ein, so
Fundstelle: Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 299, Z. 75
talis? taliter? sp. 123. 124 wurde so ein, so einer, nd. son in dieser bedeutung aufgeführt, die östreichische volksprache hat ein so, ein so ein und, weil a, an für ein steht, aso, die bairische aiso und näselnd aeso, aenso (Schm. 3, 182. 183), die schweizerische eso, aso (Tobler 172ᵇ), auch die thüringische, fränkische esó, gleichsam verstärktes so, taliter Schmeller findet den ausdruck schwer zu deuten und führt ihn auf also zurück, wogegen doch jenes aenso und die folgenden formen streiten: ein so ein geistlicher herr, wie ich bin, wird noch um ein zwairing glaubn vermeritirn. Schwabe tintenfasz s. 54; aber itze weis ich ihm dfeign, weil er ein so ist. s. 75. freilich erscheint es daneben auch für taliter: ich hab die frau hebamm um rath gfragt, weil mir nur seit dem erchtag, wie ich bin vom kindtaufsstritzl haim kumen, als woselbst die gehrtist junfer auch präsent gwesn, ein so ist. s. 56; dies nit mit der zumpft (zunft) halten wölln und nur ein so in der stille haimlich ins handwerk pfuschen, wie die pönhasn. s. 67; die sich ein so vermaschkerirt habn, dasz mer gmaint, sei einer mit gueten starken wadeln versechn. s. 103. es läszt sich nicht bezweifeln, dasz man es hier für also nahm, wie auch das persönliche ein so ausgelegt werden könnte ein solcher, ein also beschaffener. Schmeller 183 bringt 'ain sölch ainer' bei, was jenem 'ein so ein' ganz nahe tritt. das engl. such ist nicht nur talis, sondern auch taliter, tali modo.
so
Fundstelle: Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1341, Z. 44
partikel, sic, ita.
I.
formales. die form des worts steht innerhalb des deutschen sprachgebiets seit der ältesten zeit im allgemeinen fest. nebenerscheint ahd. nur ausnahmsweise suo. Graff 6, 11, und es ist nicht auffällig, dasz bei proklitischem und enklitischem gebrauche dafür sa, su auftritt. ebenda, dasz verbindungen wie also, soso zu alse, sose abgeschwächt werden. 16. 14. mhd. begegnet auszer dem regelmäszigenauch sâ, meist in md. quellen (erlösung. Elisabeth). Lexer mhd. handwb. 2, 1048, nur gelegentlich auf obd. sprachgebiete: dette er des niht, sa sülent eʒ die vorgenanten personen duͦn fur uns. d. städtechron. 9, 990, 27 (Straszburg, von 1296); ist aber daʒ ein münsmeister den sü gent, abegat in dehein wis, sa sulnt sü oder ir erben uns ein andern antwurten. 31. ahd. sô hwer, sô hwaʒ, sô hwelîch und ähnliche generell-hypothetische verbindungen werden mhd. verschmolzen zu swer, swaʒ, swelch und so fort, die dann im nhd. das anlautende s verlieren. die nhd. schriftsprache bietet sonst ausnahmslos so. nur mundartlich finden sich vocalische ausweichungen wie sou. Schmeller² 2, 205. Lexer kärnt. wb. 234, seu Schröer 206ᵃ, sue, tonlos se Schmeller a. a. o. as. und mnd. ist nur sô bezeugt, das auch nnd. vorherrscht. Dähnert 441ᵃ. Schütze 4, 153. Mi 83ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 252, sich aber da wie in nhd. mundarten landschaftlich zu sou verbreitert. mnld. soo, so Kilian, nndl. zoo entspricht genau dem deutschen wort. das fries. hat sa und so. Richthofen 998ᵃ. berücksichtigt man die entwicklung von ags. swâ, swæ̂, swê Bosworth-Toller 940, mengl. swa, sa, so Skeat² 570ᵃ, nengl. so und die ganz ähnlichen verhältnisse in den nord. sprachen: anord. svá, später (14. 15. jahrh.) isld. svó, svo, so Cleasby-Vigfusson 607ᵃ, schwed. saͦ, dän. saa, so kann es nicht zweifelhaft sein, dasz so in unmittelbarster beziehung steht zu got. swa, so, swê, wie (auch verbunden swaswê). J. Grimm vermuthet gramm. 1³, 100, sô sei aus swa durch auflösung des w in u und dessen einwirkung auf den folgenden vocal entstanden (vgl. die ahd. nebenform suo); dem langenmöge ein kurzes so vorher gegangen sein, das dann durch emphatische anwendung gelängt sein könnte. vgl. auch Franck ndl. woordenb. 1215. dem got. swê würde zunächst ein ahd. *swâ entsprechen; auch dies könnte, wie es die entwicklung im engl. und nord. wahrscheinlich macht, inverlaufen sein und die längung eines kurzen so beeinfluszt haben. vgl. gramm. 3, 43. doch mag auch sv zu ss, s assimiliert sein, wie wir in allen europäischen sprachen wechsel von sv und s finden, der sich so am leichtesten erklärt. vgl. Feist in Paul u. Braunes beiträgen 15, 551. in dieser art könnte die nebenform sa, sâ entstanden sein, die sich allerdings auch aus proklitischer oder enklitischer anwendung (s. oben) und späterer längung begreifen läszt. eine zwingende nothwendigkeit, das deutsche so auf eine urgermanische nebenform mit einfachem s zurückzuführen liegt jedenfalls nicht vor. vgl. gramm. 3, 43. Noreen urgerm. lautl. 219. got. swa, swê steht einem osk. svaí, svae, umbr. sve nahe und weist weiter auf skr. sva- eigen, wozu got. swês und das suâsat des Hildebrandsliedes gehört. in zusammenhang damit bringt man auch lat. suus und den reflexivstamm ohne v-u lat. se, got. sis, sik, deutsch sich wie auch lat. si, sic. Feist a. a. o. 548 f. Noreen a. a. o. 218. vgl. sein, gen. 2 oben sp. 338. seiner bildung nach ist das wort als erstarrte casusform aufzufassen.das schweiz. kennt eine deminutivform soli, die dem wort einen traulichen beisinn gibt. die mutter sagt so zum kinde, wenn sie es zurecht macht und zu beruhigen sucht. Hunziker 243. Seiler 269ᵇ. bair. sodele, sodl, sotl, sol sind vielleicht ebenso zu erklären. Schmeller² 2, 204. bei den formen mit d, t kann einflusz des mundartlich vielfach verkürzten sothan (s. d.) mitspielen. auch schwäbisch begegnet sodele: sodele, da können wir gut schlafen. Auerbach dorfgesch. 1, 199. im nd. gibt es eine sinnentsprechende bildung söking. Mi 83ᵇ. bair. sossn scheint aus soso abgeschwächt, sossl aus soso + l entstanden zu sein. Schmeller a. a. o. mundartiches esó ebenda. Hunziker 243. Tobler 424 geht wol auf also zurück. nd. soans, auf solche weise, derartig. Mi 83ᵇ, einem woans, wie, wie denn? entsprechend. 108ᵃ, bietet der erklärung schwierigkeiten. der Holsteiner Claudius gebraucht soan in hd. rede: und soan wären alle drey gattungen erprobt. 8, 171.
II.
bedeutung und gebrauch.
A.
rein adverbial.
1)
in solcher oder dieser art, in solchem, diesem grade, masze.
a)
bei verben.
α)
die art angebend: sô gilimphit uns zi gifullene al reht. Tat. 14, 2; sô antlingis themo bisgoffe? 187, 4; îe noh nemohte ih in sô uindan. Williram 48, 25 Seemüller, arbeitet ihr so? Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 827ᵃ; ich habe es gedacht, dasz es so kommen wird. Adelung; so gehet es, wenn man nicht höret. ebenda; wenn sie mir so kommen. ebenda; so gefällst du mir. ebenda; so lag ich und so führte ich meine klinge. Shakesp. Heinr. IV. 2, 4;
sô sol man stegen
nâch lange wernden êren.
Walther 105, 11;
so geht es dir, zergliedrer deiner freuden!
Göthe 1, 69;
so tauml' ich von begierde zu genusz,
und im genusz verschmacht' ich nach begierde.
12, 171;
königin. ... so sehen wir uns wieder?
Karlos. so sehen wir uns wieder!
Schiller don Karlos 5, 11,
steht es so?
Picc. 1, 5.
genauer bestimmend gerade so, eben so:
graf Harrachs edle tochter hätte so —
nicht eben so empfangen werden sollen.
Picc. 2, 2.
neben einem acc.-object: dhazs so chilaubanne mihhil uuotnissa ist. Isidor 8, 10 Hench; (reflexiv:) so gehöret sichs. Stieler 2050; so will ichs haben. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 827ᵃ; so machen es auch andere. ebenda; so denk ich mir die sache;
die rede meinder niender sô.
Hartmann v. Aue Iw. 1439;
so hab ich sie (persönlich) gewollt!
Schiller don Karlos 5, 11.
bemerkenswerth sind ältere verbindungen gleich der folgenden, wo neben der näheren bestimmung durch so der dat. statt des sonst üblichen acc. erscheint: deme wolden sie gerne szo thun. Spittendorff 138, 1 Opel. dann auch: dem geschah so. Dahlmann dän. gesch. 1, 442. bei verben, die eine prädicative bestimmung neben sich haben: bleib immer so. Schiller kab. u. l. 1, 3. neben nominalem prädicat: so wurde er reich, ein kaufmann. beim verbum substantivum: so ist es warlich nicht. Stieler 2050; ist es nicht so? ebenda; so sollts nicht seyn. Adelung; es soll (mag) wol so sein;
al ist iʒ sô.
Otfrid 3, 10, 35;
dêst leider sô.
Walther 90, 32;
da bind't er's an, als müszt es nur so seyn.
Tieck 1, 207.
bei substantivischem subject: so war damals mein zustand. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 828ᵇ; so ist unser wille. ebenda; so ist die sache. bei persönlichem subject: so sind wir menschen. Stieler 2050; ich bin nicht so. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 827ᵃ; so sind die menschen. Wieland 1, 118; de so sünt, de sünt all so, es gibt viele seines gleichen. Schütze 4, 153;
grausamer Eridon!   wie kannst du nur so seyn?
wir sind nun so.   30.
Göthe 7, 23;
mit näherer dativischer unpersönlicher, pronominaler bestimmung bei es, die als logisches subject gelten kann: es ist ihm (n.) und ohne es: ihm ist so. vgl. ihm so ò also seyn. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 827ᵃ;
'so sul wir gerne strîten'   sprâchens 'und ist im so'.
Ortnit 359, 4.
heute wol noch: dem ist (nicht) so, sonst veraltet. mhd. auch bei substantivischer bestimmung:
der rede en ist sô niht leider.
Nib. 2167, 1.
anders: es ist mir so, ich habe eine vorstellung, erinnerung, einen eindruck solcher art. ähnlich: demo so zemûote ist. Williram 145, 7. neben andern adverbialen bestimmungen: mit den gottlosen ist es nicht so. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 827ᵃ; so ist die sache in ordnung. neben einem adjectivischen prädicat: so bin ich geartet. Corvinus fons lat. 1 (1660), 599ᵇ; so ists recht! Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 827ᵃ; ists so recht? ebenda; mir ists so recht, recht so. bei substantivischem prädicat: so (in dieser kleidung) bin ich ein bauer; so ist es brauch; blasser: wer das kind eine mähre schilt, schlägt den vater an's ohr, und ohrfeig um ohrfeig — das ist so tax bei uns. Schiller kab. u. liebe 2, 6. vgl. unten. im gegensatz zu anders: es sey nun so oder anders. Steinbach 2, 594; wenn es so nicht geht, muss man's anders anfangen. Wander 4, 590;
damals haben
wir so gewollt und heute wollen wir anders.
Schiller Demetr. 1
oder einem andern so: kommst du mir so, so komm ich dir so. Wander 4, 590. ein zweites der gleichen art wird nach geschlossenem satz angeknüpft mit auch: das verhält sich so und jenes verhält sich auch so, oder und auch jenes verhält sich so; A. ich meine es herzlich gut mit dir. B. und ich meine es auch so; so meine ichs auch. Stieler 2050 oder mit eben, das immer unmittelbar vor so steht, eben so. Frisch 2, 283: er machte es eben so. Adelung, auch zusammengeschrieben ebenso, was oben th. 3, 12 als ungut bezeichnet wird, heute aber allgemein üblich ist. in gleichem sinne gerade so, geradeso, just so. ahd. dafür sô sama:
thaʒ emmiʒen in nôtin   wir sô sâma dâtin.
Otfrid 3, 19, 26
oder sô samalîh:
ouh ni belget widar mih   oba ih duan sô samalîh.
3, 16, 48;
giwisso seh er ana mih   mîn fater ist sô samalîh.
4, 15, 36;
β)
in den bisher angeführten belegen bezeichnet so meist die beschaffenheit, hat es meist die bedeutung 'in solcher art'. zu beachten sind daneben fälle, in denen es 'in dieser art' bedeutet, wo es lediglich dient zur zusammenfassung des inhalts einer wesentlichen bestimmung des verbs, die in besonderer ausführung gegeben werden soll oder gegeben ist: sô ist gescriban thuruh then wîʒʒagon (dann werden die worte angeführt). Tat. 8, 3; gehe hin ein zu Pharao, und sprich zu jm, so sagt der herr, las mein volck, das mirs diene. 2 Mos. 8, 1; so sagt man. Steinbach 2, 594; das ist nicht so, nicht der fall, nicht wahr, von Adelung in die 'niedrige sprechart' verwiesen; so wurde damals gesagt;
'... jo enwas ich niht ein bêr
wilde. sô sprach daʒ wîp.
minnesangs frühling 8, 16.
bisweilen auch, wenn der begriff eines einzelnen worts scharf herausgehoben werden soll: 'schurke', so nannte er ihn wirklich. statt der rede kann auch die handlung oder die geste den inhalt näher bezeichnen, den so zusammenfaszt: er machte, that so (mit folgender geste) u. ähnl. diese fälle, in denen mhd. vielfach sus erscheint, vgl. Sievers in Paul u. Braunes beiträgen 12, 498 ff., sind wichtig, weil an sie eine weitere entwicklung von so anknüpft. vgl. unten B.
γ)
den grad, das masz angebend, im engsten anschlusz an α: uuante du unsih umbe in sô besuoren hâst. Williram 86, 3 Seemüller; so haben sie noch niemals geliebt, in diesem grade. Adelung; so hab ich mich noch nie gefreut; so bin ich noch nie gelaufen; ich habe noch nie so gelacht;
sie lêrtun sie iʒ mit suerton,   nalas mit then worton,
mît speron filu wasso;   bi thiu forahten sie se noh sô.
Otfrid 1, 1, 84;
'âvoy welch ein poulûn!
iwer krône und iwer lant
wærn derfür niht halbeʒ phant'.
'dune darft mirʒ sô loben niht ...'
Wolfram Parz. 62, 22.
b)
bei participial-adjectiven, die beschaffenheit bezeichnen, die art bestimmend: danne burge ih mih fone imo. ih rûmdi diên sô getânen. unde fuôre in eînote. Notker ps. 54, 13; ze sôgetanero uuîs uuerdent fertiligot alle iro fursten. 82, 13; (wir) wolten auch ungern so gethan zwayung oder brüche zwischen ewer oder dhainer stat machen. d. städtechron. 1, 135, 30 (Ulm, von 1383) (vgl.sogethan, ↗sothan unten); bey so bewandten umständen wird sich niemand wundern, dass es wenig mühe kostete, ihn einen oder zwey tage von seinem herrn entfernt zu halten. Wieland 12, 335; bei so gestallten sachen fanden es die katholischen geistlichen rathsam, die besten kostbarkeiten in die citadelle zu flüchten. Schiller 7, 233; bei so bewandten umständen. Campe;
in so bewandten sachen,
musz uns die angst beherzt, gefahr verständig machen.
A. Gryphius 1 (1698), 55, 367;
wozu soll doch sein kind ein vater aufferziehn
bey so bewanter zeit?
Logau 1, 174, 36.
c)
bei adjectiven und adverbien den grad, das masz bezeichnend: ni fand ih sô mihhilan giloubon in Israhêl. Tat. 47, 6; netûont des nîet uuara, daʒ ih sô salo sî. Williram 10, 1 Seemüller; weil sichs so lang verzeucht. Hesek. 12, 22; das man aber so sicher und unachtsam dahin gehet, machet nichts anders, denn das wir nicht dencken noch gleuben, das wir im fleisch und in der bösen welt ... seien. Luther 4, 430ᵃ; warum woltet ihr sie so heftig, so inbrünstig lieben? Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 829ᶜ; ich hätte nie geglaubt, dasz die menschliche hoffart so weit gienge. 830ᶜ; viele erklärten gerade heraus, dasz sie gar nicht geneigt wären, ein so gottesdienstliches werk zu verhindern. Schiller 7, 233;
was sie filu wuntar,
ziu ther êwarto   dualêti sô harto.
Otfrid 1, 4, 72;
ouh nist, ther êr gihôrti   sô fronisg ârunti.
12, 10;
wio man ouh firnâmi   sô mihil seltsâni.
2, 12, 50;
an disem ringe niemen saʒ,
der muoter brust ie gesouc,
des werdekeit sô lützel trouc.
Wolfram Parz. 311, 12,
done gelebte nie sô lieben tac
Gramoflanz.
720, 26;
so seltner freund ist köstlich zu bewahren!
Schiller Demetr. 1.
ebenso bei wörtern, die nur in adverbialer anwendung üblich sind: so sehr hab ich mich noch nie gefreut;
sih Abraham giguatta   joh druhtîne ouh giliubta,
wanta er was gihorsam;   bi thiu ist er giêret nu sô fram,
Otfrid 1, 3, 14.
bei dem ursprünglich substantivischen, in attributiven und adverbialen gebrauch verlaufenden viel: wie ist meiner feinde so viel, und setzen sich so viel wider mich. ps. 3, 2; so viel brod und so viel wein. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 830ᵃ; so viel arbeit für so wenig geld? ebenda; so viel warens nicht. Adelung. so viel wird mundartlich statt des einfachen den grad bezeichnenden so gebraucht: sof·l gued, schlecht, grous, klaen. Schmeller² 2, 205. Schöpf 678. Lexer kärnt. wb. 234. vgl. auch sovel, so viel, so sehr. cimbr. wb. 234ᵃ. um so viel bei comparativen: ich will es um soviel desto lieber thun. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 830ᵇ; um so viel desto mehr. ebenda, in dieser form veraltet, ebenso in der folgenden: das wirs aber nicht fülen, ist so viel deste erger. Luther 4, 430ᵃ. dafür wol: um so viel mehr, so viel mehr ist es nöthig u. ähnl., lieber um so mehr. s. unten. gleichen grad, gleiches masz bezeichnet ebenso, geradeso. vgl. a, α: ebenso, geradeso gut; ebenso sehr; eben so viel. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 830ᵃ. zahlenmäszige vergleichungen werden durch mal verknüpft: noch einmal so viel. ebenda; noch einmal so grosz, in der alltagsrede dafür auch mal:
was man aus liebe thut
das geht noch mal so gut.
zwey-, drey-, viermal so viel. Kramer a. a. o.; zweimal so grosz. veraltet: wol dem, der ein tugendsam weib hat, des lebet er noch einest (var. eins) so lange. Syr. 26, 1;
sie schien dadurch sogar noch eins so schön geworden.
Wieland 22, 263 (Ob. 6, 28).
vgl. eins 2 oben theil 3, 260. bei comparativen: eo sô mêr uuntorôtun. Tat. 86, 2; ich wills eben so mehr thun. Stieler 2051; um so besser. Campe;
verschwistert
durch harmonie der meinung und der jahre,
durch gleichen zwang erzürnt, gehorchten sie
den wallungen der leidenschaft so dreister.
Schiller don Karlos 3, 3;
sie zählt auf euch;
so minder wird sie anstand nehmen, sich
den schein der gnade vor der welt zu geben.
M. Stuart 2, 8.
heute wird in solchen fällen in der regel um so gebraucht.
d)
so bei ein, etwas, kein. ganz unauffällig sind verbindungen gleich den folgenden, wo so der unter c erwähnten anwendung gemäsz gebraucht erscheint: sie trägt gegen euch eine so grosse liebe. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 828ᵇ; ein so leicht zu fangendes wildprett. ebenda. dann tritt aber in derartigen fügungen so auch vor ein: ich glaube nicht, dasz in der welt ein so närrischer ò so ein närrischer mensch gefunden werde. ebenda; ich habe nicht gewuszt, dasz so ein schönes buch in der welt ist. Gellert bei Adelung;
so eine schöne frau sich selbst zu überlassen!
Wieland 10, 261 (Kombab. 104).
hier bezeichnet so wie in den zuerst angeführten beispielen den grad, doch kann es in syntactisch gleichartigen verbindungen einfach auf die beschaffenheit gehen: ich hab mich satt gefressen, und immer ein gutes hemd auf dem leib gehabt, eh so ein vertrakter tausend sa sa in meine stube geschmekt hat. Schiller kab. u. liebe 1, 1 (wahrscheinlich nicht: ein tausendsasa, der in solchem grade vertrackt ist, sondern: ein solcher, der ein vertrackter tausendsasa ist). manchmal sind beide auffassungen möglich: so eine vernünftige gemäszigte einrichtung muszte durchaus beifall finden. Göthe 17, 86. bisweilen tritt im letzteren falle auch wieder die umgekehrte wendung ein: ein so einzigs lied, versteht er mich, herr schulmeister, sag's ihm rund unter die nase, ist mehr werth als zwanzig eurer neuen allfänzischen dingerchens, die weder kalt noch warm sind. F. Müller 1, 253 (nicht: ein in solchem grade einzigartiges lied, sondern: ein einziges lied von solcher art). so ein wird weiter mit substantiven ohne hinzutretendes adj. verbunden und drückt dann art oder grad aus: mit so einem beine blieb ich wohl unten im thale. Geszneb bei Adelung; wenn es nämlich so eine freiheit des einzelnen thuns gäbe. Schopenhauer parerga u. parall. 200; das kind, das ist ein wahrer engel, ich bin's nicht wert, dasz ich so ein kind habe. Auerbach dorfgesch. 2, 213; was soll man mit so einem menschen anfangen?; so eine menge geld hab ich noch nie gesehen;
eîn kusz, den Lesbia mir reichet,
den kein verräther sehen musz,
und der dem kusz der tauben gleichet:
ja, so ein kusz, das ist ein kusz.
Lessing 1, 42;
freue dich, dasz du die zärtlichkeit
so eines mädchens hast, um die so viele streiten.
Göthe 7, 11
in volksmäsziger sprache wird so ein gewöhnlich zusammengezogen zu son, das dann sogar als sone plurarisch gebraucht wird: haben sie schon sone verrückten kerle, sone kerle gesehen? schweiz. gibt es eine weiterbildung sonig, die zur pluralbildung dient: sonigi lütt, buebe. Seiler 269ᵇ. so einer, eine, eins: wenn mir denn so einer wieder querfeldein käme, der hübscher aussähe. Weisze kom. opern 3, 198;
oft hat's mich, wenn um nichts und wider nichts
so einer da, unartigen gezüchts,
aus übermuth, der bonne blosz zum possen,
nicht folgsam war, oft hat's mich bald verdrossen.
Bürger 28ᵇ.
auch in solcher anwendung finden volksmäszig contractionen statt, wird schweiz. sonig gebraucht. es scheint auch els. gebräuchlich zu sein und in der folgenden stelle vorzuliegen.
het's hie o' so-igi?
Arnold pfingstm. 70.
eine weiterbildung soig ist jedenfalls sonst nicht bezeugt. weitere belege für so bei ein unter ein 4, a oben theil 3, 124. entsprechend auch so kein: hab mein tag so kein gaudium gehabt. Göthe 8, 138; es gibt so kein herz auf der welt mehr. 10, 134. alleinstehend so keiner: Charon .. du hast in Deutschland jetzt ein geträtsch mit einem gewissen Wieland. Mercurius. ich kenne so keinen. 33, 268. weitere belege unter kein 7, g oben theil 5, 477, wo auch ein beispiel für die wol nur mundartlich übliche umgekehrte stellung ohne adjectiv angeführt ist: kein so gesicht. für etwas so schönes u. dgl. sagt man auch so etwas schönes u. dgl., und solche verbindungen können auszer dem grad auch allgemein die art bezeichnen. ebenso wird so etwas gebraucht, wenn kein adj. folgt: wäre nicht das moralische gesetz in unserer vernunft eher deutlich gedacht, so würden wir uns niemals berechtigt halten, so etwas, als freiheit ist, .. anzunehmen. Kant 4, 98; so etwas von frechheit ist mir noch nicht vorgekommen; so etwas hab' ich noch nicht erlebt. volksmäszig dafür so was: es war ja so was, tale quid erat. Stieler 2051; so was thue ich nur zur höchsten noth. Adelung;
dasz doch den burschen das glück soll scheinen,
und so was kommt nie an unser einen.
Schiller Wallensteins lager 6.
so vor nichts ist bei objectiver verwendung von nichts erträglich: es gibt so nichts, vielleicht auch bei prädicativer, doch wird auch dann so als in naher beziehung zum verb stehend empfunden. nichts so erscheint in der folgenden stelle als subject deutlich als 'nichts derartiges': hast du die tugend gesehen? Wieland! ich bin doch auch in der welt herumkommen, und ist mir nichts so begegnet. Göthe 33, 285. nd. in solcher anwendung auch so wekke (welche), solche. Woeste 247ᵇ.
e)
an die verbindung so einer schlieszt sich, wenn man einer als zahlwort faszt, unmittelbar so vor andern zahlwörtern: ganz der deine zu seyn, nur in dir und dem kreise von guten zu leben, von der welt entfernt, getrennt, alle wonne zu genieszen, die so zwey herzen einander gewähren! Göthe 8, 43; so zwei wie wir zwei. vor einer attributiven bestimmung des zahlworts:
wenn doch, o vater Zeus und Pallas Athen' und Apollon,
so mitrathende zehn mir wären im volk der Achaier!
Voss Il. 2, 372 (τοιοῦτοι δέκα μοι συμφράδμονες εἶεν Ἀχαιῶν).
f)
so unmittelbar vor substantiven, art, bisweilen grad, masz, grösze bezeichnend: weil man mir auch so würste am selben ort vorstellte, muste ich glauben, dasz mons. Canard solche auch zugerichtet ... habe. Simpl. 1, 375, 28 Kurz; das hab ich mir lange gewünscht, mich mit so kommis-brod-rittern herumzuhauen. Schiller räuber schausp. 2, 3; es giebt manchmal so augenblicke — ich weisz selbst nicht, wie ich mich ausdrücken soll. schriften 3, 537; habt ihr auch schon so stechen in den beinen gehabt? Iffland 4, 128 (spiel. 1, 11); in meinem haus dürfen so sachen nicht ausgeführt werden. Auerbach dorfgesch. 2, 10;
so lust und klang gibt frisches blut.
Göthe 13, 3;
es giebt so leute, deren angesicht
gerinnt und starrt, gleich einem stehn'den sumpf,
und die ein eigensinnig schweigen halten,
aus absicht sich in einen schein zu kleiden
von weisheit, würdigkeit und tiefem sinn.
Shakespeare kaufm. 1, 1.
in gehobener sprache kann so mit nähererer adverbialer bestimmung hinter ein zugehöriges subst. treten:
ein mädchen, so von angesicht,
von stirn und augenstrahlen,
von wuchs und wesen, läszt sich nicht
beschreiben und nicht malen.
Bürger 30ᵃ.
eine andre stellung wäre hier überhaupt nicht möglich. solche anwendung schlieszt sich an prädicativen gebrauch an. auch kommt es ihr nahe, wenn etwa in gehobener rede so mit folgendem adj. hinter ein subst. tritt, was an sich durchaus unauffällig ist: ein mädchen so schön. vgl. 1, c.
g)
in elliptischen sätzen.
α)
im anschlusz an a:
länger hält die mutter nicht das zürnen,
öffnet das bekannte schlosz geschwind: ...
so zur thür hinein.
Göthe 1, 248.
häufig in bestimmten verbindungen: so recht! buono cosi! Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 829ᶜ. Adelung: so recht! sprach er, du bist nach meinem sinne. Felsenb. 2, 499;
so recht! er ist gestürzt!
A. Gryphius 1 (1698), 36, 413;
er schläft! so recht, ihr luft'gen zarten jungen!
ihr habt ihn treulich eingesungen.
Göthe 12, 77;
so recht! in des mannes arme
flüchte sich das bange weib.
45, 81.
recht so:
recht so, liebe traute beide,
ihr bequämt euch nach der zeit.
Fleming 362;
bürger. eine braut läszt er sitzen in thränen und schmerz.
1. jäger. recht so, da zeigt er ein eisernes herz.
Schiller Wallensteins lager 7.
in gleichem sinne so wol! Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 829ᶜ (veraltet), gut so: Brandolf aber klatschte fest in die hände und rief: 'gut, gut so, ihr leute!' Keller 7 (1899), 171. wie so, quid ita, qua ratione. Stieler 2050, wie so? come? come cosi? Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 827ᵇ, cur? quamobrem? Steinbach 2, 595. Frisch 2, 283ᵇ (mit gleicher erklärung wie bei Stieler), 'sich nach der art und weise zu erkundigen'. Adelung: dô sprach daʒ alte wîp: 'dô müeget mich, alsô schœne alse ir sint und alsô wol gezogen, daʒ mîn hêrre iuwer man pfliget mit anderen wîben bœser fuere'. — 'wie so?', sprach die frowe, 'daʒ gloube ich gar kûme'. predigtmärl. d. 15. jahrh. Germ. 3, 423, 24; Lerma. auch von der königin wurde heut morgen sehr räthselhaft gesprochen. Karlos (betroffen). wie so? Schiller dom Karlos 4, 1; '... sind sie auch sicher, dasz dieser erkieser seines weibes nicht ein wenig das spiel des zufalls war, oder am ende selbst eher gewählt wurde, während er zu wählen glaubte?' 'wie so?' fragte Reinhart. Keller 7 (1899), 175; A. er hat sich unfein benommen. B. wie so? das finde ich nicht. ebenso wie so denn? veraltet wie denn so?: Lisette. es ist alles umsonst; meine mühe ist vergebens. Anton. wie denn so? so wahr ich lebe, ich habe ihn (einen vorher erwähnten brief) richtig bestellt. Lessing 1, 288. zu derartiger anwendung des einfachen so leiten fügungen gleich den folgenden über: weiszt du nicht, wie es gemacht wird? so!;
die tanzen auf einem platze,
so mein igel so.
Venusgärtl. 30 neudruck;
ja so — so war's.
Schiller don Kartos 2, 8.
einfaches so dient dann allgemein, um anzudeuten, dasz etwas in der beabsichtigten art oder etwas beabsichtigtes vollendet, beendet ist: so, nun bin ich fertig, auch zur aufforderung, in der angefangenen art fortzufahren. im brem. ist so (mit kurzem offnen o gesprochen) das antreibewort des kuhhirten: so, so, so! brem. wb. suppl. 322. vgl.so bis an mein, dein seliges ende, als wunsch bei höchstem wolergehen. Wander 4, 590. weiter sagt man so oder ja so, ach so, wenn man auf etwas aufmerksam wird oder wenn einem etwas einfällt, was man thun, sagen wollte:
ja so!
der liebe tapfre mann will mich zu keinem
gemeinen bothen; will mich — zum spion.
Lessing 2, 219.
häufig drückt einfaches so überraschung, erstaunen oder unwillen über geschehenes oder gesagtes aus, als ausruf oder frage, so? auf diese art? ists möglich? Adelung: so? also hat er meine tochter nur in die rede bringen wollen? Gellert 3 (1775), 8 (betschw. 3, 8);
sô, mîn mülrössel, sô,
ihr habt iuch genomen an,
des iuwer vater nie began.
buch d. rügen 1488;
sô, herre von Berne,   ir slât ein alden man
und turt vor schônen vrouwen   einen recken nicht bestân?
roseng. Germ. 3, 29, 721 Bartsch;
Lerma. er war beim könig.
Karlos. so?
Schiller don Karlos 4, 4.
tempelhüter ... sie wachte, herr!
priester. so?
Grillparzer 6 (1887), 65.
in älterer sprache erscheint dafür auch so da: unnd er kam tzu seynen iüngern und fand sie schlaffend und sprach zu Petro: so da, künd yhr denn nicht eyne stund mit mir wachen? Emser n. test. Matth. 26, 40. vgl. kärnt. souda, auf diese art, so ist's recht. Lexer kärnt. wb. 234, dort als identisch mit söttã (für sothan) gefaszt. ein solches so kann auch kühl abweisend gebraucht werden:
Daja. wir waren euretwegen ganz bekümmert.
tempelherr. so?
Lessing 2, 223.
andrerseits dient es zum bloszen ausdruck des interesses an einer mittheilung: A. er ist mir gestern begegnet. B. so? (oder so!) wie sah er denn aus? in derartiger anwendung wird so auch wiederholt: so, so! eja, quam optime! in hunc maxime modum. Stieler 2050; Schönburg. ich habe commission für einen guten freund geld aufzunehmen. Körner. so. so. Schiller Körner's vormittag;
Wallenstein. von welcher zeit ist denn die rede, Max?
ich hab' gar kein gedächtnisz mehr.
Max. er meynt,
wie wir in Schlesien waren.
Wallenstein. so! so! so!
Schiller Picc. 2, 7.
prinzessin ... auch der prinzessin
ist die verbindung ganz und gar zuwider.
prinz (empfindlich). so, so?
Immermann 14, 219 Boxberger.
zweifel andeutend:
Montan. mein herz, betrognes kind, kennt keinen unbestand.
Galathea. so, so! wo hast du denn mein roth und blaues band?
Gellert 3 (1775), 459.
nicht so! als aufforderung, nicht in der beabsichtigten oder der bisherigen art zu verfahren u. ähnl.: nicht so, liebes kind, das geht nicht. Auerbach dorfgesch. 2, 213;
Phaon. erhabne frau!
Sappho. nicht so!
sagt dir dein herz denn keinen süszern namen?
Grillparzer 3 (1887), 153.
β)
im anschlusz an b: so viel zur rechtfertigung, warum in diesem werke die begriffe und grundsätze der reinen speculativen vernunft ... hin und wieder nochmals der prüfung unterworfen werden. Kant 4, 101;
nur nicht so hitzig!
Wieland 21, 122 (liebe um liebe 7, 309);
lieber herr, nicht so geschwind!
Göthe 1, 193.
volksmäszig: so dumm! (sc. wie kann man so dumm sein, das zu thun oder ich bin nicht so dumm, das zu thun, in ähnlichem sinne:) so blau!
h)
formelhaft und so weiter, und so fort, und in solcher, dieser art weiter, dann auch: und mehr, anderes von solcher art, und das übrige hierher gehörige:
immer niedlich, immer heiter,
immer lieblich! und so weiter.
Göthe 3, 157.
i)
mhd. werden häufig sus und so einander gegenüber gestellt (auch in der verbindung durch unde ist eigentlich verschiedenes, solche, diese und eine andre art gemeint): sô saget der sus, der sô: 'ich vare gerne ze sant Jacobe oder alliu jâr ze Rôme', oder: 'ich hân ein getriuweʒ gemechede: sô tæte ich gerne daʒ beste daʒ ich möhte'. Berthold v. Regensburg 1, 352, 33;
swes muot mir ist sô vêch gezieret,
nû sus nû sô, den walge ich hin.
Walther 80, 2;
wer kan nû ze danke singen?
dirre ist trûric, der ist frô:
wer kan daʒ zesamene bringen?
dirre ist sus und der ist sô.
110, 30;
si sprâchen sus unde sô.
Wolfram Parz. 640, 7;
kein mensche si gewinnen
kunde weder sô, noch sus.
Konrad v. Würzburg Troj. 6811;
sus unde sô verwandelt
wart sîn wunneclicher schîn.
15533.
frühnhd. wird das aus sus entstandene sonst wol noch mit so zusammengestellt: wenn er (ein kaiser oder fürst) aber weytter wollt faren und myr gepieten, das ich sonst oder so glewben sollte. Luther 12, 335, 20 Weim. ausg. doch schon ahd. begegnet sô unta sô, est et non. Graff 6, 11. nhd. ist ein doppeltes so in solcher anwendung häufig. die gegenüberstellung tritt scharf hervor in fügungen wie bald so, bald so, bald auf diese, bald auf eine andere art. Adelung, varius, pervices. Frisch 2, 283ᵃ, qualitercunque, quoquo modo, per vices, vicissim. Stieler 2051: mit herrengunst geht es bald so, bald so, favor principum vicibus crescit ac decrescit. ebenda;
sie wiegt das haupt bald so bald so.
Droste-Hülshoff 243.
einmal so, einmal so: gnomisch, einmal so, einmal so, sagte der trunkene bauer, und zog seine strümpfe verkehrt an. Wander 4, 590, 1. so oder so, hoc vel illo modo, sic aut aliter. Frisch 2, 283ᵇ: ein jglicher machte daraus, was er wolt, nach dem jm lust ankam, so oder so zuschmecken. weish. Sal. 16, 21; das spiel geht zu ende. so, oder so! Lessing 2, 185; die tage gehen vorüber so oder so. Bettine tageb. 30; so kann das nicht bleiben, hier musz schicht gemacht werden, so oder so. Freytag verl. handschr. 2, 186; so oder so! — gegeben oder genommen. Eiselein 570 (volksm.);
diesz kleine volk ist uns ein stein im weg —
so oder so — es musz sich unterwerfen.
Schiller Tell 4, 3;
ich sehe dich ernst, ich sehe dich froh,
und immer gefällst du mir, so oder so.
Rückert (1841) 101.
weder so, noch so. Wander 4, 590, 18. so wie so, auf solche, diese wie auf jene art, unter diesen wie unter andern, unter allen umständen: ohne zweifel war's ein wilddieb, und nun will ich meiner alten doch sagen, dasz sie diesmal menschen und keine geister gesehen hat, und auf der hut müssen wir sein, so wie so. Gutzkow ritter v. geist 2, 76; wir wollen uns jetzt weiter das herz nicht schwer machen; ich habe uns so wie so in verdacht, dasz es uns ganz und gar über den kopf gewachsen ist. Goltz jugendl. 1, 389; du hättest mir nicht zu schreiben brauchen; ich wäre so wie so gekommen. vgl. 4. in nhd. so und so kann adversativer sinn liegen: das kann man so und so auffassen, in solcher, dieser oder andrer, entgegengesetzter art, meist wird es aber gebraucht, um auf zusammengehörige umstände, theile eines vorgangs, einer rede, einer ansicht u. dgl. hinzuweisen: der handel ist so und so zugegangen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 830ᶜ, auch mit dreimaliger wiederholung: er hat so und so und so zu mir gesagt. ebenda;
der engel und propheten
so und so und so bestimmte
gröszenart und stufenordnung.
Daumer Mahomed 203.
oft vertritt es etwas, was nicht angeführt wird, was nicht bestimmt werden soll oder nicht bestimmt werden kann: (du) solt zum könige hinein gehen, und mit jm reden so und so. und Joab gab ir ein, was sie reden solt. 2 Sam. 14, 3; aber der herr sprach zu Ahia, sihe, das weib Jerobeam kompt, das sie von dir eine sache frage umb jren son, denn er ist kranck, so rede nu mit jr, so und so. 1 kön. 14, 5; sein herr nam den spiesz von im, leget in under sein arm und zeigt im allen vortheil so und so. Kirchhof wendunm. 1, 117 Österley; so und so hat es mir in desz herren hausz gegangen. 528; es war einmahl einer, der zu einem geistlichen sagte: weistu nicht, dasz ein mann etwas böses, so und so, hinter deinem rücken von dir geredt hat? pers. baumg. 7, 20; da kommt denn alle tage ein neuer pfannenflicker und meint so und so. Göthe 8, 31; gesetzt, dasz ich in unserer ehemaligen lage gesagt hätte: sohn! das und das ist mein wille, darauf besteh ich durchaus; so und so sollst du's machen, oder ich jage dich aus dem hause. Engel Lor. Stark 32. stück;
thet sie was, sprach er: tochter mein
sollichs und sollichs soll nicht seîn
so und so musz man halten hausz.
H. Sachs 3 (1570), 2, 35ᵈ;
wies ihm alles so und so.
Kopisch Noah.
ebenso zur andeutung eines nicht angeführten grades oder einer nicht angeführten menge: darfür kauff ich zehen guͦter schaff, von derart, wie an etlichen enden seyn, die järlich zweymal lemmer tragen, das macht ein jar zwentzig, das ander, dritt, vierdt und fünfft jar so und so viel. Kirchhof wendunm. 1, 206 Österley; wer sie (die electuaria) braucht, der lebt so und so lang. Nasus vortrab 198ᵃ; diese stadt (Osterode) hat so und so viel häuser, verschiedene einwohner, worunter auch mehrere seelen, wie in Gottschalks 'taschenbuch für Harzreisende' genauer nachzulesen ist. Heine 3, 23 Elster. statt eines nicht angeführten namens: das ist ja der schauspieler herr soundso. Ludwig 5 (1891), 491; wenn ich nicht mehr bin, thu du, wie ich dir nun sage: geh auf den berg soundso nicht weit von der stadt dortundda. Anzengruber 4 (1897), 113.
k)
beschreibende inhaltliche ergänzungen von so durch worte (sätze) können, falls sie von dem satz mit so syntactisch unabhängig sind, seit alter zeit auf so folgen, oder ihm vorausgehen, wobei so der ergänzung gern möglichst nahe rückt. bei syntactischer abhängigkeit von dem satz mit so stehen sie in der regel hinter so. besonderes interesse verdienen die folgenden fügungen.
α)
in gewissen fällen ist der satz, der die ergänzung enthält, zwar formal unabhängig, doch gewinnt hier der satz mit so eine art logischen übergewichts: er konnte nicht einen bissen verschlucken, so eng war ihm die gurgel. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 828ᵃ; er konte nicht auf den füszen stehen, so voll war er. ebenda; ach sie (unsere seelen) stimmten so harmonisch zusammen, ich meynte immer, wir müszten zwillinge seyn! Schiller räuber schausp. 1, 3;
sîn lîp der ist so schœne,   man sol in holden hân.
Nibel. 102, 3;
'mir kuolent sô die ringe':   sô sprach Volkêr:
'jâ wæne diu naht welle   uns nicht wern mêr ..'
1787, 1;
der rinc begreif sô wît ein velt,
dâ wærn gestanden sehs gezelt
âne gedrenge der snüere.
Wolfram Parz. 760, 27;
jungfrouwe, ir sit so wis und so schoine,
ir soilt tragen mins riches crone.
d. städtechron. 12, 27, 184 (Cöln, Hagen);
von Mopsen wird er kaum erkannt;
so dürftig kömmt er angekrochen.
Hagedorn 2, 28.
β)
bei gleichem subject und verbalem prädicat einer ergänzung wird wol das verb ohne wiederholung des subjects angefügt:
yrhugis thâr thoh eines man,   ther dir sî irbolgen,
thoh iʒ sô luzil wâri,   in muot thir êr ni quâmi.
Otfrid 2, 18, 22;
Johannes, wiʒis thu thaʒ,   zi Kristes houbiton saʒ;
thô er sô hôho gisan,   thes evangelien bigan.
5, 8, 22.
in neuerer zeit tritt gewöhnlich und hinzu. hilfsverba werden dabei in der regel nicht wiederholt: solte er wol so ein narr seyn, und das thun. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 828ᵇ; ich bin so gut, so einfältig gewesen, und hab es geglaubt. 829ᵇ; ich war so närrisch und gieng hin. 829ᶜ; soll er wol so schlimm seyn, und mich betrügen? ebenda; wie könnte ich eines so verdienstlosen stolzes seyn, und einen kranz tragen, den Hermann trug! Klopstock 9, 336; sie soll so gut seyn, läszt mein herr bitten, und es übergeben. Lessing 1, 544; seyn sie so gut und thun es. Adelung; sey so liebreich und komm ihm zuvor. ebenda;
wer fahren kann, ey nun, der fahre!
doch, wer wie ich wohl gehen musz,
sey wenigstens so klug und spare
sich jeden schritt zum eckel und verdrusz.
Gökingk 2 (1781), 20.
γ)
im gleichen falle kann auch ein inf. mit zu eintreten: ich bin so frei gewesen, sie zu einem schauspiel bitten zu lassen. Schiller Fiesko 4, 6; wenu ich so glücklich war den gallerieschlüssel zu erwischen. Brentano 5, 7. eigenartig in folgendem syntactischen gefüge: die staaten, um ihr ansehen zu retten, muszten bewilligen, was er so bescheiden gewesen war nicht ertrotzen zu wollen. Schiller 7, 48. ähnlich, auf das object bezüglich:
lasz drum durchaus so viel dein kind,
um selbst sein eigner herr zu werden, lernen.
Gökingk 2 (1781), 131.
δ)
häufig folgt ein satz mit dasz: siin grab ist auur sô drâdo ê̜ruuirdhic, dhazs uuir dhea Christ chihalôda, dherâ âlôsnin uuidhar sînemu dôdhe bî sculdim dheru stedî æ̂rliihho ê̜ra beremês. Isid. 43, 7 Hench; sô nist uuillo fora iuuaramo fater ther dâr in himile ist, thaʒ uoruuerde ein fon thesên luzilôn. Tat. 96, 4; sô minnôta got thesa uuerolt, thaʒ her sînan einagon sun gab, thaʒ iogiuuelîh thie in in giloubit ni furuuerde, ûʒouh habe êuuîn lîb. 119, 9; iro kint Judaei uuhton so ernesthafto uuidar den christanen, thaʒ sîe se tribon ûʒʒe iro lante. Williram 11, 4 Seemüller; er ist mir sô hold, daʒ er nîet dolan ne uuil, daʒ mih îeman sîner minnon irre mit dechêinemo uuerlîchen strepitu. 34, 2; mîner minnon, diu ingegen dich sô stark ist, daʒ ih selb den tôd durch dînen uuillon lêit. 137, 9; recke deine hand gen himmel, das so finster werde in Egyptenland, das mans greiffen mag. 2 Mos. 10, 21; es gehet mir so übel, das ich bin eine grosze schmach worden meinen nachbarn. Hiob 31, 12; das bette ist so enge, das nichts ubrigs ist. Jes. 28, 20; er war so veracht, das man das angesicht fur jm verbarg. 53, 3; denn er war so gar erschrocken, das er aller zitterte. 2 Macc. 3, 17; eines dings so begirig sein, das einer möcht taub werden. Maaler 375ᵈ; denn er sich dermassen .. mit der sprach zuͦ lehrnen und anderm so zuͦ halten wuszte, dasz es im nit geringe fürderung und glauben bey seinem herren erweckte. Kirchhof wendunm. 1, 116 Österley; ja ich war so perfect und vollkommen in der unwissenheit, dasz mir unmüglich war zuwissen, dasz ich so gar nichts wuste. Simpl. 1, 13, 16 Kurz; ihr schlaget mir dieses mit einer so feinen manier ab, dasz u. s. w. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 828ᶜ; ich bin so närrisch nicht, dasz u. s. w. 829ᵃ; so, dasz es unmöglich ist. Adelung; so viel, dasz man es kaum glauben kann. ebenda; in meinem gebiet solls so weit kommen, dasz kartoffeln und dünn bier ein traktement für festtage werden. Schiller räuber schausp. 2, 2; sie (die liebe) ist eine so starke würze, dasz selbst schale und ekle brühen davon schmackhaft werden. Göthe 18, 86; sie sei so ehrlich und offen, dasz sie sich nicht eine sekunde lang zu zieren vermocht, sondern ihm gleich beide hände zitternd entgegengestreckt habe. Keller 7 (1899), 164;
wio ward ih io sô wirdig   fora druhtîne,
thaʒ selba muter sîn   giangi innan hûs mîn?
Otfrid 1, 6, 9;
sô hôh ist gomaheit sîn,   thaʒ mih ni thunkit, megi sîn,
theih scuahriomon sîne   zinbintanne birine.
27, 57;
die reken von dem Rîne   die habent sô geriten
daʒ eʒ ir vîenden   wære beʒʒer vermiten.
Nibel. 232, 4;
sô sælic man enwart ich nie
daʒ ir mîn komen tæte wol.
mninesangs frühling 100, 12;
ein ritter sô gelêret was
daʒ er an den buochen las
swaʒ er daran geschriben vant.
Hartmann a. Heinrich 1;
(sie) sleich zuo in sô lîse dar
daʒ es ir keiner wart gewar.
Iwein 101;
diu frouwe bôt ir lougen
mit waʒʒerrîchen ougen
sô, daʒ sie unschuldic wære.
Wolfram Parz. 133, 13;
nû müeʒe eʒ got gevüegen sô
daʒ ich noch von wâren schulden werde frô.
Walther 120, 32;
kurtlich waren si so beraden,
dat si sîns willen neit endaden.
d. städtechron. 12, 56, 1200 (Cöln, Hagen);
ein weib, so jung, so schön und säuberlich,
dasz selbst der leckerste der prasser
es schmausen möcht' aus salz und wasser.
Bürger 90ᵃ;
ich nehm' es so, dasz euch geschäfte rufen,
und ihr den anlasz wahrnehmt, wegzugehn.
Shakespeare kaufm. 1, 1.
wie die belege zeigen, kann der satz mit dasz einen rein modalen oder einen consecutiven charakter haben. fälle der letzteren art geben anlasz zur entwicklung eines consecutiven so dasz, das als einheitlicher begriff empfunden und in neuerer zeit sodasz geschrieben wird. die beziehung von so auf art oder grad tritt dabei ganz zurück. es wird die einfache folge bezeichnet. so schon in alter zeit: gisamanôte uuârun zi imo manago menigî, sô thaʒ her in skef stîgenti saʒ. Tat. 70, 2 (die vorlage hat ita ut);
noch müeʒ ich geleben daʒ ich den gast ouch grüeʒe,
sô daʒ er mir dem wirte danken müeʒe.
Walther 31, 28.
ε)
auf die ältere sprache beschränkt ist die folgende construction: nach negativem satz mit so ein negativer irrealer abhängiger satz, dessen kennzeichen ne und der conjunctiv sind: niemin ist sô suntiger der sîne gnâde inneclîche gesuͦchit erne vinde dâ gnâde. spec. eccl. 65;
ni sî man nihein sô veigi,   ni sînan zins eigi.
Otfrid 1, 11, 10;
niemen lebet sô starker,   ern müeʒe ligen tôt.
Nibel. 1022, 2.
heute dafür: dasz er nicht ... fände, sterben müszte.
ζ)
das gleiche gilt von einem positiven conjunctivischen relativsatz mit irrealem sinne nach einem negativen hauptsatze der folgenden art:
er nist in erdringe,   ther irâ lob irsinge,
noh man io sô gîmuati,   ther irzelle irâ guati.
Otfrid 1, 11, 48;
nu enist ab nieman sô rîch
noch von sô starken sinnen
der sî müge gewinnen.
Hartmann a. Heinr. 201.
Haupt schreibt dêr (= daʒ er), doch spricht der vorhergehende beleg gegen eine solche auffassung. wir können allerdings hier nur einen satz mit dasz anwenden.
η)
ein relativsatz kann auch in neuerer sprache so ergänzen, wenn dies vor ein, etwas. kein oder unmittelbar vor substantiven erscheint: isz mit verstand; so ein mensch dem der bauch voll gepfropfft ist, gleicht besser einem grossen topffe, als einem menschen. pers. baumg. 6, 68ᵇ; ich habe mir immer so ein ämtchen gewünscht, bey dem man den körper schonen kann. Rabener 3, 127;
in dem vorsaal eines reichen
stimmten sie ihr liedchen an,
so ein lied, das stein' erweichen,
menschen rasend machen kann.
Lichtwer (1828) 33.
doch steht auch hier gern ein satz mit dasz: wir hatten nun schon so eine masse stängel und blüthen zusammengebracht, dasz wir nicht wuszten wo mit hin. Göthe 22, 193;
(ein knabe) hatte so freud' am täubchen sein
dasz er nicht konnte sich freuen allein.
2, 215.
θ)
adverbiales so lange, so oft kann durch einen das endziel bezeichnenden satz mit bis, in älterer sprache auch bis dasz ergänzt werden: wartet so lang bisz ò bisz dasz ich u. s. w. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 829ᶜ; so lange zu hause sitzen, bis er wieder kommt. Steinbach 2, 595. sprichwörtlich: so lange kriecht ein kind, bis es gehen lernet. Gottsched sprachk. 555ᵇ; der krug geht so lange zu wasser bis er bricht u. ähnl. vgl.krug, urceus II, 1, b oben theil 5, 2432. unter den dort angeführten leicht abweichenden formen dieses sprichworts hat hier die folgende besonderes interesse:
der krug geht, wie ein alter spricht,
so oft zum brunnen, bis er bricht.
Hagedorn 2, 138.
l)
auch durch vergleichende beziehung auf anderes, was sprachlich bezeichnet ist, kann so näher bestimmt werden. ist diese bezeichnung von dem satz mit so unabhängig, so steht sie vor diesem. so stellt die beziehung her. im entgegengesetzten falle kann sie auf so folgen oder ihm vorhergehen. es kann eins mit dem andern hinsichtlich seiner art (menge, seines grades) oder eine art (menge, ein grad) mit einer andern art des gleichen begriffs verglichen werden. der vergleich kann ausgedrückt werden durch einen satz (αα) oder durch ein wort, zu dem nähere bestimmungen hinzutreten können (ββ), mit einleitendem so, als, wie, selten mit anderen conjunctionen, wobei, wenn der vergleich positiv ist, im hauptsatz neben so oft auch, eben, gerade, just, ahd. sama erscheinen.
α)
mit so. vgl. unten C, 1.
αα)
sô ir uuollet, thaʒ iu man tuon, sô tuot ir in selbsama. Tat. 31, 8; iʒ ne veret nu sô nîet, sô iʒ ê teta. Williram 39, 3;
ouch wurden ir (Kriemhilde) mit dienste   sîder undertân
al des küneges mâge   unt alle sîne man,
daʒ diu vrowe Helche nie   sô gewalteclîche gebôt,
sô si nu muosen dienen   unz an den Kriemhilte tôt.
Nibel. 1325, 3;
daʒ des got von himile   ruochen wolde
daʒ ich schilt sô guten   noch tragen solde
sô den du hâst vor hende,   vil edel Rüedegêr!
2132, 3.
heute ist so — so in zwei sätzen, die einen vergleichen enthalten, im allgemeinen nur üblich, wenn es in beiden mit adjectiven oder adverbien verbunden erscheint. vgl. unten C. eigenartig sind die folgenden belege, in denen so — so in zwei paratactischen sätzen erscheint, die einen vergleich enthalten. sie werfen licht auf die entwicklung von so, wie. vgl. unten C, 1. sie entstammen der neueren dichtersprache und sind wol für ihre zeit so auffällig gewesen wie für uns:
so steigt ins gesicht des blühenden jünglings,
welchen der rufende blitz erschlug, die farbe des todes
schleunig herauf! so strömte des abgrunds nacht in das antlitz
Abbadonna's empor!
Klopstock 4, 180 (Mess. 9, 646);
so fleugt am haine Semaan durch die jungen mayen der donnersturm!
so erschütterte mich die freude mit ihrem ganzen ungestüm!
8, 201.
nahe stehen diesem gebrauch elliptische sätze wie: so gedacht, so gescheh'n. Hebel 2, 208 und das sprichwörtliche: so gewunnen, so entrunnen. Franck sprichw. 2, 94ᵇ. Henisch 1610, 5. Wander 4, 1661 führt aus Lippe an: so gewunnen, so terrunnen, doch kann man auch heute noch hd. statt des üblicheren wie gewonnen, so zerronnen (vgl.γ) sagen: so gewonnen, so zerronnen. dabei ist aber auffassung als parataxe und beziehung beider theile auf einen vorliegenden fall möglich: in der vorliegenden, erwähnten art gewonnen, in der vorliegenden art verloren. vgl. auchB, 1, a. ähnlich:
awer is dar wes gewunnen
bewilen in groten summen,
mek droge deggher al myn waͤn,
dat wert so wedder henghaͤn:
so wunnen, so toghebracht.
d. städtechr. 16, 253, 4866 (Braunschweig, v. 1491).
ββ)
ih quidu iu, thaʒ Salomon in allero sînero diuridu ni uuas sô bithekkit sô ein fon thesen. Tat. 38, 4; nio in altere sprah sô man sô these man. 129, 8;
ich wolt hêrn Otten milte nâch der lenge meʒʒen:
dô hât ich mich an der mâʒe ein teil vergeʒʒen:
wær er sô milt sô lang, er hete tugende vil beseʒʒen.
Walther 26, 35;
liebe triuwe stæte muot
êre und ander manic guot
daʒ geliebet niemer anderswâ
sô sêre noch sô wol sô dâ,
dâ man von herzeliebe saget
und herzeleit ûʒ liebe klaget.
Gottfried Trist. 184.
so — so dient auch zu einfacher verknüpfung zweier auf einen andern bezogenen begriffe, vgl.B.
γγ)
statt des einfachen so erscheint im nebensatz in alter zeit auch ein verdoppeltes soso, vgl. unten C: sôsô ir in tuome tuoment, sô uuerdet ir gituomte. Tat. 39, 1; sôsô in tagon Nôê sô ist cunft thes mannes sunes. 147, 1.
β)
mit als, älter also, das eigentlich nur verstärktes so ist (vgl.α, γγ). in neuerer zeit steht es in der regel hinter so. vgl. jedoch E. v. Kleist (1771) 2, 56 unter ββ. wie als(o) anscheinend das einfache so verdrängt hat, so wird es seinerseits in neuerer zeit durch wie zurückgedrängt. vgl. γ.
αα)
so lang wird sein lob wären, als man von römischen thaten sagen wirt. Maaler 375ᵇ; ich weisz es so gewisz als ich lebe. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 656ᵇ; so viel als ihm schmeckt. Simpl. 1, 105; er mag ein so wunderlicher kopf seyn, als er wolle. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 827ᵃ; wann sie mich so sehr liebete, als ich sie liebe. 830ᵃ; bringet so viel als ihr könnet. 830ᵇ; so wenig, als möglich war. 830ᶜ; ich bin so gelinde, als immer einer seyn kan. Steinbach 2, 594; denke gott nur so gütig, als du deinen edelsten freund denkest, und du wirst nicht mehr zweifeln. Gellert bei Adelung; dieser ton ist mir nicht so neu, als der weise Hippias glauben mag. Wieland 1, 116; ein so feiner weltmann, als Horaz unstreitig war. 120; bemühe dich so sehr als du willst, dir götter ohne gestalt, ohne glanz, ohne etwas das die sinnen rührt, vorzustellen; es wird dir unmöglich seyn. 142; wenn wir nicht einen so unverdächtigen zeugen vor uns hätten als Homer ist. 10, 123; wenn er gleich seiner ersten liebe nur gerade so oft untreu ward als er anlass dazu hatte. 12, 335; wie ich mich so unabhängig machen könnte, als möglich wäre. 13, 13; wer eine so lautere gesinnung, als gefordert wird, besitzt. Kant 6, 232; der wohlstand des landes war in so weit gesichert, als er den staatsentwürfen seines beherrschers nothwendig war. Schiller 7, 48;
man gesach ûf acker noch ûf wise
liehter vel noch rœter munt
sô manegen nie ze keiner stunt,
alsô man an dem ringe vant.
Wolfram Parz. 778, 10;
sie spielt den flügel schön, und kann vortrefflich singen,
und malet so geschickt, als es die kunst begehrt.
Gellert 1 (1775), 209;
und eh ich noch von ihr den dritten kusz erhielt:
so fühlt ich schon die selgen triebe
der redlichkeit und menschenliebe
so stark in mir, als ich sie nie gefühlt.
221;
und sag' uns im vertraun, wie viel gehört dazu,
damit ich dich so glücklich mache
als du verlangst?
Wieland 9, 94 (Musar. 3);
mit ungewöhnlicher wortfolge im nebensatz: er ist eben so glückselig, als tugendhaft er ist. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 17ᵇ;
wie auf des berges felskuppen der süd ausbreitet den nebel,
der nicht hirten erwünscht, doch dem raubenden besser denn nacht ist,
und man so weit vorschauet, als fliegt der geworfene feldstein.
Voss Il. 3, 12.
mit wiederholung eines mit so verbundenen adj. oder adv. im nebensatz: ich schweige so lange stille, als lang ich kan. Stieler 2050. beim vergleiche zweier verschiedener auf verschiedene subjecte bezüglicher begriffe hinsichtlich ihrer art: das unglück wird eben so sehr gefürchtet als das glück gewünscht wird. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 829ᶜ. bei einem vergleich in der form eines bedingungssatzes, als ob, als wenn (älter wann): ich bin bey ihm so wol accomodirt gewesen, als wenn ich daheim wär gewesen. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 599ᵇ; die füsse selbst aber sahen so krebs roth aus, als wann ich ein paar strümpffe von spanisch leibfarbe angehabt, oder sonst die haut mit fernambuc gefärbet hätt. Simpl. 1, 66, 7 Kurz; (ich) wuste mich so demüthig zu stellen, als ob ich die hoffart nie gekant hätte. 325, 8; er war so stolz darauf als ob die erfindung sein gewesen wäre. Göthe 17, 88; da lag das brennholz so accurat gesägt, gespalten und geschränkt, als wenn es ein theil des gebäudes wäre. 20, 43; du thust gerade so, als wenn ich dich hätte beleidigen wollen. in älterer sprache auch als so (vgl. unten C, 5, d): es ist ihm so leid, als so eim esel ein sack entfällt. teutsche sprichw. bei Frisch 2, 252ᵇ. ebenso bei einem durch inversion und den conjunctiv gekennzeichneten bedingungssatz: er hat dich so lieb, als hette er lang mit dir zu thun gehabt. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 528ᵃ;
die köchin hatt' ihr (der ratte) gift gestellt;
da ward's so eng' ihr in der welt,
als hätte sie lieb' im leibe.
Göthe 12, 106;
mir ist so feierlich,
so bang, als sollte dieser augenblick
ein groszes loos entscheiden.
Schiller don Karlos 4, 22;
war es gut gemeint,
bleibt mit uns vereint,
so als gäb es gar kein scheiden.
Hoffmann v. Fallersleben ged.⁹ 294.
bisweilen tritt der satz mit so an bedeutung hinter dem mit als zurück: meine theorie war nicht so bald gefunden, als ich that, was die wenigsten von euern sittenlehrern thun. Wieland 13, 13; ich hatte das nicht so bald gethan, als er eintrat. es kann auch so in verbindung mit adj., adv. und als gerade zu einen nebensatz characterisieren, der dann meist temporaler oder concessiver art ist: sobald als er das gethan hatte (vgl.sobald); so gut als er ist, wobei dann auch als ausgelassen werden kann. vgl. unten C, 1, b, δ, θθ. ähnlich: so ein armes mädchen als ich bin, und abhängig von diesen verwandten, ... ich habe widerstanden. Göthe 24, 270. als ist in solcher anwendung zurückgegangen, doch ist es noch anwendbar, wo so mit einem adj. oder adv. verbunden vorauf geht und durchaus fest in der verbindung als ob und vor einem durch inversion und den conjunctiv gekennzeichneten bedingungssatz. nach ββ) überleitend: er ist mir so glych als ich mir selbs. Maaler 375ᵈ; du wirst in einer welt, die dich so wenig kennen wird als du sie, wie ein einwohner des mondes herum irren. Wieland 1, 111.
ββ)
er war so schön als kein bawm im garten gottes. Hesek. 31, 8; es ist nichts so sehr gemein, als närrisch handeln oder gedencken. Corvinus fons lat. 1 (1660), 656ᵇ; (ich) schwieg derowegen noch fürters so still als eine mausz. Simpl. 1, 116, 17 Kurz; sie ist eben so schön als ihre schwester. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 827ᵇ; ich will eben so früh aufstehen als ihr. ebenda; es ist nichts so schön, als ein mensch. 828ᶜ; ich bekomme nicht so oft briefe von dir, als von deinem bruder. Steinbach 2, 595; es ist so weit von einem orte als vom andern in die hölle. ebenda; Faust. und wie schnell bist du? der fünfte geist. so schnell als die gedanken des menschen. Lessing 2, 493; so schnell als der übergang vom guten zum bösen. ebenda; und ist denn das leben ein traum, ein blosser traum, so eitel, so unwesentlich, so unbedeutend als ein traum? Wieland 1, 64; wer würde dann so glücklich seyn als ich? 274; (er) versprach ihr, wenn sie ihn nur nicht gar aus ihrer gegenwart verbannen wollte, so zahm und unschuldig zu seyn als ein lamm. 12, 337; er war just so ein zeisig, als du. Gotter 3, 487; um sich so viel als möglich gegen den spott zu decken, den ich ihr bereite. Klinger 1, 490; o mir ist mein stand ... nie so beschwerlich, nie so ängstlich gewesen als jetzt. Göthe 10, 58; es entsteht daraus ein so gründliches als angenehmes verhältnisz. 24, 298; jetzt sah ich ein, dasz eine schicht über dieser atmosphäre ich gerade so viel und so wenig gelte, als die beherrscher der erde. Schiller 4, 36;
wan sich gesament ûf erde
bi niemens zîten anderswâ
sô manec guot ritter alsô dâ.
Hartmann Iwein 42;
Cissides,
so ruhig, als ein gott, und als ein gott
so schrecklich, überschüttete den feind
mit siebenfachem tod.
E. v. Kleist (1771) 2, 56;
allein das wollt ich wohl beschwören,
dasz er so grosz, als mancher ochse, war.
Gellert 1 (1775), 150;
alles wird mir so werth, was deine hände berühren,
als ein pathengeschenk.
Hölty 41, 27;
du bist so klug als schön.
Gellert 3 (1775), 356;
Erast, der gern so neu, als eigenthümlich spricht.
Lessing 1, 2;
dasz ihr doch immer
so gut als klug, so klug als weise seyd!
2, 210.
auch hier ist als durch wie zurückgedrängt worden. wie so — so dient auch so — als zu einfacher verknüpfung zweier auf einen andern bezogenen begriffe. vgl.B, 1, a.
γ)
mit wie. es kann vor oder hinter so stehen und drängt in neuerer zeit als zurück, das nur in wenigen fällen fest bleibt. vgl. αα und β, αα.
αα)
wie mich mein vater geleret hat, so rede ich. Joh. 8, 28; man musz nicht so handeln, wie du vorgiebst. Hulsius (1616) 299ᵇ; wie der wirth ist, so bescheret gott allzeit gäste, semper similem ducit deus ad similem. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 586ᵇ; wie du wilt, dasz man von dir halten soll, so halte dich auch in der warheit, talis sis, qualis videri cupis. 656ᵃ; wie ich es gemacht, so magst du es auch machen. Steinbach 2, 596; was mir hier aus der feder geflossen, ist weit entfernt, so zu seyn, wie es seyn sollte. Lessing 7, 325; wie man den knaben gewöhnt, so bleibt er. Adelung; gesetzt, ... die sonne sey nicht so, wie ich sie sehe und fühle. Wieland 1, 109; er will mich so glücklich haben, wie er ist. 119;
wie ich euch sag, so ist im gar.
fastn. sp. 35, 30 Keller;
der hund war nur so grosz, wie alle hunde sind.
Gellert 1 (1775), 150.
verstärkend gleich wie: gleich wie ein vatter sein kind liebet, so liebet gott u. s. w. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 827ᵃ. bei conditionalem vergleichssatz: es ist gerade so, wie wenn man in den hundestall nach brot käme. Wander 4, 590, 13, aber nicht wie ob oder mit lediglich durch inversion und den conjunctiv gekennzeichnetem conditionalsatz. in einem den satz mit so an bedeutung überragenden satz ist wie statt als ungewöhnlich, ebenso sobald wie statt sobald als, wenn die verbindung einen einheitlichen begriff darstellt. in elliptischen sätzen, besonders in sprichwörtlichen wendungen: wie die vögel, so der gesang, qualis vir, talis oratio. Corvinus fons lat. 1 (1660), 527ᵇ; wie der herr (ist) so (ist) der knecht. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 828ᵃ. Simrock 211, 4595;
wie gewonnen,
so zerronnen.
167, 3647;
wie du mir,
so ich dir.
551, 11590;
wie der herr,
so's gescherr (für geschirr).
so wie zusammengerückt, verstärktes wie: so wie ich hier bin, biete ich den verführungen aller deiner Cyanen ... trotz. Wieland 1, 206; dagegen ein schulgerechter zögling der sittenregel, so wie das wort des meisters ihn fodert, jeden augenblick bereit seyn wird, vom verhältnisz seiner handlungen zum gesetz die strengste rechnung abzulegen. Schiller 10, 133; sogar neben einem so im hauptsatz:
so wie gewonnen, so ist's zerstoben.
Wallensteins lager 1.
gleich dem einfachen so und wie gewinnt so wie auch die bedeutung einer temporalen conjunction und wird dann heute meist sowie geschrieben. vgl. dies.
ββ)
so blaw wie ein blaw tuch. Agricola sprichw. (1534) 617; demnach ich aber an jedermans gelächter merckete, dasz ich mich gewaltig verhauen haben müste, der dolle fähndrich, so mit am tisch sasz, auch so roth ward, wie eine glühende kohle. Simpl. 1, 123, 6 Kurz; sie ist nicht so eigensinnig wie ihre schwester. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 827ᵇ; glaubt er denn, dasz ich so ein müsziggänger bin, wie er? Lessing 1, 218; er war wirklich kein narr, so wenig wie ich. 220; ein mensch, der so lebt wie Hippias. Wieland 1, 196; dann geht er (der rabe) zu weit, wenn er über die nachtigall spottet, dasz sie nicht so gut krächze wie er. 110; ich wollte tausend pfund darum geben, dasz ich so gut laufen könnte wie du. Shakesp. Heinr. IV. 1, 2, 4; wenn gründe so gemein wären, wie brombeeren, so sollte mir doch keiner mit gewalt einen grund abnöthigen. ebenda; ich bin so tapfer, wie Herkules. ebenda; bist du auch schon so gewesen, wie jetzt in diesem augenblicke? Keller 7 (1899), 165;
ach! dasz nun doch einer kähme,
der mich so, wie Dafnis meynt'.
Fleming 429;
Aias führte die Lokrer, der schnelle sohn des Oileus,
kleiner und nicht so grosz wie der Telamonier Aias.
Voss Il. 2, 528;
wenn ich doch so schön wär'
wie die mädchen auf dem land!
Göthe 1, 32;
wär ich gut wie ein schaf;
wie der löwe so brav.
35;
du bist wie eine blume
so hold und schön und rein.
Heine 1, 117 Elster.
wie so — so, so — als dient so — wie und sowie zu einfacher verknüpfung zweier auf einen andern bezogenen begriffe. vgl.B, 1, a.
δ)
besondere verbindungen, in denen als oder wie steht:
αα)
zu so viel als, wie können zahlenmäszige bestimmungen treten. vgl. c: sechs mahl so viel als gesäet worden. Steinbach 2, 595; ich habe fünfmal so viel bekommen wie du.
ββ)
die verbindung so gut als, wie dient um allgemein gleichartigkeit mit etwas zu bezeichnen, was doch nicht ohne weiteres vom subject ausgesagt werden kann: es ist so gut als geschehen. Adelung; du weist vielleicht nicht, dasz Karl so gut als enterbt ist? Schiller räuber 2, 1;
hat einer dreysig jahr' vorüber,
so ist er schon so gut wie todt.
Göthe 41, 101.
ε)
bisweilen begegnet nach so gehäuftes als wie:
da steh' ich nun, ich armer thor!
und bin so klug als wie zuvor!
Göthe 12, 29.
weitere belege sind unter als 5 oben theil 1, 252 gegeben. sie zeigen so in verbindung mit adj., adv. und ein, kein einfaches so bei einem verb. heute ist diese verbindung in der schriftsprache ungewöhnlich. nd. gebraucht man so as wie halb scherzhaft in folgender art: A. hest du dat daan? B. so as wie ik? nee!
ζ)
mit alsam, mhd.:
der wîse minnet niht sô sêre
alsam die gotes hulde unt êre.
Walther 22, 24.
η)
mit unde, mhd.: (du) solt och ier (armer leute) phleger sîn, sô vil unde (geschrieben: un̄) du maht. Grieshaber deutsche pred. d. 13. jahrh. 2, 13.
m)
so kann auch ergänzt oder bestimmt werden durch eine unmittelbar vorausgehende, folgende oder begleitende handlung, eine geste oder eine situation: hier ist ein kneht, ther habêt fimf leibâ girstîne inti zuêne fiscâ, noba uuaʒ sint thisiu untar sô managên (so vielen wie hier sind). Tat. 80, 4; ich mache mir nicht so viel daraus. Adelung (mit schnippender handbewegung); so gefällst du mir (wie du dich jetzt zeigst). ebenda; mein gott! wie seh ich aus. ich musz mich ja schämen, ich darf mich nicht vor seiner gnaden so sehen lassen. Schiller kab. u. liebe 1, 3; erzähl es ihm, wie du dich in ihr herz stahlst, betrüger, oder bei gott (ihm seine tochter zuschleudernd, wild und heftig) du sollst mir zuvor diesen wimmernden wurm zertreten, den liebe zu dir só zu schanden richtete. 2, 5; sie habe dem bildermann ihre groszen silbernen schnallen dafür eingesetzt, und wolle sie, weil es heute abend so spät geworden (wie es war), morgen früh wieder einlösen. Göthe 19, 102; da wölt i net so machen (mit der geberde des handumdrehens). Wander 4, 590, 6 (Rottenburg);
dô stuonden in den zinnen   diu minneclîchen kint.
dô sprach diu küniginne   'weiʒ ieman wer di sint
die ich dort sehe flieʒen   sô verre ûf dem sê? ..'.
Nibel. 477, 3;
doch sieh die verse an,
ist denn von diesem geist auch nur so viel dran?
Körner grün. dom. 3 (mit einer handbewegung).
ebenso in älterer wie neuerer sprache in bezug auf etwas blosz vorgestelltes:
dô sî ir lîebeʒ kint von in
gefrumten sô gesundeʒ hin
niemê ze sehenne in den tôt.
Hartmann a. Heinr. 1034.
verhüllend ahd. sô scaffaniu, schwanger: êr thiu zisamane quâmîn, uuas siu fundan sô scaffaniu fon themo heilagen geiste. Tat. 5, 7. aus solcher anwendung, wofür auch unter ai belege zu finden sind, zweigen sich dann die folgenden anwendungen des adverbialen so ab.
2)
zur hervorhebung dienend, in hohem grade, sehr, gar: dô bischof Albrecht quam zu Kolne, dô besach her di zelle der studenten und vant eine zedeln in Thomas zellen, di sô kunstlîchen geschriben was. d. myst. 1, 101, 11; ich hab ihms so oft gesagt. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 829ᶜ; er meint es so redlich, und hat so viele verdienste. Gellert bei Adelung; unsere seelen stimmten so zusammen. Schiller räuber 1, 3; so wunderbar ist es nicht. Göthe 19, 231; gelegentlich hatte ich auch wohl einmal eine maus gefangen, die ich ihm brachte, und die er als ein gar so zierliches thier nachzubilden lust hatte. 24, 243; wenige werden uns daher verargen, wenn wir den blick von der wiege so mancher nationen weg und dahin wenden, wo uns eine erfreuliche jugend entgegen kommt. 53, 16;
heil magad zieri,   thiarna sô scôni,
allero wîbo   gote zeiʒôsto!
Otfrid 1, 5, 15;
ein vogellîn sô wol getân
daʒ ist der linden an daʒ zwî gegân.
minnesangs frühling 39, 20;
er hât mit sîner krefte   sô manegiu wunder getân.
Nibel. 102, 4;
man sach dâ von ir handen   vil manegen satel blôʒ.
dâ von liehten swerten   daʒ velt so lûte erdôʒ.
232, 2;
ein kint von ahte jâren:
daʒ kunde wol gebâren
sô rehte gûetlîchen.
Hartmann a. Heinr. 305;
da that's mir, wenn ich schied, so leid,
so wohl mir, wann ich kam.
Bürger 32ᵃ;
der ist so recht mein mann!
Gökingk 1 (1780), 253;
ich bin so schwach, ich bin so stark,
mir ist so wohl, so weh!
Göthe 1, 20;
und er zog mich, ach, an sich nieder,
küszte mich so hold, so süsz.
22;
werd' ich zum augenblicke sagen:
verweile doch! du bist so schön!
12, 86;
doch — alles was mich dazu trieb,
gott! war so gut! ach war so lieb!
188;
ich suche wol — es ist so schön!
und weiter weisz ich nichts zu nennen.
13, 287;
willst du nicht das lämmlein hüten?
lämmlein ist so fromm und sanft.
Schiller 11, 402;
ich bin so hold den sanften tagen,
wann in der ersten frühlingszeit
der himmel, blaulich aufgeschlagen,
zur erde glanz und wärme streut.
Uhland (1864) 14;
es giebt so manche strasze, die nimmer ich marschirt,
es giebt so manchen wein, den ich nimmer noch probirt.
Geibel wanderschaft.
in ausrufen, die durch wie eingeleitet werden: wie so köstlich wehet die luft von meinen heymath-gebürgen! Schiller räuber schausp. 4, 1;
wie ist doch scheiden,
so schwere pein.
Venusgärtl. 29 neudr.;
wie so ruhig, wie so stille
heute die gewölbten hallen.
Tieck 1, 165.
noch so viel oder noch so in verbindung mit adj. und adv., das eigentlich 'noch einmal so' bedeutet (vgl. oben 1, a, c), dann aber in die bedeutung quantumvis verläuft, gehört in letzterem sinne hierher. vgl. oben theil 7, 869. 870. zur hervorhebung kann auch so vor ein mit folgendem adj. und subst. dienen: das ist so ein rechter grobian; es ist so eine reine luft da oben. Göthe 14, 80; in solchem sinne steht es dann wol auch vor dem bestimmten artikel:
ich dachte mir nur immer,
der derwisch — so der rechte derwisch — woll'
aus sich nichts machen lassen.
Lessing 2, 206.
ähnlich vor ein mit unmittelbar folgendem substantiv:
das ist so ein Ahab und Jerobeam.
Schiller Wall. lager 8.
3)
so als ausdruck der einschränkung, der ungewiszheit, des zufälligen u. ähnl.
a)
bei ausdrücken gleich den folgenden kann so als verstärkung gefaszt werden, wodurch dann der diesen ausdrücken eigne begriff der einschränkung erhöht wird: so ziemlich. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 528ᵇ. Stieler 2051. Frisch 2, 283ᵇ. so leidlich: Felix .. zog sich noch so leidlich aus der sache. Göthe 22, 9; es wird alles so leidlich zutreffen. an Schiller 12. oct. 1796; ich verstehe die sachen, die sie mittheilt, so ziemlich. Brentano 9, 30.
b)
die gleichbedeutende, heute veraltete verbindung so hin, mediocriter. Stieler 2051. Frisch 2, 283ᵇ erwächst vielleicht aus der fügung es gehet so hin, mag so hingehen, kann in der vorhandenen art geduldet werden: U. du gespan, was meinstu, haben wir nicht eine hübsche frau in unser gehege gekriegt? Sch. so hin, wenn sie gut ist, so ist sie gut, aber wenn sie will böse seyn, so dencke ich, sie hat die kunst besser gelernt als ich. Weise comödienpr. 120; ihre schönheit, seine gelehrtheit ist so hin. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 829ᵇ; er ist so hin. ebenda; eine andacht, die so hin ist. ebenda; er schlägt so hin auf der laute. ebenda; ich befinde mich so hin. ebenda.
c)
in gleichem oder ähnlichen sinne, einschränkend oder zweifelnd, sagen wir so so, wofür früher auch so und so erscheint. vgl. oben 1, i: Livius. hat der herr erfahren, von wannen und aus welchem geschlecht sie sey? Gism. ich habe so und so was bericht eingezogen, aber es soll nicht lang anstehen, so will ich es gantz und gründlich erfahren. A. Gryphius 1 (1698), 858; das essen war so und so. handschr. v. 1753 bei Schöpf 678; Mellefont ... sie befinden sich doch besser? so, so! Lessing 2, 58; eine neuere deutsche (übersetzung des Terenz), die wir haben, hat das verdienst der richtigkeit so so, aber das verdienst der komischen sprache fehlt ihr gänzlich. 7, 325; da dieses vortreffliche stück (Diderots hausvater), welches den Franzosen nur so so gefällt, — wenigstens hat es mit müh und noth kaum ein oder zweymal auf dem Pariser theater erscheinen dürfen, — sich, allem ansehen nach, lange, sehr lange, und warum nicht immer? auf unsern bühnen erhalten wird. 376; gott gebe, dasz ihnen das ding (Nathan d. w.) wenigstens so so gefallen mag! 12, 530; es gehet so, so, mittelmäszig. Adelung; es ist nun so, so, bedenklich. ebenda; es ist wahr, ihre gesichtsfarbe geht noch mit, ihre züge sind so so, ihre augen wenigstens aufmunternd genug; aber was sie für füsze hat. Wieland 1, 118; der oberkeller ist so so, aber doch fast ein ehrlicher mann, wenn man ihn gegen die andern bärenhäuter vergleicht. F. Müller 1, 279; hab' nothwendige sachen, zwar nicht von wichtigkeit, aber doch so, so! 2, 47; der marquis von A*** war ein junger mann, der seinem vergnügen lebte, liebenswürdig und angenehm, der aber übrigens so so von der weiblichen tugend dachte. Schiller 3, 535; mit dem feldbau geht es nur so so. Göthe 11, 309; während der französischen revoluzion wollten wir nicht viel aus uns machen, sondern sagten: wir wären leider so so, und halbe sklaven. J. Paul friedenpr. 10; Pizarro mde. Giubolei, schöne stimme, wüthender vortrag. Rocco, herr Seguin, so, so. Grillparzer 16 (1887), 107; drittens ist es mit geistern überhaupt soso. Freytag 7, 117; sehr ungeschickt aber war es, dasz er auf die frage: nicht wahr, es ist eine schöne gegend hier herum? die antwort gab: 'so, so, es geht an'. Auerbach dorfgesch. 2, 66;
man sagt dir rühmlich nach, ...
dasz du dir ruh erkiest auf einer rauhen streu,
die auf die harte banck ist so und so gemachet.
H. Chrph. v. Schönborn bei A. Gryphius 2 (1698), 31;
er machte auch verse — so, so! — sie klangen nicht zum besten.
Wieland 5, 37 (n. Amad. 13, 1);
wofür auch wär' ich sonst der leyrer,
des saitenspiel bisher — so so! — noch klang?
Bürger 55ᵃ;
sind sie, wie die könige, so arm,
dasz sie keinen freund besitzen?
dann ist's freilich wohl so so!
Gökingk 1 (1780), 158;
wenn mir die reisen
nur sonst in ruh
so so noch glücken!
271;
doch stand's so so noch um die schlittenfahrt (es war
noch zweifelhaft, ob sie zu stande kommen würde).
2 (1781), 222.
auch so so, la la. s.la 2 oben theil 6, 3. ebenso erscheint bisweilen auch das einfache so: A. wie stehts mit ihrer gesundheit? B. danke, es geht so. in der verbindung so ein: das ist so 'ne sache, eine bedenkliche sache.
d)
so allgemeiner als ausdruck der unsicherheit bei angaben, die keinen besonderen anspruch auf genauigkeit machen: aber, wenn kann er kommen? wenn ist es ihr am gelegensten, jungfer? so in der demmerung? Lessing 1, 544; ich treffe das kloster auf meiner wanderung so gegen die dämmerung. Schiller räuber 2, 3; ich denke, er ist so in den funfzigen, oder wenn's hoch kommt, gegen sechzig. Shakesp. Heinr. IV. 1, 2, 4. in der alltagsrede oft beim gebrauch von so ein, so'n: als ich da stand, kam mir so'n kerl entgegen und sagte, ich sollte weggehen. ebenso bei so mit unmittelbar folgendem substantiv: es kamen mir da so kerle entgegen. ähnlich, in näherer beziehung zum verbum: er hat so seine grillen. Schiller räuber schausp. 2, 3. oder so, einer bestimmung nachgesetzt, um sie als ungewisz zu bezeichnen: um'n uhren neun oder so. Müller Siegfr. v. Lindenb. 2, 172, so auch noch heute. ungewöhnlicher mit folgendem subst.: der mann .. fabricirte ein dutzend oder so nägel von kupferblech. 1, 152.
e)
weiter dann oft in der bedeutung: ohne besondere zwecke, mittel oder rücksichten, die man voraussetzen könnte. häufig in der verbindung nur so: auch entdecken sich die begriffe, die man nur so bei gelegenheit auffindet, in keiner ordnung und systematischen einheit. Kant 2, 101; das war nur so meine meynung. Schiller kab. u. liebe 2, 6; zweymal wurd' ich glücklich herausgewunden, das drittemal brach ein rad und ich muszte mich noch nur so hereinschleppen lassen. Göthe 15, 38; meine abgaben, zölle und geleite habe ich nur so bezahlt, weil es einmal hergebracht ist. 20, 147; dieser mann war unerschöpflich in worten, es strömte nur so aus dem munde. 34, 124; mein Franz hat mir erst gestern geschrieben, ich möchte ew. hoheit von ihm grüszen. das kleine kerlchen denkt, dergleichen geht nur so. Freytag handschr. 2, 435;
doch dieses sag ich nur so im vorübergehen.
Lessing 1, 128;
ich werfe dir nichts vor, ich meine ja nur so.
Göthe 7, 45;
aber den menschen, der alles erhält, wenn er tüchtig und gut ist,
und der alles zerstreut und zerstört durch falsches beginnen,
diesen nimmt man nur so auf glück und zufall ins haus ein.
40, 314;
sagt mir! was meynt' er mit dem gökelhahn,
den der feldherr nicht krähen hören kann?
es war wohl nur so gesagt ihm zum schimpf und hohne?
Schiller Wallensteins lager 9.
nd. und in der hd. umgangssprache nd. gegenden man so: ik meen man so; ich denke mir das man so; A. warum sagst du das? B. man so, ich meine nichts böses damit. ähnlich so gerade:
mich so
gerad' bei seit' zu werfen, dazu bin ich
euch noch zu mächtig.
Schiller Picc. 2, 7.
in solchem sinne wird dann auch auszerhalb dieser wendungen so gebraucht:
ich ging im walde
so für mich hin,
und nichts zu suchen
das war mein sinn.
Göthe 1, 27;
ja, ihr gehört auch so zur ganzen masse.
Schiller Wallensteins lager 6;
ihr lebt so drauszen bey den bauern.
ebenda.
gern bei verben der benennung: was man so tugend nennt, ist oft etwas sehr äuszerliches;
ja was was man so erkennen heiszt!
wer darf das kind beim rechten namen nennen?
Göthe 12, 38.
häufig in der ursprünglich wol nur citierenden verbindung so genannt: der so genannte priester, dem man den titel nicht völlig zugestehen will. Adelung, auch sogenannt geschrieben (s. dies). in gleichem sinne sogeheiszen: eine sehr geräumige, wohlmoblirte wohnung auf einer anhöhe, ein so geheisznes schlosz, Grünenstein genannt, wartete seiner. Hegner 2, 122. ähnlich so zu sagen, wobei dann die einschränkung ironisch gemeint sein kann, auch sozusagen geschrieben: wir riechen, so zu sagen, den schatten eines lieblichen duftes. Wieland 1, 155; ich bin, um mit lieutenant Wallen zu reden, so zu sagen in verzweiflung, dasz sie diesmal an unsern theatralischen abenteuern keinen antheil nehmen können. Göthe an Schiller 28. april 1798;
der bauer ist auch ein mensch — so zu sagen.
Schiller Wallensteins lager 10;
sind wir sozusagen
nicht noch ein volk für uns?
Ludwig 3 (1891), 312.
4)
sich eng mit 3, e berührend: ohne hinzutreten eines bestimmten umstandes, einer bestimmten bedingung: isz die äpfel so, ungeschält. Albrecht 213; lege die kohlen gleich so an, unzerschlagen. ebenda; wat krijst du'n darvor? det mach ik so, umsonst. Brendike Berliner wortsch. zu den zeiten kaiser Wilhelms I. 182ᵇ. wie ohnehin, ohnedies: ich weisz es so, praeter hoc. Steinbach 2, 596; über dein musikalisches evangelium und über alles was du mir liebes und schönes schreibst, hätte ich dir so heute nichts sagen können. Bettine br. 1, 186; bleib mir nun auch hübsch bei der stange und gehe nicht zu sehr ins blaue; ich fürchte so, dasz die zerstreuungen eines besuchten badeorts deine idealen eingebungen ... verdrängen werden. 339; ich bin ihm so nicht gewogen. Spiesz 234; dat weet ik so wol. Schütze 4, 153;
halt, sprach das glücke, mit dem prahlen,
dein freyes maul ist so bekannt.
Günther bei Steinbach 2, 596;
ja, und wie lang wird's stehen an,
so nehmen sie uns auch noch den feldhauptmann —
sie sind ihm am hofe so nicht grün.
Schiller Wallensteins lager 11;
wir haben so der guten freunde wenig.
Picc. 2, 2.
5)
nd. ohne verlauf von zeit, von der nächsten zukunft: hê mut so wër kamen. ten Doornkaat Koolman 3, 253ᵃ; ik sin sô feddig. Woeste 247ᵇ und von der jüngsten vergangenheit: ik sin sô bime we̹st ebenda, so auch in der hd. umgangssprache nd. gegenden. diesem einfachen so stehen die die nächste zukunft bezeichnenden hd. verbindungen sofort, sogleich (s. diese unten) nahe, in denen so jedoch auch als einfache verstärkung aufgefaszt werden kann. vgl. oben 2. das gilt auch für so eben, das heute meist von der jüngsten vergangenheit gebraucht wird, daneben aber auch die nächste zukunft oder die unmittelbare gegenwart bezeichnen kann:
den erwartet man
so eben.
Schiller don Karlos 4, 23;
so eben
geh' ich nach Rom.
Göthe 40, 139;
ich hatte so eben
vor mein schlosz mich gestellt und las die gebete des morgens.
148.
s. auch eben 4 oben theil 3, 10. nordd. auch so und so, beinahe.
B.
conjunctionaler anwendung nahekommend.
1)
syntactisch gleichartiges verbindend.
a)
inhaltlich verwandte, zu einander in beziehung stehende sätze verknüpfend im sinne von auch: eʒ hât etelîchiu spîse den smac, für daʒ dû sie ze éinem mâle enpfæhest, sô bist dû wîs âne tumpheit. sô hât etelîchiu den smac, für daʒ dû sie ze éinem mâle enpfæhest, für baʒ iemer mêre hâst dû sælikeit ân ungelücke. Berthold v. Regensburg 1, 229, 33; graben mag ich nicht, so scheme ich mich zu betteln. Luc. 16, 3; diesen sabbath hat uns Christus ym grabe fürgebildet, da hielt er den sabbath recht, da ligt er ynn der ruge und feyer, enthelt sich von allen wercken, er sihet nicht, er höret nicht, er schlefft nicht, ... er stehet nicht, so gehet er nicht. Luther 16, 480, 31 Weim. ausg.;
seht wie jâmerlîch ich (der 'hof ze Wiene') stê.
mîn dach ist fûl, sô rîsent mîne wende.
Walther 25, 5;
diu zît ist uns so wol gestalt,
wan siht dur daʒ gras ûf dringen
vîol und rôsen rôt;
dâ bî loubet uns der walt,
sô hœrt man die vogel' singen
suoʒe, als in diu zit gebôt.
minnes. 1, 358ᵇ Hagen;
darumb gebruchent uch der zyt,
im alter gilt es alles nüt:
das fleisch ist hyn, so lummendt hüt!
Murner geuchm. 1976 Uhl.
verstärkt durch auch: und wurden meine knecht und gesellen, erwürgt und erstochen, so fehlete es mir auch nit weit. Berlichingen 147; Meyer grüszt schönstens und wird selbst schreiben, so dankt auch Schiller für das überschickte exemplar. Göthe br. 13, 323 Weim. ausg. (an Knebel, 18. nov. 1798). zur verknüpfung von satztheilen dienend, die zu zu einem andern die gleiche beziehung haben:
des menschen leben scheint ein herrlich loos:
der tag, wie lieblich (sc. scheint er), so die nacht wie grosz!
Göthe 3, 21;
das musterbild der männer, so der frauen,
in deutlichen gestalten will er schauen.
41, 71;
die schlüssel übt er wie sanct Peter,
das untre so das obre schlieszt er auf.
96.
in solcher anwendung erscheint auch mehrfaches so, mit zutritt von und:
das reckt nun, es will sich ergetzen sogleich,
die knöchel zur runde, zum kranze,
so arm und so jung, und so alt und so reich;
doch hindern die schleppen am tanze.
1, 229
und ohne und: in (den witwen) ist al umbe sich wîte wê, wan sie drücket nû manigeʒ sô mit gewalt, sô mit smæhe. Berthold v. Regensburg 1, 330, 29; man lot sie verderben, so von hunger, so von weetagen. Keisersberg post. 3, 40; darum̃ so die einwoner, so die auszländer, brechen stein ausz des selben (S. Pauls) hülin, tragends für gifft bey jnen. Münster cosmogr. 364; hier solte einer wunder hören, wie in jhrem so mündlichen so schrifftlichen vorbringen die teutsche sprach noth leidet. sprachverderber 39;
sich, Minne, sich, swer alsô spehe,   der sî dîn kint,
sô wîp sô man:   die andern dû vertrîp.
Walther 102, 14;
er hæte nû den tôt erkorn.
wan daʒ ich mit liste
kûme in gefriste,
sô mit drô sô mit bete,
daʒ er im selben niht entete.
Fleck Flore u. Bl. 2457;
und doch bleibt was liebes immer,
so im reden so im denken.
Göthe 3, 276.
ebenso so — als: in dessen kehren der heydnischen hohenpriester und Apollo, ein verworffener buler, höchsten fleisz an, den kayser M. Aurelium hinterlistig zu dem tode der gefangenen zu bewegen, so umb dasz sie den heydnischen aberglauben verworffen: als umb das Felicitas den jungfrauen die keuschheit gerathen. A. Gryphius 1 (1698), 478; ein feldherr ist es, der jetzt das ganze heer repräsentirt, hinter den so kaiser und könige, für die er kämpft, in's trübe zurücktreten. Göthe 21, 116;
obgleich ein solcher held, der nur sein theures blut
zum aderlassen spahrt, nicht grosse wunder thut,
und wenn ihm nichts gefehlt, als mandeln und muscaten,
wohl eh, aus blödigkeit, so land als stadt verrathen.
Canitz 102;
wie ruhig ist ein herz, das seine pflichten kennt!
das jede seine lust, wie seine richtschnur, nennt!
von ihm, und nur von ihm, wird freundschaft recht geschätzet,
die, wahrer dichtkunst gleich, so bessert, als ergötzet.
Hagedorn 1, 49;
so geduld als zeit verstrich.
3, 89;
des aufgesperrten rachens kluft,
ist so der fisch' als menschen gruft.
Lichtwer fab. 3, 3;
hier, wo so lieb' als klugheit spricht:
ihr schönen, trotz der kinderpflicht,
vergeszt euch selber nicht!
Lessing 1, 118;
ein orden, der so fein zum staatssysteme paszte,
dasz er so hof als stadt und gar
die nachbarschaften in sich faszte.
Gotter 1, 200;
um da durch predigt und gesang,
so lieb' als wein, die eitelkeiten!
ohn roth zu werden, zu bestreiten.
Gökingk 1 (1780), 86;
womit verdienet der, verdacht?
und doch, Tertullia, betrübet
der deine mich so tag als nacht.
103;
so oft nach seinem (eines freundes) kusz
und seinem trost so herz als lippen dürsten.
2 (1781), 23;
willkommen ist dein brief,
so deinem herrn, der weint', als mir, der schlief.
234;
doch fühlt' er kaum ihn (den busen) sanfte wellen schlagen,
als sich beinah so muth als wuth verlor.
250;
die zeit sie mäht so rosen als dornen.
Göthe 2, 254;
glückselig ist, wer liebe rein genieszt.
weil doch zuletzt das grab so lieb' als hasz verschlieszt.
ebenda.
den gleichen sinn nimmt die verbindung so wohl, sowohl — als (auch) an. s. unten sowohl. dafür auch so gut — als:
einen gang zu bauen,
durch den ihn mit bequemlichkeit,
so gut die mädchen als die frauen ...
besuchen könten
Gökingk 1 (1780), 84.
ebenso so — wie:
trotziger unheilstifter, Antinoos, preisen doch alle
dich in Ithaka's volk den trefflichsten deiner gespielen,
so an verstand wie an reden.
Voss Od. 16, 420;
alle nunmehr, so götter wie gaulgerüstete männer.
schliefen die ganze nacht.
Il. 2, 1.
auch zusammengerückt:
lasz die thoren, die zu wagen,
so wie die zu rosz und fusz,
böses oder gutes sagen.
Gökingk 1, 80,
heute meist sowie geschrieben, s. dies. in gleichem sinne so gut — wie, vgl. oben so gut — als. bei fällen gleich dem folgenden kann man zweifeln, ob eine vergleichung im sinne von 1, l oder eine einfache copulative verbindung vorliegt:
so aufgeregt als treulich
so treusam wie erfreulich
stimmet zusammen
in herzlichem sang!
Göthe 3, 78.
so — und: so tag und nacht ... sich gebrauchen lassen. Kirchhof milit. discipl. 66;
dasz einem so hören und sehen vergeht.
Göthe 1, 196.
b)
entgegengesetztes verknüpfend im sinne von 'aber'. auch hier besteht ja eine gewisse gemeinsame beziehung, ohne die eine solche gegenüberstellung überhaupt nicht denkbar ist. so erklärt sich die entwicklung dieser anwendung aus der vorigen: die heissent Gelfe in welschen landen, die es mit dem bobeste haltend wider einen keyser: so sint daz Gibelinge, die mit eime keyser sint wider einen bobest. d. städtechron. 8, 464, 2 (Straszburg. Königshofen); ich bin glat so ist mein bruͦder Esau harig und ruch. Keisersberg sünden d. munds 16ᵃ;
der sunnen gan ich dir,
sô schîne mir der mâne!
minnes. 1, 36ᵃ Hagen;
ich bin ein künic rîche,   sô bistu küniges man.
Nib. 117, 3;
mîn lîp ist hie, sô wont bî ir mîn sin.
Walther 44, 17;
er (gott) ist noch liehter denne der tac, ...
sîn triwe der werlde ie helfe bôt.
sô heiʒet einr der helle wirt:
der ist swarz, untriwe in niht verbirt.
Wolfram Parz. 119, 25;
im sommer hab ich (die ameise) des winters acht,
so tödtet dich (die fliege) hunger und schmacht.
Waldis Es. 1, 30, 44.
wird etwas nur hypothetisch ausgesprochen, dem dann das thatsächlich vorhandene gegenübergestellt wird, so steht so als einleitung des letzteren der unter 1, m erwähnten anwendung näher: besser wer es dir, deiner arbeit zu warten und etwas zu verdienen; so ligstu nicht allein dir selber zu groszem schaden täglich im bier zu pleddern, sondern wilt auch allweg gesehen sein und mehr denn andere ein voraus machen. Kirchhof wendunm. 3, 123 Österley; die keyserischen meynten, er (der von ihnen in der Engelsburg belagerte papst Clemens) schicke aus, geld zu sammeln (damit er ihnen das lösegeld zahlen könne), so bewarb er sich umb hülff und kriegszvolk. quelle bei Schmeller² 2, 205; man solte auch hier von der Francken bier etwas sagen, so achten die Francken keiner bier, sie haben wein gnug in ihrem lande. Coler hausb. (1680), öcon. 1, 24ᵃ;
(ich) wil wenn (wähnen), sie hab mich lieb allein;
so bulen mit ir unser zwen.
H. Sachs 17, 21, 18 Keller-Götze;
mit aber verbunden: ich hätte wohl gewollt, so aber durfte ich nicht. Campe. so noch heute, sonst kaum noch gebräuchlich.
c)
gleichzeitigkeit oder zeitliche folge bezeichnend:
eʒ stuont ein frouwe alleine,
und warte uber heide,
und warte ir liebe.
sô gesach si valken vliegen.
minnesangs frühl. 37, 7;
al weinde er lief zer künegîn.
sô sprach si 'wer hât dir getân? ...
Wolfram Parz. 118, 19;
da lief mir was durch's ganze blut,
ich seh', so ist's ein liebes mädchen.
Göthe 1, 23;
die frau kam und sagte: Schiller du muszt dich anziehen, es ist zeit. so geht Schiller ins andere zimmer und läszt mich allein. Zelter an Göthe 749. so auch in verbindung mit dann, s. unten sodann. steht in dem ersten satz eine adverbiale zeitliche bestimmung, so kann die verknüpfung der beiden sätze enger erscheinen. trotz grammatischer selbständigkeit ist dann der erste dem zweiten oft logisch untergeordnet und das verhältnis der beiden der unter 2, a, α erwähnten fügung nahekommend: kaum befand er sich allein, so war die erste wirkung derselben (der rede), dass dieses lächeln sich in ein lachen verwandelte. Wieland 1, 116; es währete nicht lange, so liesz er mir sagen. Adelung; ich lag eben auf dem siechbett, hatte kaum angefangen aus einer schweren krankheit etwas kräfte zu sammeln, so führte man einen mann zu mir, der vorgab, mein erstgeborner sey gestorben in der schlacht. Schiller räuber schausp. 4, 5; es dauerte nicht viele wochen, so kamen briefe des alten herrn, Brandolfs vater, die vom lobe der frau Hedwig von Lohausen und von dem neuen stande der dinge voll waren. Keller 7 (1899), 162; es dauerte nicht lange, so hiesz es bei der studierenden jugend überall: heimgereist. 182.
d)
ein ergebnis, eine folgerung anknüpfend: dheasa stat auh meinit in dhemu e̜bræischen chiscribe: 'endi siin restin scal uuesan ærliihhu'. sô chiuuisso ist dhazs imu arsterbandemu siin fleisc ni chisah ênigan unuuillun. Isidor 43, 18 Hench;
verräther sind sie einmal, müssen's seyn,
so machen sie aus der noth wohl eine tugend.
Schiller Picc. 3, 1.
in verbindung mit und:
es hört in diesem augenblick
der herzog nur den alten hasz und groll,
giebt das gemeine beste preis, die rachgier
an einem alten feinde zu vergnügen.
und so fällt Regenspurg!
2, 7.
mit denn, denn auch, die hinter das verbum treten: er hatte thatsächlich seine pflicht verletzt, (und) so wurde er denn (auch) bestraft;
ihr (lieder) wart ins wasser eingeschrieben;
so flieszt denn auch mit ihm davon.
Göthe 1, 68.
vgl. weiter unten somit, sonach. auch an eine äuszerung eines andern kann ein folgerndes so anknüpfen, besonders wenn der damit eingeleitete satz eine absicht, eine aufforderung oder einen wunsch enthält: A. der herr wartet drauszen. B. so lassen sie ihn eintreten;
im rieten sîne mâge   und ander sîne man,
sît er ûf stæte minne   tragen wolde wân,
daʒ er eine danne wurbe   diu im möhte zemen.
dô sprach der edel Sifrit   'so wil ich Kriemhilden nemen'.
Nib. 49, 4;
er sprach 'ich heiʒe Sîfrit:   ich wânde ich wære iu wol bekant'.
'so wol mich dirre mære'   sprach Albrîch daʒ getwerc.
469, 1.
so als einleitung eines elliptischen satzes, der an syntactisch selbständiges anknüpft, in älterer sprache:
thaʒ ander al, theist niwiht:   theist frides furista gesiht,
selben gotes nâhwist;   sô wola nan, ther thâr (im himmel) ist.
Otfrid 4, 5 40.
ähnlich: warum soll ich ihm die freude nicht machen? auch ist es aufrichtiger, für seinen gegner mit zu sehen. so denn also! Lessing 10, 66.
e)
damit berühren sich fälle, in denen der satz, zu dem der mit so eingeleitete satz in beziehung steht, einem bedingungssatz inhaltlich nahekommt.
α)
so nach einem imperativ: mîn dobter nu arstarb, ouh quim inti sezzi thîna hant ubar sia, sô lebêt siu. Tat. 60, 2; allu thiu ir betônte bittet, giloubet thaʒ ir inphâhet, sô quimit iu. 121, 4: pite mih ... sô gibo ih tir dîn erbe. Notker ps. 2, 8; nu vernemet diu mâre, dîe ih iu vone imo sagon, sô bechennet ir in speciosum forma prae filiis hominum. Williram 87, 4 Seemüller; nu bittit hiute den almahtigin got umbe iwer sunde ... sô sage ich iu wârlîche daʒ diu sîn gnâde unde sîn trôst ubir iuch chumt. spec. eccl. 65; bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet jr finden. klopffet an, so wird euch auffgethan. Matth. 7, 7; erinnert euch dessen, so werdet ihr leichter beschlissen. Steinbach 2, 596; verstopfet eure sinnen, sagen sie, so werdet ihr dinge sehen und hören, wovon diese thierischen menschen ... sich keinen begriff machen können. Wieland 1, 156;
drahto io zi guate,   sô waʒ thir got gibiete;
îlị iʒ io irfulten   mit mihilemo willen
bilido io filu fram   thesan heilegon man:
sô drinkist du io mit willen   thes lûteren brunnen.
Otfrid 2, 9, 68;
thaʒ giscrîp in rihti   irfulli thu io mit mahti:
sô kualist thu thih ofto   mit brunnen redihafto.
92;
senftent iuwer riuwe
die ir dâ habent umbe mich:
sô bedenket ouch der vater sich.
Hartmann a. Heinr. 740;
nû vüeret mich mit iu hin:
sô handelt ir mich harte wol.
Iwein 3635;
wis dû von dan, lâ mich bî in: sô leben wir senfte beide.
Walther 35, 26;
sît milte, fridebære, lât iuch in wirde schouwen:
sô lobent iuch die reinen süeʒen frouwen.
36, 16;
minne got, sô maht dû frô belîben.
37, 29;
lasz nur in blend- und zauberwerken
dich von dem lügengeist bestärken,
so hab' ich dich schon unbedingt.
Göthe 12, 92;
einen wunschsatz einleitend:
daʒ tuo ab noch, daʒ rât ich dir,
sô helfe dir got.
Hartmann Greg. 2692.
ebenso sonst nach einem satz, der eine aufforderung, eine absicht oder einen wunsch ausdrückt: du hättest sie sollen ruhig machen, so sähe ich doch den nutzen von deiner geschicklichkeit. Gellert bei Adelung;
ich wil im mînes brôtes gebn.
sô lât er mich vil lîhte lebn.
Hartmann Iwein 3302;
ich wolte daʒ ir ougen an ir nacke stüenden:
sô müeʒt eʒ ân ir danc geschehen.
Walther 56, 4.
nach vorausgegangenem schwur: ich, Philipp ... gelobe und schwöre ... so müsse mir gott helfen und alle seine heiligen. Schiller 7, 59. in einem elliptischen wunschsatz:
got behuͦte uns disen chunich iungen ...
sô wê dem der ime geswîche.
Diemer d. ged. d. 11. u. 12. jahrh. 199, 28.
β)
nach einem satz andrer art: ihr misztraut meinen worten? so glaubt diesem schriftlichen zeugnisz. Schiller kab. u. l. 5, 2;
er darf sich nur bemühn,
dasz sein sohn keine schew und kein gewissen hat,
so ist schon alles gut, so ist schon allem rath.
Logau 1, 274, 36;
er darf nur spröde thun: so wird er sie erbitten.
Gellert 3 (1775), 376;
was gebt ihr mir? so tret' ich meine stell'
euch ab.
Lessing 2, 209;
bist du geselle
ein flüchtling der hölle?
so sieh diesz zeichen!
Göthe 12, 68.
ähnlich so — doch nach einer zweifelnden frage, adversativ:
was wäre zu thun in der herbstlichen nacht?
so hab' ich doch manche noch schlimmer vollbracht.
Göthe 1, 195.
f)
in einem wunschsatz erscheint so auch wol vorausdeutend:
self (= so helf) iu got, entsint mir niht gehaʒ.
Ulrich v. Zazikhoven Lanz. 4292.
2)
syntactisch ungleichartiges verknüpfend, vor dem übergeordneten.
a)
so als einleitung eines hauptsatzes, der durch einen (in der regel vorausgehenden) adverbialen nebensatz näher bestimmt wird. dieser allgemeine gebrauch eines völlig verblaszten so erklärt sich von so bei vergleichssätzen (s. oben A, 1, l) aus, für die entwicklung kommen aber auch die unter A, 1, a, β und B, 1 erwähnten anwendungen in betracht.
α)
nach einem temporalen nebensatze, so — so, in älterer sprache:
sô sie thô thâr gibetôtun,   thie fîra gientôtun,
sô îltun sie heim sâr.
Otfrid 1, 22, 8;
sô siu thô heim quâmun,   sih umbibisâhun
sâr io thes sinthes:   sô mistun siu thes kindes.
20.
neben anderen conjunctionen: innedes ê diu generalis diuisio bonorum et malorum geschehe, sô sint permixti dîe ueri praedicatores unte dîe non sinceri praedicatores alsamo dîe reginae unte dîe concubinae. Williram 103, 4 Seemüller; und wie er sie (die hand) mir geben hett, so gieng ich hin zu graf Ludwigen von Hanau. Berlichingen 118; und wie wir also halten, und haben das maul offen, so stehen 3. waidlicher gesellen neben uns. 137; als ich meine liebe frau heirathete, so war ich ihr weder gram, noch gut. Gellert 3 (1775), 290; als ich gebetet hatte, so ging ich in die kirche. Adelung; nachdem er es gesagt hatte, so schwieg er. ebenda; seitdem die Aldobrandinische hochzeit dem weit und breit gewaltigen Buonaparte glücklich entronnen und vor wenigen tagen, in Stäfa angelangt war, so konnte der wunsch nicht auszen bleiben, dieses dem moder und den Franzosen entrissene bild schon in Weimar aufgestellt und auch von ihnen beleuchtet zu sehen. Göthe 43, 233;
unz druhtîn thâr saʒ eino,   sô quam ein wîb thara thô.
Otfrid 2, 14, 13;
unz thu jung wâri,   sô was thir thaʒ gizâmi,
thaʒ thu thir selbo gurtôs   joh giangi, thara thu woltôs.
5, 15, 39;
ê ir scheidet hin,
sô nemet mîne gabe
Nib. 309, 2;
und als der morgen kaum noch angebrochen,
so stand er emsig vor der staffelei.
Körner 1, 232.
Adelung bemerkt, dasz mit diesem so, wenn es eine blosze zeitfolge bezeichne, viel miszbrauch vorgehe und es oft sehr überflüssig gesetzt werde. nur dann will er es gelten lassen, wenn der vordersatz lang ist und wiederum aus mehreren gliedern besteht, wo es notwendig werden könne. ebenso erscheint es ihm untadelhaft, wenn die zeitfolge zugleich die ursache enthält. beides trifft für die oben angeführte stelle Göthe 43, 233 zu. einem causalsatz nähert sich der nebensatz auch in fällen gleich den folgenden:
ouch ist eʒ leider sô gewant:
die wîl sî unerwunden sint,
sône mac ich mîn kint
deheinem manne gegebn.
Hartmann Iwein 6612.
dieweil und andre conjunctionen entwickeln sich ja auch aus temporalen zu causalen. vgl. β. in andren fällen steht der temporalsatz einem conditionalsatze nahe, neben so, sose (aus so so): sô ih post debellatum mundi principem mit gloria resurrectionis unte mit palma uictoriae uuirdon a patre coronatus, sô uuirdit fructus palmae, id est, mysterium crucis meae, aller der uuerlte geoffenôt. Williram 122, 8 Seemüller;
sôse snel snellemo   pegagenet andermo,
sô uuirdet slîemo   firsniten sciltrîemo.
Müllenhoff-Scherer denkm.³ 1, 56 (nr. 26).
neben wenn: wenn du aber almosen gibst, so las deine lincke hand nicht wissen, was die rechte thut. Matth. 6, 3; wenn du aber betest, so gehe in dein kemmerlin, und schleus die thür zu. 6;
wenn ich sol schlaffen,
so musz ich wachen
und trawrig seyn.
Venusgärtl. 30 neudruck.
wenn wird aus einer zeitlichen eine conditionale conjunction. vgl. δ. auch in fügungen gleich der folgenden mischt sich temporaler und conditionaler sinn: hatte man in einer solchen patriotischen beschränkung kaum ein halbes jahr hingebracht, so traten schon die messen wieder ein. Göthe 24, 30.
β)
nach einem causalen nebensatze: uuante mîn sponsus ist deus et homo, sô ist er geuualtig per diuinitatem sînen holdon zegebene dona spiritus sancti, quae per oculos eius significantur. Williram 89, 4 Seemüller; weil du des sinnes bist (kämpfen zu wollen), so wollen wir unsz ein wenig anthun und bald wieder zu euch kommen. Berlichingen 138; da dieses vortreffliche stück ... sich, allem ansehen nach, lange, sehr lange, und warum nicht immer? auf unsern bühnen erhalten wird; da es auch hier nicht oft genug wird können gespielt werden: so hoffe ich, raum und gelegenheit genug zu haben, alles auszukramen, was ich sowohl über das stück selbst, als über das ganze dramatische system des verfassers, von zeit zu zeit angemerkt habe. Lessing 7, 376; weil du des herrn wort verworfen hast, so hat der herr dich wieder verworfen. Adelung; da die sache schon überall bekannt ist, so darf man weiter kein geheimnisz daraus machen. ebenda; da er selbst von seinem system besser überzeugt war, als irgend ein bonze von der kraft der amulete, die er seinen dankbaren gläubigen austheilt, so zweifelte er nicht, Agathon würde durch einen freymüthigen vortrag besser zu gewinnen seyn, als durch die rednerischen kunstgriffe. Wieland 1, 126; da sie selbst zu keinem besondern staatskörper gehören, so geniessen sie die vorrechte eines weltbürgers. 185; da nun also das einreiszen und aufrichten allmälig geschah, so hatte mein vater sich vorgenommen, nicht aus dem hause zu weichen. Göthe 24, 20;
sît wir ir niht erkennen,   sô sult ir heiʒen gân
nâch mînem œheim Hagnen:   den sult ir si sehen lân.
Nib. 82, 3;
wandeʒ an in was verlân,
sô wart eʒ wol verendet,
verbürget und verpfendet,
daʒ sî ir erbeteil enpfienc.
Hartmann Iwein 7719;
want ir dri (die heil. dreieinigkeit) vermogit alremeist,
so bidde ich dat ir mir doit volleist
zo einem boiche, dat ich wil beginnen
von dingen, de zo Colne enbinnen
der heilger stede sint gescheit.
d. städtechron. 12, 22, 5 (Cöln, Hagen);
weil nun der letzte ärger ihr
noch spukt' im tabernakel,
so trieb sie vor der himmelsthür
viel unfug und spectakel.
Bürger 48ᵃ.
γ)
nach einem finalen nebensatze: unde abo ne gratia eius in me uacua sit, al dîe uuîla, sô die fideles eius hîe sint circumdati testa corporis, unte sîe ne mugon conscientias suas alterutrum peruidere, îetemêr der nucleus sub testa mag apparere: sô neuuil ih nîet sîn sollicitudine pigra. Williram 107, 12 Seemüller; damit ich unerkannt bleibe, so müszt ihr mich für eine person von eurer verwandtschaft ausgeben. Weisze bei Adelung; damit das volk keine zeit hätte, eine so schnöde staatsverwaltung genauer zu beobachten, so bauete er schauspielhäuser. Wieland 1, 168.
δ)
nach einem conditionalen nebensatze, sich oft mit α berührend, so — so: sôʒ regenôt, sô naʒʒent tî bôuma. Müllenhoff-Scherer denkm.³ 1, 58 (nr. 27, 1), 9; sô du von in (haereticis) gelernest, sône uuerdent dîne auditores oues, dîe iustos bezêichenent, sunter haedi, dîe peccatores bezêichenent. Williram 14, 10 Seemüller; sô sîe circumcidunt corda sua et non carnem suam, sô machent sîe mir dignam ascensionem in mentem suam, quasi in montem Carmeli. 119, 10; so jr nicht gleubet, das ichs sey, so werdet jr sterben in ewren sünden. Joh. 8, 24; so jr bleiben werdet an meiner rede, so seid jr meine rechte jünger. 31; so du fragest (zu wissen begehrest), was da sey gelahrt (geschickt) seyn, so habe zur antwort. Comenius sprachenth. übers. v. Docemius (1657) 2; so jemand durchs gegitter .. heraus schawet, so bitte, dasz auffgethan werde. 541; so etwas von dem wägener in der wage nach dem loth (gegengewicht) gewogen wird, so nimb das zünglein in acht. 766;
sô thu therâ heimwisti   niuʒist mit gilusti,
sô bistu gote liober,   ni intrâtist scadon niamêr.
Otfrid 1, 18, 46;
sô dû mir rehte widersagest,
sô wirst dû niemer wol gemuot.
Walther 101, 4;
ihr söhne, so ihr noch mich könnet mutter nennen,
so nehmt von meiner hand disz kurtze büchlein hin.
Fleming 113.
nach andern conjunctionen: ube ir hiûto gehôrent sîna stimna. sô neferhertent iuuueriû herzen. Notker ps. 94, 8; obe du dîne gloriam unte dîne uuâtlîche nîene uuollest habên intra conscientiam, ... sône maht ôuch mîn trûtin sîn, sô skêide offeno uone mir unte gehabe dih ad haereticos. Williram 14, 7 Seemüller; ob jemand sündiget, so haben wir einen fursprecher bey dem vater, Jhesum Christum, der gerecht ist. 1 Joh. 2, 1; wo (= wenn, si) du denn solches findest, so gehe doch, dir zu gut, in s. Paulus epistel an die Galater, und höre was dein fleisch für ein früchtlin sey. Luther 4, 430ᵃ; ob man dich fragt, wo dein herr sey, so magstu antworten. buch d. l. 264ᵇ; ob die zeit kompt des ends; so verschwinden sie zum küloch ausz. Paracelsus chir. schr. 367 B; wann dem also ist, [so] müssen wir darvon lauffen. Hulsius (1616) 299ᵇ; wenn du wilt, so wollen sie nicht. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 750ᵃ; wann ein frembder uns unversehens also bey einander zu tisch hätte sitzen sehen, so hätte er sich ohn zweiffel eingebildet, die alte Circe wäre wieder auferstanden. Simpl. 1, 137, 3 Kurz; wann die jugend wüste, was das alter brauchet, so würde sie einen ducaten eher 100. mal umkehren, als einmal ausgeben. 2, 163, 4; wenn du willst, so will ich auch. Stieler 2050; wann ich geld hätte, so hätte ich auch freunde. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 826ᶜ; wenn man will klug seyn, so musz man sich der weltweisheit befleiszigen. Steinbach 2, 596; wenn ich eine frau kriege, welche die gesellschaften nicht liebt: so will ich zwo maitressen ihr zum possen halten. Gellert 3 (1775), 285; wenn ich mir nunmehr was gutes wünschen sollte, so möchte ich nun bald was gutes essen. 288; wenn es gut gehet, so kann ich wol ein paar tausend thaler dabey gewinnen. 292; wenn die liebe nichts ist als eine pflicht: so wunderts mich wie sie so viele herzen an sich ziehen kann. derselbe bei Adelung; wenn wir auf das thun und lassen der menschen acht geben, mein lieber Kallias, so scheint zwar, dass alle ihre sorgen und bemühungen kein andres ziel haben als sich glücklich zu machen. Wieland 1, 129; wenn es eine erhabnere art von glückseligkeit giebt, so können wir wenigstens gewiss seyn, dass sie nicht für uns gehört. 150; wenn man also von der schönheit spricht, so wird weder der materielle werth dieser zwecke noch die formale kunstmäszigkeit ihrer verbindung dabey in betracht gezogen. Schiller 10, 71; wenn man einen rechten park sehen will, so musz man nur vier wochen in der Schweiz umherziehen, und wenn man gebäude liebt, so musz man nach Rom gehen. Göthe 43, 232;
oba iʒ ward iowanne   in nôt zi fehtanne,
sô was er io thero redino   mit gotes kreftin oboro.
Otfrid Ludw. 22;
zwâre ob duʒ iemen sagest,
sô ist iemer gescheiden
diu vriuntschaft undr uns beiden.
Hartmann Iwein 961;
ob mir iuwer got gan,
sô bin ich wol mit iu bewart
vor aller vremden hôchvart.
2325;
ob wir dem schimpf heten zu vil getan,
so schült irs uns nit verübel han.
fastn. sp. 608, 11 Keller;
ob einst der feind wurd an jn tretten
und auff jn seine zäne wetzen,
so het er sich nit zu entsetzen.
Waldis Es. 1, 93, 10 Kurz;
wenn ich, o schöpfer! deine macht,
die weisheit deiner wege,
die liebe, die für alle wacht,
anbetend überlege:
so weis ich, von bewundrung voll,
nicht, wie ich dich erheben soll.
Gellert 2 (1775), 145;
wenn ich nicht mitleid mit ihr hätte,
so — hätt' ich wohl ein zuchthaus dort.
Bürger 90ᵃ;
wenn du, als jüngling, deinen vater ehrst,
so wirst du gern von ihm empfangen;
wenn du, als mann, die wissenschaft vermehrst,
so kann dein sohn zu höh'rem ziel gelangen.
Göthe 12, 59;
wenn diesz dir völlig g'nüge thut,
so mag es bei der fratze bleiben.
88;
wenn ich nicht will, so darf kein teufel seyn.
41, 102.
nach einem elliptischen satze solcher art: ein andermal bleib an dem heiligen tage zu hause, und den folgenden tag sieh zu, ob dir das schlittenfahren von statten geht, wo nicht so bleib wieder zu hause. Weise erzn. 190 neudruck. nach einem nebensatz ohne conjunction, der lediglich durch inversion (voranstellung des verbs, hülfsverbs) gekennzeichnet ist: uuollent sîe radicem mittere deorsum, sô mugon sîe facere fructum sursum. Williram 114, 6; finde ich funffzig gerechten zu Sodom in der stad, so will ich umb jrer willen alle den orten vergeben. 1 Mos. 18, 26; bistu gottes son, so sprich, das diese stein brot werden. Matth. 4, 3; bistu gottes son, so steig erab vom creutz. 27, 40; kanstu es nicht fülen, so gleube doch der schrifft. Luther 4, 430ᵃ; weistus nicht, so frage dein nachbarn drumb. ebenda; fülestu als denn auch nichts, so hastu deste mehr not zu klagen. ebenda; kannst du uff die gäule kommen, und dich an ihne machen, so kehre fleisz an, ob du ihne behalten kanst. Berlichingen 137; ist es sach, dasz du mir nicht leistest oder heltest, das du mir gelobet unnd geschworen hast, so solt du mich warlich verlieren, und mich nimmermehr gesehen. buch d. liebe 264ᵇ; hat man dir deine witz noch übrig gelassen, so gebrauche dich derselben zu deinem vortheil. Simpl. 1, 138, 2 Kurz; kömmt nun noch der ehesegen von kindern dazu: so sehe ich nicht, wie eine solche ehe ohne liebe seyn könnte. Gellert 3 (1775), 290; ist dieses ihre absicht gewesen, um derenwillen sie meine frau bey mir angegeben: so darf ich ihnen für ihre aufrichtigkeit eben nicht gar zu sehr verbunden seyn. 294; verträgt sich dieser character des neidischen mit der vernunft, so ist sie eine elende anführerinn zum guten. derselbe bei Adelung; wissen wir aber nichts, weder von ihrem (der götter) zustande noch von ihrer natur, so ist es für uns eben so viel als ob sie gar nicht wären. Wieland 1, 158; der vater zeigte sich heiter, weil ihm alles gut gelungen war, und wäre der gute humor nicht manchmal dadurch unterbrochen worden, dasz nicht immer der fleisz und die genauigkeit der handwerker seinen forderungen entsprachen, so hätte man kein glücklicheres leben denken können. Göthe 24, 41;
stirbet si, sô bin ich tôt.
minnes. 1, 177ᵇ Hagen;
deden wir sinen wille und sin gebot,
so verloren wir unsen leiven got.
d. städtechron. 12, 29, 259 (Cöln, Hagen);
sol ich iu daʒ ze rehte sagen,
sô was sin fürwâr
reht zwelf hundert jâr
und sehs und vierzic mêre.
Ottokar 1011 Seemüller;
wolt ir mich freuntlich ansechen,
so wil ich turnieren und stechen
nach eures herzen begir.
fastn. sp. 614, 2 Keller;
wolt ir die rede enden,
so wil ich meinn messner zu euch senden,
das ir zu mir scholt kumen.
30;
denn geht ein wort aus deinem munde:
so wird der schatz verschwunden seyn.
Gellert 1 (1775), 213;
besitz ich nur
ein ruhiges gewissen:
so ist für mich, wenn andre zagen müssen,
nichts schreckliches in der natur.
2, 188;
willst du davon ein redend beispiel sehn,
so schau' auf mich, groszgünstiger Mäcen.
Bürger 31ᵇ;
behagt dir dieser zeitvertreib,
so sey mein liebchen, sey mein weib!
48ᵃ;
doch will er unter menschen leben,
so leb' er ihnen und auch sich.
Gökingk 2 (1781), 137;
ist er mit ehre was er ist,
so sey er was er will.
140;
wärst du mein schatz nicht, so möcht ich nicht tanzen.
Göthe 1, 29;
wär' ich affe sogleich,
voll neckender streich':
hätt' was dich verdrossen,
so macht' ich dir possen.
35;
willst du bess're besitzen,
so lasz sie dir schnitzen.
36;
und bist du nicht willig, so brauch ich gewalt.
184;
giebst du ihm (dem genius) ein gastgeschenk,
so läszt er dir ein schöneres zurück.
9, 104;
entrollst du gar ein würdig pergamen,
so steigt der ganze himmel nieder.
12, 60;
soll ich mit dir das zimmer theilen,
pudel, so lasz das heulen,
so lasz das bellen!
66;
werd' ich beruhigt je mich auf ein faulbett legen;
so sey es gleich um mich gethan!
86;
willst du dich selber erkennen, so sieh wie die andern es treiben,
willst du die andern verstehn, blick in dein eigenes herz.
Schiller 11, 170.
nach einem negativen bedingungssatz in folgender, auf die ältere sprache beschränkter form:
manec biutet d'ôren dar:
ern nemes ouch mit dem herzen war,
sone wirt im niht wan der dôʒ.
Hartmann Iwein 252;
irn wellent mir volgen,
sô habt ir den lîp verlorn.
1491.
nach einem elliptischen satze:
gesetzt den fall, die lästerung sey wahr,
so ist dabei doch ausgemacht und klar, ...
dasz solch ein zug von je und je im stempel
erhabener genieen war.
Bürger 31ᵃ.
ε)
nach einem concessiven nebensatze, oft in verbindung mit doch, dennoch, in älterer sprache auch mit aber hinter dem verb (hülfsverb): und ob er sölches nicht besorget hette, so hette er doch leydes und traurung halben umb der verloren seiner lieben iunckfrawen willen nit geschlaffen mügen. Bocc. 330, 1 Keller; ob seine (des baums) wurtzel in der erden veraltet, und sein stam in staub erstirbt, so grunet er doch wider vom geruch des wassers. Hiob 14, 9; und ob er (dein feind) sich schon neiget und bücket, so halt doch an dich und hüte dich fur jm. Syr. 12, 11; denn ob wir wol im fleisch wandeln, so streitten wir doch nicht fleischlicher weise. 2 Cor. 10, 3; und ob ich alber bin mit reden, so bin ich doch nicht alber in dem erkentnis. 11, 6; und ob er wol gekreutziget ist in der schwacheit, so lebet er doch in der krafft gottes. 13, 4; ferner, ob schon andere ein ander weise hielten, so sol doch keiner den andern weder richten noch verachten. Luther 3, 273ᵃ; und ob man hier einwenden und sagen wolte, dieses weren abscheuliche und heydnische exempel, so ist doch dergleichen geschehen und verrichtet worden von einem christlichen potentaten könig in Hispania. Schuppius 527; denn ob zwar anfangs die stoischen weisen, als nachfolger des unverschämten Diogenes als hoffärtige, halsstarrige und unruhige verächter der obrigkeit gantz verachtet waren; so erlangten sie doch nach und nach .. grosses ansehen. Lohenstein Arm. 1, 451ᵇ; denn ob zwar sein (des menschen) geschlechte hernach von vater und mutter durch zeugung fortgepflantzet wird, so rühret von eltern nur alleine der kinder leib her. 2, 705ᵇ; ob man mir demnach gleich rahten wollen, der hiesigen königlichen societät der wissenschafften von meinen entdeckungen nachricht zu geben, und meine gedancken über die gefrorne fenster-scheibe dem urtheil derselben zu unterwerffen: so habe ich doch bedencken getragen, diesem raht zu folgen. Liscov 76; wenn ihr gesicht gleich nicht mehr so gar schön ist: so verdient es doch ein dosenstück abzugeben. Gellert 3 (1775), 287; ob wir gleich an sehr grossen werken oft sehen, dasz ein geringerer theil aus der acht gelassen worden, so kann dieses doch hier der fall nicht seyn. Mylius bei Lessing 6, 507; ob ein andres (leben) alsdann (nach dem tode) anfange, ist wenigstens ungewiss; und wenn es auch gewiss wäre, so ist doch unmöglich das verhältniss desselben gegen das itzige zu bestimmen. Wieland 1, 159; ob es gleich schwer ist, so will ich es doch versuchen. Adelung; obgleich ein geist keinen ort einnimmt, so befindet er sich doch irgendwo. ebenda; und obgleich eine solche stimmung des gemüths selten vorkäme, oder auch nicht lange haftete ...; so ist doch der grund dazu, die moralische anlage in uns. Kant 7, 330; obschon mein mann nicht liebt, dasz man seinen geburts- oder namenstag feyre, so wird er mir doch heute nicht verargen, einem dreyfachen feste diese wenigen kränze zu widmen. Göthe 17, 29; ob also gleich die architectonische schönheit des menschlichen baues durch den begriff der demselben zum grunde liegt, und durch die zwecke bedingt ist, welche die natur mit ihm beabsichtet, so isoliert doch das ästhetische urtheil sie völlig von diesen zwecken. Schiller 10, 71;
ob gleich manch frumer man mich scheucht,
sich aller ding von mir abzeucht,
so hab ich bei meins gleichen platz.
H. Sachs 3, 352, 37 Keller;
ob ich gleich nit bin reich an gut,
so bin ich aber reich an tugent.
12, 265, 26;
ob sies gleich nichten wirdig sein,
so thu ers gott zu ehrn allein.
Eyering 1, 67;
ob eine red uns schön und künstlich gleich bedeucht,
so ist sie doch ein wind, der hin zum winde zeucht,
Logau 1, 45, 76;
denn ob ich, trotz dem elephanten! heute
gleich keinem bettler, mehr als gestern, helfen kann,
so ist es doch genug, dasz ich nur an
dem hof von Siam was bedeute.
Gökingk 2 (1781), 113;
und wenn sie auch
die absicht hat, den freunden wohlzuthun,
so fühlt man absicht und man ist verstimmt.
Göthe 9, 141.
nach einem generell-hypothetischen satze der folgenden art: worin unsere pflichten auch bestehen mögen, so ist es doch gewisz, dasz sie ein weites feld für unsere tugend sind. Gellert bei Adelung; in welchem range auch der mensch gebohren wird, so richtet sich die öffentliche achtung doch allemahl nach den diensten. welche er dem vaterlande leistet. Adelung; was auch die ursache dieser bestürzung gewesen seyn mag, so ist gewiss. Wieland 1, 254. über so mit folgendem adj. oder adv. in solcher anwendung, dem ein so im hauptsatze entspricht, vgl.C, 1, b, δ, θθ. nach einem durch voranstellung des verbs (hülfsverbs) gekennzeichneten concessivsatze: bin ich schon arm, so bin ich doch ein ehrlicher mann. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 828ᵇ; und stehen nicht säulen umher, so stehen doch fruchtbare bäume und reben umher. Geszner bei Adelung; doch, ist sie nicht so schön, so ist sie nicht so stolz als du. Weisze bei demselben; singt er (der rabe) nicht, so krächzt er doch gut, und das ist für ihn genug. Wieland 1, 118; war die krönung Franz des ersten nicht so auffallend prächtig wie jene (die Karls des siebenten), so wurde sie doch durch die gegenwart der kaiserin Maria Theresia verherrlicht. Göthe 24, 29; klingt es nicht, so klappt es doch. Wander 2, 1395 (auch nd.);
ist im (Artus) der lîp erstorben.
sô lebt doch iemer sîn name.
Hartmann Iwein 17;
bist du mein schatz nicht, so kannst du es werden,
wirst du es nimmer, so tanzen wir doch.
Göthe 1, 29;
doch war das leben auch finster und wild,
so blieb doch die liebe lieblich und mild.
Schiller 11, 367.
ζ)
einem adverbialsatze kommt auch die folgende fügung gleich, nach der so heute ganz gewöhnlich ist: was das anbetrifft, anlangt, angeht, so (musz ich dir sagen, bin ich gewisz u. ähnl.).
η)
seltner als einleitung eines hauptsatzes mit folgendem nebensatz, vorausdeutend: so soll mich der teufel lebendig zerreiszen, frau Humbrecht! wenn hier nicht täglich alles, was beau monde heiszt, zusammenkommt. Wagner kinderm. 6 neudruck; hier schwör ich, und so speye die natur mich aus ihren gränzen wie eine bösartige bestie aus, wenn ich diesen schwur verleze. Schiller räuber schausp. 4, 5; in einem elliptischen satze:
sô wol dir, valke, daʒ du bist!
minnesangs frühling 37, 8.
b)
eine vorangehende adverbiale bestimmung inhaltlich wieder aufnehmend, vor dem regierenden verbum, wobei wol, aber nicht immer, eine beziehung auf einen andern satz erkennbar ist. für die entwicklung dieses gebrauchs kommt besonders die unter 1, a, β erwähnte anwendung in betracht. den übergang veranschaulichen stellen gleich den folgenden:
dâ ze Burgonden   sô was ir lant genant.
Nib. 5, 3;
arm in arm mit dir,
so fordr' ich mein jahrhundert in die schranken.
Schiller don Karlos 1, 9.
daran schlieszt sich ein allgemeinerer gebrauch, in dem so verblaszter erscheint: in demo scônen uuetere, sô sint nu geuuahsen flores virtutum, castitas, continentia, largitas eleemosynarum. Williram 39, 8 Seemüller; ir werdend disse nacht hie bliben, und morn so wirt man ŭch antwurt geben. Haimonskinder 192, 29 Bachmann; hernach so starb er. Stieler 2050; endlich so kommt der graf hergefahren. Schiller räuber schausp. 2, 3; auszerdem, so hat mein bruder, der noch jung ist und erst anfängt grosze platten zu machen, noch keine kupferstichdruckerey eingerichtet. Göthe 37, 137; überdem so ist er der meinung, dasz ein ölgemählde, wenn es mit guten farben behandelt ist, so lange dauern kann, als ein enkaustisches gemählde auf holz oder leinwand. 290; hernach so ist sie gegen die leimfarben-mahlerey theuer. 291; nach verscheinung solcher drei wochen so mag der glaubiger an einem tag dem schuldner durch den pieter die schätzung auf nächstfolgenden tag unter augen zu wissen machen. tir. weisth. 2, 188, 8 (v. 1816);
ubar Frankôno lant   sô gengit ellu sîn giwalt.
Otfrid Ludw. 3;
in felde joh in walde   sô sint sie samabalde.
1, 1, 62;
after worton managen   joh lêron filu hebigen
(thaʒ was kraftlîchaʒ werk)   sô gieng er in den ôliberg.
3, 17, 2;
ubir Êgiptelant gêt sîn gebot,
dirinne sô ist er vizzetuͦm.
genes. u. exod. 1, 100, 22 Diemer;
mit gemeinem râte   sô lieʒen si den strît.
Nib. 217, 1;
dannen gie dô Sîfrit   zer porten ûf den sant
in sîner tarnkappe,   dâ er ein schiffel vant.
dar an sô stuont vil tougen   daʒ Sigmundes kint.
451, 3;
ûʒer mîner kamere   sô heiʒ ich dir geben,
daʒ du und dîne gesellen   vrœlîchen mügen leben,
von rossen und von kleidern   alleʒ daʒ du wil.
1092, 1;
dâ bî sô stuont vil nâhen   des küneges bruoder Blœdelîn.
1291, 4;
dur daʒ sô suoche ich, frouwe, iuwern rât,
daʒ ir mich ebene werben lêret.
Walther 46, 37;
dâ bî sô swachet iuwer êre.
81, 21;
ich und mîn bote wir giengen dan
zwô mîl für ein burc wünneclîch:
dar ûf sô was diu tugende rîch,
mîn vrowe, der ich nie vergaʒ.
Ulrich v. Lichtenstein 330, 2;
wer mit in (herren) kirsen eʒʒen wil,
dem werfent si der kirsen stil
in diu ougen; daʒ geloube mir,
dar ûf sô stât ir aller gir.
Boner 8, 38,
tzu Padaw in Lamparten
pluemt er der manhait garten
mit ritterleichen ern,
do man dem Hunt von Pern
tzwir angesigt tzway vechten guͦt,
do pey so was der wol gemuͦt.
Suchenwirt 14, 38;
dar nach so fur der lobesam
in Payern tzway geferte.
15, 158;
von erst szo woll wir loben,
den hochsten got szo zart.
Soltau volksl. (1836) 268;
in allem schlamp so wil er sein.
H. Sachs 4 (1578), 3, 35ᶜ;
Kitzligunda jungferschafft, wolt jhr einmal dampffig werden,
weil sie nie kam in die lufft, blieb nur jmmer bey der erden;
drum so hat an einen nagel sie sie neulich auffgehenckt,
klagt nur, dasz sie so viel nägel nicht kan haben, als sie denckt.
Logau 1, 176, 45;
indem so blitzt der erste strahl
der sonne, wie in eine höhle
voll nacht und grau'n, in seine seele.
Wieland 18, 223;
bist du der wirthliche gott? o dann so verstosze den gastfreund
nicht von deinem Olymp wieder zur erde hinab!
Göthe 1, 270.
c)
hierher gehört auch so nach um zu mit inf.: um von dieser sache den anfang zu machen, so u. s. f. Adelung. wird hier der allgemeinen regel nach mit dem gleichen subject fortgefahren und die eigentlich nothwendige ergänzung zu der finalen bestimmung gegeben, so erscheint so auch hier wie in den oben angeführten beispielen durchaus pleonastisch und fehlt heute meist. wird dagegen die finale bestimmung gewissermaszen selbständig herausgestellt, wobei gleich ein neues subject eingeführt werden kann, so steht auch heute in der regel so: um mich nun kurz zu fassen, so geht meine meinung dahin. ebenso bei einfachem zu und inf.: nun auf die sache selbst zu kommen, so musz ich bekennen. Schiller räuber 1. vorr.
3)
so als einleitung eines satzes, der an eine vorhandene situation folgernd oder zusammenfassend anknüpft, ohne beziehung auf einen andern satz.
a)
eines wunsch- oder befehlssatzes:
so laszt mich scheinen, bis ich werde.
Göthe 2, 119.
auch mit folgendem denn:
so leb' den wohl, du stilles haus.
Raimund 2 (1891), 263
oder doch: so sag doch, so schwäz doch! wie bist du davon kommen? Schiller räuber 2, 3.
b)
eines fragesatzes:
so willst du treulos von mir scheiden ...
o! meines lebens goldne zeit?
Schiller 11, 23.
c)
eines aussagesatzes:
so ist er endlich da, der augenblick.
Schiller dom Karlos 2, 5.
mit folgendem denn, nun:
so hoff ich denn mit festem muth
auf gottes gnad und Christi blut.
Gellert 1 (1775), 191;
so hab' ich nun die stadt verlassen,
wo ich gelebet lange zeit.
Uhland (1864) 60.
d)
eines elliptischen satzes, in älterer sprache:
sô wê mir dirre leide.
Nib. 1876, 1.
C.
als conjunction.
1)
auf beschaffenheit, art, grad oder masz bezüglich, in neuerer sprache vielfach durch 'wie' verdrängt. vgl. jedoch b, δ. in dieser anwendung mag so durch got. swê beeinfluszt sein (vgl. das formale), doch kann es sich auch selbständig von adverbialem gebrauch aus dazu entwickelt haben. ansätze zu solcher spontanen entwicklung zeigt so noch in neuerer sprache. vgl. Klopstock 4, 180. 8, 201 unter A, 1, l, α, αα und die folgende stelle:
es dringen
mit Ajax die Atriden selbst herbey.
so wenn im sturme sich die winde heulend schlagen,
der wilde süd, des nordes rauhe macht,
der muthge ost, auf Titans raschem wagen,
es rauscht des meeres grund, des waldes eiche kracht.
Schiller 6, 367.
a)
auf beschaffenheit, art bezüglich.
α)
einem adverbialen so entsprechend. belege sind oben unter A, 1, l, α gegeben. aus einer zusammenrückung von adverbialem und conjunctionalem so entsteht vielleicht ahd. soso: oba ir habêt gilouben sôsô (sicut) senefes corn. Tat. 92, 8;
selbaʒ rîchi sînaʒ al   rihtit scôno sôsộ er scal.
Otfrid Ludw. 67;
druhtîn deta,   sôsô zam.
2, 12, 71.
einem solchen soso kann dann aber auch wieder ein adverbiales so entsprechen. vgl. obenA, 1, l, α, γγ. ahd. auch mit sama zusammengestellt: sô sama sô fona dhemu berandin hreue, sô arspringit dher dau dhînerâ iugundhi. Is. 23, 20 Hench; ih gisah geist nidarstîgantan samasô tûbun fon himile. Tat. 14, 6. mit selb:
iʒ ist gifuagit al in ein,   selb sô helphantes bein.
Otfrid 1, 1, 16.
auf ein hinweisendes gilîch bezüglich: see Adam ist dhiu chiliihho uuordan sô einhuuelîh unsêr. Is. 17, 6 Hench. auf solîch, sulîch: endi siin hôhsetli ist solîh sô sunna aʒs mîneru antuuerdin. 36, 22; uuante ih sulehe arbêit unte sulehe persecutiones nû ne lîdon, sô ih êdes in initio fidei doleta. Williram 76, 3; auch noch mhd.:
wer gæbe ir sölhen volleist
sô der frouwen in dem fôreist?
Wolfram Parz. 176, 4.
eigenartig: sînu giuuâtiu uurdun uuîʒu sô snêo, drâto uuîʒu inti scînaftiu, sulîchu sô (qualia) cêsalâri obar erdu ni mag uuîʒu tuon. Tat. 91, 1.
β)
ohne solche entsprechungen oder verstärkungen.
αα)
als einleitung eines satzes: mihil ist dîn giloubo, uuesa thir sô du uuili. Tat. 85, 4;
gifuar er, sộ er ni scolta.
Otfrid 1, 25, 21;
daʒ begunde dem recken
sîne brust bêde erstrecken,
sô die senewen tuot daʒ armbrust.
Wolfram Parz. 36, 1.
ββ)
vor einem satztheil: inti scein sîn annuʒʒi sô sunna. Tat. 91, 1;
si was im sô der lîp.
Nib. 348, 3;
si möhten vliegen sô diu loup.
Wolfram Parz. 200, 20.
γ)
bisweilen steht in älterer sprache in einem durch so, 'wie' eingeleiteten nebensatz vor dem verb ein adverb in superlativischer form (vgl.mache es [so], wie du es am besten kannst):
in thaʒ crûci man nan nagalta,
sô sie fastôs mohtun.
Otfrid 4, 27, 18;
(Karitas) giscaffôta sia, sôsô iʒ zam   joh sô siu beʒist biquam.
29, 31;
sô bin ich dînes willen   wærlîchen vrô,
und wil dirʒ helfen enden   sô ich aller beste kan.
Nib. 54. 3;
(ich) wil iu gerne bewarn
den lîp sô ich beste kan.
Hartmann Iwein 1775;
so sie best mocht. Bocc. 46. mit beziehung auf adjectiva in superlativischer form im hauptsatz: do wart ertailt und auch pehabt, ich solt den eltisten und den pesten, so ich ir maist gehaben möht under allen nahpauren, zuesprechen. tir. weisth. 1, 279, 19 (v. 1387). zusammengerückt so best: (sie) leben wol so best sy künden. Franck weltb. 150ᵃ. freier dann in temporalsätzen:
sô ih erist mista thîn, sun,   sô îlt ih sâr herasun.
Otfrid 1, 22, 49;
unde wellent eʒ versuochen,   noch die Etzeln man,
sô warn ich mîne hêrren   sô ich aller schierst kan.
Nib. 2018, 4;
er bat, das sie, so sie erst möcht, ausz dem land zug. Bocc. 46. zusammengerückt so erst, ubi primum: so will ich ja auch kommen selbs (hoc est certum), ich sterbe denn oder liege darnieder, so erst ich mich aus dem kommet, zaum, sattel und sporn der drücker losreiszen kann. Luther br. 4, 541; es haben e. k. f. g. ... befohlen, so erst eine lection ledig seyn wurde, solte man dieselbigen m. Johann Sachsen aus Holstein zuordenen. 5, 385;
des globt er jm ein grosse summ
geldes, so erst er wider kem.
Waldis Es. 2, 88, 13 Kurz.
b)
auf grad, masz bezüglich.
α)
einem adverbialen so bei einem adj. oder adv. entsprechend. belege sind unter A, 1, l, α gegeben. verstärkt soso:
sih, thaʒ hêrôti   theist imo thiomuati
sô wîto, sôsô worolt ist.
Otfrid 1, 3, 42.
statt eines solchen adverbialen so steht auch verstärktes als(o): unde der gediêhet alsô uuola. sô der boum. der bî demo rinnenten unaʒʒere gesezzet ist. Notker ps. 1, 3; siu dunchet mir ... alsô scône sô der mâno. Williram 106, 9;
eʒ ist uns alsô leit sô dir.
Hartmann a. Heinr. 503;
eʒ enwart nie niht als unfruot,
sô alter unde armuot.
Wolfram Parz. 5, 15
oder ahd. sama, samo: uuer ist disiu, diu dâ uuregêt samo der ûfgênte morgenrôt samo scône sô der mâno. Williram 106, 2; sponsus der quadh, daʒ mîn praedicatio, dâ mit ih sîn euangelium nâh sînemo gebote uurebringon, samo sûoʒe sî, sô der tûiristo uuîn. 124, 5; uuanta mîn minna ist samo stark, sô der tôd ingegen dich. 127, 3; mit verstärkendem selb bei dem conjunctionalen so:
sie sint sô sama chuani,   selb sô thie Rômâni.
Otfrid 1, 1, 59.
β)
auf ein adj. ohne adverbiales so bezüglich:
er (der Sardonix) ist ...
mitten wîʒ sô der s(e)nê.
Diemer ged. d. 11. u. 12. jahrh. 367, 20;
liute vinster sô diu naht
wârn alle die von Zazamanc.
Wolfram Parz. 17, 24.
auf ein verb bezüglich: inti her thô er gieng fon in sô (quantum) steines wurf ist. Tat. 181, 1.
γ)
von besonderem interesse sind fälle, in denen auf so mit einem adv. unmittelbar so und ein nebensatz folgt. hier kann das erste so mit dem adv. als zum nebensatze gehörig erscheinen: sô lango sô ir ni tâtut einemo fon thên minniron, noh mir ni tâtut. Tat. 152, 8;
es mâru wort thô quâmun,   sô wît sô Sŷri wârun,
so wît sô Galilea bifiang.
Otfrid 2, 15, 3;
giskerit ist thiu hieruuist   sô lange sô uuili Krist.
Müllenhoff-Scherer denkm.³ 1, 26 (nr. 11), 37.
ein folgender hauptsatz wird dann wol wieder mit so eingeleitet, das das so mit adv. gewissermaszen wieder aufnimmt: sô lango sô ih in mittiligarte bim, sô bim ih lioht mittiligardes. Tat. 132, 8;
sô sliumọ sộ ih gehôrta   thia stimnun thîna:
sô blîdta sih ingegin thir   thaʒ mîn kind innan mir.
Otfrid 1, 6, 12.
δ)
daran schlieszt sich der gebrauch von so mit einem adv. oder adj. ohne folgendes zweites so oder als, wie (vgl. oben A, 1, l) zur einleitung eines nebensatzes, der sich bis heute erhalten hat.
αα)
bei adverbien der grad- oder maszbezeichnung, so ahd. sô sliumo:
in Krist er (der heilige geist) sih gisidalta,   sô slium er nan gibadôta.
Otfrid 1, 25, 24;
sô sliumo siu gihôrta thaʒ,   firwarf si sâr io thaʒ faʒ,
îlta in thia burg în   zen liutin, sagêta thiʒ al in.
2, 14, 85;
si ganz sih thana fuarta,   sô sliumo siu nan ruarta.
3, 14, 10.
in neuerer sprache dafür so bald, sobald, s. dies unten. vgl. auch so erst unter a, γ. so oft: uuanda du gehôrtost mîn gebet. so ofto ih chad. exaudi deprecationem meam. Notker ps. 60, 6; solchs thut, so offt jrs trincket, zu meinem gedechtnis. 1 Cor. 11, 25; es seien auch ... die schmidt und schlosser bei der statt und im lantgericht schuldig ..., wann und so oft si in iren schmidten an altem eisen und sunter was zusamen richten und solches zu verkaufen vorhabens sein, dasselb alsdann niemant andern, dann dem pfanhausambt zu Haall oder aber schmölzer und gewerken zu Schwaz ze bringen. tir. weisth. 1, 24, 13 (17. jahrh.); kommet, so oft ihr wollet. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 829ᶜ; so oft Homer ... seine helden den soldaten zur tapferkeit ermuntern, oder in dem kriegsrathe eine berathschlagung anheben läszt; so ist auch der anfang ihrer rede, höret, was ich vortragen werde, und überlegt es! Lessing 1, 220; schmecket, so oft ihr könnt, das reine göttliche vergnügen, andre glücklicher zu machen. Wieland 6, 124; so oft sein name genannt werde, erröte sie ein wenig. Keller 7 (1899), 163;
so oft ich Hylax rief, so oft ich Chloris sprach:
so rief er (der staar) Hylax mit, und sagte Chloris nach.
Gellert 3 (1775), 454 (d. band 4).
weitere belege sind oben theil 7, 1193 unter oft I, 2, c gegeben. so lange, solange: so lange die erden stehet, sol nicht auff hören, samen und ernd, frost und hitz, sommer und winter, tag und nacht. 1 Mos. 8, 22; ich mus wircken die werck, des, der mich gesand hat, so lange es tag ist. Joh. 9, 4; so lang die welt gestanden. Corvinus fons lat. 1 (1660), 506ᵃ; solange ich lebe. Stieler 2050; so lang ich werde geld haben, solt jhr auch eins haben. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 829ᵇ; ich hab euch geliebet, so lang ich geglaubet habe, dasz ihr mich wieder liebet. ebenda; ich ruhe solange ich an dich schreibe, tam diu requiesco, quam diu ad te scribo. Steinbach 2, 595; da er ihn auf seiner wundervollen wanderschaft begleitete, hatte er das recht zu plaudern wie und was er wollte, so lange don Sylvio keine bessere gesellschaft hatte. Wieland 12, 333; so lange die groszmutter lebte, hatte mein vater sich gehütet, nur das mindeste im hause zu verändern oder zu erneuern. Göthe 24, 19; es sollte alles wohlsinnig und freundlich hergehen, so lange er die hand im spiele hatte. Keller 7 (1899), 151;
so lange
der könig schläft, ist er um seine krone,
der mann um seines weibes herz.
Schiller don Karlos 3, 2;
und so lang der kaiser diesen Friedeland
läszt walten, so wird nicht fried' im land.
Wallensteins lager 8.
sprichwörtlich: so lange der narr schweigt, hält man ihn für klug. Gottsched sprachk. 555ᵇ. weitere belege für solche anwendung sind oben theil 6, 163 unter lange 5 gegeben. freier: Ruszen und Polen, so lange ihre sprachen geschrieben und schriftgebildet sind, aspiriren noch immer so, dasz der wahre ton ihrer organisation nicht durch buchstaben gemahlt werden kann. Herder 5, 12 Suphan. anders, für (so lange) bis: dieweil Philomena und Rosamunda, jhr stetes klagen und trawren führten, so lang sie vernamen, Gabriotto seines falls nit tödtlichen schaden nemmen würd. buch d. l. 233ᵃ. so weit, so fern, örtlich: das sich niemant in dieser herrschaft Kuefstein, so weit und verr die raicht, nach sag und auszweisung gemainer statt Kuefstein unterschidlich habender freihaiten einicher kaufmannschaft ze haben und ze gebrauchen unterfachen ... welle. tir. weisth. 1, 40, 25 (17. jahrh.). freier: so weit ich beurtheilen kann, ist diese zeichnung gut. vgl. auch sofern unten. ebenso auch so viel, soviel (das ursprünglich substantivische viel verläuft in adverbialen gebrauch): ich wil dir ihr nennen, so viel du wilt. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 528ᵇ; soviel ich immer kann. Stieler 2050; so viel sie können, vertheidigen sie. Steinbach 2, 595; so viel meine umstände leiden. Adelung;
oft nahm ich wachend deinem munde,
in einer unbewachten stunde,
so viel man küsse nehmen kann.
Göthe 1, 47.
freier: ich hab, so viel ich spüre, das fieber. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 830ᵇ; über keine kunst ist — so viel ich weisz — mehr gesagt und geschrieben worden, als über diese (die dramatische). Schiller 3, 511.
ββ)
bei andern adverbien, wobei der nebensatz aber meist nur die graduelle übereinstimmung mit einer absicht oder einem vermögen bezeichnet: ich wils wagen, so kühn du wilt. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 528ᵇ; machets, helffet euch, so gut ihr könnt. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 829ᵇ und so bis heute. anders: so gut jener das konnte, konntest du das auch, es war für dich so leicht wie für ihn das zu thun.
γγ)
ein hülfsverb wird in solchen nebensätzen wol wie in andern ausgelassen: so lang sie abwesend, wird bey uns das lachen und das lustigseyn auch seyn. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 829ᵇ; so gut ich gekonnt. Steinbach 2, 595. häufig ist die verbindung so viel (einem) möglich. mit dat. der person: er unterliesz nicht diesen heiligen ort, so viel ihm möglich, zu besuchen. Hoffmannswaldau bei Steinbach 2, 70, ohne solchen dat.: sovielmüglich, quoad fieri potest. Stieler 1202; so viel möglich der wahrheit gemäsz reden. Steinbach 2, 595; Sophokles soll den ganzen charakter der rede umgeschaffen, und ihn, so viel möglich, sittlich und moralisch gut gemacht haben? Lessing 6, 314; dasz ... der dichter hingegen mehr darauf sehen musz, dasz so viel möglich jeder einzelne theil schön sey. 11, 145; geniesset, so viel möglich, jeden augenblick eures lebens. Wieland 6, 116; um sich ... einen weisen mann von ihm zu erbitten, der ihre zerrütteten angelegenheiten wieder in ordnung brächte, und, unter des kaisers höchster autorität, so viel möglich auf den ehmaligen fuss zurück setzte. 8, 432; sobald er seinen verdacht so viel möglich zur gewiszheit erhoben. Göthe 18, 92. so weit möglich: ich habe mir von der wärterin und der hausfrau so weit möglich die ausgaben zusammentragen lassen. Keller 7 (1899), 154. ebenso so viel, so weit angängig u. ähnl.
δδ)
noch freier gestaltet sich die anwendung eines conjunctionalen so mit adv. in der betheuerungsformel so wahr. zu grunde liegen formeln wie: so wahr als gott lebt! Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 830ᶜ. daran schlieszt sich einfaches so wahr: so wahr ich lebe, spricht der herr, du solt mit diesen allen, wie mit einem schmuck angethan werden. Jes. 49, 18; als denn wirstu on heucheley, recht und heiliglich schweren (so war der herr lebet). Jer. 4, 2; so wahr ich leb. Corvinus fons lat. 1 (1660), 334ᵃ; so, im schweren (schwören): so wahr mir gott helff! Frisch 2, 283ᵇ; so wahr mir gott helfe! Adelung; so wahr mir Diana gnädig sey, sie (ohren) würden einem Faun ehre machen. Wieland 1, 118; präsident .. würdest du zu dem schurken vater nicht sohn seyn wollen? Ferdinand. nein! so wahr gott lebt! Schiller kab. u. l. 1, 7; ich habe keinen heller, so wahr ich lebe. Iffland 4, 128 (spieler 1, 11);
Octavio ... komm mit mir! komm, mein sohn! ...
Max. nein! so wahr gott lebt.
Schiller Wallensteins tod 2, 7.
εε)
seltener wird so mit einem adj. als einleitung eines nebensatzes den bisher erwähnten fügungen entsprechend gebraucht: er wird zur selbigen zeit herrlich werden, so weit die welt ist. Micha 5, 3. so weit wäre im hauptsatze auch hier nur als adverbiale bestimmung möglich. in wendungen wie: es sei so grosz es wolle; sei so kühn du willst ist ein zweites sein zu ergänzen und grosz, kühn sicher adjectivisch zu fassen.
ζζ)
eigenartig ist so mit folgendem adjectivischen lieb und conjunctiv oder indicativ von sein:
sô lieb dir sî ze lebene,   sô trit vil balde ûʒ an den sant.
Nib. 1498, 4;
nu wert iuch, küene helde,   sô lieb iu sî der lîp.
2115, 3;
und mac sich der künec iemer schamen,
hât er iuch mêre in rîters namen,
sô liep im triuwe und êre ist.
Hartmann Iwein 3189;
gedenckt, was Würzburgisch und Rheineckisch ist, das mache sich aus dem schiff, so lieb einem jeden sein leib und guth seye. Berlichingen 116; so lieb dir dein leben, so lieb dir meine gunst und gnade ist. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 829ᶜ; vertheidige dich, so lieb dir dein leben ist. so wird hier heute deutlich als quantitative bestimmung empfunden. man könnte an conditionalen ursprung denken (so = wenn), wofür der erste der hier angeführten belege spricht. die fügung läszt sich aber auch erklären von fällen aus, in denen bestimmungen wie so sehr, so rasch u. dgl. im hauptsatze zu ergänzen sind.
ηη)
bei wirklicher vergleichung kann auch im hauptsatz und im nebensatz ein adv. oder adj. mit so stehen. das mit so verbundene wort kann das gleiche sein: so uilo diz mêra sî. sô uilo mêr uuesg mih. Notker ps. 50, 4; an demo bogen uuirt diu seneuua sô filo mêr zuôgezogen. sô filo man drâtor sciêʒen uuile. 59, 6; so ofte wir reden, so oft kommen wir in der leute mäuler. Steinbach 2, 595; so offt er fehlt, so offt wird er gestrafft. Frisch 2, 283ᵇ; so lange du bleibst, so lange bleib ich auch;
gott, deine güte reicht so weit,
so weit die wolken gehen.
Gellert 2 (1795), 93;
zur bezeichnung der unmöglichkeit: so wenig ein esel fliegen kan, so wenig kan er latein reden. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 830ᶜ. mit ungewöhnlicher wortstellung:
so viele dein auge der herrlichkeiten des himmels
jetzt zu entdecken vermag: so viele qualen hat gott dir
hier, gerichteter, zugemessen!
Klopstock 4, 185 (Mess. 9, 720);
so schnell ist der wink, so schnell ermannt er sich wieder.
5, 333 (Mess. 15, 264).
in elliptischen sätzen: so lang geniesz, so lang freund. Petri 2 (1605), Ss 7ᵇ; so manch haupt, so manch sinn. 8ᵃ; so manch land, so manch sitten. ebenda; so viel arbeit, so viel glück. 8ᵇ; so viel köpfe, so viel sinne. Gottsched sprachk. 555ᵇ;
so viel köpfe, so viel feiertage!
Schiller Tur. 2, 1.
so ein — so ein: so ein groszes ganze die kriegsgeschichte war, so ein groszes und eignes ganze ist auch die geschichte des westphälischen friedens. Schiller 8, 414. im hauptsatze kann aber auch ein anderes wort bei so stehen als im nebensatze: so tugendreich er ist, so glückselig ist er auch. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 17ᵇ. auch im comparativ:
so ernsten grund du hast, dies licht zu fliehn,
so dringendern hab' ich, dasz ich dir's gebe.
Schiller Picc. 5, 1.
vgl.: so prächtig die krönung Karls des siebenten gewesen war, ... so war doch die folge für den guten kaiser desto trauriger. Göthe 24, 29. es können weiter zwei inhaltlich entgegengesetzte wörter in bezug auf das masz in dieser art durch so mit einander verglichen werden, wobei dann wol im nebensatze auch, im hauptsatze doch erscheint: so gern ich auch wollte, so unmöglich ist es mir doch. Adelung;
so ehrlich sein gesicht.
so schlimm ist doch sein herz.
Gellert bei demselben.
der nebensatz wird so zum concessivsatz.
θθ)
daran schlieszt sich so mit einem adj. oder adv. in allgemeiner anwendung zur einleitung eines concessiven nebensatzes: grosse leute feilen auch, sie wegen weniger denn nichts, so viel jr ist. ps. 62, 10; so gelehrt er auch seyn mag. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 827ᶜ; die freundschaft, so vortrefflich sie auch ist, hält uns doch nie wegen der liebe schadlos. Gellert bei Adelung; auch diesen befehl nehme ich an, so sauer er mir auch wird. derselbe ebenda; so abgekühlt die einbildungskraft unsers helden war, so konnte er doch nicht anders, als etwas idealisches ... zu empfinden. Wieland 3, 225; so viel freyheiten sich nehmlich auch Paulus, in ansehung der prosodie, durch das ganze gedicht erlaubt hat: so ist ihm doch nirgends ein so barbarischer vers entfahren, als dieser. Lessing 9, 137; so schwer es ist das kämpffende schiff gegen die winde zu lenken, so schwer sie auch drükt die last der kronen — sags unverzagt, Roller, — vielleicht wird ers doch thun. Schiller räuber schausp. 1, 2; so gewaltig auch der schnurrbart des philosophischen leibkutschers auf dem bocke, so hoch der federbusch des gelehrten kammermohrs hinten auf strotzet, wenn auch alle rezensierenden corps de garde mit trommelschlag 'ins gewehr!' rufen: das herz in der kutsche kann kein rother adlerorden mit und ohne eichenlaub aller klassen stumm machen. Brentano 9, 49; so gutmüthig und friedertig er im grunde war, empfand er doch stets eine rechte sehnsucht, sich mit schlimmen käuzen herumzuzanken und sie ihrer tollheit zu überführen. Keller 7 (1899), 134;
so seltsam diese probe scheint,
so ist sie, glaubet mir, vernünft'ger als ihr meint.
Wieland 17, 247 (Idr. 4, 66);
doch hat ein alter mann dereinst
dir tonnen golds verlassen;
und weiszt du dich, so sehr du weinst,
in den verlust zu fassen; ...
dann melde ja kein postillon:
der mann ist auferstanden!
Gotter 1, 96.
freier: so wenig, oder so nichts auch, in dem ganzen gedichte vorkömmt, was eine offenbare beziehung auf die zeit hätte, in welcher es geschrieben worden: so finde ich doch ein paar zeilen, welche wenigstens anzeigen, dasz es nach dem achten jahrhunderte wohl nicht geschrieben worden. Lessing 9, 137. in der folgenden stelle empfindet der dichter, wie die schreibung mit groszen anfangsbuchstaben beweist, gold deutlich als subst., doch nähert es sich in solcher prädicativischen verwendung adjectivischer bedeutung:
weg du traum! so gold du bist.
Göthe 1, 86.
Lessing gebraucht sogar so mit unmittelbar folgendem persönlichen subst. in diesem sinne: der bediente hat ihn gerettet; dem bedienten gehört das erste wort, der erste ausdruck der freude, so bedienter, so weit unter seinem herrn und seines herrn freunden er auch immer ist. 7, 76. daneben auch mit folgendem als: so kriegerinn als sie war, so gewöhnt sonst in allem zu männlichen sitten: behielt das weibliche doch hier die oberhand. 22. weniger auffällig erscheint in solchem gebrauche so ein mit einem subst., dessen begriff einer verstärkung fähig erscheint: so ein schalk er auch sein mag, diesmal ist er doch wol ernst zu nehmen.
ε)
in älterer sprache kann auch auf ein vergleichendes so — so ein comparativ folgen und zwar der comparativ des gleichen worts oder der zweier verschiedenen wörter.
αα)
der comparativ folgt nicht unmittelbar auf so. der hauptsatz weist dabei in der wortstellung angleichung an den nebensatz auf: sô her iʒ mêr forbôt sô siê iʒ mêr predigôtun. Tat. 86, 2; so es (das sternleberkraut, der waldmeister) grössere bletter hat, so es besser ist. Lonicerus (1577) 268 B;
nu gank, koninkinne schoine,
und sage den vleischheuwren, so si uns e houwen,
so wir e den leiven got beschouwen.
d. städtechron. 12, 30, 284 (Cöln, Hagen).
unmittelbar vor dem comparativ steht in diesem falle gern ie: und sô wir ie suntigir sîn. sô er (Christus) uns ie schierri uernimt. ob iʒ uns wârlîche riwet. spec. eccl. 65; der paum hât auch die art, sô er ie hœher wirt, sô er sich ie vester praitt. Megenberg 337, 24; Galiênus spricht, sô der wein ie elter ist, sô er ie hitziger ist. 351, 18; wane sô der mensche ie mêr hât, sô er ie mêr wil. Leyser pred. 44, 29;
sô ist daʒ mîn aller meiste klage,
sô ich ie mêre zühte hân,
sô ich ie minre werdekeit bejage.
Walther 91, 3;
sô der man ie mê gewinnet,
sô erʒ guot ie sêrer minnet.
Freidank 56, 3;
sô er ie mêr dâ wider tuot,
sô eʒ ie wîter kumt ze mær.
Teichner 232;
sô er ie hôhr in êren gât,
sô er ie grœʒer nîder hât.
233.
ββ)
der comparativ folgt unmittelbar auf so: so lenger du on tantzen bist, so minder dich tantzen anficht. Keisersberg post. 3, 99; in solchen gedancken kam der pfaff als je neher zuͦ der enten, und so neher er zuͦ jr kam, so mer und fester sy schreyen ward. Wickram rollw. 81, 20 Kurz; ich wünschte zur ehre der menschheit, dasz ich hier nichts denn karrikaturen geliefert hätte, musz aber gestehen, so fruchtbarer meine weltkenntnisz wird, so ärmer wird mein karrikaturenregister. Schiller 2, 5;
so mehr er trinkt, so wird er zäher,
so wirrer steht sein lockennest.
Droste-Hülshoff 1 (1879), 275.
auch bei solcher stellung heute nicht mehr gewöhnlich. in elliptischen sätzen: want so liever vrunt, so sweirre scheiden. köln. quelle des 15. jahrh. in Frommanns zeitschr. 2, 453ᵃ;
sô hôher berg, sô tiefer tal:
sô hôher êr, sô tiefer val.
Boner 39, 37;
so grösser haus, so grösser straff.
ein christenlicher zug wider den Türcken c 3ᵇ.
im anschlusz daran im gleichen satz: gank hin und bit si, dat si den mantel geven, so ee so besser. quelle des 15. jahrh. in Frommanns zeitschr. 1, 218.
ζ)
einem vergleichenden so mit comparativ kann dann auch je mit comparativ entsprechen: denn so weiter jhr ziehet, je lieber mirs seyn sol. buch d. liebe 230ᵇ. vgl. die umgekehrte fügung:
sie selbst, die sanfte Cypria,
umleuchtet von der feuerkrone
steht dann vor ihrem mündgen sohne
entschleyert — als Urania;
so schneller nur von ihm erhaschet,
je schöner er von ihr geflohn!
Schiller 6, 277
und: denn wiewohl die kamille, je mehr sie getreten wird, um so schneller wächst, so wird doch die jugend je mehr man sie verschwendet, um so schneller abgenutzt. Shakesp. Heinr. IV. 1, 2, 4. das ist eine heute ganz gewöhnliche verbindung (vgl. oben A, 1, c sp. 1345), neben der je — je gilt.
2)
betheuerungsformeln, die durch einfaches so eingeleitet werden, können nebensätze sein, wobei das einleitende so als 'wie' (ebenso gewisz wie) aufzufassen ist, aber conditionaler anwendung nahekommt:
den hieʒ er swerigen,   sô in got muͦse nerigen
daʒ [er] oͮʒ den loͮten   undir den er dâ boͮwete,
nimmir wîp gewnne   Îsaac sînem chinde.
genes. u. exodns 41, 22 Diemer;
er sprach mir ist leide
sô mir got beide
daʒ wir die unsen hân verlorn.
Herbort Troj. 5201;
sô ûch got lâʒʒe leben
ir sult mir eine stûchen geben
zu eime kleinôte.
9508;
lâ dir gerâten sân
sô dich got êre
kêre wider kêre.
9813.
verkürzt:
ir sît hubisch sô mir got.
8207;
sô mir got der gûte
ich wêne mîn herz blûte.
8593;
sô mir got ich wânde
und ouch dûchte mich des
daʒ er Diomêdes
ein hubisch man wêre.
8966;
sô mir got der rîche
sîn gelubede ist ein wint.
13090;
dîn gebot
leiste ich gerne sô mir got.
13470;
Marsîlîes sprach: nu sage mir,
sô dir got, getürre wir
den keiser iemer bestân?
Stricker Karl 2832;
sî bôt im bî dem tanze
ein krenzel:
sô mir got, deist unlougen.
Neidhart 20, 37;
lânt iuch niht riuwen, sô iu got!
Heinr. v. d. Türlin krone 24573.
vgl. den beinamen Jasomirgott des 1177 gestorbenen herzogs von Bayern-Oesterreich Heinrichs II. andre ähnliche formeln:
mochtich die schande
immer mêr gewandelen,
sô mir daʒ heiliche liecht,
ich ne gebeite sîn vor dem kuninge nicht.
Rother 1057;
sô mir dirre mîn bart.
Herbort Troj. 2024;
er sprach sun vernim mîn leit
sô mir mîne trûwe
ich forhte eʒ dich gerûwe
daʒ du sô îles in den strît.
9807;
nu ginc, sô dir dîn lîp,
und trage ein alten kæse her.
Stricker kl. ged. 5, 132 Hahn.
3)
im sinne eines freieren, blosze übereinstimmung bezeichnenden wie:
thaʒ (das land der Franken) rihtit, sô ih thir zellu,   thiu sîn giwalt ellu.
Otfrid Ludw. 4;
hôh sint, sô ih thir zellu,   thiu sînu thing ellu.
12,
d. h. die thatsache selbst stimmt mit meinem bericht überein, nicht art oder grad. vor einem satztheil:
wærn si getoufet sô die mîn.
Wolfram Parz. 49, 14.
4)
im anschlusz an die unter 1, b, γ erwähnten fügungen erwachsen generell hypothetische verbindungen, in denen pronominaladverbia und pronomina mit der gleichen etymologischen basis zwischen so — so treten. einem adjectivischen begriff am nächsten stehen solche, die auf die art, die beschaffenheit gehen, hwiu, wio:
wir wiʒun âna zwîual,   thaʒ er thes wialt ubar al,
er bî unsih tôd thultî,   sô wio sô er selbo woltî.
Otfrid 5, 1, 8,
(h)welîh: her lêrit iuuuih allu inti spenit iuuuih alles sô uuelîhiu sô ih iu giquidu. Tat. 165, 4; ni sprihhit her fon imo selbemo, oh sô uuelîhu sô her gihorit sprihhit. 173, 2. ebenso steht dann aber auch zwischen so — so (h)wer, (h)waʒ, dessen instrumentalform eigentlich hwio, wio ist: sô uuer sô tuot uuillon mînes fater, ther in himile ist, ther ist mîn bruoder inti suester inti muoter. Tat. 59, 4; sô uuaʒ sô ir bitit in mînemo namen thaʒ duon ih. 164, 1; sô uuenan sô ih cusse ther ist iʒ. 183, 2;
sô wer sộ in erdriche   ouh sâlida suache,
irbiat er irâ guati   mihilo ôtmuati.
Otfrid 1, 3, 33;
thie io thaʒ irwellent,   thaʒ sie thaʒ gizellent
sâr in horsglîcha frist,   sô waʒ sô in gibotan ist.
5, 8, 10.
(h)wedar, uter:
joh bin ih ouch giweltig   ubar ellu thinu thing
in lîb joh tôd hiutu,   sô wedar sô ih gibiutu.
4, 23, 38.
entsprechend sô (h)wâr sô, ubicunque:
gibutun filu harto   selbero iro worto,
sô wâr sô er lantes giangi,   thaʒ man nan gifiangi; ..
sô wâr sô er wâri thanne,   thaʒ er wâri in banne.
4, 8, 6;
sô (h)wara sô, quocunque: ih folgên thir sô uuara sô thu gês. Tat. 51, 1. sô hwanna, wanne sô, verstärkt sôsô:
thie selbe irstantent alle   fon thes lîchamen falle,
fon themo fûlen legere,   iro werk zi irgebanne,
ûʒ fon theru asgu,   fon theru falawisgu,
sô wanne sôsô iʒ werde,   fon themo irdisgen herde.
Otfrid 5, 20, 28.
im mhd., wo in der regel das erste so mit dem anlautenden w der pronominalform verschmilzt, bleibt das zweite so bisweilen erhalten:
dûrkel vil der helme   und der schilde wît
si leiten von den handen:   swaʒ sô man der vant,
die truogen bluotes varwe   von der Burgonden hant.
Nib. 217, 3;
ir sult daʒ ahten schiere,   swie sô daʒ geschehe,
daʒ ich die künneginne   und iwer swester sehe.
511, 1;
wie dike ein man durch vorhte   manegiu dinc verlât,
swâ sô vriunt bî vriunde   güetlîchen stât,
und hât er guote sinne,   daʒ er sîn niht entuot.
1739, 2.
nach einem hinzutretenden wort:
er lâʒ im nû wesen gâch,
und ruowe dar nâch
swie lange sô er welle.
Hartmann Iwein 2145.
für das zweite so tritt auch der (= dâr) ein:
der anker ist ein recken zil:
den trage und nem nu swer der wil.
Wolfram Parz. 99, 16.
andrerseits wird schon in ahd. zeit das zweite so wol ausgelassen. bei folgendem zugehörigen subst.: in sôuuelîhha burg odo burgilun ir inganget, frâgêt thanne, uuer in theru uuirdîg sî. Tat. 44, 7; in anderen fällen: inti sô uuer iuuih ni inphâhit noh ni hôrit iuuaru uuort, ûʒgangante fon themo hûs odo fon theru burgî arscutet then melm fon iuuaren fuoʒin in zi giuuiʒnesse. 9;
drahto io zi guate,   sô waʒ thir got gebiete.
Otfrid 2, 9, 65;
'so wer sekil', quad er, 'eigi,   ni sî imo in thiu ginuagi ..'
4, 14, 5.
durch die oben erwähnte verschmelzung ergeben sich hieraus die gewöhnlichen mhd. pronominalformen mit sw ohne folgendes so. daneben begegnen aber noch lange vollere, den eben erwähnten ahd. entsprechende formen, die anscheinend besonders fest im md. haften:
so wen mîn hêrre sendet,
ist daʒ er iʒ wole verendet,
sô lônet ime mîn hêrre.
Rolandsl. 46, 3 lesart,
nâch dem daʒ dîn gotheit gebôt,
sô wer sich vermêʒe,
daʒ er daʒ obeʒ êʒe,
der mûse ie des tôdes wesen.
erlösung 605;
want ich hain des also geraint, sowa de rede zo lank is und verdreislich, da wil ich si kuirten. köln. quelle des 15. jahrh. in Frommanns zeitschr. 1, 178; der son woulde it ummer wissen sowat dat bedude. 196. vgl. 2, 453ᵃ. selbst bei Göthe begegnet noch ein solches so wer:
drauf eine wette schlossen sie
ganz leise sich in's ohr:
so wer das erste wörtlein spräch'
der schöbe den riegel vor.
47, 84.
in dem gedicht: gutmann und gutweib. altschottisch. in der vorlage:
that the first word whae'er speak,
shou'd rise and bar the door.
Göthes lyr. ged. erläutert v. Düntzer 2 (1876), 403.
die mhd. mit s anlautenden pronominalformen verlieren im nhd. ihr s. vgl. das formale. über nd., ndl., fries. und ags.-engl. entsprechungen vgl. gramm. 3, 43 ff.
5)
in sonstiger anwendung als conjunction, im sinne von als, da, wenn, obgleich, auf die bedeutung 'wie' zurückgehend. im allgemeinen ist es so veraltet. am längsten hält es sich im sinne von wenn, wird zwar schon von Adelung in dieser anwendung als selten bezeichnet, aber noch heute wol so in alterthümlicher, besonders pastoraler rede (als biblisch) gebraucht. belege für so — so sind unter B, 2, a gegeben.
a)
wie temporales als, da. aus so — so (vgl. oben unter B. 2, a, α) erwächst wol ahd. soso, sose: thô siê zi themo heilante quâmun, sôse (ut) inan gisâhun iu tôtan, ni brâchun sînu gibeinu. Tat. 211, 3. belege für den sonstigen gebrauch: sô (ut) her then buoh inteta, fant thie stat thâr giscriban uuas: truhtînes geist ubar mih. Tat. 18, 2; sô (ut) her thô gisah iro githancâ, quad in. 62, 2; siu sôʒ (ut) gihôrta erstuont sliumo inti quam ci imo. 135, 17; sô (ut) her in quad: ih bin iʒ, giengun uuidarortes inti fielun thô in erda. 184, 3; inti sô (ut) her thô forstuont thaʒ er uuas fon Êrôdeses giuuelti, santan uuidar zi Hêrôde. 196, 3; so (dum) diê sih kesamenoton. an demo dinge riêten sie uuider mir. Notker 30, 14; von deʒ geschelles wegen zwischen den Zörnern und den von Mülnheim, daʒ da geschach an der mitwochen in der rundtafel nach ostern, so man vier wochen vleische het gessen, do man zalt von gotz gebürte drüzehenhundert jare und zwei und driszig jare. d. städtechron. 9, 933, 23 (Straszburg, v. 1334); unser herr Jhesus Christus in der nacht, so ehr verraten wardt, nam er das brodt, und so er danck gesagt hat seinem vatter, brach ers. Luther 11, 79, 4 Weim. ausg.; so das die pilgre, auch der wirdt erhorten, erstauneten sy über dise red. Wickram rollw. 18, 19 Kurz;
sô si in irâ hûs giang,   thiu wirtun sịạ êrlîcho intfiang.
Otfrid 1, 6, 3;
forahtun sịẹ thô gâhun,   sô sinan anasâhun.
12, 5;
sô er giwisso thâr bifand,   wâr druhtîn Krist giboran ward,
thâht er sâr în festî   mihilo unkusti.
17, 39;
er gisceintaʒ filu fram,   sô er zi sînen dagon quam.
20, 33;
sô siu gisah then lioban man,   inti iru thaʒ herza biquam,
thô sprah si zi themo kinde   mit gidrôstemo sinne.
22, 41;
then namon er irkanta,   sô man nan ginanta.
27, 25;
sô er thaʒ suert thenîta,   ther engil imo harêta.
2, 9, 51;
joh filu ouh in then liutin   zi then ôstrîgen gizîtin
giloubtun thâr thô gâhun,   sô sie thiz gisâhun.
11, 60;
Martha sih thô kûmta,   sô si zi Kriste giîlta,
sêrlîchero worto.
3, 24, 11;
und sô si wâren komen darin,
er sprach ze in.
Ottokar 1582 Seemüller;
sô man daʒ abentimmeʒ gaʒ,
her Clinsor an den luft gesaʒ.
Elis. 239 Rieger;
sô dise rede quâmen
fur den fürsten Herman,
hêrlich boden er gewan.
340;
sô dise rede ergîngen,
mit grôʒer swêre empfîngen
sie die herren alle glîche.
erlösung 505,
sô diz gebet ein ende nam,
gein lande fûr der fisch zuhant.
1583;
sô dise botschaft ergînc,
Marîâ sâ zuhant empfînc
iren herren und ir kint.
2655.
im unmittelbaren anschlusz an eine adverbiale zeitliche bestimmung. so folgt ahd. soso, das an sich schon an diesen gebrauch rührt, auf tho: ther heilant thô sôsô her thaʒ inkanta ..., flôh. Tat. 80, 8. belege für einfaches so in solcher anwendung: wer ich ein verretter, als du sagst, so schlüeg ich dich ietz, so du kein wer hast. Morgant d. riese 165, 14 Bachmann; ich hat min hoffnung inn dich gsetzt, und nun, so ich inn minem alter bin, wyltu mich verlăssen. 339, 8.
b)
wie causales da, weil: ach, wie sol ich thuon, so ich min frow, kinder und min bruoder verloren hab. Morgant d. riese 101, 8; wann uff den tag was kein Frantzos, der im darwyder were, so Ruolland uff siner syten was, und der mererteyl fŭrsten wărend sine frŭnd. 138, 27; er muosz mechtig und manlich sin, so er den ryssen ertödt hat. 146, 22; nu mag es nŭt gesinn, so ers an ein söllichs end gsetzt hat, das er nŭt inn willen sig etlichen zebekriegen. Haimonskinder 74, 17 Bachmann; ir heren, ich bit ŭch, das ir ein benüegen habend; wann sy sind gnuog ŭberwunden, so ich gfangen bin. 78, 34; sonderlich so er bekennt, insonderheit dieweyl er gichtig ist das er dein diener seye, praesertim cum se servum fateatur tuum. Maaler 375ᵇ; es ist vielleicht ungezäumpt, und greuszlich anzugreiffen, so es ein horn tregt. buch d. l. 24ᶜ; so der weg von dem port bisz in die statt gieng, war alles mit einer grossen welt volck erfüllet. Opitz Argenis 1, 727;
ich will dich in den schlund der höllen stets begleiten,
so ja der höllen pein
der qual kan ähnlich seyn,
damit mich ietzt dein grimm und meine noth bestreiten.
Hoffmannswaldau getr. schäf. 51.
c)
wie temporales wenn: sô disu uuerlt hinauuirt. unde daʒ êuuiga tagesliêht peginnet chomen. danne geseêho ih dih. Notker ps. 5, 5; ich will das bild all gmachest vertilgen, und so es zergăn wyrt, werdend yr die ryssin grussam gstalten gsächen füeren. Morgant d. riese 231, 6 Bachmann; ach was wil mein allerliebster herr sagen, so er von seiner weiten reysz wider heim kompt. Galmy 233; so es dämmert und der hahn mit den hühnern zu ruhen sich auf die stange setzt, stellen sie die nachtwache aus. Brentano 5, 88;
'ih irstantu', quad er zi in,   'sô ih thritten dages tôter bin'.
Otfrid 4. 36, 8;
nist fîant hiar in rîche,   nub er hiar fora entwîche (vor dem krenz),
ther diufal selbo thuruh nôt,   sô er tharana scowôt.
5, 2, 12;
sô die bluomen ûʒ dem grase dringent,
same si lachen gegen der spilnden sunnen,
in einem meien an dem morgen fruo ...
waʒ wünne mac sich dâ genôʒen zuo?
Walther 45, 37;
ich siufte, sô ich vrô bin,
mînen künftegen ungewin.
Hartmann Iwein 3099;
so dan das weib geperen sol
erst wirt der man gepeiniget wol.
fastn. sp. 1220 Keller;
dabei ist's eine himmlisch schöne sache
um éinen rechten braven herzensfreund,
der, ist man fröhlich, wacker mit uns lache,
und ehrlich weine, so man selber weint.
Bürger 19ᵇ.
in unmittelbarem anschlusz an eine adverbiale zeitliche bestimmung:
wand eʒ was in der vasten,
sô ein ieglich biderb man
sich gerne ziuhet dâvon,
daʒ er iht unbildes tuo.
Ottokar 29740 Seemüller;
wan eʒ was in der sumerzît,
sô diu hitze rœte gît.
Wirnt v. Gravenberg Wigal. 9294.
ahd. sar so, als einheitliche conjunctionale verbindung:
er quimit mit giwelti,   sâr sộ ist woroltenti,
in wolkon filu hôho,   sô scowon wir nan scôno.
Otfrid 1, 15, 37;
sâr sô thaʒ irscînit,   waʒ mih fon thir rînit,
sô ist thir allen then dag   thaʒ herza filu riuag.
2, 8, 19;
thaʒ ir werdet wirdîg,   sâr sô quimit mînaʒ thing,
thaʒ ir stêt in rihtî   in mîneru gisihti.
4, 7, 87.
d)
wie conditionales wenn: es were nütschit würser, wann der demutige so der erhohet würde. d. städtechron. 8, 42, 10 (Straszburg, Closener); do vorhte künig Ruͦdolf, so er enweg keme, das [das] Behemerland wider an den sun slüge. 49, 30 (Königshofen); das alles wil ich dir geben, so du niderfellest und mich anbetest. Matth. 4, 9; so dir jemand einen streich gibt auff deinen rechten backen, dem biete den andern auch dar. 5, 39; und so dich dein auge ergert, reis es aus, und wirffs von dir. 18, 9; und so sich ein weib scheidet von jrem manne, und freiet einen andern, die bricht jre ehe. Marc. 10, 12; ich will aber gar kürtzlich zu euch kommen, so der herr will. 1 Cor. 4, 19; und da wir bey euch waren, geboten wir euch solchs, das, so jemand nicht wil erbeiten, der sol auch nicht essen. 2 Thess. 3, 10; so jemand spricht, ich liebe gott, und hasset seinen bruder, der ist ein lügener. 1 Joh. 4, 20; dafur jr sagen soltet, so der herr wil, und wir leben, wollen wir dis oder das thun. Jac. 4, 15; derselbig (rauch) ist zugleicher weis, als so in einen gieng ein gehlinger dunst von einem aufsteigenden mercurialischen arsenic. Paracelsus (1589) 5, 10; deren einer ein taschenmacher oder seckler, von sehr kurtzweiligen einfällen und schwencken, dasz, so ich nicht zu eilen gehabt, diesem fantasten noch ein stund lenger zu gefallen da blieben were. Kirchhof wendunm. 3, 122 Österley; so ich das thun soll, musz mir ein gehülffe gegeben werden. Hulsius (1616) 299ᵃ; so du das thust, si id facis. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 599ᵃ; ich sey desz todes, so ich mich mehr frewen würde, wenn mir dieses selbst widerfahren wäre. ebenda; so du willst, modo velis. Stieler 2050; so ihr mich jetzund bezahlet, will ich euch auf ein andermal wieder borgen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 826ᶜ; so ich ohne dich noch einen habe, will ich sterben. Steinbach 2, 596; wofern es gleich der filosofie nicht unmöglich ist, ein schlimmes naturell zu verbessern, ja wohl gar aus einem Silen (so der himmel will) einen Sokrates zu machen. Wieland 3, 227; wir täuschen uns, wir träumen, so wir glauben, unsere ideen und empfindungen von auszen zu empfangen. Schiller 1, 77; so gott will. Campe (vgl. oben Jac. 4, 15); lassen sie, so dieses sein sollte, doch in anregung bringen, dasz man sie (alte erbauungsbücher) verkaufe und brauchbare neue erbauungs- und schulbücher dafür anschaffe. Brentano 9, 19; so sie ihm gleich vollmacht mitsenden, kann er thun, was gott ihm eingibt. 95;
dû kundest al der werlte fröide mêren,
sô duʒ ze guoten dingen woltes kêren.
Walther 83, 8;
als des grœʒer wirt sîn gir,
sô ich im vergib die schulde.
Ottokar 57533 Seemüller;
des wirdt der arm mann offt verkürtzt
verderbet und zu grundt gestürtzt
und der reich unghrecht oben leit
so er vil schenck und gab auszgeit.
H. Sachs 2 (1570), 1, 19ᵃ;
so du wilt sein ein weiser mann,
lasz vil dings für dich uber gahn.
Petri 2 (1605) Ss 7ᵃ;
so jemand spricht: ich liebe gott!
und haszt doch seine brüder,
der treibt mit gottes wahrheit spott.
Gellert 2 (1775), 162 (vgl. 1 Joh. 4, 20 oben);
beiden (Griechen und Trojanern) möget ihr (götter) nun helfen, nachdem ein jeder gesinnt ist.
denn, so Achilleus allein entgegen kämpfet den Troern,
stehn sie wohl kaum einen nu dem schenkelgeschwinden Peliden,
da sie sogar vorhin hinweg schon bebten vom anschaun.
Bürger 230ᵃ (Il. 20, 26);
so du kämpfest ritterlich,
freut dein alter vater sich!
Stolberg 1, 46;
und so's dukaten schneite,
das wär' mir eben recht.
Geibel 1, 164;
und so mich gott erhöret,
da sei der forst mein grab.
182.
so anderst, si quidem, si modo. Dasypodius, anders: ir aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, so anders gottes geist in euch wonet. Röm. 8, 9. getrennt: und das wollen wir thun, so es gott anders zulesset. Ebr. 6, 3.
e)
so in verbindung mit doch, wie da doch, obgleich: da sprachen sie warum er nit antwurt geb, so er doch gelert wer. Keisersberg sünden des mundes 77ᶜ; (Ahas) opferte den göttern zu Damascon, die jn geschlagen hatten, und sprach, die götter der könige zu Syrien helffen jnen, darumb wil jch jnen opffern, das sie mir auch helffen, so doch dieselben jm, und dem gantzen Israel ein fall waren. 2 chron. 28, 23; das du nach meiner missethat fragest, und suchest meine sünde. so du doch weissest, wie ich nicht gottlos sey, so doch niemand ist, der aus deiner hand erretten müge. Hiob 10, 7; noch sprecht jr, der herr urteilet nicht recht, so ich doch euch vom hause Israel einen jglichen nach seinem wesen urteile. Hesek. 33, 20; etliche aber ... gaffen auff geistliche verheissungen, so sie doch selbs noch nie eine stund gegleubt haben, das sie gott mit brot und tranck erneere. Luther 4, 285ᵇ. aber auch einfaches so erscheint im sinne von da doch, wenn auch, obgleich: denn diese thier (muli) gehen nor, wo sie der sinn hin furth und nicht weitter, so man sie solt zu tod schlagen. Luther 9, 608, 6 Weim. ausg.;
woraht er thô ein horo in wâr   mit sîneru speichelu sâr,
thaʒ kleibt er imo, sô er es ni bat,   in thero ougôno stat.
Otfrid 3, 20, 24;
die tuont sam die frösche in eime sê,
den ir schrîen alsô wol behaget,
daʒ diu nahtegal dâ von verzaget,
sô die gerne sunge mê.
Walther 65, 24;
gegen den in was ze swære
ze geben Bernære,
sô man in silber unde golt
als vil als iegelîcher wolt,
gap nâch ir behage.
Ottokar 769;
mainst, dein sach wer haimlich auffs best,
so es all menschen von dir west.
H. Sachs fastn. sp. 1, 139, 208 neudr.
D.
ein pronomen vertretend.
1)
ein demonstrativpronomen. so in adverbialer anwendung hat im allgemeinen demonstrativen character. läszt es sich hier in der regel als pronominaler instrumentalis mit modaler bedeutung auffassen, so steht es bisweilen mit zurücktreten der modalen bedeutung für den nom. acc. eines demonstrativen pronomens:
ir heiʒet allaʒ thaʒ jâr   mih druhtîn inti meistar;
rehte sprechet ir thâr,   ih bin ouh sô, thaʒ ist wâr.
Otfrid 4, 11, 46;
ein unhelsamer pîne
und ein hagel der Sarrazîne,
die wîle er lebte, sô was der.
Ludwigs kreuzf. 309;
heyl und gelück so sey euch allen.
H. Sachs 3 (1561), 2, 61ᵇ;
alles das man uns noch her wirt tragen es sei bratten oder gesotten so gesegnen uns dy heiligen zwelfboten. quelle bei Schmeller² 2, 205; he hett uthandelt, so hett he. Schütze 4, 153. vgl. dazu auch oben A, 1, a, β.
2)
ein relativpronomen.
a)
in conjunctionaler anwendung läszt sich so auf die bedeutung 'wie' zurückführen. wie ist der instrumental des ursprünglich interrogativen, dann in relativem gebrauch verlaufendes was. es ist demnach klar, dasz so als conjunction dem instrumental eines relativpronomens nahesteht. auch dem locativ mit temporaler bedeutung kann es nahe kommen, was besonders deutlich ist bei beziehung auf eine unmittelbar vorhergehende substantivische zeitliche bestimmung. vgl. Ottokar 29740. Wigal. 9294 unter C, 5, c. daran schlieszt sich eine anwendung, die dem acc. der zeit eines relativpronomens gleichkommt: al dîe uuîla, sô dîe fideles eius hîe sint circumdati testa corporis. Williram 107, 9 Seemüller.
b)
die weitere entwicklung nach der gleichen richtung begünstigen fälle, wo so mit folgendem personalpronomen einen auf ein durch dies pronomen wiederaufgenommenes vorhergehendes subst. oder pronomen bezüglichen satz relativer art einleitet, zunächst im sinne von 'wie', dann freier:
thuo gisah he an haƀand   engilôs tuêne
gangan an thea gardôs,   sô sea fan gode quâmun,
geuueride mit geuuittio.
as. genes. 271;
quad that hi undar is hîwiskea
ênna lêfna lamon   lango habdi,
seokan an is selđon,   'so ina ênig seggeô ne mag
handun gehêlian ...'
Heliand 2097;
nam er thô selbo thaʒ brôt,   bôt in iʒ gesegenôt,
gibôt, thaʒ sies âʒin,   al so sie thâr sâʒin.
Otfrid 4, 10, 10.
aber das personalpronomen wiederholt eigentlich nur etwas, was die verbalform schon ausdrückt. so kann es denn auch fehlen, wo so einen solchen satz einleitet, so ahd. as. nach solch, all, auch hier mit deutlichem anschlusz an modale bedeutung:
quat that he im selƀas duom
gâuî sulicas guodas,   sô im gode haƀdi
farliuuen an them landa.
as. genes. 277;
er al irfultî thuruh nôt,   sô druhtîn selbo gibôt.
Otfrid 2, 9, 50.
vgl. weiter die unter 1 erwähnte anwendung.
c)
daran schlieszt sich dann ein allgemeiner gebrauch von so für den nom. acc. sing. und plur. des relativpronomens, der im früheren nhd. am häufigsten ist, von Frisch 2, 283ᵇ noch ohne weitere bemerkung verzeichnet, von Adelung gegen neuere angriffe lebhaft vertheidigt wird und heute noch gelegentlich begegnet, im allgemeinen aber als veraltet bezeichnet werden musz. Schottel 735 bemerkt, man könne 'dieses so zuweilen schicklich und wol anwenden, wenn nemlich die rede durch welcher, welche, welches oder der, die, das hart und unvernehmlich werden wil'. so sage man besser: der mann so der welt dienet für: der mann der der welt dienet, die frau so die sachen angebracht für: die frau die die sachen angebracht, das werk so das grösseste ist für: das werk das das grösseste ist. ebenso meint Adelung, man könne 'es nicht entbehren, wenn in einem und demselben satze das welcher mehrmals stehen sollte, da dann dessen öftere wiederhohlung einen übelklang machen würde', z. b.: der brief ist verlohren, welchen ich dem manne mit gab, der gestern mit der post, so nach Berlin ging, abreisete. thatsächlich scheint ein solches streben, die wiederholung desselben worts zu vermeiden, zur ausbreitung und erhaltung des relativen so beizutragen. vgl. z. b. Matth. 5, 44. Kirchhof wendunm. 1, 528. Schuppius 777. Kant 3, 182. 4, 104. Göthe 27, 60. Uhland 102. Keller 9, 38 (s. unten). wie weit aber dies streben im einzelnen geht, ist nicht auszumachen, weshalb solche stellen hier nicht besonders herausgehoben sind. Gottsched sprachk. (1762) 441 behauptet, man thue 'am besten wenn man dieses wort nicht gar zu häufig und entweder nur beym ungewissen geschlechte, oder nach etlichen wörtern von verschiedenen geschlechtern' brauche, und dies urtheil hat gewisz zur einschränkung des gebrauchs beigetragen. belege: (wir) tuon allen dien die ir sünda riuwent ... antlâz über ir sünda ... uon priesterlîchem ampte so wir haben uon gote. Wackernagel ad. leseb.² 299, 18 (12. jahrh.); uns seit sant Lucas an dem heiligen êvangelio sô wir hûto lesen. 301, 39; herzog Ludwig, pfalczgrave bei Rein, herzog Albrecht von München ... hilten nicht ir vertröstung, so sie den steten getan hetten. d. städtechron. 2, 126, 27 (Nürnberg, 15. jahrh.); (der römische könig) verbot auch im (Albrecht von Brandenburg) und den andern über solch rechtbot, so er von in thet, sie (die Nürnberger) do über nicht ze kriegen noch zu schaden zu bringen. 127, 17; darumb daz die schatzung, so von den gefangen gefiel, als manigen tail hett. 264, 16; von zwitrecht und von spenn wegen, so zwischen der pfaffheit und der burger hie zu Augspurg was. 5, 29, 12 (Augsburg, 15. jahrh.); der jüngling ... lies sust die, so mich sechen wolten zuͦ mir durch ufgetaͮne türe. Wyle transl. 280, 18 Keller; do ersach ich under den bluͦmen so zuͦ lust und gezierde uf dem platze dar gezettet waͮren etlich rosen ligen. 281, 6; wir lesen genesis am xxvi. das die Palastiner verworffen heten und verstopft mit kot und erdtreich die brunnen so Abraham het graben lassen. Keisersberg schiff d. penit. 52ᶜ; o du guͦter Jhesu, über alle ding macht dich mir lieb der kelch, so du getruncken hast. ebenda; das land Moesia, so iezo Bulgarei haist, sei gegen aufgang der sunnen ein march des baierischen künigreichs gewesen. Aventin 1, 224, 6 Lexer, der füert ein grossen krieg wider den künig von Persia, Sapor genant, so ein wild strenger man was. 1029, 26; da sie nun fern von Michas haus kamen, schrien die menner so in den heusern waren, bey Michas haus. richt. 18, 22; zu der zeit, werden die stedte jrer stercke sein, wie ein verlassen ast und zweig, so verlassen ward fur den kindern Israel. Jes. 17, 9; alle die so angel ins wasser werffen, werden klagen, und die so netze auswerffen auffs wasser, werden betrübt sein. 19, 8; gut getrenck ist bitter denen so es trincken. 24, 9; die leute, so mit dir haddern, sollen umbkomen. 41, 11; gott ..., der die erden machet und jr gewechse, der dem volck, so drauff ist, den odem gibt. 42, 5; dis ist das wort, das zu Jeremia geschah, an alle jüden so in Egyptenland woneten. Jerem. 44, 1; segenet die euch fluchen. thut wol denen, die euch hassen. bittet fur die, so euch beleidigen und verfolgen. Matth. 5, 44; solchs sey nu zur vermanunge gesagt, nicht allein für uns alte und grosse, sondern auch für das junge volck, so man in der christenlichen lere und verstand auffziehen sol. Luther 4, 430ᵇ; ich erbeitet dazumal in der lere, so die christen und gewissen betraff. 432ᵃ; da er in des Campani, des schwärmers, buch las, so er mit seiner eigen hand geschrieben hatte. tischreden 2, 39; demnach gieng er und zerbrach die gfäncknus und nam Clarions schwester darusz und die andren all, so der wüettrich darin gelegt hat. Morgant d. riese 95, 13 Bachmann; do redt Rengnold mit sinen gsellen und mit Clarion von dem läger, so vor sinem schlosz Muntabant lag. 23; und alle die, so sin gebot nŭt thuon werdend, wyll er schantlichen ertöden. 171, 1; das er mir die gros myssethăt vertzicht, so ich wider inn gethăn hab. Haimonskinder 78, 37 Bachmann; dann so einem etwas kranckheit oder trübsal zu handen gadt, findt man gar vil, so desz rechten, waren und gebanten wegs verfelen, gedencken wenig an Christum. rollw. 10, 3 Kurz; das glasz, so er mir genummen hatt, ist nur also ein schawfal, das man sech, das ich branntenwein feyl hab. 50, 9; (der könig) zuhand nach dem, so desz vogels gewohnlich warten must ... schicket. buch d. l. 238ᶜ; erstlich bewegt sie die furcht, dasz sie von dem so sie verachten, da sie etwa strauchelten, desto herterer, so er daran gedechte, gezwackt würden. Kirchhof wendunm. 1, 79 Österley; einer ausz denen, so die trancksteuer zuͦ hauff bringen, hett einsmals zuͦviel wein zuͦ sich genommen. 273; darvon schwatzeten zwey weiber, so desz sontags mit einander ins feld grasen gehen wolten. 411; diser banckriese (welcher vilen alten, so noch zuͦ meiner zeit gelebt, bekannt gewesen). 528; wenn denn die herzogin den strausz, so sie gehabt, verbergen wollte. Schweinichen 1, 127; was ich hierinnen setze, das meine ich von der grossen mappen, so ich selber auff das holtz gerissen. Hennenberger preusz. landtafel (1595) 7; mein formschneider Casper Felbinger seliger, so zu vorn nicht mappen geschnitten. ebenda; der mann [so] dir begegnet ist. Hulsius (1616) 299ᵇ; auszgenommen Schwerin, so graff Güntzel vor sich und seine erben behielt. Micrälius altes Pommern 2, 253; alle Rugianer, so die Dähnen und Sachsen in Wolgast gelassen hatten, zu verjagen. ebenda; ich könte derer eine grosse anzahl rechnen, wenn nicht diese unser statt Marpurg, welche viel leute, so hundert jahr und drüber, in ihrem schosz wärmet, dasz papier erfüllete. Schuppius 777; da alle verba, so zu einem sensu gehören, auszgedruckt seynd. Corvinus fons latinit. 1 (1660) 12ᵃ; (Opitz) welchem bald drey seiner lands-leute, als Tscherning, so sich sehr an seine art gehalten, dann Colerus und Czepko rühmlich gefolget. Hoffmannswaldau getr. schäfer vorr. (b) 4ᵃ; als er aber einen mann, so ohngefehr fürüber gienge, ersahe. Lokmann 25; dieses deutet an, dasz einer in einem geschäffte, so er auff sich nimpt, offt vor sich selbst nichts verrichten kan. 31, ja auch des königes soldaten, so den weg rein zu halten auszgeschickt, wurden von ihnen (räubern) ... überwältiget. pers. rosenth. 1, 4ᵃ; disz hörte ein armer derwisch, so auff der strassen unterm fenster gantz nackend und blosz in grosser kälte lag. 10ᵃ; derjenige, so nicht liebet. Stieler 2051; die tugend, so lobwürdig ist. ebenda; das, so ich gesagt habe. ebenda; die leute, so nichts wiszen. ebenda; der mann so, die frau so, das kind so mir das gesagt hat. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 826ᶜ; die liebe, so ich gegen euch trage. ebenda; diese werden von denen, so sie nicht kennen, für die aller ehrbarsten jungfrauen gehalten. ebenda; (ich) hoffe also, der geneigte leser werde so gütig seyn, und diejenigen fehler, so er etwan in meiner arbeit entdecken möchte, ... übersehen. Liscov 7; dasz er über ein werck spottet, so die gantze kluge welt mit erstaunen ansiehet. 13; etwas vorzubringen, so die leckere und verwehnte welt vor läppisch hält. 49; sie erschrecken nicht, meine herren, dasz ich meine rede mit einem geschrey anfange, so sich eher auf der gassen, als in einem engen zimmer ... schicket. 139; ich frage sie demnach auf ihr gewissen, ob sie jemahlen etwas gelesen, so mit denselben (reden) zu vergleichen ist. 150; ohne alle furcht der urtheile, so darüber ergehen würden. 175; wegen aller verachtung und drangsale, so wir von unsern feinden erlitten haben. 422; man musz also gestehen, dasz dieser unterscheid die herrschaft, so dem menschen über die thiere zukömmt, nicht aufhebe. 697; dasz ich ... das vergnügen, so mir dieselbe mit ihrem zierlichen tantzen erweckt, hertzlich gerne bezahlen will. Felsenb. 1, 36; der nicht weniger recht wohl gebildete tambour, so zum tantze aufgetrummelt hatte, führte sich von selbsten ab. ebenda; alle diejenigen, so sich um mein wesen bekümmerten, behörig abzuführen. 447; der so mit anderer leute schaden klug wird, ist glücklich. Frisch 2, 283ᵇ; der verfasser eines wochenblatts, so der jüngling heiszt, hat die mühe auf sich genommen. Rabener 1, 120; nicht eine einzige person in der gesellschaft schien das artige und witzige wesen, so er vormals gehabt, an ihm zu finden. 2, 133; um das vertrauen zu verdienen, so sie gegen mich äuszern. 3, 80; die wahrheit, welche von einem werke, wie dasjenige ist, so wir den liebhabern hiermit vorlegen, gefodert werden kann. Wieland 1, x; ruhig über den besitz seines herzens, empfahl sie ihm, sich, während ihrer abwesenheit, kein vergnügen, so ihm das reiche und wollüstige Smyrna verschaffen konnte, zu versagen. 2, 199; ich liebe die könige, welche die erwähnung, so die geschichte von ihnen thut, ihren mätressen zu danken haben. 6, 70; die, so niemals selbst denken. Kant 3, 182; die, so nur ihr altes system vor augen haben, und bei denen schon vorher beschlossen ist, was gebilligt oder miszbilligt werden soll. 4, 104; die, so zwar grosze (aufsehen machende) wunder nicht einräumen, aber kleine unter dem namen einer auszerordentlichen direction freigebig erlauben. 6, 252; wären sie wieder hier durch gekommen, so hätte ich ihnen die sammlung von naturalien und büchern gezeigt, so die academia naturae curiosorum hier hinterleegt hat. Karl v. Dalberg in Mercks briefs. 1, 172; haben sie das häszliche kupfer gesehen, so über Zimmermann gemacht worden? Sophie v. la Roche ebenda 177; die allerschönsten thierskelette enthält gestochen ein sehr rar werk, so ich noch nicht habe auftreiben können. Sömmering ebenda 353; wollen sie was elegantes über knochen lesen, so lesen sie Celsus und Albin's kleines büchelchen, so gar nicht rar ist: de ossibus corp. hum. derselbe ebenda 354; aber da hat freund Andreä aus Hannover ein schönes groszes buch in 4. mit vielen kupfern herausgegeben, briefe über die Schweiz betitelt, so ein gar gut buch seyn soll. Wieland ebenda 2, 67; das netz, so sehr gering war, schien wie brandig. Schiller 1, 53; zu was ende die allianzen, so diese Doria schlossen? Fiesko 4, 6; kommt das schauspiel öfter auf derselben stelle vor, so baut man leichte gerüste für die so bezahlen können. Göthe 27, 60; mit vielem dank für die interessanten nachrichten ihres briefes schreibe ich heute nur weniges über die kleinen speditionsangelegenheiten, so unter uns obwalten. briefe 16, 223 Weim. ausg. (an N. Meyer, v. 12. mai 1803); diese trauernde erde! die nackte, so ich kleiden wollte mit heiligen hainen, so ich schmücken wollte mit allen blumen des griechischen lebens! Hölderlin 2, 142 Köstlin; die wonne der zeitigung in den säuselnden zweigen umfing mich, wie die erneuerte jugend, so die alten in ihrem Elysium hofften. 151; diese zeit benutzte ich dazu, das dutzend bücher, so der alte herr besasz, immer wieder durchzulesen. Keller 4 (1899) 36;
ich hete ir doch vil lîhte ein teil geseit
der vil grôʒen liebe, sô mîn herze an si treit.
minnes. 1, 86ᵇ Hagen;
wîplîch güete in lieplîch lône
mit dem besten, sô si gît.
2, 393ᵃ;
ach süeʒiu Minne, tuo so wol,
lâ sîn herze erkennen
daʒ minneclîche brennen
sô ich nâ im lîde.
Reinfr. v. Braunschw. 2085;
dieselben herren alle,
so da die landschaft hat
(variante: so der hertzog gesamlet hat).
Liliencron hist. volksl. 1, 125 (nr. 34, 4);
der hielts dafür, das jm der zan,
so jhm zuvor hat weh gethan,
solt heylen.
Alberus fab. nr. 20, 26 neudr.;
auch alle so ligen im staub
werden knie bigen mat und taub.
H. Sachs 2 (1570), 1, 60ᵇ;
wie gar nichts gutes in jm wohn
und sich auch nit beschützen kon
vor leiblich noch geistlichen ubeln
so doch teglich kommen mit schübeln.
62ᵇ;
der herr schaffet auch in der zeit
gerichte und gerechtigkeit
all denen so hie unrecht leiden.
63ᵈ;
dan wie der höchst, die so er liebet
durch seinen gnadenschein enttrübet.
Weckherlin 23, 12;
die najaden gleicher weysz ...
schwomen in hertzlichem wohn
mit dem Neckarn, so sie führte.
347;
drumb nimb, o Jesu, an, nim an mit dem gesichte
dasz erd' und meer erquickt, mein niedriges gedichte,
so dich, o höchster, lobt, und einig auff dich siht.
Opitz 1 (1629), 10, 38;
sind das die augen hier so auff die völcker schawen?
13, 138;
bald wirfft sie (Maria) auff das kind die niemals falschen augen,
das jhr den hals umbfengt, und jetzt begint zu saugen
die wunderbare milch, so nit aus menschen brunst
entsprungen, sondern nur aus blosser himmelsgunst.
15, 191;
Maria so hier sitzt entblöst nur dem die brust,
der menschen, vieh und wild erhelt mit seiner kost.
199;
hier ist nur die, so den, der gott und jhr ist, küst:
den so sie eher schon im hertzen hatt' empfangen
als in der zarten schosz.
204;
nein, nein, nicht die gemüther,
so ohne muthe sind, doch ihnen bilden ein,
als solten sie wol mehr als Hector selber seyn,
gehören in den krieg.
Fleming 134;
(ein solcher) hält sich doch nicht geringer,
als der, so viel gesehn.
ebenda;
dem grosen wunder-gott, so disen krais der erden
ausz nichts hat dargeställt, gepürt der höchste preisz.
Rompler 60;
des erhitzten schweines wüten ...
so thal und wald,
von wegen grimm und scheuszlicher gestalt,
vor seinen schrecken hält,
so ietzt den Erimanth bewohnet.
Hoffmannswaldau getr. schäfer 3;
du suchst ein wild so weit, und läszt dasselbe gehn,
so du in sicherheit nah und zu hause findest.
4;
als wäre sonst kein leben mehr zu finden,
als dieses, so die milch der tummen lieb erquicket.
7;
des helfen sternen gläntzen,
so dorten will vor der Aurora stehn,
kommt von der liebe her.
8;
die natter, so sich hier läszt im gepüsche finden,
wird nicht so wild und taub als Amarillis seyn.
11;
der dumme Claudius,
so gleichfalls ein tyrann, erlebet den verdrusz,
dasz sein verbuhltes weib mit andern sich vermählet.
Canitz 71;
den Harpax, welcher sich zum reichen mann gelogen,
und selten einen spruch im richter-ammt gethan,
so er nicht, nach dem werth der gaben, abgewogen,
den griff vor kurtzer zeit ein brennend fieber an.
85;
nichts, so sich widersprach,
flosz jemals in sein lied.
Lichtwer (1826) 4;
glaubest du, dasz auf das, so auf der erd' ihr thut,
wir mit forschendem blick wachsam nicht niedersehn?
Klopstock 1, 81 ('friedensburg' in der ausgabe von 1798 ff., geändert aus was, wie in den zu Hamburg 1771 erschienenen oden steht. vgl. Muncker-Pawel 1, 92);
da war er voll unschuld
jenes erhabneren Abdiels freund, so den tag der empörung
eine strahlende that, vor gottes auge, vollführte.
3, 89 (Mess. 2, 636, in der ausgabe von 1799, geändert aus der. Brem. beiträge 1748);
aber nicht jener zugleich, so, der himlischen jüngerschaft unwerth.
Jesus verrieth.
111 (Mess. 3, 59, ausgabe von 1799, in den Brem. beiträgen 1748: der);
angethan mit einem sterbekleide,
eine blumenkron' im blonden haar,
schlummert Röschen, so der mutter freude,
so der stolz des dorfes war.
Hölty 59, 7 Halm;
die vögelein, so ihre gottheit fühlen,
erwachen aus der ruh.
167 (nr. 97), 3;
jedes drangsal deines lebens,
so dein weiches herz gedrückt,
zeuget, dasz du nicht vergebens
oft nach trost hinausgeblickt.
Bürger 11ᵇ;
doch keiner war, der kundschaft gab,
von allen, so da kamen.
13ᵇ;
die saat, so deine jagd zertritt,
was rosz, und hund, und du verschlingst,
das brot, du fürst, ist mein.
20ᵃ;
ach, lieber! der himmel zerreisset ja nicht
die knoten, so treue, so liebe sich flicht.
34ᵃ;
jeder schönsten (blume), so die zeiten schenken,
jeder blume reiner lebenslust
spähn sie (die wünsche) nach.
79ᵇ;
tausend nennte leicht noch mein gesang,
tausend derer, so die leyer ehrten.
88ᵇ;
das ist fürwahr das schönste fädchen,
so mir auf goldnem spinnerrädchen
die Parzen in mein leben drehn!
91ᵇ;
ihre frag' erstickte die arbeit, so Phöbus Apollon
ihnen erregte.
Stolberg 11, 173 (Il. 5, 506);
wesz ist das, so vor mir liegt im sand?
Grillparzer 7 (1887), 10;
da drängen die, so grollend ferne standen,
sich fröhlich wieder in der bürger reihn.
Uhland (1864) 102;
mit dem kleinsten, so noch in die windel hofirt
liest er im Virgil der Harpy'n unart.
Platen 260;
das war der graf von Thal,
so ritt an der felsenwand.
Droste 1 (1879), 257;
kein meereseiland, keine küstenstatt,
so nicht für dich ein freundlich grüszen hat.
Freiligrath 1, 22;
nun weisz ich, dasz ein regenbogen
sich hoch um meine stirne zieht,
den auf dem pfad, so ich gezogen,
die heitre ferne spielen sieht.
Keller 9 (1900), 38;
soll das nun der dank sein
für die lieb, so ich gab?
10 (1897), 76 ('alte weisen' 1).
bei der ersten und zweiten person eines verbs musz im relativsatz das personalpronomen stehen, doch entspricht die folgende fügung nicht unserm gebrauch:
macht euch von hinnen auch die so jhr nichts wolt wissen
als nur von uppigkeit, von unverschämten küssen.
Opitz 1 (1629), 15, 201.
wir würden sagen: ihr die ihr oder einfach die ihr. ein singularisches prädicat bei so trotz der beziehung auf ein wort im plural, wie es mhd. begegnet, erklärt sich wol aus der unflectierbarkeit von so:
diu milte ob andern tugenden swebt,
sam der adelar ob allen vogelen sô nu lebt.
minnes. 1, 341ᵃ Hagen.
seltner vertritt so einen gen. oder dat.: so in disen dingen gezweifelt würde, sollen die jhenen so peinlicher frag halber zuerkennen und zu handeln gebürt, bei den rechtverstendigen ... radts pflegen. Carolina art. 28;
ich singe ir alle mîne tage,
deswâr, des besten, sô ich mich versinne.
minnes. 1, 86ᵇ Hagen;
des danket er den eidgenon
und denen so er guͦtes gon.
Liliencron hist. volksl. 2, 95 (nr. 142), 32 (Veit Weber).
ganz vereinzelt ohne beziehung auf ein vorhergehendes nomen oder pronomen, in einem das object darstellenden satze: ja, sagen sie, was soll man lernen lassen, so nicht pfaffen, münich und nonnen werden sollen? Luther 15, 28, 15 Weim. ausg.
Zitationshilfe
„so“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/so>, abgerufen am 16.11.2018.

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