Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

skorpionkraut, skorpionskraut, n.

skorpionkraut, skorpionskraut, n.
name verschiedener pflanzen, auch skorpionenkraut (s. 1 und 3).
1)
der raupenklee, scorpiurus, scorpioïdes, wegen der spiralförmig gewundenen, gegliederten, stacheligen hülsen, darum wol auch als heilmittel gegen den stich des skorpions geltend, scorpionkraut. Lonicerus 272 C. Jablonski lex. (1721) 594ᵇ. Frisch 2, 252ᵇ. öcon. lex. (1744) 2363. Adelung. Oken reg., scorpionkraut Nemnich. Campe, scorpionenkraut öcon. lex. (1744) 2683, auch skorpionschwanz, s. dies.
2)
der europäische stechginster, ulex europaeus. Nemnich 2, 1519, wol wegen der dornen, auch skorpionpfriemen, s. dies. bei Tabernaemont. 1515 J ff. werden vier arten von scorpionkraut, scorpius unterschieden, von denen eine ulex europaeus zu sein scheint. die andern sind wol arten von genista (germanica, auch scorpionpfrieme, s. dies, scorpius) und spartium.
3)
die sonnenwende, heliotropium, skorpionskraut Nemnich 2, 117, scorpionkraut Oken 3, 1096, besonders die gemeine oder europäische sonnenwende, das warzenkraut, dessen blüthengruppen wie der schwanz eines skorpions gekrümmt sind und das wol deshalb gegen den stich des skorpions gebraucht wurde, auch die kraft haben sollte, einen skorpion, der damit berührt würde, zu töten, scorpionkraut Jablonski lex. (1721) 594ᵇ. öcon. lex. (1744) 2683. bei Tabernaemont. (1664) 937 E ff. werden fünf arten von scorpionkraut, scorpionenkraut, heliotropium unterschieden, deren erste grosz scorpionkraut, heliotropium majus die gemeine sonnenwende ist (auch 'grosze krebsblumen' öcon. lex. 2683). davon unterscheidet er heliotropium minus I und II, klein krebsblumen, blaues scorpionkraut, heliotropium minus III oder echium scorpioïdes arvense (vgl. 5) und welsch krebsblumen, heliotropium tricoccum Plinii (die lakmuspflanze, croton tinctorium).
4)
eine art des salzkrauts, salsola kali, skorpionkraut. Nemnich, scorpionkraut, meerstachel, kali 2. genus Tabernaemont. (1664) 1081 E, in Ostpreuszen. Pritzel - Jessen 357ᵇ. Frischbier 2, 342ᵇ, wol wegen der pfriemenförmigen, stechenden blätter. vgl. Oken 3, 1463.
5)
das klettenartige mäuseöhrchen, myosotis lappula, wegen des blüthenstandes oder weil die samen stacheln haben (auch heliotropium erectum hirsutum genannt), blau scorpionkraut Nemnich 2, 685, auch skorpionschwanz, s. dies, und das vergiszmeinnicht, myosotis (echium) scorpioïdes, scorpionkraut Adelung, auch skorpiongras, s. dies. vgl. auch oben 3.
6)
der teufelsabbisz, succisa pratensis, scabiosa succisa, skorpionkraut (Rendsburg). Pritzel-Jessen 392ᵇ. in einer zusammensetzung: schaafflinsen mit scorpionskrautschöttlein, colutea scorpioides. Tabernaemont. (1664) 1503. vgl. skorpionsenne.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1328, Z. 59.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
skoristerei sommertagstraum
Zitationshilfe
„skorpionskraut“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/skorpionskraut>, abgerufen am 19.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)