Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

silberweisz, adj.

silberweisz, adj.
weisz wie silber. Adelung. Stieler 2487, silberweis Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 811ᶜ, mhd. silberwîʒ.
1)
mhd. bisweilen in der heute noch möglichen, aber ungebräuchlichen bedeutung: von silber weisz:
si wurdent sament dâ gesehen
und wurben gar mit vlîʒe,
daʒ der silberwîʒe
schilt, der alsô lûter schein,
geswechet würde von in zwein.
Konrad v. Würzburg Parthen. 15800
(vorher: der blanke schilt von silber wîʒ
15788);
so wol auch:
die knöpfel (an einem rocke) wâren silberwîʒ.
Wernher Helmbrecht 187
(vorher: diu [andre knöpfe an demselben rocke] wâren rôt vergoldet
181).
2)
häufiger schon mhd. im sinne einer vergleichung mit silber, gern in älterer sprache von blankem stahl, rüstung, waffen:
dô slôʒ man ûf die kisten.   hin ze hove man truoc,
der si dâ inne wisten,   harnasche gnuoc
genagelet wol mit stâle.   der silberwîʒen ringe
brâhte man vil den helden.
Kudrun 692, 3;
silberwîʒe ringe   heten sie an geleit:
sie zugen ûʒ gegen den heiden   ûf daʒ velt breit.
Wolfdietrich D 5, 126, 3;
dô er hern Hildebranden sach
sô rehte wol bereitet
in silberwîʒer brünje guot.
Virginal 46, 4;
eʒ was gar silberwîʒer stâl.
Ecken liet 166, 5;
der schöne helm silberweisz hieng jm hinden auf dem hals. Wilhelm v. Österr. 27ᵇ. der beziehung auf leuchtendes, schimmerndes metall nahe steht der gleichfalls schon mhd. bezeugte und auch später beliebte gebrauch des worts vom mond und seinem licht: der silberweise mond. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 811ᶜ;
die goltvarwe sunne   und dar zû der silberwîʒe mâne,
den beiden wart exempel dâ gerîchet
mit edelkeit der steine,   der art an varwe in beiden wart gelîchet.
jüng. Tit. 355, 2;
des mondes silber-weisser schein
macht einen eindruck bey den thieren!
Brockes 1 (1739), 39.
ähnlich, vom widerschein der sonne in wasser:
dann seh ich, von den kühlen bächen, die klare nimmer stille flut,
durch wiesen, die sie tränkt, sich schlängeln, worauf bald hier des himmels glut,
in einem silberweiszen glanz, und dort ein grüner schatten, ruht.
9 (1750), 319.
dann auch schon mhd. wie später allgemein von weisz gefärbten gegenständen, so von zeug:
vanen silberwîʒ gevar.
Tirol bei Lexer mhd. handwb. 2, 924;
ich gie mit vreuden sâ zehant
dâ ich mîn ors verdecket vant
mit einer decke silberwîʒ.
Lichtenstein 258, 3 (kaum: weisz von silber).
im bilde: wenn sie trachten nach dem weissen silber, so irrdisch und vergänglich ist, so trachte du hingegen nach der silber-weissen seide der heiligkeit, unschuld und gerechtigkeit Jesu. Sperling Nicodemus quaerens 2 (1719), 76. von blumen:
die blume (der erdbeere), welche silberweisz,
erheb't nicht weniger in farben und figur,
als eine schöne creatur,
des wunder-vollen schöpfers preis.
Brockes 1 (1739), 72;
die knöpfchen (knospen der erdbeere), die noch halb geschlossen
stehn,
die lassen gegentheils in grünen ecken,
wo zwischen sie so zierlich stecken,
ein silber-weisses sternchen sehn.
73;
wann wir von ungefehr
einst euer (der lilien) silberweisses heer,
durch ihren gegensatz erhöhet, wunderschön
beym duncklen taxus blühen sehn.
2 (1739), 90;
zu anfang bildet sie (die lilien) die spielende natur
in lange häupter, die zuletzt
sich öffnen, und so dann,
indem sie allgemach sich abwärts beugen,
sechs silberweisse blätter zeigen.
92.
von thieren:
wer will nach ihm dan weiden
die schäfflein silber-weisz?
Spee trutzn. (1649) 45.
vom haar der greise:
und vor ihm seht ein mann von edlen ernsten zügen,
mit langem weissem bart und silberweissem haar.
Wieland 23, 73 (Oberon 8, 4);
sein langer bart flosz silberweisz
von leichenfahlen wangen.
Langbein bei Campe;
und sieh! in der fürsten umgebenden kreis
trat der sänger im langen talare,
ihm glänzte die locke silberweisz
gebleicht von der fülle der jahre.
Schiller 11, 383;
und so auch auf die person selbst bezogen:
da wir vor zwanzig jahren
als kinder um dich waren,
standst du schon silberweisz.
Keller 10 (1897), 53.
von schnee:
die wohl-geordneten, die zierlichen figuren
des buchs-baums sind meist fort; doch steckt offt dort, offt hier
aus silber-weissem grund' ein grüner rest herfür.
Brockes 1 (1739), 402.
in technischer sprache silberweisze farbe, eine metallische gelblich weisze farbe. Jacobsson 7, 359ᵃ, in der botanik silberweisz, weisz mit grauem schimmer. Behlen 5, 619.
3)
substantiviert silberweisz, n.
a)
silberweisze färbung, so als bezeichnung einer bestimmten bläulich weiszen seidenfärbung. Jacobsson 4, 177ᵇ. b) silberweiszer farbstoff, auch bezeichnung des katzenglimmers. Nemnich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1052, Z. 62.

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Zitationshilfe
„silberweisz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/silberweisz>, abgerufen am 24.10.2021.

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