Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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silbern, adj.

silbern, adj.
argenteus.
I.
formales.
1)
das wort lautet got. silubreins, ags. seolfren, seolofren, seolfern, silfren, sylofren, sylfren. Bosworth-Toller 864ᵇ, mittelengl. silvern, neuengl. dem subst. silver gleich; altfries. selvirn; mndl. silveren, nndl. zilveren; altsächs. siluƀrin, siloƀrin Heliand, mnd. sulveren d. chron. 2, 78, 25 Weiland, silverin Theophilus (1853) 798 Hoffmann, auch mit erweiterung des auslauts: sulvernde lepel. quelle bei Schiller-Lübben 4, 465ᵃ (kaum part. präs., vgl. 2 des folgenden), nnd. sulvern brem. wb. 4, 1094, sülwern Dähnert 473ᵃ. Danneil 216ᵃ. Mi 89ᵃ. Schambach 218ᵇ, silwern Woeste 237ᵃ; ahd. silbarîn, silberîn Graff 6, 215, mhd. silberîn, md. silverîn:
der wirt schûf diesen gesten
mit vil argen listen sîn
einen coph der waʒ silverîn
heimelich in ir wâtzach.
pass. 223, 71 Hahn.
2)
aus der übergangszeit zum nhd. (ostfränk., bair.) ist es bezeugt als silberein. voc. von 1482 bei Weigand⁴ 2, 715, silbrein:
den sant der fürst mit edler art,
als im durch milt geraten wart,
guldein chöph und silbrein schal.
Suchenwirt 4, 499,
daneben bis ins 17. jahrh. noch (besonders alemannisch) in der form silberin. Maaler 374ᵃ (flectiert silberner pfennig ebenda). Hulsius (1616) 298ᵇ (oder silbern) und silbrin: uf ein mal gieng einer uber feld der fand ein silberin dolchen. Pauli schimpf u. ernst 218 Österley; man hat jn mit einer silberin büchszen geschossen. Franck sprichw. 1 (1547), 32ᵇ; sie hat das clösterle Ünzkofen, da sie begraben, zum thail gestift, auch dahin ir, auch ires herrn memorias von silberin und geschmelzten wappen und anderm geben. Zimmer. chron.² 1, 256, 41 (vergl.: solche ire silberne memorias. 257, 2); wann er ein walfart zu sant Veiten ... verhiesz mit einem silbrin opffer. Wickram rollw. 7, 14 Kurz; darauff liess jhme der gesell ein schönen guldin ring machen, den er der junckfrawen auff die ehe gab, und ihme ein silberin dolchen. Montanus schwankbücher 293, 17 Bolte; damit der ritter seinen brieff .. in ein lederins lädlin, welches mit einem silberin schlöszlin ganz subtil verschlossen war, verschliessen thet. buch der liebe 258ᵃ.
3)
frühnhd. tritt aber auch schon verkürzung ein zu silberen. Dasypodius und weiter zu silbern: vier seulen von foern holtz, die ... vier silberne füsse haben. 2 Mos. 26, 32; da zu die fürsten Israel opfferten, dise zwelff silberne schüssel, zwelff silberne schalen, zwelff gülden leffel. 4 Mos. 7, 84; das gülden werde was gülden, und silbern was silbern sein sol. 1 chron. 30, 5. Maaler bietet diese form in der flexion neben unflectiertem silberin, Hulsius silberin oder silbern (s. oben 2) und die folgenden lexicographen verzeichnen nur silbern, das heute allein gilt.
4)
eine mischform ist frühnhd. silbernin: es ist nit ein silbernin tafel, sondern ein geistliche, welche sich gebürt nit in der kirchen, sondern in dem gemüth zu setzen. Luther briefe 1, 411.
5)
im älteren nhd. und noch bis ins 18. jh. hinein begegnet silbern in dieser form abweichend vom heutigen syntactischen sprachgebrauch: der zober sole wardt uff 10 alde d. vorschlagen oder uff 1 silbern groschen minus 1 alden heller. Spittendorff 327, 20 Opel; meinen silbern becher lege oben in des jüngsten sack. 1 Mos. 44, 2; zur andern seiten der wonung, gegen mitternacht, macht er auch zwenzig bretter, mit vierzig silbern füssen. 2 Mos. 36, 26; dis ist jre zal, dreissig güldene becken, und tausent silbern becken, neun und zwenzig messer, dreissig güldene becher, und der andern silbern becher, vier hundert und zehen, und ander gefesse tausent. Esra 1, 9. 10; (ich) wug jnen dar ... an silbern gefesse hundert centner. 8, 26; da hiengen weisse, rote und gele tücher, mit leinen und scharlacken seilen gefasset in silbern ringen. Esther 1, 6; der meister geuset wol ein bilde, und der goldschmid uber güldets, und machet silbern keten dran. Jes. 40, 19; das er jnen brechte ins land Juda .. die silbern gefesse, welche gezeuget hatte Zedechia der son Josia, der könig Juda. Baruch 1, 8; (sie) thet die kamerthür mitt der silbern thürhand nach jr zuͦ. Schaidenreisser Od. 5ᵃ; gülden stück mit eingewirkten silbern blumen, textile aureum floribus argenteis distinctum. Stieler 1720; mit silbern schüsseln tractirt werden. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 811ᶜ;
der topf
von eisen will mit einer silbern zange
gern aus der gluth gehoben seyn, um selbst
ein topf von silber sich zu dünken.
Lessing 2, 202.
6)
diesem ausgedehnten syntactischen gebrauch von silbern liegt zum theil erhaltung der alten unflectierten form, zum theil contraction des -en der flexion mit dem -n des stammauslauts zu grunde. solche contraction findet sich schon in vornhd. zeit:
dô trûgin di truchzceʒʒin
kost an daʒ gesêʒe
in silberîm gevêʒe.
md. schachbuch des 14. jahrh. in Haupts zeitschrift 17, 231, 6.
es lag nahe, nun auch einen nom. silber und eine durchgehende starke flexion silberer u. s. f. zu bilden. das wort wurde nach analogie von alber u. ähnl. behandelt, was um so leichter geschehen konnte, als manche adjective frühnhd. im nom. formen auf -er und -ern hatten, z. b. nüchtern, schüchtern. silber, silberer ist im ältern nhd. nicht selten, auch das mnd. kennt eine entsprechende bildung: sulverer, argenteus Dief. nov. gl. 33ᵃ; (er) zoch erfur silber und gülden kleinod und kleider, und gab sie Rebecca. 1 Mos. 24, 53; ich aber habe aus allen meinen krefften geschickt zum hause gottes, gold zu güldenem, silber zu silberm, ertz zu ehernem, eisen zu eisenem, holtz zu hültzenem, gerete. 1 chron. 30, 2; aber was kleine silber pfennig werden sollen, in denen halt man das gewicht nit so eben, ist auch nit so vil daran gelegen, es wirt in jnen mere die zal auff ein gulden silbere stücklin. Münster cosmogr. 831; dürstige gesellencolätzlein, die sich fein inn einander fügen, unnd schliessen, wie ein dutzend silbere becher unnd venedische trinckgläser. Garg. 52ᵃ; wo wer hinkommen alle die köstlichkeit aller kirchen und altar, .. guldene unnd silbere stuck und seidenwad ..? bienenk. 4ᵃ; der silbere schlag hat jn gerurt. Eyering 1 (1601), 542;
sein (Apollos) gnad, und jhre gunst dir klärlich zu beweisen,
haben sie (die Musen) nicht gespahrt die silbere huffeysen
des Pegasi, darausz sie disz pocal formirt.
Weckherlin 651;
kaum stralt ihr (gelber blumen) güldner glanz uns ins gesicht;
so ziehet unsern blick ein silber (mit kleinem s gedruckt) licht,
das sich inzwischen
in aufgebrochner blüt auf bäum- und büschen
von fingern der natur gebildet,
mit neuer lust von neuem in die höh.
Brockes 9 (1750), 309.
7)
diese formen wirken natürlich förderlich auf den allgemeineren syntactischen gebrauch der form silbern zurück. die schreibung der folgenden stelle scheint auf eine bewuszte ableitung von silber zu deuten: als solches mit aller andacht vollendet war, nam sein wol erwirde, also angelegt in heiliger priesterlicher geziert, das allerheiligste, hochwirdigst sacrament in der silberen monstranz usz dem tabernacul und drug das selbig mit aller erwirdigkait usz der kirchen. Villinger chr. 91, und wenn ein neuerer dichter die form silbren gebraucht, so ist hierzu kein andrer nom. denkbar als silber:
ihr goldnen, silbren, ordenszeichen alle,
brecht vor dem stärkeren metall (eisen) in splitter.
Rückert ges. ged. 2, 13, 21.
II.
bedeutung und gebrauch.
1)
aus silber bestehend, aus silber verfertigt.
a)
das wort ist natürlich auf alles anwendbar, was von silber ist. es sollen im folgenden nur einige gruppen von gegenständen zusammengestellt werden.
α)
haus-, tempel-, kirchengeräte, besonders gefäsze, esz- und trinkgeschirre, leuchter u. dgl.: aþþan in mikilamma garda ni sind þatainei kasa gulþeina jah silubreina, ak jah triweina jah digana. 2 Tim. 2, 20; sondern ein jglich weib, sol von jrer nachbarin und hausgenossen fordern, silbern und gülden gefess. 2 Mos. 3, 22; und seine gabe war, eine silberne schüssel, hundert und dreissig sekel werd, eine silberne schale, siebenzig sekel werd, beide vol semelmelh mit öle gemenget zum speisopffer. 4 Mos. 7, 13; also auch zu silbern leuchtern gab er das silber zum leuchter und seiner lampen .. und zu silbern becher. 1 chron. 29, 15. 17; und da er (Belsazar) truncken war, hies er die gülden und silbern gefess her bringen, die sein vater NebucadNezar, aus dem tempel zu Jerusalem weggenommen hatte, das der könig mit seinen gewaltigen, mit seinen weibern und mit seinen kebsweibern daraus truncken. Dan. 5, 2; da ich (Antiochus) alle gülden und silbern gefess aus dem tempel wegfüret. 1 Macc. 6, 12; silberin trinckgeschirr. Maaler 374ᵃ; in der mitten des saals war eine fontein oder brunn mit märmelstein auszgesetzet, das wasser mit blumen bestreuet, und der rand mit vielen silbern, güldenen und gläsern weinflaschen besetzet. persian. reise 4, 271ᵇ; silberner becher, silbern geschirr, silberner löffel. Stieler 1720; silberne teller (plur.). 2253; silberne tasse. 2259; silbern tafelservis. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 811ᶜ; zwey goldne sakuhren hab ich weggebixt, und ein duzend silberne löffel darzu. Schiller räuber 2, 3 schausp.; man musz keine silbernen löffel stehlen. Hebel 2, 135; der geistliche herr .. zog auch aus einem futteral mehrere weinflaschen und einen silbernen, innerlich vergoldeten becher hervor. Eichendorff 3 (1864), 90;
iuriu wîp heiʒʒet biten
von den hoͮshêrren   ioch von ir geboͮren
silberîne næphe   guldîne cophe.
gen. u. exod. 128, 18 Diemer;
iedoch wart in den stunden
ein schuʒʒel aldâ vunden
grôʒ unde silberîn.
pass. 194, 37 Köpke;
der nap der was silberîn.
md. schachbuch des 14. jahrh. in Haupts zeitschrift 17, 326, 29;
hyr sint vate silveryn,
dey hebbe to der koste dyn!
Theophilus 798 Hoffmann;
sie stecken
silberne löffel ein.
Schiller 11, 151.
β)
geräte andrer art: es kam einer der fragt in ob er nit ein silberin dolchen funden het. Pauli schimpf und ernst 218 Österley; es hat auch herzog Albrecht von Österreich etliche silberne instrumente dohin geben, als kübel, schaufel, kellen, hammer, senkel; damit hat er den ersten stain widerumb uf Zollern gelegt. Zimmer. chron.² 1, 287, 39; silberne trompete. Stieler 2340.
γ)
theile von geräten: diê sûle, da der disk ûffe lag, die uuâron silberîn. Williram 52, 3 Seemüller; der könig Salomo lies jm eine senffte machen von holtz aus Libanon, der selben seulen waren silbern. hohel. 3, 10; ein silbernes degengefäsze, argenteus gladii capulus. Steinbach 2, 592; silberner deckel eines trinkgefäszes;
sprach's, und schlug an das silberne heft mit der nervigen rechte,
stiesz zurück in die scheide sein groszes schwert.
Stolberg 11, 16 (Il. 1, 219).
δ)
münzen: der man der gît dûsunt silberînero pfenningo. Williram 145, 1 Seemüller; (die brüder Josephs) gaben in umbe drîzech silberîn pfenninge. Grieshaber pred. 2, 134; sy boten jm dreissig silberin pfenning. Augsb. bibel v. 1477 Matth. 26, 15; im 74. jahr umb pfingsten und Johanni galt das stucke saltz 12 schwert- oder silberne groschen, wie man will. Spittendorff 26, 20 Opel; auch gingen kleine silberne groschen, und die bauern nanten dieselbigen spitze groschen, der galten 20 einen rheinischen gulten, etzliche heissen dieselben groschen auch Schneberger. 280, 15; zcu Poldelwitz Cecilia Krügerin lehen, und zinset von haus und hoffe zwenzig silbern groschen. quelle bei Scherz-Oberlin 1500; stösset er (ein ochse) aber einen knecht oder magd, so sol er jrem herrn dreissig silbern sekel geben, und den ochsen sol man steinigen. 2 Mose 21, 32; wer ubrig ist von deinem hause, der wird komen und fur jenen niderfallen, umb einen silbern pfennig und stück brots. 1 Sam. 2, 36; dasz ... im h. reich teutscher nation, solche münzsorten und stück: nemlich ein grosz silbern stück, und dessen zwey halber in jrem werth dem goltgülden gleich, und dann zwantzig zwölffer, zehen, sechs, drey und neuntzig creutzer geschlagen und gemüntzt werden sollen. reichstagsabsch. 383 (von 1551); und als in jetztgemeltem unserm keisz. edict, under andern von den vorigen im h. reich teutscher nation gebräuchigen silbern, auch frembden gülden und silbern müntzen, wie die hinfüro genommen werden sollen, meldung geschicht. ebenda; deroselben schillinge werden jetzo wenig gefunden, und kan daraus ein jeder wol die rechnung machen, wie die silberne müntze hier im lande sieder jener zeit hat abgenommen. Schütze beschreib. d. lande Preuszen 67ᵇ; aber der da käuffet, .. musz den werth des geldes (so entweder gülden oder silbern, oder kupffern ist) wissen. Comenius sprachenth. (1657) 494; um den hals hiengen sie eine goldene oder silberne münze, nachher der Geusenpfennig genannt, deren eine seite das brustbild des königs zeigte, mit der inschrift: dem könige getreu. Schiller 7, 201; er (Lycurg) fieng damit an, alle goldnen und silbernen münzen zu verbieten und an ihrer statt eiserne einzuführen. 9, 147;
quad that hie irô allaro gihwem   ênna gâƀi
silobrina skat.
Heliand 3417 Heyne;
im (Judas) lopten si mit gedinge
drîzic silberîn pfenninge.
Walther v. Rheinau 148, 16.
mit auslassung der münzbezeichnung: idreigonds gawandida þans þrins tiguns silubrinaize gudjam jah sinistam. Matth. 27, 3; si ordenten im xxx silbrinne. codex Teplensis 26, 15; er widerbracht di xxx silberin den fursten der pfaffen und den alten. 27, 3;
Judeon drôgun
ênna siluƀrinna forđ,   sâhun manage tô,
hwô he was gemunitôd.
Heliand 3823;
wie er mehte gewinnen
drîzig ander silberîn.
Walther v. Rheinau 148, 5.
ε)
theile von gebäuden, daran angebrachte verzierungen: auff der andern seiten (der wohnung des herrn), gegen mitternacht, sollen auch zwenzig bret stehen, und vierzig silbern füsse, ja zween füsse unter jeglichem bret. 2 Mose 26, 21; alle seule umb den hof her, sollen silbern reiffe und silbern kneuffe und eherne füsse haben. 27, 17;
eine goldene pforte verschlosz inwendig die wohnung;
silbern waren die pfosten, gepflanzt auf eherner schwelle,
silbern war auch oben der kranz und golden der thürring.
Voss Od. 7, 89.
ζ)
bildwerke und theile davon: gentium gelîhnisse silberîniu guldîniu menniscon hantuuerch habent munt unde nesprechent. Notker ps. 113, 7 '; silbern und güldene götter solt jr nicht machen. 2 Mose 20, 23; das sie ja des herrn gebot nicht vergessen, und sich nicht liessen verfüren, wenn sie die gülden und silbern götzen, und jren schmuck sehen. 2 Macc. 2, 2;
silberîne gote und guldîn,
waʒ megen dir die frum sîn?
kaiserchron. 8563 Schröder;
ist er (der gott) danne güldîn
oder rîche silberîn,
so tuot sîn helflîcher trôst
dich allerbest von sorge erlôst.
nû merke, tumbeʒ wiht, den spot.
Rudolf v. Ems Barlaam 322, 15;
der künc Nabuchodonosor
in einem troume sach
ein bilde hôhe stân enbor,
daʒ houbt was guldîn, als er jach,
silberîn arm unde brust.
Marner 122, 205 Strauch;
da risz sie die silberne nadel vom haar,
und stiesz sie dem knaben in's herze.
Bürger 62ᵃ;
goldene hund' umstanden und silberne jegliche seite (der pforte),
die Hephaistos gebildet mit kundigem geist der erfindung.
Voss Od. 7, 91.
η)
theile der kleidung, schmuckgegenstände und theile davon: wir wöllen dir güldene spangen machen mit silbern pöcklin. hohel. 1, 11; silberne knöpfe Stieler 997; silbern armband 1720; silberne hemdeschnalle 1890; silberne sporen 2095; silberner ring Jacobsson 3, 423ᵃ; silberne uhrkette;
der hêrre .. heiʒ die goltsmide sîn
zwêne schô silverîn
îlinde gieʒin.
Rother 2024;
diu niht phenninges hâte
diu entlêhent' in vil drâte,
oder opherte ein vingerîn
guldîn oder silberîn.
Stricker Amis 412.
b)
silberne gegenstände in vergleichen: ein wort geredt zu seiner zeit, ist wie gülden epffel in silbern schalen. sprüche Sal. 25, 11; ein weib, das ein bestendig gemüt hat, ist wie die gülden seulen auff den silbern stülen. Syr. 26, 24; so wir denn göttlichs geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die gottheit sey gleich den gülden, silbern, steinern, bilden, durch menschliche gedancken gemacht. ap.-gesch. 17, 29;
sechs silberweisse blätter (der lilie) ..,
woran das auge sich ergetzt,
wenn es, als wie in silbernen gefässen,
auch güldne körner sehen kann.
Brockes 2 (1739), 92.
c)
bildliche wendungen, redensarten.
α)
meist bezeichnen sie bestechung: mit der sylbern büchsen schiessen, ist geschenck geben, damit eyn bose sach gut wirt, unnd eyn gutte sach böse. es lassen sich auch die schiessen mit der sylbern buchsen, die geschenck nemen und uberhelffen. Agricola 288; er ist mit der sylbern buchsen geschossen. Luther sprichwörtersammlung (1900) 406 Thiele; non accipies munera: est adagium et pulchrum, wir heissens die hand schmiren und mit silbern buchslin schissen. werke 16, 570, 10 Weim. ausg.; man hat jn mit der silbern büchsen geschossen. Franck sprichw. 1 (1541), 156ᵃ; mit der silbern büchse schiessen, cercar di riuscire con presenti e regali. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 811ᶜ;
sie haben in auch weidlich mit der silbern büchsen muszen schieszen.
Schade sat. u. pasqu. 1, 56, 67.
mit silbern kugeln schieszen. Stieler 1720:
wer nicht mit silbern kugeln scheust,
derselbe wird bald abgeweist.
Sommer plagium (1616) C 3ᵃ.
ein silbern hammer bricht ein eisern thor. Schuppius 113; silberne hämmer, eröffnen eiserne tohre. Butschky Pathmos 436. vgl. die oben unter I, 6 angeführte wendung bei Eyering 1, 542.
β)
med sülwernen hâgel scheiten sagt man im göttingischen von einem jäger, der das stück wild, das er geschossen zu haben vorgiebt, für geld gekauft hat. Schambach 218ᵇ. vgl. die in anderem sinne gebrauchten ähnlichen wendungen unter α.
d)
auch auf gegenstände bezogen, die nur zum theil aus silber bestehen, mit silber verziert, eingefaszt, durchwirkt, umsponnen sind, u. ähnl.:
ich sach mînes vater marc
in troume sêre springen   und lûte an im erklingen
sîne covertiure silberîn.
klage 1453;
goldene schwerter,
hangend an silbernen riemen, zierten der jünglinge hüften.
Stolberg 12, 231 (Il. 18, 598);
silberne spitzen, denticuli argento texti. Stieler 1720; ein silbern gürtel. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 811ᶜ; silberner spiegel ist ein mittelmäsziges in einen silbernen und ziervergoldeten ... rahm eingeschlossenes spiegel-glas, welches das frauenzimmer bey dem aufsetzen auf dem nacht-tische vor sich hat. frauenzimmerlex. bei Schultz alltagsleben 142; silberne uhr, deren gehäuse von silber ist. Adelung; silberne dressen (tressen) Jacobsson 7, 358ᵇ. noch freier von personen mit silberner, silberverzierter kleidung: silberne reiter, die silberne schnüre trugen. Birlinger 387ᵃ.
2)
silberartig, silberähnlich, dem silber vergleichbar.
a)
in engstem sinne von dem, was den eindruck machen soll, als ob es von silber wäre: silberne buchstaben, ohne silber, auf eisen und andere metalle zu machen. Jacobsson 7, 358ᵃ.
b)
allgemeiner in bezug auf aussehen, glanz, farbe, besonders in gehobener sprache, so
α)
vom mond und den sternen:
willkommen, o silberner mond,
schöner, stiller gefährt der nacht!
Klopstock 1, 191;
wenn der silberne mond durch die gesträuche blickt,
und sein schimmerndes licht über den rasen geuszt.
Hölty 102, 1 Halm;
über den alpen Tyrols leuchtet der silberne mond.
Matthisson 2 (1810), 146;
hievon machen selbst die schiffe keine ausnahme, auf denen, so bald sie flott sein werden, künftige Alexander ihre landmacht und ihre vier und zwanzig pfünder zur einnahme des silbernen mondes abschicken werden. J. Paul grönl. proc. 2, 3; spottend zur bezeichnung der schwärmerischen ausdrucksweise liebender: hat man's nur erst so weit im reinen, dasz die gemüther topp machen, wutsch! nehmen die körper ein exempel; das gesind machts der herrschaft nach und der silberne mond ist am end nur der kuppler gewesen. Schiller kabale 1, 1. silberner glanz des mondes, eines sterns. von einer mondnacht: die silberne nacht webte flüsternd in den waldbäumen, über welchen der mond schwebte. Keller 5 (1899), 197. von mondbeschienenem: in Victors kopfe stand nichts als St. Lüne (in einer sternhellen nacht), blau überzogen, silbern überthauet. J. Paul Hesp. 2, 86; der mond war nach seiner herbst - sitte unerwartet früher am himmel erschienen ... rufend kamen am himmel winter-vögel an, und sommer-vögel zogen ab, und auf den silbernen gebirgen aus gewölk, dachte man, müszten die sommergäste ausruhen und in die künftigen länder schauen. leben Fibels 70;
zwar lächelt dir unten die ruhende stille,
die wallende bebung des schweigenden sees,
bald silbern vom schwimmenden monde,
bald golden und roth im westlichen strahl.
Stolberg 1, 105;
mit leichter beziehung auf d:
und steigt vor meinem blick der reine mond
besänftigend herüber; schweben mir
von felsenwänden, aus dem feuchten busch,
der vorwelt silberne gestalten auf (der im mondlicht silbern erscheinende nebel bildet sie in seiner phantasie dazu).
Göthe 12, 171.
adverbial: der ritter nahm ihn auf eine über steinerne säulen geführte gallerie hinauf, die überall limonienbäume mit düften und kleinen, regen, vom monde silbern geränderten schatten vollstreueten. J. Paul Titan 1, 34;
Selene blickte durch der fenster glätte,
und silbern malte sich der wolke saum.
Körner 1, 87 Fischer.
ähnlich, freier: endlich .. brach auch unsere silberne wellenfahrt (im mondschein) an ihrem ufer. das gegenüberliegende lag öde und überschattet dort. J. Paul uns. loge 3, 109.
β)
von hellem, klarem, glitzerndem, schäumendem wasser, eine anwendung, die vielleicht unter beeinflussung durch das lat. erwachsen ist. vgl. die ahd. glosse silberîne unda, argenteas undas. Graff 6, 215, die allerdings kaum fortwirkt:
erhell aus dem schilffe dein blaues gesichte
sanfft-wallender Oder-strom, silberner flusz.
Mühlpforth ged. 1 (1686), hochzeitged. 21;
treuer zärtlichkeit voll, in den umschattungen,
in den lüften des walds, und mit gesenktem blick,
auf die silberne welle,
that ich schweigend den frommen wunsch.
Klopstock 1, 72;
der sklav kam
eilend zurück, und trug, durch der priester getheilte versammlung,
ein korinthisch gefäsz, drin eine silberne quelle.
4, 93 (Mess. 7, 770);
sie sehen des Simois silberne strudel.
Schiller Iphig. in Aulis, 3, zwischenhandl.;
was leitest du (Elbstrom) fernhin die silberne flut
getürmt in bläuliche wogen?
Körner 1, 92 Fischer;
brausend stürzt sich die flut in die dunkle, schwindelnde tiefe.
und im silbernen schaum bricht sich die farbe des lichts.
103;
das kleine fischlein spielet hier im silbernen bach. Weisze bei Adelung; drauszen im anfluge, im hintergrund des wäldchens rollte vor ihm die natur ihr meilenlanges altarblatt auf ... mit den miniaturfarben der blümchen, die sich an der silbernen schönheitlinie der bäche bewegten. J. Paul Hesp. 1, 166. adverbial:
wo einen teich, der silbern flosz,
ein schattigtes gebüsch umschlosz.
Uz 25, 5 Sauer;
der freye bach flosz silbern durch die flur.
Gemmingen im Göttinger musenalm. a. 1771 52 neudruck;
er sah in einer quelle,
die silbern rann, sein eigen bild
und liebt' es auf der stelle.
Hölty 6, 27 Halm.
γ)
von weiszlichem gewölk, nebel in tagesbeleuchtung (vgl.α), mit übertragung:
vom silbernen gewölk des feinsten flors umflossen,
die locken aufgelöst, den busen halb entdeckt,
lag sie, die schöne stirn im weiszen arm versteckt.
Wieland 17, 179 (Idris 3, 87).
δ)
von schnee und eis: izt schlieszt uns der styrmende winter ins zimmer, und wirbel-winde durchwyhlen den silbernen regen der floken. Gessner 3, 53;
jetzt entwölkte sich fern silberner alpen höh.
Klopstock 1, 70.
ε)
von weiszglänzenden pflanzen, blättern, blüten:
das himmelfarbe ehrenpreis,
die tulipanen gelb und weisz,
die silbernen glocken,
die goldenen flocken,
senkt alles zur erden.
wunderh. 1, 98 Boxberger;
die silbernen glöckchen
der blume des mais,
sie läuten zum reihn.
Matthisson (1810) 1, 120;
wie blinkt im wolligen kleide
die silberne weide!
2, 255.
ζ)
von ergrautem haar: silbern war sein haar auf seiner scheitel. Geszner bei Adelung; er schnitt eine locke von seinem silbernen haupthaar. Schiller räuber 5, 1 schauspiel;
aber rosen winde genug zum häuslichen kranze;
bald als lilie schlingt silberne locke sich durch.
Göthe 1, 331.
silbernes haar übertragen auf den schwanz eines kometen (vgl.α): denn selbiger wandelstern mit seinem silbernen haar hatte nichts mehr zu bedeuten. Hebel 2, 89. silberner greis, mit silbernem haar:
moosigen eichen gleich,
achten silberne greise
nicht der eilenden jahre flug.
Stolberg 1, 6.
adverbial:
silbern wallen
locken um den scheitel mir.
Brentano 2, 301.
η)
von anderem silberartig glänzenden:
wenn mit silbernem flügel die kleinen geschlechte des grases
sich erheben und sonnen im allerquickenden strahle.
Stolberg 1, 397.
adverbial:
aus der silbern strahlenden orgel
töneten himmels-accorde an.
Pyrker Tunis. 1, 140.
c)
im klang dem silber ähnlich: madame Löwen verbindet mit dem silbernen tone der sonoresten lieblichsten stimme, mit dem offensten, ruhigsten und gleichwohl ausdrucksfähigsten gesichte von der welt, das feinste schnellste gefühl, die sicherste wärmste empfindung. Lessing 7, 37; sie macht und singt aus dem stegreif vortrefliche verse, mit einer so tonvollen silbernen stimme, dasz sie alle augenblick eine Muse auf dem Parnasz, oder eine Sirene in den fluthen vorstellen kann. Heinse Ardingh. 2, 59;
warum weckt von der lippe Cidli's die silberne stimme,
warum vom aug' ihr blick voll seele mein schlagendes herz mir
zu empfindungen auf, die mit dieser stärke mich rühren?
Klopstock 3, 204 (Mess. 4, 794);
da er sprach, erstaunt' er vor dieser tönenden stimme,
die, mit silbernem laute, wie im gesange, dahinflosz.
247 (Mess. 5, 109);
dann, o silbernes klavier,
wandelt Daphne hin zu dir.
Miller ged. (1783) 267;
adverbial:
silberner wird mein klavier,
wenn ich dann es spiele, klingen.
Göckingk 1 (1780), 57;
mit bezug auf innerlich wolthuende wirkung:
denn wie begreif' ich die verkündigung,
die mir noch silbern wiederklingt im ohr,
dasz sie die tochter meines kaisers sei?
H. v. Kleist 3, 74 Hempel (Käthchen 4, 2);
schellt es nicht im vorhaus? ...
so silbern klang mirs,
als hätt es gute nachricht mir zu melden.
Ludwig 3 (1891), 263.
d)
an wert dem silber vergleichbar: der bîhten der sint drîe. einiu ist gezalt zuo dem cuphir unde zuo dem blîe. einiu heiʒʒet silberîn. daʒ lât die beʒʒeron sîn. diu dritte ist guldîn. daʒ lât die hêristen sîn. Karajan sprachdenkm. des 12. jahrh. 33, 5. vielleicht steht schon diese stelle unter dem einflusz der antiken annahme eines goldenen, silbernen und ehernen weltalters ( Adelung), zeitalters, wie sie Ovid in den metamorph. darstellt:
als Saturnus versank in des Tartarus dunkel, und herrschend
Jupiter lenkte die welt; da erwuchs die silberne zeugung (argentea
proles),
weniger köstlich denn gold, doch mehr als röthliches erz noch.
Voss Ovid met. 1, 11 (vers 114).
nach diesem vorbild unterscheidet man auch eine silberne latinität, die nachklassische, aber immer noch künstlerisch hochstehende, wie sie Tacitus darstellt, von der eigentlich klassischen, wie sie Cicero bietet.
3)
besonderes.
a)
silberne hochzeit bezeichnet nach Campe die feier des fünfzigjährigen bestehens einer ehe, weil dann das ehepaar aus greisen mit silbernem haar besteht (vgl. 2, b, ζ) und gewöhnlicher die feier des fünfundzwanzigjährigen bestehens einer ehe, zum unterschiede von der goldenen hochzeit nach fünfzig jahren (vgl. 2, d). heute ist nur die letztere anwendung üblich. vgl. silberhochzeit.
b)
silberner mann im bergbau: silberner mann ist, wenn etliche gänge sich an einander lehnen, edele geschicke und fälle aus hangenden und liegenden darzu stehen, davon sich die gänge aufthun, gleichsam einen bauch werfen, auch der natürlichen würkung einen solchen raum geben, dasz daraus ein stockerz wird. Nehring hist. - polit. lex., 2. anhang, 72ᵇ. Jacobsson 4, 174ᵇ.
c)
silberne quelle, vom harnen, wol ein ausdruck der älteren heilkunde: weil ich ... die gnad erkriegt, dasz ich wieder die silbern quell hab (harnen kann). Luther briefe 5, 57 (brief vom 27. febr. 1537 an Melanchthon).
d)
sulwern läpelkrut heiszt nd. (in der gegend von Bassum) das hirtentäschelkraut, capsella bursa pastoris. korrespondenzbl. des vereins für nd. sprachf. 14, 11.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1026, Z. 9.

silbern, verb.

silbern, verb.
1)
transitiv, mit silber versehen, mhd. und ahd. im part. prät. bezeugt (vgl. a und b), als simplex immer selten. häufiger sind versilbern und übersilbern.
a)
mit silber überziehen, der gewöhnlichen bedeutung von versilbern und übersilbern gemäsz, nur bezeugt im sinne übertragener anwendung von silber (s. dies II, 9, c): (im bilde) penne̜ eritis columbe̜ deargentate̜ .. sô uuerdent ir federâ dero gesilbertun tûbun sancte̜ ecclesie̜. Notker ps. 67, 14; wie sie (die königin der nacht, der mond) die schatten beglänzt und silbert. Herder bei Adelung.
b)
mit silber anfüllen:
dem Franzois noch dem Walhen   wart durch genieʒ des koufes
gesilbert niht sîn malhen.
jüng. Titurel 5973, 2.
c)
im anschlusz an a oder b einem die hände silbern, ihn bestechen (vgl. silber II, 8, a): auff das ime die hende geschmiret und gesilbert, das ist geld und geschencke ime zugebracht und zugetragen werden. Luther 16, 362, 10 Weim. ausg.; in gleichem sinne:
die canzelei ist silbern gar
denn man musz sie silbern fürwar.
wer nicht mit silbern kugeln scheust,
derselbe wird bald abgeweist.
Sommer plagium (1616) C 3ᵃ.
2)
intransitiv, wol mit der grundbedeutung: silbern sein.
a)
silberhaltig sein Frisch 2, 277ᶜ, bergmännisch: daher bergleut halden wöllen, wenn die sörichten gebirg am tag verdrucknen, und die welder abgetrieben, und die tag und grundwasser verschroten und abgefürt werden, und die sonne die gebirg auszderret, das die ertz nimmer wie zuvor silbern sollen. Mathesius Sar. 35ᵃ; disz alles kompt von der sünden her, das die genge taub sein, oder zustossen werden, und wöllen nimmer silbern. 37ᵇ; es sagen die bergleute, wenn die gebirge mit stollen durchfaren, und die brunnquelle verschroten, und die welder abgetrieben werden und die feulen austrucknen auf den hohen gebirgen, so sol das erz nimmer wachsen und die bergarten sollen nimmer silbern wie zuvor. Syrach 3, 65ᵃ; der blau farbe - kobold ist offt schwer genug, und silbert insgemein. Henkel pyritologia 632 (bei Frisch 2, 277ᵇ); silbernde gang-art, aes in fodinis argentum continens. Frisch 2, 277ᵇ.
b)
nitere, instar argenti Stieler 1720: doch mögen dich seine silbernde locken nicht in schlummer wiegen. Benzel-Sternau bei Campe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1032, Z. 83.

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Zitationshilfe
„silbern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/silbern>, abgerufen am 22.10.2021.

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