Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

zitter2, m., f., (auch n.?)

²zitter, m., f. (auch n.?),
ein nur im nördlichen Harzvorland, bes. aus Gernrode, Quedlinburg, Halberstadt und Magdeburg bezeugtes wort, die z. t. auch als archiv verwendete sakristei in den kirchen bezeichnend. die herkunft des seit der mitte des 14. jhs. aus mnd. urkunden belegten wortes ist noch nicht eindeutig geklärt. von den durch eine anfrage im nd. kbl. 7, 7 angeregten deutungen ist zu erwägen die herleitung aus mlat. sanctuarium (˃ nd. sinter ˃ siter nd. kbl. 7, 46f.) oder aus secretarium (über dt. zwischenformen ˃ mlat. siterum ˃ dt. siter nd. kbl. 16, 30), die mlat. beide die bedeutung 'sakristei' haben. während die frühen belege (s. u.) das masc. zeigen (das neutr. läszt sich nicht belegen), herrscht in neuerer zeit im genus unsicherheit, anscheinend hervorgerufen durch Adelung² 4, 1727, der das wort als fem. kennzeichnet. in der lautgestalt und schreibweise variiert das wort stark. der anlautende dental schwankt in den frühen urkunden zwischen spirans und affrikata: unter dem syttere (1396) Erath codex dipl. Quedlinb. (1764) 617; in dem czitere (1457) 782; in dem czytter (1458) 786. inlautenden nasal zeigt: XXII gr. vor eyn schrangkdör an den alden syntere (1458) Magdeburger baurechn. in: allg. archiv f. d. gesch.-k. d. preusz. staates 10 (1833) 184 Ledebur. nur aus sekundären quellen belegt ist die form: syterie nd. kbl. 7, 7; siterie Lübben-Walther mnd. hwb. 350ᵃ. belege: so scole wy ... datsilve gelt ... lecghen up unsen siter tuͦ Gherenrod (Gernrode 1358) cod. dipl. Anhaltinus 4, 130 Heinemann; alse der von Osterwick bref utwiset, den we in unsem zitere to sinte Mertene licgene hebben (Halberstadt 1377) urk.-b. d. st. Halberstadt 1, 473 G. Schmidt; deme altare sunte Johannis Baptisten up unser borch up dem sytere (Quedlinburg 1389) urk.-b. d. st. Quedlinburg 1, 191; ein richtiges inventarium über den cyter (17. 12. 1705) protok. d. Halberst. domkapitels in: allg. archiv f. d. gesch.-k. d. pr. staates 10 (1833) 179 Ledebur; in der sacristei der oberkirche, dem sogenannten zitter, wies man ihnen ... den bartkamm des unten begrabenen königs D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 10, 4; die zitter (in der stiftskirche zu Quedlinburg) enthält wertvolle denkmäler mittelalterlicher kunst Meyers reisebücher, d. Harz (¹⁶1901) 33; im nordkreuz (der Quedlinb. stiftskirche) ist dann noch vor 1200 der sog. zither, einst sakristei, jetzt schatzkammer, eingebaut worden P. J. Meier d. kirchen in Quedlinburg (1932) 19. noch jetzt ist in der umgebung von Wernigerode tsītər 'sakristei' älteren leuten bekannt (auskunft von K. Bischoff). — zusammensetzungen zitter-gewölbe, -mann, -meister (s. d.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1681, Z. 68.

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Zitationshilfe
„siter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/siter>, abgerufen am 22.10.2021.

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