Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sinnbild, n.

sinnbild, n.
bild, äuszerer gegenstand als ausdruck irgend eines sinnes, im 17. jahrh. geprägt als übersetzung von emblema, nach Weigand 2, 719 schon in Harsdörfers poet. trichter (1648) bezeugt, vgl. auch sinnenbild: ἐμβλήματα, σύμβολα, imagines, stemmata (insignia) picturae, das ist die sinnbilder, denksprüch, bildnissen, wapen (fahnenbilder), gemählte oder schildereien. dasselbe sinngemählte, so die Griechen ἔμβλημα ... genennet, wird nach rechter eigenschaft durch das teutsche wort sinnbild gnugsam ausgetrükket ... das wort emblema ist hernach also gebraucht, dasz dadurch angedeutet worden ein sinnbild, das ist ein bild, samt dessen deutspruche und auslegenden versen. Schottel 1105; sinnen-bild ò sinn-bild, n. emblema, hieroglifico, simbolo, impresa. etwas durch sinnbilder andeuten. die welt etc. in sinnbildern, il mondo etc. simbolico ò emblematico. ein schönes, kluges sinnbild. Kramer dict. 2, 817ᶜ; sinnbild, emblema. Stieler 148; emblema, figura ingeniosa. Frisch 2, 280ᵃ. vgl. Wachter 1526.
1)
sinnbild ist also zunächst ein technischer ausdruck für ein wirkliches bild, eine malerische oder plastische darstellung allegorischen oder typischen inhalts, meist mit erklärenden sprüchen versehen, wie sie früher an fahnen, ehrenpforten, denkmälern u. s. w. verwendet und von personen in wappen, petschaft u. ä. geführt wurden, vergl. die obige erklärung Schottels und Jablonski 724ᵃ. Eggers 2, 913. Jacobsson 4, 179ᵃ: neulich besahe ich desz rechtsgelehrten Jacob Catztens nachdenckliche und herrliche sinnbilder, unter andern ersahe ich einen affen, der seine jungen hefftig trückete und küssete, dasz ihme auch das maul von dem vielen küssen und lecken, blutroth; darunter waren diese worte geschrieben: nunq. deformis amica; das was man liebet, ist allezeit schön. Schuppius 403 (wörtlein nichts); uber das in herrn Heinrich Heldes stambuch verehrte sinnebild. Neumark lustwäldchen s. 221 (überschr.); Lieschen. ... und wenn es ja zierrathen dabey geben sollte, so liesz ich mir etwan auf die andere seite (des fächers) eine uhr malen. Fortunat. eine uhr? warum denn eine uhr? L. ich kann ihnen keine andre ursache sagen, als weil es mein sinnbild ist. F. sie haben auch ein sinnbild? haben sie noch keine überschrift dazu? ohnfehlbar ists: wenig doch ordentlich, wie sie vorhin sagten. L. ach, das ist ja schön, dasz sie mir darauf helfen. ich habe noch keine überschrift gehabt. wenigstens musz man ihnen das lassen, dasz sie sinnreich sind. F. ich werde ihnen ihr sinnbild malen, wenn sie es erlauben wollen ... L. aber was ist denn ihr sinnbild? F. ich will es ihnen sagen. ein schäfer, der wie ich gestaltet ist, und zu den füszen einer schäferinn liegt, die recht schön und recht artig, und ihnen ähnlich ist. L. .. ist das ihr notariatsiegel? J. E. Schlegel 2, 165; es ist was schönes und erbauliches um die sinnbilder und sittensprüche, die man hier (in der Schweiz) auf den öfen antrifft. hier hast du die zeichnung von einem solchen lehrbild, das mich besonders ansprach. Göthe 16, 203; ich weisz nicht, ob ich in Savigny's büchern das sinnbild seines vaters gesehen, ein bund verschiedener schlüssel mit dem motto: 'non omnia possumus omnes!' Brentano 9, 337; dieselbe (stadt) bestand grösztenteils aus schönen, festgebauten häusern, welche alle mit steinernen oder gemalten sinnbildern geziert und mit einem namen versehen waren. Keller 5, 30;
es stellet mir zugleich dabey
die blum' ein lehrend sinn-bild für
von einer schönen seel' in einem schönen leibe;
und wünsch ich, da ich dieses schreibe,
dasz diese blum auch meiner kleinen heerde
ein unverwelcklich vorbild werde,
und stets ihr lehr- und sinn-bild bleibe.
Brockes 4, 28;
schau meine (des glückes) kugel nur recht an,
disz sinn-bild lehrt dich erst erfahren:
mir sey der erd-kreysz unterthan.
Günther 220;
sieh, und diess perlemutterne herz an seidenem halsband
hat sie mir, warm vom busen gefasst, versiegelt.   sie trug es ..
und versagte mirs oft, der schelm! ich brauchte kein sinnbild!
Voss die Elbfahrt in Schnorrs archiv 11, 452;
allgemeiner: vermagst du, von vergleichungen gleiche fäden zu spinnen — und sinnreiche sinnbilder zu ersinnen. Rückert (1882) 11, 234 (mak. 1);
der vierdte trägt ein buch von schönen sinne-bildern,
von wercken der natur, von perlen, baum und schildern,
und fremder seltenheit.
Günther 710.
2)
jetzt nur in dem weitern, freiern sinne 'sinnlicher gegenstand als andeutung eines unsinnlichen, abstracten', symbol, s. Adelung: gleich wie der epheu, von natur sich gerne krümmet, wikkelt und windet: also bekwehmet und verleihet er sich auch mancherley menschlichen eigenschafften, handlungen und vorfällen, zum sinn - bilde. Butschky Pathmos s. 706; die gräfin Ottilia, mit einem spiegel in der hand, dem sinnbilde ihrer lobwürdigen klugheit. Musäus volksm. 1, 131 Hempel; die herrlichen weisen räthselgeschöpfe tragen den himmel, auf dem gottes thron ruht; und von wem könnte dieser beszer getragen werden, als von sinnbildern alles hohen und schrecklichen auf der erde. Herder 11, 347 Suphan; die schwalbe die wir im winter erstarret finden und im lenze wieder aufleben sehen, die tode raupe, die sich als schmetterling neu verjüngt in die luft erhebt, reichen uns ein treffendes sinnbild unsrer unsterblichkeit. Schiller 4, 42; ich war stets um ihn, wie noch der muntere hirsch das sinnbild seiner kräftigen freude war. Raimund 1, 257 (bauer als mill. 2, 3); es war, als ob dieses tannenreis ihm das sichtbare sinnbild seines schweigens über den maibaum wäre. Auerbach dorfgesch. 1, 90; vor dem oberamte nahm er schnell das tannenreis heraus, und fast ohne es zu wissen, steckte er das sinnbild seiner anklage in die tasche. ebenda; mir ist die ganze natur ein sinnbild des geistes. 2, 75;
versetzte bäume blühn und tragen grössre frucht,
diesz sinnbild zeigt mir ietzt die absicht deiner reisen.
Günther 656;
drum ein sinnbild und ein zeichen
sey uns dieser feuersaft,
was der mensch sich kann erlangen
mit dem willen und der kraft.
Schiller 11, 389;
der liebe sinnbild ist
die kleine weisze taube.
Kotzebue dram. sp. 2, 301;
der schmetterling, der ewig gaukelt,
ist sinnbild der unsterblichkeit.
Uhland ged. (1864) 41,
zwillingskinder eines stengels, ...
liegen wir geschmiegt beisammen
zwei in einem, eins in zweien,
als ein sinnbild wahrer liebe,
als symbol von fester treu!
Grillparzer⁵ 3, 13 ('die viel-liebchen der doppel-mandel').
seltner ist das sinnbild selbst etwas abstractes: dies verhüllen der leiber ist ... ein sinnbild ihrer unwürdigkeit dem herrn der schöpfung zu dienen. Herder 11, 348 Suphan; der gedanke, mit dem sie die gottheit zu denken meinen, welche sie nimmer erreichen, hat doch die wahrheit eines schönen sinnbildes von dem was der mensch sein soll. Schleiermacher 3, 1, 361 (monol. 1); da eifrige christen, um in ihrem leben einen steten gottesdienst darzustellen, in jedem tagewerke das sinnbild irgend einer gottesverehrung suchen. Brentano 4, 322. das gewöhnliche verhältnis erscheint in folgender stelle umgekehrt:
und sein gesetzter geist, das sinnbild starcker eichen,
fällt nimmermehr, wenn blitz und donner kracht.
Günther 229.
auch sonst zeigt dieser dichter auffällige gebrauchsweisen, die sich aus dem gewöhnlichen sprachgebrauch nicht recht verstehen lassen, z. b.:
der herbe wechsel ist ein sinn-bild ächter liebe.
616.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1153, Z. 8.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
simentsfeuer skorpfisch
Zitationshilfe
„sinnbild“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sinnbild>, abgerufen am 27.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)