Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sink

sink:
bis in de sinke nacht, bis in die sinkende nacht. Hertel thür. sprachschatz 228; in der sinken nacht, bei eintretender nacht Schambach 192ᵇ. aus sinkend entstanden: ind sincht nocht nein. Göpfert mundart des sächs. Erzgebirges 26. vgl. sinkening, sinkicht, sinkig, sinklicht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1096, Z. 73.

sinken

sinken,
gemeingermanisches starkes verbum, eine directe indogermanische entsprechung ist nicht nachgewiesen (vgl. beiträge 8, 268). got. sigqan, altn. søkkva (dän. synke, schwed. sjunka sind aus ostnordischer form mit erhaltnem nasal erwachsen); ags. sincan, engl. to sink, alts. sinkan, neunld. zinken, ahd. sinchan Graff 6, 255; mhd. sinken mhd. wb. 2, 2, 305ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 932; mnd. sinken Schiller - Lübben 4, 213ᵃ; mergere, sincken Dief. gloss. 358ᵃ; sidere, sincken 533ᵃ; sincken, helden, sich eynlassen, desidere. Maaler 374ᵃ; gähe, geneigt, sinckend, proclivis Henisch 1330, 60; vgl. Hulsius dict. (1616) 298ᵇ; sinken, mergi, labare, labi Stieler 2008; sincken Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 812ᵇ. Steinbach 2, 773. die flexion bietet nichts bemerkenswertes, die alte pluralform des perfectums hält sich lange im nhd. und ruft einen singular sunk hervor, der in verschiedenen mundarten das alte sank verdrängt hat. Schottel 596 bietet ich sank, du sunkest, er sank, wir sunken, ich sünke. Stieler 2008 hat ich sank, et ich sunk, conj. ich sänke, et sünke, Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 812ᵇ ich sancke, Steinbach 2, 773 ich sunck neben ich sanck, Frisch 2, 278ᶜ aber nur ich sank; Adelung weist die formen ich sunk und ich sünke dem 'gemeinen leben' zu. mundartliche formen: sunk Hunziker 242; ich sunk, sinket Schm. 2, 314; ik sunk brem. wb. 4, 790. Mi 79ᵇ. Schambach 192ᵃ. ten Doornkaat Koolman 3, 185ᵃ; sank, sunk, plur. sünken Woeste 237ᵇ; seine auszerweleten heubtleute versuncken im schilffmeer. 2 Mos. 15, 4; sank ich in eine ammacht zur erden. Dan. 8, 18; fülleten beide schiff vol, also, das sie sunken. Luc. 5, 7; (wenn) die berge mitten ins meer süncken. ps. 46, 3; wie er an die eiche sunk. Klinger theater 1, 223 (1786);
in einen dieffen schlaff ich sanck (: dranck).
H. Sachs 3, 259, 4 Keller - Götze (var.: drunck : sunck);
allda erst vil Griechen ertruncken,
und wie die stein zu grunde suncken.
20, 284, 31;
sein haupte jhm sehr kranck und schwach
ernider suncke aller sach.
Ilias übersetzt von Spreng (1610) 101ᵃ;
als ich ...
schon sunck und schier erdranck.
Weckherlin (1648) 63;
ein säbelhieb
sunk schwer auf sein genik.
Schiller 1, 346.
1)
sinken in eigentlicher bedeutung; meist mit einer richtungsbestimmung verbunden: zu grunde, zu boden, herab-, dahin-, hinunter-, zurück-, nieder-, unter-, nach-, einsinken u. ähnl.
a)
unter die oberfläche des wassers, auf den grund durch die schwere gezogen werden; in älterer sprache und in neuerer bei gehobener rede auch prägnant für versinken, im wasser untergehen (so auch in der wendung das schiff ist gesunken): gisehenti her tho uuint mahtîgan forhta imo, inti sô her bigonda sinkan, riof quedantêr. Tatian 81, 4; da erschrack er, und hub an zu sincken. Matth. 14, 30; im wasser sinken, aqua hauriri Stieler 2008; die steine sincken im wasser. Steinbach 2, 773; eisen im wasser sinkt zu boden (zu grunde). Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 812ᵇ; ein schiff sincken lassen, das schiff sancke. ebenda; das schiff fing an zu sincken. Steinbach 2, 773; sinken zu boden, sidere ad ima vasis Frisch 2, 278ᶜ. ein schiff ist im sinken, wird sinkend angetroffen:
ni mahta an thena flôd innan,
an thema sêo sinkan.
Heliand 2923;
es sinket halt ein meres kiel.
Parz. 289, 26;
daʒ er aldâ vertrunke
und zu grunde sunke.
pass. 175, 42;
dann Christus last uns zwar wol sincken,
aber darumb nicht gar ertrincken.
Spangenberg anbind- u. fangbriefe (1623) P 7ᵇ;
er sah ihn stürzen, trinken
und sinken tief ins meer.
Göthe 1, 188;
und wenn ich starb,
der ersten welle raub erliegend, sank,
war's eine spanne näher doch bei dir.
Grillparzer 6, 52.
in bildlichem gebrauche: ich habe schiffbruch gelitten auf der ungestümmen see dieser welt, die hoffnungen meines lebens bab ich müssen sehen in den grund sinken. Schiller räuber 3, 2 schauspiel; in allen gesprächuntiefen, wo man schon halb im sitzen oder sinken ist, gibts keine herrlichere schiffspumpe, als eine historie, die man zu erzählen hat. J. Paul Hesp. 2, 4; unter blut, ideen und thränen sanken seine worte unter. uns. loge 3, 30; in fester wendung wird sinken dem schwimmen, nicht untergehen gegenüber gestellt: er sehe jn lieber sinken, als drifen. Schottel 1116ᵃ; he süt em lewer sinken as fleten, er gönnt ihm alles böse. Dähnert 424ᵃ; se wolden mit on sinken und vloien, untergehen und schwimmen. d städtechr. 7, 389, 28; sinken und flieszen. Göttinger bürgereid im nd. korrespondenzbl. 15, 77; mit one sinken und floten. 16, 13 (aus Oldecop).
b)
scheinbares versinken: die sonne sinkt ins meer (unter das meer. Campe); unter eine feste fläche: die sonne sinkt unter den horizont, hinter die berge (vergl. unter c); das wasser sincket in die erde. Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 7, 812ᵇ; für uns fremdartig (doch vgl. oben Schiller 1, 346) vom einschneidenden schwerte:
(dasz es ihm) dur stahel und dur houbet dranc
und im ze tal dur beide sanc
biʒ ûf sîn ellentrîchen brust.
K. von Würzburg im mhd. wb. 2, 2, 305ᵇ.
c)
ganz allgemein, in mannigfaltigster anwendung von der nach unten gerichteten bewegung, dem langsamen fallen im gegensatze zu steigen. von Kant mit directer beziehung auf die schwerkraft gebraucht: diese zweite kraft .. zielt allenthalben zu der sonne hin und wird daher die sinkende, die centripetalkraft, oder auch die gravität genennet. 8, 246; die zu ihren anziehungspuncten sinkende elemente. 287. sincken, helden, sich eynlassen. Maaler 374ᵃ; sincken, sänfftiglich und gemach zur erden fallen. Hulsius dict. (1616) 298ᵇ; ein tropfen sinkt, nebel, wolken sinken zur erde; er schnitt eine locke von seinem silbernen haupthaar, warf sie hinein in die schaale der sünden, und siehe, sie sank, sank plötzlich zum abgrund. Schiller räuber 5, 1 schauspiel; die waagschaale dieses lebens sinkend wird hoch steigen in jenem. ebenda; meine sehnen werden schlapp, der dolch sinkt aus meinen händen. 5, 2;
is dror sinkit nu an erda.
alts. gen. 48;
wie die ebnen des meers ein mitternächtlicher strudel
ringsum in sich verschlingt, und stets zu dem untergange
offen, unsichtbar unter den wolken des sinkenden himmels,
alle zu sichre bewohner des meers in die tiefen hinabzieht.
Klopstock Messias 3, 30;
auf rosefarbnem gewölk, mit jungen blumen umgürtet,
sank jüngst der frühling vom himmel.
C. E. von Kleist 2, 4 (1760);
wie unsre sense blinket,
rauscht hohes gras, und sinket
in schwade, lang und schön.
Voss 2, 303;
eh das sinkende laub sterbend dem baum entweht.
Hölty 92 Halm;
von einem wirbelwind ringsum bestürmt
sank sie zur erde hin (die rose).
47;
unsre völker werfen
die waffen von sich, unsre fahnen sinken.
Schiller jungfrau von Orleans 5, 12;
o möchten meine fahnen stolzer rauschen,
sie sanken zwar nicht ganz.
Hebbel 6, 104 (1891);
für uns fremdartig, vom einmünden eines gewässers: zu ainem klainen pächlen welches in den Schwarzenpach sinkt und rint. steir. u. kärnt. taidinge 480, 45. sehr oft von den zum untergange sich neigenden und gleitenden gestirnen, oft übergehend in die bedeutung versinken (vgl. unter b):
die sonne sank zum abend.
wunderhorn 1, 303 Boxberger;
das gold der sinkenden sonn umbebte die ähren.
Hölty 40 Halm;
zum schlummer winkt der sterne sinkend licht.
Schiller 6, 347;
ab denn, rascher hinab!
sieh die sonne sinkt!
eh' sie sinkt (versinkt).
Göthe 2, 69;
schon glänzt dort hoch der abendstern ...
es sank der sonne goldnes licht.
Seume gedichte 76 (1826);
ergehst du dich im abendlicht,
(das ist die zeit der dichterwonne):
so wende stets dein angesicht
zum glanze der gesunknen sonne.
Uhland ged. (1864) 3.
die nacht, die mitternacht sinkt hernieder, auf die erde:
bald sank mir die nacht, dem lebenden, bald wird, Elkanan,
frömmerer dulder, auch dir die nacht, dem sterbenden, sinken.
Klopstock Messias 19, 678;
mitternacht sank indessen
auf den schlummernden eichenhain.
Hölty 69 Halm;
sinkende nacht (vgl. sink, sinkening, sinkig, sinkicht, sinklicht) bezeichnet die einbrechende nacht (seltsam bei Dähnert 424ᵃ: sinkende nacht, späte nacht): vom früen morgen bisz inn die sinckende nacht, und offt uber die halbe mitternacht. Mathesius Sarepta 11ᵇ (1571); bis in die sinckende nacht, da sich schon der groszfürst geleget hette. Schütz beschr. der lande Preuszen (1599) 120ᵃ; so könte er ihr wegen anderer geschäfften vor sinckender nacht kein anders verfertigen. Simpl. 4, 51, 23 Kurz; kamen bey sinckender nacht in einen flecken. Weise kl. leute 166 (1679); nur mit sinkender nacht kam der zug im dorfe vor dem wirthshause an. Göthe 19, 48;
die wir doch waren toll und voll,
auff keim fusz konten stehen wol,
dennoch für Asmus hausz uns bracht,
und zwar in der sinckenden nacht.
Wichgreve Corn. rel. übers. von Sommer F 5ᵃ.
dann auch freier: stille, friede, abendfrieden, schweigen sinkt herab, auf die flur. verringerung der tiefe oder höhe; das hochwasser ist schon bedeutend gesunken; je nachdem das wasser mit der fluth stieg oder mit der ebbe sank. Schiller 9, 51. dle quecksilbersäule im thermometer sinkt, sinkt unter den gefrierpunct. der zucker sinkt in den formen, in dem masze, wie der syrup abläuft. Jacobsson 4, 178ᵇ; feuer sinkt, indem es niederbrennt:
das feuer sank, und wölkte kaum
noch dampf empor.
Hölty 39 Halm;
sinkt das feuer zu glut, dann schiebe den knorrigen klotz nach.
Voss der siebz. geburtstag (1785).
der bau, das hausz sincket (senkt sich, aus der richtigen lage, sich abwärts neigend). Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 2, 812ᵇ; der bau ist gesuncken. 812ᶜ; durch faulheit sincken die balcken. pred. 10, 18; zwar wär ich auch arm glückselig bey dir gewesen in kleiner sinkender hütte. Geszner 1, 274. vom erdboden: dar is een sinken (oder etwa sinke, f.) in dem wege, niedrige stelle. brem. wb. nachtr. 305. in trümmer, schutt, asche sinken, zerstört werden:
umsonst verschwend' ich meines volkes leben,
und meine städte sinken in den staub.
Schiller jungfrau von Orleans 1, 5.
von menschen, thieren, persönlich gedachtem: ich sank bis über die knie in den schlamm (wobei doch die aufrechte haltung bewahrt wird); aber: von einer tödlichen kugel getoffen sank er zu boden (brach zusammen, so dasz er am boden lag); zu boden sincken Stieler 2008; unter der last sincken. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 812ᵇ; erschrac, daʒ si rechte nider sanc zu der erdin. Ködiz leben des heil. Ludwig 52, 28; vernunfft müste hin sincken und verzweifeln. Luther 19, 387 Weim. ausg.; ich trinck dasz ich sing und sinck. Fischart Garg. 26 neudr.; oder wilst du, dasz ich unter dem schreklichen geschirr solcher thränen zu boden sinke? Schiller kabale u. liebe 2, 2; da sank das Vefele in sich zusammen, es lag mit dem gesichte auf dem boden. Auerbach dorfgeschichten 1, 60;
vor slâfe sunken si aber hin.
krone 29459;
von engesten hie dick uff die erden sanck.
Alsfeld. passion 5467;
nun irr ich durch verschränkte tannenhaine,
sink' auf verdorrtes moos.
Hölty 135 Halm.
besondere und freiere wendungen: der titel ist der kopf des buchs; das kind deiner feder musz daher mit dem kopfe zuerst in die welt sinken. J. Paul grönl. proc. 2, 20. sinken, im kampfe fallen, auch mit einem dativ verbunden:
doch unter den vordersten, mein' ich,
sinkt er dem stosze der hand.
Voss Ilias 8, 537;
aber der fromme
sank dem beglückten, denn ihm waren die götter nicht hold.
Schiller 11, 270;
an unsern mauern sank
der edle held für seines königs sache.
jungfrau von Orleans 1, 3;
(er) sinkt dem streiche, wen der spürhund trifft.
Seume ged. (1826) 65.
überhaupt von sterbenden: er sinckt in die grube. Steinbach 2, 773; meine wurzeln sind abgehauen, meine kraft sinkt nach dem grabe. Göthe 8, 164; ich kehre mein angesicht noch sinkend nach dir zurück. J. Paul Hesp. 3, 249;
sinke, du staubgebein,
zur erde, deiner mutter, sinke
zu den verschwisterten erdgewürmen.
Hölty 84 Halm.
man möchte wünschen, in die erde zu sinken, vor scham, um sich zu verbergen; anders:
einsam war er und still, wie das grab, und glaubte mit jedem
tritt in die erde zu sinken (vor schmerz).
Hölty 42 Halm.
in die knie, auf die knie, aufs knie sinken: (da) ich athemlos und erschöpft von der arbeit in die knie gesunken war. Schiller räuber 4, 5 schauspiel;
er schwört ihr unverfälschte treu,
er stellt sich fromm und ehrlich,
und sinkt auf beyde knie dabey.
Gotter 1, 34 (1787);
ich sah sie (die thränen) fallen auf deine hand,
und bin aufs knie gesunken.
Heine 1, 103 Elster;
sie sanck auff ihn hin und weinte bitterlich. Kramer deutschital. dict. (1702) 2, 812ᵇ; einem zu füszen, einem an die brust, in die arme, ans herz sinken: mein herz brannte nach einem herzen — ich sank an das seinige. Schiller kab. u. liebe 2, 3; sie? ein vater! — seyn sie es, und ich sinke zu ihren füszen. Gotter 3, 89 (1802); da sank ihm mit unüberschwenglicher seligkeit und liebe das kind ans vaterherz. J. Paul Tit. 1, 33;
laut weinend sankst du mir zu füszen.
Schiller don Karlos 1, 2.
im bilde: ich gehe jetzo hinaus und sink' an die sterbende sonne und an die entschlafende erde. J. Paul unsichtb. loge vorrede xxviii. von gliedmaszen, körpertheilen, als zeichen von ermattung, schläfrigkeit, besonderen stimmungen: der vogel läszt die flügel sinken. die hände sinken ihm, er läszt die hände in den schoosz sinken: die stoltzen müssen beraubet werden und entschlaffen, und alle krieger müssen die hand lassen sincken. ps. 76, 6; der schimpf in einem öffentlichen zimmer zu spinnen, und in der zahl der armen bekannt zu seyn, wird den den fleiszigen und empfindlichen mann hinlänglich abhalten, seine hand sinken zu lassen (die arbeit zu vernachlässigen). Möser patriot. phant. 1, 78 (1775);
die krafft in meinem hertzen
verschwindt, der geist verschmacht, die hände sincken mir.
A. Gryphius 2, 321 (1698).
das haupt sinkt auf die brust (dem müden, dem sterbenden); an die brust eines andern:
dann am mieder, ah dann sinket mein trunknes haupt
an den offenen busen.
Hölty 72 Halm;
das haupt sinkt in die hand: dom Karlos auf einem sopha, den kopf in die hand gesunken. Schiller dom Karlos 5, 1; die augen sinken, dem einschlafenden, dem sterbenden:
die augen thäten ihm sinken;
trank nie einen tropfen mehr.
Göthe 1, 188;
mit gesunknen augen (niedergeschlagenen) hörte Julienne dieses unter dem vivat des volks an. J. Paul Titan 2, 98; die knie sinken dem erschöpften:
und von der unendlichen mühe
ermattet sinken die knie.
Schiller 11, 287.
das herz sinkt jemandem, s. unter 2. gedachte bewegung: die spitze einer krummen habichtsnase sank in seine oberlippe. Klinger 5, 117; mein kind sinkt's vom kopf, es hat einen wasserkopf. Hügel 149ᵇ.
2)
verblassen der sinnlichen vorstellung, übertragener gebrauch; die vorstellung des kleinwerdens, schwindens tritt vielfach an die stelle der eigentlichen bedeutung. überleitend: ihm sinkt das herz, er wird mutlos;
nicht hoffnung war zu siegen noch zu fliehn,
da sank dem tapfersten das herz.
Schiller jungfrau von Orleans 1, 9.
derb: ihm sinkt das herz in die hosen. auf unsinnliches angewendet: lässet er den muth sincken, und verzaget. Comenius sprachenth. (1657) 885; o herr Jesu .. erhebe mein schweres und sinckendes gemüth zu dir. Meyfart das himml. Jerusalem (1630) 2, 197;
doch lasz den muth nicht sinken, schwester.
Grillparzer 9, 105.
andere wendungen, denen die gleiche vorstellung zu grunde liegt, können leicht und in mannigfaltiger weise gebildet werden: dasz er seinen grimmigen zorn sincken lasse, sein schwerd in die scheide stecke, und quartier gebe. Schuppius 792; (wein,) der unsere geister ebenso schnell wieder sinken läszt, als schnell er sie erhoben. Lessing 12, 372; der einzige von allen, der in dieser drangvollen lage die hoffnung nicht sinken liesz. Schiller 9, 348;
swighet, Julocke, soete vrauwe,
ende laet sinken desen rauwe,
ende laet bliwen uwen toren.
Reinaert I, 1288;
es sank der sonne goldnes licht,
doch seine (gottes) güte sinket nicht.
Seume ged. 76 (1826);
lieszen derhalb den kützel in die hosen sincken. Fischart Garg. 62ᵃ. eindringen in den aufnehmenden sinn (uns fremdartig):
umb den süeʒen schellenklanc,
der im in sin ôre sanc.
G. von Straszburg Tristan 398, 38;
ach nie kein süeʒe nâher dranc
ze herzen noch so tiefe ensanc.
zeitschrift für d. alterthum 4, 545 (lobgesang 86, 12);
den jahrhunderten, in denen sie (die kirchenlehre) zuerst in die seele unserer ahnen sank. Freytag 17, 254; seine letzten worte sanken mit aller bedeutung in ihr herz. Klinger 4, 140;
hier ist der platz, wo jüngst der erste funken
der lieb' in meinen busen sank.
Hölty 125 Halm.
weniger gewählt klingt uns in solchen wendungen sich senken. in schlaf, in ermattung, in ohnmacht sinken: in ohnmacht sinken. Stieler 2008; in einen süszen schlaf sincken. Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 2, 812ᵇ; dann wieder mit anderer vorstellung: schlaf sinkt auf ihn nieder, auf seine augen; von deinen schelten gott Jacob, sinckt in schlaff beide rosz und wagen. ps. 76, 7; und da er mit mir redet, sanck ich in eine ammacht zur erden auff mein angesicht. Daniel 8, 18; sanck in einen tieffen schlaff. apostelgesch. 20, 9; dasz ausz mangel einiger labsal, er nicht inn onmacht sünck, wann man jhm nicht bald zutrünck. Fischart Garg. 81 neudruck; seht her! er ist in unmacht gesunken. Schiller räuber 4, 5 schauspiel; ich meyne in ohnmacht zu sinken. kabale und liebe 3, 2. in gleicher weise auch in nicht festen verbindungen:
eh ich sinke in die nichtigkeit,
so klein aufhöre, der so grosz begonnen.
Schiller Wallensteins tod 1, 7;
und so ver sich zuetrieg, das ... ain böse inzicht und leinmunt im gericht auf ain sunke. tir. weisth. 4, 2, 676, 4; sinkt denn der balsamische schlaf auch auf die augen der schelmen? Schiller räuber 4, 5 schausp.; so sinkt ein freudiges staunen auf mich. J. Paul uns. loge 3, 6;
sank je ein schlaf auf meine augenlider.
Schiller dom Karlos 2, 6.
mit humoristischem klang: unterdesz waren die landwirthe sogleich in ein gespräch über die eigenschaften eines rosses gesunken. Freytag 6, 108; sich neigen: drumb so bald Adam von seinem schlaff erwachet, so sincket flucks sein hertz zu Eva. Mathesius hochzeitpr. E 3ᵇ (1579). die neuere sprache hat den bildlichen und übertragenen gebrauch des wortes in mannigfaltigster weise entwickelt; zum theil haben sich feste wendungen gebildet: in der achtung anderer sinken; (sittlich:) wie tief bin ich gesunken, der säufer sinkt von stufe zu stufe, unters thier; der sinkende glanz eines reiches; achtung, ansehen, einflusz sinkt; die preise sinken, der kredit, der werth eines grundstückes sinkt, etwas sinkt im preise; ist denn etwa die freiheit in der mode gesunken. Schiller Fiesko 5, 16; gott! gott! bin ich so tief gesunken. kab. u. liebe 4, 8; lieszen sie dieses (das ansehen des kaisers) sinken. schriften 8, 63; sie sind weder in meiner achtung gesunken noch hab ich einen schlechten begriff von ihnen. Göthe briefe 5, 50 Weim. ausg.; sammt allen hebemaschinen ihres gesunknen schicksals. J. Paul Hesp. 4, 101; wie es ihm gelang, bei fast gesunkenem hunger von einer für ihn bereiteten lieblingsschüssel mit wohlgefallen zu essen. Ernestine Voss (Sauer der Göttinger dichterb. 1, cxxxi); von dem sinkenden hause der Regensberger. Keller 6, 57;
er sah auf sie mit blicken herunter,
welche mit neuem leben ihr sinkendes leben durchströmten.
Klopstock Messias 9, 410;
noch ist ein groszer tag zurück — ein tag —
wo dieser heldensinn — ich will sie mahnen —
in einer schweren probe sinken wird.
Schiller don Karlos 1, 3.
3)
in eigenthümlicher transitiver anwendung bei den bergleuten, einen schacht senkrecht in die tiefe treiben, vgl. mhd. wörterb. 2, 2, 305ᵇ; sinken, act. in den bergwerken, gerad hinab in tiefe graben; ebenso absinken, durchsinken; ersinken, durch gerades hinabgraben eine metall - ader finden. Frisch 2, 278ᶜ; einen schacht sinken. Jacobsson 4, 178ᵇ; sinken, transitiv und intransitiv (er meint absoluten gebrauch), abteufen, mit schächten, schachtartigen bauen niedergehen. Veith bergwb. 449; allda sind die tieffesten schechte, den hat man uber 500 lachter gesuncken. Mathesius Sarepta 16ᵃ (1571).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1097, Z. 30.

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Zitationshilfe
„sink“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sink>, abgerufen am 23.10.2021.

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