Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

symphonie, f.

symphonie, f.
aus gr. συμφωνία, lat., mlat. symphonia 'zusammenklang, harmonie; konzert'. im 13. jh. zuerst bezeugt (s. unten 1). mhd. symphonîe, sinphonî, auch in der lat. form symphonya Heinrich v. Laufenberg bei Wackernagel kirchenl. 2, nr. 773, spätmhd. und frühnhd. synphoney, symphoney mönch von Salzburg bei Wackernagel kirchenl. 2, nr. 553; Wickram 4, 153 Bolte; Spangenberg-Fröreisen griech. dramen 2, 286 Dähnhardt; symphoni Butschky Pathmos (1677) 395; mnd. symfenyge, zimphaney (s. u. 1). die im jüngsten gebrauch bevorzugte form sinfonie, im anschlusz an ital. sinfonia, begegnet schon im späten 18. jh. häufig: sinfonie Mozart (1781) bei O. Jahn Mozart (1856) 3, 9; Schubart leben u. gesinn. (1791) 1, 59; Schiller 1, 330; 2, 6 G.; H. Braun dtsch. orthogr.-gramm. wb. (1793) 251ᵃ. im eigentlichen gebrauch, auf dem gebiet der musik, ist das lat.-mlat. wort symphonia dem deutschen mittelalter aus der vulgata in zwei getrennten bedeutungen (Dan. 3, 5 s. u. 1; Lc. 15, 26 s. u. 3) und aus der frühkirchlichen und spätantiken musiktheorie (Ambrosius, Boethius, Isidor) bekannt.
1)
als bezeichnung verschiedener musikinstrumente, wie mlat. symphonia du Cange 7, 687, aber, soweit die deutsche bezeugung eine genauere bestimmung zuläszt, auf saiteninstrumente, namentlich die mit einer klaviatur versehenen, beschränkt. mhd., schon im 13. jh., als symphonîe, simphonîe, sinphonî wohl für die drehleier, lat. organistrum, frz. vielle, vgl. auch symphonîen, vb., 'auf der symphonie spielen' Gottfried v. Straszburg Tristan 3674 Bechstein und die anmerkung dazu sowie Burdach Reinmar und Walther 179:
diu süeze symphonîe,
diu floite und diu clîe
Heinrich v. d. Türlin krone 22094;
es möhte niht beschrîen
sanbut noch simphonîen
Rudolf v. Rotenburg in: minnes. 1, 86ᵃ v. d. Hagen;
simphonia sinphonî (unter den musikalischen instrumenten) vocabul. optimus 28, 10 Wackernagel; mit deme als ir hort den schal der bosunen und der schalmien, der rottin und des roris holundirs unde des saltirs und der symphonien und allis seytenspiles Claus Cranc prophetenübers. (Dan. 3, 5) 277 Ziesemer (vulgata: symphoniae; erste dt. bibel: leyren; Luther: lauten); s. auch Verwijs - Verdam 7, 1128; Schulz höfisches leben 1, 557. später für ein dem klavichord eng verwandtes oder mit ihm identisches instrument: in dat erste ene symfenyge, 1 kloffkordyum (Wismarer inventare zwischen 1438 und 1547) bei Schiller-Lübben 4, 207ᵇ; jn dem einen (zimmer) stundt ein posetiff zimphaney, im andern polonische geigen ders. 4, 207ᵇ, vgl. auch Diefenbach gl. 535ᵃ s. v. symphonia. bei Michael Prätorius ebenfalls neben dem klavichord sowie besonders in der reihe der spielarten des klavicimbels: dasz aber jetzo alle symphonien und clavichordia unten von C anfangen ..., wird wenigen unwissend und unbekant sein syntagma mus. 2 in: publ. älter. musikw. 13, 72; eben also ist auch das clavichordium das fundament aller clavirten instrumente, als orgeln, clavicymbeln, symphonien, spinetten, virginal etc. ebda; eine symphony (wie denn auch ein clavicymbalum, virginale, spinetta) wird in gemein von den meisten ohn unterscheid mit dem wort instrument (wiewol gar unrecht) genennet. denn der name instrument ist gar zu general, und gehet auff alle instrumenta musicalia ... darumb kann er nicht alleine uff diese einige art der instrumenten, als nemblich der symphonyen und clavicymbeln gezogen ... werden ebda 73. so in der lat. form noch bei Chomel: 'symphonia heiszt bei den musicis eben so viel als ein clavicimbal, virginal, spinet, oder insgemein ein instrument' öcon. lex. (1750) 8, 1818. — zum sachlichen vgl. Curt Sachs reallex. d. musikinstrumente (1913) 367.
2)
lat.-mlat. symphonia, auf grund von gr. συμφωνία, begegnet in der speziellen, der alten harmonielehre angehörigen bedeutung 'consonanz der intervalle' (vgl. etwa: insunt etiam potissimae symphoniae musicae Ambrosius de XLVII mansionib. filior. Israel bei Migne patr. 17, 11) als lat. terminus in deutschem text z. b. bei Notker schr. 1, 854, 855 P. (de musica). häufiger wird das lat. wort als glossem oder lexikalisches lemma in dem allgemeinen sinne von 'harmonie, richtiger zusammenklang', 'wohlklang, wohllaut' greifbar: symphonia guter ton o. hall (1507), der stimmen hoflich temperament var. temperierung (1495) Diefenbach gl. 535ᵃ; ferner, wenn musikalisch gemeint, gleichstimmung symphonia Schottel haubtspr. (1663) 388; endlich: 'symphonia (lat.), symphonie (gall.) heiszet in genere alles was zusammen klinget' J. G. Walther musical. lex. (1732) 589. diese lat. anwendung 'harmonie, wohlklang' ist vielleicht der ausgangspunkt für die mhd. übliche anwendung des wortes auf gesangsmusik (s. u. 3), wenn auch die wenigen hierhin weisenden älteren zeugnisse sich einer scharfen interpretation entziehen:
sich (sieh) halsen und trúten,
in lip ir hertz twingen,
im zartun und singen
in súezen simphonie
die miltun mag Marien
sœlden hort 1633 Adrian;
wol auff alls, das czu hymmel sey,
mit aller suessen synphoney
vnd singent got der eeren krey
mönch v. Salzburg bei Wackernagel kirchenl. 2, nr. 553, 1.
hierhin noch: so strich ich ungefehr bei einer glückseligen wohnung fürüber, aus welcher liebliche und symphonien volle stimmen (voci canore e dolci) herfür schalleten von schwanen, nymphen und himmlischen sirenen M. Schneider Amintas (1632) 39. 'die symphonie ... in weitestem verstande, zusammen klingende töne' Adelung vers. 4 (1780) 890. aus dem anwendungsbereich 4 a, aber doch wohl im sinne von 'harmonie': eine heitre, wohllautende musik haucht ihre anmuthigen symphonien durch die gespräche hin Fouqué reiseerinn. (1823) 2, 183 (s. u. 5 b und symphonisch 1).
3)
mhd., später nur noch in spuren (s. u. symphonist), in der anwendung auf gesungene musik, vor allem den gesang himmlischer chöre:
do er (der bruder des verlorenen sohnes) die symphonie
hort in der massenie (vulgata: audivit symphoniam et chorum Lc. 15, 26; Tatian: gihorta gistimmi sang inti chor 97, 6)
sælden hort 4255 Adrian;
do da singent sechstund viere
alltherren eya do czyre
vns in koren symphonie
mönch v. Salzburg bei Wackernagel kirchenl. 2, nr. 590, 11;
o senfti, o milty, o suͤssi Maria!
hymels symphonya
dich iemer lobet
Heinrich v. Laufenberg bei Wackernagel kirchenl. 2, nr. 773, 7.
möglicherweise ist mhd. auch mit einer spezialisierung der bedeutung zur bezeichnung einer bestimmten form liturgischer musik zu rechnen, vgl. die folgende parallelisierung (und wohl auch abstufung) von armonîe, symphonîe und melodŷe:
die engel sungen armonîe,
die heilegen süeze symphonîe,
die sêle schœne melodŷe
und lobten al die reinn Marîen
bruder Philipps Marienleben 9965 Rückert
(dazu s. v. armonia du Cange 1, 396ᵃ und s. v. melodia ders. 5, 333ᵃ, teil 6, 2000 sowie ein ähnliches nebeneinander von melodie und armonie Elisabeth 9187 f., 9940 f. Rieger); vgl. noch:
und (die engel) vuorten sî (Maria) mit süezem
mit gîgen und mit harpfen klange sange,
in ir kôr und jubelieren
alle begunden unde zieren
iren sanc mit symphonîen
ze lobe der reinen magt Marîen
bruder Philipps Marienleben 9810 Rückert.
4)
im übrigen kennt der nhd. gebrauch das musiktheoretisch gewichtige wort nur als bezeichnung instrumentaler musik, s. Walther musical. lex. (1732) 589; Riemann musiklex.¹¹ (1929) 1796ᵃ, wie er wohl auch für mhd. zeit schon vorauszusetzen ist.
a)
allgemein 'musik auf instrumenten, vollstimmiges instrumentalkonzert', vgl. schon glossierungen des 15. jh. wie susz seytenspil, siesz saiten spil für lat. symphonia bei Diefenbach gl. 535ᵃ:
darzuͦ gar schoͤne symphoney
von instrumenten mancherley
Wickram 4, 153 Bolte;
bringt lieblich gsang und seitten spil,
auch schöner instrumenten vil,
künstliche sänger, harpfenisten,
geiger, wolgubte lautenisten,
die lieblich music uben frey
mit einer schönen symphoney
Spangenberg-Fröreisen gr. dram. 2, 286 Dähnhardt;
die sirenen hörten auf zu singen, und die musen antworteten ihrer ausforderung durch eine symphonie, welche auszudruken schien, wie gewisz sie sich des sieges hielten Wieland Agathon (1766) 1, 192. in der zweiten hälfte des 18. jh. und bis ins 19. jh. hinein gern zur kennzeichnung festlicher musik, auszerhalb gattungsmäsziger bestimmung, aber wohl doch im schatten der für die musikgeschichte so bedeutungsvollen anwendung b: eine herrliche symphonie tönte aus den nebenzimmern und flötete den leckerhaften schmaus und die feinen weine den gästen lieblich hinunter Musäus volksmärch. 1, 61 Hempel; mit diesen herrlichen gerichten waren wir beschäfftiget, da Trimalcion selbst mit einer symphonie herbey gebracht und auf einen haufen kleiner kopfküszchen gesetzt wurde Heinse s. w. 2, 73 Schüdd. poetisch von der musik himmlischer sphären:
es schwammen süsze symphonien
durch den entzückten himmel hin
Schubart s. ged. (1825) 3, 53;
ihren (der engel) symphonien ...
horcht lauschend jeder weltkreis zu
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 49.
b)
fachsprachlich als gattungsbegriff musikalischer komposition (zum einzelnen vgl. Riemann a. a. o.; Karl Nef gesch. d. sinfonie u. suite [1921]).
α)
während schon im 16. und bis ins 17. jh., von Italien ausgehend, lat. symphonia, ital. sinfonia für mehrstimmige harmonische instrumentalsätze oder als symphonia sacra für vokalwerke mit instrumentaler begleitung nach art des geistlichen konzertes eine gewisse terminologische bedeutung gewann, galt das wort, nun auch in der deutschen form symphonie, im 17. jh. und bis zur mitte des 18. jh. neben sonate (alten stils) und kanzone, später und noch bis ins 19. jh. auch neben ouvertüre vornehmlich als terminus für die instrumentalen einleitungs- oder zwischensätze von vokalwerken und schauspielen; vgl. 'die symphonie ... ihre haupteigenschafft bestehet darin, dasz sie in einem kurtzen begriff eine kleine abbildung desjenigen machen, was nachfolgen soll' Mattheson vollkomm. capellmeister (1739) 234. für das ritornell in arien und liedern der barockmusik: wo (in den arien) symphonien (d. h. instrumentale ritornelle) verhanden, müssen auch die violisten ihre parteyen besonders haben, dasz also der sänger alleine das buch behalte und recht wohl gehöret werden könne Königsberg. dichterkr. 37 ndr.; der musen freudengesang ... wurde, so oft ein lied mit seiner symphonie oder vorklange abgesungen, wiederhohlet Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 194. im vergleich: dasz offt kluge leute, bey höflicher kurzweil und schimpff praeambuliren, und gleichsam eine symphoni machen derer dinge, so nachgehends von ihnen mit ernst vorzunehmen Butschky Pathmos (1677) 395. ferner: die sinfonie der vorliegenden cantate Ph. Spitta Joh. Seb. Bach³ (1921) 1, 292. im mittleren 17. jh. auch für die einleitenden sätze der instrumentalsuite: Joh. Rud. Ahle das dreifache zehen, allerhand sinfonien, paduanen, balletten, allemanden (1650) titel; M. Rubert sinfonien, scherzi, ballette, allemanden, couranten und sarabanden (1650) titel; vgl. Karl Nef a. a. o. 61. als einleitung (oder zwischenaktsmusik) von opern und schauspielen, wofür bald auch und später ausschlieszlich ouvertüre: (in der oper Titon) eine zärtliche erzählung, einige magere symphonien, einige nach italienischer art eingekleidete arietten ...: das war alles Gottsched das neueste aus d. anmuthigen gelehrsamk. (1751) 3, 692; hört ihr die symphonie? das lustspiel wird vor sich gehen Schiller 3, 111 G.; wollten sie (anrede an Kayser) alsdann etwa (zum Egmont) die symphonie, die zwischenackte und einige stellen des fünften ackts, die musick verlangen, komponieren Göthe IV 8, 244 W.; nachdem alles stille geworden, begann hinter der gardine eine einleitende symphonie (als vorspiel zu einem schauspiel) Mörike w. 2, 106 Maync; die schluszakkorde der symphonie ertönten, und der vorhang ging auf Holtei erz. schr. 37, 135. im vergleich: (Mantegnas bild 'Julius Cäsars triumphzug') völlig die ankündigende symphonie, die introduction einer groszen oper Göthe I 49, 261 W.
β)
als selbständige mehrsätzige orchesterkomposition groszen stiles, in der musikalischen grundform der sonate (jüngerer art). im rahmen des groszen stilwandels von der polyphonie zur homophonie während des frühen und mittleren 18. jh. entwickelt, von den Wiener klassikern zur höchsten und anspruchsvollsten kunstform der orchestermusik gesteigert, als welche sie, im grundrisz nur wenig verändert, bis heute gilt: der anfang wurde mit einer ouvertüre gemacht; hierauf wurden concerte gespielet, und auch wechselsweise darunter gesungen, oder solo gehöret. den schlusz aber machte eine starcke symphonie (bericht über ein konzert in Prag ca. 1715) bei Mattheson grundlage e. ehrenpforte 102 Schneider. der älteren, mehr objektiven musik gegenüber erscheint hier die symphonie als wesentliche trägerin der jüngeren, affekt- und gefühlsbetonten musik: das liebhaberconcert zu Paris wurde neulich mit einer sinfonie von der composition des hrn le Duc angefangen, welche bei der probe eine besondere wirkung that. mitten im adagio wurde der bekannte herr von St.-George bey einer sehr zärtlichen stelle, durch das andenken an seinen verstorbenen freund so heftig gerührt, dasz ihm der bogen aus der hand fiel, und thränen auf die geige rollten. dieses rührende gefühl wurde so allgemein, dasz alle, die mitspielten, ihre instrumente niederlegten, und sich ihrer betrübnis überlieszen Joh. Nik. Forkel musikal.-krit. biblioth. (1778) 1, 314; 'das habe ich ihnen neulich vergessen zu schreiben', berichtet er (11. april 1781), 'dasz die sinfonie magnifique gegangen ist und allen succesz gehabt hat' Mozart bei O. Jahn Mozart (1856) 3, 9; Mozart hat in seinen sonaten ... stets nur drei sätze zusammengestellt, während er in den symphonien, quintetts und quartetts ... immer auch den menuett hinzugefügt hat O. Jahn Mozart (1856) 4, 21; unseren gemüthlichen Haydn, den schöpfer der heutigen symphonie, hätte das völlige hinauswerfen des tanzes der menuett geschmerzt, daher behielt er sie bei Frz. M. Böhme gesch. d. tanzes (1886) 263; 'übrigens', fügte sie bei, 'mir hat die symphonie (von Beethoven) sehr gut gefallen' Stifter s. w. (1904) 1, 74; eine statue als gegenstand der öffentlichen kritik war für die Griechen, was für einen theil unseres publicums ein gedicht oder eine symphonie ist Herm. Grimm Michelangelo (1890) 2, 123. vergleichend: sie (die klassizistische bewegung in der architektur um 1760) ist gleichsam die dominante einer wild und tumultuarisch beginnenden, aber allmählich sich beruhigenden und abklärenden symphonie Justi Winckelmann (1866) 1, 258.
5)
in uneigentlichem und übertragenem gebrauch.
a)
poetisch von naturstimmen: das gebüsch war mit singvögeln angefüllt, die ihre hundertstimmigen symphonien hervortönten Musäus volksmärchen 1, 10 Hempel; die cicaden begannen ihre schrillenden symphonien in den ... granatenbüschen Gaudy s. w. (1844) 6, 169. deutlich von 4 b β aus: überhaupt machte dieser herr (der herbstwind) ein heulendes gelärme, als ob es ihm zum überdrusz wäre, dasz noch jemand so vermessen sein könne, auf vier schlechten saiten eines geigleins zu spielen, nachdem er seine symphonie auf den unzerreiszbaren aeolssaiten begonnen S. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 110.
b)
in einer übertragung der bedeutung 1 'harmonie, richtiger zusammenklang' auf das gebiet des nicht hörbaren, soviel wie 'übereinstimmung, einklang', vgl.: symphonie 'ein wort, welches ... von tönen, und nachher überhaupt von dingen, welche zusammenstimmen, gebraucht wird' Voigtel wb. (1793) 3, 387ᵇ; in älterer sprache nur vereinzelt bezeugt: denn gott und Belial ... machen keine symphonei oder einhelligkeit J. Mathesius erkl. d. ep. an d. Corinther (1591) 1, 234ᵃ. seit dem späten 18. jh. namentlich vom einklang kosmischer kräfte, von der harmonie des alls, zugleich unter dem einflusz der gesteigerten bedeutung 4 b β:
dasz er hörte des weltalls symphonie
Schubart s. ged. (1825) 2, 59;
das ist auch meine hoffnung, ... dasz solche grosze töne ... einst wiederkehren müssen in der symphonie des weltlaufs Hölderlin 2, 118 Litzmann; das ganze universum kläng ihm wie eine symphonie Bettine d. Günderode (1840) 1, 174; mir ist jede bestimmte individualität recht, als eine note in der symphonie des groszen alls fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 313. auch sonst vom zusammenwirken der kräfte innerhalb einer vielgliedrigen ordnung: so, dasz sie (eine einzelszene im ganzen des homerischen epos) nichts als eine tonreihe zur symphonie des ganzen bleibet Herder 3, 224 S.; auch dieser tiefe ton gehört in die symphonie seiner kräfte und organe Novalis 2, 147 Minor; symphonie der arbeit! gesättigtes, volles leben J. Göbbels Michael (1931) 210. auch in synästhetischer verwischung der grenzen zwischen einzelnen sinnesgebieten:
(so oft ihn im frühling) die symphonien umtönen,
die entweder sein aug in deinen gestalten mit farben
wechslend umschimmern, oder in wohlvermischten gerychen
oder im wohlklang harmonischer lyfte die sinne bezaubern
Wieland I 1, 430 akad.;
vgl. farbensymphonie und mit umgekehrtem aspekt: so hätte ich kürzlich die kritik einer symphonie gelesen, worin nur von der wärme des kolorites, verteilung des lichtes, von dem tiefen schlagschatten der bässe ... die rede sei, so dasz man durchaus die rezension eines bildes zu lesen glaube G. Keller (1889) 2, 146.
6)
als fachausdruck älterer poetik: 'symphonie ist in der dichtkunst ein gedicht von zweenen versen, welche in manchen wörtern und sylben mit einander übereinkommen, ob sie wohl sonst einen ganz verschiedenen verstand haben' Gottsched wb. d. dtsch. wissensch. (1760) 1533.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1942), Bd. X,IV (1942), Sp. 1410, Z. 51.

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Zitationshilfe
„sinfonie“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sinfonie>, abgerufen am 28.10.2021.

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