Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

silbenstecher, m.

silbenstecher, m.
der silben sticht. Campe, vgl. die vorigen: oder geschieht es deszwegen, weil es leichter und bequemer ist, zu neun und neunzig phantastischen abhandlungen z. b. über das schöne, das erhabene, u. s. w. die hundertste zusammen zu phantasiren, und sich dadurch das ansehen eines tiefsinnigen forschers zu erwerben — als den jünger der Musen durch das grosze und mannigfaltige wort- und sylbengebiet durchzuführen, und ihm die kunst des vollkommenen poetischen ausdrucks in hundert bis auf das kleinste und feinste zergliederten beispielen beizubringen, dafür aber vielleicht zum dank ein sylbenstecher zu heiszen? Bürger 351ᵇ; mein doppelt gestrichner vetter nahm ein falsches spanisches rohr und schlug einen alten silbenstecher braun und blau gewürfelt. J. Paul paling. 1, 72;
das fest ist eröffnet, die pauke dröhnt! verliebte zecher, herein!
ihr lumpen und jünger des Abu Seid, ihr silbenstecher, herein!
Leuthold ged.⁴ 135.
im gegensatz zum sinnforscher, der dem tieferen, vernünftigen sinn vorurtheilslos nachforscht: der sinnforscher findet sogleich diesen sinn; der silbenstecher kann auch unsinn auftreiben. Voss Virgils ländl. ged. 1, 194.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 973, Z. 36.

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Zitationshilfe
„silbenstecher“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/silbenstecher>, abgerufen am 25.10.2021.

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