Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sittig, adj.

sittig, adj.
sitte habend, gesittet, ahd. sitîg. Graff 6, 161, mhd. sitec, sitic, frühmd. setich, sedich. Lexer mhd. handwb. 2, 942, siddig, setyck, syddyck, siedich, moriger, morosus. Dief. 368ᵇ, sedick, moralis. 367ᶜ; mnd. sedich. Schiller-Lübben 4, 165ᵇ, nnd. sedig. brem. wb. 4, 728 (mit gleicher aussprache). die schreibung mit ch, die der in neuerer zeit um sich greifenden, eigentlich nd. und md. spirantischen aussprache des auslautenden g entspricht, findet sich nhd. vereinzelt bis zum ende des 17. jahrh.: sittich, gemach, civilis. voc. von 1618 bei Schm.² 2, 338. s. auch Wickram kunst zu trinken Jᵇ und Hohberg 1, 110ᵇ unter 5. im allgemeinen steht sonst die schreibung sittig nhd. fest. so bieten es Dasypodius. Maaler 375ᵇ. Hulsius 299ᵃ. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 410ᵃ. Schottel 1416. Stieler 2044. Kramer deutsch-ital. dict. 2, 821ᶜ. Steinbach 2, 594. Frisch 2, 281ᵇ. Adelung und Campe. Steinbach scheint das simplex für ungebräuchlich zu halten, aber nicht unsittig und sittigkeit. Adelung bezeichnet das wort als veraltet, doch wird es bald darauf neu belebt (s. unten 3).
1)
gewohnt, prädicativ, ahd.: dû uuâre sitîg ze uuâzenne, solebas. Graff 6, 161; diu sitîg uuas spâto inbîʒen. ebenda; sie sint sitîg, solent. ebenda; er (David) chad sih finden sîn herza, samasô iʒ sitîg uuâre fliêhen fone imo. Notker ps. 85, 5.
2)
auf die sich in der gewohnheit äuszernde innere art bezüglich, sittlich, moralisch in indifferentem sinne, mnd. und frühnhd.: in den naturliken unde sedyghen kunsten. quelle bei Schiller-Lübben 4, 165ᵇ; on sölchen gnodenrichen influsz der götlichen hilff und goben, mügen wir nit rechte wore gedult üben, als wir natürliche und sittige gütter mügen üben, on sunderlichen bystand götlicher gnoden. Keisersberg bilgersch. 75ᶜ; wenn du siehst das dich gott in diser zyt heymsuͦcht mit sinen gnoden, dʒ dir gott in diser zit gibt geistliche goben, darzuͦ sittige goben. 187ᵇ.
3)
gute sitte habend oder davon zeugend, meist in bezug auf schicklichkeit und mit dem nebensinne des maszvollen, maszvoller zurückhaltung, gesittet, sittsam, züchtig, ehrbar, bescheiden, sanftmüthig, sittigen, zuhtigen, modestis. Graff 6, 161, disciplinatus. Schiller-Lübben 4, 165ᵇ, moriger. Dief. 367ᶜ, morosus (für moratus). 368ᵇ, milt, gütig und wolzogen. Maaler 375ᵇ, bescheiden, erbar, modestus. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 410ᵃ, moratus. Schottel 1416, modestus, moderatus, civilis, urbanus, moratus, mitis, comis. Stieler 2044, bonis moribus, modestus. Frisch 2, 281ᵇ, von Adelung als veraltet bezeichnet, aber, wenn auch eine zeitlang stagnierend, jedenfalls als in bekannten bibelstellen (s. unten a) erscheinendes wort nie ganz unüblich geworden, und vielleicht durch Göthe, der es schon in seiner jugend gebraucht (s. d), Wieland und die romantiker neu belebt, heute doch wieder von vielen als alterthümlich empfunden, hauptsächlich bedrängt von sittsam.
a)
von personen, sittiger mensch, civilis, aulicus, moralis, ethicus. Maaler 375ᵇ, in neuster zeit besonders vom weiblichen geschlecht, wie es auch zwei der ältesten belege (lieders. 2, 529, 927. Karlmeinet 302, 22, s. unten) zeigen (doch vgl. rittersp. 2627 unten): und was sitig und zuchtig und was auch ein erkenner der heiligen geschrift. heiligen leben (1472) 19ᵃ; wiewail vil van den keiseren goit eirber sedich man waren. d. städtechr. 13, 311, 1 (Cöln, von 1499); wenn du bey vielen sitzest, so greiff nicht am ersten zu. ein sittiger mensch, lesst jm am geringen genügen. Sir. 31, 22; schilt deinen nehesten nicht beim wein .. da mit du die ehre davon kriegst, das man dich einen sittigen, holdseligen mann heisset. 32, 3; es sol aber ein bischoff unstrefflich sein, eines weibes man, nüchtern, messig, sittig, gastfrey, lerhafftig. 1 Timoth. 3, 2; das sie die jungen weiber leren züchtig sein, jre männer lieben, kinder lieben, sittig sein, keusch, heuslich, gütig, jren mennern unterthan. Tit. 2, 5; so schicke ich euch (als prediger) m. Michaelem Hänlein, einen fast frommen sittigen und gelahrten mann in allen stücken. Luther br. 2, 656; dasz ich allen flaisz fürgewandt, eurm begierde nach, einen gelehrten, sittigen prediger des evangelii, barfüszer ordens, zu verschaffen. 660; denn er (kurfürst Friedrich zu Sachsen) etwa zuvor davon geredt, und, als ein sittiger aber hochverstendiger man (sprach er) haben sie macht uns den kelch zu nemen, so mügen sie uns auch wol das brot nemen. schriften 3, 350ᵇ (alte ausg.); der halben es auch wol billich und recht ist, das man nicht truncken und rohe pfaffen teuffen lasse, auch nicht lose leute zu gefattern neme, sondern feyne, sittige, ernste, frume priester und gefattern. werke 19, 538, 24 Weim. ausg.; o wie lieblich ist es, wenn man siehet emsige, andächtige, sittige und wolerzogene menschen. Thomas a Kempis übers. (1670) 83; ein volk, das sich selbst für das sittigste und aufgeklärteste des ganzen erdbodens hält. Wieland 33, 24; aber selbst in der sittigsten gesellschaft erwartete mich eine lästige prüfung (wegen des vorsatzes, kein mädchen zu küssen). Göthe 26, 13; wir gelangten nach Düsseldorf und von da nach Pempelfort, dem angenehmsten und heitersten aufenthalt, wo ein geräumiges wohngebäude an weite wohlunterhaltene gärten stoszend, einen sinnigen und sittigen kreis versammelte. 293; unter den hohen bäumen wandelten sittige frauen auf und nieder. Eichendorff 3 (1864), 108;
den krieg warff dü frowe syder
under dü fuesʒ gar dar nider
und wart ain gut sittig wib
und lie ab ir bösen kib.
liedersaal 2, 529, 927;
ich horte sy (Karls des groszen gattin Hildegard) loven sere,
we sedich dat sy were.
Karlmeinet 302, 22;
dyt schone wyff, de ick hir mene,
is des konnynges van Greken wyff Helene,
eddel, sedich, ryke unde wysz.
Reinke de Vos 5027 Prien;
dir ziemt (als gatte) ein frischer, junger held,
von allen fürsten auszerwelt,
vernünfftig, sittig, tugendhafft,
der dir lieb, dienst, und freude schafft.
Rollenhagen froschm. F 5ᵇ;
du (Leander) bist derselbe, seh' ich wohl,
der heut beim fest an Hymens altar kniete.
doch schienst du damals sittig mir und fromm;
mir thut es leid, dasz ich dich anders finde.
Grillparzer 6 (1887), 37;
dann fernhin, in den burgen, in den städten,
gesegnetes geschlecht, treufeste männer,
die frauen aber sittig und verschämt,
ja, wie uns Walther sang, den engeln gleich.
Uhland (1864) 188.
mit näheren bestimmungen: dieser Karl (IV.) was in retten weisz und vernufftig und in geperden sitig, in wercken fursichtig und in streiten nit arglistig, sunder mit anslegen retlich und hilfflich. d. städtechron. 3, 275, 1 (Nürnberg, 15. jahrh.);
konig, du salt nemen in dinen rad
einen vornunftigin fromen man,
der setig si in allir siner tad.
ritterspiegel 2627.
nicht blosz als dauernde wesenseigenthümlichkeit, sondern auch in bezug auf das verhalten in bestimmten umständen, zu bestimmter zeit: lieben herrn und guet freunt, land von eurem unwillen und sind sittig und lant euch nit erzürnen. d. städtechron. 5, 119, 7 (Augsburg, 15. jahrh.);
ich hör' ihn athmen. schnarchen, däucht mich, heiszt's.
ist er so grob, was bin ich denn so sittig?
Grillparzer 7 (1887), 59.
von persönlich gedachten thieren:
he (Reineke) sprack, dat desse mine (der meerkatze) kynder weren
schone, sedich und guderteren.
Reinke de Vos 6044 Prien
(bei Göthe: er finde sie sämmtlich
schön und sittig, von guter manier.
40, 203).
b)
vom menschlichen äuszeren, das von solchem wesen zeugt, solcher art gemäsz ist: hierauff bat Eudemon zu forderst seinen herren den königlichen statthalter umb erlaubnusz solches zuthun, sein hütlin inn der hand stätt haltend, mit auffrechtem sittigem antlitz, doch etwas jugendgemäser schamerrötung. Garg. 144ᵃ; een sedig gesigt, ein sittsames, ehrbares gesicht. brem. wb. 4, 728;
dein (eines mädchens) ansehn redt für dich, das sittige, das liebe,
in welches die natur die treffligkeit gantz schriebe,
die in der seelen liegt.
Fleming 663.
ebenso von der kleidung:
dein weiszes häubchen, ach wie traut!
deîn schwarz gewand, wie fromm und sittig!
Kerner lyr. ged. (1847) 27.
c)
sittige art, milt und lieblich, cicur ingenium. Maaler 375ᵇ, sittiges wesen (vgl. Grillparzer 4, 156 unter d), leben: das wir .. solch ubung der lere und liebe unnd sittigs lebens unter uns auffrichtenn. Luther 11, 452, 21 Weim. ausg.; denn es sind gottes gaben zu gemeinem menschlichen vernufftigen, sittigen, erbarn und ordenlichem leben nottig. Melanchthon anricht. d. lat. schul (Bonn 1543) b 2ᵇ. von bestimmter menschlicher bethätigung im einzelnen: do stoint up buschof Arnolt van Wurms ind verboit im dat goitlichen mit einre sediger reden. d. städtechron. 13, 497, 6 (Cöln, 1499); um ein wort des ernsts in den sittigen scherz zu mischen. Hebel 3, 198;
ich habe getanzt und dem tanze gelobt
und wird auch kein schleifer, kein walzer getobt,
so drehn wir ein sittiges tänzchen.
Göthe 1, 138;
zusprechen wird er mir mit sittigem zuspruch,
nicht kommen mit gewaltthätigem gastbesuch.
Rückert 12 (1882), 172;
'führ mich zu ihm!' — 'wie soll ich führen?
ich kann es nicht, du muszt's erspüren (einsehen),
das ist kein sitt'ger jungfrau'ngang'.
Immermann 13, 44 Boxberger.
d)
entsprechend adverbial: szo doch, das es sittig und tzuchtig tzu gehe. Luther 11, 413, 1 Weim. ausg.; wie wol wyrs noch nicht ynn den schwang bringen mugen bey uns, das wyr szo sittig und christlich das sacrament handelten. 452, 21; he kan so sedig spreken, so sittsam, bescheiden. brem. wb. 4, 728; da sang er mit lauter anmuthiger stimme die unterschiedlichsten weisen, spielte auf der zither, tanzte wohl stundenlang mit der braut und den jungfrauen auf dem gesunden beine, das lahme geschickt an sich ziehend, und betrug sich dabei sehr ehrbar und sittig. E. T. A. Hoffmann 3 (1872), 10; endlich machte es (Vreneli) gute miene zum bösen spiel, kam hervor, grüszte sittig den pfarrer und dessen frau. Gotthelf Uli d. knecht 429 Vetter;
mit dem und die iuncvrowe quam
sitec (kaum prädicativ), als ir wol gezam,
und noch die zuchtigen tûnt.
pass. 676, 18 Köpke;
was unerträglich, trug ich sittig.
Voss 6 (1802), 245;
so launisch wie ein kind, das zahnt,
bald schüchtern, wie ein kaufmann den man mahnt,
bald still, wie ein hypochondrist,
und sittig, wie ein mennonist,
und folgsam wie ein gutes lamm,
bald lustig wie ein bräutigam,
leb' ich.
Göthe 56, 54;
o, seht nur dahin,
wie so sittig herab mit verweilendem tritt
jungholdeste schaar anständig bewegt
den geregelten zug.
41, 209;
sittig hinab zum fusz nordisch umhüllt sie das knie.
47, 94.
als ergänzung eines adj.:
du (Kreusa) bist, ich seh's, von sittig mildem wesen.
Grillparzer 4 (1887), 156.
e)
substantivisch, als n.: schieben sie mein betragen darauf, dasz mich, wie ich nicht läugnen kann, zuweilen ein toller spuk befängt, der mich aus allen kreisen des sittigen und gehörigen hinaustreibt. E. T. A. Hoffmann 7 (1873), 281.
4)
im anschlusz daran von thieren wie sanft, zahm, fromm, fügsam: der wild (eber) ist ain starch tier und mag nümmer gelêrt werden, daʒ eʒ sitig und güetig sei, aber eʒ ist alle zeit grimmig und scharpf. Megenberg 121, 10; sittige pferde. Tucher baumeisterb. 56, 30; mit näherer bestimmung: daʒ (der elefant) hât die art, daʒ eʒ gar schier haimleich und sänftig wirt .. eʒ hât ouch guot gedæhtnüss, und dâ von lernt eʒ leiht, daʒ eʒ sitig wirt ze allem dem, dâ zuo man sein bedarf. Megenberg 134, 18. entsprechend adverbial:
ich (als bär) küsz' ihre schuhe, kau' an den sohlen,
so sittig als ein bär nur mag.
Göthe 2, 94.
5)
gleichfalls im anschlusz an 3 im freieren sinne von mäszig, gelind, bedächtig, sacht, leise, so vielfach mundartlich. Klein 2, 156 (Pfalz). Schmidt 219. Schm.² 2, 338. brem. wb. 4, 728. Klein 2, 151 (Harz), aber auch in der älteren schriftsprache, von Adelung und Campe als veraltet bezeichnet. vielleicht zunächst in adverbialem gebrauch in beziehung auf personen entwickelt: ein wyse man lachet sedigen, de gek let syne stemme horen, subridet sapiens, bardi sed voce cachinnant. Tunnicius 1193; ist er (die redende person im lustspiel) ein alter vatter als Symo der die ersten scen der ersten comedien Andrie anfacht, so sol man die selben red langsam, sytig, und schwer lesen, wie dann die alten sunst ouch reden. Terenz (1499) Bᵇ; aber er (der christliche pilger) soll lugen das er an dem anfang nit zuͦ bald gang, sünder allgemach und sittig (das gehen ist bildlich gemeint). Keisersberg bilg. 154ᶜ; wenn man nur sittig nach der warheit forschet. Luther tischr. 410ᵇ; nach 2. jahren kan man sie (die 'satz-weiden') sittich stümlen, doch die äste nicht gar am grund abschneiden. Hohberg 1, 110ᵇ;
drumb eil du nit, schluck nit den wein
und lasz den sittich schleichen ein.
Wickram kunst zu trinken Jᵇ.
entsprechend adjectivisch: sitiger und fuler, langsamer, segnis, tardus, piger. voc. bei Zarncke Brants narrensch. 329ᵃ; sittige betrachtung. quelle von 1455 bei Schmeller² 2, 338; ein süszer sittiger schlaf. quelle von 1577 bei Frisch 2, 281ᵇ. dann auch ohne beziehung auf eine person. in den folgenden beiden belegen allerdings mit einer art personificierung des unpersönlichen trägers der handlung:
bald spiegelt er sich selbst im wasser dasz die wellen
mit einer sondern lust schlug sittig an das land.
Rist Parnasz 191;
in die segel des schiffs, zärtliche liebende,
blies ein freundlicher wind sittig, und raubte mir
meine bessere hälfte,
meinen treuen Andragathos.
Göttinger musenalmanach a. 1774 12.
doch auch freier: gantz sittig regnen, lentamente, dolcemente, pian piano. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 821ᶜ und entsprechend adjectivisch: ein sittiger regen, schnee, lenta, dolce. ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1261, Z. 6.

sittiglich, adv.

sittiglich, adv.
zu sittig, mhd. sitec-, siticlî(bair.-östr. ei)ch(e), -lîchen Lexer mhd. handwb. 2, 942, frühmd. mnd. siddiclich, sedeclyche, morose (für morate). Dief. 368ᵇ, sedichliken Schiller-Lübben 4, 165ᵇ, nhd. sittig(c)lichen Zimm. chr.² 3, 116, 7 (s. unten 1). Ryff chir. 82ᵃ. spieg. der gesundheit 20ᵃ (s. unten 2), sitigklich, moderanter Maaler 375ᵇ, sittiglich, hüpschlich, fein, bellement, pian piano Hulsius (1616) 299ᵃ, nicht über das 17. jahrh. hinaus bezeugt. die glosse sedeklich, moralis Dief. 367ᶜ beweist das wirkliche vorkommen adjectivischer verwendung nicht.
1)
im sinne von sittig 3: darumme scholde ik mi in aller straffinge vorothmodigen unde sedecliken unde sachtmodighen liden. quelle bei Schiller-Lübben 4, 165ᵇ; aber herr Dieterich war ein geschickter man, der kont im sittigclichen antwurten. Zimm. chron.² 3, 116, 7; wie, freund? antwortet der bauwer sittigklich, warumb seyt ir zornig? Kirchhof wendunm. 1, 263 Österley;
dô antwort im hêr Heinrîch
und sprach vil sitticlîch.
Nicl. v. Jeroschin 8655;
do sprach der engel gar tugentleich
zue dem ainsidel gar sitticleich.
Vintler blum. der tug. 3089.
2)
nach sittig 5: das du siteclîche unn stêteclîche bîhtest, nit in eineme zuoloufe noch mit unmuoʒe. quelle bei Scherz-Oberlin 1506; werden die kittenbäum schwach so soll wasser mit oly hefen gemischet an ire wurzeln sittiglich gegossen werden. Petrus de Crescentiis (1531) 78; so dasselb beschehen, soll er aufstehn und sittigklich ein wenig umbgehn. Celsus deutsch von Khüffner (1531) 26; mustu solches eisen, wo kein geäder oder dergleichen vorhanden, ganz senft und sittiglichen ausschneiden. Ryff chirurgie (1559) 82ᵇ; wo aber einer von notdurft wegen gezwungen würde gleich auf das essen oder die eingenommene speis zu arbeiten, soll er solche arbeit sittigklichen und mit musz anfahen. spiegel d. gesundheit (1574) 20ᵃ; nim ein pfundt galitzenstein, legs darzu (zu salpeter und essig), lasz wol erwallen, rhür es sittiglich. Fronsperger kriegsb. 2 (1573), 219ᵇ; lasse solche stück sittiglich mit einander sieden zu einem pflaster. Tabernaemont. (1664) 601 K; thymian mit honig vermischt, und wie ein lattwergen sittiglich geschlungen, reiniget die brust. 742 F;
sie staphten siticlîche
gegen den vîenden, doch menlîche.
Ludwigs kreuzfahrt 1796;
der esel begunde sitticlîchen eʒʒen,
daʒ man eʒ an im niht enspur (dasz seine krankheit nur verstellung ist).
Kolm. meisterl. 128, 26.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1265, Z. 3.

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Zitationshilfe
„sittiglich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sittiglich>, abgerufen am 21.10.2021.

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