Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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siffeln, verb.

siffeln, verb.
1)
tirol. zischen. Schöpf 674, schon mhd. ähnlich, zischeln, flüstern:
daʒ sint der herren râtgeben,
di ir êre furdern solden und leben (l. heben?),
di siflent in zuo den ôren
und machent si ze tôren.
quelle (Stricker?) bei Grimm myth.² 1001;
auch mndl. sifflen, sibilare Kilian. vgl. franz. siffler, altfranz. auch sibler, lat. sibilare, sifilare Diez etym. wb.⁴ 678. siffeln kann damit urverwandt oder lehnwort sein. bair. süffeln, flüstern Schm.² 2, 232 läszt sich auf ital. zufolare, pfeifen Diez⁴ 100 zurückführen, aber auch als selbständige ablautende nebenform zu siffeln erklären.
2)
im gleichen sprachgebiet: bei schleppendem gange den boden streifen, rauschen Schöpf 674, kärnt. hin und her siffeln, mit den füszen schleifen Lexer kärnt. wb. 233, auch so schon mhd.:
selbe soltû sehen
daʒ ich (beim tanze) ûf der erde niht (en?) siffel mit den zehen.
Neidhart v. Reuenthal 18, 27 Haupt. vgl. die anmerkung dazu;
nun bin ich alt, graw und kranck,
mir sinckt das haupt, und siffel auf den fiessen.
Neith. fuchs 3830 Boxberger (= minnes. 3, 225ᵃ, 5, 6 Hagen, wo aber statt siffel slîfe steht).
kärnt. die kleider aͦsifleln, wol: schleifend abnutzen Lexer kärnt. wb. 231. mhd. besiffeln ist bezeugt im allgemeineren sinne von schleifend, streifend berühren:
er wolt(e) wekken niht sîn wîp,
und doch besehen, waʒ im den lîp
besiffelt; stille greif er dar (es ist eine schnur).
gesammtabent. 2, 339, 67 Hagen.
siffeln kärnt. auch in der verwandten besonderen bedeutung schleifen, wetzen Lexer kärnt. wb. 231. bair. süffeln, gleiten, aufstreifen mit den füszen im gehen Schm.² 2, 231 erscheint auch hier als nebenform, vgl. 1. es ist möglich, dasz die beiden bedeutungsgruppen 1 und 2 éinem wort angehören. das beim gleiten, schleifen entstehende geräusch bietet die vermittlung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 963, Z. 20.

suffel, n.?, (f.?)

suffel, n.? (f.?),
zubrot, zukost zum brot: obsonium suffel in zwei voc. lat. germ. des 15. jh. (md.) bei Diefenbach 390ᵃ; obsonium, omne quod comeditur, praeter panem suffel nd. voc. v. j. 1429 und 1445 bei Schiller-Lübben 4, 460ᵃ. dazu, falls nicht, wie Franck-van Wijk et. woordenb. d. nederl. taal 829 annehmen, sûvel vorliegt: alle presters leenen to vorgeven ... item alle andern gueder als suvel, rogge, solt (salz) (16. jh.) Schiller-Lübben 4, 480ᵇ. das in den meisten germ. sprachen belegte wort ist bildung mit l-suffix (Kluge nom. stammb. § 156ᵃ) zu germ. suf-, s. Walde-Pokorny 2, 463. vgl. altsächsisch: pulmentum suual ahd. gll. 1, 318, 27. altnord. sufl, n., 'was man zum brot iszt'; schwed. sovel, n.; norw. sûvl, sûl, sôvl, f.; dän. sul; ags. sufel pulmentarium; engl. dial. soul zukost, belag, aufschnitt. mit û: mnl. sûvel, nl. zuivel; dazu in Ostfriesland: süfel, süvel milch und alle erzeugnisse davon Doornkaat-Koolman 3, 361; wî hebben noch brôd un süfel wir haben noch alles, was zum lebensunterhalt nötig ist ebda. dagegen sind deminutiva ahd. suffilin sorbiciunculas ahd. gll. 1, 419, 19, sûfenli ebda (vgl. dazu P. Sievers accente in ahd. und as. handschr. 55), vielleicht auch suvil 'episumen' 3, 155, 37 und suffilun 'sorbiciunculas' 1, 419, 15; suphilun 'sorbiciunculam' 1, 424, 21 (zum nom. suphila, suffila). aber pisufli 'ephi polenti' 1, 408, 30 könnte zu suffel mit der in compositis üblichen ja-weiterbildung gehören.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1000, Z. 54.

süffel1, m.

¹süffel, m.,
säufer, saufbruder, trunkenbold. junge ableitung von ¹suff, nicht vor dem 19. jh. sieh unten auch süffer, süffler und süffling, ferner söffel in teil 10, 1, 1403 (wozu ein älterer beleg: frag jede hausfrau, deren mann z. b. ein söffel ist Körte sprichw. 269): si hei 's geld verchlepft wie liederliche süffle (1866) schweiz. id. 7, 359; meine gattin titulierte mich gelegentlich als einen stillen süffel ebda; wie unendlich viel angenehmer aber ist hier (in Paris) zu verhandeln als in London, wo die antiquare phantastische alte süffel sind Jac. Burckhardt briefe an einen architekten (1897) 124; dies faktotum, ein schon halb zum kretin gewordener süffel, lebte fast ausschlieszlich von dem inhalt dieser vier flaschen Fontane von zwanzig bis dreiszig 113; während er den lebemann, den süffel und den lüderjahn spielte ders., familienbriefe (1905) 2, 44; ein alter süffel hätte für sein leben gern ... mitgefeiert dtsche rundsch. (1919) 1, 104; 'ja', sagte er, 'das war der alte süffel auf der 'Klara' ...' G. Frenssen Hilligenlei (1920) 230. vielfach in md. u. obd. mundarten, z. b. bei Müller-Fraureuth 2, 588ᵃ; Albrecht Leipz. 220; Blumer nordwestböhm. 87; Hertel thür. 240; Liesenberg Stieger ma. 216; Fischer schwäb. 5, 1952; schweiz. s. oben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1001, Z. 5.

süffel2, n.

²süffel, n.,
'mundartlich, bei dem nassauischen thonbergbau ein rohr, durch welches die wasser aus dem damme eines thonschachtes in das tiefste abgeführt werden' H. Veith dtsch. bergwb. (1870) 483. offenbar mit saufen verwandt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1001, Z. 27.

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Zitationshilfe
„siffeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siffeln>, abgerufen am 23.10.2021.

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