Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

skandal, m., früher n.

skandal, m., früher n.,

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ein ziemlich junges lehnwort (aus franz. scandale, lat. scandalum, gr. σκάνδαλον); Weigand⁴ 2, 533 belegt es aus dem anfange des 18. jahrh. die bedeutung 'lärm' ist jünger, früher nur in dem sinne von 'ärgernisz, schmachvolles aufsehen erregender vorgang': manche zeitungen leben vom skandal; hier mischt sich leicht eine active vorstellung ein, die vorstellung des mit niedrigem wohlgefallen geübten hervorziehens und ausbreitens ärgerlicher dinge, vgl. engl. scandal, auch skandalsüchtig. Kant, Schiller und Göthe brauchen das wort noch als n.: des geistlichen despotismus schreyendes scandal. Schiller 9, 91; er um kein skandal zu geben, war gezwungen, die rolle des geduldigen ehemannes zu spielen. Göthe 18, 212; ihm kein skandal (ärgernisz) zu geben. Kant 5, 220; diese wendung ist uns fremd geworden, ebenso können wir eine verbindung mit dem genitiv, wie die folgenden nicht mehr bilden: so bleibt es immer ein scandal der philosophie und allgemeinen menschenvernunft (ein ärgernisz, gegenstand des anstoszes für sie), das daseyn der dinge auszer uns ... blosz auf glauben annehmen zu müssen. 2, 31; von ihr wird, zum skandal der philosophie, nicht selten vorgeschützt. 5, 367. der plural lautet gewöhnlich skandale. Treitschke 5, 740 bildet skandäle; auch skandäler kommt vor. alterthümelnd in lateinischer form:
die alte zucht, ....
weil sie entartet ist zum skandalum.
Werner Luther 4, 1.
die bedeutung 'lärm' hat sich allem anscheine nach zunächst in studentischer sprache entwickelt. Kluge studentenspr. 126. hallische studentenspr. 103; dann im sinne von streit, duell: skandal suchen, haben; in der jetzigen studentensprache ist diese anwendung (streit, duell) nur erhalten in bierskandal. aus Gieszen belegt Kluge a. a. o. skandal im sinne von pfennig. dem franz. scandaleux nachgebildet ist das zunächst studentische, jetzt im allgemeinen sprachgebrauch übliche adj. skandalös, öffentliches ärgernisz erregend, schändlich, schmählich.
zusammensetzungen:
skandalgeschichte
skandalprozesz
u. ä.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1306, Z. 70.

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Zitationshilfe
„skandal“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/skandal>, abgerufen am 21.10.2021.

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