Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sockel, m.

sockel, m.
fuszgestell, unterer absatz eines gebäudes, denkmals, einer säule; baulicher ausdruck. aus dem italiänischen zoccolo (nach dem lateinischen dim. socculus) zunächst ins französische übergegangen: socle, zocle, der fusz eines brustbildes Frisch dict. de passagers (1730) 1530, wo auch das einfache soc galt: soc, wird von einigen Franzosen die grosze platte in dem schaftgesimse einer säule genennt, welche bei dem Vitruvio plinthus heiszet. mathemat. lexicon (1747) 1, 1211; noch Adelung verzeichnet das wort als deutsches nicht, während Campe es bereits ohne alle bemerkung, demnach als gewöhnlich gebrauchtes bringt; die einführung in deutscher form zunächst als wort der bausprache, sehr bald aber auch der allgemeinen musz in den letzten jahrzehnten des 18. jahrhunderts erfolgt sein, in den schriften Göthes seit seiner mittleren zeit wird es häufig gebraucht: den jahren nach waren sie (alte denkmäler von stein) an der mauer aufgerichtet, eingefügt oder sonst angebracht; der hohe sockel der kirche selbst war damit vermannichfaltigt und geziert. 17, 22; die sämmtlichen monumente waren von ihrer stelle gerückt und hatten an der mauer, an dem sockel der kirche platz gefunden. 200; mit himmelblauen teppichen waren die wände fast von oben bis unten bekleidet, so dasz nur sockel und friesz hervorschienen. 20, 252; ihr werdet bemerken, dasz in den sockeln und friesen (einer galerie) nicht sowol synchronistische als symphronistische handlungen und begebenheiten aufgeführt sind. 22, 19; auf einem hohen sockel von marmor standen unzählige spiesze und partisanen neben einander gereiht. 24, 85; nach dem kaffee wirft er sich in einen sessel, die füsze gegen den kaminsockel gestemmt. 36, 80; und nach dem bei anderen: der graue, verwitterte denkstein ruht auf geborstenem sockel. Anzengruber 4 (1897), 338;
dann fehlts ja nicht an mancherlei zu thun:
der wasserkrug, der opferherd, die kränze,
und säul und sockel, estrich und altar
zu reinigen, zu schmücken, zu bewahren.
Grillparzer 6, 8;
jetzt auch sockel einer blumenvase.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1392, Z. 46.

sockel, m.

sockel, m.,
eine art schuhwerk; lehnwort aus lat. socculus, zunächst in geistlichen kreisen, wo es die sandalen von leder oder holz der ordensleute bezeichnete (vgl.socculus Du Cange 7, 504ᶜ, soculi 507ᵇ), von wo es in die italiänische volkssprache als zoccolo in der bedeutung des holzschuhs, holzpantoffels drang; im deutschen ist das wort nur auf südlichem gebiete einigermaszen in der älteren sprache verbreitet gewesen, mit dem plur. sockeln und söckel: patitus (aus mittellat. patinus, calopodium seu lignea crepidula corio pedibus aptata Du Cange 6, 212ᶜ) suckel, sockel Dief. 416ᶜ; solea pantoffel l. suckel 540ᶜ; circumpedes, calcei fratrum minorum sockel 122ᵇ; patitus, paticus sockeln, barfuͦsen schuͦch nov. gloss. 282ᵇ; geschucht mit sockel. Emser n. test., Marc. 6, 9 mit der glosse: alhie setzt Luther 'sonder geschucht' alleyn darumb, das sockeln ader holtzschuch zu tragen der aposteln tracht nicht vergleicht werden mocht (der griech. text hat ὑποδεδεμένους σανδάλια, got. gaskôhai suljôm, Luther hat nur sunder weren geschucht übersetzt); das wort wird übertragen auf die ziersandalen der bischöflichen amtstracht: (heidnische priester) truegen hauben, so man infel nent, und söckel oder pantofel und pössel, claine subtile stiffelein, wie ietzo die weichpischof antragen, so man sandalia nent kriechisch. Aventin. bair. chron. 1, 108, 15; söckel kostlicher dan unsere bischöff tragen, gebrauchen sy sich für schuͦch, mit künstlicher arbeyt gemacht. S. Franck weltb. 188ᵇ; auf weltliche frauentracht bezogen: (Judith) legt kleyder an die zu fröuden gehortend, sokolen an jr füsz, armgezierd, spangen, ohrgehenke, ring und was zur zierde dienet. Züricher bibel 1530 615ᵃ (induitque sandalia pedibus suis Judith 10, 3); ire sockeln habend jm seine augen verzuckt. ebenda (sandalia rapuerunt oculos ejus. Judith 16, 11ᵈ).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1393, Z. 1.

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Zitationshilfe
„sockel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sockel>, abgerufen am 24.10.2021.

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