Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sackel

sackel,
in sackelwent, eine aus sacrament entstellte fluchformel: Mars sprach, potz tausent sackelwent. Thurneisser archid. 18ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1618, Z. 49.

säckel, n.

säckel, n.,
s. säcklein.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1618, Z. 52.

säckel, m.

säckel, m.
marsupium, sacculus. ahd. sahhil, secchil, sechil, seckil, mhd. sechel, wol nicht deutsche diminutivbildung zu sack, wogegen das masculine geschlecht spricht, sondern frühes lehnwort aus lat. sacculus, mit einiger umformung unter anlehnung an das deutsche diminutiv, ahd. sahhilin, sechili (vgl. unter säcklein).
1)
kleiner sack, tasche, beutel:
gibôt, thaʒ sie firnâmin,   ouh wiht mit in ni nâmin
thô zi themo friste   in zi wegeneste
sechil noh thia malaha,   thaʒ sus sie fuarin thanana.
Otfrid 3, 14, 91.
besonders geldtasche, geldbeutel: sakkil, marsupium, sacculus Graff 6, 73; seckel, bursa, crumena, loculus, locellus Dief. 85ᵃ. 159ᶜ. 355ᵃ; seckel, sacculus, crumena, marsupium Kilian; säckel, marsupium, crumena Stieler 1659; sekkel, loculus, beutel Schottel 1415; säkkel, crumena 1391; ettliche sind, die gaͤben den armen ein wenig, dʒ sy dester meer empfahen ... also werden die schädlichen thier, die vögel und die fisch gefangen. es wirt ein wenig spiʒ an den angel gesteckt, damit ds erberen frowen seckel herfür gezogen werden. Pamph. Gengenbach 178, 438; auff das du nicht zum bettler werdest, und wenn du nimer geld im sekel hast, auff wucher nemen müssest. Sir. 18, 33; verkeuffet, was jr habt, und gebt almosen. machet euch seckel, die nicht veralten, einen schatz, der nimer abnimpt im himel, da kein dieb zu kompt, und den keine motten fressen. Luc. 12, 33; wer das gelt veracht umb des bösen seckels willen, den solt man mit mum füllen. Fischart groszm. 25 neudruck; mancher hat so ein starkes gesicht, dasz er dem andern durch den säckel sieht. Lehmann 66; er hat keinen heller im seckel, ne obolum quidem possidet. Stieler 1659;
züch uf den seckel und riemen!
dann hier redt vorhien niemen,
es syg dann vor das gelt in henden.
denn will ich dsach zum besten wenden.
fastn. sp. 868, 27;
die weil sein seckel mintz gnuͦg hat.
Pamphil. Gengenbach 405;
nicht ein schaustück? kein geschmeid?
was jeder handwerksbursch im grund des säckels spart,
zum angedenken aufbewahrt.
Göthe 12, 152;
weiszt du denn nicht, dasz arme, blinde, lahme
der säckel sind, dem er sein geld vertraut?
Grillparzer 7, 6.
besonders bekannt ist der säckel des Fortunatus, der nie leer wurde: vom dintenfasz (welches mich allerdings an des Fortunati säckel gemahnete). Simpl. 1, 94, 30 Kurz;
nimm diesen säckel, jeder griff giebt dir des golds
zehn wichtige stück, im lande gültig, wo du weilst.
Tieck 3, 133.
es heiszt den säckel füllen, leeren, aufthun, bluten lassen und ähnl.:
der arbeit zugethan, die leere säckel füllt.
Rachel satiren 4, 100;
ein weiser lebt, obwol nicht krumme griffe
durch strotzend gold ihm seine seckel blähen.
Hagedorn 1, 11;
den seckel bisweilen recht aufthun. Schuppius 732;
für wenige minuten
genossner lust den säckel lassen bluten,
das that ihm weh!
Klamer Schmidt kom. erzähl. 74.
den säckel schaben, ihn dünn machen, den inhalt entleeren:
aber richter, fürsprech, schryber, die knaben,
die werdend inen den seckel schaben,
dasz inen nit vil überblybt.
fastn. sp. 861, 19;
wend ir sin mit verdrusz haben,
wil im der wirt den seckel schaben.
Nicl. Manuel 392, 16 Bächtold.
einem auf dem seckel hucken, einem schaden bringen Schm. 2, 222. übertragen auf den inhalt des geldbeutels:
ich thor, ich hatte ja kein gold;
mit seckeln nur kauft man der liebe sold.
Seume ged. 123, 3.
bezeichnung des öffentlichen schatzes, des staatsschatzes: gemeiner seckel, fiscus, aerarium Stieler 1659; aus dem gemeinen säckel anschaffen, kaufen, bestreiten (im gegensatz zu dem zahlen aus eigenem säckel): aber das ward von der gemeinen statt seckel so miltiglich dargeben, das sein begrebnus königlichen zugericht ward. Livius von Schöfferlin 27; und jederman das aus seinem seckel dargeben und erstatten. 40; lex Julia de peculatu, gesatz von beraubung dess gemeinen seckels. jus fisci, recht desz gemeinen seckels. Frischlin nomencl. 262. 264;
vor neun jahren
beym Dänenkriege, stellt' ich eine macht ihm auf
von vierzig tausend köpfen oder fünfzig,
die aus dem eignen seckel keinen deut
ihm kostete.
Schiller Piccolom. 2, 7.
2)
mundartlich hodensack, vgl. Schöpf 574. Hintner 202. daher auch scheltwort gegen mannspersonen. ebenda.
3)
im preuszischen heiszt der klingelbeutel der säckel. Frischbier 2, 243.
4)
säckel, säckelkraut (s. daselbst): säckel, säckelkraut, thlaspi bursa pastoris. Nemnich 2, 1456.
5)
im alten testament name eines gewichtes und einer münze der alten Juden: seckel, siclus Hebraeorum. Apini gloss. 490. eine besondere art war der säckel des heiligthums: seckel des heiligtums, siclus sanctuarii Stieler 1659; da nu die kamel alle getruncken hatten, nam er eine gülden spangen eins halben sekels schweer, und zween armringe an jre hende, zehen sekel golds schweer. 1 Mos. 22, 24; also gab David Arnan umb den raum, gold am gewicht sechs hundert sekel. 1 chron. 22, 25; alles golde, das vererbeit ist in diesem gantzen werck des heiligthums, das zur webe gegeben ward, ist neun und zwentzig centner, sieben hundert und dreiszig sekel, nach dem sekel des heiligtums. 2 Mos. 38, 24; und es galt ein scheffel semelmelh einen sekel, und zween scheffel gersten auch einen sekel, nach dem wort des herrn. 2 kön. 7, 16.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1618, Z. 53.

sackeln, verb.

sackeln, verb.
intr. westerwäldisch, sich aufhalten, überall unterwegs stehn bleiben (vgl. sacken unter II, 2). Schmidt 169. Kehrein 1, 335.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1620, Z. 53.

säckeln, verb.

säckeln, verb.
trans. den säckel, den geldbeutel füllen: bursare, imbursare, gelt in drucken, secklen. Dief. 85ᵃ; wolgesekkelt, wolgehalten. Schottel 1122ᵇ. vgl. Frischbier 2, 243. Schmid schwäb. wb. 446. Albrecht 195ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1620, Z. 56.

sockel, m.

sockel, m.
fuszgestell, unterer absatz eines gebäudes, denkmals, einer säule; baulicher ausdruck. aus dem italiänischen zoccolo (nach dem lateinischen dim. socculus) zunächst ins französische übergegangen: socle, zocle, der fusz eines brustbildes Frisch dict. de passagers (1730) 1530, wo auch das einfache soc galt: soc, wird von einigen Franzosen die grosze platte in dem schaftgesimse einer säule genennt, welche bei dem Vitruvio plinthus heiszet. mathemat. lexicon (1747) 1, 1211; noch Adelung verzeichnet das wort als deutsches nicht, während Campe es bereits ohne alle bemerkung, demnach als gewöhnlich gebrauchtes bringt; die einführung in deutscher form zunächst als wort der bausprache, sehr bald aber auch der allgemeinen musz in den letzten jahrzehnten des 18. jahrhunderts erfolgt sein, in den schriften Göthes seit seiner mittleren zeit wird es häufig gebraucht: den jahren nach waren sie (alte denkmäler von stein) an der mauer aufgerichtet, eingefügt oder sonst angebracht; der hohe sockel der kirche selbst war damit vermannichfaltigt und geziert. 17, 22; die sämmtlichen monumente waren von ihrer stelle gerückt und hatten an der mauer, an dem sockel der kirche platz gefunden. 200; mit himmelblauen teppichen waren die wände fast von oben bis unten bekleidet, so dasz nur sockel und friesz hervorschienen. 20, 252; ihr werdet bemerken, dasz in den sockeln und friesen (einer galerie) nicht sowol synchronistische als symphronistische handlungen und begebenheiten aufgeführt sind. 22, 19; auf einem hohen sockel von marmor standen unzählige spiesze und partisanen neben einander gereiht. 24, 85; nach dem kaffee wirft er sich in einen sessel, die füsze gegen den kaminsockel gestemmt. 36, 80; und nach dem bei anderen: der graue, verwitterte denkstein ruht auf geborstenem sockel. Anzengruber 4 (1897), 338;
dann fehlts ja nicht an mancherlei zu thun:
der wasserkrug, der opferherd, die kränze,
und säul und sockel, estrich und altar
zu reinigen, zu schmücken, zu bewahren.
Grillparzer 6, 8;
jetzt auch sockel einer blumenvase.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1392, Z. 46.

sockel, m.

sockel, m.,
eine art schuhwerk; lehnwort aus lat. socculus, zunächst in geistlichen kreisen, wo es die sandalen von leder oder holz der ordensleute bezeichnete (vgl.socculus Du Cange 7, 504ᶜ, soculi 507ᵇ), von wo es in die italiänische volkssprache als zoccolo in der bedeutung des holzschuhs, holzpantoffels drang; im deutschen ist das wort nur auf südlichem gebiete einigermaszen in der älteren sprache verbreitet gewesen, mit dem plur. sockeln und söckel: patitus (aus mittellat. patinus, calopodium seu lignea crepidula corio pedibus aptata Du Cange 6, 212ᶜ) suckel, sockel Dief. 416ᶜ; solea pantoffel l. suckel 540ᶜ; circumpedes, calcei fratrum minorum sockel 122ᵇ; patitus, paticus sockeln, barfuͦsen schuͦch nov. gloss. 282ᵇ; geschucht mit sockel. Emser n. test., Marc. 6, 9 mit der glosse: alhie setzt Luther 'sonder geschucht' alleyn darumb, das sockeln ader holtzschuch zu tragen der aposteln tracht nicht vergleicht werden mocht (der griech. text hat ὑποδεδεμένους σανδάλια, got. gaskôhai suljôm, Luther hat nur sunder weren geschucht übersetzt); das wort wird übertragen auf die ziersandalen der bischöflichen amtstracht: (heidnische priester) truegen hauben, so man infel nent, und söckel oder pantofel und pössel, claine subtile stiffelein, wie ietzo die weichpischof antragen, so man sandalia nent kriechisch. Aventin. bair. chron. 1, 108, 15; söckel kostlicher dan unsere bischöff tragen, gebrauchen sy sich für schuͦch, mit künstlicher arbeyt gemacht. S. Franck weltb. 188ᵇ; auf weltliche frauentracht bezogen: (Judith) legt kleyder an die zu fröuden gehortend, sokolen an jr füsz, armgezierd, spangen, ohrgehenke, ring und was zur zierde dienet. Züricher bibel 1530 615ᵃ (induitque sandalia pedibus suis Judith 10, 3); ire sockeln habend jm seine augen verzuckt. ebenda (sandalia rapuerunt oculos ejus. Judith 16, 11ᵈ).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1393, Z. 1.

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Zitationshilfe
„sockel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sockel>.

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