Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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silberglätte, f.

silberglätte, f.
silberartige glattheit, concreter anwendung nahekommend mit gen. des gegenstandes:
er (der winter) macht die welt zur grabesstätte,
und mit des eises silberglätte
umfesselt er der erde sohosz.
Körner 1, 92 Fischer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1007, Z. 1.

silberglätte, f.

silberglätte, f.
erstarrtes krystallinisches bleioxyd von heller farbe. Karmarsch-Heeren³ 1, 586. 595, weisze bleiglätte Adelung, lithargyrium argenti Steinbach 1, 597, silberglät, lithargyron, argyritis. Corvinus fons lat. 1 (1660), 111ᵃ, als neutr.: silberglätt, litargirio d'argento. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 811ᵇ, in gleicher form auch als m. bezeugt. quelle von 1716 bei Weigand⁴ 2, 715, mit e statt ä geschrieben: silberglett, n. escume d'argent. Hulsius (1616) 298ᵇ, das silbergledt Comenius sprachenth. register, silberglett, n. lithargyrum, spuma argenti. Stieler 664, silberglett, f. argyritis. Frisch 2, 277ᵇ, silberglette, f. Jablonski lex. (1721) 722ᵃ. öconom. lex. (1744) 2727 und so noch bei Voss 130, 63 Sauer (s. unten), entsprechend mnd. sulverglede. Schiller-Lübben 4, 465ᵃ, daneben in älterer sprache sylberglit, -glied, litargirum. Dief. nov. gl. 237ᵇ (von 1485), silberglöt Seutter roszarzn. (1599) 68 (s. unten), lithargirium, silberglötte Frisch 1, 624ᵇ. Jacobsson 7, 355ᵇ, silberglöthe, écume d'argent. 4, 173ᶜ, silbergelöth Hohberg 2, 232ᵃ (s. unten). über das verhältnis des worts zum vorigen vgl. oben glätte. die oben angeführten älteren glossierungen lassen keinen zweifel darüber, dasz sie die bezeichnung auf die entstehung von silberglätte bei der silbergewinnung (trennung des bleis vom silber durch schmelzen, treiben) beziehen und darunter die so entstandene bleiglätte überhaupt verstehen. in neuerer zeit erscheint sie auf die farbe bezogen; die hellste bleiglätte heiszt silberglätte, die rötlich gelbe goldglätte. Jablonski lex. (1721) 722ᵃ und die dunkelste schwarze glätte. Karmarsch-Heeren³ 1, 595. silberglätte als äuszerliches heilmittel, schönheitsmittel gebraucht: (gegen 'de walschen pochen') nym iii loot mastix, iii loot quicksulveres, iii loot sulverglede. quelle bei Schiller-Lübben 4, 465ᵃ; zerlasz gänszschmaltz, mische darunder silberglet gepülvert, bleyweisz und rosenwasser, damit wäsche das antlitz, es machets sauber und glatt. Lonicerus kräuterb. (1577) 338 C; nim silberglett, gebrannt alaun, gebrannt bley, gewaschen kalck, galles, granatblü, jedes 1 qu., mach ein pulver (gegen rote hitzflecken). Wirsung arzneib. (1597) 648 C; man nehme 4 loth silber-glett in einem stück (brenne es zu pulver, siede es mit rosenessig und thue rosenöl dazu, um eine salbe zu erhalten, die bewirkt, dasz 'die kinder von den pocken oder blattern keine gruben bekommen'). öconom. lex. (1744) 2727. zu brandsalben für pferde: nimb ein masz honig, ein vierdung terpentin, ein vierdung spongrien, ein lot vitriol, ein lot silberglöt, ein lot alaun, ein quärtlin gebränten wein, ein lot weissen weinstein, ein quärtlin guͦten essich, dises alles lasz wol an einander sieden. Seutter roszarznei (1599) 68; nimm ein halb pfund leinöl, ein viertels pfund hönig, vier loth silbergelöth (und anderes). Hohberg 2, 232ᵃ. im innern des körpers wirkt sie als gift: wermuth j. quintleins schwer gepülvert mit einem trüncklein weins zertrieben und getruncken, kombt denen zu hülff die silbergleth eingenommen oder getruncken haben. Tabernaemontanus (1664) 5 F; diese artzeney (peterleinsamen mit wein) ist auch denen nutz, die silberglett oder der blätter von dem eybenbaum gessen haben, mit süszem wein getruncken. 269 H. daher ist sie ein gefährliches mittel zur verfälschung von wein, wozu man sie gebraucht hat: vor einigen jahren, da ein saurer wein am obern Rhein gefallen war, versuchten die weinschencken eine kunst, die weine durch silber-glette zu versüszen, die aber vielen hundert menschen das leben gekostet. Jablonski lex. (1721) 722ᵃ; so gefälschter wein als teufelsgetränk:
da willst du ein schlückchen tobaksöl?
oder den magenwein, den mein liebster küper in Hamburg
kunstgemäsz mit arsenik und silberglette gewürzet?
Voss 130, 63 Sauer (bezaub. teufel, älteste fassung, in der ausg. von 1802: silberglätte. 2, 262).
die silber-glette wird ... auch von den töpffern zu glasuren, und von den mahlern zu firnissen gebrauchet. Jablonski lex. (1721) 722.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1007, Z. 6.

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Zitationshilfe
„silberglätte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/silbergl%C3%A4tte>, abgerufen am 23.10.2021.

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