Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

silberton, m.

silberton, m.
1)
silberartig, silberhell klingender ton:
wecke zu silbertönen die leyer (o Muse), die frohere, wenn sie,
Skandinaviens stolz,
auch der Deutschen, besingt.
Klopstock 1, 77;
Windeme sang, es ertönten
Bach's und Lolli's saiten zu dem gesange:
und ich war fern, und hört es nicht,
nicht der saiten silbertöne strömen.
269;
sterb' ich, engel gottes, noch einmal? mich däucht, die stimme
bebt mir! und ach zum leisen, gesunknen, unhörbaren laute
wird ihr silberton.
5, 78 (Mess. 11, 1160);
schon läuft der silberton durch die belebten saiten.
Zachariä bei Adelung;
ein süszer silberton durchzitterte die lüfte.
Lessing 1, 97;
(an ein klavier:)
o des neîdeswerthen lohnes,
ihre (Daphnens) seele zu erfreun!
schöpfer ihres silbertones,
ihrer seligkeit zu sein!
Miller im Göttinger musenalm. a. 1775 118. ged. (1783) 268;
die wochenblätter ...
verglichen seinen (eines sängers) silberton
der ersten sängerinn in vater Zeus orchester.
Gotter 1, 199;
nicht einen laut (hab ich vernommen), als jenen silberton
der zarten grillen, die das feld beleben,
und einem dichter lieb wie brüder sind.
Göthe 10, 244;
wenn von deinem wollustheiszem munde
silbertöne ungern fliehn.
Schiller 1, 224;
welch ein leben, kleine Psyche,
wenn ich nachtigallen gliche?
o ich lokte dich
flötend zu willkommnen thränen,
klagte dir in silbertönen,
und du liebtest mich.
262;
jetzt hatt er seine trösterin, ...
die schöne Soska einer anverwandten
auf wenge tage nur geschickt,
und oft voll unruh hin nach ihr geblickt,
und oft gelauscht des lieblichen bekannten
und hellen silbertones.
Seume 5 (1826), 179:
es (was gesprochen wird) ist ein silberton geworden, der seiner höhe nach musikalisch zu bestimmen, und seinem ausdruck nach, süsz zu empfinden ist. Herder 4, 107 Suphan. personificiert:
tanzet vor mir silbertöne!
F. Müller 2, 352.
im vergleich:
tugend stirbet in der Frynen schoose,
mit der keuschheit flieht der geist davon,
wie der balsam aus zerknikter rose,
wie aus risznen saiten silberton.
Schiller 1, 190.
in bildern: sechszehen jahre! der erste puls dieser leidenschaft! — auf dem unberührten klavier der erste einweihende silberton! Schiller kab. u. liebe 4, 7;
und die erinnerung davon,
die mir im wunden herzen bebt,
ist eines glöckleins silberton,
der über einer walstatt webt.
Leuthold ged.⁴ 30.
freier von dem, was wegen seines inhalts, wegen der dadurch hervorgerufenen gedanken und empfindungen angenehm klingt:
o, wenn nur einen trieb, der euch im busen schlief,
der Muse silberton zu edlen thaten rief.
Gotter 1, 24;
spottend:
freiheit! der höfling kennt den gedanken nicht,
der sklave! ketten rasseln ihm silberton.
Stolberg 1, 18.
nicht ganz sicher läszt sich in dieser beziehung über die folgende stelle entscheiden:
o freyheit,
silberton dem ohre!
licht dem verstand', und hoher flug zu denken,
dem herzen grosz gefühl.
Klopstock 1, 158.
das kann im sinne der vorigen belege aufgefaszt werden, kann aber auch bedeuten, dasz das wort freiheit wirklich an sich einen hellen klang hat.
2)
silberartiger farbenton: in der ferne und im mittelgrund (eines bildes der camera obscura) vermiszt man den schönen silberton, der mit dem luftton so schön in der natur herrscht. Hackert bei Göthe 37, 353; er (der maler) musz vieles weglassen, um die wahre illusion des gegenstandes hervorzubringen, und so gewöhnt sich sein auge nicht allein an einen groszen styl, sondern auch nach und nach an den silberton der natur. 354; die (bilder) er in Italien gemahlt hat, haben den silberton behalten. 374; himmel und meer ruhten in tiefer bläue oder in heitrem silberton. Keller 2 (1898), 20.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1049, Z. 70.

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Zitationshilfe
„silberton“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/silberton>, abgerufen am 28.10.2021.

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