Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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siegel, n.

siegel, n.
zeichen der bestätigung. gemeingerm. lehnwort aus lat. sigillum, schon got. als sigljo begegnend; heute in allen germ. sprachen vorhanden: holl. zegel, engl. seal, dän. segl, schwed. sigill. um so auffälliger ist, dasz alle andern altgerm. dialekte das wort nicht kennen, sondern dafür eine zusammensetzung aufweisen: altn. innsigli siegel(ring), ags. insegel, insigle Bosworth-Toller 596ᵃ, altfries. insigil, -sigel Richthofen 855ᵃ, mnl. inseghel, ahd. insigili, sigillum, signaculum, lunula, annulus, moneta Graff 6, 144 f., vgl. insiegel, theil 4, 2, 2142 f. (daneben ingesiegel 2115, mnd. ingesegel). eine befriedigende erklärung dieser bildung ist noch nicht gefunden; jedenfalls scheint sie im germ. (und zwar früh) aufgekommen zu sein, da fürs mittellat. eine ähnliche form bei du Cange nicht verzeichnet ist. (das vereinzelte insigne, das Franck 1199 heranzieht, reicht doch nicht aus.) dieselben sprachen kennen andererseits eine ähnliche wortform als bezeichnung eines metallschmucks, bei der ebenfalls die annahme einer entlehnung aus lat. sigillum nahe liegt: altn. sigli, n. halsband, ags. sigle, n. Bosworth-Toller 874ᵃ, und sigel, sigl (n.?) spange, brosche, bulla, gemma, fibula 873ᵃ (daneben wiederum sigel, sægl, segl sonne, und sigle, f. roggen, aus lat. secale, s. ebenda), ahd. sigilla (nur in einer glosse: sigillun lunula) Graff 6, 144. vgl. dazu W. Grimm kl. schr. 2, 88. Germ. 10, 286. H. Pogatscher lautl. der lehnw. im altengl. s. 57. 61—3. unerklärt ist auch ein ähnlicher stamm in ortsnamen des 9.—11. jahrh.: Bettesigelon, Offansegal, Segalpah, Sigeldrecht, s. Förstemann namenb. 2², 1336. ebenso merkwürdig, wie die durchgängige composition in den ältern sprachstufen ist es, dasz im spätern mittelalter überall das einfache wort wieder durchdringt: mhd. sigel (seit 1260—80, s. unten die belege aus Hagen und Pleier) Lexer handwb. 2, 914, mnd. segel, seggel, segyl. Schiller-Lübben 4, 167ᵃ, mnl. seghel, fries. sigil, sigel Richthofen 1012ᵇ f., mittelengl. seel. dasz hier neue entlehnung vorliegt, wird, wenigstens für einige sprachen (deutsch, fries., schwed.) durch das zuweilen erhaltene ill der zweiten silbe wahrscheinlich gemacht: sigillum sigel, insigel ... siegel, sigille, czegel, seeghell, zaichen. Dief. gl. 533ᵃ, segel nov. gl. 338ᵇ, vgl. Dief.-Wülcker 854. s. ferner Kluge⁶ 364ᵇ f. Weigand 2, 711 f. Franck 1199. Skeat 536ᵇ. Seiler entw. der deutschen kultur 2, 31.
1)
zur geschichte der form im nhd.
a)
die gewöhnliche form ist siegel. die schreibung mit ie begegnet seit dem 15. jahrh.: dieser vurg. sachen zo urkunde han wir ... mallich (jeder) sin siegel unden an disen brief gedruckt. Grimm weisth. 2, 730 (vom j. 1413); umb das der hoff von Remych zu brieffen und zu siegelen steydt. 244 (vom j. 1477). sie ist stehend bei Luther und dadurch allgemein geworden. doch ist die historisch richtigere schreibweise mit bloszem i noch im 16. jahrh. üblich (bei Dasypodius, Maaler, s. unten; ie seit Henisch). sie ist noch jetzt feststehend in der bedeutung 4, f.
b)
daneben begegnen formen, die der lat. wortform näher stehen, mit i der zweiten silbe und mit ll; auch in neuerer zeit noch als alterthümlichkeit: item, wer der ist, der mit der stat sigil brief versigelen will, .. da soll albeg ein burger von dem sigil geben xxxij agler D. tirol. weisth. 4, 598, 22. 24 (um 1460); döszen zu ainen wahren uhrkunt haben wier ... disen brief mit unszern beeden anhangenten sigilen und untergestölten hantschriften bekröftigt. steir. taid. 143, 37 (vom j. 1579); dasz sie mit ainem grössern und klienern sigil über ihre heüszer, grünt und pöden ... mögen fertigen und bekreftigen. 335, 17; da wirstu mir geloben das du meinem genedigen herren in sein sigill nit reden werst. 511, 4 (ebenso z. 7, s. 2, m, dagegen 3: das er umb das sigel peten hab); ich muss auch glauben, das myr mein herr Christus die (brot und wein) zu eynem gewissen sigell, zeichenn und testament geben hat. Luther 11, 79, 31 Weim. ausg. (s. ferner unter 3, d, γ); sigillen und acten recognition. Ayrer proc. juris im reg.; s. auch Schm. 2, 242 unter 4, a; (in neuerer sprache als alterthümlichkeit:) damit der stadt sigill, von ihm so oft unter ehrenvolle urkunden gedruckt, nicht an den schmählichen frieden komme, warf er dasselbe in die fluthen. J. v. Müller 24, 446; das .. mit den kaiserlichen und königlichen unterschriften und sigillen bekräftigte dokument. C. F. Meyer Jenatsch 313;
wann ich gleich wol mit meiner hand
desz königs handschrifft machen wil,
darzu hab ich auch sein sigil.
H. Sachs 5, 234ᵈ;
auch sol man ein brief schlagen an
im schlosz Susan mits königs sigil,
alda auch sind der jüden vil.
15, 107, 17 Götze,
dafür in der alten ausg. 4, 1, 24ᵈ sigel im reim auf: vil der jüden rigel.
c)
das geschlecht ist neutr.; ganz vereinzelt dafür das masc.: aber der feste grund gottes bestehet, und hat diesen siegel. 2 Timoth. 2, 19; er sprach: was wiltu für ein pfandt, dasz ich dir gebe? sie antwortet, deinen sigel, dein fechel und dein stab. buch d. liebe 293ᵈ (bald darauf das siegel, s. 2, b, ebenso sonst in der bibelübers.); löblicher siegel. froschm. V 2ᵃ (am rande zu der unter 2, d angeführten stelle). so auch Simpl. schriften 3, 292, 15, s. 3, g und bei Chamisso s. unten 2, f. 3, f. sigle, f., s. 4, f.
d)
mundartliches: in der Schweiz siegel, m. und n. (in besonderen verwendungen, s. unten) Stalder 2, 373, sìgel, n. Hunziker 241. Tobler 423ᵇ (als masc. in anderm sinne); tirol. sîgl, n. Schöpf 674, in Handschuhsheim siöl Lenz 65ᵇ; nd. segel brem. wb. 4, 733. Dähnert 420ᵇ, segel, sägl ten Doornkaat Koolman 3, 168ᵇ, sä̂gl Danneil 178ᵇ.
2)
siegel in eigentlichem sinne.
a)
sigel oder pütschet (das) signum, sigillum, insigne. Maaler 373ᶜ; bittschier, siegel, signum, sigillum. Henisch 402, 64; siegel, bittschier, n. cachet, signet. Hulsius 298ᵃ; siegel, sigel, n. .. sigello, sugello, suggello, segno. lat. sigillum. v. petschafft, it. wappen etc. Kramer dict. 2, 808ᵃ; siegel, das, pl. die siegel, et insiegel, sigillum, insignia, signum. Stieler 2018; siegel, heisset eigentlich derjenige abdruck, welcher mit dem petschafft oder petschier in eine weich gemachte materie eingedrucket wird, wiewohl einige das instrument selbst, damit nemlich der eindruck gemachet wird, darunter verstehen wollen. die materie, worein man zu drucken, oder womit man zu siegeln pfleget, ist theils siegel-lack, .. siegel-wachs und oblaten, theils aber pfleget man auch auf folgende art zu siegeln, dasz man das petschier über eine lampe oder licht halte, vom rauche anlauffen lasse, und alsdenn auf ein papier abdrucke. öconom. lex.² 2724, ähnlich frauenz.-lex.² 3266. Jacobsson 4, 158ᵃ.
b)
siegel für das instrument, womit gesiegelt wird, ist im ältern nhd. ganz gewöhnlich, jetzt dagegen auf die gröszern officiellen geräte von körperschaften, gemeinden u. s. w. (s. c) eingeschränkt, während für das kleinere siegel von privatpersonen petschaft (früher auch petschier u. ähnl.) in gebrauch ist, s. Adelung: item fur des hern seligen sigel, wigt 3 lot 0 qu. .. 1 fl. 7 β. Tucher haushaltb. s. 61 Loose; in älterer zeit meist als ring gebildet, vgl. siegelring: kennestu auch, wesz das sigel, und der fechel und stab ist? buch d. liebe 294ᵃ (vgl. oben 1, c; dafür 1 Mose 38, 18. 25 dieser ring); setze mich wie ein siegel auff dein hertz, und wie ein siegel auff deinen arm. hohel. 8, 6 (hebr. םתָוֹח siegelring); mit bezug auf das am petschaft angebrachte zeichen, siegel graben, das zeichen eingravieren: der Helt verdient einen tag wol ein gulden mit sigelgraben. d. städtechr. 10, 167, 7; die steinschneiter, die da siegel graben. 2 Mose 2, 11; du solt auch ein stirnblat machen von feinem golde, und ausgraben, wie man die siegel ausgrebt. 36. später gewöhnlich ein siegel stechen ò graben, tagliare, intagliare, incavare un sigillo. Kramer dict. 2, 808ᵇ; ein siegel stechen, sculpere sigillum. Frisch 2, 275ᵇ: der mann grueb oder stach dieweil sigel oder offlateneisen. Zimm. chron.² 1, 512, 36 Barack; nun het grafe Franz Wolf ain gross guldins sigel machen lassen. 483, 35. — sîgl petschaft führt noch Schöpf 674 an.
c)
weniger concret, aber ebenso allgemein steht siegel in bezug auf den inhaber als das diesem eigenthümliche zeichen, bild u. s. w.: sein eigenes siegel haben, uti suo signo. Frisch 2, 275ᵇ; dies stand nicht jedem zu, vgl. siegelmäszig: want wir kein eigen sigel enhan. Grimm weisth. 2, 667 (vom j. 1463). etwas mit dem siegel groszer leute besiegeln. Steinbach 2, 591; diser genannten sigil oder secret sein so in grossem ansehen, das nach auszweisung irer derohalb gesetzter statuten allain ir zwen damit ein testament bekreftigen können. d. städtechron. 11, 787, 19. s. ferner l.auch gemeinden und behörden, städte, reiche u. s. w. haben ihr besonderes siegel, das ein verantwortlicher beamter führt und handhabt, vgl. fürstensiegel (theil 3, 879): fürsten- ò fürstlich siegel, sigillo del prencipe. Kramer dict. 2, 808ᵇ; fürstlich siegel, dicitur etiam secretum principis, quemadmodum kanzleysiegel (theil 5, 181), vulgo cancellariae secretum dicitur, rectius sigillum curiae principis. Stieler 2019; stadtsiegel. ebenda, staats-, reichs- (theil 8, 610), ratssiegel (8, 202); kursiegel, s. theil 5, 2822; kirchensiegel (5, 811), sigillo ecclesiastico. kloster-siegel, sigillo claustrale ò del monasterio. Kramer a. a. o.; universitäts - siegel, segno dell' università (accademia), sigillo accademico. ebenda; amts-siegel, sigillo dell' ufficio. ebenda; handwerkssiegel, theil 4, 2, 429; aber den dreien obristen hauptmendern der stat werden bevolhen die schlüssel zum hailigthumb und zu den pforten, item die sigill. d. städtechron. 11, 794, 23;
here, den burgermeister den doit besenden,
de der stede segel hait under henden.
12, 150 (Hagen boich van Colne 4511).
so unterscheidet man amtssiegel und privatsiegel; ähnlich das grosze siegel 'das staatssiegel, in welches alle wappenbilder der einzelnen teile des staates gegraben sind, zum unterschiede von dem kleinen oder handsiegel, in welches nur eins oder einige vorzügliche wappenbilder des staats eingegraben sind.' Campe: er solle ihnen endlich den Stralsunder frieden, den er bisher blosz mit seinem handsiegel versehen hatte, unter dem groszen siegel ausfertigen. Dahlmann dän. gesch. 2, 46.
d)
so auch ein bild oder sinnbild zum siegel haben, figura emblematica uti in signandis epistolis; imagine obsignare. Frisch 2, 275ᵇ; einen löwen im siegel führen. Adelung, einen anker. Campe; in academia Wittenbergensi haben sie zum siegel divam Catharinam. facet. facet. s. 178; aber der könig Sefi führet in seinem reichs-siegel welches kaum so grosz als ein halber thaler, lauter schrifft. Olearius pers. reisebeschr. 331ᵇ (5, 30);
drumb steht in jhres siegels schild
also der gerechtigkeit bild.
froschmäus. V 2ᵃ.
e)
gewöhnlich bezeichnet siegel den einzelnen abdruck des petschafts in wachs, lack u. s. w. als zeichen der echtheit und gültigkeit eines schriftstücks. das siegel wird demselben entweder aufgedruckt (bis ende des 12. jahrh.), oder angehängt (so gern später), s. Wattenbach schriftw.² 163. 49. 535. Schröder deutsche rechtsgesch.² 673 f. A. Schultz höf. leben² 1, 174.
α)
das siegel aufdrucken, beydrucken, imprimere, improntare, approntare, apporre il sigillo. Kramer dict. 2, 808ᵇ; imprimere sigillum Frisch 2, 275ᵇ; aufgedruckt siegel, impressum Stieler 2018; auf einen brief das siegel drücken. Steinbach 2, 591; das siegel unten daran drücken, signum apponere epistolae. Frisch a. a. o.; so auch: hundert siegel mit dem ringe ins wachs drücken. Steinbach a. a. o.; prichwörtlich: wen du ein sygel in das wasser truckst das waser empfacht dz sygel bald es behalt es aber nit lang, wan als bald du daz sygel darvon thuͦst so flüsset das wasser wider zesamen. Keisersberg emeis 47ᵃ. auch hier kann man siegel in der bedeutung 'petschaft' nehmen.
β)
das siegel anhencken, appendere il sigillo. Kramer dict. 2, 808ᵇ; ein wächsernes siegel an eine urkunde hängen. Adelung (dieses angehängte siegel heiszt dann bulle); es were nachtailig, wo man brief finde, daran seiner vorder sigel anhiengen. Zimm. chron.² 1, 188, 2 Barack;
dyn segel sal dâr hangen by,
dat du dregest an dyner hant.
Theoph. 615;
Reynke .. brachte my do eynen breff,
dar hangede yuwe seggel nedden an.
Reineke Vos 353.
f)
das siegel kommt zunächst dem briefe zu: eine schöne überraschung ... war mir der siegel deines briefes und ich möchte dich auch fragen, ob du ihn als ring trägst. Chamisso briefe 1, 96 (an Hitzig; im nächsten briefe: dich soll Eduard Hitzig's brief und polarstern-siegel erfreuen); der trauerbrief ist durch schwarzes siegel gekennzeichnet:
ein brief!
mit schwarzem rand und siegel!
Gotter 1, 89.
wichtiger ist das siegel bei einer urkunde, wofür namentlich in älterer sprache auch brief, vgl. unten i: wenige tage darauf saszen in der hauptstadt fünf männer um einen tisch, aktenbündel und mit siegel versehene zeugnisse vor ihnen. Auerbach dorfgesch. 2, 143; ein patent ohne siegel. fuchsmundi 117. — auch das buch in der antiken form der rolle wird durch siegel geschlossen: und ich sahe in der rechten hand des, der auff dem stuel sass, ein buch ... auswendig versiegelt mit sieben siegel. offenb. Joh. 5, 1. daher die redensart buch mit sieben siegeln, s. sieben III, 4, d, sp. 789.
g)
das aufgedruckte siegel dient zugleich als verschlusz des briefes; um diesen zu lesen, musz es daher erbrochen werden: sigel auffbrechen, resignare Dasypodius; das zeichen oder sigel auffbrächen, etwas verzeichnets oder versiglets auffthuͦn. Maaler 373ᶜ; resignare, das siegel brechen, öffnen. Corvinus fons lat. 602ᵇ; das siegel erbrechen, versehren, eröffnen, aufthun. Kramer dict. 2, 808ᶜ; erbrochen siegel, signum ruptum, fractum. Stieler 2019; eröffnung, abreissung, und zerbrechung der siegel. Frisch 2, 275ᵇ; wer ist wirdig das buch auffzuthun, und seine siegel zubrechen? offenb. Joh. 5, 2; und ich sahe, das das lamb der siegel eines auffthat. 6, 1; das sigel wahr schohn gelöset, als si sich ehrst erinnerte, dasz sie selbige noch nicht geküsset hätte. Zesen Rosemund s. 7 (14 neudr.); wenn wir einen brief, den wir unter gewissen umständen geschrieben und gesiegelt haben, der aber den freund, an den er gerichtet war, nicht antrifft, sondern wieder zu uns zurück gebracht wird, nach einiger zeit eröffnen, überfällt uns eine sonderbare empfindung, indem wir unser eignes siegel erbrechen. Göthe 18, 126;
vergönnt dasz ich dieszmal das siegel breche.
Shakesp. die beiden Veron. 3, 1.
h)
wenn der empfänger das schreiben erhält, musz das siegel unerbrochen und unversehrt sein: das siegel ist unversehrt, il sigillo e saldo, sano, intiero. Kramer dict. 2, 808ᶜ; unversehrt siegel. Stieler 2019; die briefe sind alle mit gantzen siegeln dem richter übergeben worden. Steinbach 2, 591.
i)
als solches ist es bestätigung der echtheit und authenticität eines schriftstücks, daher bedingung der gültigkeit und rechtskräftigkeit bei urkunden (s. Schröder und A. Schultz a. a. o. unter e): einen brief mit beydruckung des insiegels beurkunden, autenticare, confermare una scrittura coll' appront(ament) o del sigillo. Kramer dict. 2, 808ᵇ. aber es kann selbst nachgemacht, gefälscht werden: ein siegel nachmachen, nachkünsteln, fälschen, controfare (imitare), falsare, falsificare, adulterare un sigillo. ein falsch siegel, sigillo falso, controfatto, posticcio. Kramer dict. 2, 808ᶜ, signum adulterinum. Stieler 2019; ein brief mit einem falschen siegel. Steinbach 2, 591; ein verfälschtes siegel. Frisch 2, 275ᵇ; man hatte die list gebraucht, die namen und siegel des prinzen von Oranien ... und anderer fälschlich nachzumachen. Schiller 7, 186. daher das siegel erkennen, respectiren, riconoscere, rispettare il sigillo. Kramer a. a. o.; sein siegel kann niemand leugnen. Wander 4, 558. — blindes siegel, signum in speciem impressum, vulgo sigillum volans; inde sub sigillo volante, under blindem siegel. Stieler 2019, ebenso Kramer dict. 2, 808ᶜ.
k)
da das siegel notwendig zur urkunde gehört, so hat sich die feste verbindung brief und siegel herausgebildet (vgl. Schröder d. rechtsgesch.² 672), die gern in freierer weise verwendet wird: sigel und brieff, instrumentum. Maaler 373ᵈ; siegel und briefe über etwas haben, haver lettere, scritture autentiche, documenti, stromenti autentichi e sigillati sopra qualche cosa. Kramer dict. 2, 808ᶜ; wer der wäre der mer freihait wolt haben dan des gotzhaus und der herrschaft gewonhait und alter herkomen ist, der sol das mit brief und sigl weisen. steir. taid. 512, 42; das ... in das alles geben und geraicht werde, was ire brief und sigl in sich halten und vermügen. tirol. weisth. 1, 33, 5; etliche groszmechtige stet und künigreich sein dermassen abgetilgt und ausgereut, das man ire näm noch gelegenhait weder wissen noch spüren mêr kan und schier kain glauben geben wil briefe und sigl und wârhaftigen historien, so von solchen meldung tuen. Aventin chron. 1, 57, 30; der münche heyligkeyt, die sie den leuten, auff jhre brieff unnd siegel, umb gelt verkaufften. Mathesius von d. rechtfertigung D 4ᵃ; in der neuern zeit haben einige verfechter der religion ... ihre mitgläubigen aufgefordert, beispiele von wirklichen gebetserhörungen bekannt zu machen, wahrscheinlich weil sie sich brief und siegel wünschten, um ihren gegnern recht diplomatisch und juristisch zu leibe zu gehen. Göthe 19, 310; sagt' ich ihnen, dasz er seinen vorigen einflusz zu geld gemacht, dasz sich sein ganzer reichthum davon herschreibt — so kann ich das zwar nicht, wie man sagt, mit brief und siegel belegen. — aber gott weisz es, die wahrheit ists. Schiller parasit 2, 4;
den vorsatz glauben sie dir gern, sey sicher,
dasz sie's mit brief und siegel dir belegen!
Wallensteins tod 1, 7;
einen hat er (der arzt) pracht von dem leben,
daruber sult ir brief und sigel sehen.
fastn. sp. 59, 11;
secht brief und sigel, das nit felt.
540, 19;
vgl. auch:
alsô muoʒ ein triuwer man
... vor lîhen sich bewarn,
daʒ er gerne lich von der hant
ân brief, ân sigel, âne pfant.
Teichner 150.
in freierer verwendung: ich will dir davon brief und siegel geben, pro certo habeas. Steinbach 2, 591, ebenso nd. ikk wil di dor segel un brewe up gewen, ich will dir dafür sicher stehen. Dähnert 420ᵇ; siegel und brief darüber haben, das ist, versichert seyn. Frisch 2, 275ᶜ; aber du hast darumb noch nicht siegel und brieve von gott, das du gewinnen werdest. Luther 3, 325ᵃ; ja lieber, das sagestu, wer des siegel und brieve hette, das war were. 6, 89ᵇ;
doch über ihre treue
verlangt nicht brief und siegel.
Göthe 1, 44.
eigenthümlich ist die wendung: item die sieben scheffen im hoff zu Remych ensynt nyt schuldig gezüge noch orkund zu draygen lenger dan jar und dach, dess sy nyt versegelt enhaint umb das der hoff von Remych zu brieffen und zu siegelen steydt. Grimm weisth. 2, 244. mhd. scheint sogar sigel allein im sinne einer besiegelten urkunde vorzukommen, s. Lexer handwb. 2, 914.
l)
ähnliche verbindungen: sigel und waapen, insigne, insignia. Maaler 373ᵈ; wenn er (gott) dir nicht siegel und zeichen gibt, so enthalte dichs. Luther 16, 34, 17 Weim. ausg.; ich wiesz ihm den umschlag, da fand sichs, dasz es des lieutenant Hasenpoths hand und siegel ist. Wagner kindermörd. s. 82, 35 neudruck (6);
das ist des kaisers hand und siegel.
Schiller Wallensteins tod 2, 5.
rein pleonastisch ist: den merern personen ... soll der richter dessen orts die rechtstäg und kuntschaftrechten schriftlich unter seinem petschaft und sigl ... verkündt und zu wissen gethan. tirol. weisth. 4, 719, 8.
m)
wer kein eignes siegel hat (vgl. c), musz einen siegelmäszigen vor zwei zeugen um sein siegel bitten, s. Schm. 2, 243 und siegelbitte: und wo ein brief alsdann aufgericht sol werden, so mues der verkaufer umb das sigel pitten. desselbigen nimbt der probst zwen zeugen, die mues im der do verkauft fürstellen, damit sie des zeugen sein, das er umb das sigel peten hab. steir. taid. 511, 1. 3; dafür wird eine gebühr erhoben (ähnlich unsrer heutigen stempelgebühr), vgl. siegelgeld: es soll iederman im gericht alle handlungen, contract und pact (ausser der selbs - sigelmässigen) unter der gerichtsobrigkait insigl aufzurichten und davon dem pfleger oder richter von iedem thail und sigl ain pfunt perner zu geben schuldig sein. tirol. weisth. 4, 639, 30. dazu: sich unter eines siegel binden, das ist, eines fremden siegel, das man aus mangel eines eigenen vorzudrucken, einen andern gebeten, für sein eigenes, oder in seinem namen aufgedrucktes im brief bekennen. Frisch 2, 275ᶜ; dasz si jr insigel für mich offentlich gehenckt hand an disen brief, darunter ich mich willigklich bind, wann ich nun zemal eigens insigel nit hat. Tschudi 1, 563ᵇ. — einem in das siegel reden 'einwendungen erheben gegen die rechtsgültigkeit der gesiegelten urkunde': der bropst ... spricht darauf den zeugen zu: 'hie werdt ir mir des zeugnus geben, das er mir gelobt hat meinem genedigen herren in sein sigill nit ze reden. steir. taid. 511, 7 (ebenso z. 4, s. 1, b; vorher geht die oben angezogene stelle; die erklärung nach dem glossar s. 635ᵇ).
n)
das siegel ist aber auch das zeichen der übernahme einer bürgschaft: wer umbs siegel angesprochen wird, sol sich wol bedencken.
darumb, wenn einer mit begier
schickt, schreibet oder kömpt zu dir,
und bittet dich mit worten fein
sampt andern, ein verschreibung klein
zu siegeln, ...
so folg nicht schleünig seiner stim.
Ringwaldt lauter warh. 43;
nim wol in acht das siegel dein,
und las dich nicht in bürgschafft ein.
42;
man sol nicht allen leuten das siegel versagen. 44. daher übertragen sein siegel brechen, ein gegebenes versprechen nicht halten:
noch haben sye ir sigel nye zeprochen,
noch an keinen jr geleit zudrumpt.
Rosenplüt spruch von Nürnberg 280, vgl. Frommann 1, 260.
o)
das gerichtliche siegel wird an sachen gelegt, die von gerichtswegen beschlagnahmt oder versteigert werden sollen: gerichtsmänner kamen, legten siegel an und lösten sie wieder. Keller 1, 30. etwas unter siegel legen (auch unter schlosz und siegel), versiegeln, besonders gerichtlich, mit beschlag belegen. Campe.
p)
ein schlosz wird durch ein siegel vor unbefugtem öffnen gesichert: darnach giengen sie hinaus, und schlossen die thür zu, und versiegelten sie mit des königes ringe ... und der könig sprach, ist das siegel unverseert? Bel zu Babel 13. 16; die thür eines kerkers, doch wol nur in freierer verwendung, vgl.:
vier hundert ritter wert erkant
hât er in sînen banden
ze sigel und ze phanden.
Pleier Garel 2584.
q)
so in der legende Salomons siegel auf der flasche, worin ein geist eingeschlossen ist:
doch diesen deckel aufzustossen,
den seines siegels allmacht schloss,
vermocht' ich nicht. ein geisterstoss
kann eine welt zu staub zerschmeissen,
diess siegel nur kann nicht zerreissen.
Wieland 18, 226 (winterm. 1, 114. 117);
raubt Salomonis siegel,
der geister graun, und bannt!
Voss 4, 134;
zum dank, dasz er zerbrach das siegel,
das seinen kerker lange zeit
schlosz.
Freiligrath⁵ 1, 120 (d. magier).
in andrer function:
wer diesen ring besitzt, das allgewaltige siegel
des grossen Salomon, dem löscht kein element
das lebenslicht; er geht durch flammen ungebrennt;
schliesst ihn ein kerker ein, so springen schloss und riegel
so bald er sie berührt; und will er von Trident
im nu zu Memfis seyn, so leiht der ring ihm flügel.
nichts ist was der, der diesen talisman
am finger hat, durch ihn nicht wirken kann.
Wieland Oberon 7, 34.
als pflanzenname s. 4, e.
r)
tuch wird mit siegeln bezeichnet, deren zahl zugleich seine güte erkennen läszt: item Mechlisch (tuch) das pest nennt man von der rossn, hat V sigel, das leichter IV sigel, das slecht III sigel. Tegernseer handschr. v. 1500 bei Schm. 2, 243; die arten werden danach bezeichnet als ainsigler, dreisigler, viersigler, s. ebenda; welchs kerntuͦch von den schauwern also guͦt erkandt wird, das sie dünkt das es zweier sigel wirdig si, soll also mit zweien sigeln versigelt werden. wollenweberordn. der markgr. Baden v. 1486 § 74 (während gemeines tuͦch nach § 75 nur ein sigel erhält), s. theil 5, 612; so auch: wenn einer ein tuch machte, das nach erkenntnus der schaumeister so keinnütz dasz es des siegels nicht werth wäre. würtemb. verordn. des 18. jh. bei Heynatz antib. 2, 301.
s)
siegel auf der weinflasche als zeichen der echtheit; sprichwörtlich: das siegel auf der flasche macht den wein nicht besser. Wander 4, 558, 1.
3)
häufig ist siegel in übertragenem, bildlichem gebrauche als ausdruck theils des verschlusses, theils der bestätigung:
a)
als zeichen des verschlusses (vgl. 2, oq), siegel deckt, schlieszt etwas, das siegel von etwas lösen u. ähnl.:
ihm lösten sich der wahrheit siegel,
sein witz zerbrach des irrthums riegel.
Lichtwer 113;
und der zukunft spiegel
decket gottes siegel,
das kein mensch erbricht.
262;
mächtig löszten wir der dinge siegel.
Schiller 1, 281, variante;
ich sehe, wie in einem spiegel,
in der geliebten auge mich;
gelöst vor mir ist jedes siegel,
das mir verbarg mein eignes ich.
Rückert (1882) 1, 378 (liebesfrühl. 1, 22);
und ich fing an, meiner lust nachzugehn ...;
ich löste die siegel des genusses —
und leerte die schalen des überflusses.
11, 291 (10. mak.);
da längst der Griechen schriftthum mir verschlieszt ein dreifach
siegel.
Freiligrath⁵ 1, 157.
b)
sehr gewöhnlich als ausdruck des schweigens, der verschwiegenheit: o das ich künde ein schlos an meinen mund legen, und ein fest siegel auff mein maul drücken, das ... meine zunge mich nicht verderbet. Syrach 22, 33;
lieb' und schweigen ist der bund.
wohl! ich will ihn ehren,
tief in meines herzens grund
mein gefühl verschlieszen,
und ein siegel drücken
auf den pflichtvergesznen mund.
Gotter 1, 65;
ihre lippen schlosz des schmerzes siegel.
345;
und lächeln floh entsetzt vor meinen lippen,
die gram und schmerz mit seinem siegel schlosz.
Grillparzer⁴ 5, 18 (könig Ott. 1).
das siegel brechen, lösen: reisz los das siegel meiner zunge, ström' hin, lied, dem herrn! Fr. Müller 1, 4;
vor ihm (dem gelde) eröffnen sich der ehrnen thüren riegel,
der kisten festes schlosz, und selbst der herzen siegel.
Lichtwer 253;
man geb' ihr zeit, ihr herz zu fragen, sich
der freundin zu vertrauen und das siegel
zu lösen von der fest verschlosznen brust.
Schiller jungfrau von Orleans 3, 4;
es ist zeit, dasz ich
mein schweigen breche, und das siegel löse
von einem lang verschlossenen geheimnisz.
braut von Messina 2, 5;
kommt! brechet alle siegel
vom tiefsten herzensschrein.
Arndt 500.
(unter dem) siegel des geheimnisses, der verschwiegenheit. Borchardt sprichwörtl. redensarten² 1096: Serlo eröffnete ihm darauf, unter dem siegel der verschwiegenheit, seine lage. Göthe 19, 125;
der ort, der anlasz wo ich es (das geheimnis) erfahren,
das siegel (des beichtgeheimnisses) unter dem ich es erfahren,
spricht wenigstens von dieser schuld mich frei.
Schiller dom Karlos 3, 5.
c)
ein siegel auf den mund drücken wird auch sehr oft als umschreibung für einen kusz gesagt, als die bekräftigung der liebe; zugleich vermittelt der begriff des aufdrückens die übertragung, vgl.:
was an dem brief ein siegel, .,.
das ist ein feuchter kusz, wann liebend' ihren bund
so oft bestätigen, als offt die geister brennen.
Mühlpfort hochzeit-ged. (1686) 124;
die eh wird oft durch nichts, als beyder treu, befestigt,
für schwüre dient ein ja, das siegel ist ein kusz.
Haller ged. 27;
so sprach das beste weib, und drückt mit keuschen lippen
das siegel ihres worts auf den geliebten mund.
Wieland Oberon 7, 80;
dann regneten die mäulchen
auf ihren rothen mund;
ein hubsches, festes siegel
für ihren ehebund!
Hölty 12 Halm;
Göthe gebraucht oft siegel schlechthin für 'kusz':
und hunderttausend siegel
bekräftigten den bund.
1, 127;
der abendkusz, ein treu verbindlich siegel.
3, 24.
in anderm sinne:
und so haben
mich, im stillen, ...
hehre musen auferzogen, ...
und das keusche reine siegel
auf die lippen mir gedrücket.
2, 23.
dagegen soll Dianas siegel ausdrücken, dasz ein mund für küsse verschlossen ist:
ihr lippen, die ihr purpurn wallt,
euch ziemt Diana's siegel nicht!
Freiligrath⁵ 2, 102.
d)
auch sonst ist siegel sehr gewöhnlich für 'bestätigung, zeichen und unterpfand einer sache, bürgschaft' u. ähnl.
α)
von concreten dingen: ob nun wohl derogestalt seine herrschafft ohne krieg war, war er doch niemahls ohne waffen, als die gewissesten siegel einer sichern ruh. Lohenstein Arm. 1, 182ᵇ;
das siegel
von ihrem triumf, — noch eine musche, fehlt.
Wieland 4, 26 (Amadis 2, 4);
bald
komm' ich zurück, aus deiner heil'gen hand
der rettung schönes siegel (das bild der göttin) zu empfangen.
Göthe 9, 76 (Iphig. 4, 4).
β)
während siegel hier die gewiszheit und bürgschaft für etwas zukünftiges ausdrückt, bezeichnet es sonst die bestätigung, den beweis eines bereits vorhandenen oder geschehenen:
unsre alten guten väter haben
tausende erschlagner hier begraben,
die der blinde ehrgeiz hingewürgt;
und der hochgeworfne knochenhügel
liegt jahrhunderten zum schwarzen siegel,
das den menschen menschenelend bürgt.
Seume ged. (1826) 47.
so auch: denn das siegel meines apostelampts seid jr. 1 Cor. 9, 2.
γ)
von handlungen, einrichtungen u. ähnl.: die wunder der propheten waren siegel der göttlichen vollmacht. Adelung; diszer zuͦsage zum zeychen ist die beschneidung eingesatzt als ein sigil der verschreibung, dan er schreibt mit lebendigen buͦchstaben lebendige wort und sigelt mit lebendigem sigil. Luther 15, 807, 19 f. Weim. ausg.; das zeichen aber in der beschneitung empfieng er zum siegel der gerechtigkeit des glaubens. Röm. 4, 11; auff das die leute, an den hochwirdigen sacramenten jre gewisse siegel haben mögen. das jnen gott gnedig und barmhertzig sey. Sarcerius hirtenb. (1562) 76ᵇ; (unsre urväter) wusten kein gröszeres siegel der verträge, als das klirren der degen, mit dem zuruf: der mond ist zeuge! Herder 1, 165 Suphan; Wurm. sie müssen ... das sakrament darauf nehmen, diesen brief für einen freiwilligen zu erkennen. Louise. gott! gott! und du selbst must das siegel geben, die werke der hölle zu verwahren? Schiller kab. u. liebe 3, 6;
es (Christi leiden) soll mir sein ein spiegel
der unschuld und ein siegel
der lieb und unverfälschten treu.
P. Gerhardt s. 73 Gödeke.
unbestimmter:
dein heiland starb;
er, er erwarb
auf seinem todeshügel
dir deines glaubens siegel.
Sturm im hannov. gesangb. nr. 425, 5.
δ)
bestätigung durch worte, zeugnis: Philippus begerte einmal von mir, ich wolte jm ein siegel ausz der bibel geben. Luther tischr. 28ᵇ; endlich hat die frau von Buchwald vollends das siegel auf meine autorschaft gedrückt, indem sie am Gothaischen hofe öffentlich erklärt hat — sie habe seit langer zeit nichts gelesen, das sie mehr erfreut habe als meine Wilhelmine. Thümmel 7, 55 (1819);
Golo. doch ist der Hans hier. ist es euch genehm,
den zu befragen? Siegfr. aus des reitknechts mund
ein siegel mir erbetteln für den schimpf?
Hebbel (1891) 1, 169 (Genov. 4, 5).
ε)
zuweilen wird pfand und siegel verbunden: schöne werke der bildenden kunst sind also immer ganz zuverlässig siegel und pfand schönerer natur; nun machten die alten griechischen künstler schönere werke als die unsrigen: also waren die Griechen schönere menschen. Wieland 24, 154;
(er) nimmt als pfand und siegel
ihn (den traum) an, dass bald, vielleicht in nächster nacht,
Rosinens huld den traum zu wahrheit macht.
21, 271 (Klelia 5, 80);
der ertzbischoff
soll eine hostie theilen zwischen dir und ihm,
zum pfand und siegel redlicher versöhnung.
Schiller jungfrau von Orleans 3, 2.
e)
sein siegel auf, in etwas drücken, das gepräge seiner eigenart, das bleibende zeichen, dasz man daran gearbeitet hat u. ähnl.; von den spuren menschlicher thätigkeit an concreten dingen:
ich erkenne dich, bildender geist!
hast dein siegel in den stein geprägt.
Göthe 2, 177;
es hat die hand des menschen eingegraben
das siegel eines geistes in den stein,
worauf ich steh', — schriftzeichen sind's, buchstaben.
Chamisso 2, 27 Koch (Salas y Gomez 1).
abstract, mit andrer wendung:
doch wohl gefiel dem kaiser, was ihm nützte,
und schweigend drückt' er diesen frevelthaten
sein kaiserliches siegel auf.
Schiller Wallenst. tod 1, 7.
so auch bildlich:
vergebens hat ihr königliches siegel
die schönheit jedem theil so sichtbar aufgedrückt.
Wieland 22, 121 (Oberon 3, 44).
f)
daran schlieszen sich folgende wendungen: und (ich) sahe einen andern engel auffsteigen von der sonnen auffgang, der hatte das siegel (var.: das wartzeichen) des lebendigen gottes. offenb. Joh. 7, 2; das sie nicht beleidigeten das gras auff erden, ... sondern allein die menschen, die nicht haben das siegel gottes an jren stirnen. 9, 4;
das siegel meiner königlichen gunst
soll hell und weit auf eurer stirne leuchten.
Schiller 5, 2, 355 (don Karlos 4, 12);
welchem Phöbus die augen, die lippen Hermes gelöset,
und das siegel der macht Zeus auf die stirne gedrückt.
11, 269;
nun steht es hier und nimmer lösch' ich's aus,
der hoheit siegel auf der stirn.
Geibel 7, 69.
ähnlich mit ausgeführtem bilde: voller jugend und anmuth ein kind, ein geschmeidiges wachs, darauf vielleicht der heilige siegel sich beschönt abdrückte? Chamisso briefe 1, 192.
g)
das siegel der vollkommenheit auf ein werk drücken: hr. B. (Bürger) sagt also keineswegs zu viel, wenn er popularität eines gedichts für das 'siegel der vollkommenheit' erklärt ... 'wenn ein gedicht, scheint er sagen zu wollen, die prüfung des ächten geschmacks aushält und mit diesem vorzug noch eine klarheit und faszlichkeit verbindet, die es fähig macht im munde des volks zu leben; dann ist ihm das siegel der vollkommenheit aufgedrückt'. Schiller 6, 319; so sollst du dich ebenfalls bemühen, all' deinem werk und thun das siegel der vollkommenheit zu geben. Hebel 3, 5. — ähnlich aber auch blosz das siegel worauf drücken, etwas durch eine concrete handlung oder ähnl. zu seiner höhe und zum abschlusz bringen: sein herz zu letzen, ein siegel seinem wiederkehrenden glauben aufzudrücken, nahm er das halstuch aus der vorigen tasche. Göthe 18, 113; der älteren deutschen baukunst ..., deren begriff sich mir immer mehr und mehr erweiterte und reinigte. eine fahrt nach Köln ... drückte hierauf das siegel. 32, 95; bei der getreuesten kopie der natur ... wird die vorsehung verlieren, die auf das angefangene werk in diesem jahrhundert vielleicht erst im folgenden das siegel drückt. Schiller 2, 345; mit deutlicher übertragung: der siegel an diesem brieff aber, so den schimpff bekräfftigt oder vielmehr vergrösserte, war, dasz der gute herr auch in der eil seine barücke nicht aufgesetzt. Simpl. schr. 3, 292, 15 Kurz. so auch:
wenn nicht zärtlichkeit das siegel
auf den bund der treue drückt.
Gotter 1, 262.
ferner: du hattest gelogen, Oswald, und die lüge ist aller laster siegel. Immermann Münchh. 4, 91. auffallender ist: du (könig von Tyrus) bist ein reinlich siegel, voller weisheit, und aus der massen schöne. Hesek. 28, 12 (var.: ein ausbund von einem schönen werck, vgl. d. anm.).
h)
vereinzeltes:
dit ist nu der ritter spigil,
darinne si sich sullin beschowin,
befestint mit der töginde sigil.
rittersp. 4103;
er drückt auf sterne sein siegel: sie verschwinden!
Herder 6, 21 Suphan.
4)
besonderheiten.
a)
im sinne von talisman scheint nur die nebenform sigill vorzukommen: sigill, von sigillum, nennen einige die steine, dabey aberglaubischer weise auf zeit, figur, aspecten und andre umstände gesehen wird, wann sie gegraben werden. Frisch 2, 276ᵃ; von den 7 metallen als astrologisch-wirksamen sigillen. handschr. des 18. jh. bei Schm. 2, 242.
b)
siegel, n. schönpflästerchen Stalder 2, 373 (vgl. Wieland unter 3, d, α).
c)
ähnlich nd. sä̂gl 'der grosze schmutzfleck auf dem ärmel unreinlicher knaben, wenn sie die nase nur mit dem ärmel abwischen'. Danneil 178ᵇ.
d)
schweiz. ferner für spund 'als öffnung und kurzer pfropf', vgl. siegelloch. Stalder 2, 373 ('weil die fässer ehdem gesiegelt wurden').
e)
als pflanzenname finden sich die verbindungen Salomonssiegel, s. theil 8, 1700, und Venussiegel (in Leipzig für die einbeere, paris quadrifolia. Pritzel-Jessen).
f)
auf selbstständiger entlehnung beruht vielleicht das sigel oder die sigle für die feststehende abkürzung eines wortes als technischer ausdruck der diplomatik und der stenographie; auch sonst: im gefühl ihrer zahl zeichnen sie (die katholiken) ihre häuser durch die sigle IHS aus. Niebuhr nachgel. schr. 190.
5)
andre wörter gleicher oder ähnlicher lautform haben dagegen mit dem behandelten worte nichts zu thun.
a)
siegel für segel, s. dieses, sp. 82: jre schiff (der Suionen) seind etwas anderst dann sonst die andern pflegen, formiert ... haben auch keyn siegel. Micyllus Tac. 451ᵃ (nec velis ministrant. Germ. 44). vielleicht rückbildung aus siegeln, s. dieses (zweites wort).
b)
siegel 'in der jägersprache der hinterlauf des rehes'. Drechsler W. Scherffer s. 243 (nach Grob. 92).
c)
siegel als bezeichnung verschiedener pflanzen, s. 4, e, ferner: sigel, insigel, einsigel, hundszigel, als name des seidelbasts, daphne mezereum Pritzel-Jessen, s. auch Schm. 2, 242, ist wol nur entstellt aus mhd. zîdel(bast).
d)
mundartliches: oberpfälz. sigel, m. geschwulst, beule, s. zweites segel, sp. 89, und Schm. 2, 238.
e)
schweiz. siegel, m. eingeschlächt, beilage beim fleisch, zugabe von knochen, leber u. s. w. Stalder 2, 321. Tobler 423ᵇ.
f)
ebenda sigel, m. für 'etwas unerfreuliches in einem ganzen, insbesondere ein miszrathenes kind einer sonst wackern familie'. Tobler a. a. o., ein schreiendes, eigensinniges kind Hunziker 241.
g)
sigkl als münze, s. sickel 1, sp. 755 (mlat. sicla, siclus du Cange 7, 470): dann zuo schatzung beger ich dreümalhundert tausent sigkl .. zuo bezalen. zschr. f. d. alterth. 5, 263 (volksb. v. k. Friedrich).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 895, Z. 37.

siegeln, n.

siegeln, n.
verb.
I.
denominativ zu siegel, mit einem siegel versehen. so schon got. sigljan (sigljands σφραγισάμενος 2 Cor. 1, 22); altfries. sigelia, siglia Richthofen 1013ᵃ; alts. siglian, glosse zu signate Wadstein s. 56ᵃ, 5 (Essener evang. gl.); mnd. segelen Schiller-Lübben 4, 167ᵇ, neund. segeln, signum imprimere, signare. brem. wb. 4, 734. Dähnert 430ᵇ, holl. zegelen; ahd. sigiljan, -en nur in zusammensetzungen (ki-, int-, bi-, in- und biinsigilen) Graff 6, 145; mhd. sigelen Lexer handwb. 2, 914 f. (daneben mit fremder endung ver-sigillieren 3, 229); sigillare siegelen, bes., sigeln, besigeln, -siglen, segeln, bye segeln, besiggeln. Dief. gl. 533ᵃ; voringesedeln nov. gl. 338ᵇ; auch in ältern bair. quellen begegnet vereinzelt sideln, s. Schm. 2, 243. das einfache wort ist überall selten, wenn überhaupt belegt; auch im nhd. steht es im ganzen gegen die composita be-, ver-, zusiegeln u. s. w. zurück. in älterer zeit begegnet oft die (historisch richtigere) schreibung mit bloszem i. vgl. Weigand 2, 712.
1)
eigentlich: siglen, sigillare. Dasypodius; sigillum apponere, sigillo rem sive causam approbare, confirmare. Maaler 373ᵈ; siegelen, siegel aufftrücken, seeler, signer, cacheter. Hulsius 298ᵃ; sigillare Schottel 1416; siegeln, sigeln, sigillare, sugellare, bollare. Kramer dict. 2, 808ᶜ; siegelen, sigillare, obsignare, consignare cera, signum imprimere. Stieler 2019. Steinbach 2, 591.
a)
absolut: das niemant in der herrschaft Rattenberg schreib, noch sigl, es geschech dann vor der herrschaft. tirol. weisth. 106, 12; 'wollen sie gleich siegeln?' fragte er ... er bot ihr eine achatschale hin, worin ein siegelring und mehrere petschafte lagen mit fein geschnittenen wappen, namenszügen oder antiken steinen, und lud sie ein, sich ein siegel zu wählen ... (sie) wünschte mit dem zinnernen jackenknopfe zu petschieren, den sie zu diesem zweck aufbewahre. Keller 7, 71; vgl. auch siegler.
b)
womit siegeln, und zwar mit dem petschaft, siegelring u. s. w.: damit dise unser übergab in kunftiger zeit kreftiger geacht und wârhaftiger gelaubt werd, haben wir hie unden mit unser aigen hant das bevestigt und mit unserm ring zue sigeln verschafft. Aventin schriften 1, 56, 13;
drauf nimmt der mörder dem entseelten gast
den daumenring, womit er sonst gesiegelt.
Uhland ged. (1864) 453.
oder mit siegellack u. ähnl., vgl. Zimm. chron.² 1, 503 Barack unter siegellack. verkürzt rot siegeln, mit rotem siegellack:
sonst siegelte man grün und schrieb klein
und hielt's fast alle welt gemein;
jetzt schreibt man grosz und siegelt roth,
das weder teufel hält noch tod.
Wander 4, 559.
(schwarzgesiegelt, s. c, gelbgesiegelt unter h.)
c)
transitiv, so schon mhd., doch ist zusammensetzung üblicher. einen brief siegeln um ihn zu verschlieszen (auch be-, ver-, zusiegeln): brieff siglen, obsignare literas et epistolas. Maaler 373ᵈ; einen brief siegeln, sigillare una lettera Kramer dict. 2, 808ᶜ; epistolam signare Steinbach 2, 591; signum imprimere Frisch 2, 275ᶜ; gesiegelter brief, (ob)signata epistula Stieler 2019;
die brieve wâren getihtet,
geschriben unde gerihtet,
unt wurden zesamene geleit.
dô man si vielt unt besneit,
man warmte wahs, daʒ was zetriben.
si wurden gesigelt und überschriben.
Eraclius 1684;
herr, pald und rasch sigelt den brief!
fastn. sp. 278, 20;
du löschest das geschriebne wieder aus,
jezt siegelst du den brief und gleich darauf
eröfnest du ihn wieder.
Schiller 6, 153 (Iphig. in Aulis 1, 1, v. 37).
so auch groszgesiegelt: das groszgesiegelte schreiben. J. Paul Tit. 1, 101; einen schwarzgesiegelten brief (trauerbrief). Göthe 19, 140, s. theil 9, 2334.
d)
eine urkunde siegeln, hier als bestätigung und ausdruck der rechtskraft: ein testament, einen contract etc. siegeln, sigillare un testamento, un contratto etc. Kramer dict. 2, 808ᶜ; ein blancket siegeln, sigillare una carta-bianca. 809ᵃ, so auch: ein testament helffen siegeln, esser' uno de' testimonii à sigillare un testamento. die zeugen haben gesiegelt, i testimonii hanno sigillato cioè approntato ciascuno il suo sigillo. ebenda. aber auch für stempeln: papier etc. siegeln, sigillare, bollar carte etc. v. stämpfen. ebenda. selbst das amtliche unterzeichnen von urkunden scheint so bezeichnet zu werden: mit der hand oder fäderen siglen, das sigel underschreyben, wie die notari thuͦnd, obsignare. Maaler 373ᵈ. — allgemein, als thätigkeit der canzleibeamten, siegler (vgl. daselbst):
hie kumpt von Banberg ausz dem stift
unsers herrn bischofs sigler her.
herr wirt, der leszt euch piten ser,
das er bei euch hie sigeln tet.
ob iemant hie zu sigeln het,
der wird sich fugen wol herein.
fastn. sp. 277, 10 f.
häufig in freierer verwendung, s. 2.
e)
in ähnlichem sinne gebraucht die ältere sprache auch siegeln absolut mit präpositionalen wendungen, um etwas siegeln: grundherrschaften, welch einzig und allein um deren stüftbaren grunt und pöden, erb- und paurecht verbriefen und siglen können. tirol. weisth. 1, 44, 16; prelaten und die vom adl, die mögen selbst umb ir grunt und poden, erb- oder paurecht und umb leibgeding wol siglen. 106, 14, ebenso 2, 370, 36; diser gestalt gab im (dem papst) kaiser Ruedolf etlich stett und herrschaft in welschen landen, muesten die bischoff darumb sigeln. Aventin schriften 1, 235, 25; hat kaiser Friderich der erst drum gesigelt. chron. 1, 343, 22. über: das nun hinfüran ausserhalb der herrschaft und gruntherrschaft kainer nit siglen soll, dann über seine aigne grunt und güeter. tirol. weisth. 1, 75, 34; da ainer ain guet entlidet, dienst darauf versötzet oder verkauffet oder frembte herrschaft dariber sigln liesse. 101, 27.
f)
für einen siegeln, sich verbürgen, bürgschaft leisten, vgl. siegel 2, n; oft bei Schweinichen; die verbürgte summe steht bald als object, bald wird sie ebenfalls durch für angeschlossen, z. b.: der herr von Lossenstein hatte 300 thlr. vor ifg. gesiegelt. 2, 34; (sie) überreden mich dabei, dasz ich in bürgschaft vor sie einging und siegelte vor starke summen geldes. 175; demnach ich vor Adam Schellendorf .. vor 1000 thl. gegen Nickel Waldau gesiegelt, und David Waldau die verschreibung bekommen. 3, 160; wann auch Hans Bieberan in der Waldischen post neben mir gesiegelt hatte, so wollte ich auch, dasz seine erben neben mir zahlten. 162; siegel nicht für andere, oder dir werden greuliche und beschwerliche siegel wieder auffgedruckt. Coler hausb. 1, 118ᵃ.
g)
siegeln bei andern verschlüssen, so (im bilde):
sô bint im in der selben stunt
mit einem vademe sînen munt ...
ouch sô nim ein vingerlîn ...
dâmit sigele im den knoten.
pass. 91, 42 Köpke.
h)
auch weinflaschen besserer marke werden gesiegelt; so auch: da sie den gelbgesiegelten aus meinem keller doch schon kennen. Freytag 3, 56 (journalisten 2, 2).
2)
in freierer anwendung.
a)
von der amtlichen bestätigung einer urkunde, s. 1, d, aber mit bezug auf den inhalt derselben:
sank je ein schlaf auf meine augenlider, ...
ich wüszte dann, was auf den richterbänken ...
verhandelt wird — was an Europa's höfen
gebrütet — und was in den kabineten
der könige gesiegelt wird.
Schiller dom Karlos 2, 6.
im bilde:
swaʒ Minne schrîbet und diu Liebe sigelt
in Triuwen kanzelîe,
wirt daʒ gebrochen, waʒ ist dann verrigelt?
Hadamar v. Laber jagd 527.
b)
dann überhaupt bestätigen, beweisen, sichern, unwiderruflich machen:
nun bittest du den gott, dir eine kleine, kleine
unschuld'ge bitte zu gewähren. die
dir seine lieb und gottheit siegeln sollte.
Schiller 1, 325 (Semele 1);
soll ein lebewohl,
behend, auf ewig, unsre trennung siegeln?
Göthe 9, 351 (nat. tochter 4, 3).
c)
kühner und anschaulicher ist folgende übertragung:
so zeitig weisen sich geschlecht und hoher stand,
wenn nehmlich tapffres blut der kinder stirne siegelt.
Günther 720.
d)
nur in der ältern sprache findet sich siegeln für 'zum abschlusz bringen, beendigen': sigeln wolt ich und beschlieszen diese materi, so seind noch etlich, die begerent mer. d. städtechron. 3, 161, 10.
e)
vereinzelt und ungewöhnlich mit angabe des effects, wozu, wohinein siegeln, durch siegeln dazu machen, dahin einschlieszen: got schreib und sigle dich zuͦ eym guͦtten jar. S. Franck weltb. 150ᵃ;
er spricht der sonne und sie geht nicht auf:
die sterne siegelt er in ihre wohnungen.
Herder 11, 250 Suphan.
II.
ältere und richtigere nebenform zu segeln, s. dieses sp. 93. weitere belege: die christenleute sigelten wider an heim, und kamen offt wider, auch sonst andere kauffleute viel, umb des kauffschlagens willen: und sigelten zuletzt mit grossen hauffen dahin. Waissel chron. (1599) 54ᵃ; das seine leute frey und ungehindert nach alter gewohnheit, durch des königes strome ohne feindschafft unnd schaden siegeln möchten. Schütz beschr. der lande Preuszen (1599) 117ᵃ; (er) setzete sich zu schiffe, siegelte anfänglich in Gottland. Micrälius altes Pommern 3, 398; der könig siegelte von Holland auff Copenhagen. ebenda;
von Pârîs bôt er mir die hand,
und sigelt üb(e)r in Engelant.
Oswald v. Wolkenstein 6, 206.
III.
mundartliches.
1)
schweiz. sigela sickern Tobler 424ᵃ, vgl. sickeln.
2)
in manchen mundarten tritt sigeln für sideln, siedeln ein, vgl. dieses sp. 864. so auch tirol. sîgeln a) für siedeln, angesessen sein, sich häuslich niederlassen, dazu àinsigl, ua ̃sigl einsiedler; b) für südeln, sudeln, garkochen; sîgler garkoch Schöpf 674.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 907, Z. 54.

sigelte, siegelte, erd, f.

si(e)gelte erd, f.
terra sigillata. Comenius sprachenthür 137 (gegen ende), vgl. siegelerde.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 911, Z. 38.

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Zitationshilfe
„siegeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siegeln>, abgerufen am 18.10.2021.

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