Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sinnvoll, adj.

sinnvoll, adj.
voll sinn; zuerst bei Campe als neubildung aufgeführt, in neuerer zeit sehr gewöhnlich (s. auch sinnesvoll). Campe belegt es zuerst aus Schiller, doch giebt er selbst ein älteres zeugnis unter sinnreich, nämlich aus Denis, der den unterschied beider wörter treffend so bestimmt: ich möchte diese ausdrücke sinnreich nennen, wenn man diesen ausdruck nicht durch anwendung auf witzige einfälle und concetti (flitterschimmer) abgewürdigt hätte; sie können also sinnvoll, inhaltsvoll heiszen.
1)
von menschen: während in diesen (universitätslehrern) das lebendige schaffen des geistes auch unter der stammelnden rede dem sinnvollen schüler nicht verborgen bleiben konnte. v. Savigny wesen und wert der deutschen univ. s. 6 (verm. schr. 4, 279); es mögen übrigens nirgends so viel geist- und sinnvolle junge priester beisammen sein. Brentano 9, 122; Philipp Veit, der von Rom als director des Städel'schen institus hieher gekommen ist, mit weib und schwägerin und fünf kindern, recht gute, einfache, sinnvolle leute. 253; wir erwarten unseren geliebtesten freund, Sailer's ältesten schüler, fromm, geistreich, thätig, praktisch, sinnvoll, unseren neuen bischof Schwäbl, auf pfingsten hier eintreffen zu sehen. 283 (s. auch s. 57. 273. 282. 344); da sie ein sinnvolles weib war, so ergosz sich ihre bewegung in neuen worten und sie sang noch eine klage des sängers. Freytag ahnen 1, 57; daran denke, Volkmar, weil du ein sinnvoller mann bist. 83;
die (?) wort machte hitzig den sinnvollen mann.
Rückert Firdosi 1, 338.
2)
von dingen, besonders abstracten; sinnvolles wort, rede (vergl. oben Denis): es gab nächte, worin mir träumte, das menschliche daseyn sey nur ein langes, leeres A B C, von dem die buchstaben X Y Z in der ewigkeit stünden, und aus welchem nie ein verständiger satz, ja nur ein sinnvolles wort würde. Immermann Münchh. 1, 86 (1, 6); nie hatten die männer so sinnvolle rede über himmel und erde vernommen. Freytag ahnen 1, 403. ähnlich:
doch oft ergriff's ihn plötzlich wundersam,
und der geheimniszvollen brust entfuhr,
sinnvoll und leuchtend, ein gedankenstrahl.
Schiller Wallensteins tod 4, 2.
ferner: vor allem gefiel mir der gute August van der Meulen in seinem demüthigen, frommen, sinnvollen, armen wandel in Bochhold. Brentano 9, 150; alles menschenleben ... ist durch festes ceremoniel, sinnvollen brauch, stehende formeln eingehegt. Freytag bilder 1, 18.
3)
adverbial: sinnvoll hat das mädchen dir die frist gesteckt. Freytag ahnen 1, 210;
sehn wir doch das grosse aller zeiten
auf den bretern, die die welt bedeuten,
sinnvoll, still an uns vorübergehn.
Schiller 11, 364 (an die freunde);
wer nicht den glauben hat, für den bemühn
sich die dämonen in verlornen wundern,
und in dem sinnvoll tiefen buch der sterne
liest sein gemeines aug' nur den kalender.
12, 208 (Wallensteins tod 1, 1, var.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1203, Z. 52.

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Zitationshilfe
„sinnvoll“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sinnvoll>, abgerufen am 28.10.2021.

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