Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

siegstein, m.

siegstein, m.
siegbringender stein, mhd. sigestein 'stein von wunderbarer wirkung, welcher nicht nur sieg, sondern auch schönheit, jugend etc. verleiht'. Lexer hdwb. 2, 918, vgl. Grimm myth.⁴ 2, 1020 f. 3, 362. Strobl glossar zu Heinr. v. Neustadt s. 253ᵇ:
so gelauben etleich allermaist,
das der sigstain (var.: siger-, sigelstain) hab die chraft,
das er mache sigehaft.
Vintler pluemen der tugent 7808 (vgl. die anm.).
den sigstein blâsen, gieszen Helbling 4, 124, vgl. Lexer a. a. o. altd. blätter 2, 12. häufig wird mhd. sigestein in sigelstein entstellt oder damit vermischt, vgl. siegelstein 2, sp. 911. vereinzelt steht sigstein für einen als siegesdenkmal errichteten stein: dô richt Samuel ainen stain uff zuͦ zaichen des siges, den hiessen sy den sigstain. Merzdorf historienbibel s. 308. — im nhd. begegnet siegstein ebenfalls in dem sinne eines steines, der fest, unverwundbar machen, und gegen krankheiten sichern soll, doch zumeist als name bestimmter arten, namentlich der sternsteine, astroiten. Nemnich: sigstein (der) hat vil runde sternle, gleich wie wertzle der brüsten, item fünff streymen oder zincken wie man die sternen maalet, orites, vel ostrites (von Frisch 2, 277ᵃ in astroites berichtigt). Maaler 373ᵈ f.; astroites et astriobulus, ein siegstein. Corvinus fons lat. 630ᵇ; siegstein, der, asterias, astriobulus. Stieler nachsch. 27ᵇ; siegstein, m. asterias, astroites, ein edelstein, der kleine sternlein zeigt, dem der alten aberglaub den sieg im streit zuschrieb. Frisch 2, 276ᵇ; siegstein, sichstein, victorianus, wird darumb also genant, dasz der ihn trägt, soll grossen sieg haben wider alle seine feinde. etliche nennen ihn asiten stellarum, sternstein, quod multis stellulis distinctus ac pictus sit. Coler hausb. (1680) 1, 693ᵇ (17, cap. 33). nach Adelung, Campe, Weigand 2, 713 ferner name einer art weiszer achate mit runden bläulichen streifen, lapis victorinus, der der volksglaube die gleiche eigenschaft beilegt.in Gottscheer mundart entstellt zu siedelstein (shidlschtoin), der edelstein in der schlangenkrone der märchen, der den besitzer reich und gesund macht und beständiges glück verleiht. Hauffen sprachinsel Gottschee s. 97.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 949, Z. 1.

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Zitationshilfe
„siegstein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siegstein>, abgerufen am 24.10.2021.

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