Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

silbergrau, adj.

silbergrau, adj.
silberartig grau Campe, cinero-argenteus, incanus. Nemnich: ohne nach ihrem (der heil. 3 könige) golde, weihrauch und ihren myrrhen zu fragen, warf ich mich geschwind in einen gewisz artigern reiserock, als der ihrige war, von silbergrauem sammet. Thümmel reise 4 (1794), 143;
flieg' ich in taubengestalt mit silbergrauem gefieder
säuselnd vom dach.
Voss bei Campe.
gern von grauem haar: freundlich glühten seine wangen am silbergrauen barte. F. Müller 1, 14;
er dringt noch näher hin zu treten,
entblöst sein silber-graues haar.
Picander 3 (1732), 6;
ob er gleich, bey silbergrauem haar
und taubem ohr, kaum noch ergetzbar war.
Wieland 10, 203;
du seliges und theures paar,
du sollst im späten jubeljahr,
bedeckt mit silbergrauem haar,
noch vielen enkeln muster seyn
von keuscher ehe segen!
Stolberg 1, 103;
euer haar
ist silbergrau.
Schiller don Karlos 3, 2.
häufig auch in bezug auf gewässer, gewölk, nebel, thau, luft in eigenartiger beleuchtung: jenseits des thales lag (am morgen) der wald in silbergrauem duft. Keller 1 (1899), 197; er lief in den silbergrauen morgen hinaus. 7 (1899), 403; man sah (in der herbstnacht) durch die kleinen fenster den silbergrauen nebel drauszen in sich weben und wanken. Ludwig 2 (1891), 616; die luft ist, wie sie gleich nach dem schwinden des abendroths zu sein pflegt, von einer durchsichtig zitternden helle, silbergrau ins weiszliche spielend. Heyse kinder der welt 2 (1890), 111;
die welt durchaus ist lieblich anzuschauen,
vorzüglich aber schön die welt der dichter;
auf bunten, hellen oder silbergrauen
gefilden, tag und nacht, erglänzen lichter.
Göthe 5, 198;
die glühend rote sonne steigt
hinab ins weit aufschauernde,
silbergraue weltmeer.
Heine 1, 165 Elster;
im frührot stand der morgenstern
vor einem hellen frühlingstag,
als ich, ein flüchtig schülerkind,
im silbergrauen felde lag.
Keller 9 (1900), 13;
vergleichend:
ein schleier .. gleich einem silbergrauen
gewölke.
Wieland bei Campe.
im anschlusz an solchen gebrauch: mit diesen worten reichte er ihm (gott dem Schlaf) das silbergraue horn anmuthiger träume. Herder 28, 134 Suphan;
im silbergrauen spinnwebkranz
umflimmert von des glühwurms glanz,
herbei! herbei! (ihr elfen) zum mondscheintanz.
Matthisson (1794) 103.
substantiviert silbergrau, n.:
hier deckt das feld, im schon gefall'nen thau,
ein grün-gemischtes silber-grau.
Brockes 1 (1739), 155.
auch als bezeichnung eines farbstoffs, graue anstrichfarbe durch verreiben von bleiweisz mit rusz hergestellt. Karmarsch-Heeren³ 8, 270.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1008, Z. 54.

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Zitationshilfe
„silbergrau“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/silbergrau>, abgerufen am 18.10.2021.

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