Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sinnbildlich, adj.

sinnbildlich, adj.
emblematicus. Frisch 2, 280ᵃ, symbolisch.
1)
als adj., ein sinnbild enthaltend, vorstellend, etwas als sinnbild andeutend: gab nun der wirkliche nesselbrand an ihren händen ein zeugnisz von ihrem sinnbildlichen ausraufen der nesseln, so liegt es nicht ferne, zu hoffen, dasz auch den kirchengemeinden, welche durch diese sinnbildlichen weinberge bedeutet wurden, eine wirkung ihrer gebetsarbeit zugekommen sein wird. Brentano 4, 323 f.; alle wurden zur gleichen sinnbildlichen handlung ermuntert. Auerbach dorfgeschichten 1, 98; es ist tief bezeichnend und wohl sinnbildlich, dasz die schriftsprache wort und begriff bauer noch nicht bestimmt zu dekliniren weisz. 2, 127. — sinnbildliche bezeichnung, durch ein sinnbild, symbolisch: im allgemeinen erhellet, dass diese sinnbildliche bezeichnung des übersinnlichen jedesmal nach der stufe der entwickelung des sinnlichen erkenntnissvermögens unter dem gegebenen volke sich richten müsse; dasz daher der anfang und fortgang dieser sinnbildlichen bezeichnung in verschiedenen sprachen sehr verschieden ausfallen werde. Fichte 7, 317.
2)
als adverb, etwas sinnbildlich darstellen, in einem sinnbilde, wie ein, als sinnbild; symbolisch: das meer stellt sinnbildlich immer die gefahr, das unsichere des weltlebens vor. Brentano 9, 209;
zu dreien mahlen hab' ich sie gesehn
zu Rheims auf unsrer könige stuhle sitzen ..
sinnbildlich stellt mir dieser warnungstraum
das eitle trachten ihres herzens dar.
Schiller 13, 176 (jungfrau v. Orl., prolog 2).
ähnliches: dabei flaggten grellbunte atlasbänder auf dem verjährten strohhut, und die brust zierte gar sinnbildlich eine offne rosenknospe. H. Heine 3, 249 Elster; einen stechpalmstock von der hecke schneiden, .. und rheinabwärts ziehen, bis zwischen dem schwäbischen holz und des welschen schreibers rücken nur noch eine armslänge entfernung ist! dann aber .. er schlosz seine rede sinnbildlich (mit einerdas schlagenandeutenden geberde). Scheffel Ekkehard s. 274. sinnbildlich deuten: als sie einst klagte, dasz durch die neue kanzlei ihrem hause gegenüber die aussicht ins freie verbaut würde, wuszte der kollaborator auch dies sinnbildlich zu deuten. Auerbach dorfgesch. 3, 81.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1155, Z. 15.

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Zitationshilfe
„sinnbildlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sinnbildlich>, abgerufen am 15.10.2021.

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