Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sirup, m.

sirup, m.
dickflüssige zuckerlösung. Jacobsson 4, 354ᵃ. Steinbach 2, 593. Stieler nachsch. 27ᵇ. Schottel 1416. Hulsius (1616) 299ᵃ. Maaler 375ᵇ, daneben syrup. Jacobsson. Stieler a. a. o., syrupp. Adelung (veraltet), sirop. Campe ergänzungswb. Wirsung arzneib. (1597) 1. register, mhd. sirop, syrop, -up, -op, -ope. Lexer mhd. handwb. 2, 940, daneben mhd. siropel, syropel, m. n. 941, ebenso noch frühnhd. siropel, ein tranck in artzney. Dief. 538ᵇ (von 1482), syrup, syrupel, syrop, oder syropel. Wirsung arzneib. (1597) 1. register (hat diese bildung sich erhalten in dür. ziropel, schwarzer, unreinlicher mensch, zigeuner. Hertel thür. sprachsch. 265 ? die übertragung würde sich aus der dunklen farbe des sirups erklären); nd. sirup, in Ostfriesland sirôp und strôp, wol nach ndl. stroop (aus siroop). ten Doornkaat Koolman 3, 188ᵃ. 341ᵇ; aus mlat. sirupus, siropus, syropus. Dief. 538ᵇ, franz. sirop, ital. siroppo (neben sciroppo), die wol zunächst zurückgehen auf span. xarope, dem seinerseits arab. scharâb, trank, wein, kaffee zu grunde liegt. vgl. Diez⁴ 295. — mhd. flectiert das wort stark und schwach. Lexer a. a. o., frühnhd. noch bisweilen schwach: syrupen, wie die sollen gemacht und bereyt werden. Wirsung arzneib. (1597) 1. register, heute nur stark.
1)
das wort geht wahrscheinlich in letzter linie auf arabische ärzte zurück. im deutschen erscheint es jedenfalls zuerst als ausdruck der heilkunde. es bezeichnet zuerst flüssige arznei: zuͦ dem fierden so thut got wie ein artzet, wen er zuͦ eim siechen kumpt und sicht daʒ im geholffen mag werden, so gibt er in eim syrop etwas biters, damit er in purgiere. Keisersberg emeis (1516) 63ᵈ; wie ein gütiger artzet, der da vor dem krancken trinckt den bittern sirop, das in darnach der siech dester frölicher trinck. Luther 7, 255, 18 Weim. ausg.; den truchsessen hiess er (im scherz) ain apoteker mit der langen nasen von Wolfeck, und dieweil der von Zimbern ain hurtigs, kleins zelterle, hiess er ine den doctor, sprechende, sie solten uf die nacht ein gueten sirop zurüsten. Zimm. chron.² 3, 414, 25;
ein syrop und ein pulverlîn
suochet einer, der wil ein arzet sîn.
Hugo v. Trimberg renner 16715;
so schreibt der arzat dar,
eʒ gelte hut oder har,
das er im mache die besten sirupen
von krütern und von wurzen.
des teufels netz 10018;
was kranckheit ein mensch thuet peladen,
dem kan ich (ein arzt) helffn mit gottes gnaden
durch ein sirob oder recebt,
das seiner kranckheit widerstrebt,
das der mensch wirt wider gesund.
Arabo die arczney erfund.
H. Sachs 23, 274, 6 Keller-Götze.
in einer übertragen gebrauchten wendung: het mir (Franz von Sickingen, der vor der himmelsthür steht) der sirop nit so früe das herz abgestoszen, ich wolt inen noch wol recht laxativa geben haben. Schade sat. u. pasqu. 2, 56, 28.
2)
in den folgenden stellen ist sicher süsze flüssige arznei gemeint: mach rôsensyrop alsô. seud rôsen in waʒʒer und tuo zucker dar ein, sô wirt derlai syropl. der syrôp hât die art, daʒ er des êrsten enlœst oder waichet die gäng, und dar nâch widerhelt er die gäng und ist guot wider des leibes hinlauf und wider daʒ wüllen und wider die âkraft. Megenberg 345, 15; mach violsyropl alsô. seut den viol in waʒʒer, seich daʒ dann durch ain tuoch und tuo zukker dar zuo, sô wirt der syrop .. der syropl entsleuʒt den leip und macht in vertich in hitzigen fibern. 425, 7; disz (endivien und anderes) siede in gnugsamen wasser, dasz der dritte theil eingesotten werde, und ohngefehr ein halb klein masz brü bleibe, darzu thu 12 untz zucker, lasz zu eim syrup sieden, läuter den mit eyerklar. Wirsung arzneib. (1537) 37 C. so gilt dann syrup auch später allgemein für süsze dickflüssige arznei, daneben für eine dickflüssige zuckerlösung, mit der arzneistoff vermischt wird: da er etwas fieberte, bekam er einen trank verordnet, der schmeckte aber so ganz abscheulich, dasz er ihn nicht nehmen wollte, und der arzt versuchte es, ihm das gebräu durch einen sirup mundgerechter zu machen. Anzengruber 4, 189. statt des zuckers dient zur bereitung auch honig, der ja zucker enthält: syrup zu bereiten .. wann es dann gesotten ist, wie fast bey jedem angezeigt, so setz den zucker oder honig zu. Wirsung arzneib. (1597) 37; sirup et syrup, syrupus, liquor medicamentorum mellitus sive sacharatus, alias honig- sive zuckersaft. Stieler nachsch. 27ᵇ. vgl. auch sirup von honig, essig und wasser eingesotten, oxymeli, sive oxymel. Maaler 375ᵇ. ähnlich fruchtsyrup des conditors, süszer, bis zur honigdicke eingekochter fruchtsaft. Karm.-Heeren³ 8, 695. Adelung erklärt syrupp als mit zucker zur honigdicke eingekochten saft, dergleichen man aus den decocten oder aufgüssen vieler pflanzen, blumen und früchte hat.
3)
allgemein collectivisch für dickflüssige zuckerlösung, wie man sie durch einkochen von zucker mit wasser erhält und unrein auch als abfall bei der herstellung von zucker aus zuckerrohr und runkelrüben als sogenannte melasse gewinnt. Karmarsch-Heeren³ 8, 695, 'ein flüssiges, klebriges wesen, so beinahe wie ein starkes öl beschaffen ist und in der zuckersiederei von dem farin in basterformen abgesondert und gesammelt wird.' Jacobsson 4, 354ᵃ. zum schönen, süszen von wein gebraucht, daher das folgende bild: ihr wein (frömmigkeit, religiöse gesinnung) ist ein edler jahrgang und in groszer fülle, aber die kellerwirthschaft, die faszbinderei ist nicht so gründlich und sicherstellend, und sie laufen eher gefahr mit dem branntwein weltlicher wissenschaft, dem syrup äuszerlicher mystik und dem schwefel protestantischer lehre aufgefüllt und geschönt zu werden. Brentano 9, 122.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1236, Z. 2.

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Zitationshilfe
„sirup“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sirup>, abgerufen am 22.10.2021.

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