andern erfolgen gesagt, besonders in liebessachen: rühme dich deines triumfs! erzähle es unter deinen stolzesten siegen, dasz du das herz eines weibes brachst! Schiller Fiesko 4, 10;
sieh, schönste, deinen sieg! der stutzer auge starrt;
und keine schönheit gilt in deiner gegenwart.
Uz s. 292 Sauer ('der sieg des liebesgottes' 2, 111);
wann ein verehrer-schwarm dein stolzes herz beglücket;
wann ihrer lippen ach! dein lüstern ohr entzücket,
und neuer siege ruhm, Selinde! dich vergnügt.
293 (135);
soll sich Selinde nie zu ihrem heil entschlieszen,
nur immer sieghaft seyn und keinen sieg genieszen?
294 (174).
c)
ferner häufig von moralischen überwindungen und ähnl.: da geschichts zu letzt, das auch der feynde ettlich bekeret werden. .. das ist eyn frölicher sieg und uberwindung, die on schwerd und faust geschicht. Luther 15, 73, 19 Weim. ausgabe; ein sieg uber die welt. Arndt bei Kehrein gr. 3, § 292; zween vortreffliche siege werden gefunden, wann man nemlich durch gedult die unbilligkeit, und durch die wohlthat die ubelthat überwindet. Hohberg 3, 1, 122ᵇ, 83;
sünst sagt dj bibel vil von streyt,
wj got der herr sig nimpt und geyt.
dardürch figürlich würt bedeüt,
wj gaystlich streyten frümme leüt ..
mergk Christus und der haylgen syg,
den selben weg zuͦ suͦchen pflig.
gehorsam bisz dem hoͤchsten haypt,
guͤts syges würdstu nit beraybt.
Schwartzenberg Cic. 153ᵈ f.;
so auch: unser glaube ist der sieg, der die welt uberwunden hat. 1 Joh. 5, 4; der tod ist verschlungen in dem sieg. 1 Cor. 15, 55.
d)
von selbstüberwindungen: ihme selbst abbrechen, den zorn mässigen, ist der herrlichste sieg. Corvinus fons lat. 737ᵇ;
sich selbselbsten überwinden, ist der allerschwerste krieg:
sich selbselbsten überwinden, ist der allerschönste sieg.
Logau 3, 65, 46.
so ferner:
jungfrauschafft ist zwar ein sieg
wider unsres fleisches krieg.
1, 31, 5;
das aber ist der segen der schweren leibesarbeit, dasz sie die marternden gedanken alsbald niederkämpft; das ist aber auch ihr uralter fluch, dasz sie sie nicht frei aufsteigen läszt in die klarheit, um dort den sieg zu holen. Auerbach dorfgesch. 2, 158.
e)
sieg von (mehr oder weniger personificierten) abstracten: soll ich dem elend den sieg über mich einräumen? — nein! ich wills dulden. Schiller 2, 163 (räuber 4, 5 schauspiel);
hier gab dein starck gemüthe nach,
an welchem neid und ungemach
so manchen sieg und sturm verlohren.
Günther bei Steinbach 2, 590;
und vor der wahrheit mächt'gem siege
verschwindet jedes werk der lüge.
Schiller 11, 16.
f)
die in den auszergerm. sprachen herrschende abgeblaszte bedeutung 'kraft, macht' scheint ganz vereinzelt auch mhd. zu begegnen: wenn des mannes sâm haiʒ ist und daʒ sein vil ist, sô hât er die kraft und den sig, daʒ er ain knäblein machet. Megenberg 39, 21.
5)
unverwandt sind andre wörter, so
a)
eine altgerm. seltne nominalbildung zu sîgan (vgl. seigen und zweites siegen), ags. sige untergang (der sonne) Bosworth-Toller 872ᵃ. so noch mhd. sic, m. herabfall Lexer hwb. 2, 901:
wâ der regen sînen sic
næme und darnâch wie der snê
von dem himel abher gê.
Heinr. v. Neustadt ron gotes zuokunft 952.
vgl. auch altn. sig, n. herabgelassenes seil. Cleasby-Vigfusson 527ᵃ und Grimm gr. 2, 17.
b)
sieg (der) colum Steinbach 2, 600.
c)
sieg, m. Alberus im lexico beym wort sehen .. ficus, sycosis, marisca. Frisch 2, 276ᶜ.
d)
vorarlbergisch sieg, sîg, gsîg, schottagsîg, bei der käsebereitung die durch langes sieden aus dem sieger (für zieger, s. daselbst) gewonnene dichte gelblichte masse. Frommann 5, 488.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 886, Z. 3.

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seufzung siegeswonne
Zitationshilfe
„sieg“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sieg>, abgerufen am 23.10.2021.

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