Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sittenrichter, m.

sittenrichter, m.
censor morum. Stieler 1556, censore di costumi. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 821ᶜ, der über die sitten andrer richtet, censor. Campe, manchmal mit tadelndem nebensinne: 'er ward unter die übelthäter gerechnet' und dieses urtheil der weisheit gerechtfertigt und vollzogen durch sittenrichter und schriftgelehrte, die sich kein gewissen daraus machten, das kreuzige! zu rufen über einen fresser und weinsäufer, verführer des volks und gotteslästerer. Hamann 3, 255; 'wer augen hat, der sehe' — den sparren eines pharisäischen splitter- und sittenrichters. 7, 116; aber eben darum ist billige nachsicht gegen die menschliche gebrechlichkeit die erste tugend eines gerechten sittenrichters. Wieland 35 (1858), 142; obgleich ich mich gar nicht berufen fühle, das zeitalter gegen diesen vorwurf zu rechtfertigen (dasz das wesen über dem schein vernachlässigt werde) so geht doch schon aus der weiten ausdehnung, welche diese strengen herren sittenrichter ihrer anklage geben, sattsam hervor, dasz sie dem zeitalter nicht blosz den falschen sondern auch den aufrichtigen schein verargen. Schiller 10, 374; wie natürlich es doch solche sittenrichter (wie Garve als kritiker des xenienalmanachs) finden, dasz ein autor zeit seines lebens seine besten bemühungen verkennen, sich retardiren, necken, hänseln und hudeln lasse, weil das nun einmal so eingeführt ist! Göthe im briefw. mit Schiller 1 (1881), 330; dies kritische urtheil übt der fromme mann auch an anderen stellen seines werkes, als ein sittenrichter, der zürnend das ideal seiner kirche, wie sie sein sollte, gegen die schlechtere wirklichkeit hält. Freytag 17 (1892), 502;
die reitzende filosofie,
die, ... glücklich oder nicht, die welt
für kein elysium, für keine hölle hält,
nie so verderbt, als sie der sittenrichter
von seinem thron — im sechsten stockwerk sieht.
Wieland 9, 115 (Musar. 3);
hör, thu mir den gefallen, Diomed,
und sag dem sittenrichter nichts, dem grämlichen
Odysz, von dem, was ich dir anvertraue.
H. v. Kleist Penthesilea 21.
sich zum sittenrichter aufwerfen. Campe, den sittenrichter spielen:
ich spielte jüngst den sittenrichter.
gewisz ein schweres spiel!
und sprach zu einem trunknen dichter:
hör auf! du trinkst zu viel.
Lessing 1, 43;
von einem mädchen: es verdrosz sie, dasz die schlimmere noch den sittenrichter spielen wollte. Ludwig 2 (1891), 255.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1254, Z. 28.

sittenrichtern, verb.

sittenrichtern, verb.
den sittenrichter spielen: er könne sittenrichtern, gebieten oder verdammen. Meyern Dya Na Sore 1, 282.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1255, Z. 11.

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Zitationshilfe
„sittenrichtern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sittenrichtern>, abgerufen am 16.10.2021.

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