Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sochen, verb.

sochen, verb.
siechen, mundartlich, besonders oberd. Stalder 2, 376. Schmid 496. Schmeller² 2, 214. Schöpf 678. idiot. austriac. 115. Höfer 3, 144. Hügel 211ᵃ, soochen Klein 2, 158 (östr.), socken Lexer kärnt. wb. 234, mhd. söchen, sochen Lexer mhd. hdwb. 2, 1049, mndl. (?) zvinen vel zohcken, marcere. Dief. 348ᵇ, mit siechen etymologisch verwandt: sô dem vuoʒe wê ist. sô söchent älliu lider mit im unde bleichent. myst. 1, 340, 4; also socht er immer mer, unz daʒ er starp. quelle bei Schmeller² 2, 214;
dar nâch wol zwölf wochen
dô gieng der münch sochen.
lieders. 2, 400, 273 Laszberg;
mit sinnverwandten verben zusammengestellt:
davon der mensch nit kranck und socht.
fastn. sp. 1083 Keller;
allitterierend: etlich werdent serben und sochen in in selber und sterbent. quelle bei Schmeller² 2, 215; siechen und sochen. quelle bei Lexer mhd. hdwb. 2, 1083. freier von toten:
die welt ist ein glesin hus,
der glantz ist bald zerbrochen,
das man muoss gar schnell darus
und in der erden sochen.
Hugo v. Montfort 144, 56.
sochend, kränkelnd, kränklich, langsam. Schmeller² 2, 215. das sochen, siechtum, kränklichkeit. Schmeller² 2, 215. Lexer mhd. hdwb. 2, 1083: daʒ bedewt ein sochen in der rechten seiten des haubtes von hizz und von durr. quelle bei Schmeller a. a. o. freier:
da find ich lieb ân herzeleides sochen.
Hadamar v. Laber jagd 265, 5;
die sach tuot dem armen also sochen,
und belangt in des jars und wochen,
das kain end daran wil werden,
des muos der arm man verderben.
des teufels netz 3773.
mit verstärkung des auslauts sochent: febris, das feber oder fieber, das kaltwehe ... das sochent. Heupold dict. (1620) 170. in gleichem sinne sochung, f.:
die nacht der kunig lag mit sorgen.
mit sochung' biʒ an den morgen.
gesammtabent. 2, 505, 450 Hagen.
dazu weiter socher, m., siechender, kränkelnder. Schmid 496. Schmeller² 2, 215. Schöpf 678. idiot. austriac. 115. Höfer 3, 144. Hügel 211ᵃ, soocher (östr.), sogger (pfälz. württemb.) Klein 2, 158, sprichwörtlich: der socher überlebt den pocher, der kränkelnde, der sich zu halten weisz, überlebt den, der sich im vertrauen auf seine feste gesundheit zu viel erlaubt. Schmid 622. Schmeller. idiot. austriac. Höfer. Hügel. Klein (östr.) a. a. o.;
hüte dich vor dem pocher.
dir schadet nie der socher.
Simrock 375, 7955.
sochig, adj. siech. Campe (als schwäb. bezeichnet), sochiger, siechender. quelle v. 1482 bei Höfler d. krankheitsnamenb. (1899) 655ᵃ. zusammensetzungen: absochen, s. dies oben th. 1, 120, auch refl., fort-, herumsochen. Schmeller² 2, 215, aussochen. Schmid 496. weiterbildung sochern, gleicher bedeutung, besonders md., sochern, saͦchern, hin-, aussaͦchern. Frommanns zschr. 3, 336, 16 (fränk.-henneb.). sochern, aussachern. Spiesz 235. sochern, sôchern, suchern, sachern. Vilmar 386: er sey, nachdem er lang zuvor gesochert, gestorben. Marburger quelle v. 1658 ebenda. vgl.: altes unschlitt, dessen flamme nur sochert. salzb. zeitg. v. 1830 bei Schmeller² 2, 215 (schwach ist, kümmerlich brennt?). dazu sôcherung, schwindsucht Vilmar 386.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1388, Z. 78.

sochen, m.

sochen, m.,
sächs. kirchsprengel. Fulda bei Campe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1389, Z. 59.

sog, m.

sog, m.
1)
eine nominalbildung zu saugen, die nur in der norddeutschen volkssprache üblich und jedenfalls ein nd. wort ist. im nhd. nur durch wörterbücher (zuerst Stieler, s. u.) bezeugt. für das mnd. setzt Schiller-Lübben soch als neutr. an, doch würden die meisten belege auch das masc. zulassen, z. b.:
so wert it beter dan en lam,
dat gistern van dem soge quam.
Gerhard v. Minden 117, 34 Leitzm.
das wort findet sich auch holl. als zog (und sock, s. unten 2, c, vgl. engl. suck), s. Franck 1212 f., und norw. als sog (das saugen, strömung im flusse, beklemmung, sausen, saugende seethiere) Aasen 726ᵃ. alle diese formen gehen auf die schwache wurzelstufe (*soga-) zurück. erhaltene kürze des vokals bezeugt die schreibung sogg bei Danneil 201ᵃ.
a)
sog, der, et der sug, id. est quod saugung, die, et das saugen, lactatus, succus. sog der speise, attractio alimenti. Stieler 1691. das einmalige saugen, von kindern und thieren, einen sog thun. Campe; nd. enen goden sog hebben, genug zu saugen haben (? vgl. b). brem. wb. 4, 1088, s. auch Frischbier 2, 343ᵃ.
b)
muttermilch, säugemilch, copia lactandi in nutricibus. brem. wb. 4, 1088. Richey 278. Strodtmann 379ᵃ. Dähnert 442ᵇ. Danneil 201ᵃ. Frischbier 2, 343ᵃ. Hupel 219, ebenso holl. zog. se hett goden sog, gute milch, er vergeit (vertrocknet) de sog. Richey 278, danach Campe (als hamburg.), ebenso brem. wb. a. a. o., se hett sog noog (genug) Dähnert a. a. o., die amme hat einen guten sog. Frischbier a. a. o., hat viel oder wenig sog. Hupel a. a. o. aber auch: dat kind het den vullen sog nig, findet nicht milch genug in der brust. brem. wb. a. a. o. (vgl. a). vereinzelt in der nhd. litteratur:
das Laton
jhr töchterlein und kleinen sohn
an dem ufer danidder legt,
auffn knien sasz, die hand bewegt,
als wolt sie greiffen in den graben,
und jhr hertz mit dem wasser laben,
das dhitz kinder und sogk beschwert,
math gemacht und gar ausgezehrt.
froschm. Nn 8ᵃ.
dazu werden im nd. composita wie sogferkel, -fohlen, -kalb -lamm (s. das.) gebildet, die im hd. saug- haben.
c)
dazu ferken von eenem sog von éinem, dem gleichen wurf. Strodtmann 221 (varken van enem sog. brem. wb. 4, 1088); kinder van eenem sog, von derselben mutter, auch übertragen, vom gleichen schlage, et sind kinder van eenem sog, sie taugen alle nichts. ebenda. Campe.
d)
säugezeit, der soge (fälschlich statt sog), ... tempus lactandi. Frisch 2, 151ᶜ, nach: dat verken unde dat tzickelin binnen irme soge ... dat volen (büszt man) vor enen schilling binnen sime soge. Sachsensp. 3, 51. s. auch Scherz-Oberlin 1516.
e)
westf. sog euter Woeste 248ᵃ.
2)
auszerdem findet sich sog als technischer ausdruck der schiffersprache und des wasserbaus in verschiedenen verwendungen, wobei meist die beziehung zu saugen nicht sehr deutlich, wenn überhaupt ursprünglich anzunehmen ist.
a)
ein brunnenartiger, bis auf den boden gehender kasten im schiffe hinten am besanmaste mit zwei pumpen, der das ins schiff gedrungene wasser gleichsam einsaugt. Adelung. Jacobsson 4, 182ᵃ. vgl. soge.
b)
'ein ins ufer gegrabenes loch, bassin, wo ein schiff einlegen kann.' brem. wb. 4, 1089. Jacobsson a. a. o.
c)
spur, streifen im wasser, den ein fahrendes schiff hinter sich läszt, fahr-, kielwasser. Adelung. Bobrik 640ᵇ, vgl.: sock. sulcus navis. sock maecken. sulcare mare ... carinà. Kilian. ein schiff legt sich in des andern sog, fährt ihm nach. Adelung. Jacobsson a. a. o. vgl. soge.
d)
'das scharf oder die schneidung des schiffes hinten, wodurch der lauf des wassers zum steuerruder befördert wird.' Bobrik 640ᵇ, vgl. scharf 10, i, th. 8, 2188; das schiff hat einen guten sog, ist hinten scharf gebaut. Campe; in den meisten fällen wird indessen dem mit dem hinterschiffe in berührung kommenden wasser vermöge der reibung am schiffsboden (durch den sogenannten sog) eine geschwindigkeit nach vorn ertheilt. Weisbach lehrb. der ingenieur- u. maschinenmechanik² 3, 2, 614.
e)
vom wellenzuge der see nach der höhe: hîde heft de see e starke sog. Frischbier 2, 343ᵇ.
3)
nd. sog, auch sogwind, zug, luftzug, zugwind, -luft. brem. wb. 4, 1088 f. Adelung, ist vielleicht aus dem hd. zug entlehnt, wie besonders das ostfries. sog, ssog (daneben tog, tocht) anzudeuten scheint, s. ten Doornkaat Koolman 3, 254ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1404, Z. 29.

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Zitationshilfe
„sochen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sochen>, abgerufen am 26.10.2021.

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