Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sklaverei, f.

sklaverei, f.
dienstverhältnis eines sklaven, schlaverey et sklaverey, servitus, munus servile, jugum servitutis, famulatus, servientia. Stieler 1830, schlaverey, schiavitu, servitu. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 562ᵃ, servitus. Steinbach 2, 439, sclaverey, servitus, status mancipii, dominium quo in mancipia utuntur. Frisch 2, 252ᵃ. Gottsched sprachkunst 139. Adelung, sklaverey Campe. nd. slaverij Dähnert 428ᶜ; dän. slaveri, schwed. slafveri; engl. slavery; ndl. slavernij, schon bei Kilian.
1)
dem eigentlichen sinne von sklave gemäsz. vgl. sklave II, 1: einen in die sklaverey führen, in servitutem abducere. Stieler 1830, alicui servitutem adferre. Steinbach 2, 439. Adelung, verkaufen:
uns einen kreuzzug droht er an (der papst den Venetianern), er will
zu ewigen feinden uns der christenheit
erklären, jeder dürfe fürderhin
sich unsres eigenthums bemächtigen,
uns selbst verkaufen in die sklaverei.
Platen 307ᵃ;
in die schlaverey gerathen, in servitutem venire. Steinbach 2, 439; in der schlaverey seyn, leben. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 562ᵃ; in sklaverei leben. Campe; aus der schlaverey befreyet werden. Kramer. Steinbach a. a. o.; sich von der schlaverey los machen. servitutis jugum a se repellere. Steinbach a. a. o.; die sklaverei abschaffen, als allgemeine einrichtung.
2)
freier, im anschlusz an sklave II, 2: als nun das arme blut (ein ehemann der unter dem pantoffel steht) der sclaverei und drangsalirung bald müde war. Hebel 2, 172;
dinstag.
welt und jhren lüsten dienen, ist die gröste schlaverey!
deinem willen, gott, gehorchen, ist das aller süste frey.
Logau 2, 199, 21;
göttinn (freude), o so sey, ich flehe,
deinem dichter immer hold, ...
dasz sein leben zwar verborgen,
aber ohne sklaverey,
ohne flecken, ohne sorgen,
weisen freunden theuer sey!
Uz 178, 54 Sauer;
sie (die menschen) kämpfen alle, leiden, klagen;
der glücklichste hat seine plagen,
der freyste seine sklaverey.
Gotter 1, 225.
ein genitiv oder ein personalpronomen kann auch den bezeichnen, von dem einer abhängt, der einen zwang ausübt: durch dieses bündniss könnt ihr dem papst die wage halten, euch von seiner sklaverey befreyen. Klinger 1, 343, ebenso etwas unpersönliches, was einen zwang ausübt oder aber, was einen zwang darstellt, ein zwang ist: ich erkläre ihnen zum letzten mahle, dasz die sklaverey des klosters mir ein greuel ist. Gotter 3, 106 (hier kann der gen. allerdings auch local aufgefaszt werden);
mich drücken schnöde ketten
und alter sünden sklaverey:
verzeuch nicht, mich zu retten,
und mach, o gott, mich frey.
Uz 191, 6 Sauer;
beherrsche durch vernunft die sinnliche begierde:
denn sonst beherrscht sie dich mit strenger tyranney;
die schlimmste knechtschaft ist der sinnen sklaverey.
243, 188;
o sklaverei des volksdiensts! schmähliche
knechtschaft — wie bin ichs müde, diesem götzen
zu schmeicheln, den mein innerstes verachtet!
Schiller M. Stuart 4, 10.
vereinzelt mit vor und dativ zur bezeichnung dessen, dem man dient, wie kriecherei vor einem u. dgl.:
wie schwer, wie mühsam ists, sich schätze zu erwerben!
soll ich sie dumm erfreyn und hinterlistig erben?
soll ich durch sklaverey vor groszen sie erstehn,
und niederträchtig seyn, um mich bald reich zu sehn?
Gellert 2 (1775), 17.
vgl.fürsten- sive hofsklaverey, splendida aulae servitus. Stieler 1830; geltsklaverey, servitus pecuniae. ebenda; liebes- ò weiberschlaverey, schiavitù d'amore ò di donna. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 562ᵃ.
3)
schwere, mühsame, andauernde arbeit, namentlich nd., in besonderem sinne die schwere arbeit, wozu missethäter verurtheilt werden. Dähnert 428ᵇ. vgl. sklave 3 und 4: worin enthalten, dasz die jenige, so zu betrug ihrer gläubiger aufstehen ... an leib und leben solten gestraffet, oder, zum wenigsten auff die galeen, zur ewigen schlaverei verdammet werden. Rist neue passions-andachten (1664) vorbericht.
4)
bei den kupferstechern eine gezwungene manier. Jacobsson 4, 180ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1322, Z. 80.

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Zitationshilfe
„sklaverei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sklaverei>, abgerufen am 23.10.2021.

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