Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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silber, m.

silber, m.
zu silbe, in den zusammensetzungen einsilber, zweisilber und dergl.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 974, Z. 63.

silber, n.

silber, n.
argentum.
I.
formales. das wort ist gemeingermanisch und lautet got. silubr; altnord. silfr, schwed. silfver, norw. sylv, dän. sølv; ags. seolfor, siolfur silofr, syllfor (-er, -ur). Bosworth-Toller 864ᵃ; engl. silver; altfries. selover, selver, selvir, silver, saterländ. selwer. Richthofen 1006; altniederfränk. silver. ps. 65, 10. 67, 31, mndl. silver Reinaert. Kilian, selver Reinaert, nndl. zilver; alts. silubar Heliand, mnd. silver Sachsenspiegel. Theophilus, sülver Claus Bur 236, sulver Dief. 47ᵇ. Schiller-Lübben 4, 464ᵇ, nnd. silwer Woeste 237ᵃ, sülwer Dähnert 473ᵃ. Danneil 216ᵃ. Mi 89ᵃ. Schambach 218ᵇ, sülber, sülver Schütze 4, 224, sülfer ten Doornkaat Koolman 3, 363ᵇ, sulver brem. wb. 4, 1094; ahd. silabar, silapar, silibar, silbar, silbir, silber. Graff 6, 214. 215, mhd. silber, frühmd. silver, selver Lexer mhd. handwb. 2, 921, nhd. durchaus silber, wofür frühnhd. auch die schreibung sylber begegnet. Dasypodius. silber steht jedenfalls in enger etymologischer beziehung zu den folgenden nichtgermanischen bezeichnungen des silbers: altkirchenslav. sĭrebro, russ. serebro, poln. śrebro, böhm. střjbro, wend. sljebro, lett. sudrabs, lit. sidâbras, altpreusz. sirablan, siraplis; lapp. silbba; bask. zillar. eine andre gruppe bilden skr. rajatá; griech. ἀργυρός, ἀγύριον; lat. argentum, ital. argento, span. argen, franz. argent, roman. argient, walach. ardshint, alban. ἐρϜέντ, ir. airgjod, welsch arian, armor. argan. Kluge etym. wb.⁶ 365ᵃ meint, die letztere weise auf eine urindogerm. bezeichnung, silber mit seinen verwandten dagegen sei gewisz kein indogerm. wort, vielleicht von den Germanen auf der wanderung von einem nichtindogerm. stamme übernommen und den Slaven übermittelt. Uhlenbeck Paul u. Braunes beitr. 20, 43 ff. etym. wb. d. got. spr. 125 hält mit Thomsen einflusz der germ. sprachen auf die finnischlappischen 170 lapp. silbba für aus dem germ. entlehnt, ebenso bask. zillar und die formen der baltischen sprachen (lett., lit., preusz.). das germ. wort ist nach ihm nun aber seinerseits entlehnt aus altkirchensl. sĭrebro, weil dies 'mit seinen beiden r eine ältere lautgestalt darbietet' und 'das wort doch wol im orient zu hause ist'. berücksichtigt man, dasz die germanischen und baltoslavischen sprachen sich auch in der bezeichnung des goldes zu einer ähnlichen gruppe zusammenschlieszen (lit. auksas, preusz. ausis stimmt allerdings zu lat. aurum, wofür vielleicht der bernsteinhandel die erklärung bietet. vgl. Hehn kulturpfl. u. hausth.⁵ 461) und dort alter ablaut annahme einer entlehnung zu verbieten scheint (got. gulþ, ablautend mit altkirchensl. zlato und lett. zelts. Uhlenbeck got. etym. 63), so liegt es nahe, solche übereinstimmung auch bei silber auf eine vorgeschichtliche zeit volklicher gemeinschaft von Germanen und Slaven zurückzuführen, für die auch manche andre, beiden stämmen gemeinsame wörter sprechen. vgl. Heyne das deutsche wohnungswesen 4. über weitere etymologische beziehungen und die ursprüngliche bedeutung von silber herrscht noch unsicherheit. im anschlusz an die annahme, die lit. form komme dem ältesten lautstand am nächsten, wird gesch. d. d. spr. 11 ff. auf Potts vergleichung von skr. sitâbha, weiszglänzend und lit. swidus, blank, sowie auf die zusammenstellung mit skr. śvêta, weisz, zend. śpenta, slav. svent, leuchtend und lat. sidus, gestirn hingewiesen. andre vergleichen lateinisch sulfur. Lexer mhd. handwörterbuch 2, 981. auch an griech. σέλας, glanz darf erinnert werden. Hehn kulturpfl. u. hausth.⁵ 462 vermutet beziehung zu dem namen der stadt Ἀλύβη (aus Σαλύβη?) am Pontus, auf grund von Il. 2, 857: ἐξ Ἀλύβης, ὅθεν ἀργύρου ἐστὶ γενέθλη. Uhlenbeck lehnt in Paul u. Braunes beitr. 20, 45 diese annahme aus lautlichen gründen ab, möchte aber mit Brunnhofer urgesch. der Arier 2 (vom Pontus bis zum Indus), 7 ff. an zusammenhang mit dem namen des als silberreich bezeichneten flusses (oder berges: Brunnhofer a. a. o. 8) Σίβρος denken (Σίβρω [lesart: Σίμβρω] ἐπ' ἀργυρέω ποταμῷ παρὰ δινήεντι. Panyasis bei Stephanus von Byzanz), der nach Brunnhofer a. a. o. 9 gleichfalls in die gegend des Pontus weist. Σίβρος ist nach ihm etymologisch und sachlich verwandt oder identisch mit dem auch als bezeichnung eines gewässers erscheinenden Ἀλύβη. — als stoffbezeichnung bildet das wort im allgemeinen keinen plural, doch erscheint ein solcher in technischer sprache, wenn arten oder mengen gemeint sind (vgl. unten II, 1), in älterer zeit auch, wo gegenstände aus silber bezeichnet werden sollen (vgl. unten II, 8).
II.
bedeutung und gebrauch.
1)
das wort bezeichnet seit ältester zeit ausschlieszlich das bekannte edelmetall, das, wie die formalen verhältnisse lehren (s. I), den Germanen schon in vorgeschichtlicher zeit bekannt gewesen ist: argentum haiʒt silber. Megenberg 476, 2; des silbers acht man zun zeiten Salomo nichts. 1 kön. 10, 21; es hat das silber seine genge. Hiob 28, 1; im königreiche Chili wird das silber höher geschätzt als das gold. Wiedemann gefangensch. 1, 29; silber ist nechst dem gold das edelste metall. öconom. lex. (1744) 2725;
zi nuzze grebt man ouh thâr (in Franken)   êr inti kuphar,
joh bî thîa meina   îsîne steinâ;
ouh tharazua fuagi   silabar ginuagi.
Otfrid 1, 1, 71;
man gap dâ niht bî drîʒec pfunden,
wan silber, als eʒ wære funden,
gab man hin und rîche wât.
Walther 25, 33.
in technischer sprache pluralisch von arten oder mengen. Adelung: wie die Meissner jhre silber etwan mit grosser anzal auff Franckforter mess gefüret, und die Crabaten jre flitschgold in Sibenbürgen verkauffen. Mathesius Sar. 96ᵇ; iedoch sollen die silber auffm test nicht uber trieben werden. Ercker 31ᵃ.
2)
häufig wird das silber mit dem am meisten geschätzten edelmetalle, dem golde zusammen genannt: ni curet bisizen gold noh silabar noh scaz in iuuaremo bruohahe. Tat. 44, 6; sie uôbent unreht umbe gold unde umbe silber. Notker ps. 25, 10; alle die an in gelŏbent, die rîchet er (der antichrist) mit golde und mit silbere. spec. eccl. 173; Abram aber war seer reich von vieh, silber, und gold. 1 Mose 13, 2; er (der könig) sol auch nicht viel weiber nemen das sein hertz nicht abgewand werde, und sol auch nicht viel silber und gold samlen. 5 Mose 17, 17; es wird sie jr silber und gold nicht erretten mügen, am tage des zorns des herrn. Zephanja 1, 18; silber und gold habe ich nicht. ap.-gesch. 3, 6; ewr gold und silber ist verrostet. Jac. 5, 3; das jre wahr niemand mehr keuffen wird, die wahr des golds, und silbers, und edelgesteins. offenb. 18, 12;
(Matthäus) forlêt al saman
gold endi siluƀar.
Heliand 1197;
ef gi willead mînun wordun hôrean,
than ne samnôd gi hir sink mikil   silƀres ne goldes.
1644;
die erzenîe kunden,   den bôt man rîchen solt,
silber âne wâge,   dar zuo daʒ liehte golt.
Nib. 254. 2;
silber und golt swære   was ir botenbrôt.
650, 2;
man gap in golt daʒ rôte,   silber ungewegen.
Kuarun 65, 3;
ob uns der künic Hetele   ze rehte wære holt,
und ob wir eʒʒen solten   silber oder golt,
des möhte wir dâ heime   wol sô vil bevinden,
daʒ wir grôʒen hunger   dâ von ofte möhten überwinden.
323, 2;
ic hebbe noch selver ende gout ...
so vele, dat cume een waghen
te seven waerven soude ghedraghen.
Reinaert 2133;
hefstu silver unde golt,
so wil ik dy (dem satan) den dûrsten solt
dhen ik ye gewan verkopen:
myne sele.
Theophilus 590;
darumb wil ich euch wesen hold
und will euch geben silber und gold.
fastn. sp. 510, 15 Keller;
nemmet dar umb gutten solt,
beide silber und golt.
Alsf. pass. 6878 Grein.
silber dem geringwertigen blei gegenübergestellt:
silber ist peʒʒer danne blî.
Hugo v. Trimberg renner 9088;
wer messing nicht vor gold, kein bley vor silber hält.
Günther bei Steinbach 2, 592.
3)
silber durch gewichts- oder münzbezeichnungen quantitativ bestimmt: iþ fauramaþljos þaiei weisun faura mis, kauridedun þo managein, jah nemun at im hlaibans jah wein jah nauhþanuh silubris sikle ·m·. Neh. 5, 15; ist ieman hie, der mir ein ei umb eine mark silbers welle geben? Berthold von Regensburg 1, 426, 25; thet hi achta merk seloveris tha liodon selle. Richthofen 116ᵇ, 18; des silbers aber, das von der gemeine kam, war hundert centner. 2 Mose 38, 25; aus den hundert centnern silbers, gos man die füsse des heiligthums. 27; einen widder on wandel von der herd, der zween sekel silbers werd sey. 3 Mose 5, 15; also das ja eine schüssel hundert und dreissig sekel silbers, und ja eine schale siebenzig sekel hatte. 4 Mose 7, 85; verware diesen man, wo man sein wird missen, so sol deine seele an stat seiner seele sein, oder solt ein centner silbers darwegen. 1 kön. 20, 39; die Philister brachten Josaphat geschencke, eine last silbers. 2 chron. 17, 11; das ander volck ... gab zwey tausent pfund silbers. Neh. 7, 72; der arme unterthan ... denkt, der markt, worauf er ein loth silber für 12 mgr. kaufen kann, sey ungleich schöner, als ein ander, der es zu 24 mgr. ausbietet. Möser phant. 1 (1775), 204; dergestalt dasz der zentner garkupfer nur noch 3 quintlein bis höchstens ein loth silber halten wird. Jacobsson 4, 166ᵃ;
daʒ er dem truchsæʒen
silbers tûsent marc gap.
Ottokar 44115 Seemüller;
mit funf lôt silbers wart der trôst
Jhêsus nâch der ê gelôst,
und ouch zwei durteltûbelîn,
daʒ solt des kindes opfer sîn.
erlösung 3528;
und gib ihm wider sein handschrift,
die zehen pfund silbers betrifft.
H. Sachs 1, 152, 14 Keller.
4)
verbale fügungen.
a)
in denen silber als object oder in adverbialer verbindung erscheint.
α)
silber gewinnen Karmarsch - Heeren³ 8, 244. 245. silber heben: wer silber und ertz hub, der brachts zur hebe dem herrn. 2 Mose 35, 24. silber brechen: silver ne mut ok neman breken up enes anderen mannes gude, ane des willen des de stat ist. Sachsenspiegel 1, 35, 2 Homeyer; das meiste silber wird in America gebrochen. öconom. lex. (1744) 2725. ähnlich:
ey die heuersknaben sind hübsch und fein,
sie hauen das silber aus herten stein.
bergreihen 69, 26 neudruck.
silber graben: wer silber ader golt graben wil der sal das thun mit des hoffehern wille des daʒ gut ist. Glogauer rechtsbuch von 1386 cap. 534 bei Wascherschleben rechtsqu. 1, 64; item bynnen onsen dinckstuyl, so in is in onsen zijden noch in mannes gedencken silver, bly, yseren noch stäil gegraven. weisth. 2, 789 (gegend von Aachen, v. 1413); die bergwerck ..., da man gold und silber grebet. 1 Macc. 8, 3. silber aus schlacken zu bringen. Coler (1680) 1, 708ᵇ; silber aus dem antimonio oder spiesglas zu bringen. 709ᵃ. silber ausbringen, das silber aus dem erz durch schmelzen erlangen. Jacobsson 4, 168ᵃ. silber ausziehen, aus silberhaltendem schwarzkupfer, gewinnen. Karmarsch-Heeren³ 8, 241. silber in den rohstein bringen, die mit kiesen beschickten silbererze über dem hochofen schmelzen, dasz die berge zu schlacken werden und ein rohstein erlangt werde, darin das in dem erz gewesene silber vorhanden ist. Jacobsson 4, 173ᵇ. silber in das werk bringen, vermittelst der schmelzung der erze mit blei das silber zusammen aus den erzen in das blei ziehen. 173ᵃ. silber übers blei stechen, von den werken scheiden: also sehen wir in propheten, das sie es (das blei) auch zum schmeltzen, eben wie wir gebraucht haben. denn sie haben jren ertzen bley zugesetzt und für geschlagen, und die silber ubers bley gestochen, und darnach durchs geblese im fewr wider von den wercken geschieden. Mathesius Sar. 103ᵃ. silber schmelzen Steinbach 2, 592. Adelung, bei der läuterung und bei weiterer verarbeitung. silber läutern: eʒ (das silber) ist mit erden und mit unsauberkait gemischt und dar umb bedarf eʒ grôʒer arbait, ê man eʒ geläutert in dem feur. Megenberg 476, 21; denn gott du hast uns versucht, und geleutert, wie das silber geleutert wird. ps. 66, 10; silber zu läutern. Coler hausb. (1680) 1, 709ᵃ;
wan sibenmahl das silber wirt geläuttert.
Weckherlin 45.
in gleichem sinne silber reinigen: (im bilde) er wird sitzen und schmeltzen, und das silber reinigen Maleachi 3, 3; silber zu reinigen und fein zu machen zum gradiren. Coler hausb. (1680) 1, 709ᵃ; vornämlich musz dieses silber (das krudosilber) darum gereiniget und fein gemacht werden, weil ohne solches die münzen mit ihrer beschickung ohnmöglich zurechte kommen können. Jacobsson 4, 165ᵃ; silber durch schwefel zu reinigen. 7, 354ᵇ. silber affinieren 4, 165ᵃ, raffinieren Karmarsch-Heeren³ 8, 244. silber brennen. quelle des 15. jh. bei Lexer mhd. hdwb. 2, 921; silber brennen oder fein machen. Coler hausb. (1680) 1, 708ᵃ. Jacobsson 4, 168ᵇ; silber fein brennen, durch schmelzung und läuterung zu feinem silber machen, im windofen unter einer muffel, im windofen ohne muffel mit flammenfeuer, vor dem gebläse. 170ᵃ. silber treiben, abtreiben, im hüttenwerk, auf dem treibherd läutern. silber absüszen, silberkalk mit wasser kochen, um reines silber daraus zu gewinnen. Jacobsson 4, 164ᵇ. silber aus einer lösung fällen. Karm.-Heeren³ 8, 245. silber aus dem scheidewasser durchs kupfer nieder zu schlagen. Jacobsson 7, 352ᵃ. silber scheiden, von andern damit vermischten körpern. Coler hausb. (1680) 1, 709ᵇ; silber von gold zu scheiden, durch schmelzung. 708ᵃ; silber zu scheiden von eisen. 708ᵇ; silber von kupfer mit vitriol und salpetersäure zu scheiden. Jacobsson 7, 359ᵃ. silber zu pulver machen, mit hülfe von scheidewasser: Coler hausb. (1680) 1, 709ᵃ.
β)
an, am silber, mit silber arbeiten: ich hab jn (der herr den Bezaleel) erfüllet mit dem geist gottes, mit weisheit und verstand und erkenntnis, und mit allerley werck künstlich zu erbeiten am gold, silber, ertz. 2 Mose 31, 4; so sende mir nu einen weisen man zu erbeiten, mit gold, silber, ertz, eisen. 2 chron. 2, 7; der weisz zu erbeiten an gold, silber, ertz, eisen. 14. in neuerer sprache dafür in silber arbeiten. Campe. silber verarbeiten, zu müntzen, allerhand gefässen, auch blätlein und faden. Jablonski lex. (1721) 721ᵃ. nur in technischer sprache silber arbeiten, gegenstände von silber verfertigen. Jacobsson 4, 166ᵇ. silber läszt sich ziehen, schlagen und gieszen. Jablonski lex. (1721) 721ᵃ. silber treiben, als ausdruck des silberarbeiters, hämmern. silber prägen, zu münzen. silber gieszen, geschmolzenes silber in formen gieszen zur herstellung silberner gebrauchsgegenstände. Jacobsson 4, 173ᵇ. silber löthen 7, 359ᵃ. silber polieren 4, 174ᵇ. silber vergolden 176ᵃ. etwas aus, von silber verfertigen, machen. Campe: aus jrem silber und gold machen sie götzen. Hos. 8, 4; von silber gemacht. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 810ᶜ. ähnlich:
smide hieʒ man gâhen   wurken einen sarc
von silber und von golde.
Nibel. 979, 2.
etwas mit silber beschlagen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 810ᶜ. Frisch 2, 277ᵃ. Adelung: einen krug am mundstücke mit silber beschlagen, ab labris poculum argento circumcludere. Stieler 1720; ein kistlein so mit silber beschlagen, cassetta coperta di piastrelle ò di lamme d'argento. Kramer 2, 810ᶜ;
so wi leider van velen sên
de dâr êren knaken unde bên;
mit golde unde sülver se de beslân.
Claus Bur 236.
ähnlich: uuâhe goltketenon in lampreite uuîs gebrôihta machen uuir dir, in uuurme uuîs geblahmâlot mit silbere (vermiculatas argento). Williram 18, 4 Seemüller. etwas mit silber überziehen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 810ᶜ: also, das jre (der säulen) köpffe uberzogen waren mit silber. 2 Mose 38, 17; es (das holz) ist mit gold und silber uberzogen. Hab. 3, 19; mit silber überzogen, argentatus. Frisch 2, 277ᵃ. etwas in silber fassen Kramer 2, 810ᶜ, einfassen: wolfszahn in silber eingefaszet, dens luporum argento inclusus, vulgo pacificale. Stieler 1720, mit silber fassen:
das zuckergeschirr von violigem glase, mit silber
zierlich gefasst.
Voss 2, 56.
in silber stechen, caelare argento. Corvinus fons latinitatis 1 (1660), 101ᵇ.
γ)
silber wägen, zur bestimmung der menge u. ähnl.: ich .. wug jnen (den priestern) dar das silber und gold. Esra 8, 25; man kan nicht gold umb sie geben, noch silber darwegen, sie zu bezalen. Hiob 28, 15; du wegest dein gold und silber ein. Syrach 28, 29.
δ)
silber probiren, bonitatem argenti explorare. Stieler 1720, auf echtheit, feingehalt, vermischung mit andern körpern untersuchen: silber auf gold zu probiren, auf vermischung mit gold. Jacobsson 4, 167ᵇ; legirtes silber auf die feine (den feingehalt) zu probiren. 7, 356ᵃ. ähnlich: uuanda becorôdôs uns, got, mit fuire uns irsuohtôs, alsô man irsuokit silver, sicut examinatur argentum. altniederfränk. ps. 65, 10 Heyne. mit unpersönlichem subject: wie das fewer silber, und der ofen gold, also prüfet der herr die hertzen. spr. Sal. 17, 3.
b)
in denen silber als subject erscheint: das silber bricht in gängen von mancherley art. Jablonski lex. (1721) 721ᵃ; es wächset auch wohl zu tage aus, wie ein drat oder verworrenes haar, auch wohl zähnig und spitzig, wie ein bäumlein. ebenda. silber schmilzt, wenn es starker hitze ausgesetzt wird: wie das silber zerschmeltzet im ofen. Hesek. 22, 22. silber gehet auf der capelle ab, wenn der zusatz sich in die capelle zieht und das silber in kleinen klümpchen, als silberkorn (s. dies) darauf zurückbleibt. Jacobsson 7, 355ᵇ. silber eilet in das spor, wenn es dem blick (s. silberblick) nahe ist, an ausdehnung abnimmt und sich in dem spor, der vertiefung im schmelzofen, zusammenzieht. 4, 169ᵇ. silber giebt blumen, wenn sich blasen auf dem blick (s. silberblick) bilden wie auf siedendem wasser. 7, 355ᵇ. 1, 244ᵇ. das silber blickt, wenn es den silberblick (s. dies) zeigt. 1, 244ᵇ. silber läuft an, beläuft im gebrauche. silber glänzt, schimmert, blinkt. vgl. 9, c.
5)
adjectivische und participiale verbindungen.
a)
silber in dem zustande, wie man es in der erde findet, wird genannt: ungemachts oder geprochen silber. quelle des 15. jahrh. bei Lexer mhd. handwb. 2, 921, gewachsen silber Jacobsson 4, 169ᵃ. ästiges silber heiszt gewachsenes silber, das wie äste gestaltet ist. 167ᵃ. körniges silber, gewachsenes silber, das aus kleinen körnern besteht. 174ᵃ. angeflogenes silber, gewachsenes silber, das aus kleinen blättchen besteht. 166ᵇ: an etlichen spenlein hab ich selber angeschmeicht oder angeflogen silber gesehen. Mathesius Sarepta 62ᵃ. derbes silber, gewachsenes silber, das aus groszen stücken besteht. 169ᵃ. massives silber, dasselbe. ebenda, aber auch in gewöhnlicher rede gebraucht für: reines verarbeitetes silber. gediegenes silber, argentum purum. Corvinus fons latinitatis 1 (1660), 111ᵃ, argentum grave Stieler 1720, argento di massa Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 810ᶜ, argentum infectum Steinbach 2, 592, infectum rude Frisch 2, 277ᵃ, gewachsenes, nicht vererztes (s. unten 5, b) silber. Karm.-Heeren³ 8, 238: wenn sie ein schönen anbruch, derb und gedigen silber unnd gold inn zechen ... anschawen. Mathesius Sar. 2ᵃ, aber auch reines verarbeitetes silber. in letzterem sinne erscheinen bei Luther zwei heute veraltete verbindungen, deren adj. mit gedeihen, gediegen etymologisch verwandt sind: mache dir zwo drometen von gedeyem silber. 4 Mose 10, 2, ausgabe von 1523, später: von tichtem silber. geleutert silber, argentum pusulatum Stieler 1720, argento raffinato Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 810ᶜ. in gleichem sinne: die rede des herrn ist lauter, wie durchleutert silber im erdenen tigel, beweret sieben mal. ps. 12, 7. lauter silber, argentum aridum Maaler 374ᵃ: swer dem andern silber gelobet, der sol dem andern luter silber geben; lobet er im golt, daʒ sol er im bi dem besten geben. Schwabensp. 254 Gengler; daʒ (silber) ... ist werhaft, wenn eʒ lauter ist. Megenberg 476, 2; drey tausent centener golds von Ophir, und sieben tausent centener, lauter silbers, das gebe ich zum heiligen hause gottes. 1 chron. 30, 4;
dem wil man ainn jering esel schenken
und tausent silberein schellen dran henken,
do iezliche an der schwern hot
an lauterm silber zehen lot.
fastn. sp. 765, 20 Keller.
fein silber, argentum pustulatum Maaler 374ᵃ, argentum purum, excoctum Stieler 1720, argento raffinato Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 810ᶜ, argentum purgatum Steinbach 2, 592, argentum purum, non cupro mixtum Frisch 2, 277ᵃ, feines silber, welches von allem fremden zusatze frei ist Adelung: das si goltschmidt die march auf 14 lot fein silber und nit darunter machen noch hingeben. tirol. weisth. 1, 24, 33 (17. jahrh.); alsdenn (wenn es gebrannt ist, vgl. silber brennen unter 4, a, α) wird es als fein silber in die müntze oder sonst zu verarbeiten hingegeben. Jablonski lex. (1721) 721ᵃ;
dit been is ghepolijst also
claer, oft waer van silver fijn.
Reinaert II 5487 Martin;
silber fein zu machen durch einen salpeterflusz. Jacobsson 7, 354ᵇ; silber fein brennen, s. oben 4, a, α. gebranntes silber, durch brennen geläutertes (vgl. silber brennen ebenda): das wir han ... ginamet von in vierzig mark gebrantes silber ze gewerffe, das man geben sol enzwuschent s. Martini mess und wynacht. quelle bei Scherz-Oberlin 1500. vgl. auch Williram 52, 16 Seemüller unter 9, b. anders ausgebrandt silber, argento brucciato ò in polvere. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 810ᶜ. pur silber, feines. ebenda. reines silber Campe. gut silber, probum Stieler 1720, gutes Steinbach 2, 592. echtes silber im gegensatz zu falschem, das kein silber ist. Stieler 1720. unverfälscht, lötig silber, argento di lega, di buona lega. Kramer 2, 810ᶜ. (im bilde:)
der valsche vriunt (ist) im gelîch,
der vriunt ist mit den worten, und enseit mit [den] werken sich,
dâ wirt er lugenære,
sîn wâge dâ niht lœtic silber wert.
minnes. 2, 224ᵃ Hagen.
silber ist .. weisz von farbe. öconom. lex. (1744) 2725. weiszes silber, gutes: hwasa enne mon felle, thet hine gelde mith sextene merkum hwittes selueres. Richthofen 328ᵃ, 4; dûsent marg wîʒes silbers. quelle von 1303 bei Lexer mhd. handwb. 2, 921; sprichwörtlich: weiszes silber macht schwarzes gewissen. Wander 4, 562, 20; auch von gewachsenem silber: das aller beste glaszertz und weisz silber, wenn es gleich gar derb ist, helt uber 14. lot nicht viel, denn es hat noch seine bergkwildigkeit bey sich, die jm im fewer abgehet. Mathesius Sar. 63ᵇ. vgl. schwarz silber unter b. blankes silber (vgl. unten 8, a), als gegensatz mattes, oxydiertes. geschmeidiges, ungeschmeidiges silber: ungeschmeidig silber geschmeidig zu machen. setze es auff einen andern dest, doch so reib erstlich kupffer abe auff den de(n)st, damit er nicht rauche, und setze es darnach auff, und so es anfähet zu treiben, so setze es auff ein marck fein silbers, 2 loth geschmeidig kupffer, und lasz es damit abgehen, so wird es geschmeidig. Coler hausb. 1 (1680), 708ᵃ; silber geschmeidig zu brennen. nim gestossen venedisch glasz, und venedisch seiffen, so das ungeschmeidig silber treibt, thu das gestossen glasz und seiffen langsam drein, so verraucht der grobe schwefel, und (das silber) wird geschmeidig. 709ᵇ.
b)
vererztes silber, in erzen enthaltenes. Adelung, in gegensatz zu gediegenem. Karm.-Heeren³ 8, 238 (s. dies unter a): silber durch schwefel und arsenik vererzt. Jacobsson 7, 354ᵇ. in ähnlichem sinne verlarvtes silber. Campe (vgl. verlarven 3 unten theil 12, 724). güldisches, göldisches, goldhaltiges silber, gold enthaltendes gediegenes oder durch schmelzung gewonnenes silber. Karmarsch-Heeren³ 8, 269. Scheuchenstuel 106. kupferhaltiges silber, das von natur kupfer enthält oder dem kupfer zugesetzt ist. Karmarsch-Heeren³ 8, 264. das erstere heiszt auch kupfriges silber, das letztere auch mit kupfer beschicktes oder kurz beschicktes, legiertes. Jacobsson 7, 356. kupferhaltiges silber heiszt auch schwarzes: es scholt niemant dhain schwarz silber verkaufen noch kaufen, als die münzer. quelle bei Frisch 2, 277ᵃ. vgl. weiszes silber unter a. zwölflöthiges silber, das auf eine mark zwölf loth silber und vier loth kupfer enthält, und ähnlich: wenn die stadt Cölln es wagt, zwölflöthig silber zu verarbeiten, um den Augspurgern den preis abzugewinnen: so wagt es ... eilflöthig silber zu verarbeiten. Möser patr. phant. 1 (1775), 203. geringhaltig silber, argento basso (das geringen feingehalt hat). Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 810ᶜ. ähnlich, im bilde: die aber gotes wort ungerne horn ... die sin von gote niht und heiʒʒen ein bose silber und ein verworfen silber. Schönbach altd. pred. 1, 59, 13; darumb heissen sie auch ein verworffen silber, denn der herr hat sie verworffen. Jer. 6, 30. geschwefeltes silber, mit schwefel geschmolzenes. Jacobsson 7, 354ᵇ. kaltes silber, eine mischung von silberkalk (s. dies) und weinstein, zum übersilbern, bei den gürtlern. Adelung. falsch silber, argentum adulteratum, sive adulterinum. Stieler 1720.
c)
chemische verbindungen des silbers: salpetersaures silber Campe. Karmarsch-Heeren³ 8, 264. schwefelsaures silber Campe. Karmarsch-Heeren³ 8, 265. schwefligsaures silber 266. salzsaures silber Campe. knallsaures silber Karmarsch-Heeren³ 8, 265. essigsaures silber 266 u. dergl.
d)
gearbeitet silber, argento lavorato, messo in opera. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 810ᶜ. als gegensatz: ungearbeitet silber, argentum infectum. Corvinus fons lat. 1 (1660), 111ᵃ. Stieler 1720. verarbeitetes silber, argentum factum. Frisch 2, 277ᵃ. als gegensatz unverarbeitetes, in gleichem sinne: golt unde silver ungewercht, dat ne hort den vrowen (zur morgengabe) nicht. Sachsenspiegel 1, 24, 3 Homeyer. gemalen silber, argento macinato. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 810ᶜ. gezogen silber, argento tirato. ebenda. getriebenes silber, mit dem hammer verarbeitetes. geplätt silber, argento battuto, lamette d'argento. ebenda. ebenso geschlagen silber, argento battuto in lamme ò piastre. ebenda, geschlagenes, zu dünnen blättchen gehämmertes. Jablonski lex. 2 (1702), 721ᵃ, auch übertragen auf silber, das in form dünner blättchen in der erde gefunden wird. Jacobsson 4, 173ᵃ, in anderem sinne: silber das gemüntzet oder geschlagen ist, argentum signatum. Maaler 374ᵃ. gemüntztes silber, argentum signatum. Corvinus fons lat. 1 (1660), 111ᵃ. Stieler 1720, gemünztes silber Adelung. Jacobsson 7, 355ᵇ. vermünztes silber, dasselbe. Frisch 2, 277ᵃ. ebenso gebregt silber. Corvinus fons lat. 1 (1660), 111ᵃ, geprägtes silber Steinbach 2, 592. Frisch 2, 277ᵃ. auch gestempeltes silber Jacobsson 7, 355ᵇ. gegossenes silber, durch gieszen geformt:
dye zwene worden harde vro,
dat sye dat hedden vunden do,
den wunderen starcken grossen schatz,
manchen gulden swatz,
gegossen silber ind gesteyne.
Karl Meinet A 4, 13.
auch sonst natürlich mit participien den unter 4 erwähnten fügungen gemäsz.
e)
vgl. auch die zusammensetzungen blattsilber, blicksilber, brandsilber, bruchsilber, hornsilber, königssilber, probesilber, schlagsilber oben und stangensilber, werksilber unten. klotzsilber, plantsch oder blantschensilber führt Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 810ᶜ als gleichbedeutend mit gediegen silber (argento in massa) an.
6)
für die gewöhnlichen verwendungsarten des silbers sind unter 4 und 5 belege gegeben. weniger bekannt ist der gebrauch des silbers als heilmittel: silber geschaben, und mit weinsteinöl gemischt, benimpt böse räudigkeit, darmit geschmiert. in faule wunden gestrichen, verzehrt das bösz fleisch. silber heylet die wunden zusammen, also, dasz man sie nicht hefften darff. silber stärcket das hertz, und machet gut geblüt. Lonicerus kräuterb. (1577) 338 B; die chymici eignen das silber dem mond zu, geben ihm dessen zeichen ☽ und namen, und wollen, dasz es unter den theilen des menschlichen leibes, vornemlich eine verborgene harmonie mit dem haupt und hirn habe, und für alle derselben gebrechen absonderlich heilsam würcke. Jablonski lex. (1721) 721ᵇ. der Ditm. bote (1802) erzählt, dasz man in seiner gegend kindern gegen krämpfe pulver von einem geerbten gegenstand aus silber eingebe. Schütze 4, 224. auch sonst findet es rein abergläubische verwendung so in form von geschossen, z. b. einen werwolf damit zu erlegen. ebenda. vgl. silberkugel.
7)
ein gegenstand ist von silber, aus silber, davon gemacht: des selben bildes heubt war von feinem golde, seine brust und arm waren von silber. Dan. 2, 32. dann auch in attributiver fügung: du solt auch der wonung einen hof machen, .. und zwenzig seulen, auff zwenzig ehern füssen, und ehrene kneuffe mit jren reiffen von silber. 2 Mose 27, 11; ein gefäsz von silber Adelung; eine glocke von silber Campe. an adjectivischen gebrauch rührt die prädicative verwendung in fügungen wie: der heiden götzen sind silber und gold. ps. 135, 15. vgl. silber adj. unter silbern.
8)
aus silber verfertigte gegenstände werden natürlich auch allgemein als silber bezeichnet, heute nur collectivisch, in älterer sprache aber auch in vereinzelndem gebrauche, ein silber, mehrere silber, die silber. so besonders:
a)
silbergeld (vgl.gemünztes silber oben unter 5, d): ir solt nicht gold, noch silber, noch ertz in ewren gürteln haben. Matth. 10, 9; Fiesko ... der brief ist nicht mit gold zu bezahlen. Mohr. doch dank ich für silber. Schiller Fiesko 3, 4;
da ich ein Petrus bin, dem gold und silber fehlt.
Günther bei Steinbach 2, 592 (vgl. ap.-gesch. 3, 6);
hier, wo sich vergnügen
nicht mit silber zahlt.
Herder zur lit. u. kunst 3, 99;
und der geistliche zog ein goldstück, (das silber des beutels
war vor einigen stunden von ihm schon milde verspendet,
als er die flüchtlinge sah in traurigen haufen vorbeiziehn).
Göthe 40, 298.
sprichwörtlich: wer viel silber an der taschen hat (vgl. unten c), der hat wenig drinnen. Petri 2 (1605), K kk 6ᵃ; silber auff der taschen, und keines drein, ringe an den feusten, und kein bereiter heller dazu, ist desz teuffels arszwisch. Ss 2ᵃ. vgl. Simrock 449, 9532 (die stelle s. unter c). in älteren stellen, wo silber als zahlungsmittel erscheint, kann ungemünztes gemeint sein wie in der folgenden: sve so penninge oder silver gelden sal, but he dar wedde vore, he n' is dar mede nicht ledich, ire gelovede ne stunde also. Sachsensp. 3, 40, 2 Homeyer (vgl. penninge s. 465 des registers). eigenthümlich ist der gen. der münze bei dem wort in einer stelle des Heliand:
(Judas) nam imu thô that siluƀar an hand,
thrîtig skattô, that man imu êr wiđ is thiodane gaf.
5150.
es heiszt dort dann weiter:
gêng imo thô te thêm Judiun   endi im is grimmon dâd,
sundeon sagda   endi im that siluƀar bôd
gerno te ageƀanne.
5153,
wo siluƀar also ohne weiteren zusatz silbergeld bedeutet. got. in pluralischer anwendung von den 30 silberlingen des Judas: jah atwaipands þaim silubram in alh aflaiþ, jah galeiþands ushaihah sik. Matth. 27, 5 (nach griech. vorbild: ῥίψας τὰ ἀργύρια). besonders in dieser anwendung ist das beiwort blank üblich: in blankem silber zahlen; hundert mark in blankem silber. es verstärkt nur den begriff des baren silbergeldes.
b)
silbergeschirr: sein silber in sicherheit bringen. Adelung; auf silber speisen. ebenda; desto besser verstund ich auf gold und silber zu speisen. Schiller kab. u. liebe 2, 3; silber scheuern, silbergeschirr durch scheuern reinigen. Jacobsson 4, 175ᵃ; ich steh' nun grad am spülstein und wasch' das silber. Auerbach dorfgesch. 2, 163;
aller hausrat war hin,
betgwant, silber und zin.
H. Sachs spruchged. 17, 162 Tittmann;
ihr trinckt aus silber und crystall,
gott weisz, wie bald! den letzten tropffen.
Günther 149.
vereinzelnd: ain kupferner khessl sambt zwain khandln, die silber zu seubern gehörig. font. rer. austr. 1, 1, 353 (16. jahrh.); sechs tüecher, darinn die silber getragen (werden). ebenda; (ein truchsesz bittet einen edelmann, dasz er ihm helfe das essen aufzutragen, und sagt, als jener sich damit entschuldigen will, dasz er sich nicht darauf verstehe:) es ist ie ein schlecht ding umb etliche silber zuͦ tragen, darzuͦ magstu doch sähen, wie ich mich stell, und dem also nachfolgen. Kirchhof wendunm. 1, 97 Österley; ein silber etiam dicitur argentum escarium, vulgo ein servies. Stieler 1720. vgl. auch tafelsilber unter th. 11, 23.
c)
schmuck, zierat von silber: ende deer (am sterbekleid) ne schil oen wessa goud noch seluir. Richthofen 399ᵇ, 31; du warest gezieret mit eitel gold und silber, und gekleidet mit eitel linwad, seiden und gesticktem. Hesek. 16, 13; ein kleid mit silber ausmachen, vestem taeniis argento textis segmentare. Stieler 1720; mit silber sticken, ricamare d'argento. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 810ᶜ. Campe; seyd verdammt, gold und silber und juwelen zu tragen, ihr grosen und reichen! Schiller räuber 1, 3 schauspiel; neben diesem (dem sarkophag) standen vier knaben, himmelblau mit silber gekleidet. Göthe 20, 252;
und daʒ ein rîtermæʒic kneht
der drîʒec jâr hab unde tage
niht silber ûf gewande trage.
Seifrid Helbling 8, 660.
gesponnen silber, argento filato. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 810ᶜ, argentum fila serica tegens. Frisch 2, 277ᵃ. Adelung, gesponnenes silber Campe. im sprichwort: silber auf der tasche und keins drin, ist des teufels arschwisch. Simrock 449, 9532. vgl. die entsprechenden stellen bei Petri unter 8, a.
9)
in vergleichen, bildlich und übertragen.
a)
in bezug auf den wert des silbers. vergleichend: nemet die lere an, wie einen grossen schatz silbers. Syrach 51, 36. bildlich: des gerechten zunge ist köstlich silber, aber der gottlosen hertz ist nichts. spr. Sal. 10, 20; so aber jemand auff diesen grund (Christus) bawet, gold, silber, eddelsteine, holtz, hew, stoppeln, so wird eines jglichen werck offenbar werden, der tag wirds klar machen. 1 Cor. 3, 12;
mit bildung uberkupfern wir
das silber der natur.
Ludwig 4 (1891), 156.
sprichwörtlich: man find kein silber ohne schaum. Lehmann bei Wander 4, 562, 9 (vgl. unten silberschaum). weil silber geringeren wert hat als gold, heiszt es sprichwörtlich: reden ist silber, schweigen ist gold. doch lautet ein schweiz. sprichwort: 's silber hät meh werth as de goldschûm (geringwertiges, dünn aufgetragenes gold). Wander 4, 562, 27. silber anderen dingen gegenübergestellt, die als besonders wertvoll bezeichnet werden sollen: nemet an meine (der weisheit) zucht lieber denn silber, und die lere achtet höher denn köstlich gold. spr. Sal. 8, 10; meine (der weisheit) frucht ist besser denn gold und fein gold, und mein einkomen besser denn ausserlesen silber. 19; nim an die weisheit, denn sie ist besser weder gold, und verstand haben, ist edler denn silber. 16, 16; das gerücht ist köstlicher denn gros reichthum, und gonst besser, denn silber und gold. 22, 1; alles gold ist gegen sie (die weisheit) wie geringer sand, und silber ist wie kot gegen sie zu rechen. weish. Sal. 7, 9.
b)
in bezug auf die reinheit des geläuterten silbers. vergleichend: also irsoten silber dero erdo, dar nehêin olter inne neist, also lûter sint siû (eloquia domini). Notker 11, 7; divina eloquia, diu der also lûter sint, samo daʒ gebranta silber. Williram 52, 16 Seemüller;
der schönen braut wünsch ich ingleichen,
dasz sie wie gold und silber sey,
und in des glückes prob und streichen
behalte reine lieb und treu.
Mühlpforth ged. 1 (1686), hochzeitged. 119.
bildlich:
daʒ silber ûʒ dem erze
dranc bî dir (Maria) âne wandel.
Konr. v. Würzburg goldn. schmiede 430.
c)
in bezug auf den glanz, die schimmernde weisze des silbers. vergleichend: wenn jr zu felde ligt, so glentzets als der tauben flügel, die wie silber und gold schimmern. ps. 68, 14;
zumal wenn sich darauf (den rosenblättern) der thau so lieblich ründet,
der recht wie lebend silber blitzt.
Brockes 1 (1739), 64;
welch' holde festigkeit er (der strahl eines springbrunnens) aber bald verlieret,
wenn er sich in die höhe führet,
wo er, wenn er die last der luft mit mühe trägt,
wie lebend silber sich bewegt.
2 (1739), 111;
die gelb und weiszen blumen wehn,
wie gold und silber auf den höhn.
Hölty 204, 4 Halm.
bildlich: auf ihrem (der flügel des schmetterlings) glänzenden silber stehen kleine purpurne flecken. Geszner bei Adelung;
ein schimmernd silber schmückt
zusamt dem schwancken schilff, der weiden glatte blätter,
indem die sonn' ihr bild, bey aufgeklärtem wetter,
in ihr so festes laub, als wie ein spiegel drückt.
Brockes 1 (1739), 85;
die (fische) liessen nun, dieweil sie alsobald,
gehemmet durch der andern gegenhalt,
nicht konnten in das wasser sincken,
von den beschuppten glatten seiten
bald feuchtes gold, bald silber blinken.
dort konnte man durch ihr behendes drehen
auch in der duncklen fluth das silber schimmern sehen.
2 (1739), 108;
schaut, des kirschbaums
wipfel säuseln
ein gewölk von silber
um sein (des Mais) wehendes lockenhaar.
Hölty 136, 19 Halm.
besonders häufig
α)
von glitzerndem, schäumendem, klarem wasser:
(im frühling) da die brunnen silber gissen.
Logau 1, 151, 50;
als donn'rer,
rauschet der strom (der Rhein), schäumt, fliegt, stürzt herab
ins blumengefild', und im fall
wird er silber, das emporstäubt.
Klopstock 1, 169;
unter rosengesträuch spielet ein quell, und mischt
zum begegnenden bach silber.
Hölty 97, 26 Halm;
des baches silber, welches vom sanften hang
des hügels murmelnd zwischen violen rinnt,
gleicht dann mein leben.
Stolberg 1, 4;
am morgen, als die kinderlein noch schliefen,
von jungen träumen drollig angelacht,
sah man den braunen wald von silber triefen.
Keller 9 (1900), 110;
das ruder des fährmanns (auf dem Rhein in einer mondnacht) troff unaufhörlich von funkelndem silber. 6, 104.
β)
vom licht des mondes und der sterne: der mond übergoss die erde mit seinem silber. Klinger 2, 192; Eisener stellte sich an das offne fenster, um ... an der schönen gegend, die im silber des vollmondes vor ihm lag, sich zu erfreuen. Ludwig 2 (1891), 558;
der erblaszte monden ziehet
sein geschwächtes silber ein.
Abschatz bei Wackernagel deutsches lesebuch 2², 513, 11;
doch deiner augen sonnenklar
schlägt auch des monden silber nieder.
Mühlpforth ged. 2 (1686), 133;
wenn der mondenschein
den wald mit silber deckte.
Hölty 27, 98 Halm;
Luna
tritt entschleiert aus den wolken, mischet
in die schatten silber.
49, 8;
erheb' ihn (den schöpfer), wenn die nacht in ihr gewand
die erde hüllet, wenn
durch den zerrissnen schleier des gewölks
der sterne silber blinkt.
120, 36.
γ)
von greisem haar:
doch wann er (der geizhals, der eine alte frau zu lieben vorgibt)
seine lieb, dir sich zu offenbahren
(meinaydig) schwören solt. so liebet er doch nicht
wie deines beutels gold, das silber deiner haaren.
Weckherlin 715;
hier soll der haare gold in silber sich verkehren.
Hofmannswaldau bei Steinbach 2, 592;
der haare gold, der jahre silber schwindet.
Mühlpforth bei Campe;
damit des alters schmuck, das silber grauer haare
dereinst um deinen schlaff der ehr-furcht heilig sey.
Günther 1059;
seit aus schwarzen locken
diesz haar zu silber ward.
Klopstock 9, 8;
zwischen dem greis' und dem jünglinge schwebt' ihm das alter;
jugendlich blühte die kraft, es sprenkelte silber die schläfen.
Voss Ovids verw. 2 (1798), 276.
d)
ähnlich, wegen der äuszeren ähnlichkeit, in fester übertragung zur bezeichnung gewisser metalle und mineralien in den zusammensetzungen halbsilber, platin (vgl. dies oben theil 4, 2, 214. in andrem sinne halb silber, argentum cupro mixtum. Stieler 1720), katzensilber, weiszer glimmer (s. dies oben theil 5, 300), neusilber, eine silberweisze metalllegierung, weiszkupfer, pakfong (s. dies oben theil 7, 687), quecksilber.
e)
silber heiszt auch der schimmel am waid (der färbepflanze isatis tinctoria), nach Jacobsson 7, 351ᵇ 'weil dieser seine güte anzeigt'. vgl. auch 8, 128ᵇ.
f)
silber dient als sinnbild des schädlichen müsziggangs, weil es schwarz anläuft, wenn es ungebraucht liegen bleibt, ferner als sinnbild der gefahr, die die gesellschaft von heuchlern und scheinheiligen mit sich bringt, weil es das, was daran gerieben wird, schmutzig macht. Jablonski lex. (1721) 721ᵇ.
g)
in der allegorischen malerei wird es dargestellt als eine schöne blaugekleidete frauengestalt auf einem von zwei hirschen gezogenen wagen. Jablonski lex. (1721) 721ᵇ.
h)
in der heraldik ist silber gleichbedeutend mit weisz. Jablonski lex. (1721) 721ᵇ. Apin gloss. (1728) 497. Frisch 2, 277ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 974, Z. 65.

silber, adj.

silber, adj.,
s. silbern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 983, Z. 85.

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Zitationshilfe
„silber“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/silber>, abgerufen am 16.10.2021.

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